So kann man es auch machen…

Kennen sie das?

Sie sind Taxifahrer, und warten am Bahnhof. Sie sind der erste in der Schlange, und der Fahrgast, der auf sie zukommt, übertrifft sogar sie selbst noch im Alter. Mit zusätzlicher Sauerstoffversorgung kämpft er sich mühsam bis zu ihrem Taxi.

Wie beginnen sie die Konversation, um zu vermeiden, dieses unwerte Stück Mensch in ihrem Taxi haben zu müssen?

Genau! Sie begrüßen ihn mit den Worten:

„Na, Opa?“

Und: Erfolg! Der alte Mann kehrt ihnen den Rücken zu und schleppt sich zur nächsten Taxe. Gut gemacht! Soll sich doch ein anderer Idiot mit solch unwertem Leben rumschlagen! Und besser noch: Sie können sich jetzt sogar echauffieren, weil sie es ja nur nett gemeint haben. Was haben sie schlimmes gemacht? Sehr clever!

Zugegeben: die Tour war wirklich anstrengend. Ich hab dem alten Herrn noch bei sich bis zur Wohnung hoch geholfen, was ungelogen eine Viertelstunde in Anspruch genommen hat, da er die ihm verbleibende Luft lieber zum Reden als zum Laufen verwendet hat (ich denke, ich darf das schreiben, er hat sich selbst mehrfach darüber aufgeregt 😉 )
Aber er war nett und er hat das auch nicht von mir erwartet. Ich habe es ihm angeboten. Und wenn es bloß war, um das Verhalten meines „Kollegen“ auszugleichen.

Und da am Ende ja auch die Zahl vor dem Komma zählt: 5,80 € Trinkgeld.

So bösartig bin ich übrigens nur, weil ich den Typen langsam kenne: Es war der Fahrer, der auch für diese Touren von mir verantwortlich war. Irgendwann schmuggeln wir ihm Ozie mal als Kundin unter und hoffen, dass sein Verhalten für eine Anzeige reichen wird. Würde mich nicht wundern, wenn der auch kuriose Strecken fährt.

Schlüsselkinder

Dass die Samstagsschicht verdammt gut war, habe ich in den letzten beiden Einträgen bereits geschrieben und sogar Zahlen genannt. Nur unzureichend beschreibt es allerdings den Dusel der letzten Stunde der Schicht. Ich habe hochzufrieden nach dem Einfahren von rund 250 € beschlossen, ich nehme noch eine kurze Tour mit, um dann vielleicht über dem Silvesterumsatz zu liegen. Es war 6.30 Uhr, eine halbe Stunde lang hatte ich das Auto offiziell noch und ich habe es gerade gewaschen und getankt.

Am Ostbahnhof stieg mir dann nach wenigen Minuten tatsächlich eine Frau zu. Der Anfang war vielversprechend:

„Ist leider nicht wirklich weit…“

Na also, so wünsche ich mir das.

„Nach Köpenick in den…“

Nicht weit? Ich merke hier gerne noch mal an, dass die durchschnittliche Tour in Berlin zwischen 11 und 12 € bringt, und damit runde 5 km lang ist. Köpenick bedeutet runde 25 €…

Ich hab kurz überlegen müssen. Klar, alle Kollegen hätten sich gefreut, wenn ich ihnen die Tour geschenkt hätte, aber ich finde es eigentlich nicht nett, Kunden weiterzureichen, weil es einem nicht passt. Zudem hallte mir im Kopf, dass mein Tagfahrer mal gesagt hat, er fange Sonntags sowieso frühestens 8.30 Uhr an. Und naja… es war zwar kalt, aber er kommt  mit dem Auto zur Übergabe. Will heissen: Wenn er 10 Minuten warten muss, dann wird er mich deswegen auch nicht hassen. Also auf nach Köpenick!

Die Fahrt war unspektakulär und geprägt durch das Redebedürfnis meines Fahrgastes. Sie kam aus dem Skiurlaub und hatte einige nette Anekdoten zu erzählen, wie beispielsweise die, dass sie sich mal „versehentlich“ bei einem Mountainbike-Extreme-Race angemeldet hat, und das dann auch durchgezogen hat, weil sie „nun eh schon da war“. Ist jetzt aber eine stark vereinfachte Version…

Naja, schließlich machte ich mich wieder auf den Rückweg und hoffte, das Auto so gegen 7.20 Uhr abstellen zu können. An der langen Brücke dann: Winker. Ich hab mit mir gerungen, aber immerhin war die Fahrtrichtung stadteinwärts, also wie schlimm sollte es kommen?

„Nach Altglienicke, bzw. Schönefeld…“

OK, ich werde mich meinem Ziel also eher spiralförmig annähern. Zwei Partygänger auf dem Heimweg, beide eigentlich recht nüchtern. Das könnte allerdings auch daran gelegen haben, dass sie bereits seit mindestens einer halben Stunde zu Fuß unterwegs waren und auf ein vorbeifahrendes Taxi gehofft haben. Auch diese Fahrt verlief ganz reibungslos und toll, allerdings kam die Wende ca. 200 Meter vor dem Ziel:

„Wie, du hast deinen Schlüssel nicht dabei?“

„Ja nee, im Ernst…“

Also durfte ich wenden, und die beiden wieder nach Köpenick fahren. Nix war es mit Spirale. Ich komme wohl einfach nicht mehr an. Schließlich wollten sie danach wieder nach Altglienicke…

Bemerkenswert übrigens folgendes Dialog-Kleinod:

„Och, das war jetzt aber auch wieder… ne, Häschen?“

„Wie, warum bin ich denn jetzt…?“

„Ey, na klar bist du Häschen!“

Unterwegs haben sie dann beschlossen, dass Häschen die Dame bereits wieder fahrtüchtig ist, und meine Dienste nur bis zu ihrem Auto (wo der Schlüssel sich so oder so befand) benötigt werden. Sonderlich wehgetan hat das auch nicht, obwohl ich mich natürlich gefreut hätte, die 300 € Umsatz zu knacken. Um die Fahrtüchtigkeit schien es ja auch nicht so schlecht bestellt zu sein, sodass ich nicht interveniert habe – was sowieso immer nach Geschäftemacherei aussieht.

Und wie bereits geschrieben habe ich dann nach 12 Stunden mit 297 € das Auto um 8 Uhr abgestellt. Mein Tagfahrer war noch nicht mal da, es gibt also nichts, was ich zu bereuen hätte 🙂

Ich nehme alles zurück! OK, nicht alles, aber immerhin!

Jetzt habe ich die negativen Seiten des neuen Dachschildes ja oft genug hier durchgekaut. Aber jetzt muss ich der Fairness halber erwähnen, dass ich derletzt offensichtlich wegen der Werbung eine Tour hatte. Ich vermute zwar stark, dass es ein Einzelfall bleiben wird, aber ich will ja ehrlich bleiben hier 😉

Ich stehe als 15. in der Schlange am Bahnhof. Die Zeit schlage ich mit Lesen tot und ein Brötchen hab ich auch ausgepackt, um nebenher ein bisschen was in den Magen zu bekommen. Plötzlich grinst es neben mir am Fenster. Äußerst kundenunfreundlich muss ich gewirkt haben, mit einem Haufen halbzersetzten Teigs im Mund. Immerhin ist mir beim Lächeln nichts davon rausgefallen.

Und die nette Dame sagte in gebrochenem Deutsch mit einem permanent unterdrückten Lachen:

„Ich gesehen „Taxi macht Appetit“ und du essen…“ *grins*

Naja, ich hab ja auch lieber Kunden als dass ich Pause mache:

„Tja, sehen sie: Es muss also stimmen!“

Und eine Tour für 8 € ist weitaus besser als noch eine halbe Stunde warten 🙂

Was der jetzt wohl denkt?

„Gott sei Dank isses so gelaufen!“

Mehr hab ich mir nicht gedacht. Ehrlich.

Ich war wirklich froh, dass ich eine nette Truppe an Bord hatte. Am Ostbahnhof eingestiegen, das Fahrtziel lag in Baumschulenweg. Die Truppe war zu fünft, gemischtgeschlechtlich, in Feierlaune aber zurechnungsfähig. Ein Deutscher, der ein paar Engländer noch zu sich eingeladen hat. Klasse Sache.

Dass ausgerechnet das Mädel in der Mitte etwas von „I’m sick…“ anfing zu erzählen, mischte das heitere Treiben dann ein wenig auf:

Blitzstop an der rechten Seite. Aufruf des Beifahrers, der links Sitzende möge aussteigen, Fluch auf die Kindersicherung, Hechtsprung des rechts Sitzenden und künstlerisch wertvolles Kotzen der Mittelsitzerin aus der rechten Tür. Kein Fleck im oder am Wagen! Perfekt! Wenn schon kotzen, dann doch so!

Man sollte meinen, es sei alles in Ordnung…

Weit gefehlt!

Die junge Dame, der ich mit stoischer Gelassenheit ein paar Blatt meiner Küchenrolle zum Abwischen gereicht habe, war mit der Situation geringfügig überfordert. Naja, überfordert… die ganze Sache war ihr so peinlich, dass sie in Tränen ausbracht, und sich geschlagene 5 Minuten geweigert hat, wieder ins Auto einzusteigen. Die Begründung ist dabei mehr als logisch ausgefallen: Was ich jetzt schließlich von ihr denken würde, und sie würde doch lieber ein anderes Taxi zur Heimfahrt nehmen.

Und dem Gedanken, dass ich mir jetzt ernsthaft auf den letzten 2 Kilometern krude Dinge über eine durchschnittlich ruhige junge Frau mache, die nach ein wenig zu viel Alkohol kotzen musste, war einfach nicht so leicht beizukommen. Dass das nicht angenehm ist, verstehe ich ja. Aber dieser Terz um ein paar Magensäfte, die niemanden irgendwie ernsthaft gestört haben… boah tragisch, echt jetzt!

Naja, sie hat es überlebt und 5 Minuten sind auch 2 €…

Die Krönung kam dann aber mit dem Trinkgeld. Der Mitreisende hinter mir flüsterte meinem Beifahrer zum Ende hin zu, er solle doch ein ordentliches Trinkgeld geben. Die Uhr blieb auf 17,10 € stehen. Der Beifahrer kramte in seinem Geldbeutel umher und förderte 16 € ans Tageslicht. Er reichte sie mir mit einem verschwörerischen Grinsen und meinte, ich solle einfach alles einstecken.

Mir war klar, dass er mich nicht verarschen wollte, und so tat ich mich etwas schwer mit der Aussage, dass da leider so oder so noch 1,10 € fehlen. Das hat ihn echt peinlich berührt, und dann hat er einfach noch einen Fünfer hinterher geschoben. Vielen Dank!

Netter Dialog zu diesem Zeitpunkt:

Fahrgast: „That was the cheapest taxi I ever took!“
Sash: „I guess you’re from England…“
Fahrgast: „Ireland. That’s the worst…“

Während nach und nach alle das Taxi verließen, ließ der Hintermann noch ein paar Münzen zum Beifahrer kullern und forderte ihn auf, mir diese auch noch zu geben. Der lamentierte, er hätte mir schon mehr als genug gegeben – wogegen ich gar nichts einwenden wollte. Dank des Drucks von der Rückbank legte er nochmals demütig 4 € in Münzen dazu, sodass ich letztlich mit 25,00 € von dannen gezogen bin, wo die Fahrt ohne alle Unwägbarkeiten gerademal 15 € gekostet hätte. Manchmal liebe ich meine Fahrgäste ja ein wenig…

PS:

Sollte irgendein Anwohner in Baumschulenweg sich über Schreie in den frühen Morgenstunden des 26. September 2009 gewundert haben: Das war nur die würdige Verabschiedung vom „best taxi driver ever“. Manchmal könnte man flennen vor Rührung, ehrlich! 🙂

Offenheit…

…ist ja quasi eine Schlüsselqualifikation heutzutage.

„Gnädige Frau, bringen sie mich bitte zur Fickzentrale! Ich bin der Sash, dass da sind meine notgeilen Anhänger, und ich hab heute sowas von dicke Eier… bin ich froh, dass ich nachher noch ficken kann. Und da drüben, also das… das ist eine FICKGARANTIE! Da werd ich mir aber sowas von… Endlich!“

Würde ich so bei einer Taxifahrerin einsteigen? Natürlich nicht. Ist aber so ziemlich genau das, was ich mir heute anhören durfte. Nur vom anderen Ufer. Ehrlich gesagt, finde ich den Umgang der meisten Schwulen mit ihrer Sexualität beeindruckend. Im Positiven Sinn. Nicht nur (aber sicher auch), weil ich Homosexuellen in Anbetracht ihrer (immer noch andauernden) Unterdrückung in so einem Fall Mut zugestehen muss, sondern weil ich es grundsätzlich nicht schlimm finde, Sexualität als einen Teil des Lebens zu betrachten, und selbigen somit auch benennen zu können. Folglich habe ich auch kein Problem mit deutlichen Ansagen. Noch dazu war in diesem Fall ja CSD, also kam die Feierlaune natürlich auch noch dazu. Aber wirklich an der Grenze war dann die Aussage:

(Minderjährige bitte erblinden!)

„Ich hab mir den Aaaaafter auch schon eingecremt. Das ist so eine lange wirkende Creme, weisst du?“

Meine Antwort hat wenigstens seine Mitreisenden erheitert, ich habe damit nur klargestellt, dass er das für mich nicht hätte tun müssen:

„Das ist ja nicht schlecht, sonst wäre das ja völlig umsonst gewesen…“

Aber da man solche Aussagen schnell mal in den falschen Hals bekommen kann: Ich möchte hier echt mal eine Lanze für meine schwule Kundschaft brechen: Ich hab zwar schon viele Dinge von ihnen erfahren, die mich als Hetero nur begrenzt interessieren, aber ich habe mich niemals bedrängt gefühlt. Mal abgesehen davon, dass ich auch schon eine Menge übles Geschwätz von sexuell anders orientierten Menschen abbekommen habe. Die Schwulen waren bisher immer (und da zählt auch der Meister von heute – abgesehen von seiner Wortwahl – dazu) angenehme Kunden, die sich zu benehmen wussten. Noch dazu waren es meist lustige und interessante Leute. Also versteht das hier nicht als Klischeegelaber über Schwule.

Russen-Disco!

Steigen am Berghain drei Leute ein. Schon von der Besetzung her hätte mir klar sein sollen, dass das nicht gerade eine normale Fahrt wird. Die Protagonisten neben mir:

Dame 1, im Folgenden D1 genannt: Ende 20, blond, unauffällig

Dame 2, im Folgenden D2 genannt: Mitte 30, etwas verlebtes Gesicht, auffallend alkoholisiert, eher freizügig bekleidet

Herr 3, im Folgenden H3 genannt: Mindestens 50, ebenso alkoholisiert und Anzugträger

Gut gelaunt sind sie eingestiegen und haben als Fahrtziel „die Russen-Disco“ genannt. Sagte mir erstmal nichts. Auch als sie dann sagten, sie meinten das „CCCP“ am Rosenthaler Platz, wusste ich es nicht so recht, aber wie ich zum Rosenthaler komme, weiss ich ja. Nach ungefähr dreieinhalb Sekunden habe ich mich davon überzeugen können, dass die Manieren der drei nicht… sagen wir mal: der Norm entsprechen.

„Schmeiß mal die Scheiß-Sitzheizung an!“, tönte H3.

„Heh, des heisst „Muschi-Heizung“!“, korrigierte D2 ihn brüllend.

Sie fing dann auch gleich an zu reden:

„Geil, du hast’n CD-Player! Kannste des mal reinmachen!? Jetzt gibt’s hier mal echt geile Mucke! Mach mal lauter. Noch lauter. Nee, noch’n bisschen. Noch mehr. Dreh doch mal voll auf…“

Und ich hab tatsächlich nach jeder Bitte lauter gemacht. Hab ja nichts gegen Musik. Nicht mal gegen Elektro. Wie ich irgendwo schon einmal erwähnte: Für fünf Minuten kann ich mir alles antun!

Nun aber ging es los: Die ganze Fahrt über diskutierten sie nur darüber, wo sie nicht stattdessen hingehen könnten. Das Fahrtziel wurde mehrmals verschoben, aber immer wieder gleich korrigiert. Dank der Musik funktionierte das natürlich auch nur brüllenderweise. Irgendwann sprang dann die CD, wofür angeblich auch nur der Player was konnte, und selbst nach der Entnahme der Digitalscheibe und deren Begutachtung war klar, dass die natürlich vorher nicht so verkratzt war. Immerhin forderte niemand Schadensersatz, und wir stiegen um auf Radio in Lautstärke 10,5 (von 10). Der verstörendste Moment war dann zweifelsohne der, als es darum ging, ob sie jetzt in das Café oder die Disco wollen, und H3 sich lautstark für die Disco aussprach.

Daraufhin sprach D1 nämlich relativ leise jene Worte, die kein Mann jemals nicht verstanden hat – selbst wenn es sich um ein Flüstergespräch im Innern einer Flugzeugturbine bei Höchstlast handelt:

„Schade, ich wollte heute eigentlich noch ficken…“

Ob ihr’s glaubt oder nicht: Sowas ist nicht einmal sonderlich ungewöhnlich im Taxi. Verstörend wurde es in dem Moment, als ich daraufhin in den Rückspiegel gesehen habe, und in zwei schmachtende Augen blickte, die MICH fixierten. Warum passiert einem sowas eigentlich nur, wenn man gerade eine Beziehung führt, die man für nichts aufgeben würde? Hätte die nicht 4 Jahre vorher kommen können?

Ich hab dann total männlich darauf reagiert, und für den Rest der Fahrt nicht mehr in den Rückspiegel geschaut…

Sie sind dann schließlich an der „Russen-Disco“ ausgestiegen, und ich bekam immerhin über zwei Euro Trinkgeld. Aber von ihm – nicht, dass ihr jetzt denkt…

14,40€/km – Tarifwahnsinn in Berlin!

Boah, ist das eine Bild-mäßige Überschrift! *stolzbin*

Nachdem ich gerade die fünfte Taxi-Dialog-Folge online gestellt habe, dachte ich mir, es könne wahrscheinlich niemand verstehen, weswegen mich sowas nicht aufregt. Naja, es war das Ende der Fahrt – und wie die gelaufen ist, das könnt ihr hier nachlesen:

Es war eine kleine Dreiergruppe an Fahrgästen am Ostbahnhof, wahrscheinlich Polen. Der Sprache nach irgendwas östliches, so gut kenne ich mich da nicht aus. Naja, sie waren also zu einem Techno-Event da. Westbam ist unter anderem am Start gewesen – der sagt ja sogar mir was. Nur wo? Ganz in der Nähe: Kopenickenstraße – also Köpenicker Str. Und dort in einem Club. Na klasse! Ich hab die Jungs und Mädels aufgeklärt, dass ich neu bin, nicht alles kenne, mir nur zwei Clubs einfallen, ich aber leider nicht wisse, ob einer davon der richtige ist: Tresor und Spindler&Klatt. Gut gelaunt sind sie eingestiegen, und wollten, dass ich sie zum Tresor fahre. Dort angekommen, mit 5,20 € oder so auf der Uhr, stellten sie natürlich fest, dass es der falsche Club ist.

Nummer 112 sollte es sein! Äh, ok! Mein Navi kapiert die Hausnummern an der Köpenicker nicht, es springt immer auf 143. Aber es soll hinter uns liegen. Na klasse, schließlich ist die Köpenicker seit geraumer Zeit just vor dem Tresor in diese Richtung gesperrt. Dann kam nochmal ein klärendes Gespräch mit einem Freund, der offenbar im Club war, und die Hausnummer auf 126 erhöhte. Naja. Meine (mit Tiefenentspannung gesegneten) Fahrgäste wollten erstmal das Spindler&Klatt sehen, ehe sie ernstlich auf den Rat des Freundes hörten. Warum auch immer! Also bin ich mords den Umweg zurück gefahren, quasi am Ostbahnhof vorbei, am Maria, um dann vor einem unbeleuchteten Spindler&Klatt zu stehen. Prima. Waren nun schon um die 10 € auf der Uhr, ich hab das Taxameter bei der nun folgenden Warte- und Überlegungszeit einfach mal zwischenzeitlich gestoppt.

Irgendwann war dann klar: Es geht weiter, wir suchen die 112 – oder 126, wie auch immer! Nächste Straße beim Maria sollte es sein… Köpenicker halt, soweit waren wir vor 20 Minuten schon. Immerhin durfte ich inzwischen auch den vermeintlichen Namen des Clubs wissen: Reifen! Oder Rai-Fen. Oder Rahi-Fehn. Wie auch immer.

Auf dem Weg zum Ziel beschlossen sie, noch einmal Rücksprache zu halten mit irgendwelchen Freunden, und so kam es, dass zwei von ihnen an einer Telefonzelle vor der Köpenicker Str. 127 – 129 ausstiegen, um zu telefonieren. Ca. 1 € später haben war dann endgültig klar, dass es Nummer 126 ist, und somit waren wir eigentlich ja genau da.

Der Club heisst übrigens „relais“, ist saumäßig unauffällig bei Nacht, und höchstens 1 km vom Ostbahnhof entfernt. Die Uhr zeigte 14,40 €. „15! Ist ok!“ haben sie gesagt, bevor das mit der Zeitung kam. Kein Stress, nicht einmal eine verzogene Miene. Immer nur Lachen und freundliches Kopfschütteln ob der obskuren Situation. So sollte es immer sein…

Aber mal im Ernst: Ich bin zwar der Überzeugung, dass man wenigstens wissen sollte, wo man hin will, wenn man ein Taxi nimmt – aber in dem Fall hätte ich wegen Eigenbeteiligung durchaus mit mir reden lassen, was den Preis angeht. Keine Frage! Aber irgendwie waren sie so zufrieden, als sie ausgestiegen sind, da wollte ich ihnen nun wirklich nicht noch dumm kommen 😉

PS: Weswegen das hier auch unter „Nicht so schönes“ eingeordnet ist: Mich stressen solche Fahrten! Wahnsinnig! Nicht, dass ich den Kunden was übelnehmen würde, es ist so ein unbestimmter Stress, nicht die Erwartungen erfüllen zu können, nicht helfen zu können. Vielleicht etwas übertrieben, aber bei mir sehr ausgeprägt…