So kann man es auch machen…

Kennen sie das?

Sie sind Taxifahrer, und warten am Bahnhof. Sie sind der erste in der Schlange, und der Fahrgast, der auf sie zukommt, übertrifft sogar sie selbst noch im Alter. Mit zusätzlicher Sauerstoffversorgung kämpft er sich mühsam bis zu ihrem Taxi.

Wie beginnen sie die Konversation, um zu vermeiden, dieses unwerte Stück Mensch in ihrem Taxi haben zu müssen?

Genau! Sie begrüßen ihn mit den Worten:

„Na, Opa?“

Und: Erfolg! Der alte Mann kehrt ihnen den Rücken zu und schleppt sich zur nächsten Taxe. Gut gemacht! Soll sich doch ein anderer Idiot mit solch unwertem Leben rumschlagen! Und besser noch: Sie können sich jetzt sogar echauffieren, weil sie es ja nur nett gemeint haben. Was haben sie schlimmes gemacht? Sehr clever!

Zugegeben: die Tour war wirklich anstrengend. Ich hab dem alten Herrn noch bei sich bis zur Wohnung hoch geholfen, was ungelogen eine Viertelstunde in Anspruch genommen hat, da er die ihm verbleibende Luft lieber zum Reden als zum Laufen verwendet hat (ich denke, ich darf das schreiben, er hat sich selbst mehrfach darüber aufgeregt 😉 )
Aber er war nett und er hat das auch nicht von mir erwartet. Ich habe es ihm angeboten. Und wenn es bloß war, um das Verhalten meines „Kollegen“ auszugleichen.

Und da am Ende ja auch die Zahl vor dem Komma zählt: 5,80 € Trinkgeld.

So bösartig bin ich übrigens nur, weil ich den Typen langsam kenne: Es war der Fahrer, der auch für diese Touren von mir verantwortlich war. Irgendwann schmuggeln wir ihm Ozie mal als Kundin unter und hoffen, dass sein Verhalten für eine Anzeige reichen wird. Würde mich nicht wundern, wenn der auch kuriose Strecken fährt.

13 Kommentare bis “So kann man es auch machen…”

  1. Michael sagt:

    Keine Ahnung, ob es einen Himmel gibt. Aber falls doch, bist Du gut abgesichert.
    An der Eingangspforte wird deine Kundenkarte ausgelesen.

    Und da sind garantiert Bonuspunkte gutgeschrieben.

    Und der Nieselprim, der Mensch mit dem gestörten Sozialverhalten ohne Kinderstube…..

  2. Nobody sagt:

    Und das dir. Wo einem doch sonst zu so einer Person nur ein einfällt: „Rentner sind eine Minderheit in Deutschland, die ihr Geld vom Staat beziehen (die so genannte Rente), weil sie früher mal gearbeitet haben (z.B. Krieg geführt) und sich ständig die Handtaschen klauen lassen. Rentner zeichnen sich in überwiegender Mehrheit durch ihr fortgeschrittenes Alter und lichtes Haar aus. Trotz ihrer geringeren Agilität findet man sie immer wieder ganz vorne wieder: Im Supermarkt, bei Staus und im Pornokino.“

  3. Sash sagt:

    @Michael:
    Ganz so schlimm ist es vielleicht auch nicht um mich bestellt – aber da ist wohl wieder mal der Behindertenfahrer durchgebrochen 😉
    Ich meine, ich hätte ehrlich gesagt gerne auf den ein oder anderen Monolog verzichtet oder auf das Nochmal-runter-Rennen, das nötig war, weil er den Wohnungsschlüssel am Briefkasten vergessen hatte. Will jetzt nicht behaupten, dass es meine Lieblingstour war.
    Aber ich kann doch so einen Typen nicht einen halben Kilometer alleine durch Neuköllner Hinterhöfe kriechen lassen, bloß weil ich als gemütlichere Alternative ein belegtes Brötchen am Ostbahnhof habe.

  4. Sash sagt:

    @Nobody:
    Ist mir bekannt 😉

  5. Michael sagt:

    Sash
    Ich habe auch nicht gemeint, daß es schlimm um Dich bestellt ist. Du hast Dich doch gut geschlagen, der „Es war der Fahrer, der auch für diese Touren von “ wird garantiert in der Hölle schmoren. Der gibt seine Kundenkarte ab und landet in der entsprechenden Abteilung mit all den „Kollegen“, die genauso ticken.
    Heute hatten wir einen Kunden, der eine verschmutzte Hose hatte und damit den Beifahrersitz verschmierte. War schon eklig für den Fahrer. Dem Kunden war das sehr peinlich, er zahlte auch die Reinigungskosten. Auf meine Frage nach seinem Namen hatte er erst nachdenken müssen, er wußte es spontan nicht mehr.
    Sprich, wir haben eine wachsende Zahl von Demenzkranken und damit müssen wir irgendwie fertig werden.

  6. Sash sagt:

    @Michael:
    Das war auch etwas ironisch von meiner Seite aus gemeint 😉
    Und es ist wahr: Irgendwie muss man damit umgehen können. Traurig, dass einige das nicht mal versuchen.

  7. ednong sagt:

    Oh ja, Ozie berichtet live von einer Inkognito-Tour. Das hätte was 😀

    Und ja, je älter die Menschheit wird, desto gebrechlicher. Oder eigentlich: desto mehr Gebrechliche wird es geben. Und dass man dann irgendwann wohl auch dazu gehören wird, das begreifen leider die wenigsten. Leider.

  8. Ingmar sagt:

    „Kennen Sie das?“ – Oh ja, kenne ich. Und glaube mir, es dürften weit mehr sein, als man gemeinhin vermutet. Das größte Problem an deinem Beruf ist, dass es so ziemlich jeder machen darf und auch tut. Aus deinen Beiträgen lässt sich deutlich herauslesen, dass du ein sehr entspannter Fahrer bist. Auch ich gehe genauso vor, weil meine Fahrgäste (und auch ich selbst) es von mir einfach -zurecht- erwarten. Das gleiche Verhalten erwarte ich auch von meinem Droschkenfahrer, wenn ich mir nachts ein Taxi rufe, um schnell und heil nach hause zukommen. Das einzige was in den meisten Fällen jedoch eintrifft ist schlicht und ergreifend schnell. Sprich, sobald ich ins Taxi eingestiegen bin und mein Fahrziel nenne, sitze ich bereits auf der anderen Seite der Rückbank, bevor ich mich auch nur anschnallen konnte, weil der freundliche Fahrer mit Vollgas und maximalem Lenkradanschlag aus der Parklücke fährt. Der dezente Hinweis darauf, doch ein wenig Rücksicht auf meinen Magen zu nehmen wird in der Regel damit erwidert, dass ich ja aussteigen könne und ein anderes Taxi bestellen könnte. Einmal habe ich dieses Angebot auch tatsächlich direkt angenommen und der Fahrer hat sich eine gute 30 Euro-Tour (Trinkgeld mit einberechnet) entgehen lassen, anstatt auch nur ein wenig langsamer zu fahren. Wie so ein „Kollege“ mit alten und schwerstkranken Menschen umgeht, möchte ich gar nicht wissen 🙁

  9. Sash sagt:

    @ednong:
    Mal sehen, ob wir das mal hinkriegen. Bock hätten wir beide schon, aber ob wir uns aufraffen können… puh! Ist ja auch keine angenehme Sache 🙁

  10. Sash sagt:

    @Ingmar:
    Ich hoffe, du ziehst das noch ein paarmal durch!
    Natürlich werden wir Taxifahrer meist mit „problemlosen“ Kunden konfrontiert. Die meisten laden ihr Gepäck freiwillig selbst ein, ja manchmal kann man einfach nicht schnell genug aufspringen, um zu helfen. Aber wenn wir schon den ganzen Tag so wenig Stress haben, warum ist es dann so ein Problem, gelegentlich – wo nötig – mit anzupacken?
    Natürlich werden wir in erster Linie fürs Ans-Ziel-Bringen bezahlt – aber genau genommen ist das bei dir auch nicht anders. Und trotzdem gehört einfach dazu, auf die Wünsche (oder naturgegebene Handicaps) der Kunden einzugehen.
    Und natürlich darf man auch mal nach einer Tour denken „Mist, wert war es den Aufwand jetzt eigentlich nicht“ – aber es gehört ja wohl zur Professionalität, den Kunden das nicht spüren zu lassen.
    Und bei allem Wissen darum, wie beschissen sich manche Kunden benehmen: Es ist ja wohl eine Selbstverständlichkeit, nicht an einem Kunden auszulassen, was einem von jemand anders angetan wurde.

  11. Chriss sagt:

    Der Link im letzten Absatz ist kaputt.

  12. highwayfloh sagt:

    Sorry,

    bin durch einen aktuellen Blog-Eintrag auch erst jetzt auf diesen Artikel gestossen..

    Aber der Link zu Deinem „Kollegen“ den Du in diesem Artikel erwähnst der für „diese Touren“ verantwortlich war funktioniert nicht (mehr).

    Würde diese Geschichte gerne aber noch (nach) – lesen

  13. Sash sagt:

    @Chriss und highwayfloh:
    Ja, sorry. War noch die alte Sashs-Blog-Verlinkung. Solltet ihr sowas nochmal sehen, dann könnt ihr das „www.sashs-blog.de“ in der Adresse einfach durch „gestern-nacht-im-taxi.de“ (ohne www.) ersetzen – dann sollte es tun! Aber Bescheid sagen ist immer gut, ich änder das auch gerne. Hier hab ich es jetzt kurz gemacht 🙂

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