Friedrich Irgendwas der zweite

Als ob die vielen doppelten Straßennamen in Berlin nicht genug Ärgernisse für Menschen wie zum Beispiel uns Taxifahrer bereithalten würden: Man stelle sich mal vor, wie es Touristen ergehen muss, wenn denen schon die deutsche Sprache für sich schwierig genug ist. Da ist dann schon sowas wie die Ähnlichkeit vieler Dinge ein Problem.

So bei den beiden Schotten gestern Abend. Ob ich sie zu ihrem Hotel am Bahnhof Friedrichstraße bringen könne, sie hätten sich wohl irgendwie verfahren. S-Bahnhof Friedrichsfelde-Ost, ich verstehe. 😉

Und mal abgesehen davon, dass ich auch jemand bin, der ständig mit all den alten Fürsten-, Königs- und Adelsnamen durcheinanderkommt: Ich kenne das ja auch schon von den vielen Leuten, die ich vom Ostbahnhof zum Ostkreuz gefahren habe.

Lustig gestern war, dass ich ein paar Stunden später wieder am Bahnhof stand und mich dann plötzlich zwei israelische Mädels fragten, ob ich sie ebenfalls zu einem (anderen) Hotel nahe des S-Bahnhofs Friedrichstraße bringen könnte. Selbes Problem: S-Bahn in die falsche Richtung genommen und „Ah, das hier ist es doch, oder?“.

Kleiner Trost: Vom S-Bahnhof Friedrichshagen aus, an den es einen so theoretisch auch verschlagen könnte, kostet die Taxifahrt beinahe das Doppelte.

Karma-Rückzahlung

Ich war nach der Tour fast in Ahrensfelde gelandet und hab auf dem Rückweg in die City meine Lieblingsroute durch Marzahn gewählt. Kleiner Umweg, aber oft Winker. Zumindest nachts am Wochenende. Und siehe da: Es winkte. Ein junges Paar an einem Bahnhof. Was es nach Schöneweide kosten würde.

Ich hab all meine Erfahrung und Ehrlichkeit zusammengeworfen und gesagt, dass das mit einem Zwanni vermutlich nicht ganz reichen würde, 25€ aber ausreichend sein sollten.

„Hmm, könntste uns auch pauschal mitnehmen?“

Bis jetzt weiß ich nicht, wie viel sie zu bezahlen bereit waren. Ich hab trotzdem einfach nur nett gesagt, dass das nicht geht und um Verständnis gebeten. In Anbetracht der offenbar verpassten Bahn hab ich sogar angeboten, sie für einen Fünfer Kurzstrecke zu einer anderen Bahnlinie zu bringen. Wollten sie auch nicht. Wir haben uns freundlich getrennt, nachfragen darf man bei mir ja durchaus mal, ich verstehe das mit der knappen Kasse durchaus. Am Ende war ihnen das Warten das Geld wert, das ist auch für mich ok.

Aber natürlich hätte mir die Tour gut gepasst und rein finanziell wär’s mir auf zwei Euro mehr oder weniger eigentlich nicht angekommen. Dementsprechend hab ich dann doch beim Weiterfahren gezweifelt, ob’s nicht besser gewesen wäre …
Sie waren ja nicht unverschämt, vielleicht wäre es immerhin ein Zwanni gewesen …

Und dann stand 800 Meter weiter eine Winkerin, die bis nach Neukölln musste. Ja, eher Kreuzkölln, es sind auch „nur“ 24€ zusammengekommen. Aber problemlos, nett, mit passendem Trinkgeld und ohne das schlechte Gewissen, das ich Idiot mir halt immer noch machen würde, wenn ich mehr oder minder schwarz durch die Gegend fahre.

So eine Bestätigung dürfte es gerne öfter geben. 🙂

Retter im Bettlerdress

Es passiert oft genug, dass Leute anders drauf sind, als man aufgrund ihres Erscheinungsbildes zu wissen meint. Binsenweisheit, aber immer wieder überraschend, wenn’s mal soweit ist.

Und dann war da letzte Woche der Tag, an dem das mit dem Trinkgeld einfach nichts werden wollte. Satte 50% der Leute haben exakt nichts gegeben, der Rest waren dann so 30Ct-Beträge bei 25€-Fahrten. Als ich einen Hunni auf der Uhr hatte, waren gerade mal 2,10€ Tip aufgelaufen. So konzentriert kommt das auch nur alle paar Jahre mal vor. Oder wenn man wirklich nur zwei Lange Fahrten hat und dort nichts extra anfällt.

Und dann stand ich am Bahnhof als einziges Taxi. Zwei verwegen aussehende Typen in ihren Fünfzigern diskutierten gerade auf der Beifahrerseite  auf Russisch, ob sie ein Taxi wollen. Dann trat links eine nette Frau mit ihrer Tochter heran und  fragte, ob ich noch frei sei. Ich hätte sie zweifelsohne lieber mitgenommen, so rein sympathiemäßig, aber ich steh zu dem Glücksspiel Taxifahren und hab ernsthaft erwidert, dass ich es noch nicht wisse, die beiden aber zuerst da waren.

Und ja, der eine wollte tatsächlich fahren. Also konnte ich nur der Tochter fix die Nummer der Zentrale diktieren.

Mein Fahrgast indes hat gerade so noch seine Adresse rausbekommen, glücklicherweise inklusive des Stadtteils, denn natürlich war’s keine Straße, die es nur einmal in Berlin gab. Dank der Sprachkenntnisse (seine deutschen und meine russischen) verlief das Gespräch etwa so:

„Und? Fahren Sie jetzt nach Hause? Heim? Home?“

„Fahren? Du fahren bitte! Einfach fahren.“

Danach Schweigen.

Und wie immer, wenn’s eh schon kompliziert ist, waren er und mein Navi auch noch uneins, wie man seine Hausnummer am Besten anfährt, so dass ich an gleich drei Kreuzungen von ihm berichtigt wurde, wie ich fahren sollte. Den Umständen entsprechend nett, aber halt doch nur so lala. Am Ende der Fahrt standen 19,10€ auf der Uhr.

„Machen swansig.“

Hat also gut in den Tag gepasst. Dann reichte er mir allerdings einen Zwanziger und einen Zehner, woraufhin ich natürlich nur den Zwanni genommen habe. Da hat er mir nach einem weiteren Blick auf die Uhr den Zehner noch rübergeschoben und gemeint:

„Machen dreizig. Du Arbeit nicht viele Geld.“

Manchmal braucht’s solche Typen, um auf die 10% zu kommen. 😀

Guter Auftakt

Es gibt so Tage, da trudelt man durch die Zeit nach dem Aufstehen, erledigt noch dies und das, macht und tut und am Ende stellt man fest, dass man eigentlich weit früher bei der Arbeit sein wollte. Zumindest passiert mir sowas manchmal und gestern Abend war es auch so.

Letztendlich war es schon fast 22 Uhr, als ich ins Auto gestiegen bin und ich habe es nicht bereut. Denn zumindest das späte Loskommen war nach der ersten Kundin gerettet. Dass ich schon in Marzahn rangewunken werde, ist selten genug. Weitaus seltener (um nicht zu sagen einmal pro Jahrzehnt) ist es eine gut gelaunte Kundin, die als bescheidenes Ziel eine Straße in Tempelhof angibt.

Das wäre ein sehr guter Start gewesen. Hervorragend wurde es dann, als wir just von den letzten Ausläufern des Zuges der Liebe überrascht wurden, den ich schon für beendet hielt, woraufhin wir gleich zweier Sperrungen wegen einen grotesken 5€-Umweg fahren mussten. Geradezu abenteuerlich wurde es bei einem Zwischenstopp bereits in Tempelhof, bei der uns der „etwas“ betrunkene Freund einen weiteren Fünfer auf dem Taxameter bescherte, weil er uns vor seiner Haustüre nicht gefunden hat. So stand ich nach der ersten Fahrt mit 48€ auf der Uhr mitten in der Stadt.

Perfekt wurde es dann, als ich von der Kneipe, wo ich die beiden abgeladen hatte, eine Runde drehte, um Richtung Mitte wegzukommen. Denn kaum hatte ich meinen einminütigen Schlenker durch zwei Kopfsteinpflastergassen beendet, winkten mich vor der Kneipe die beiden von eben wieder ran und ließen sich dann doch nach Hause kutschieren. Nach Lankwitz, nochmal ein Zehner. So dürfte das ruhig immer anfangen, wenn ich mal spät dran bin. 🙂

Verhandlungen mit dem Zukunfts-Ich

Sparsamkeit ist eine Tugend, heißt es. Und ich erkenne das in gewisser Weise an. Es ist hilfreich, einen Notgroschen zu haben und wenn es in der eigenen Macht liegt, den anzusparen, dann ist das Erlernen von Sparsamkeit eine gute Sache. Aber ich will ehrlich sein: Ich war immer ein Kritiker der Theorie, dass Sparsamkeit an sich einen Wert hat. Geld ist Mittel zum Zweck und es gibt Situationen, in denen ich Sparsamkeit hinderlich finde. Zum Beispiel wenn man eigentlich nicht weiß, wozu man Geld hortet, während es anderen schlecht geht. Oder das Szenario, an das ich mich aus meiner Jugend erinnere und mir in irgendeiner Gossip-Reportage präsentiert wurde. Es ging um ein Rentnerpaar, das trotz mittlerem Verdienst ein Millionenvermögen angehäuft hatte. DER Tipp, den sie allen Zuschauern mitgaben, war:

„Zwei Blatt Klopapier reichen immer!“

Und jedes einzelne Mal seit ca. 1996 denke ich bei außerplanmäßiger Verdauungstätigkeit, dass die beiden Idioten waren. Vermutlich sind sie inzwischen tot und ihre Enkel verprassen die Kohle ohne Sinn und Verstand. Und dafür haben sie sich ihr ganzes Leben lang bei jeder Magenverstimmung die eigene Scheiße von den Händen gepuhlt.

Ich will nicht pro Verschwendungssucht argumentieren und es gibt Gründe, warum ich kein Finanzberater bin. Aber wenn es um einzelne bestimmte Dinge geht, die mir das Leben erheblich erleichtern, Leid abwenden oder vielleicht sogar dem Wohl anderer dienen, habe ich mir einen anderen Gedanken zurechtgelegt. Und der ist:

„Dieser Zehner kann nie und nimmer ein existenzbedrohendes Problem sein!“

Und ja, auch ich kenne Situationen, in denen mir ein Zehner gefehlt hat. Aber da ging’s  halt um Probleme, die höchstens einen Zehner wert waren. Club-Eintritt, drei Extra-Bier, zwei Schachteln Kippen. Ärgerlich im Moment, aber nicht der Grund für einen Gerichtsvollzieherbesuch oder eine Wohnungskündigung. Wenn sonst alles ok ist, ist dieser Zehner egal*.

Und dann war da dieser Kunde. Nach einem Kneipenbesuch in der Prärie gestrandet hat er mich gefragt, wie viel es bis zu ihm nach Hause kosten würde. War keine kurze Fahrt, es standen gute 30€ zur Debatte. Er hat sich ein Herz gefasst und mir gesagt:

„Ganz ehrlich: Mein Zukunfts-Ich wird mich hassen. Das ist immer pleite. Aber ich glaube, ich muss das jetzt machen. Ich komm‘ ja sonst nicht heim.“

Und das war erst der Auftakt. Bei ihm herrschte der Respekt vor meiner Arbeit vor und er hat nicht einmal versucht, den Preis zu drücken und zu verhandeln. Ich hab das natürlich dankend angenommen, aber auch sichergestellt, den kürzesten Weg zu fahren und mich bemüht, ihn ernstzunehmen. Ein Azubi kurz vor der Gesellenprüfung, ein Handwerker aus Überzeugung und ein sehr angenehmer Gesprächspartner. Das Geld mussten wir erst holen und zudem musste sein Fuffi zuhause am Ende aber „bitte bitte noch für einen Döner“ reichen.

Wir kamen auf oben gesagtes zu sprechen und waren einer Meinung. Natürlich waren die 30€ (am Ende mit Fahrt zum Döner sogar 35) für ihn happig, aber am nächsten Tag unausgeschlafen im Betrieb aufzutauchen ging halt auch gar nicht. Das war ihm die 30€ halt eben doch wert.

Dass der Kunde sich tags drauf oder in der nächsten Woche doch geärgert hat, kann ich nicht ausschließen. Am Ende war ich halt trotzdem nur der Taxifahrer. Aber zwischendrin waren wir halt an diesem Punkt:

„Alter, ehrlich! Mein Zukunfts-Ich, das wird mich für einen Idioten halten!“

„Glaub‘ ich Dir, ehrlich. Und sorry, dass ich da keinen Spielraum habe.“

„Nee nee, alles cool. Ist ja nur, weil …“

„Hey, nur als Aufmunterung: Du bist heute das Zukunfts-Ich von dem Typen, der sich den Partyabend angespart hat, obwohl’s ein fucking Verzicht war, oder?“

„Das … ey, da hast Du auch recht, Alter.“

„Und jetzt schnell heimkommen ist Dir das wert, oder? Überleg’s Dir! Nächste S-Bahn-Station? Für mich kein Ding.“

„NEIN, Alter! Ich bin froh, dass ich Dich getroffen hab. Is’n echt guter Ausklang heute …“

„Na dann vergiss halt nicht, das auch deinem Zukunfts-Ich mitzugeben!“

„Werd‘ ich machen, Alter, werd‘ ich machen!“

Wie jeder Dienstleister komme auch ich mal an den Punkt, Geld nehmen zu müssen von Leuten, die es augenscheinlich eher weniger haben. Ich persönlich bin auch für eine weit solidarischere Welt zu haben, aber ich muss meine Miete zahlen und meinen Chefs Geld bringen, damit die ihrerseits Kreditgeber bezahlen, die mein Taxi finanziert haben und die wiederum ihren Aktionären Gewinne schulden. Ich kann da in Ausübung meines Jobs wenig tun.
Und genau deswegen kann ich kaum beschreiben, wie schön es ist, ausgerechnet von solchen Kunden fast nie Beschwerden zu hören. Die, denen eine Taxifahrt finanziell am meisten wehtut, sind oft die, die mir meinen Lohn am meisten gönnen. Das lässt mich bezüglich der erwähnten solidarischeren Welt am meisten hoffen.

*Ich bin nicht dumm. Ich weiß auch, dass 200 Zehner erschreckende 2.000€ sind. Aber ich habe ja explizit nicht gesagt, dass man jeden Zehner leichtfertig ausgeben sollte, sondern dass ein wohlbegründeter Zehner für sich nie alleine ein Problem ist. Bei ohnehin vorhandener Überschuldung gilt das selbstverständlich nicht und es liegt mir fremd, jemanden anzugreifen, bei dem das wirklich so dramatisch ist. Im Gegenteil, ich kenne das und ich würde bei Bedarf auch einen oder zwei Zehner weggeben, um das zu unterstreichen (kurze Mail …).

„Echt netter Kollege“

Eine eher anstrengende Truppe. Wusste den kürzesten Weg, nur dass es halt ein anderer kürzester Weg war. Alternative Fakten, ich sollte mich dran gewöhnen, schließlich will ich wie jeder hier mal Präsident der USA werden.

Nein, ok, das war übertrieben. Die Kunden waren sehr nett und sie bemängelten meine Route nicht ernsthaft, sie haben mir sogar wirklich geholfen. Ein, zwei Mißverständnisse, nix wildes, ehrlich. Anstatt mich umständlich abbiegen, wenden und dann anhalten zu lassen, haben sie mich rechts rangewunken mit dem Vermerk, so könne ich leichter wieder in die City kommen. Also am Ende dann halt doch nicht anstrengend, man verschätzt sich unterwegs ja öfter mal.

Und just wo sie ausstiegen, blickten ein paar Passanten unsicher in meine Richtung. Auch die Kunden haben das bemerkt. Und anstatt sich auf den schnellen Zahlungsverkehr zu versteifen, haben sie sie hergebeten:

„Hier, das Taxi wird frei! Ist ein echt netter Kollege!“

Hach. <3

Und so hatte ich nach einer guten 20€-Tour noch eine in der gleichen Größenordnung. Ich musste der Adresse wegen nachfragen, am Ende  haben sie mir den Weg gewiesen. Ein Gespräch darüber alleine wäre keine Erwähnung hier wert, aber als ich am Ende nach dem Aussteigen noch beiläufig mitbekommen habe, wie die Kundin am Ende zu ihrem Mann sagte, dass das ja jetzt mal wirklich ein netter Taxifahrer gewesen sei, da hab ich mich dann doch gefreut.

Man will ja nach der Ansage, ein „echt netter Kollege“ zu sein, doch nicht alle Erwartungen enttäuschen. 😉

Völkerverständigung im Taxi

OK, zugegeben: Mit verschiedenen Völkern im ursprünglichen Sinn hatte das nix zu tun. Soweit ich das einschätzen konnte, waren sowohl der Fahrgast als auch ich weiße europäische Männer, vermutlich beide deutsch. Dennoch hätten wir unterschiedlicher nicht sein können, denn er fiel gleich mit dem Hinweis ins Taxi, dass er normalerweise ja heimlaufen würde. Von Schöneweide nach Prenzlauer Berg, schon klar.

„Nee, ehrlich jetzt! Gut, DIE Strecke nicht immer, aber ich lauf halt immer, muss rennen, mich fit halten, ich brauch das!“

„Da bin ich leider auf der anderen Seite. Ich versteh’s, kann es aber nicht nachvollziehen. Schätze, ich hab deswegen den Bauch.“

„Ach was, Alter! Das ist doch kein Bauch, das is‘ so’n  bisschen …“

„… das sind mehr als 40kg Übergewicht.“

„Nicht wahr, Alter!“

„Doch, aber trotz gelegentlicher Versuche, das zu ändern: Is‘ schon ok.“

„Aber Alter, wenn ich nicht drei bis vier Stunden Sport am Tag mache, fühl‘ ich mich mies, depressiv und so.“

„Hab ich oft gehört, glaube ich Dir. Ich bin da halt anders.“

„Aber, aber …“

„Hey, Du scheinst’n verständnisvoller Typ zu sein. Also meine Frage an Dich: Wenn Du vier Stunden Sport am Tag machst, wann liest Du dann deine 250 Feedreader-Einträge neben all den Büchern? Und wann zur Hölle kommst Du zum Schreiben? Denn das wäre wiederum für mich unerklärlich.“

„Alter …“

Und ich will meinen Fahrgast jetzt nicht als blöde hinstellen, nur weil er so oft ‚Alter‘ gesagt hat. Er war trotz deutlich vorzeigbarer Muskeln mit allerlei Klischeetattoos und einem auch sonst stimmigen Schubladenbild ein verdammt cooler Typ:

„Alter … wenn Du das so sagst: Verstehe ich voll! Ich meine, das ist nicht mein Ding, aber wenn das das ist, was Du brauchst … Bro-Fist, Alter!“

Ja, ich nehme an, dass wir uns noch in ganz vielen anderen Punkten mindestens ebenso unterschieden haben. Und ich will nicht sagen, dass ich ihn dieses (natürlich gekürzten) Gesprächs wegen alleine in meinen Freundeskreis einladen würde. Aber er wäre einer der Typen, über die ich mich vermutlich gerne bei „Deutschland spricht“ (eine in meinen Augen nicht perfekte, aber immerhin überdenkenswerte Aktion der ZEIT) gefreut hätte. Zumindest habe ich mich in ein paar Artikeln zum Thema wiedergefunden und mich daran erinnert, wie ich dereinst als jugendlicher Punk die Chance genutzt habe, mich eine Stunde lang mit einem mir über drei Ecken dann halt doch leider bekannten Neonazi zu unterhalten. Inhaltlich bin ich seiner Fraktion nie auch im Ansatz nähergekommen, und ich muss fürchten, dass es umgekehrt ähnlich war. Aber es hat mich auch einiges über Debattenkultur und Differenzen gelehrt und ich kann nur hoffen, dass wenigstens das etwas ist, das er auch mitgenommen hat. Über dieses Gespräch hinaus haben wir uns natürlich trotzdem nie mehr gesehen, aber das versteht sich von selbst, wenn jemand am Ende trotzdem ein Nazi bleibt.

Da ist ein Gespräch über Sport und Lesen mit Fahrgästen natürlich weit offener im Ergebnis.

*gesendet nach sowas ähnlichem wie Sport*