Ganz eigene Probleme …

Ein Ire. Das erste Mal in Deutschland, noch dazu mit Freude, mit Freunden, mit Erwartungshaltung. Und ja, klassischer Fall: Sie wollten hier trinken. Dank des Streiks an den Berliner Flughäfen war sein Flug umgeleitet worden, der seiner Kumpels nicht. Sie hatten ihm also ein paar Stunden voraus.

„Well, I guess your friends are already drunk …“

„Think so too.“

War eher lustig gemeint., aber er hat das Trinken noch als ernsthaften Sport gesehen:

„I was drunk before the flight too, but now I’m sober. Wasted money!“

Man glaubt ja gar nicht, wie sehr die Fluggäste bei einem Streik leiden! 😉

Dreister Ficker!

Unsere erste Begegnung war an Kürze kaum zu überbieten:

„Polski Bus?“

„Sorry, keine Ahnung.“

Eine Minute später stand er aber wieder da:

„Zentrale Bus Polsik Bus Bahnjof?“

„Zentraler Omnibusbahnhof?“

„Ja.“

„Klar.“

Schwere Geburt, aber gute Tour. Der Typ war in meinem Alter, wirkte etwas neben der Kappe, aber ganz nett. Hatte zwei Rucksäcke umgeschnallt, wohl ein nicht mehr ganz kurzer Kurzurlaub in der Heimat. Nachdem sich unsere Sprachkenntnisse nicht groß überschnitten, blieb die Fahrt stumm, aber ich hatte die Straße als Beschäftigung und der Fahrgast starrte auch aus dem Fenster.

Am Bahnhof hab ich ihm mit Zeigen aufs Taxameter auf deutsch und englisch den Preis genannt und war etwas überrascht, als er mir trotz 24,50€ nur einen Haufen Kleingeld in die Hand schüttete. Irgendwas zwischen drei und fünf Euro. Ich dachte, er wolle noch einen Zwanni zücken, verwies nochmal auf die Uhr und bekam aus einem zerknirschten Gesicht die lapidare Antwort:

„Don have.“

Und bei aller gesunden Skepsis: Das glaubte ich dem Typen umgehend. Das gleichermaßen gute wie dumme war, dass es einfach lief gestern Abend. Trotz gut 20 € Fehlbetrag wäre nix bescheuerter gewesen, als auch nur auf die Cops zu warten. Und obwohl ich’s mir durchaus etwas erleichternd vorstelle: Ein Zwanni ist – auch wenn das erschreckend viele Kollegen anders sehen – kein guter Grund für schwere Körperverletzung.

Am meisten deprimiert mich im Nachhinein, dass er „blödes Arschgesicht“ vermutlich gar nicht verstanden hat. 🙁

Receipts and wishes

Ein ziemlich bekiffter Engländer für eine kurze Winkertour. Soweit normal. Etwas lustig wurde es am Ende bezüglich der Quittung:

„Oh, can you give me a receipt?“

„Of course. Do you need start and ending point on it?“

„No, no. But … could you make it like 7.000 €. Maybe from here to, I don’t know, Istanbul?“

„No, I cannot. And by the way: Who the hell would give you the money back for such a ride?“

„Don’t know. Some fool maybe.“

Maybe. 😉

Noch komplett jungfräulich

Zugegeben: Der Begriff „jungfräulich“ ist etwas seltsam, aber alle anderen Varianten, von „uninformiert“ bis „neu bei der Sache“, drücken es nicht so schön aus; für Alternativideen bin ich dankbar, das sollte wirklich kein Clickbait werden.

Aber worum ging es denn?

Um einen englischen Touristen, der (leider sehr sehr eilig) zum Flughafen Schönefeld musste. Trotz reichlich „lockerer Auslegung“ der Geschwindigkeitsbegrenzung haben wir es am Ende nur sehr knapp vor dem letzten Boarding-Termin geschafft, anzukommen.

Aber viel wichtiger war die Sache mit dem BER. Er hätte, so sagte er mir während der Fahrt überraschend, irgendwas davon gehört, dass in Berlin bald ein neuer Flughafen eröffnet werden würde. Und ja, wann und wo und überhaupt?

Man ist als Berliner ja so festgefahren und hat überhaupt nicht auf dem Schirm, dass Leute von außerhalb von dem Desaster BER nix mitbekommen.

Aber so lange wir unterwegs waren, hatten wir ja Zeit. Also hab ich ihm zunächst grob, später dann detaillierter erklärt, wie das hier in Berlin mit dem Flughafen läuft. Von der Tatsache, dass erst vier Wochen vor Eröffnung alles umgeschmissen werden musste, bis hin zu Details wie den über 600 Brandschutzwänden, die keinen Brandschutz hatten, dem Licht, bei dem niemand den Aus-Schalter kannte, den zu kurzen Rolltreppen, dem Ingenieur, der keiner war, Den Kabeln, die keiner mehr zuordnen konnte und der geänderten Raumnummerierung, die am Ende keiner mehr verstanden hat. Und ein paar Dinge mehr.

Der BER ist einfach so ein Vorzeigedesaster, dass er schon ohne Parodie ein Comedy-Klassiker sein kann. Und mit etwas Zynik macht es wirklich Spaß, völlig Unbedarften das ganze Ausmaß vor den Latz zu knallen. 😀

Sicher, ich hinterlasse meine  Fahrgäste gerne mit einem guten Bild von Berlin, am Ende profitiere ja auch ich davon, wenn sie wiederkommen. Aber war war das für ein Spaß!

Von „german efficiency“ wird er in seiner Heimat wohl nur noch unter Vorbehalt reden. Was die Taxifahrer angeht, wird das Urteil hoffentlich anders ausfallen. 😉

You would not like this!

Die Kotzeskapaden meiner letzten Besatzung haben am Ende übrigens nicht nur hypothetische Touren gekostet, sondern eine ganz direkt:

Als ich nach dem Flaschenfund rechts am Straßenrand stand und mit ein paar Blatt Küchenrolle nur mal das Allergröbste beiseite gewischt habe, tauchte unerwartet ein älterer Typ mit Hut auf, der mich in steifstem British English mit gerolltem R ansprach:

„Please Sir, would you like to give me a ride just a few meters to the Wittenbergplatz?“

Orr.

„I’m sorry. I’d like to do that, really. But you wouldn’t, believe me …“

🙁

„Aandere Geeld“

Ich fragte noch, ob wir seine Taschen besser hinten einladen sollten, aber der komische Kauz fühlte sich auf dem Beifahrersitz zwischen seinem Gepäck eingeklemmt scheinbar wohl. Er nannte mir mit sehr grobem russischen Akzent eine Adresse in Hellersdorf, die mir überhaupt nix sagte. Das in Kombination mit den etwas wirren Anweisungen meines Passagiers führte zu einem veritablen Umweg, aber das sollte im Verlauf der Geschichte keine größere Rolle mehr spielen.

Ich bekam nur wenige Worte aus ihm herausgekitzelt, was zum einen daran lag, dass er offenbar eine Reise direkt aus Russland hinter sich hatte und dass zweitens ich alleine von seiner Fahne schlagartig bei ca. 0,5 Promille war und eigentlich das Auto hätte abstellen müssen. Oder, um es mit den Worten des Passagiers zu sagen:

„Bijn ich schalaaferig. Daas is meijne Probleem.“

Er hielt sich die ganze Fahrt über am Handgriff über der Beifahrertür mehr oder weniger aufrecht, sackte aber doch oft genug zusammen. Allerdings nur, um anschließend hochzuschrecken, festzustellen, dass wir auf dem richtigen Weg waren und dann zu juchzen:

„Ja, bravo! Seehr gut, prima! Aalles prijma!“

Und wie er da so rumzuckte, sturzbesoffen mit nur zwei Taschen am Leib und auf dem Weg ans Ende der Welt, beschlich mich doch ein wenig die Frage, ob er überhaupt genügend Geld dabei hatte. So ganz zurechnungsfähig war er dann halt doch nicht mehr und man weiß ja nie. Da am Ende aber 99,9% aller Fahrten gut ausgehen, hab ich meiner Statistik vertraut. Zumal der Kerl ja sichtlich gute Laune hatte, altersmäßig an der 60 kratzte und man sich vor einer ED-Behandlung einfach keinen so lustigen Schnauzer stehen lassen würde.

Am Ziel lotste er mich trotz Navi (das er meinte, loben zu müssen, warum auch immer) direkt vor die Haustüre und freute sich wie ein kleines Kind, endlich da zu sein. Ich nannte den Fahrpreis, und das waren inzwischen 32,70 €. Mein Fahrgast schielte  aufs Taxameter, holte den Geldbeutel raus. Stunde der Wahrheit …

„Keijne Probleem!“,

sagte er, grinste und reichte mir zwei Zehner und einen Zwanni. Wow, nicht mal ein Fünfziger, perfekt!

Da ich aber in der Situation nicht so recht einschätzen konnte, ob er das mit dem Geld richtig einschätzen konnte, sagte ich erklärend, dass das 40 Euro wären und machte mich auf die kurze Suche nach dem Rückgeld. Als ich den Fünfer schon in den Fingern hatte, hob der Kerl beschwichtigend beide Hände und sagte:

„Chaaalt! Keijne aandere Geeld! Keijne aandere Geld. Is meijnee Geeschenk!“

Und nur mal so: Er meinte nicht, dass ich außer dem Fünfer nix raussuchen soll. Den hat er nämlich auch abgelehnt. Da soll noch mal jemand behaupten, Sprachbarrieren würden am Trinkgeldgeben hindern! 😀

Mir kenned elles. Au Humor.

Drei Rentnerinnen. Einmal nach Lichtenberg ins Hotel. Aufregend wäre nun nicht das Wort der Wahl für die Tour. Lustig war, dass es einmal mehr Schwaben waren, die nicht gemerkt haben, einen weiteren Stuttgarter an Bord zu haben – um so heiterer wurde es nach meinem Outing. Sie haben sich sogar an Humor versucht:

„Aber etz esse mir nix mehr, gell?“

„Ach, so wie Du schwätz’sch, kennd mr moine, mir hädded sonschdwas gfuddert!“

„Noi, wared ja bloß a Brezel ond zwoi Flasche Wasser.“

„Oh. A propos Wasser. I hen mei Flasch … NOI, i hen mei Pfand im Zug g’lasse!“

„Na subber Elvira, na kenned mr ja grad wieder omdrähe, oder wie willsch’n des Wocheende jetzt zahla?“

Made my day! 😀