Ziellos im Taxi

Es gibt Zeichen dafür, dass Kunden nicht von der einfachsten Sorte sind. Zum Beispiel, wenn sie aus einem Taxi aussteigen und dann zum Taxistand kommen. Das muss natürlich nicht gleich das Schlimmste bedeuten, aber ein wenig komisch ist es im Allgemeinen schon. Im Extremfall hat der Kollege sie rausgeschmissen oder aus dem Auto rausdiskutiert, vielleicht haben sie aber auch einfach keine Ahnung.

Diese Freude hatte ich am Samstag Abend.

Die beiden betrunkenen Gestalten hab ich eben genau aus oben genanntem Grund erst einmal nicht wahrgenommen. Sie sind gerade aus einem vorgefahrenen Taxi ausgestiegen. Dass sie da an der Taxihalte vor sich hingeschwankt sind, schien ich erst einmal nicht für sonderlich interessant zu halten.
Als sie ihre tadellose Bewerbung zum Berufspendel allerdings direkt vor meine Wagentüre verlegt haben, hab ich sie doch mal näher angesehen.

Die beiden wirkten wie ein etwas alternatives Vorzeigepärchen beim Clubhopping. Die Klamotten in gedeckten Farben waren bereits leicht verdreckt, ansonsten sahen sie in ihrer Betrunkenheit geübt aus. Also schätzte ich, dass sie entweder freiwillig einen Teil ihrer Zeit auf dem Boden verbracht haben, oder auf einen unfreundlichen Türsteher gestoßen sind. Beide grinsen noch ziemlich zufrieden, und wenn man bedenkt, dass es den Abend über geregnet hat, könnte man in ihrem Zustand tatsächlich schlimmer aussehen.

„Was kossn zur Haburer Chaussee?“

„Harburger? Oder Haburer oder wie?“

„Harburger…“

„Hmm, ist mir jetzt erst mal unbekannt. Sorry, da müsste ich mein Navi fragen.“

Kollege Jürgen stand neben mir und überlegte auch fieberhaft. Ihm sagte die Straße auch nix. Ich hab mich also kurz in den Wagen geworfen und das Navi befragt. Aber: Möööp! Gibt es nicht. Zumindest nicht in meinem Navi. Ich hab ernsthaft überlegt, das erste Mal seit einem Jahr den Stadtplan rauszukramen, da der aktueller ist.

„Wo soll das denn genau liegen?“

fragte Jürgen.

„Inn Norden.“

„Also Pankow? Oder noch weiter? Außerhalb?“

Die Antwort schuldig geblieben stiegen sie bei mir ein und zwangen mich dazu, sie zu bitten, ihre Ansage zu konkretisieren.

„Fahr ersma los, wir zeigen dirs!“

„Ja, aber in welche Richtung denn genau? Seid ihr beim Straßennamen sicher? Harburger Chaussee?“

„Klar, da wohn ich doch!“

„Was ist denn da die nächstgrößere Hauptstraße in der Nähe? Mir sagt das nämlich wirklich nicht einmal grob etwas!“

„Ey sachma! Jeder Hamburger Taxifahrer kennt die Harburger.“

Ich hab sowas ja fast schon befürchtet:

„Ihr beiden Dösbaddl wisst aber schon, dass ihr in Berlin seid, oder?“

„Ja, is mir doch egal. Bring uns doch einfach hin. Wir zahlen das ja auch!“

„OK, mal Butter bei die Fische: Es gibt nichts, was ich lieber täte, als euch nach Hamburg zu fahren. Aber das wird eine verdammt lange Fahrt und die kostet ein Schweinegeld. Wenn ich das machen soll, dann ist gut. Dann brauche ich aber auch Geld. Und zwar zumindest zum Teil im Voraus! Bei so einer Strecke brauche ich einfach eine Sicherheit, nichts für ungut!“

„Ok, is kein Problem!“

flötete sie von hinten rechts und reichte mir aus einer neuen Schachtel zwei Zigaretten. Das wird haarsträubend! Ich bin mal wieder Trottelmagnet, super! Ich drückte ihr die zwei Zigaretten in die Hand, und bei der Entgegennahme zerknickte sie eine davon. Logischerweise wollte sie die gleich im Taxi entsorgen. Ich hab sie aus dem Fußraum gefummelt und ihr in die Hand gedrückt:

„Leute, so nicht! Steck die Kippen mal wieder ein! Nochmal von vorne: Ihr seid in Berlin. Deutsche Hauptstadt, knapp 300 Kilometer von Hamburg weg. Ich könnte… sach mal! Kannst du bitte aussteigen, wenn du eine rauchst. Ich rauch hier drin auch nicht!“

Der Typ mit den schon leicht speckigen Haaren sah mich ratlos an:

„Aber ich bin eingesperrt. Die Tür geht nicht auf…“

„Ja, das ist die Kindersicherung. Momentan vermute ich zwar eher, die sollte das Öffnen von außen verhindern, aber warte kurz…“

Nicht sonderlich begeistert ist er ausgestiegen und ich konnte meinen Monolog gegenüber der jungen Dame fortsetzen:

„So, also. Ich bringe euch beide gerne nach Hamburg, aber das wird teuer. Ich würde es nicht empfehlen.“

„Dann bring uns doch in nen Club!“

„Ein Club? OK, warum nicht? Welcher denn?“

„Hmm, wie is mit Fritz-Club?“

„Der Fritz-Club liegt hier direkt hinter uns. Da müssen wir nicht hinfahren.“

„Ehrlich?“

„Ja.“

„Egal, dann geb ich dir einen Euro und penn hier ne Stunde. Is ok?“

„Sorry, für einen Euro ist das nicht ok.“

„Wieviel dann? 10? 20? 30? 40? Is mir egal. Ich zahl, was du willst!“

Bei 40 € hab ich mir ja fast schon überlegt, einzuschlagen. Arg viel besser hätte ich es in der Stadt auch nicht erwischen können. Gemütlich ein paar Zigaretten rauchen, Fotos von schlafenden Betrunkenen im Taxi bei Facebook posten (verdammt, die haben doch neuerdings die Gesichtserkennung 😉 ). Ich stellte mir das eigentlich ganz lustig vor. Aber dann:

„Nee, du fährst uns jetzt einfach nach Hamburg!“

Ganz ruhig bleiben…

„OK, dann Klartext: Wir fahren nach Hamburg. Das kostet, hm… mal überlegen… sagen wir 500 €. Und die will ich nicht erst in Hamburg sehen, sondern hier schon! Wenn ihr mich fragt: Es würde sich lohnen, eine Stunde auf den Zug zu warten.“

Ich weiss nicht, ob das Mädel in dieser Sekunde einfach einen klaren Moment hatte oder eine Halluzination von biblischen Ausmaßen. Jedenfalls riss sie die Augen entsetzt auf und sagte mit einer verständnis- und liebevollen Stimme in bester Pädagogenmanier:

„Boah, das ist echt ziemlich teuer. Ey danke, dass du das gesagt hast. Das ist vielleicht, ich muss mal fragen. Bennniiiii?“

Ihr Begleiter schielte mitsamt Zigarette zum Fenster hinein und sie erzählte ihm von der unglaublichen Weisheit, dass die Fahrt nach Hamburg 500 € kosten würde. Auf die Frage, ob er ihr das zahlen könnte, reagierte er etwas unwirsch:

„Du, wir sind hier schon 4 mal Taxi gefahren. Ich hab bisher schon alles gezahlt. Glaubst du, ich hab noch 500 € dabei? Nee du, hab ich nicht! Müssen wir eben was anderes finden…“

Na bitte! Endlich! Hinter mir waren inzwischen 5 Kollegen, inklusive Jürgen, von der Halte weggekommen. Wurde auch Zeit, dass mein Auto wieder frei wird! Also zumindest, wenn es doch nicht nach Hamburg geht. Darauf hätte ich ja schon noch ein Weilchen warten können 🙂
Kaum dass sie das Taxi auch verließ, stieg mir vorne gleich neue Kundschaft ein und ich hatte eine bequeme 15€-Tour ein paar Kilometer ums Eck. Und ich war damit nicht sonderlich unzufrieden. Als dieser Fahrgast dann ausgestiegen ist, hab ich hinten auf den Rücksitzen erst einmal den halben Strand entfernt, den sie dank ihrer Klamotten auf meiner Rückbank verteilt hatten. Immerhin nur Sand und kein Seetang!

Und eine Schachtel Zigaretten. Eine, aus der genau 2 Stück fehlten.

Lieblingskundschaft

Nicht!

Ich kann wirklich behaupten, dass ich eigentlich allen Kunden erst einmal eine Möglichkeit gebe, sich unbeliebt zu machen. Selbst wenn mir am Matrix Soldaten ins Auto krabbeln, hoffe ich erst einmal das Beste. Ein paar Minuten bleiben dann noch, um mich zu entscheiden: Fahre ich sie über den Straßenstrich an der Oranienburger Straße oder mache ich zu Gunsten meiner Ohren und Nerven einen kleinen Umweg im 40-Cent-Bereich?

Neulich hatte ich beispielsweise ein paar ganz nette Jungs im Wagen, die sich furchtbar darüber geärgert haben, dass sie die letzten Töffel sind, die eingezogen worden sind, und jetzt mit verplombten Gewehren bei irgendwelchen drittklassigen Staatsbesuchen zu Zierde auf dem Hof rumstehen müssen. Sie beglückwünschten mich zu meiner Entscheidung, Zivildienst gemacht zu haben und sorgten für eine heitere Fahrt.

Die hatte ich auch mit den Jungs, von denen ich eigentlich erzählen will. Zu Beginn. Traurigerweise wurde das Ganze dann an der Oranienburger schnell anders, und auch wenn die Damen da rumstehen, um Begehrlichkeiten zu wecken: Die Sprüche meiner Kundschaft hätten sie schlicht nicht verdient. Ich ärgerte mich in Gedanken schon darüber, dass ich anschließend die Scheiben reinigen konnte – weil man ja offenbar mehr sieht, wenn man sich mit Mund und Nase ans Glas drückt und dabei sabbert.

Komischerweise sorgte diese kurze Episode aus der langen Fahrt in Richtung Tegel jedoch keineswegs für bessere Laune. Nein, alles war scheiße! Sie waren zu einem Sportturnier hier, und so langsam kristallisierte es sich auch heraus, welchem Kuhstall  sie entsprungen waren: Es waren Polizeischüler!
Bei meiner fiesen Einstellung spielt es im Übrigen keine Rolle, dass ich schon gelegentlich unsanft von Gesetzeshütern angegangen wurde – nee, den Ruf hat sich die künftige Truppe schön selbst in meinem Taxi erworben. Was die Ausdrucksweise angeht, hatte ich von grotesk bis strafbar schon alles, und auch wenn es diesmal nicht um Geschlechtsteile und lebensunwerte Menschen ging, war es eine eher ernüchternde Fahrt.

Denn: Berlin ist scheiße! Das nordrheinwestfälische Dorf aus dem sie kamen, sei der Hauptstadt ja sowas von überlegen. Nicht nur gibt es dort bessere Discos (als das Matrix! Das glaube ich unbesehen!), nein wenigstens sind dort die Hotels besser und ganz so kriminell sei es dort auch sonst nicht. Ob ich nicht 25 Festpreis machen könne?

„Nee, das wäre auch kriminell – aber wir kommen sowieso für knapp 20 hin.“

Na gut, immerhin fahren wir nicht durch Kreuzberg. Das Elend wollten sie keinesfalls sehen. Wie man es nur aushalten könne in Berlin! All die Türken und Kriminellen… und der Fluglärm!

Was soll man eigentlich dazu sagen? Da treffen sich ein paar Jungs, die die Geilheit Weisheit mit Löffeln gefressen haben und nicht mal wissen, was eine Stadt wirklich ist. Sie wohnen in einem billigen Hotel in der Einflugschneise des Flughafens Tegel und besuchen einen der schlechtesten Clubs der Stadt. Außerdem sind sie so doof, an einem Turnier teilzunehmen, auf das sie keine Lust haben und ärgern sich über ihre Weckzeiten um 9 Uhr, nur weil sie bis 4.30 Uhr saufen waren.

Also ehrlich, bei denen will ich mit Berliner Kennzeichen in ihrer Heimat auch nicht in eine Verkehrskontrolle kommen!

„Dann wären wir bei 20,40 €.“

„Machste 25, haben wir ja gesagt.“

Manchmal ist es ja schon praktisch, wenn man sich seinen Teil nur denkt, und einen Blog zum Abreagieren hat 😉

Fahrer, Kunden, Missverständnisse

Mein Gott, was sich aus einer Kundenanfrage alles ergeben kann – oder wie rede ich aneinander vorbei. Drama am Ostbahnhof in 3 Akten.

Die Personen:

Die Kunden:
4 Rentnerinnen mit 4 kleinen Koffern.

Taxifahrer (nach Reihenfolge am Stand, vereinfacht):
Kollege 1, Fahrzeug Mercedes E-Klasse
Kollege 2, Fahrzeug Mercedes B-Klasse
Kollege 3, Fahrzeug Skoda Octavia Kombi
Kollege 4, Fahrzeug Opel Zafira
Kollege Sash, Fahrzeug Opel Zafira.

Sashs Fahrzeug steht als einziges auf der den Kunden gegenüberliegenden Straßenseite.

1. Akt (Prolog)

Die Kunden betreten den Bahnhofsvorplatz. 3 von ihnen bleiben weise dreinsehend am Taxistand neben den Fahrzeugen von Kollege 1 und 2 stehen. Eine Kundin stelzt über die Straße auf Sashs leeres Fahrzeug zu. Sash wird aufmerksam und gibt sich als Fahrer zu erkennen.

„Hallo, kann ich ihnen helfen?“

„Ja, wir bräuchten ein Taxi für 4 Personen mit Gepäck.“

2. Akt (Eskalation)

Sash sieht sich am Stand um. Jedes der Fahrzeuge bietet selbstverständlich Platz für 4 Personen zuzüglich des nicht sehr umfangreichen Gepäcks. Dies gibt er auch zu verstehen und meint:

„Das ist selbstverständlich machbar. Aber sehen sie: Die Kollegen haben doch auch Platz für sie.“

Damit will er nicht etwa die Rentner loswerden, sondern nur sicherstellen, dass sie nicht wegen falscher Vermutungen ein anderes Taxi vor ihm verschmähen. Die Kollegen 1 und 2 scheinen sich nicht zu interessieren und bleiben im Wagen sitzen, Kollege 3 meint auf Nachfrage verwundert:

„Wat weiss ich denn, warum die hier so einen Stress machen?“

Dann nimmt er einen Funkauftrag an und fährt davon.

Sash geht zu Kollege 2, in der Hoffnung, seine nette Geste, einem länger wartenden Fahrer die Tour zu ermöglichen, wird erkannt:

„Kollege, bei dir ist doch sicher auch Platz für das bisschen Gepäck der Damen, oder?„

Die Kunden sind sichtlich aufgebracht, schielen verächtlich auf das Fahrzeug und beharren auf folgendes:

„Aber wir wollten doch ein Auto für VIER Leute!“

Währenddessen schält sich Kollege 2 aus seinem Fahrzeug und fängt an, Sash anzupöbeln:

„Was ich nicht verstehe: Wieso gehen sie denn nicht zu ihm!?“

und deutet auf Kollege 1. Der bleibt weiterhin im Auto sitzen und ignoriert das ganze Geschehen. Inzwischen wittert Kollege 4 eine gute Chance und fragt nach, ob er eventuell helfen könne.

Während Sash Kollege 4 erklärt, was für ein Auto gesucht ist, redet sich Kollege 2 in Rage über Kunden, die keine Ahnung hätten, aus völlig unerklärlichen Gründen nach wie vor in Richtung Sash. Kollege 4 reagiert erfreut und ruft den Damen zu, sie mögen doch bitte zu ihm kommen, er würde sie gerne mitnehmen. Das wiederum ist für die Kundschaft zu viel. Die Wortführerin beschwert sich nun lautstark, dass sie überhaupt nicht daran denkt, ein anderes Auto als das von Sash zu nehmen und wie unverschämt es sei, dass ihr dieser Wunsch verwehrt würde.

„Natürlich können sie bei mir einsteigen, ich wollte doch nur…“

„Glauben sie, wir wollen in so ein tiefes Auto einsteigen? Da kommen wir doch nicht mehr raus. Eine Frechheit ist das hier!“

Mit Zähneknirschen murmelt Sash ein paar einladende Worte und geleitet die lustig erregte Truppe über die Straße zu seinem Auto. Kollege 1 verharrt weiterhin in seinem Fahrzeug und Kollege 2 ruft Sash beleidigt hinterher, dass er die Tour ruhig fahren soll. Kollege 4 gibt langsam sein Betteln um Aufmerksamkeit auf, während Sash unter empörtem Fluchen auf die ach so schlimmen Berliner Taxifahrer das Gepäck einlädt…

3. Akt (Auflösung)

Mit durchaus ambivalenten Gefühlen nimmt Sash zur Kenntnis, dass es sich um eine lukrative Tour bis nach Buckow handelt. Während der Fahrt gelingt dann die teilweise Aufdröselung des Durcheinanders, und Sash findet mit seiner Bitte Gehör, doch beim Schimpfen auf die bösen Taxifahrer wenigstens diejenigen auszuklammern, die versuchen, irgendwie zu helfen.

Das Schauspiel endet letztlich unblutig mit einem durchschnittlichen Trinkgeld für Sash und einer Truppe von Kunden, die ab jetzt der Meinung sind, die Taxifahrer am Ostbahnhof streiten sich, um zahlende Fahrgäste loszuwerden.

Kollege 1 wacht eine halbe Stunde später auf und erzählt von einem irren Traum mit vier Rentnerinnen. Kollege 2 ist die restliche Schicht noch sauer über die blöden Kunden und hofft vergeblich, die Fahrt wäre unter 8 Euro geblieben, während Kollege 4 sich fragt, was er eigentlich falsch gemacht hat.

Da soll mir nochmal einer sagen, dass das ja alles so einfach ist…

Immer locker bleiben…

Immer locker bleiben! Die fantastischen Vier hatten schon irgendwie Recht!

Das gilt nicht nur für den (zumindest bei mir) immer noch desaströsen Umsatz die Tage, sondern auch für das Miteinander auf der Straße. Das Wetter wird wenigstens zeitweise wieder lockerer und einen spürbaren Effekt auf die Fortbewegung in der Berliner Innenstadt hat das natürlich auch:

Die Leute packen ihre Fahrräder wieder aus.

Im Laufe der letzten Woche war schon wieder wesentlich mehr Vorsicht angesagt als ohnehin schon im Stadtverkehr, an jeder Ecke sind einem zusätzlich zum regen Autoverkehr auch wieder vermehrt Radfahrer entgegengeschossen.

Ähnlich wie Aro finde ich zwar durchaus mal deutliche Worte für die Assis, die – gleich, welche Waffe sie wählen – Menschenleben in Gefahr bringen, halte aber nichts vom ewigen Kampf der Radler gegen die Autofahrer oder umgekehrt. Sicher, die Reibungsflächen sind groß, aber letztlich wollen wir doch eigentlich alle genau eines: Möglichst schnell und sicher ans Ziel kommen.
Ich hab schon oft geschrieben, dass ich bei aller Skepsis gegenüber Reglementierungen die StVO immer noch für eine der besten Regelsammlungen dieser Republik halte. Das mag darin begründet sein, dass ich häufig mit ihr aneinandergerate – aber es liegt auch daran, dass ich mir bewusst bin, dass der Straßenverkehr nunmal eine Gefahr darstellt, mit der man irgendwie umgehen muss.

Nach wie vor halte ich an meiner Maxime fest: Absolute Sicherheit gibt es nicht, und ich bin mir wirklich bewusst, dass ich prinzipiell mein Leben und das anderer Leute gefährde, indem ich anderthalb Tonnen Stahl mit absurder Geschwindigkeit durch einen Häuserparkour lenke. Fatalistisch könnte ich auch sagen: Irgendwann passiert sicher mal was, was will man machen? Das heisst aber nicht, dass man komplett darauf scheißen sollte, darüber nachzudenken.

Sicher, als Radfahrer hat man es gewissermaßen einfacher: Man ist mobiler, und natürlich ist man selbst nur für eine wesentlich kleinere Gruppe potenziell tödlich. Die Fälle, in denen unachtsame Radfahrer Reisebusse zermalmt haben, halten sich zweifelsohne in Grenzen. Insofern finde ich es auch gerecht, dass der motorisierte Verkehr auf unseren Straßen wesentlich stärker überwacht wird. Hier sind größere Massen im Spiel, höhere Geschwindigkeiten und letztlich auch das nicht auszumerzende gesteigerte Überlegenheitsgefühl von Menschen, deren Ersatz für eine ausgebildete Persönlichkeit eine rollende Festung mit 300 PS und Alufelgen ist.

Insofern bin auch ich als Autofahrer eher bereit, einen Verstoß gegen die Regeln einem Fahrradfahrer zu verzeihen als einem Kollegen mit Blechummantelung. Und ja: Auch ich verzichte nachts um 4 Uhr an einer unbelebten Kreuzung mal aufs Blinken und fahre hier und da mal 10 km/h zu schnell. Den Heiligenschein hab ich nicht zufällig im Kofferraum liegen lassen, ich besitze tatsächlich keinen!

Aber heute erst wieder habe ich auf der Warschauer Straße aprupt bremsen müssen, weil mir – und ja, das ist das schlimmste Klischee – ein offensichtlich betrunkener Radfahrer ohne Licht mit Bierflasche in der Hand in Schlangenlinien vors Auto gefahren ist, obwohl er Rot hatte.
Ich will dem schief grinsenden Kerl noch nicht einmal anlasten, dass er mich zum Bremsen gezwungen hat, ich bin ja schließlich verpflichtet dazu, umsichtig zu fahren – aber was wäre gewesen, wenn hinter mir ein Auto/Bus/Gefahrenguttransporter gewesen wäre?

Ich möchte hier keinesfalls „die Radfahrer“ als solches diskreditieren! Da sind ebenso wie unter den Autofahrern ein paar Idioten unter einer enormen Menge vernünftiger Leute verteilt. Aber hier wie dort fallen sie auf.

Deswegen möchte ich hier auch keine Schuldzuweisung für die teils abartigen Verhältnisse auf den Straßen tätigen. WIR als Gesamtheit sind der Verkehr und sollten darauf achten, dass wir miteinander klarkommen!

Pervers wird es in meinen Augen erst da, wo man versucht, die Gruppen gegeneinander auszuspielen. Der ADAC und der ADFC sind beides absurde Lobby-Verbände, die die Fortbewegungsart (hey, um nicht anderes geht es hier!) ihrer Mitglieder so in den Himmel loben und gegen alles verteidigen, was da kommt – auch wenn es bisweilen sehr berechtigt ist.
Es mag autofahrertypisch klingen, wenn ich es verteidige, dass die Berliner Polizei in der letzten Woche schwerpunktmäßig Radfahrer überprüft hat. Denn ja, das finde ich ok. Während ich mich beim Ausfall von einem von drei Bremslichtern gleich panisch an den Austausch mache, kommen mir Idioten mit gänzlich unbeleuchteten Rädern nachts vors Auto und pöbeln mich an, wenn ich nicht rechtzeitig bremse. Das finde ich unfair. Zumal ich sie nicht einmal anzeigen kann, weil sie im Gegensatz zu mir nicht einmal Kennzeichen haben.
Aber andererseits halte ich auch nichts davon, dass sich meine Kollegen immerfort über Blitzer beschweren. Gewiss, in der ein oder anderen Ecke ist es fies, weil man da wirklich schneller fahren könnte – vielleicht sogar sollte – aber es ist ja nicht so, dass es sich nicht vermeiden ließe, geblitzt zu werden. Gemeinhin passiert das nämlich nur, wenn man zu schnell ist…

Die Tatsache, dass zum Frühlingsstart auch mal mehr oder weniger ausnahmsweise die Radfahrer auf den Kieker genommen werden, ist bei allem, was tagtäglich da draussen passiert leider nicht so einfach mit polizeilicher Willkür abzutun, sondern es zeigt tatsächlich auf, dass es da teilweise ein wenig zu locker zugeht.
Ich meine: Hey, wir Autofahrer werden das ganze Jahr über gelasert, beobachtet, rausgewunken und kontrolliert. Das finde ich sicher genausowenig schön, wie es jetzt die Radfahrer finden. Ich wäre auch dafür, alle Kontrollen komplett einzustellen und auf die Vernunft der Leute zu hoffen. Das Ergebnis wäre aber wahrscheinlich, dass in der Innenstadt 100 km/h an der Tagesordnung wären und vom LKW- bis zum Fahrradfahrer wesentlich mehr Unfallopfer zu beklagen wären.

Bevor wir jetzt also alle auf die jeweils anderen einprügeln, würde ich sagen: Locker bleiben! Der meiste Ärger entsteht letztlich sowieso durch Missverständnisse und Unachtsamkeit. Da müssen wir nicht auch noch Krieg führen nebenher. Und wenn ich es als Taxifahrer schaffe, in zweieinhalb Jahren nur einmal mit 8km/h zu viel geblitzt zu werden, dann wird man es als Radfahrer wohl auch schaffen, ohne Rotlichtverstoß durchzukommen.

Schwaben und Berlin…

Ich muss ja zugeben, dass ich mit meinem Umzug nach Berlin nicht gerade die allerinnovativste Idee hatte. Ich bin aus meinem Freundeskreis nicht der erste, der sich auf den Weg in die Hauptstadt gemacht hat, außerdem habe ich hier angekommen feststellen dürfen, dass sich die Schwaben hier in Berlin schon weit genug ausgebreitet haben, um quasi als vollwertige Minderheit als angreifenswert zu gelten.

Ich bin ja als aufgeschlossener Mensch weder sonderlich lokalpatriotisch, noch habe ich ein Problem damit, über gewisse Marotten zu lächeln, die mir vorgehalten werden. Zumal – im konkreten Fall Berlin – viele meiner ehemaligen Landsleute sich ja tatsächlich aktiv an den Gentrifizierungsprozessen in verschiedenen Stadtteilen beteiligen, was zweifelsohne den Charakter vieler Viertel gerade in Friedrichshain und Prenzl’berg dauerhaft und nicht unbedingt zum Vorteil verändert.

Moment? Habe ich „Prenzl’berg“ gesagt?

Dafür muss ich mich wohl entschuldigen, denn laut einem Fahrgast am vergangenen Donnerstag darf ich das nicht. Nicht als Schwabe!

Ich weiss nicht, gegen welche vermeintliche Benimmregel ich damit verstossen habe, sonderlich auskunftsfreudig war mein Gegenüber diesbezüglich nicht. Süffisant anmerken möchte ich jedoch gerne, dass ich aus Stuttgart keine Vorschriften zur Aussprache von Stadtteilen für Ortsfremde kenne 😉

Naja, die Tour war an sich relativ kurz und unser Gespräch entsprechend auch. Und selbst der Hass war wohl nicht ganz total, immerhin hab ich einen Euro Trinkgeld entgegennehmen dürfen.

Im Großen und Ganzen fühle ich mich hier in Berlin ja wirklich wohl. Die Stadt ist – obwohl ich mir lange Zeit nicht einmal vorstellen konnte, meine Heimat überhaupt zu verlassen – inzwischen definitiv ein neues Zuhause für mich.
Aber entgegen all der absurden Vorwürfe, die einem hier gerne entgegenschlagen, mag ich an Berlin tatsächlich, dass es anders ist. Ich bin auch verdammt froh, dass es hier keine Kehrwoche gibt, wenngleich ich mich wirklich frage, ob es besser ist, jedes Jahr auf die BSR zu schimpfen, weil der Schnee nicht geräumt ist.
Ich bin froh, dass Berlin noch eine recht günstige Stadt ist, und ich finde das Reizvolle an ihr ist ihre Vielfältigkeit. Damit schließe ich ausdrücklich sowohl die Villengegenden in Grunewald, die verratzten Viertel in Kreuzberg und die schnöden Hochhaussiedlungen in Marzahn mit ein.

Ich wohne am Stadtrand, wo ich meine Ruhe habe. Ich will keine Clubs verbieten und keine „soziale Aufwertung“. Ich fühle mich hier zwischen den Arbeitslosen und Niedriglöhnern eigentlich ganz wohl und finde es auch kein Verbrechen, es gut zu finden, dass unsere Bude hier billig ist.

Das Einzige, was ich vielleicht noch mache, ist einen Job auszuüben, den auch ein Nicht-Abiturient aus Prenzlauer Berg machen könnte. Aber sind wir mal ehrlich: Es gibt im Prinzip zwei Sorten Taxifahrer: Die eigentlich Überqualifizierten – und die anderen, über die sich die Berliner so gerne aufregen.

Nein, vielleicht werde ich wirklich nie ein Berliner sein. Aber deswegen bin ich noch lange nicht das böse Berlin-vernichtende Finanzhaimonster aus der anderen Welt. Und komischerweise scheine ich das für genau die Leute zu sein, die sich hier darüber aufregen, dass die von den Schwaben übernommenen Viertel hier auf einmal so intolerant und verschlossen sind…

Bleede Grasdaggl!

Änderungen unerwünscht?

Ich verstehe so manche Kollegen im Taxigewerbe nicht. Zu allererst natürlich die, die sich den Job stressig machen, indem sie sich wegen kurzen Touren mit den Kunden streiten und sich Ärger einhandeln, weil sie sich nicht an die Regeln halten.
Ähnlich wenig Verständnis hab ich für die Kollegen, die denen das durchgehen lassen. Ein paar Kollegen meckern seit einiger Zeit schon rum, dass sie immer öfter von unbesetzten „Kollegen“ überholt werden und es allgemein rau zugeht. Da hab ich wohl immer Glück gehabt. Insbesondere Anfeindungen bin ich nun wirklich noch nicht ausgesetzt gewesen.

Und dann erzählt mir Kollege Manfred folgendes:

Er ist wohl leer unterwegs gewesen, kurzer Abstecher über die Stadtautobahn zu einer anderen Halte. Er selbst ist auf der 80er-Strecke mit knapp unter hundert unterwegs, und die Fackel hat er – trotz Verbot – der Einfachheit halber eingeschaltet gelassen. Wenn man es eng nimmt, kann man ja da schon was sagen 😉

Aber gut, nun der Auftritt des Kollegen: Mit von Manfred geschätzten 140 Sachen zieht besagter Kollege in seinem Daimler an ihm vorbei, die Fackel natürlich ebenfalls an.
Wie der Zufall es so will, treffen sich die beiden kurz hinter der nächsten Ausfahrt hintereinander an der Halte. Manfred steigt aus, und ich gebe hier mal sinngemäß das Gespräch wieder:

„He Kollege, muss ja wohl nicht sein, dass du mich auf der Autobahn so stehen lässt…“

„Was? Mir doch egal! Auf der Autobahn muss ich gar nix!“

„Ich würde an deiner Stelle mal vorsichtig sein, da mit 140 langzuschießen. Wie viele Führerscheine hast du denn bitte?“

„Scheißegal. Dann schmeiß ich den Führerschein weg und schlag dich tot!“

Manfred ist daraufhin ums Auto herumgegangen und hat sich ganz demonstrativ die Konzessionsnummer angesehen. Dann hat er sich wieder in sein Auto verzogen. Daraufhin kam der ungehaltene Kollege aus seinem Wagen, kam zu Manfred und hat sich entschuldigt. Irgendwas von „war nicht so gemeint“. So eine von den ganz ganz ehrlichen Entschuldigungen, bei denen Mami hinter einem steht und einen stupst, wenn man sich nicht traut.

Und, was ist die Moral von der Geschichte? Keine!

Manfred nix weiter gemacht. Er hat aber jetzt eine tolle Anekdote, und passenderweise war der Fahrer auch noch Türke. Da lässt sich das bei bestimmten „Kollegen“ gleich nochmal gehässiger erzählen.

Mit anderen Worten: Ein eigentlich bekanntes Arschloch fährt weiter unbehelligt Taxi in dieser Stadt, hat nicht einmal eine Beschwerde gekriegt, und sicher 10 Kollegen haben jetzt eine tolle Geschichte, die beweisen soll, dass alle türkischen Taxifahrer in der Stadt ja totale Arschlöcher sind…

Ja, so lösen sich Probleme!

Manchmal tut es wirklich weh, einen Job zu machen, der weitgehend vom Intelligenzprekariat beherrscht wird! 🙁

Auswurf, braun-rot

„Eine Leiche gibt’s immer…“

lächelte die junge Dame gequält, als sie einen massiven Typen auf die Rückbank schiebt. Der ist nicht mehr in allerbestem Zustand, grenzwertig auf jeden Fall. Aber lasse ich die Kunden jetzt stehen? Verzichte ich auf das Geld? Vertraue ich den Aussagen, er würde es sicher packen? In diesem – wie in den meisten Fällen – hab ich mich zum Transport entschieden, mit einer Mischung aus Verantwortungsbewusstsein und Geldgeilheit. Wie das beim Taxifahren wohl immer der Fall ist.

„Dann ist es aber nicht so gut, wenn er ganz links sitzt – da geht die Tür nämlich nicht auf!“

„Ach, im Notfall sagen wir Bescheid.“

Jetzt springen sicher gleich ein paar Kollegen auf und meinen, dass ich ja hier schon hätte abbrechen können. Gewiss, eine konkrete Gefahr bestand. Aber ich führe diese Dialoge so oft – und es passiert fast nie was. Ich hab mit solchen Truppen schon lustigste Fahrten und beste Trinkgelder gehabt – meist schafft man im Ernstfall ja noch so eine ganz eigene Art „Gefahrenbremsung“.

In diesem Fall war es ein Fehler. Als ich auf Bitten eines Mitreisenden angehalten habe, hatte „die Leiche“ schon lautlos aus dem Fenster gekotzt und eine ansehnliche Spur auf der Außenseite des Wagens hinterlassen. Es folgte eine kurze Pause, einiges an Abwischerei, und ich war immerhin froh, dass kaum etwas im Auto zu finden war. Die Truppe war zudem recht nett, sie kümmerten sich um ihren Freund und ich bekam auch schon den ersten Zehner „fürs Anhalten“ zugesteckt.

Ich hab das mit einem Verweis auf die laufende Uhr abgetan und gesagt, dass wir mal sehen würden, wie wir das hinkriegen. Bisher sah es zudem wirklich so aus, als ob die Geschichte mit einmal Waschanlage erledigt sein würde.

Den nächsten Kilometer verbrachte die Leiche dann auf der rechten Seite, wo die Türe auch von innen zu öffnen ist. Die Bitte zum abermaligen Anhalten kam auch dieses Mal kurz nach Entleerung des Magens aus dem Fenster. Na danke!
Damit waren das Auto, die Laune und absehbar die Schicht im Arsch. Warum hätte ich sie nicht noch eben bis nach Hause mitnehmen sollen?

„Ist nur um die Ecke.“

Diese Ecke maß etwa 3 Kilometer Fahrtweg. Dann standen wir da, und nachdem der Typ sich – trotz einiger Beherrschung in den letzten Minuten – gleich auf der Straße wieder erbrochen hat, ging es ans Bezahlen. Dem netten Beifahrer hab ich nach dem Herumreichen von Tüchern, kurzem Wischen hier und dort Herumgucken dann auch gesagt, dass jetzt natürlich der unangenehme Teil kommt. Ruhig und sachlich, wie das meine Art ist.

Was denn jetzt auf der Uhr stehen würde?

„15,90 €. Aber es ist wohl klar, dass das nicht der Preis ist, über den wir jetzt verhandeln.“

Völlig entgeistert wurde ich von hier und dort angeschaut. Ob ich etwa mehr haben wollte? Außerdem hätte ich ja schon einen Zehner…

Ich hab meinem Beifahrer mit angemessenem Bedauern erklärt, dass mir klar ist, dass das ein unschönes Ende für einen Partyabend ist, aber dass ich auch mein Geld verdienen muss. Dass ich das Auto jetzt erst einmal sauberzumachen hätte, und das – natürlich ausgerechnet – zu quasi der besten Zeit der Woche, zu der ich an jeder Ecke Kunden mitnehmen könnte. Und bei allem Verständnis für ihre missliche Lage: Ich würde nicht auf mein Geld verzichten, nur weil ihr Kumpel einen über den Durst getrunken hätte.

Etwas zögernd reichte er mir einen Zwanziger und erwartete so etwas wie ein

„Alles klar, schönen Abend noch!“

Das hat er natürlich nicht bekommen. Inzwischen wurden die Stimmen ums Auto herum lauter. Vom unangenehm drohenden

„Meister, du hast jetzt 30 €!“

bis hin zu

„Ey, 15 €! Auf dem Hinweg haben wir 5 € bezahlt! 5!“

war alles dabei. Noch viel besser: Ich hätte sie vorher darüber aufklären müssen, was es kostet, ins Auto zu kotzen. Außerdem sei ich selber schuld, weil ich die Kindersicherung links drin hätte. Im Umkehrschluß – als ich erwähnte, dass die Kindersicherung extra dazu da ist, dass Betrunkene nicht einfach auf die Straße springen, war ich dann selber schuld, weil die Kindersicherung ja schon beweisen würde, dass ich Betrunkene mitnehmen würde. Wir erinnern uns daran, wie froh die Truppe vor einer halben Stunde war, dass sie jemand mitgenommen hat, und dass ich auf die Kindersicherung hingewiesen habe.
Der Vorwurf mit den Kosten für die Fahrt ist auch extrem lustig, da sie mir nie ein Fahrtziel genannt, sondern die Strecke unterwegs angesagt haben. Und etwa 5 km Fahrtweg mit 5 Personen zuzüglich etwa 10 Minuten Wartezeit… kommt mir ziemlich tarifgerecht vor.

Aber gut, während der Großteil der Gruppe entweder kotzte oder mir vorwarf, ich wolle sie übelst über den Tisch ziehen, saß mein Beifahrer möchtegerngelassen da und wähnte sich in einer total guten Position. Die 14,10 €, die er mir nun quasi freiwillig obenauf überlassen hat, waren in seinen Augen unanfechtbarer Beweis, dass die Sache nun geklärt ist. Mit einem süffisanten Lächeln wollte er hören, was ich denn nun noch haben wolle. Ob ich etwa glauben würde, er solle mir nun 50 – oder gar 100! – Euro geben.

„Und ob ich das glaube.“

Die Antworten darauf könnte man als Beleidigung auffassen, aber da bin ich hart im Nehmen. Ich hab ihm nochmal erklärt, dass das nicht einmal sonderlich hochgegriffen ist, und ich wenn es nach meinem Chef ginge, die Kiste jetzt sowieso erst einmal professionell reinigen lassen müsste. Dass das wiederum noch mehr Zeit kostet und schnell mal bei mehreren hundert Euro liegt.

Sein Kumpel meldete sich wieder von der Seite und meinte, das eine Mal Waschanlage sei ja wohl von den 30 € locker mitbezahlt.

„Ach ja? Mit den übrigen 14,10 € komme ich auf Uhr gerade mal bis zur Waschanlage. Ohne zusätzliche Kosten und die Zeit, die das dauert!“

„Hör mal, bevor ich hier 100 € zahle, nehm ich dir dein ganzes Auto auseinander!“

„Gerne. Das ist auch eine Möglichkeit! Dann bleibt nur mein Verdienstausfall…“

Aber natürlich spinne ich total, bin unverschämt, ein Arschloch und dergleichen. Er stellte klar, dass er nicht zahlen werde, und ich, dass ich diesbezüglich nicht einverstanden bin und die Polizei rufen werde. Relativ friedlich eigentlich. Auf die Frage, ob ich irgendeinen Namen bekommen würde, bekam ich die Antwort

„Nimm Karl-Heinz oder so.“

Alles klar. Ich stand vor ihrem Haus, ihr Fenster war als einziges beleuchtet und die Haustüre haben sie gnädigerweise geöffnet gelassen, was die beiden angeforderten Streifenpolizisten auch dankbar nutzten, um zu ihrer Wohnung zu gelangen. Und was soll ich sagen? Selten habe ich zufriedener in ein WTF-Gesicht gesehen als heute morgen um 5 Uhr. 😀

Die Personalien sind also ausgetauscht, und zack – keine halbe Stunde später (etwa der Gegenwert der 14,10 €) – konnte ich mich also ans Putzen machen. Ich hab die Uhr angemacht, mir Putzutensilien von der Tanke und von zu Hause besorgt und die Kiste nach allen Regeln der Kunst bearbeitet und pünktlich zum Schichtbeginn meines Tagfahrers flecken- und geruchsfrei am Abstellort bereitgestellt. 70,60 € standen auf der Uhr, und in Anbetracht der Tatsache, dass ich ihnen eine teure Reinigung und (übers Wochenende!) gleich mehrere Tage Verdienstausfall erspart habe, ist eine Pauschale von 100 € fürs Putzen auch nicht unangemessen. Sind dann also irgendwas um die 170 €. Ich bin ja gespannt, ob darüber ein Gericht entscheiden muss, oder an welchem Punkt sie beschließen, es besser sein zu lassen. Beim netten Brief von mir, bei dem vom Anwalt, beim Mahnbescheid?

Mir soll es egal sein, ich hab Zeit.