Scheiß Bärte!

Zugegeben: Im Vergleich zu Frauen werde ich selten beleidigt, wenn es um meinen Körper oder mein sonstiges Erscheinungsbild geht. Aber natürlich ist kein Nischenfeld zu belanglos, um nicht doch noch Gegner zu finden.

In diesem Fall ging es um meinen Bart.

Die Fahrt mit dem Pärchen war an und für sich so mittelmäßig und uninteressant wie sie nur sein konnte. Von Kreuzberg nach Treptow, eine Alltagsgeschichte.

Aber dass ich einen Bart hätte! Schlimm! Ich Mode-Hipster! Mal abgesehen davon, dass mich das angeblich beim Essen stört: Es ist ja nun auch per sei ein bisschen krank.

Gut, dieses Mal wurde immerhin nicht der IS bemüht, aber mir ist nach wie vor fremd, wie man ein paar Haare so zum Feindbild hochstilisieren kann.

Ich will ehrlich sein. Ich hab meinen späten Bartwuchs als willkommene Möglichkeit betrachtet, mein Doppelkinn verschwinden zu lassen. Ich trage ihn mehr oder weniger auffällig seit der Zeit, in der Bärte noch eher unüblich waren und meiner mich schon immer als Metaller vorverurteilt hat. Und dann dieser Kunde:

„Na, hörst wohl Hip-Hop, oder?“

Fuck you, Bushido!

Nun könnte ich das natürlich ignorieren. Aber dann gab der Typ freiwillig zu, dass … nun ja:

„Ich meine, wir haben damals ja auch ganz selbstverständlich Rotzbremsen getragen …“

Mir hat also ein Typ meinen (derzeitigen) Vollbart schlechtzureden versucht, der dereinst einen Schnauzer getragen hat? Ehrlich!? Ich werd‘ zu alt für den Scheiß. 😉

Wenn man Kunden doch hauen sollte

Ein Winker, na super! Kurz hinterm Ostkreuz, vermutlich zum Sisyphos. Und da wollte ich eh hin.

„Moin.“

„Hi. Samma, hauste mich nich, wenn ick frag, ob wir bis da vorne ’ne Kurzstrecke machen?“

„Wieso sollte ich? Gerne doch.“

„Ick muss aba mit Karte zahlen.“

„Auch kein Problem, aber die 1,50€ Zuschlag für unbares Zahlen kommen dann halt noch drauf.“

„Ach, das‘ ejal!“

Finanziell war das sowieso eine der absurdesten Touren aller Zeiten. Er wäre ohne Kurzstrecke günstiger weggekommen, denn es waren wirklich nur 500 Meter. Als Kurzstrecke mit Karte 6,50€. Aber er war voll wie Eimer, vielleicht hätte er es wirklich nicht mehr zu Fuß geschafft.

Dann kam, was wirklich nicht hätte kommen müssen: Der Kartenleser hat sich verabschiedet, ich musste also nach zwei Versuchen das Funkgerät neu starten. Und das dauert. Das Problem war auch nicht, dass der Kunde ungeduldig war, im Gegenteil: Das mit der Bezahlung war ihm völlig egal. Nur war er eben voll wie Eimer und hat die Zeit genutzt, besonders unterhaltsam zu sein.

Zum Beispiel, indem er meinen Bart bewunderte, mir gleichzeitig aber erklärte, wie viel Sport ich noch machen müsse, um „die heißen Miezen aus dem Sisyphos klarzumachen“. Dann versuchte er mehrfach, am Scheibenwischerhebel den Warnblinker zu deaktivieren, weil ihn das Geräusch nervte, um andererseits aber bei einem kurzen Hinweis meines Autos, dass der Ölstand niedrig sei, eine Art Notruf-Arie aufzuführen, während der er mehrfach eine Feuerwehrsirene imitierte und mich anbrüllte, dass das Auto gleich explodieren würde. Und als ob das noch nicht genug sei:

„Ups, Digger, jetzt hab ick mir so uffjerecht, dass ick jefurzt hab.“

Und als ob auch das noch nicht genug sei:

„Ups, nochmal, Digger. Jajaja, mach ma besser die Fenster runter, die sind scheiße fies heute …“

Nicht, dass ich Eure Bestätigung bräuchte, aber mal im Ernst: So ein kleines Bisschen Körperverletzung müsste doch hier und da auch mal erlaubt sein, oder?

Das war’s nicht wert!

Ich bin ja nach wie vor kein Kurzstreckenmuffel. Alles gut. Auch die Fahrt für atemberaubende 4,50€ letzte Nacht, die mich im Grunde nur einmal um den Bahnhof Friedrichsfelde-Ost geführt hat.

Das Ärgerliche daran war, dass ich dort nur zufällig gelandet war und einen unerwartet langen Aufenthalt hatte. Da es trotz gegenteiliger Vorhersagen an dem Abend nicht geregnet hatte, war ich zu Schichtbeginn nicht in der Waschanlage und habe vor meinem Stopp einen Abstecher zum nächsten Tankstellen-Kärcher gemacht und dann am Ende am Bahnhof die Scheiben einer beidseitigen Grundreinigung unterzogen.

Und ausgerechnet der Typ mit seinen 4,50€ musste sich vor der Fahrt dreimal an der Seitenscheibe anlehnen und hat es sich auf den 600 Metern auch nicht nehmen lassen, sie innen einmal volle Breitseite mit seinen fettigen Haaren abzusschrammeln, so dass es aussah, als wäre die letzte Reinigung im viktorianischen Zeitalter erfolgt.

Keine Frage: Es ist eine Zwei-Minuten-Aktion, das wieder zu beheben. Aber es fühlt sich dermaßen unnötig an …

Wenn sie es wollen …

Was ich nicht verstehe, sind Menschen, die absichtlich nach einem Grund suchen, sich aufzuregen. Oder überhaupt zu ärgern. Die Welt ist schlecht genug, man kann ausreichend Energie aufbringen, sich um die zu sorgen, denen es wirklich schlecht geht.

Nun aber er. Großgewachsener Teil eines Ehepaars, das mir nachts als Winker an einer  U-Bahn-Station ins Auto gefallen war. Beim Einstieg bereits bot seine zierliche Frau ihm an, doch auf der Beifahrerseite einzusteigen. Wollte er nicht. Also quetschte er sich hinter mich, woraufhin ich sogar wohlwollend meine Sitzlehne etwas steiler stellte. Obwohl ich eh nicht zu den Liegendfahrern zähle.

Keine zwei Minuten später kam dann gehässig von hinten:

„Mann Mann Mann, ist ja ziemlich wenig Platz in so ’nem Opel!“

Während ich noch mit mir gerungen hab, ob ich dem Vollidioten meine Meinung geige, hatte das schon seine reizende Gattin übernommen:

„Tja, Schatz, ich trau’s mich ja kaum zu sagen, aber: Ich hab hier RICHTIG VIEL PLATZ!“

Also hab ich’s gelassen. Er hatte seine angetrautemessene Strafe ja schon erhalten. 😉

So naja …

Touren, bei denen man sich fragt: „Was war das denn eben?“

Kenne ich natürlich, aber ein bisschen speziell war der Typ schon. Netter Kerl, sehr gesprächig. Was von Vorteil war, denn hätte er bei „Nicht falsch verstehen, ich bin auch so ein bisschen rechts!“ aufgehört, hätte ich ihn wohl nur für einen Idioten gehalten. Da er das aber erzählte, während er mir erklärte, wie er von einem Nazi Prügel kassiert hat, weil er einen „ick nehm‘ mal an: rumänischen“ Bettler verteidigt hat, hat er durchaus einiges an Boden gutgemacht bei mir. Offensichtlich (ich verzichte jetzt mal auf weitere Details) ein eigentlich recht netter Kerl mit natürlich durchaus auch Schattenseiten. Ein Mensch halt. Und eben ein Schwätzer vor dem Herrn.

Mal abgesehen von seiner sehr interessanten Lebensgeschichte bemüßigte er sich nämlich auch noch, mit einem netten Augenzwinkern meine Route zu kommentieren:

„Na, jetzt sind wir aber … deine Strecke ist aber auch nur so naja …“

Und in gewisser Weise trifft das sicher auf 50% aller Strecken zu, meistens findet sich ja doch noch eine einspurige Pflastersteinstraße mit drei Ampeln mehr, mit der man bei Vollmond noch 20 Cent sparen könnte. Aber hier war ich überfragt. Und nicht nur ich. Auch der Fahrgast konnte mit Müh und Not mutmaßen, dass „von der anderen Seite“ vielleicht ein wenig kürzer wäre.

Mir ist keine Möglichkeit eingefallen. Aber ich überlasse das mal Euch findigen Lesern:

Meine Route, nur so naja …. Quelle: openrouteservice.org

Im Ernst: Es gibt keine kürzere Strecke! Aber bei Zweiflern, die zudem nett sind und Trinkgeld geben, will ich auch nicht nachtragend sein. 😉

Level 12. Von 10.

Druffis aller Art gehören zum Nachtbetrieb einer Stadt. Ich bin auch schon in Zuständen durch Berlin geschwankt, in denen mich die Kollegen aus der eigenen Firma nicht mehr mitgenommen hätten. Der eine Typ heute Nacht, der offenbar aus dem Yaam entlaufen war, hat allerdings alles  in den letzten Monaten getoppt.

Er hat, während ich besetzt die Holzmarktstraße entlangfahren wollte, schwankenderweise beide Spuren blockiert, mir nach dem Abbremsen zweimal auf die Motorhaube geklopft, sich den Gürtel aus der Hose gezogen, ihn um sich gewirbelt, dabei „One Love!“ gerufen und mich dann vorbeigewunken.

Ich mache mir hier mal die Worte meines Fahrgastes zu eigen:

„Man gewöhnt sich an sowas.“

Update: Vielleicht hatte der Typ – wie Andreas schrieb – ja auch was mit dieser Polizeimeldung zu tun … o.0
Allerdings war meine Begegnung mit ihm etliche Stunden früher.

Der Coole

Drei Fahrgäste, alle ganz nett. Winker im Außenbezirk.

„Also zuerst müssten wir zum Bahnhof. Da steigt der eine schon aus …“

„DER COOLE STEIGT DANN AUS!“

Ich hab in den Rückspiegel geblickt und gesagt:

„Nee, das geht nicht.“

„WAS? WIESO?“

„Ich muss das Auto fahren.“

Zwei neue Kunden, ein neuer Feind. Die Statistik passt soweit. 😉