Scheiß Bärte!

Zugegeben: Im Vergleich zu Frauen werde ich selten beleidigt, wenn es um meinen Körper oder mein sonstiges Erscheinungsbild geht. Aber natürlich ist kein Nischenfeld zu belanglos, um nicht doch noch Gegner zu finden.

In diesem Fall ging es um meinen Bart.

Die Fahrt mit dem Pärchen war an und für sich so mittelmäßig und uninteressant wie sie nur sein konnte. Von Kreuzberg nach Treptow, eine Alltagsgeschichte.

Aber dass ich einen Bart hätte! Schlimm! Ich Mode-Hipster! Mal abgesehen davon, dass mich das angeblich beim Essen stört: Es ist ja nun auch per sei ein bisschen krank.

Gut, dieses Mal wurde immerhin nicht der IS bemüht, aber mir ist nach wie vor fremd, wie man ein paar Haare so zum Feindbild hochstilisieren kann.

Ich will ehrlich sein. Ich hab meinen späten Bartwuchs als willkommene Möglichkeit betrachtet, mein Doppelkinn verschwinden zu lassen. Ich trage ihn mehr oder weniger auffällig seit der Zeit, in der Bärte noch eher unüblich waren und meiner mich schon immer als Metaller vorverurteilt hat. Und dann dieser Kunde:

„Na, hörst wohl Hip-Hop, oder?“

Fuck you, Bushido!

Nun könnte ich das natürlich ignorieren. Aber dann gab der Typ freiwillig zu, dass … nun ja:

„Ich meine, wir haben damals ja auch ganz selbstverständlich Rotzbremsen getragen …“

Mir hat also ein Typ meinen (derzeitigen) Vollbart schlechtzureden versucht, der dereinst einen Schnauzer getragen hat? Ehrlich!? Ich werd‘ zu alt für den Scheiß. 😉

19 Kommentare bis “Scheiß Bärte!”

  1. ELP sagt:

    Wer keine Bärte mag, soll halt keine tragen.

  2. Daarin sagt:

    Was genau hat ein Bart mit der Musikrichtung zu tun? Aber wenn es schonmal so schön passt:

    „Viele Helden zogen schon über das wilde Meer
    Willst auch du dazu gehören
    Brauchst du echt nur Eines, komma her und hör auf mich
    Du Wicht, ich sage dir mehr braucht’s im Leben nicht
    Willst auch du, dass du was taugst, dann brauchste Haare im Gesicht“
    Mr. Hurley und die Pulveraffen, Haare im Gesicht.

  3. Ana sagt:

    Hass prallt an Bärten ab, Kritiker härten ab.

  4. gnaddrig sagt:

    Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren,
    müssen Männer mit Bärten sein.
    Jan und Hein und Sasch und Pit,
    die haben Bärte, die fahren mit…

    Ok, Bart ist durch, als nächstes kommen Tattoos, dann Piercings, Flesh Tunnels, Badelatschen. Vielleicht könnte man die gängigen Taxi-Apps dahingehend erweitern, dass die Fahrer in ihrem Profil für alle diese Merkmale einen Wert eintragen müssen und potenzielle Kunden dann nach Fahrern mit oder ohne diese Merkmale suchen können. („Ich möchte nur mit einem gepiercten Badelatschenträger mit Goatee fahren, nicht Mercedes, kein [Musikrichtung].“) Dann müssten doch alle zufrieden sein, oder?

  5. Roichi sagt:

    Ich stell mir gerade einen mittfünfziger Fahrer vor, der schon seit Urzeiten unterwegs ist und nicht weiß, was er da eintragen soll. Immerhin hört er alles Country und Western, fährt auch durch Tunnel und Pierce Ings kennta nich.

  6. @Daarin:
    ZZTop? 😉

    @gnaddrig:
    Ist ja nicht das einzige Bärte-Lied. https://www.youtube.com/watch?v=cATG241ivHY

    @Problem:
    Sash bereitet sich nur auf den Klimawandel ala „The Day After Tomorrow“ vor. Weiß doch jeder, dass man in arktischer Umgebung mit einem Bart Vorteile hat, weil ein Teil des Wasserdampfs der Ausatemluft in den Haaren kondensiert und friert, so dass man mehr Trinkwasser zur Verfügung hat als ein Nichtbartler. Sash, beide Daumen hoch, da sieht man langfristige Planung! 😛

  7. Sash sagt:

    @Daarin:
    Ach komm, dass jede Subkultur auch ihren eigenen Style hat, ist nun ja nicht unbekannt. Ich will ja eine Abgrenzung von anderen Teilen der Gesellschaft nicht plötzlich negieren. Aber inzwischen hätten wir da halt Seemänner, Altmetaller, Hipster, Männer über 50 allgemein und Islamisten zusammen. Sich da aufs Geratewohl einen rauszupicken ist schon mutig.

    @Ana:
    Sowieso. Zumal meiner ja ein Metal-Bart ist. 😉

    @gnaddrig:
    Sehr gute Idee! 😀
    Ich weiß nur noch nicht, was ich dann alles ironisch in mein Profil reinschreiben würde … ich meine, immerhin muss ja jeder Fahrer bei meiner Zentrale bisher auch schon „freundlich“ (oder irgendwas in der Art) ankreuzen.

    @Roichi:
    😀

    @gedankenknick:
    Ich gebe zu, dass ich darauf nicht so schnell gekommen wäre, aber ich füge es der Pro-Bart-Liste hinzu. 😉

  8. gnaddrig sagt:

    @ Sash: Gute Frage. In ein paar Jahren hört einfach ein digitaler Assistent mit, wie Du Dich so verhältst und was Du sagst. Die Bordelektronik bewertet Deinen Fahrstil, das zentrale Fahrtenbuch Deiner Firma bewertet Deine Pünktlichkeit, die Kamera im Auto analysiert Dein Aussehen. Eine Software wertet das alles aus und erstellt auf der Grundlage Dein Profil für die App, das dann regelmäßig angepasst wird.

    Da ginge dann einiges: Manche Merkmale werden in größeren Intervallen angepasst, etwa Musikgeschmack oder Fahrstil, andere täglich oder vielleicht sogar in Echtzeit (um den Wettbewerb zwischen den Fahrern zu fördern und so die Qualität der Dienstleistung zu erhöhen). Bei anderen könnte es zwei oder drei Werte geben – den mittel- bis langfristigen Durchschnittswert, die Tendenz und den aktuellen Wert. Wenn Du mal einen schlechten Tag hast und ruppig fährst, versaut Dir das nicht gleich das Profil, und wenn Du am nächsten Tag wieder wie gewohnt samtweich fährst, ist alles in Butter.

  9. Roichi sagt:

    Und dann gibt es die Rubrik „Umgang mit digitaler Technik“ mit einem extrem negativen Wert, weil Sash ständig das System verflucht, für den Scheiß, den es produziert.

  10. Ulf sagt:

    In ein paar Jahren, wenn autonome Taxis die Normalität sind, passiert einem Kunden folgendes in seiner Taxi-App:

    Seltsam blecherne verzerrte Stimme, kaum verständlich: Es tut uns leid, es steht leider kein selbstfahrendes Auto zur Verfügung. Wir sind Opfer eines Hackerangriffs und bis zur Systemwiderherstellung in circa 2 Tagen fährt kein selbstfahrendes Auto für Sie. Bitte entschuldigen Sie auch die mangelnde Sprachqualität. Wir haben jedoch eine Alternative für Sie: Gegen 40 Euro Anfahrtgebühr fährt Sie ein echter Mensch mit Bart.
    Kunde: Bitte? Mit was?
    Blecherne Stimme: Bart. Sein Schlüssel ist mit Bart knack sorry falscher Eintrag. Lade Definition von Bart (Stimme liest Wikpedia-Eintrag zum Thema Bart vor).
    Kunde: Also wenn es denn sein muß. Gibt es noch mehr Angaben?
    Blecherne Stimme: Ich zeige Ihnen jetzt die Daten zum Aussehen, die durchschnittlichen Fahrwerte und weise darauf hin, dass beim Umgang mit digitaler Technik der Wert unterdurchschnittlich ist. Außerdem sind die aktuellsten Werte aus dem Jahr 2020, seitdem ist er dank selbstfahrender Taxis nicht mehr beruflich als Taxifahrer tätig gewesen. Wenn Sie also 40 Euro für die Anfahrt aus Marzahn zu ihrem jetzigen Standort Spandau zahlen möchten, geben Sie bitte ihre PIN ein…

  11. Leander sagt:

    Ab 2022 ist dann niemand mehr da, dessen Optik man kritisieren kann:

    https://www.golem.de/news/autonomes-fahren-bosch-testet-selbstfahrende-taxis-ab-2018-1707-128808.html

  12. Sash sagt:

    @gnaddrig:
    Eine durchaus diskussionswürdige Zukunftsvision. 😉
    Wobei ich an sich ja ein großer Freund der Dienstleistungsverbesserung bin.

    @Roichi:
    Wenn ich überlege, dass ich schon heute noch nicht der Typ bin, der sein Handy abseits der Arbeit immer im Blick hat …

    @Ulf:
    Geniale Ausführung! 😀
    Ich gebe zu, ich vermute, dass es ganz so nicht passieren wird, aber Du hast mich definitiv zum lachen gebracht. Ernsthaft.

    @Leander:
    Sicher, das wird kommen. Bis dahin haben wir hier noch etwas Spaß. 🙂

  13. Sven sagt:

    Wüste Bärte

    Der Bart als grauer Weste Bürde
    ist stets des Mannes beste Würde.
    Drum Jünglinge, tragt wüste Bärte,
    daß euer Kopf zu Büste werde.

    (Carl Amery)

    🙂

  14. El Nico sagt:

    Und damit die pro-bärtige Sammlung von Folklore noch etwas mehr abgerundet wird:

    https://www.youtube.com/watch?v=34VNA3HcP5U

    😀

  15. Bon Scott sagt:

    Ja genau, wäre man nicht so genügsam, diese hanezen Salfaisten Sprüche wegen nem Vollbart sind auf Dauer ähnlich unlustig und immer die selben, wie die wenn man etwas größer ist als der Durchschnitt oder sonstwie augenscheinlich hervorsticht. Da ich auch eher dem Rock zugeneigt bin, gehen halt keine Hipstersprüche aber noch schöner wäre gar keine Sprüche.
    Aber was noch mehr nervt, sind die Menschen, die einem ungefragt im Bart rumfummeln. Gerne sind das Frauen aber egal ich finde das immer übergriffig. Man fummelt nicht einfach an anderen Menschen rum! Einige fragen ob sie den mal anfassen dürfen. Dürfen sie in der Regel ja auch aber ich kann eben entscheiden ob ich es zulassen will oder nicht. Und in den paar Fällen woo ich aus Gründen nein sage gicken sie zwar doof aber tollerieren dass dann auch.

    Und Pornobalkenträger sind echt die schlimmsten, damals ja noch gerne in Tateinheit mit Vokuhila.

    Wenn Bart dann Vollbart. Jegliches Rumgeschnitze ist zu unterlassen, wenn beruflich geboten, kann ab und zu mal gestutz werden.

    Und in Sachen Bartmusik geht nichts über „The Beards“ 4 Studio Alben und jeder einzelne Song darauf eine Homage an den Bart oder seine Träger. https://de.wikipedia.org/wiki/The_Beards

    Als Direktlink Videoempfehlung https://www.youtube.com/watch?v=cqKkx3ris5k Aber dann auch wenigstens die Schlusspointe mitnehmen.

    So und nun lese ich wieder weiter nur mit und nuschel mir die Kommentare in den Bart

  16. Sash sagt:

    @Bon Scott:
    aBARTig guter Kommentar! 😉

  17. Bitlefelder sagt:

    Bruder Bon Scott, halte ein!

    Auch ich mag bestimmte Bärte mehr als andere, bin jedoch gegen jedwedes Dogma. Zugegeben: Jesus hatte Vollbart, Stalin einen Schnauzer und Hitler den Kleinsten.

    Ein Bart ist jedoch Ausdruck von Freiheit und persönlichem Stil, dazu hebt er uns deutlich ab von den bartlosen Horden. Damit meine ich wohlgemerkt nicht jene, die gerne einen Bart hätten, aber aus genetischen oder anderen Gründen keinen wachsen lassen können – jenen rufe ich sogar zu: es zählt nicht alleine der Bart im Gesicht, wichtig ist der Bart im Herzen!

    Und keinesfalls sollten wir uns selber schwächen indem wir künstliche Regeln aufstellen wie ein Bart auszusehen hat. Das ist doch kaum anders als das, was die bartlosen Horden uns einzureden versuchen – dass wir unsere stolzen Bärte bitteschön so beschneiden sollen, wie es den nackten Affen gefällt.

    Wo ein Bart wächst, wächst die Hoffnung und wohnt die Liebe. Ob groß oder klein, breit oder schmal, wild und struppig oder sauber gestutzt und mit ornamentalen Konturen.

    Wie Ana schon sagte: Hass prallt an Bärten ab. Ich ergänze: Bärte können Hass auch absorbieren und transformieren.
    Lasst uns dem Hass der Nacktaffen die Liebe unserer Bärte entgegenstellen. Wenn einer euren Bart disst, brummt einfach freundlich durch den Bart zurück. Sucht das Gespräch, fragt euer Gegenüber ob er oder sie schon mal selber einen Bart hatte. Mischt eure abgeschnittenen Bartstoppeln mit Vaseline und tragt stets genug davon mit euch um es Barthäretikern anzubieten – als Instant-Bart aus dem Tiegel.

    Zollt anderen Bärten den gleichen Respekt wie euren Bärten, erduldet Frauen und Kinder die euren Bart begeistert anfassen wollen, verzichtet auch mal auf euer Vorrecht des größeren Bartes, und vor allem bedenkt immer: jeder Vollbart hat einmal als Flaum begonnen. Auch eurer.

  18. Der Eine sagt:

    Wenn Du als Mann nicht oft Beleidigt wirst dann deshalb weil du kein Übergewicht hast.

    Und selbst dann würdest Du von den Frauen nur hinter Deinem Rücken als ekliges Ding bezeichnet werden welches hoffentlich bald einen tödlichen Unfall baut und die Welt von seinem Anblick erlöst.

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