Wenn man Kunden doch hauen sollte

Ein Winker, na super! Kurz hinterm Ostkreuz, vermutlich zum Sisyphos. Und da wollte ich eh hin.

„Moin.“

„Hi. Samma, hauste mich nich, wenn ick frag, ob wir bis da vorne ’ne Kurzstrecke machen?“

„Wieso sollte ich? Gerne doch.“

„Ick muss aba mit Karte zahlen.“

„Auch kein Problem, aber die 1,50€ Zuschlag für unbares Zahlen kommen dann halt noch drauf.“

„Ach, das‘ ejal!“

Finanziell war das sowieso eine der absurdesten Touren aller Zeiten. Er wäre ohne Kurzstrecke günstiger weggekommen, denn es waren wirklich nur 500 Meter. Als Kurzstrecke mit Karte 6,50€. Aber er war voll wie Eimer, vielleicht hätte er es wirklich nicht mehr zu Fuß geschafft.

Dann kam, was wirklich nicht hätte kommen müssen: Der Kartenleser hat sich verabschiedet, ich musste also nach zwei Versuchen das Funkgerät neu starten. Und das dauert. Das Problem war auch nicht, dass der Kunde ungeduldig war, im Gegenteil: Das mit der Bezahlung war ihm völlig egal. Nur war er eben voll wie Eimer und hat die Zeit genutzt, besonders unterhaltsam zu sein.

Zum Beispiel, indem er meinen Bart bewunderte, mir gleichzeitig aber erklärte, wie viel Sport ich noch machen müsse, um „die heißen Miezen aus dem Sisyphos klarzumachen“. Dann versuchte er mehrfach, am Scheibenwischerhebel den Warnblinker zu deaktivieren, weil ihn das Geräusch nervte, um andererseits aber bei einem kurzen Hinweis meines Autos, dass der Ölstand niedrig sei, eine Art Notruf-Arie aufzuführen, während der er mehrfach eine Feuerwehrsirene imitierte und mich anbrüllte, dass das Auto gleich explodieren würde. Und als ob das noch nicht genug sei:

„Ups, Digger, jetzt hab ick mir so uffjerecht, dass ick jefurzt hab.“

Und als ob auch das noch nicht genug sei:

Ups, nochmal, Digger. Jajaja, mach ma besser die Fenster runter, die sind scheiße fies heute …“

Nicht, dass ich Eure Bestätigung bräuchte, aber mal im Ernst: So ein kleines Bisschen Körperverletzung müsste doch hier und da auch mal erlaubt sein, oder?

7 Kommentare bis “Wenn man Kunden doch hauen sollte”

  1. Arno.nyhm sagt:

    lol

  2. Arno.nyhm sagt:

    Von welcher Strecke bis welcher lohnt sich Kurzstrecke?

  3. Sash sagt:

    @Arno.nyhm:
    So ungefähr bis dahin nicht. 😉
    Der Einstiegspreis beträgt 3,90, die ersten Kilometer kosten je 2,00€, gezählt in 20-Cent-Schritten. Dabei sind die ersten 100 Meter (zumindest in etwa, genau weiß ich das jetzt auch nicht mehr auswendig) umsonst. Mit allen Taxameterungenauigkeiten lässt sich grob konstatieren, dass sich die Kurzstrecke von ca. 600 Metern bis 2,00 km rechnet.

  4. asd sagt:

    Die Kurzzstrecke müsste sich sogar noch bis knapp über 2 Kilometer rechnen. Das Taxameter springt ab der 2-Kilometer-Marke ja nicht sofort auf den Normalpreis um, sondern läuft nur schneller, bis es den Normalpreis erreicht hat. Während dem Zeitraum des Schnellerlaufens müsste eine Kurzstreckenfahrt also auch billiger als der Normaltarif sein.

  5. Sash sagt:

    @asd:
    Klar, so bis 2,2 km etwa. Da wird die Freude über die Preisersparnis gegenüber dem Normalpreis halt in der Realität verdrängt durchh die Erkenntnis, wie viel mehr als den Fünfer Kurzstrecke das jetzt kostet.

  6. Da Na sagt:

    Kommst du in letzter Zeit fast nur noch in Friedrichshain rum? Oder wohnen/urlauben/partyn die Verpeilten mit den bloggenswerten Storys einfach alle hier um’s Eck? ;D

  7. Sash sagt:

    @Da Na:
    Ach, ich hab natürlich meine Lieblingsecken. Gerade das Sisyphos z.B.
    Aber ja, vermutlich nicht nur wegen der besseren Geschäftslage, sondern auch, weil ich bestimmte Kundschaft (normalerweise!) präferiere. 😉

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