Tippeditipp …

Fahrgäste haben alles in allem ein ziemlich komisches Bild von unserem Job. Besonders mag ich als Raucher z.B. die Leute, die ganz überraschend auftauchen und mich dann bitten, doch noch zu Ende zu rauchen. Wenn sie nicht selber eine Kippe in der Hand haben, quittiere ich das immer mit einem Lächeln und sage:

„Nein, steigen Sie bitte ein. Ich rauche ja nur, weil ich keine Kundschaft habe.“

Je nach Taxistand und Zeitpunkt warten wir einfach relativ lange. Viel zu lange. Vor allem viel zu lange, um uns permanent bereitzuhalten. Also nein, wir müssen uns natürlich bereithalten – schon der Taxiordnung wegen – aber natürlich sitzen wir nicht mal eben 45 Minuten in permanenter Alarmbereitschaft da, immer die Finger am Zündschlüssel.

Dass wir im Falle spontanen Kundenbesuchs nicht mal eben 5 Minuten brauchen sollten, weil wir uns noch anziehen müssen, das ist klar und da bin ich auch dafür. Aber dass wir während der Zeit lesen, fernsehen, telefonieren, essen, online gehen, rauchen etc. – das sehe ich irgendwie als selbstverständlich an. Selbst mal kurz die Augen schließen ist kein Weltuntergang – so lange man nicht in Tiefschlaf verfällt, weil man übermüdet ist. Und sicher, man sollte die Umwelt vielleicht nicht ganz aus den Augen verlieren, aber ein Taxifahrer, der sich am Taxistand entspannt, ist mit Sicherheit kein schlechter oder unvernünftiger Kollege. Im Gegenteil, es ist auch eine prima Taktik, um auch lange Schichten fit und motiviert rumzubringen.

Und so saß ich dieses Mal da, hab gelangweilt aus dem Fenster gesehen, als Kundschaft am ersten Wagen vorbeiging und dann zu mir kam. Sie stiegen ein und nannten ein recht lukratives Fahrtziel. Ohne die Kunden jetzt wieder loswerden zu wollen, musste ich nach dem Losfahren aus reiner Neugier trotzdem fragen:

„Was ist mit dem Kollegen? Wollte der nicht?“

„Ach der, der hat da auf seinem Handy getippt.“

Ich war dankbar für die lange Fahrt, aber mal im Ernst: ist es nicht echt ein bisschen zu viel verlangt, dass wir uns kein bisschen ablenken dürfen, um ja keine Fahrt zu verpassen? Und hey, auch an erster Position steht man manchmal eine halbe Stunde – hier in Berlin sogar unbezahlt. Nach einem Klopfen an die Scheibe oder dergleichen sind wir aber in der Regel alle sofort da und arbeitsbereit, also traut euch. 🙂

Taxifahren – eine sachliche Kritik am Beruf

Das muss ich zur Tour aus dem Text heute morgen noch loswerden:

Während der holde Jüngling mit der Vampirfratze zum Späti entschwunden ist, um sich mit Nerd-Blut einzudecken, saß sein angetrautes Schlachtopfer – oder was immer sie mit dem blutigen Dress darstellen wollte – weiter bei mir im Auto. Dann stellte sie die naheliegendste aller Fragen in dem Moment:

„Und Du? Warum machst Du so einen Scheiß?“

„Wie, Scheiß?“

„Na hier Betrunkene rumfahren und so …“

Und sowas von Leuten, die sich gar nicht mehr einkriegen vor Freude, endlich ein Taxi zu erwischen. Ich versteh’s nicht. Hab dann recht sparsam geantwortet:

„Na, irgendwer muss es ja offensichtlich machen …“

Noch mehr zum Kotzen …

…als kotzende Fahrgäste!

So jedenfalls bewerte ich das Verhalten einiger angeblicher Taxifahrer. Gerade eben hat der Tagesspiegel mal wieder einen wirklich perversen Fall ausgegraben:

Tagesspiegel: Taxibetrüger bedrohen Fahrgäste

Ich denke, eine Diskussion über den beschriebenen Vorgang erübrigt sich. Illegal, dreist, scheiße, unsere Sprache kennt eine Menge Adjektive dafür und in Anbetracht dieses Vorfalls sollte man nicht davor zurückschrecken, das Repertoire anderer Sprachen gleich mit auszureizen.

Dass es immer Betrüger geben wird, ist keine bahnbrechende Neuigkeit. Auch, dass Kontrollen nur bis zu einem gewissen Punkt Sinn ergeben. Aber wir sind im Taxigewerbe lang nicht an dieser Grenze angelangt. Wie kann es denn sein, dass bekannt ist, wo und wann die Typen am Flughafen rumstehen und keiner kann eingreifen? In Tegel wird seit geraumer Zeit ein Zuschlag erhoben, der (offiziell) dazu dienen soll, den Taxifahrgästen Qualität zuzusichern. Wie von den meisten Fahrern erwartet, passiert das aber nicht. Natürlich laufen in Tegel ein paar Kontrollfuzzis rum und machen einen guten Eindruck, allem Anschein nach steht das Geschäft der so genannten „Taxi-Mafia“ aber gerade seitdem in voller Blüte.

Die private Firma Apcoa hilft zwar offenbar gerne mal nach, Taxikunden „deutsche Fahrer“ zu besorgen*, hat aber keine Möglichkeit, illegal haltende Taxen von illegalen (und damit offensichtlich falsch besetzten) Taxiständen zu vertreiben, die Touristen abzocken und bedrohen?

Es scheint, als sei der Protest gegen die Einführung der 50 Cent Extragebühren (pro Taxifahrt) ziemlich berechtigt gewesen, wenn das jetzt das Ergebnis ist.

Und, als kleiner (Nicht-)Fun-Fact: Für den nur dreimal so hohen Preis werden die selben Hilfssheriffs dann am neuen Flughafen BER (wenn er denn mal fertig wird) für Sicherheit und Ordnung sorgen. Da kann man sich also schon mal drauf freuen. Wer weiß, was denen einfällt, wenn sie noch mehr Geld zur Verfügung haben!

Schlimmer aber noch als eine zwielichtige Firma, die sich sowohl in die Taxitarifordnung als auch die Kontrollen der Taxifahrer einmischt, ist was davon hängen bleibt. Denn letztlich liest man beim Tagesspiegel (stellvertretend für die meisten dieser Berichte), dass das kein Einzelfall ist und am Ende wird – wirklich ohne einen allzu großen Zusammenhang zu haben – gleich noch erwähnt, dass auch „richtige Fahrer“ ständig Umwege fahren.

Da will ich nicht widersprechen. Es liegt wohl in der Natur umsatzbasierter Bezahlung, dass man den Umsatz gerne hoch hätte. Aber – auch wenn ich mich persönlich dagegen verwehre, Umwege gut zu finden – es besteht verdammt nochmal ein Unterschied, ob man der verkehrsgünstigeren Route für 2 € mehr folgt oder ob man mal eben 1000% Aufschlag für eine Schwarzfahrt nimmt.

Und ohne Scheiß: Wir, die „richtigen“ Fahrer, sind bei weitem weitem in der Überzahl!

So gut ich es finde, dass die Medien auch diesen Sachen nachgehen – hey, es tut ja offenbar sonst niemand! – so sehr muss ich auch mal anmerken, dass das natürlich immer Extremfälle sind, die da auseinandergenommen werden. Berlin muss keine Stadt sein, in der man Angst vor Taxifahrern hat. Und ein Haufen Kollegen inklusive mir tut täglich nichts anderes, als das unter Beweis zu stellen.

*es gibt entsprechende Beschwerden aus dem Gewerbe

Haarscharf …

Hm, die Überschrift könnte mich jetzt dazu verleiten, mich zunächst mal positiv über die Frau in meinem Taxi zu äußern. Dazu gäbe es allen Grund, denn sie sah nicht nur gut aus, sondern war in Kombination mit ihren drei Mitreisenden durchaus eine lustige Besatzung. Es ist etwas unklar geblieben, weswegen wir uns sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch unterhalten haben (letztlich konnten wohl alle Anwesenden Deutsch), aber das hat mich ja nicht gestört. Tragischer war, was am Ende der Fahrt einer jener Mitreisenden gesagt hat:

„Es ist einfach scheiße! Die hübschsten Frauen – die müssen immer kotzen!“

An der Katastrophe bin ich – wie zu erahnen ist – doch noch haarscharf vorbeigekommen. Von Null auf Hundert musste die junge Dame kotzen und natürlich saß sie direkt hinter mir an der Tür mit der Kindersicherung. Dafür haben die Besoffenen ein Händchen, ehrlich. Wir standen zwar „recht praktisch“ an einer Ampel, doch die (sehr sehr kurze) Zeit, die ich brauche, um das Auto in den Leerlauf zu schalten, mich abzuschnallen, rauszuspringen und die Türe zu öffnen, ist stets aufs Neue gefühlt endlos lang.

Aber es hat gereicht.

Gut, es gab Spuren auf dem Sitz (zwei Tropfen), aber – Lederbestuhlung sei Dank! – war das mit einmal Wischen erledigt. Also wirklich. Absolut kein Drama! Dementsprechend hab ich auch keines daraus gemacht. So lange es am Ende so läuft, dass ich weiterfahren kann, bin ich in so einer Situation schon zufrieden.

Wir waren in diesem Fall ohnehin nur noch 500 Meter vom Ziel entfernt und damit war auch geklärt, dass sie den Rest laufen würden. Ist so gesehen auch schon mal angenehm für mich, da brauche ich nicht die letzten Meter noch zittern, ob nicht doch noch was kommt. So gesehen also: Glücklicher Sash, alles soweit ok.

Trotzdem muss ich aber mal anmerken, dass es jedes Mal ziemlich stressig ist, wenn ein Kunde kotzen muss. Jedes Mal! Denn natürlich fürchtet man um seine Schicht, hat Panik und muss nach so einer Situation erst mal wieder runterkommen. Zudem nötigt einen das zu absurd gefährlichem Verhalten im Straßenverkehr, ob das nun Notbremsungen oder das Behüten Betrunkener auf der Fahrbahn ist. Erst letztlich ist ja beispielsweise hier in Berlin eine Frau aus dem Taxi ausgestiegen und überfahren worden. Kurz: Mehr als jeder normale Zeitdruck lässt einen so eine Kotzer-Tour unter Strom stehen. Mal abgesehen davon kann man es auch mit gutem Gewissen einfach eklig finden, wenn einem jemand vor die Füße kotzt, nachdem man in letzter Not die Tür aufgerissen hat. Meiner Meinung nach muss man deswegen nicht in Tränen ausbrechen, es allerdings völlig normal zu finden, halte ich aber auch für eklige Arroganz. Und dann am Ende unbeschreiblich großzügige 20 Cent Trinkgeld zu geben, ist eigentlich wie gerade nochmal neben’s Auto zu kotzen …

Happig

Wenn ich hier gelegentlich rumnörgel über große Scheine, soll das wirklich nicht klingen, als würde ich die aus Prinzip ablehnen oder es nicht verstehen, dass man es manchmal nicht kleiner hat. Passiert mir auch mal und man hat auch besseres vor als immer nur permanent nach dem passenden Schein in der Tasche zu suchen. Ich weise bloß – gerade weil ich mit GNIT ja inzwischen auch eine Menge Leute erreiche – darauf hin, dass uns das manchmal Sorgen machen kann.

An Tagen, an denen erwartungsgemäß viel Großgeld zu erwarten ist (am ersten und fünfzehnten, ggf. am ersten Wochenende danach) nehme ich auch etwas mehr Wechselgeld mit, um dem zu begegnen. Aber neulich hatte ich dann einen Schichtanfang, bei dem ich das zwar mit den Kunden geregelt bekommen hab, es aber doch nervig wurde.

Erste Tour kurz nach Kreuzberg rein: 7,60 €, machen ’se 8, kleiner hab ich’s nicht. Erster Fuffi.

Dritte Tour – noch keine 20 € Umsatz insgesamt – kommt der nächste: 8,80 €, machste 9!

Ich war sowieso fast zu Hause, also hab ich dort mal eben die zwei Fuffis kleingewechselt.  Alles wieder im Lot. Fahre ein bisschen rum, eine Kurzstrecke, danach wieder am Ostbahnhof. 5 betrunkene Jugendliche wollen einmal in die Manteuffelstraße. Dank Großraumzuschlag entlasse ich sie bei 7,50 € auf der Uhr, als sie mir beichten, dass sie alle nur noch Hunderter dabei hätten. Trinkgeld gab es keines. Der Typ, der dann einsteigen wollte, hatte auch nur einen Fuffi und hat auf meine Frage hin ziemlich verärgert ein anderes Taxi genommen.

Ich bin schnell zu meiner Tanke und habe ausnahmsweise bar bezahlt. Woraufhin der an der Tanke auch etwas sparsam geschaut hat und der Kollege (der mich kannte) schnell nach hinten ist und mir aus dem bereits abgezählten Geld im quasi schon verstauten Kassenbeutel den Hunni kleingewechselt hat.

Ich versuch’s wirklich – aber an dem Abend hab ich im Anschluss ein oder zweimal nachgefragt, ob das mit dem Fuffi jetzt wirklich sein müsste. Und siehe da:  nein.

Man kann darüber streiten, ob es sinnvoll ist, dass der einzelne so wenig Geld dabei hat. Aber es ist wichtig, dass die Mehrheit es so hält, da es immer noch zu viele Überfälle gibt und es im Falle des Falles nicht nur unseren Schaden begrenzt, sondern viel mehr auch die Anreize senkt. Ich fände es schön, meinem Chef nur große Scheine in die Hand zu drücken. Würde die Arbeit auch erleichtern – aber manchmal kommt man an Grenzen.

Richtig süß fand ich dann schon wieder die etwas unsicher wirkende Oma, deren Enkel mich herangewunken hat. Er meinte, die Fahrt wäre noch eine Kurzstrecke und hatte damit Recht. Oma war begeistert davon, dass das Taxi wirklich nur 4 € kostete und rundete wie die meisten auf einen Fünfer auf:

„Wo ich’s doch eh nur so groß hab …“

Ein Zwanziger. Niedlich.

Park-Philosophen

Aus der Erzählung eines Fahrgastes:

„Früher war hier nicht alles zugeparkt. Dafür sind die Autos da teilweise ganz schön durchgerauscht. Da hab ich mich mal ans Ordnungsamt gewandt, ob wir hier vielleicht so Schwellen kriegen. Dann haben die mir gesagt, dass sich das durch die Leute, die auf der Straße parken, ohnehin bald beruhigen würde. Im Ernst: Das war die amtliche Ansage – das ist so gewollt. Da hab ich eine Kopie davon und die verwende ich jetzt jedes Mal, wenn jemand vom Ordnungsamt oder der Polizei Probleme mit meiner Park-Philosphie hat …“

Knapp geplant …

„Was kost’n das dann?“

„Pi mal Daumen 10 €, vielleicht ein bisschen weniger.“

„OK, passt.“

Vor seiner Haustüre angekommen stoppte ich die Uhr bei 9,80 €. Er nahm es gelassen zur Kenntnis und kramte in seinem Portemonnaie. Er kramte immer hektischer und irgendwann drehte er es ganz um. Dann zählte er neben dem  einen Fünfer einen Haufen Kleingeld ab und gab mir letzten Endes alles, was er hatte:

„Na siehste, hat sogar noch für ein klitzekleines Trinkgeld gereicht!“

Er strahlte mich an und stieg aus. Ich zählte das Geld noch mal durch. Auf den Cent genau 9,90 €. Mutige Planung. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass das Taxameter in 20ct-Schritten zählt …