„Die kennt der!“

„Fahr uns mal in Richtung S-Bahnhof. Da wollen wir in die Kneipe …“

„Lass ma‘, die kennt der nich‘!“

„Na logo, die kennt der! Der is‘ doch Taxifahrer!“

Also hab ich mich mal eingemischt:

„Wie heißt denn die Kneipe? Dann kann ich ja sagen, ob ich sie kenne …“

Und meine Kollegen werden von der Antwort nur minimal überrascht sein:

„Ja, so jenau weiß ick dit och nich‘. Aber die hat so’n karierten Boden …“

Aber ich muss sie kennen – ja nee, is‘ klar! 😀

Wo die Wirtschaft noch was lernen kann

Ein Gespräch über eher schwierige Themen unter den Fahrgästen. Zwei Frauen unterhielten sich darüber, warum eine von ihnen nicht mehr in Berlin lebt.

„Du weißt doch, dass ich hier keine Arbeit finde.“

„Aber Berlin ist so toll. Guck mal, selbst jetzt können wir noch schnell was zu Essen holen. Um 1 Uhr nachts!“

„Mag ja sein, aber wenn man keine Arbeit hat und deswegen kein Geld verdient, dann bringt das halt nix, dass man um 1 Uhr nachts noch einen Döner holen kann.“

Daraufhin meldete sich erstmals das kleine Mädchen aus dem Kindersitz zu Wort, das bis dato nicht eben durch Wachsamkeit aufgefallen war. Und es hat erstaunlich gut das Problem analysiert und für die schwierige Lage eine adäquate Lösung gefunden. Also, nun ja, aus Kindersicht zumindest:

„Aber dafür kriegt man doch immer das Rückgeld!“

Da ist natürlich was dran. 🙂

Bart-Update

Es wird mal wieder Zeit für ein Update, was die Kundenmeinungen über meinen Bart angeht. Seit Bärte in sind, könnte ich GNIT ja eigentlich zu einem Styling-Blog machen. Aber gut, das war nur so eine Idee.

Mein Kinnbart hat derzeit wirklich ein Eigenleben entwickelt und ist bei jeder Rasur der letzten drei Monate unbehelligt davongekommen. Der hat die 10 cm so langsam voll. Grob geschätzt.

Und dann kam sie. Sie sprang mir vors Auto, als ich gerade einen Kunden abgesetzt hatte, und wollte mit mir fahren. Gleich, vielleicht, also sie müsste da noch kurz was klären, und:

„Sag mal bist Du vom IS?“

Och, bitte! Wir leben in einer Zeit, in der sogar halbwegs bekannt ist, dass man Nazis und Skinheads nicht gleichsetzen sollte – und dann kommt mir so eine Birkenstock-Stammkundin angelatscht und findet es schicklich, mich wegen drei ausbleibender Rasuren mit einem Haufen aggressiv-wahngestörter Vollpfosten zu verbinden? Ich nehme betrunkenes Gelalle ja gerne mal hin, aber sonderlich lustig ist das nicht.

Ich hatte ja aber ohnehin schon überlegt, ob sich das Gestrüpp gerade nicht wirklich in eine eher unschöne Richtung entwickelt. Also beim nächsten mal dann …

Und prompt hatte ich eine Truppe aus fünf aufgedrehten Touristen im Auto, Australier und Amerikanerinnen. Für eine kurze Tour nur, Berghain zum Tresor, dank 5 € Großraumzuschlag aber durchaus. beträchtlich im Umsatz. Alles lustig, nett, Trinkgeld stimmte, so muss das. Wie immer befreite ich ganz am Ende die Kleinste im Bunde aus der dritten Sitzreihe. Als sie rauskraxelte und mir ein Lächeln schenkte, das ungefähr viermal so attraktiv war wie das der komischen Eso-Schrulle eine Woche vorher, stammelte sie kurz:

„And … äh, by the way … I like your beard!“

Woraufhin sie sich verdrückt hat, wie ein kleines Schulkind, das gerade „Ich mag Dich!“ zu ihrem Schwarm (Zitat: Bravo) gesagt hat und das jetzt furchtbar bereut. Wie niedlich.

Ich hab mich gestern rasiert. Der Kinnbart blieb außen vor. 🙂

Die Fahrgastens im Grammatikräuschen

„Da jetzt im Club waren aber auch fast alle halbnackt, was?“

„Echt jetzt. Wieviele Bauchnäbel ich heute gesehen hab …“

„Bauchnäbel – auch so’n Wort!“

„Oder Bauchnabels.“

„Bauchnabelse!“

„Nee, Bauchnäbelse!“

„Bauchnäbelse! Also ja, jede Menge Bauchnäbelse!“

„Der Taxifahrer hält uns jetzt sicher auch für bescheuert.“

🙂

Wo ich nicht hinwill

„Und? Sie haben jetzt Feierabend?“

„Hör mir uff! Noch 9 Monate und 24 Tage, dann bin ich durch mit dem Dreck, und zwar endgültig!“

Die Fahrt hatte eigentlich unterhaltsam begonnen. Ein Bahnmitarbeiter, mit Gutschein unterwegs zu einem Betriebsgelände.

„Ach kiek an, nehm‘ ick den lustijen Onkel mit’n Opel!“,

hatte er das Gespräch begonnen. Aber so lustig ging’s nicht weiter. Was nicht alles Scheiße ist. Der Job, na klar! Aber nicht etwa wegen einer stressigen Schicht oder so, sondern so als ganzes:

„Dit hat ja nüscht mehr mit Eisenbahn zu tun, nur noch Chaos überall!“

Ich bin ja gern dabei, wenn’s um Bahn-Bashing oder wie kurz danach um das Verfluchen der Regierung geht. Aber das traurige war: Der Typ war einfach nur noch frustriert und hatte vor allem resigniert. Dass man die Tage bis zur Rente runterzählt, das kenne ich von meinem Vater. Aber bei dem weiß ich auch, dass er einfach froh ist, das mit der Arbeit weg zu haben und dann Zeit für ein paar mehr schöne Dinge haben wird. Der Typ von der Bahn war durch mit der Welt. Der will nicht nur mit dem Arbeiten fertig sein, der zieht in 10 Monaten die Gardinen zu und verlässt das Haus nicht mehr, da würde ich drauf wetten.

Und an den Punkt möchte ich echt nicht kommen. Kann schon sein, dass auch mir das Taxifahren irgendwann mal zum Hals raushängt. Wenn’s ganz dumm läuft sogar das Schreiben. Aber ich hoffe echt, dass mir dann halt was anderes einfällt.

PS: In letzter Zeit haben einige Leute mal wieder was für GNIT gespendet. Ich danke allen, ich weiß das sehr sehr zu schätzen!

Aro über rote Ampeln

Ich möchte hier mal ganz explizit Werbung für meinen geschätzten Blogger- und Taxikollegen Aro von berlinstreet.de machen, der heute mit einem interessanten Artikel über rote Ampeln aufwartet: Rot ist relativ.

Ich spiele ja gerne mal den Verfechter der StVO, aber ich muss dem Kollegen doch zustimmen, dass man auch mal einen anderen Blick auf die Sache werfen sollte. Vielleicht ist ja eben nicht alles schlecht, was nicht „ordentlich deutsch“ abläuft. Zumal – und das ist zweifelsohne das Wichtige am großen Ganzen! – auch Aro sich für das ausspricht, was ich für das oberste Gebot halte (und immerhin auch §1 der StVO auszudrücken versucht): Dass es im Verkehr eben nicht nur um Egoismus und den Kampf gegen andere geht, sondern um ein friedliches und letztlich sicheres Miteinander.

Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, genau diesbezüglich nach Frankreich oder Italien zu sehen, umso mehr freut mich, dass der Kollege da mal wieder mehr Offenheit bewiesen hat.

Danke Aro, war sehr interessant!

Samstagnacht. Eine Zusammenfassung.

Und dann sitzt kurz vor Schichtende ein verstrahlter Typ mit einer viertelvollen 8-Liter-Wodkaflasche mit Zapfhahn neben einem auf dem Beifahrersitz und fragt unschuldig und mit russischem Akzent:

„Brauchsu Einsprietzung?“