„Hmpf, naja.“

Das hat er so gesagt:

„Hmpf, naja.“

Also in etwa. So ganz genau lässt sich das schwer sagen, das p war sicher eher stumm … ach, was erzähle ich das?

Die Tour war bis dahin eigentlich formidabel. Ich hatte keine Zeit, Leerkilometer anzusammeln, bevor er winkte, es war eine weite Strecke bis nach Steglitz und die Unterhaltung lief auch ganz ordentlich. Und nun das „Hmpf, naja.“. Ich war insbesondere irritiert, weil er so nicht etwa über mein Auto, mich, die Berliner Stadtplanung oder die Politik der Bundeskanzlerin redete. Nein, er sagte das, als wir übers Taxifahren redeten und ich sagte, dass die Tarife eigentlich hoch genug wären, um Geld mit dem Job zu verdienen, wenn nur die Auslastung stimmen würde. Aber gut, seine Meinung dazu war „Hmpf, naja.“.

Kann man wohl nix machen. Außer ein bisschen mehr als „Hmpf, naja.“ zu sagen, wenn er im Anschluss satte 4,60 € Trinkgeld gibt. 😉

Freude

„… dann nehmen Sie sich bitte 25 € ab und ich freue mich einfach, dass ich mit Ihnen mitfahren durfte.“

Manchmal ist das Trinkgeld gar nicht die wirkliche Belohnung. 🙂

Ehrlichkeit zahlt sich aus

„Dann wären wir bei 14,40 €.“

„Kein Problem. Sag mal: Wie viel kriegst Du denn jetzt von der Kohle?“

„So gefragt: Zu wenig!“

„Haha, hab ich mir gedacht. Dann behalt den Zwanni, Alter! Schönen Abend noch!“

Das war überraschend. Aber nicht schlecht. 😉

Ein Schatz!

Zugegeben: Ein bisschen hatte ich auf eine längere Tour gehofft. Meine Kundin war schon etwas betagt und auch wenn ich’s bisher nicht empirisch nachgewiesen habe, scheinen Menschen im Rentenalter zieladressenmäßig wesentlich eher zu den Außenbezirken zu tendieren. Nun war es also „nur“ eine Fahrt an die Grenze zwischen Lichtenberg und Prenzlauer Berg. Mir wurde eine Kreuzung genannt und eiligst wurde hinterhergeschoben:

„Auf dem kürzesten Weg bitte!“

„Ha, das ist – wenn man es genau nimmt – die einzige Ansage, die Sie nicht extra hätten machen müssen!“

klärte ich scherzhaft auf. Nicht, dass ich es falsch fand. Man kennt ja die lieben „Kollegen“.

Auf dem kürzesten Weg sind aber auch wir nicht zum Ziel gelangt, da dort seit Ewigkeiten eine Baustelle den Weg versperrt. Das immerhin wusste ich vorher schon und so kamen wir dennoch gut gelaunt dort an, wo sie hinwollte.

„Na, junger Mann, was kriegen Sie jetzt von mir?“

„Genau 9,20 € bitte.“

„Na Sie sind ja ein Schatz!“

Seltene Ansage bei einer Fahrt mit erklärtem Umweg. Aber auch sehr schön war folgender Satz zu den durchschnittlichen 80 Cent Trinkgeld:

„Es ist nicht viel, aber es freut sich der Mensch.“

Tut er. Selbstverständlich. 🙂

Völlig falsch!

„Moin! Wo soll’s denn hingehen?“

„Thaerstraße 19.“

„Alles klar.“

Für einen Moment hatte ich überlegt, ob ich noch irgendwas fragen sollte. Vielleicht nach der Schreibweise oder so. Aber hey, ich hab ihn in Weißensee aufgegabelt, die Thaerstraße lag in der richtigen Richtung und mit vier Kilometern auch in einer sehr typischen Taxi-Entfernung für volltrunkene Kundschaft, die man aufsammelt, nachdem sie schon mal in die richtige Richtung losgelaufen sind. Und ich kannte keine andere, ehrlich.

Kenne ich bis jetzt immer noch nicht. Keine Teerstraße, Tärstraße, Tehrstraße oder sonst etwas plausibles. Dennoch verkündete mein Fahrgast, als ich die Straße von Beginn an befuhr:

„Du weißt aber schon, dass Du völlig falsch bist!?“

„Wie, falsch?“

„Thaerstraße 19!“

„Ja. Die müsste gleich da hinten kommen …“

„Alter, ich wohn da. Die kommt nicht jetzt hier gleich!“

Also habe ich nun halt etwas verspätet versucht, alles klarzustellen:

„OK, wir sprechen von der Thaerstraße. T-H-A-E-R-Straße. In Prenzlauer Berg?“

(der untere Teil liegt meines Wissens nach in Friedrichshain, aber egal!)

„Ja, genau!“

„Dann sind wir hier richtig. Und zwar absolut. Hier ist die 23, dann kommt die …“

„OK, is‘ egal. Halt‘ hier!“

„Nicht noch bis vor die Türe?“

„Nee, is‘ jetzt egal. Was krisse?“

„11,20 €.“

Das kam jetzt etwas unerwartet. Denn um ehrlich zu sein: er erweckte immer noch den etwas unzufriedenen Eindruck eines Typen, der im völlig falschen Stadtgebiet ausgesetzt wurde. Muss ja nun auch nicht sein. Aber nach allen Regeln jener Kunst, die man gemeinhin Ortskunde nennt, waren wir wirklich dort, wo er hinwollte. Also zumindest 20 Meter entfernt davon. Aber er hat mich dadurch beruhigen können, dass er satte 3,80 € Trinkgeld gab. Das tut man ja gemeinhin nicht einfach so, um sich für eine völlige Fehlfahrt zu bedanken.

Und dann?

Ist der Töffel in die falsche Richtung gelaufen.

Ich hab hart mit mir gerungen, nochmal anzuhalten und ihm den richtigen Weg zu weisen. Aber wer weiß: Vielleicht wollte er auch eben nochmal zum Späti, zu einem Kumpel, was auch immer. Im schlimmsten Fall hatte halt noch ein zweiter Kollege am heutigen Morgen die Ehre …

„Don’t worry, be happy!“

Der Januar ist eigentlich ein guter Monat, um sich gelegentlich mal wieder jenes titelgebende Lied von Bobby McFerrin reinzuziehen, das dieses Jahr im übrigen seinen 25. Geburtstag vermelden kann. Und spontan daran denken musste ich nach einer eigentlich sehr bescheidenen Tour. Die Räder am Ostbahnhof fast eckig werden lassend hatte ich ewig auf einen kleinen Stich für die üblichen Sechsirgendwas zum Boxhagener Platz gewartet.

Dann – einer dieser Taxifahrer-Blitzeingebungen folgend – bin ich nicht auf einem der kürzesten Wege zurückgefahren, sondern hab einen kleinen Abstecher nach Kreuzberg gemacht. Einen wirklich kleinen, nur einmal die Köpeniker wollte ich langfahren. Und siehe da! Winker! Tatsächlich war es eben jene Tour, die ebenfalls nicht sonderlich spektakulär war. Bis zum nhow-Hotel wollte das amerikanische Pärchen. Keine Kurzstrecke, juhu! Immerhin ein bisschen mehr Umsatz. Am Ende standen 5,60 € auf der Uhr.

Und wie bin ich jetzt auf Bobby McFerrin gekommen?

Als ich das Wechselgeld auf den Zwanziger rausgesucht habe, den ich bekam, meinte mein Fahrgast spontan:

„Don’t worry ‚bout the coins!“

Und auch wenn Geld nicht alles ist: An solchen Tagen machen 4,40 € Trinkgeld dann halt doch auch ein wenig happy. 😉

Südost rulez!

Ich hab’s ja nun wirklich nicht mit Lokalpatriotismus, aber es ist witzig zu sehen, dass an den letzten beiden Donnerstagen jeweils eine Fahrt vom Ostbahnhof in den tiefsten Südosten Berlins mir die Schicht gerettet hat. Und hey, wir haben Januar, da muss man sich seine Schicht gelegentlich von einzelnen Touren retten lassen!

Vor nicht einmal 48 Stunden war es eine nette Frau, die mich damit überraschte, nach Rahnsdorf zu wollen. Nachdem sich anfangs eher ein bisschen unangenehmes Schweigen im Taxi ausbreitete, haben wir dann doch mit unbekannten Berliner Stadtteilen und den Tücken von Navis ein Thema gefunden, das zwar ein wenig absurd für Außenstehende anmutet, zwischen Fahrer und Fahrgast aber durchaus mal vorkommt. Die Tour endete mit 34,60 € auf der Uhr – ein Betrag, den mancher Kollege in der Nacht in 5 Stunden auf der Straße nicht zusammengefahren hat. Das aber war nicht alles. Ohne irgendeinen Anflug von Unsicherheit wurde mir ein Fünfziger gereicht mit der Bitte, doch 8 € rauszugeben. Ein Aufrunden auf 40 € wäre schon weit überdurchschnittlich gewesen, nochmal ein Zweier mehr war aber völlig jenseits jeder Erwartung. Vielen Dank dafür!

Fast punktgenau den gleichen Betrag brachte die Tour eine Woche zuvor nach Müggelheim: 34,40 €. Wie die andere somit irgendwo in den Top-10% meiner Fahrten, würde ich sagen. Die Kundschaft war ein Ehepaar, irgendwo zwischen 50 und 65 Jahren. Außer der Länge war an der Tour nichts spektakuläres, abgesehen davon vielleicht, dass ich nach Vollendung kurz eine Pause am Müggelsee gemacht hab, um ein wenig den etwas dunkleren Sternenhimmel dort draußen bei einer Zigarette zu genießen.
Unterhalten haben wir uns wohl, aber im Gegensatz zur ein oder anderen Party-Besatzung am Wochenende konnte man das gerade als absolute 08/15-Dienstleistung abtun, ohne besondere Sympathien oder dergleichen. Umso überraschter war ich, als mir am Ende der bei dieser Fahrtlänge ja völlig normale Fünfziger gereicht wurde, dieses Mal sogar mit der Bemerkung „Stimmt so.“.

0.o WTF?

Das sind Größenordnungen, die ich sonst fast ausschließlich von Lesern oder – ohne da einen Zusammenhang konstruieren zu wollen – völlig unzurechnungsfähigen Gestalten gewöhnt bin. Und „gewöhnt“ meint auch hier nur „kommt mal vor“.

Meinetwegen könnte man daraus gerne eine Serie machen. Jetzt bin ich aber erst mal gespannt, ob die anderen Ecken der Stadt das vielleicht aufholen wollen. 😉