„Hmpf, naja.“

Das hat er so gesagt:

„Hmpf, naja.“

Also in etwa. So ganz genau lässt sich das schwer sagen, das p war sicher eher stumm … ach, was erzähle ich das?

Die Tour war bis dahin eigentlich formidabel. Ich hatte keine Zeit, Leerkilometer anzusammeln, bevor er winkte, es war eine weite Strecke bis nach Steglitz und die Unterhaltung lief auch ganz ordentlich. Und nun das „Hmpf, naja.“. Ich war insbesondere irritiert, weil er so nicht etwa über mein Auto, mich, die Berliner Stadtplanung oder die Politik der Bundeskanzlerin redete. Nein, er sagte das, als wir übers Taxifahren redeten und ich sagte, dass die Tarife eigentlich hoch genug wären, um Geld mit dem Job zu verdienen, wenn nur die Auslastung stimmen würde. Aber gut, seine Meinung dazu war „Hmpf, naja.“.

Kann man wohl nix machen. Außer ein bisschen mehr als „Hmpf, naja.“ zu sagen, wenn er im Anschluss satte 4,60 € Trinkgeld gibt. 😉

19 Kommentare bis “„Hmpf, naja.“”

  1. Arno.nyhm sagt:

    Vielleicht fand er die tarife zu gering um geld zu verdienen

  2. Holger sagt:

    Sein „Hmpf, naja“ könnte treffender nicht sein und er hat völlig Recht damit.

    Der Tarif ist nicht zu hoch. Er braucht auch nicht unbedingt noch höher sein. Aber es müssen sich andere Dinge ändern: die Konkurrenz, dessen Anzahl.

    Die Zahl der Taxifahrer ist nämlich so hoch, dass ich keinen Taxifahrer außer Sash kenne, der weniger als 6 Tage die Woche arbeitet um von dessen Umsätzen und dem daraus resultierenden Gehalt leben zu können.

    Die Konkurrenz wächst, die Anzahl der Aufträge sinkt und mit jeder Tariferhöhung wird der Abstand Konkurrenz und Auftrag immer größer.

    Den Grund findet man darin, dass mit steigenden Preisen auch die Attraktivität steigt, Taxifahrer zu werden und gleichzeitig auf der anderen Seite eine Abneigung des Kunden aufkommt mit dem Taxi zu fahren.

    Mit Tariferhöhung ist uns Taxifahrer nicht geholfen. Es dient nur den Unternehmen. Womit wir auch zum Thema Wirtschaft kommen. Für einen Taxiunternehmer ist es doch profitabler mehrere Konzen mit mehreren Fahrern zu führen, als sozial zu denken.
    Sozial wäre es nach dem Motto: „Ich bin glücklich, wenn meine Angestellten glücklich sind, verzichte deshalb auf weitere Konzessionen, stelle auch keine weiteren Fahrer mehr ein.“ Das ist ein Wunschdenken eines jeden Taxifahrer.

    Denn in Wirklichkeit läuft das alles nach dem Motto:
    „Jede Konzession bringt mir einen Gewinn um die 5% bis 10% vom Umsatz. Ich geh mal auf Nummer sicher, schaff mir soviel Konzessionen wie möglich an und setze gute Fahrer darauf.“

    Dass der einzelne Angestellte dadurch weniger Umsatz hat, ist dem Unternehmer SCHEIßEGAL, denn wenn der eine Fahrer den Umsatz nicht einfährt, dann tut es halt ein anderer. Je mehr Konzessionen, gemeint ist: je höher die Teilnahme am Kampf um Aufträge, desto höher die Wahrscheinlichkeit einen hohen Profit zu erwirtschaften.

    … Erster Cut

    Dieses ganze Schema, dieses System geht soweit, dass der eigene Chef den anderen Kollegen der Firma deine Strategie verrät. Und damit ist dein Chef gleichzeitig dein größter Feind. Auch wenn wir alle für die gleiche Firma arbeiten, bestrebt sind, diese zum wirtschaftlichen Erfolg zu führen, so sind wir doch untereinander Konkurrenten.
    Schuld an dem ist die Bezahlung auf Provision. Als Tagfahrer unterhalte ich mich gerne mit meinem Nachtfahrer. Treffen uns regelmäßig auf ein Kaffee und erzählen uns unsere Erfolge und Misserfolge. Mit Kollegen der Tagesschicht würde ich mich darüber nie unterhalten, weil ich kein Bock habe, dass die in meinem Revier wildern.

    … Zweiter Cut

    Als ich in der neuen Firma angefangen hatte, war ich einer der wenigen Taxen, die mit Doppelfunk der Persiusstraße ausgestattet waren. Es gab zahlreiche Kollegen mit Funk der WBT und einzelne Taxen mit nur einem Funk der TZB. Ich hatte öfter im Monat 2800 € eingefahren, der Nachtfahrer noch mehr und wir waren zufrieden. In meinem Revier war ich ausschließlich alleine und fast immer sofort wieder auf Position 1 nachdem ich ein Auftrag beendet hatte. Heute gibt es nur vereinzelt Kollegen mit Funk der WBT in unserer Firma. Der Großteil fährt mit Doppelfunk der TZB, Einzelfunk der TZB gibt es gar nicht mehr und an der Halte stehen meistens zwei Konzessionen der eigenen Firma.

    … dritter Cut

    Wie gesagt, die simple Antwort „Hmpf naja.“ beschreibt unsere Situation am realistischsten.

    Ich würde niemanden die Empfehlung geben Taxifahrer zu werden. Das sage ich nicht, damit es mir besser geht. Ich meine es Ernst um möglichen Interessenten vor einem schwerwiegenden Fehler zu bewahren bzw. um genau auf solche Situationen zu warnen.

    Wer meint, er könne mit Taxi fahren den großen Wurf landen, den möchte ich beim besten Willen auch nicht aufhalten.

  3. Sash sagt:

    @Arno.Nyhm:
    Sicher meinte er das.

    @Holger:
    Bei der Länge deiner Kommentare tätest Du gut daran, einen eigenen Blog zu schreiben. 😉
    Ansonsten muss ich aber auch ehrlich mal sagen, dass mir dein paranoid anmutendes Geschwafel ein wenig auf den Zeiger geht. Ich teile deine negative Gesamteinschätzung des derzeitigen Zustandes des Gewerbes durchaus. Aber meine Fresse, so sehr wie bei Dir deine Chefs an allem Schuld sind, würde ich mal zu einem anderen Unternehmen, am besten einem Einzelfahrer, wechseln.
    Die zu vielen Konzessionen sind eines der Hauptprobleme, klar. Aber der Rest ist völlig bekloppt, sorry. Alle Kollegen sind immer schon auch Konkurrenten gewesen. Und falls dein Chef alle seine Leute dahin schickt, wo der erfolgreichste Fahrer seinen Umsatz macht, dann hat der eine ähnlich geistige Reichweite wie die, die für das Problem an sich verantwortlich sind.
    Natürlich häufen die Unternehmen sinnlos Konzessionen an. Für jeden Unternehmer selbst ist das nämlich wie Du richtig gesagt hast, recht nützlich. Und bei tausenden Unternehmen muss doch auch Dir in die Birne gehen, dass es überhaupt nix ändert, wenn ein Unternehmer sagt, dass er da nicht mitmacht. So lange der Umsatz noch hoch genug ist, dass es sich lohnt, meldet dann halt der nächste Unternehmer zwei neue an. Ich würde ja auch sagen, dass sie alle damit aufhören sollen, blöd ist nur, dass ja ein Volldepp im Gewerbe reicht, um den Plan zu vereiteln. Und arm an Volldeppen sind weder die Unternehmer-, noch die Fahrerriege da draußen.
    Wir sind nicht einmal in der Lage, eine einzelne Gewerbevertretung zu unterstützen, sondern haben mehrere, die sich gegenseitig niederrangeln. Der Impuls kann nur aus der Politik kommen, alles andere ist ziemlich naives Gelaber mit bescheuerten Forderungen an Unternehmer, die diese gar nicht erfüllen können.
    Ich find’s ok, wenn Du deinen Chef nicht magst. Ich kenn‘ ihn ja nicht, vielleicht haste ja Recht damit. Das als Grundlage für die eigenen Überlegungen zu nehmen, ist nachvollziehbar, leider halt ein bisschen kurz gedacht. Aber ganz ehrlich: Schon die Tatsache, dass Du irgendwo da draußen unter tausenden Kollegen gerne „dein Revier“ hättest, disqulifiziert dich in meinen Augen.
    Ich bin nicht gerne so drastisch in der Wortwahl, aber ich konnte das auch nicht unkommentiert so stehen lassen.

  4. Holger sagt:

    Hey Sash,

    Ich schrieb, wie das draußen abläuft, aus meinen selbst gemachten Erfahrungen mit zwei Taxiunternehmer und du bezeichnest mich als paranoid?

    Du gehst auf den Inhalt ein, bestätigst die wesentlichen Dinge in seiner Richtigkeit und bezeichnest mich dennoch als paranoid?

    Nun gut, natürlich kenne ich nicht alle Unternehmen. Aber wenn mir keiner ein Gegenbeispiel nennen kann, dass es in seiner Firma absolut anders läuft als mein Genanntes, dann bin ich nicht paranoid!

    Realität und Wunschwelt sollte man unterscheiden wissen. Wunschwelt ist das, was die Werbung uns vorgaukeln will. Vielleicht auch das, wovon der ein Oder andere träumt. Realität ist das, was da draußen wirklich abgeht.

    Was von beiden ist wohl interessanter?

    PS: Ich werde deine Beiträge nicht mehr kommentieren. Bis dann.

  5. Wahlberliner sagt:

    @Holger: Jetzt eingeschnappt zu sein, weil es zwischen Euch einen Meinungsaustausch mit klaren Worten (und unterschiedlichen Meinungen) gab, ist aber auch kindisch…

  6. Anubis sagt:

    @Holger
    Ich kann das nicht beurteilen aber wenn ich das richtigeverstanden habe hat dein Chef den Wettbewerbs Vorteil den du hattest ausgeglichen und behandelt jetzt dich und deine Kollegen gleich. Das gefällt dir nicht? Ich meine den Doppelfunk…

  7. Holger sagt:

    An Wahlberliner: Das Wort paranoid sagt man zu jemandem, dessen Meinung man überhaupt nicht übereinstimmt und man über dies hinaus dessen Meinung fernab jeglicher Realität ist. Liest man sich Sash Kommentar durch, dann ist da noch nicht einmal eine Meinungsverschiedenheiten. Er stimmt mir ja schon fast in allen Punkten zu. Wenn er sagt, dass ich ihm mit meiner Überheblichkeit auf den Zeiger gehe, bin ich der Letzte, der seinen Blog versauen will.

    An Anubis:
    Auf ländlichen Gegenden habe ich mir sagen lassen, dass jeder Taxiunternehmer persönlich für die Aufträge sorgt und diese an seine Fahrer vermittelt. In Großstädten ist dies nicht der Fall. Hier wird dem Angestellten ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt und gesagt: „Sieh zu.“ Selbst ein Doppelfunktaxi ist keine Garantie auf regelmäßigen Erfolg.

    … Cut

    Was mich persönlich stört: Man hat es so schon schwer an Aufträge zu kommen. Ich bestreite auch nicht, dass man besser sein muss als alle anderen um erfolgreich zu sein. Wir brauchen auch nicht darüber diskutieren, dass man sich frühzeitig für einen Sektor anmelden sollte und diesen innerhalb von 10 Minuten auch erreichen sollte, alles selbstverständlich. Klappt nicht immer und man könnte scheitern, … das lässt sich irgendwo noch verschmerzen.

    ABER: Wenn man dann feststellen muss, dass deine erfolgsversprechende Strategie ausgerechnet von DEINEM Chef weitergetratscht wird, da könnt ich ausrasten.

    Es ist nicht so, dass der Chef seine Angestellten dahin schickt, er erzählt es halt jedem und jeder Einzelne macht sich sein eigenen Reim darauf.

  8. Sash sagt:

    @Holger:
    Erst einmal danke. Ganz ehrlich. Ich hatte unfairere Reaktionen deinerseits erwartet und Du hast mich positiv überrascht. Ich war ja nun wirklich nicht nett heute morgen. Und ich möchte auch ganz deutlich sagen: Ich will hier keinen Kleinkrieg in den Kommentaren führen und bin auch über kritische Stimmen immer froh.
    Außerdem unterstelle ich Dir nicht, paranoid zu sein (und mir ist bewusst, dass das ein ernstes Krankheitsbild ist, das man nicht als Beleidigung verwenden sollte), sondern ich habe, etwas leichtfertig, dein „Geschwafel“ als „paranoid anmutend“ bezeichnet, weil ich es – das betrifft eine Reihe von Kommentaren vor dem heutigen ebenso – als ziemlich festgefahrene Denkweise empfinde, dass an der Misere im Gewerbe, die es zweifelsohne gibt, immer und vor allem irgendwelche Chefs schuld sind. Bei vielem anderen stimme ich zu, das hast Du richtig erkannt.
    Deswegen mal ganz kurz ein Gedankenspiel, das ich schon vor langer Zeit mal gemacht habe, das genauso richtig ist wie dein Unternehmerbashing, das aber ziemlich sicher auf Ablehnung bei Dir stoßen wird. Und das zu Recht, weil es so einfach nicht ist.
    — Anfang Gedankenspiel —
    Alle Taxifahrer, die mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten, sind schuld an der Misere da draußen. Wir alle wissen, dass wir zu wenig Umsatz machen, deswegen sollten wir alle nur noch 4 Tage die Woche für maximal 5 Stunden rausfahren. Dann hätten wir genug Freizeit, uns einen Nebenjob zu suchen und da der Umsatz insgesamt der gleiche bleiben würde, würden wir immer noch gleich viel verdienen wie derzeit Vollzeit. Jeder, der länger rausfährt, ist ein asoziales Arschloch, das sich auf Kosten der Kollegen unfair bereichern will und versaut uns am Ende allen den Durchschnittsverdienst.
    — Ende Gedankenspiel —
    Das ist genau das gleiche, was Du den Chefs vorwirfst. Aber da kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen: Es klappt nicht. Ich arbeite netterweise nur noch so wenig, aber ich hab auch den halben Verdienst, weil alle anderen weiterhin Vollzeit fahren. Und genauso sind die Unternehmer auch in ihrer Position festgefahren. Und sie beantragen neue Konzessionen, um sich selbst über Wasser zu halten, obwohl sie wissen, dass die Anzahl der Konzessionen sinken müsste, damit das Geschäft gut läuft. Aber der, der es versucht, geht einfach unter. Ohne eine Änderung der Rahmenbedingungen kann keiner von uns was machen. Nicht als Fahrer, nicht als Unternehmer.
    Wie gesagt: Vielleicht ist dein Chef da in manchen Punkten schlimmer, unfairer, was auch immer. Und ja, wäre nicht eine große Anzahl an Unternehmen schlecht, dann könnte es uns vielleicht besser gehen, aber jeder von denen muss erst einmal seine Schäfchen – und das sind eigentlich auch die Mitarbeiter – ins Trockene bringen.
    Natürlich schreibe ich das, weil ich mich mit meinen Chefs gut verstehe. Aber ich verstehe mich auch gut mit ihnen, weil ich diese Gespräche auch mit ihnen geführt habe. Weil ich sehe, dass sie mich nicht hinterrücks abziehen, sondern irgendwie mit begrenzten Möglichkeiten versuchen, mir und meinen Kollegen unter beschissenen Bedingungen trotzdem halbwegs vernünftige Arbeitsbedingungen zu bieten versuchen. Und – ganz ehrlich – es auch manchmal nicht schaffen, sicher.
    Und die Erfahrungen sind ähnlich der deinen natürlich auch nicht die ganze und alleinige Wahrheit oder sowas. Mir ging’s eigentlich bloß darum, dass hier nicht sinnlos rumgerantet wird.
    Zum Diskutieren bist Du nach wie vor herzlich eingeladen.

  9. Holger sagt:

    Zitat von Sash:
    „Natürlich schreibe ich das, weil ich mich mit meinen Chefs gut verstehe. Aber ich verstehe mich auch gut mit ihnen, weil ich diese Gespräche auch mit ihnen geführt habe.“

    Den Fehler habe ich auch gemacht, deswegen wusste mein Chef Nr.1 erstmal, wie ich arbeite und musste das prompt weitersagen, damit auch alle anderen Kollegen glücklich sind. War ein kleines Unternehmen. 20 Autos.
    Chef Nr.2 gab mir nach meinen 3 Wochen Betriebsangehörigkeit ein großes Kompliment, weil es auffällig war, dass ich als Tagfahrer von allen die höchsten Umsätze eingefahren hatte. Das brachte mich dazu, meine Strategie zu erklären. Selber Schuld sozusagen.

    Man kann diese Ausschweifung auf das Mindestlohn – Thema beziehen. Du meintest, Firmen würden pleite gehen. Ich meinte Firmen sind nicht unser Problem.

    Das man Strategien bewusst weitererzählt, liegt für mich klar auf der Hand, auch das Motiv dafür sollte schnell zu finden sein. Für mich schwer vorstellbar, dass das ungewollt passiert ist.

    Jeder Taxifahrer engagiert sich, versucht unter diesem System das Beste daraus zu machen. Dass der eigene Chef, deine Arbeit zu Nichte macht, indem er das, was du für dich als Erfolg entdeckt hast, sollte nachzuempfinden sein, warum man als Taxifahrer sauer wird.

    Zurück zum Mindestlohn Thema: Ich meinte, dass die vielen Konzessionen und die vielen Taxifahrer unser Problem sind. Du meintest, der Mindestlohn wird funktionieren, indem Konzessionen wegfallen.

    Diese Logik habe ich hinterfragt, weil ich überzeugt bin, wenn Firmen kurz vor der Insolvenz stehen, dann werden eben diese Ihre Konzessionen verkaufen. Ich glaube nicht, dass die so einfach wegfallen. Konzessionen und Taxifahrer werden so einfach nur auf andere Firmen umgelagert.

  10. Wahlberliner sagt:

    @Holger: Aber aus der Sicht eines Chefs ist es auch verständlich, eine Erfolgsstrategie eines erfolgreichen Fahrers seinen anderen Fahrern mitzuteilen, damit die ebenfalls höhere Umsätze einfahren – schließlich hat so das Unternehmen und damit auch der Chef selbst am meisten davon.

  11. Sash sagt:

    @Holger:
    Wenn deine Erfolgsstrategie natürlich sowas simples ist wie „ich bin immer Sonntags um 23 Uhr an Halte xy“, dann läuft das vermutlich leicht schief, das kann schon sein. Aber die meisten einfachen Dinge sprechen sich irgendwann rum. Wie gesagt: Das mag in dem Fall wirklich blöd gewesen sein, schon klar.
    Beim Mindestlohn sind wir aber wirklich ganz ganz weit auseinander und ich bin wirklich sicher, dass Du mit deiner Annahme völlig falsch liegst.
    Wenn ein Fahrer nur 10 € Stundenumsatz macht, den Chef aber 13 € kostet, wird er irgendwann entlassen werden. Wo soll dieser Fahrer dann einen neuen Job finden? Und das wird massenhaft passieren.
    Klar, heute sucht er sich einen neuen Job, denn heute muss er ja nur irgendwas einfahren, notfalls in 12 Stunden 30 €, kostet den Chef ja nix (natürlich nur, so lange die Betriebskosten gedeckt sind, aber die sind im Vergleich zum Fahrer ja viel geringer). Heute ist es ok, das Taxi 24 Stunden draußen zu haben und der eine fährt 200 € ein, der andere nur 100. 300 € am Tag reichen, um die Kosten des Autos zu decken und beiden Fahrern ihre Pi mal Daumen 50% Beteiligung (inkl. Lohnnebenkosten) zu zahlen. Künftig kostet ein Taxi im 24-Stundenbetrieb schon mal fix 240 € für die Fahrer, Davon ausgehend, dass das Unternehmen genauso viel Geld wie vorher braucht, machen sie dabei miese. Und im Schnitt wird das auf alle Unternehmen und sehr sehr viele Fahrer zutreffen. Da ein Umsatz pro Stunde (anders als ein Umsatz insgesamt) absolut überhaupt nicht erzwingbar ist, wenn er im Durchschnitt nicht eingefahren werden kann, werden Arbeitsplätze wegfallen und am Ende vermutlich auch Autos und Konzessionen abgestoßen werden. Und zwar so lange, bis jeder Fahrer im Durchschnitt so viel einfährt, dass die Unternehmen den Mindestlohn zahlen können.
    Wie gesagt: Das heißt nicht, dass das alles toll ist oder dass ich glaube, dass davon wirklich die guten Chefs oder guten Fahrer profitieren werden. Aber insgesamt ist dieser Verlauf unausweichlich. Ich weiß nicht, wie lange das dauern wird und ich weiß nicht, wer dann noch dabei sein wird. Ob Du, dein Chef, ich oder meiner oder keiner von uns. Ehrlich. Aber wenn wir einen Mindestlohn von 8,50 € kriegen, wird es irgendwann weniger Taxifahrer geben, die 8,50 € Lohn kriegen und durchschnittlich 20 € Umsatz einfahren.

  12. Holger sagt:

    Zuerst an Sash:

    Ich hoffe deine Prophezeiung tritt ein, dann haben die Übriggebliebenen mehr Umsatz. Und ich hoffe, dass die jüngere Generation sich gegenüber den älteren durchsetzen wird.

    An Wahlberliner:
    Das was ich bisher gesagt, hast du dir verinnerlicht? Dann wirst du den Begriff „Schmarotzer“ bestimmt zuordnen können.

    Nicht?

    Ok, Kurzfassung: Was sind eigentlich die Aufgaben eines Chefs?

    Betriebsleitung, ok. Dann aber auch das Versorgen der Angestellten mit Aufträge.
    Das ist hier nicht der Fall.

    Der Chef stellt ein Taxi als Arbeitsmittel zur Verfügung. Damit allein verdienst du noch kein Geld. Du musst erst am Glücksspiel teilnehmen um an Aufträge zu kommen. Dann verdienst du vielleicht gutes Geld. Es könnten aber auch nur wenige Touren sein oder gar keine.

    Der Chef bezahlt dir den Funk. Die Wahrscheinlichkeit Aufträge zu bekommen ist höher geworden, aber eine Garantie gibt es nicht.

    Wenn du dich dem Ablauf fügst und den Zufall dein Arbeitstag bestimmen lässt, wirst du höchstwahrscheinlich scheitern. Eine geringe Chance hast du, erfolgreich zu sein.

    Irgendwann bekommst du mit, dass an anderer Stelle in den Ruhezeiten trotzdem Aufträge vergeben werden. Was macht man als intelligenter Taxifahrer? Tja, man fährt dahin wo es läuft, bekommt Aufträge, verdient Geld, kann rechzeitig Feierabend machen.

    Der Erfolg, den du hast, den hast du dir selbst zuzuschreiben, weil du deinem Glück etwas auf die Sprünge geholfen hast, indem du deine eigene Strategie entwickelt hast.

    Das ist eigentlich die Aufgabe deines Chefs. Dass du das machen musstest, darüber könnte man fluchen. Dein Chef hat dich ja nicht angerufen um dir zu sagen: „Hey, ich habe einen Auftrag für dich.“ Und deine Kollegen, die warten auch nur wie die Geier darauf, dir die besten Bissen wegzunehmen.

    Und jetzt passiert genau das, was eigentlich nicht passieren sollte. Der Chef plaudert deine Strategie weiter und bevor du zu den festen Stoßzeiten in den Sektor kommst, stehen bereits andere aus deiner Firma dort. Die „Geier“ aus den anderen Firmen sind nur halb so schlimm, die kennen deine Strategie nicht, aber diejenigen aus deiner Firma wissen alles, was du weißt und genau das nutzen Sie aus um dir die Aufträge wegzunehmen.

    Dem Unternehmen ist dieses Schauspiel egal. Ob du den Auftrag fährst oder ein anderer, das Geld wandert so oder so auf das Firmenkonto.

    Dir wird das aber nicht egal sein, weil dir Aufträge und vor allem Gelder fehlen. Dein Umsatz sinkt. Nicht etwa um 10 Euro, nee nee, mein Umsatz ist wegen dieser Scheiße um mehr als 500 Euro pro Monat herabgefallen.

    Nebenbei so ganz unter uns: Da darf man doch zurecht wütend sein, oder?

  13. Micha sagt:

    „oder dass ich glaube, dass davon wirklich die guten Chefs oder guten Fahrer profitieren werden.“
    @Sash
    Gibt es denn gar keine Koppellung in eurem Geschäft von „guter Fahrer“ mit „guter Kohle“?

  14. Wahlberliner sagt:

    @Holger: So sehr ich Deine Verärgerung darüber verstehen kann, so sehr kann ich aber auch einen Chef verstehen, der dann seine Fahrer an eine solche lukrative Stelle schickt, anstatt dass neben dem einen Fahrer aus dem eigenen Unternehmen, der diese Stelle kennt, diese dann von anderen Fahrern aus anderen Unternehmen genutzt wird, um deren Umsätze zu erhöhen. Und ja, ich habe absolut etwas gegen Konkurrenzsituationen, weshalb ich solche Sachen auch gar nicht mitmachen würde. Ich sehe auch, dass der Chef dadurch die Konkurrenz unter den eigenen Angestellten erhöht, und auch, dass ein solches Verhalten dazu führt, dass mehr Heimlichkeit und Verschwiegenheit die (ursprünglich mal – sogar über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus – als kollegial angedachte) Atmosphäre vergiftet. Chefs sind halt oft Unternehmer, und denken als solche. Das heißt, sie sind Konkurrenz gewohnt, und für sie ist es OK, ihre Angestellten einer ebensolchen auszusetzen (sofern es in einem derartig umsatzbasierten Umfeld ist – in anderen Jobs ist das ja zum Glück noch nicht immer so). Ich finde das natürlich auch pervers, es hat aber in meinen Augen trotzdem nichts mit Schmarotzertum zu tun, sondern ist halt „ganz normale Marktwirtschaft“ (jedoch deshalb nicht weniger menschenverachtend).
    Ich habe auch mal in einem Callcenter gearbeitet, da wurde eine ähnlich vergiftete Atmosphäre geschaffen, indem von Fallbearbeitungszeiten und ähnlichen statistischen Werten ein monatlicher Teamdurchschnitt gebildet wurde, an dem dann die einzelnen Teammitarbeiter gemessen wurden, was dann die Höhe der Aufschläge auf das Grundgehalt bestimmt. In einem servicebasierten Callcenter, wo es darum geht, dass Kunden mit Problemen anrufen, für die sie eine Lösung wollen, ist das natürlich absolut kontraproduktiv, und schafft zudem noch eine vergiftete Atmosphäre unter den Kollegen, aber diese Gedanken hat keiner der Vorgesetzten auch nur im Ansatz nachvollziehen können. Ich habe jedoch mehrmals Glück gehabt, weil die Lohnbuchhaltung die Berechnung der Aufschläge nicht hinbekommen hat, und so stand mehr auf meinem Zettel, als ich nach diesem kranken System eigentlich „verdient“ hätte, aber egal – ich war froh, dass dieser Job befristet war, und ich somit ohne Probleme nach Ablauf der Frist da raus konnte.
    Und das ist auch mein Fazit für Dich: Wenn Du eine vergiftete Atmosphäre nicht verträgst (und so klingt es, was Du schreibst – und sicher gibt es andere, die damit kein Problem haben, wir Menschen sind halt alle verschieden), dann ändere sie, indem Du Dir ein anderes Unternehmen, oder gar eine komplett andere Tätigkeit suchst. Jeder andere Ansatz, damit irgendwie umzugehen, führt zu nichts. Man schadet sich damit bloß immer selbst, entweder direkt (als „aufsässig“ gebranntmarkt sein, bei Kollegen unbeliebt werden etc) oder indirekt (langes in sich Hineinfressen der Frustration führt irgendwann zu Krankheiten, von „einfachen“ Depressionen bis hin zu schlimmeren Sachen wie Krebs), oder erst direkt und dann indirekt… Und die eigene Gesundheit sollte einem kein Job der Welt wert sein.

  15. Sash sagt:

    @Micha:
    Ja und nein. Natürlich gibt es gute Fahrer, die z.B. viele Stammkunden haben etc. pp.
    Da würde ich sagen, das sind die allerwenigsten. Der Rest ist am Ende immer auch von der allgemeinen Auftragslage abhängig und die schwankt eben. Man muss schon verdammt gut organisiert sein, um an einem Montag den Schnitt einzufahren, den ich Samstagnachts mache.
    Schwierig wird’s aber noch an einem anderen Punkt: Die Chefs haben einfach keine Ahnung, wer ihre guten Fahrer sind. Und ich meine das ernsthaft. Klar sehen die, wie lange wir draußen waren. Aber nicht, wie lange wir dabei gearbeitet haben. Und das hat bisher ja auch keine Sau interessiert. Bisher war ein guter Fahrer der, der beispielsweise 4.000 € eingefahren hat. Da stehe ich mit 1.600 natürlich schlecht da. Wenn ich aber nur 80 Stunden arbeite, der 4.000€-Kollege aber 250, dann bin ich im Falle eines Mindestlohns deutlich lukrativer. Bisher hat sich halt niemand die Frage gestellt. 4.000 € sind 4.000 €. Da werden einige ihre Denkweise komplett umstellen müssen.

  16. Holger sagt:

    An Wahlberliner:

    Guter Beitrag, das Gute in diesem Job ist es, dass du deine Kollegen über Monate hinweg selbst nicht siehst und dein Chef begegnet dir 1 bis 2 Mal im Monat. Das Positive am Taxi fahren: du bist dein eigener Chef. Und das ist ein gutes Gefühl. Du hast keine Angiftungen, du bist in deinen 2 Quadratmeter Arbeitsplatz ganz alleine. Ich habe kein Problem damit Kollegen zu grüßen oder mit denen um Sport zu plaudern, aber um Geschäftliches rede ich nicht.

    Taxi kannst du nicht mit Callcenter vergleichen. Wer wissen will, wie es ist Taxifahrer zu sein, kann ja mal folgendes Experiment machen.

    Setz dich in einen kleinen Raum mit Tisch und Stuhl und lege dir dein Handy in die Mitte. Deine Aufgabe: Warten dass das Handy klingelt und nur für einen Toilettengang den Raum verlassen.
    Die Prozedur mal versuchen 8 bis 10 Stunden hintereinander durchzuhalten.

    In diesem Experiment geht es vor allem darum seine Langeweile zu beseitigen, seine Nerven zu bewahren und immer freundlich bleiben.

    Um die Zeit zu überbrücken, wird man nach einer Beschäftigung suchen, die einem liegt.
    Jede Beschäftigung sollte so ausgelegt sein, dass du vom Stuhl nicht aufstehen musst, denn du sitzt ja während der Bereitschaft noch im Auto.
    Auch wichtig: Alle zur Unterhaltung dienenden elektronischen Geräte dürfen nicht über Strom aus der Steckdose versorgt werden, denn wenn das Taxi steht, kommt auch kein Strom aus dem Zigarettenanzünder.

    Was bringt einem dieses Experiment.
    Zunächst einmal wird man feststellen, dass man häufiger auf Toilette muss, wenn das Handy nicht klingelt.
    Man wird auch feststellen, dass man übrig wird, die Psyche mit einem durchgeht. und man wird nicht gleich sofort aber später die Erfahrung machen, dass man Selbstgespräche führt

    und und und…

  17. Holger sagt:

    Ich muss mich mal für die vom Smartphone verursachte Wortvervollständigung entschuldigen.

  18. Wahlberliner sagt:

    @Holger: Natürlich sind diese Jobs nicht vergleichbar, es ging mir nur um den Aspekt der Konkurrenz unter Kollegen, die natürlich auch beim Taxi noch um einiges schlimmer ist (und der Chef hat eben seine eigenen Interessen, und kann durchaus, um die zu wahren, sprich, mehr Einnahmen zu haben, auch mal die Kollegen gegeneinander ausspielen. Das wäre dann aber auch jemand, für den ich nicht arbeiten könnte, denn ich würde ihm die 1-2mal im Monat die ich ihn sehe meine Meinung so deutlich sagen, dass er mich feuern würde). Jetzt fällt mir noch eine andere Parallele ein, nach dem Du Deinen Job beschrieben hast: Ich konnte in diesem Job nicht arbeiten, habe es ein Jahr durchgehalten und war froh, da raus zu sein. Du scheinst in einer ähnlichen Situation mit dem Taxi zu stecken (mich würden vermutlich lediglich die Kunden am Genuss der Stille stören, was aber natürlich absolut kontraproduktiv wäre), und ich kann Dir nur dringendst empfehlen, Dir einen anderen Job zu suchen.

    @Micha @Sash: Das Problem ist, dass „gute Fahrer“ von unterschiedlichen Stellen unterschiedlich definiert werden. Für die Kollegen ist man ein guter Fahrer, wenn man sich nicht wie ein Kollegenschwein verhält, sondern fair ist. Für die Kunden ist man ein guter Fahrer, wenn man auch mal ohne Uhr zum Festpreis fährt. Für den Chef ist man ein guter Fahrer, wenn man möglichst viel Geld einfährt – egal, ob man Touristen von Tegel nach Wedding über Reinickendorf oder über Steglitz fährt…

  19. Holger sagt:

    Wir reden aneinander vorbei.

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