Südost rulez!

Ich hab’s ja nun wirklich nicht mit Lokalpatriotismus, aber es ist witzig zu sehen, dass an den letzten beiden Donnerstagen jeweils eine Fahrt vom Ostbahnhof in den tiefsten Südosten Berlins mir die Schicht gerettet hat. Und hey, wir haben Januar, da muss man sich seine Schicht gelegentlich von einzelnen Touren retten lassen!

Vor nicht einmal 48 Stunden war es eine nette Frau, die mich damit überraschte, nach Rahnsdorf zu wollen. Nachdem sich anfangs eher ein bisschen unangenehmes Schweigen im Taxi ausbreitete, haben wir dann doch mit unbekannten Berliner Stadtteilen und den Tücken von Navis ein Thema gefunden, das zwar ein wenig absurd für Außenstehende anmutet, zwischen Fahrer und Fahrgast aber durchaus mal vorkommt. Die Tour endete mit 34,60 € auf der Uhr – ein Betrag, den mancher Kollege in der Nacht in 5 Stunden auf der Straße nicht zusammengefahren hat. Das aber war nicht alles. Ohne irgendeinen Anflug von Unsicherheit wurde mir ein Fünfziger gereicht mit der Bitte, doch 8 € rauszugeben. Ein Aufrunden auf 40 € wäre schon weit überdurchschnittlich gewesen, nochmal ein Zweier mehr war aber völlig jenseits jeder Erwartung. Vielen Dank dafür!

Fast punktgenau den gleichen Betrag brachte die Tour eine Woche zuvor nach Müggelheim: 34,40 €. Wie die andere somit irgendwo in den Top-10% meiner Fahrten, würde ich sagen. Die Kundschaft war ein Ehepaar, irgendwo zwischen 50 und 65 Jahren. Außer der Länge war an der Tour nichts spektakuläres, abgesehen davon vielleicht, dass ich nach Vollendung kurz eine Pause am Müggelsee gemacht hab, um ein wenig den etwas dunkleren Sternenhimmel dort draußen bei einer Zigarette zu genießen.
Unterhalten haben wir uns wohl, aber im Gegensatz zur ein oder anderen Party-Besatzung am Wochenende konnte man das gerade als absolute 08/15-Dienstleistung abtun, ohne besondere Sympathien oder dergleichen. Umso überraschter war ich, als mir am Ende der bei dieser Fahrtlänge ja völlig normale Fünfziger gereicht wurde, dieses Mal sogar mit der Bemerkung „Stimmt so.“.

0.o WTF?

Das sind Größenordnungen, die ich sonst fast ausschließlich von Lesern oder – ohne da einen Zusammenhang konstruieren zu wollen – völlig unzurechnungsfähigen Gestalten gewöhnt bin. Und „gewöhnt“ meint auch hier nur „kommt mal vor“.

Meinetwegen könnte man daraus gerne eine Serie machen. Jetzt bin ich aber erst mal gespannt, ob die anderen Ecken der Stadt das vielleicht aufholen wollen. 😉

10 Kommentare bis “Südost rulez!”

  1. nadar sagt:

    Ja, sowas erfreut das Herz des Taxifahrers zum großen Teil.

    Allerdings habe ich unter meiner Kundschaft auch eine äußerst sympathische Dame, die ihren Mann seit wohl einem Jahr hingebungs- und liebevoll selbst pflegt. Stets, wenn ich beide zum Arzt und wieder zurück gefahren habe, bekomme ich etwa 1/3 Trinkgeld „weil Sie doch so viel Mühe mit uns haben“.
    Dabei bekomme ich regelmäßig ein schlechtes Gewissen/Schamgefühle.

    Im Vergleich zu mancher Nacht- und Prekariatskundschaft ist die Mühe übrigens vernachlässigbar.

  2. Daniel sagt:

    Vielleicht auch eine Art von anonymen Lesertouren 😉

  3. hrururur sagt:

    @nadar: kauf den beiden von dem Geld mal Markensüßigkeiten, dem Alter angepasst, nicht die allerteuerste Marke, aber so, dass man die Mühe erkennt, arko zB, nicht im Karton, sondern als selbst ausgesuchtes Tütchen(die Verkäufer machen das schon, wenn man denen einen Betrag nennt). Mit den Worten, dass du dich wirklich immer sehr über ihr Trinkgeld freust und das eben nicht selbstverständlich ist und es dir ein Bedürfnis ist, das auch mal mitzuteilen, weil du dir immer etwas unbeholfen vorkommst ob des ja doch recht regelmäßigen hohen Betrages, den du natürlich gut gebrauchen kannst.

    Ich verspreche dir, du hast danach Freunde fürs Leben. Du musst es nur aufrichtig so meinen und entsprechend ehrlich rüberbringen. Gerade Menschen, die in der Ausnahmesituation Pflege sind, sind hochgradigst erfreut,wenn man sie als Mensch und nicht als irgendein Kunde wahrnimmt. Die Freude über die Geste zaubert ein Glitzern in ihre Augen, das mit Geld nicht zu bezahlen ist.

    Wenn sie dann allerdings anfangen das Trinkgeld zu erhöhen, muss man die Erhöhung ehrlich und direkt ablehnen und nicht mehr annehmen als sonst. Sonst ist man ein unehrenhaftes Arschloch, finde ich

  4. Aro sagt:

    Ha, ich kann Dich toppen: Dienstag: 36 EUR!!!

    (nur dummerweise während der gesamten Schicht)

  5. Sash sagt:

    @nadar:
    Sowas kenne ich noch aus dem Behindertenfahrdienst.

    @Daniel:
    Da hab ich ohne Witz auch schon dran gedacht. Aber es hat sich bislang niemand outen wollen, also bleibt es beim Rätselraten …

    @Aro:
    Autsch! 🙁
    Aber hey, gestern: 77 € in über 7 Stunden. Und keine Aussicht auf Besserung. Hab’s dann aufgegeben …

  6. Aro sagt:

    Ja, bei mir waren’s auch 7 1/2 Stunden. Aber nächste Woche wird ja alles besser, wenigstens für ein paar Tage 🙂

  7. Rosa sagt:

    Hab ja in der Nacht Freitag auf Samstag überlegt, zu schauen, ob du Zeit für eine Lesertour hast. Aber dann kam der Bus aus München erst um 2 Uhr an und ich hatte keine Lust mehr irgendwas zu organisieren und habe einfach das nächte Taxi auf der Straße genommen. War auch nicht besonders weit, da wir zu dritt waren, wäre es ohne Trinkgeld günstiger gewesen als mit der S-Bahn zu fahren. Hab dann auf 8 Euro aufgerundet, damit war es ein bischen teurer als drei S-Bahntickets.

  8. Sash sagt:

    @Rosa:
    Na dann vielleicht ein anderes Mal. 🙂

  9. Bloggergramm sagt:

    Machst du eigentlich auch Stadtrundfahrten?
    Kennst doch bestimmt von Berlin auch die Ecken, die man absolut nicht im Touristenführer findet (weil eigentlich gerade nicht „vorzeigbar“). Wenn das so sein sollte, würde ich nämlich das nächste Mal wenn ich in Berlin bin gerne auf deine Dienste zurück kommen….

  10. […] hatte meinen Südost rulez-Eintrag fast vergessen. So oft hat man so lange Touren mit extrem gutem Trinkgeld einfach nicht. […]

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