Knappe Planung

Man kann ja unterschiedlicher Meinung sein, was die Gebühr für nichtbare Zahlung in Berlin angeht. Ob sie auch für Kartenzahlung gelten muss, ob sie zu hoch oder unnötig ist, was auch immer. Trotz all der dazu anfallenden Diskussion hab ich aber bis gestern noch nie erlebt, dass jemand deswegen nicht Taxi fährt. Dass stattdessen Bargeld rausgekramt wird, ok. Dass die Leute sich ärgern, ok.

Aber dann stand sie gestern da und fragte, ob ich auch EC-Karten nehmen würde.

„Ja, klar.“

„Kostet das Gebühren?“

„Sind in Berlin immer noch die 1,50 €.“

„Hmm, ok, dann nicht. Sorry.“

Mich hätte jetzt eigentlich noch interessiert, ob der Restbetrag auf dem Konto auf 1,50 € Genauigkeit an den zu erwartenden Taxipreis reichte oder ob sie einfach prinzipiell Gegnerin der Gebühr war.

Was die Fahrt anging: Ich hätte sie gerne gemacht, hatte andererseits bereits 12* Sekunden später andere Kundschaft.

*nicht verifizierbare innergehirnliche Messung. 😉

Olle Nebelkrähe!

Heute muss ich mal etwas fies werden. Ausnahmsweise. Aber ich bin mir sicher, Ihr versteht das.

Ich hatte vor zwei Wochen eine eigentlich ganz nette Tour. Wenn ich menschliche Maßstäbe ansetze, für den Taxifahrer in mir war sie grauenhaft: Zwei alte Leutchen, ein Ehepaar vermutlich, beide gehbehindert. Haben mich am Ostbahnhof auf der dritten Position nach einer Dreiviertelstunde Warten erwischt. Mein Auto hatte für beide eine angenehme Höhe, sie freuten sich über mein freundliches Warten und ich hab sie dann nach Hause bis vor die Tür gefahren. Für 6,30 € + 70 Cent Trinkgeld. Wie gesagt: Für mich als Taxifahrer eine Katastrophe, für mich als Menschen eine Chance, das Karmakonto ein bisschen aufzubessern.

Dann letzter Sonntag:

Ich stand gerade angekommen auf dem vierten Platz vor dem Bahnhof, als ich die beiden erblickte. Ich war mir nicht ganz sicher, ob sie es wirklich waren, aber ich hab mich insgeheim gefreut. Vor mir standen ein Bus und zwei tiefe Mercedes … und ohne lange Wartezeit wäre das ja ein nettes Zwischenspiel mit vertrauter Kundschaft.

Schon aus der Ferne hörte ich sie jedoch rumbrüllen:

„DAS KANN ICH NICHT, DAS MACH ICH NICHT!“

Offenbar hatte ihr Mann versucht, ihr den Bus schmackhaft zu machen. Nun ja, so schwergelenkig wie ich sie in Erinnerung  hatte, lag sie zumindest nicht falsch mit der Einschätzung. Das gleiche Spiel wiederholte sich bei den Autos vor mir, obwohl einer der Fahrer gleich ausgestiegen war und gefragt hat, ob er irgendwie helfen könne.

Bei mir angekommen, zögerte sie:

„Sie kenn ich doch!“

„Ja, wir sind neulich erst miteinander gefahren, oder?“

„Ja! Ja ja! Könnten Sie vielleicht etwas zurück und …?“

„Soll ich an den Bordstein ranfahren, ist das dann einfacher?“

„Ja, das wäre nett. BÄH, STINKT DAS HIER NACH NIKOTIN! SIE RAUCHEN DOCH NICHT ETW …?“

Da hat sie dann die Kippe in meiner Hand gesehen. Ich hab die dann aber sowieso umgehend entsorgt, weil ich der Kundin zuliebe näher an den Bordstein fahren wollte und im Auto eben nicht rauche. Sie hat sich das angesehen, sich einmal mehr mit ihrem Mann gestritten, und just in dem Moment, in dem ich das Auto endlich perfekt am Bordstein positioniert hatte, ist sie wutentbrannt davongehumpelt mit ihrer Krücke.

Menschen …

Es liegt mir ja fern, über Kunden herzuziehen, weil sie ein Problem mit Zigarettenrauch haben. Das Zeug ist scheiße ungesund und obwohl sich die Kundschaft bisher in meinem Auto nie negativ über Gerüche geäußert hat, weiß ich, dass empfindliche Nasen vermutlich wahrnehmen, dass ich rauche. Dass die Trulla indes einfach nur eine bescheuerte alte Spinatwachtel war, bei der gerade irgendwie der Zeiger auf Krawall stand, ist indes auch weit mehr als nur eine halbgare Vermutung meinerseits.

Denn erstens:

Wir waren kurz zuvor bereits miteinander gefahren und sie hat mich in höchsten Tönen gelobt, vom Auto ganz zu schweigen. Sie würde ja am liebsten nur  noch mit mir fahren, etc. pp.
Sie wird ja wohl nicht ernsthaft geglaubt haben, ich hätte erst vor 5 Tagen mit dem Rauchen angefangen. Es ist bekannt, dass diese Dummheit meist jüngere Menschen begehen. Wie also kann man davon ausgehen, dass diese Fahrt anders werden würde als die letzte?

Besser aber noch war zweitens:

Ich hab mich interessiert an der weiteren Geschichte an mein Auto gelehnt und verfolgt, was die beiden nun machten. Sie stellten sich in 20 Meter  Entfernung an den Straßenrand und versuchten, ein Taxi ranzuwinken. Was nur so mittelprächtig funktioniert hat, da einige Fahrer so nahe an einer Halte einfach niemanden einladen. Die Krönung indes war, dass am Ende Kollege Stefan anhielt. Ein netter Kerl eigentlich, der so ziemlich jeden Scheiß mitmacht – aber auch einer der selbständigen Fahrer, dem es ziemlich gegen den Strich geht, dass „die da oben“ ihm in seinem selbstgekauften Taxi vorschreiben wollen, ob er raucht oder nicht. Der quarzt den lieben langen Tag selbst am Stand oft im Auto, ich hab ihn sogar schon mit Kippe im Mund mit Kunden verhandeln sehen. Seinetwegen hab ich bei meinem letzten Eintrag zum Thema rauchen eine Lanze gebrochen für die Kollegen, die wenigstens aussteigen für ihre Zigaretten.
Aber ja: Der war in ihren Augen gut genug für die Fahrt. Ich hab dann zugesehen, wie der Einstieg mit Vor- und Zurücksetzen knappe 5 Minuten gedauert hat, am Ende sind sie wirklich weggefahren. Was willste da noch sagen?

PS:
Für Leute, die wegen einer Gehbehinderung große Probleme haben, gebe ich mir gerne etwas mehr Mühe. Da riskiere ich auch mal einen Strafzettel mehr oder ignoriere einen hupenden Busfahrer hinter mir. Das hab ich in 5 Jahren Behindertenfahrdienst gelernt. Das ändert aber nichts dran, dass es auch unter hilfsbedürftigen Menschen Arschlöcher gibt, deren eingebildete Problemchen mir sonstwo vorbeigehen. Und sorry, meine Kippe außerhalb des Autos als No-go zu sehen und bei einem Kettenraucher ins Qualmmobil steigen ist ein deutliches Zeichen.
Ebenso hab ich in meinem alten Job auch eine Kundin von meinen Chefs auf die Mit-mir-nicht-mehr-Liste setzen lassen, die mich nach einer Tour angekeift hat, ich sei wie ein Henker gefahren, obwohl ich ihrzuliebe an Stellen 30 gefahren bin, bei denen ich dachte, dass 60 die inoffizielle Mindestgeschwindigkeit sei und ich so allenfalls als Verkehrshindernis Unfälle hätte provozieren können.
Ich bin echt der beste Freund da draußen für Leute, denen ich irgendwie mit ein bisschen Extra-Einsatz helfen kann. Aber Handlanger für liebgewonnene Wahnvorstellungen muss ich dann auch als Dienstleister nicht spielen.

Da lang?

„Hi, wir hätten eine Frage: Zum Fritzclub*, wo müssen wir da hin? Da lang?“

Sprach’s und deutete auf die Mühlenstraße.

„Kann man machen …“,

hab ich geantwortet.

„Aber einfacher wär’s, gleich das Gebäude hier vorne zu nehmen.“

Die Gruppe hat gelacht, sich bedankt, alles prima. Dann hab ich zu dem Kollegen, mit dem ich mein Gespräch wegen dieser Anfrage unterbrochen hatte, gemeint:

„Ich mag’s, wenn sie noch so klein sind. Da lachen sie auch über den letzten Bullshit.“

Da hat er dann auch angefangen zu lachen.

Ich mag’s, wenn die Leute um mich rum lachen. 🙂

*Ja, der Club heißt inzwischen Postbahnhof- oder Pbhf-Club, aber sie haben selbst den alten Namen verwendet.

So Fahrten, bei denen man einfach nicht weiß, ob man sie machen will

So vom ersten Auftreten her war die Truppe Kiddies ja gar nicht so schlimm. Dass aber mindestens drei von ihnen sich mit dem Tragen von Nazi-Pullis selbst diskreditiert haben, war das andere. Und dann war da ja auch noch die Strecke: Vom Ostbahnhof  zum A&O-Hostel in der Köpenicker. Ich lehne sowas nach wie vor nicht ab, aber da die Köpenicker wegen eines Straßenfestes gesperrt war, hab ich ihnen wahrheitsgemäß gesagt, dass ich von den 900 Metern Strecke nur 500 Meter fahren könne und das trotzdem mehr als 5 € kosten würde. Also haben sie sich nach dem Weg erkundigt und sind gelaufen.

Ein bisschen Spaß gemacht hätte mir aber zumindest das Zuschauen, denn das dort stattfindende Straßenfest war der „Carnival of  Subculture“ in und vor der Köpi und ganz sicher der mit Abstand dümmste Platz an diesem Abend, um in schwarz-weiß-roten Klamotten mit Runenschrift dran vorbeizulaufen. Aber hey, danach hatten sie nicht gefragt! 😉

Und bevor jemand meckert: Da waren genügend Cops vor Ort, um denen das nochmal auszureden. Ich fühle mich ja für vieles verantwortlich, aber sicher nicht für das übersteigerte Selbstbewusstsein von Schnullernazis.

„So eine schöne Sache!“

Dass die Schicht nicht sonderlich gut werden konnte, ahnte ich bereits, als mir gestern an der Firma ein Kollege gleich was vorjammerte und zwei Stunden später einer, der mit mir zusammen begonnen hatte, spontan das Handtuch schmiss und angeln gegangen ist. Was man halt so macht.

Ich gab mir die Kurzstreckenorgie ein paar Stunden und wusste insbesondere nicht, was ich hier heute schreiben könnte. Ebenso wie die durchschnittlich 7,75 € bringenden Touren war die Kundschaft dazu: Langweilig.

Dann aber stand da der junge Typ am Ostbahnhof und quatschte vor mir zwei Fahrer an, ist aber bei allen abgeblitzt. Das wirkte immerhin mal interessant. Als er dann bei mir ankam, fragte er mich erst mal nach Feuer und dann, ob ich ihn erst zu einer Bank bringen könnte und ob wir anschließend was essen gehen würden.

Ich hab ihm Feuer gegeben, ihm gesagt, dass ich nichts essen will, ich ihn aber natürlich gerne hinbringen würde, wo immer er hinwolle. Ja, er bräuchte eine Sparkasse.

„Die sind ja nun nachts oft zu. Welche Richtung?“

„Keine Ahnung. Wo woll’n wir essen? Hasir? Hasir ist immer gut, oder?“

„Ich hab doch gesagt: Ich will gerade arbeiten und nix essen. Überleg Dir einfach, wo Du hinwillst.“

„Wieso willste nix essen? Deine Kollegen ham auch gleich so ’ne schwule Sache draus gemacht. So mein ich das nicht, ich lad Dich einfach ein!“

„Ist sicher nett gemeint, aber ich verstehe die Kollegen auch: So sonderlich üblich ist das nicht. Wo soll’s denn jetzt hingehen?“

Da ich nicht mitessen wollte, schlug er den Burger King vor. Und danach weiter, heim. Da eine Sparkasse nur mit größerem Umweg zu erreichen gewesen wäre, hab ich ihm nahegelegt, doch einfach an der nächsten Tanke die Gebühren zu bezahlen, anstatt noch mehr Geld im Taxi zu verpulvern. Und so machten wir das dann auch. Quasi. Der Burger-King-Besuch fiel nämlich etwas opulenter aus.

„Mach mal am besten in’n Drive-by. Was willst’n?“

„Nix, wie gesagt.“

„Echt? Gar nix!?“

„Nee.“

„Aber ein Kaffee umsonst, oder?“

„Eigentlich nicht.“

„Ach komm!“

Als wir am Bestellschalter  waren, überlegte er ein wenig rum:

„Hier, die Golden-Super-Flausch-Angebote sehen gut aus, oder?“

Nach der Begrüßung durch die Lautsprecher konnten wir seine Burger-Bestellung abgeben. Glücklicherweise war die Verbindung gut genug, dass er sich auch vom Beifahrersitz aus mit der Bedienung unterhalten konnte. So ersparte ich mir einige Fremdschammomente, als er zum Beispiel in die Anlage flötete, er würde sich beim Getränk gerne überraschen lassen.

Der Mitarbeiter am Ende der Leitung nahm das überraschend konsequent hin, gab durch, er hätte eine Sprite ausgewählt und fragte, ob das eine gute Wahl sei.

„So eine schöne Sache!“

bestätigte mein neuer Superfreund. Nachdem er sein Menü zusammengeklöppelt hatte, kam, was kommen musste:

„Was nimmst Du?“

„Nix!“

„Ach komm. Einen Doppel-Whopper und  dazu …“

Ich ging dazwischen und stornierte das. Dann bin ich recht zügig ums Eck zum Ausgabeschalter gefahren, wo das Gesicht zu der netten Stimme in Form eines etwa vierzigjährigen Mannes uns bereits freudig entgegenblickte und mir sagte:

„Na, da haben Sie heute ja einen unserer Super-Spezial-Kunden!“

Und er meinte das sichtlich unironisch, die beiden kannten sich offenbar wirklich schon.

„Mach dem Taxifahrer mal eine Cola! Oder einen Kaffee! Ein Kaffee?“

Der Mitarbeiter sah mich fragend an. Ich hab’s aufgegeben und einen Kaffee geordert. Ich hab ja auch nix dagegen, eingeladen zu werden, aber der Typ neben mir war von der ganz strangen Sorte: Er wollte mir ständig was ausgeben, mich nebenher aber überreden, die Uhr auszumachen. Und bei aller Liebe – und so hab ich’s meinem Kunden auch erklärt – meine Miete am Monatsende muss ich in Euro bezahlen, nicht mit Doppel-Whoppern.

Dennoch wedelte er mit seinen eben erworbenen 200 € um sich, als wäre er bereit, all das jetzt liegen zu lassen, um mit mir eine Runde Fast-Food zu mampfen:

„Ich brauch jetzt was fettiges. Meine Freundin hat mir ja so Vollkorn-Schnitten eingepackt, aber nee …“

Bei der Entgegennahme des Wechselgeldes verlor er gleich mal eine Münze im Auto, bei der mir klar war, dass er sie nicht wieder aufheben würde. Kaum, dass er sein Zeug hatte, fiel ihm ein, dass er jetzt auch noch unbedingt einen Kaffee haben wollte. Der Typ am Schalter hat ihm großzügig die Kosten dafür erlassen.

Im Auto war ich währenddessen etwas überfordert. Denn abgesehen davon, dass ich sowieso die Ablageplätze gut mit eigenem Zeug belegt habe, hatte ich zwischenzeitlich noch die Sprite meines Kunden und meinen unfreiwilligen Kaffee zu jonglieren, der so voll war, dass ich mir erst einmal was über die Hand geschüttet habe, beim Versuch, ihn zu verstauen. Und jetzt orderte der Irre noch einen, war aber nicht mal in der Lage, sein gesammeltes Bargeld aus der Hand zu legen.

„Du solltest echt was essen! Wir halten da vorne ums Eck – aber machste die Uhr aus! Der macht hier echt die besten Chicken-Wings, glaub mir. So eine schöne Sache! Willste Chicken-Wings? Ich bestell Chicken-Wings!“

„Bitte: Ich bin hier zum arbeiten, zum Geld verdienen. Vielen lieben Dank für den Kaffee und das nette Angebot, aber ich würde gerne wie ausgemacht nach dem Bestellen zu Dir nach Hause fahren, Dich absetzen und dann weiter.“

„Ja, ist kein Problem, HEY HEY HEY, kannste uns noch Chicken-Wings machen?“

Der nette Angestellte zählte die möglichen Packungsgrößen auf und mein Kunde bestand auf der größten: 20 Stück.

„Aber nicht die alten, ok?“

„Nein, mein Freund! Für Dich mach ich extra ganz frische und deswegen dauert das jetzt genau 4:30 Minuten, bis sie fertig sind.“

Unironisch. Mir war bis dato nicht bewusst, wie enge Beziehungen man als Kunde zu Systemgastronomen aufbauen kann. Von der erneuten Bezahlung bekamen dann sowohl ich als auch die freundliche Bedienung schon mal etwas Trinkgeld ab. Die verbleibende Zeit musste zum einen ich nochmal erklären, weswegen ich die Uhr nicht ausmachen, als auch der Angestellte nochmal verschiedene Soßen nachlegen, was er abermals kostenlos tat.

Ich hab mir währenddessen überlegt, ob ich jemals – selbst zum essen – so viel Zeit beim Burger King zugebracht habe.

Eine Minute und 33 Sekunden vor Ablauf der Chicken-Wings-Zubereitung fuhr dann hinter uns ein weiteres Auto vor, was ein gutes Zeichen dafür war, dass das immerhin nicht ewig so weitergehen konnte. Lieblingskunde hin oder her. Ich hab anschließend nur noch einmal vor dem Laden und einmal vor der Haustüre des jungen Mannes ablehnen müssen, mitzuessen. Auch wenn er sich etwas geknickt gezeigt und gefragt hat, wie er den Haufen Zeug alleine essen soll – ich hatte es nun wirklich oft genug gesagt. Und er fand trotzdem:

„So fett viel Essen! So eine schöne Sache, Mann!“

Da die Wege kurz waren, standen am Ende immer noch weniger als 15 € auf der Uhr, die der an sich ja mehr als nette Fahrgast auch problemlos mit einem weiteren Zweier Trinkgeld bezahlt hat. Den zweiten Kaffee indes musste ich am Ende trotzdem auch behalten, da hat er nicht mit sich reden lassen. Ich indes hab ihn wirklich nirgends sicher unterbringen können und am Ende trotz schlechten Gewissens nach ein paar Metern entsorgt.

Trotz der Stressigkeit war’s für den Abend eigentlich eine gute Tour. Rückblickend hab ich aber auch mehr Verständnis für die Kollegen, die abgelehnt haben, auch wenn sie beim Grund falsch lagen. An die Wäsche wollte der Typ mir nicht, ihm schien es eher darum zu gehen, dass mir die aktuellen Klamotten möglichst schnell nicht mehr passen. 😉

Alltagsdusel (2)

Ob ich wüsste, wie weit es zum Watergate wäre und was das kosten würde, fragte er mich. Anderthalb Kilometer, sechs bis sieben Euro vom Ostbahnhof aus; ich blieb freundlich bei der Wahrheit. Die Nacht lief bis dahin gut, aber inzwischen war ich eine halbe Stunde wartend vor Ort. Begeistert war ich entsprechend nur bedingt.

Aber gut, nachdem das mit dem Preis geklärt war und der englischsprachige Jüngling anerkennend einem Teil seiner Kumpels zugerufen hatte, dass das ja mal „fucking cheap“ wäre, hat nicht etwa umgehend das Einsteigen begonnen. Nein, einer wollte noch zum McDonald’s um einen Burger zu holen, ein anderer wollte mal eben zum Pinkeln auf die andere Straßenseite. Tja, nun.

Ich hätte natürlich die Uhr anmachen können – aber dann wäre es halt nicht beim angesagten Preis geblieben. Also hab ich das nicht gemacht, sondern bin in Anbetracht der Tatsache, dass von den vier Jungs inzwischen drei pinkeln und einer beim Mac war, einfach frei wie alle anderen Taxis stehengeblieben und hab mich sehr über die junge Dame gefreut, die mich fragte, ob ich sie in den Wedding fahren will. Ungefähr zwei- bis dreifacher Umsatz verglichen mit den umtriebigen Strullern.

Ein wenig Herzrasen hab ich dann bekommen, als die Dame sich noch umfangreich von ihrer Begleitung verabschieden musste, aber nach einigen Bussis und Floskeln stieg sie gerade noch ein, bevor von links der erste der Jungs – mit den Händen noch am Hosenladen – angetorkelt kam.

Ich fahre nach wie vor kurze Touren und meckere deswegen nicht, keine Sorge! Aber ja, es ist doch verdammt schön, ein paar besoffene Touris im Rückspiegel zu sehen, während man gerade nett plaudernd eine wesentlich weitere Tour antritt. Aber hey, ich bin käuflich und die Preise sind öffentlich einsehbar. Eine Minute ist umsonst, danach sind es 30€/Std., gezählt in 20ct-Schritten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Der Schocker: Legale Drogen!

Nach einer mehr als gesalzenen Wartezeit lümmelte ich so neben meinem Taxi herum, als ein Reisender mehr als nur subtil einen interessierten Blick auf mein Fahrzeug warf. Ich sprang gleich um auf dieses Dienstleister-Kunden-Dingsi und sagte:

„Schönen guten Abend.“

Womit ich nicht gerechnet hatte, war seine Reaktion. Er sah nämlich erschrocken auf, anschließend mich an und insistierte geradezu:

„Aber: SIE RAUCHEN DOCH!“

Gut, das abzustreiten wäre in Anbetracht der Kippe in meiner rechten Hand ein wenig unglaubwürdig gewesen. Ich hatte jedoch keine Ahnung, worauf der Typ rauswollte, so schockiert wie er zu sein schien. Dass Fahrgäste wegen eines 20-Cent-Artikels zwischen meinen Fingern glauben, mich nicht in meiner heiligen Pause unterbrechen zu dürfen, das kenne ich ja. Aber die sagen immer nur beschwichtigend, ich solle doch bitte erst aufrauchen. Aber der war so panisch, dass ich – ohne das je gehabt zu haben – völlig selbstverständlich wie folgt geantwortet hab:

„Ja, aber ich fahre Sie gerne. Wenn Sie aber Sorgen wegen des Rauchens haben, können Sie sich gerne einen Nichtraucher unter den Kollegen aussuchen.“

Immerhin, das mit der Schlagfertigkeit sitzt.

Am Ende hat er sich im Übrigen tatsächlich als einer von diesen Pausen-Fetischisten herausgestellt, mit dem ich ab da eine vergnügte, wenn auch nicht allzu lange, Tour hatte. Aber hier unter uns: Der hat mich ehrlich erschreckt mit seinem Ausruf, und das schaffen nicht viele Kunden. 0.o

PS: Wie auch bezüglich der freien Fahrzeugwahl hab ich kein Problem damit, wenn mich ein Kunde meidet, weil ich eine Zigarette rauche. Wie jeder Raucher bin ich bestens informiert über die gesundheitsschädlichen Auswirkungen dieser Drogen und glaube auch gerne, dass einige Leute da sehr empfindlich reagieren. Allerdings möchte ich mit Blick auf einige (und nicht einmal die schlimmsten) Kollegen darauf hinweisen, dass man als rauchempfindlicher Taxifahrgast manchmal sogar gut damit fährt, einen Fahrer zu wählen, der vor dem Auto steht und eine raucht. Denn schon, dass man dafür aussteigt, hat sich in den ca. 9 Jahren Rauchverbot im Taxi noch nicht so wirklich unter allen Fahrern rumgesprochen …