New York, New York!

Die Stadt, in der Nachts scheinbar nur Taxis und Stretch-Limos unterwegs sind, hab ich ja ein wenig in mein Herz geschlossen, nachdem ich vor nunmehr 12 Jahren dort war. Dementsprechend unterhalte ich mich auch gerne mit Fahrgästen von dort. Das hat einen netten Nebeneffekt: Die Trinkgelder steigen signifikant.

Der New Yorker, den ich vor einigen Tagen im Taxi hatte, meinte es offenbar besonders gut mir mir und legte auf die 12,20 € am Ende glatte 7,80 € drauf.

Dafür ein dickes „Thank you!“ in die Stadt, in der 90%  aller Fotos Hochformat haben!

Ein heute eher schwer zu reproduzierendes Bild. Quelle: Sash

Haha! Viele Frauen!

Manchen Fahrgästen sieht man ihren Unterhaltungswert nicht unbedingt an. So zum Beispiel den beiden Typen in Trainingsanzügen. Dem sehr stark ausgeprägten Akzent nach waren es Russen, ihr gesamtes Auftreten am Taxistand ließ mich – was nur selten passiert – hoffen, sie mögen vielleicht einen anderen Fahrer nehmen. Wie eigentlich immer waren die Sorgen unberechtigt.
Die beiden erwiesen sich als wirkliche Spaßvögel und fragten zunächst ganz höflich nach, ob sie bei mir im Auto ein Bier trinken dürften. Ich hab die übliche Ansage bezüglich Sauberkeit gehalten, kurz darauf standen wir vor einem Späti und ich hatte zwei sehr dankbare und vorsichtige Trinker im Wagen. Ach ja, wo sollte es eigentlich hingehen?

„Chennst du Park bei Chermannplaatz. Wo kaufen Drogen, da wir gehen!“

Na klar, Jungs!

Am Kotti haben wir diese Thematik dann näher erörtert:

„Weißt Duu, welche Eingang ist beste für kaufen Drogen?“

„Nee, sorry.“

„Du nimmst cheine Droogen?“

„Passt ja wohl schlecht zum Job, oder?“

„Wieso? Stell ich mir luustig vor, rumfahren und voll drauf sein …“

„Nee, is klar. Und dann Unfälle bauen oder erwischt werden? Nee, besser ein Taxi nehmen, wenn man schon Drogen nimmt!“

„Cheche! So wie wir! Chast Du sicher Familie.“

„Eine Frau.“

„Chacha! Chab ich viele Frauen!“

Ganz seltsamer Menschenschlag. Aber wirklich nett, man mag es kaum glauben. Am Ende der Fahrt sollte ich dann etwas sehr kurioses hören.

„Soll ich dann hier am Eck halten?“

„Nein. Faahrst Duu bisschen weiter. Bis Du zehn Euro chast oder so!“

Als ich Sie dann in den dunklen Park entlassen wollte, scherzte der eine noch, wir könnten ja einfach die Geldbeutel tauschen. Wäre ich da mal drauf eingegangen. Ich hätte mir zwar sicher noch irgendwo Kleingeld holen müssen, aber ich hätte in der Schicht sicher mehr Geld gemacht. Gegen solvente Drogeneinkäufer kann ich insbesondere zu Schichtbeginn nun wirklich nicht anstinken 😉

Angewandter Optimismus

Nachdem ich mich gestern mal ein bisschen über die Zustände bei uns im Taxigewerbe ausgelassen habe, kann ich heute gleich damit aufwarten, wie man trotzdem nicht vom doch meist recht lustigen Pfad des Lebens abkommt. Aber bevor ich das mache, möchte ich mal den Lesern danken, die diesen Monat über meinen Amazon-Link eingekauft haben! Da kamen dieses Mal recht schnell ein paar Euro zusammen, danke!

Aber gut, weg von mir, hin zu meiner Fahrgästin. Als ich sie aufgegabelt habe, war noch fast April, dem Wetter nach sogar fast Februar. Ein kaltes und matschiges Regenwetter hatte Berlin in seinem Griff und sie hat mich an der Frankfurter Allee rangewunken. Durchnässt bis auf die (in diesem Falle ausnahmsweise ein unbestätigtes Gerücht) Unterwäsche stand sie da und wirkte, als würde sie die letzte verbleibende Kraft aufwenden, um den Arm ein paar Zentimeter zu heben. Ihre langen braunen Haare klebten an Kopf und Klamotten und an diesem Tag habe ich eindeutig bereut, dass ich dem Hitchhiker nicht brav folge und immer ein Handtuch dabei habe.

(A prospos: Übermorgen, 25. Mai, ist wieder Towel-Day! Wenigstens da will ich alle mit Handtuch sehen. Ich nehme meines wie immer mit!)

Wie ein begossener Pudel, gleichsam mit Rehaugen (kommt daher das Wort Püree?) sah sie mich an und fragte ernsthaft, ob sie einsteigen dürfe.

„Ja selbstverständlich, warum auch nicht?“

„Ich bin doch so …“

„Und ich hab nicht ohne Grund Ledersitze! Jetzt kommen Sie rein! Ich dreh die Heizung ein bisschen hoch, ok?“

„Würden Sie mich auch bis nach Steglitz bringen?“

Äh, nee! Das nun sicher nicht. Ich bringe meine Fahrgäste natürlich nie an ihr Ziel, wo kämen wir da hin? Noch dazu ein Ziel im Pflichtfahrgebiet. Völlig absurd!

Da brauchte jemand aber dringend mal ein bisschen Ego-Politur!

Übers miese Wetter scherzend sind wir recht schnell ins Gespräch gekommen und der Heizung wegen auch schnell miteinander warm geworden. Sag ich jetzt zumindest mal so, hört sich nämlich irgendwie logisch an.
Und so wie die Situation gleich von Beginn an aussah, war sie auch. Natürlich stand die engagierte, erfolgreiche und attraktive junge Frau nicht einfach so zum Spaß im Regen und hatte keine Ahnung davon, dass direkt ums Eck auch ein Taxistand gewesen wäre: sie hatte das natürlich nicht geplant. Während sie ihr Büro hütete und dort ihrer Arbeit nachging, hat ein bislang unbekannter Fahrer eines LKW’s ihr Auto einmal längs der Fahrerseite aufgeschrammt und beinahe der Fahruntauglichkeit zugeführt. Und zudem Fahrerflucht begangen. Deswegen stand sie nach einem langen Arbeitstag auf der Straße, durfte sich erst eine Weile mit den Cops auseinandersetzen, Formulare ausfüllen und anschließend ihre Kiste noch zur Werkstatt stottern lassen.

„Dass einem das den Tag vermiesen kann, glaube ich gerne!“

„Ach, wenn es das schon gewesen wäre …“

„Wieso? Noch mehr Ärger?“

„Ich hatte eigentlich den einzig freien Abend diese Woche, um mal mit meinem Umzug voranzukommen …“

„Hm, der ist jetzt natürlich eher vorbei.“

„Ja, und ein Auto dafür hab ich auch nicht …“

„Na das ist ja wirklich eine blöde Situation. Eilt es mit dem Umzug?“

„Wie man es nimmt. Mein Mann hat mich rausgeworfen …“

Nennt mich ein Weichei, aber ich war ja kurz davor, ihr anzubieten, mit dem Taxi beim Umzug zu helfen. So viel Pech kann doch ein Mensch in so kurzer Zeit gar nicht haben, oder?

Das Schöne aber war, dass sie  tatsächlich – wie man immer so schnulzig sagt – das Lachen nicht verlernt hat. Sie hat statt Herumdrückens auf der zweifelsohne prall gefüllten Tränendrüse ihren Optimismus durchscheinen lassen und die Sorgen beiseite gewischt mit ihrer Hoffnung auf einen Neuanfang und der Bemerkung, dass wohl jeder mal irgendwann so ein paar beschissene Momente in seinem Leben hat. Davon hätte sich nicht nur diese Kundin damals eine Scheibe abschneiden können, auch ich selbst konnte nur eine gewisse Bewunderung empfinden, da ich ja auch zu den Leuten gehöre, die bereits rumnölen, wenn ich beim Fernsehen wider Erwarten den Kanal wechseln muss.

Am Ende, nach kurzzeitiger Verwirrung, in welche Richtung der Zielstraße nun ihre neue Wohnung lag, ist sie angekommen und ich habe mir, wie ich es manchmal tue, eingeredet, ihr irgendwie tatsächlich geholfen zu haben an diesem wahrscheinlich blödesten Abend seit Ewigkeiten. Für mich war es zudem lukrativ und Touren wie diese werden immer der Grund sein, weswegen ich meinen Job liebe.

Andere Richtung

Eine hervorragende Einstimmung auf den diesjährigen Herrentag waren die ersten Winker der besagten Schicht. Zeitgleich sind mir zwei Arme direkt nebeneinander entgegengeschnellt und ich hab neben den beiden gehalten. Männlein und Weiblein, beide etwa im gleichen Alter. Zunächst dachte ich, sie gehörten zusammen. Mit dieser ansonsten natürlich total verständlichen, geradezu professionellen Einschätzung musste ich brechen, als es ums Einsteigen ging. Sie rangelten ein Wenig und ich hörte nur ein paar Wortfetzen:

„Bersarin! Andrere Richtung! Ehrlich! Jaja! Was denn? Neihen!“

Letzten Endes blieb die Dame vor der Tür stehen und schmollte in ihre Latzhosen, während er sich quer über die halbe Rückbank schmiss und mir lässig zuwarf, ich solle ihn zum  Bersarinplatz bringen. Kein Problem, eine kurze Tour von 6 € mit null Chancen, irgendwie vom Weg abzukommen. Einmal abbiegen. Aus Neugier hab ich natürlich nachgefragt:

„Und? Das Mädel gerade? Wo wollte sie hin?“

„Warschauer. Hab ihr gesagt, das ist die falsche Richtung …“

Ich gehe ja immer vom Guten im Menschen aus und hab halb-diplomatisch eingeworfen:

„Klar, kommt ja darauf an, wohin in der Warschauer. Zum U-Bahnhof sicher.“

„Ist mir auch egal. Ich hab kein‘ Bock mehr!“

OK, er war doch ein Arschloch. Die Tour war zwar wohl ein paar Meter länger (was bei 6 € jetzt auch nicht gerade ein Pro-Argument ist), aber ich bereue es im Nachhinein, nicht sie mitgenommen zu haben.

Sicher, jeder hat das Recht zu entscheiden, mit wem zusammen er Taxi fährt – das will ich ihm nicht vorwerfen. Dass er sich danach allerdings die halbe Fahrt darüber belustigt hat, dass er „der Schnepfe“ erzählt hätte, ihr Ziel läge in die andere Richtung, sprach nicht wirklich für ihn. Entsprechend verhalten war die Unterhaltung, entsprechend war das Trinkgeld. Männer und Alkohol …

Guter Abschluss

Schon bei der vorherigen Tour hab ich den Abstellplatz meines Autos beinahe gestreift. Nicht nur die Sehnsucht nach dem Feierabend war groß, auch die Zeit schritt langsam voran. Ebenso die Müdigkeit. Von Pankow zurück nach Lichtenberg, möglichst viel durch kaum bewohntes Gebiet! Noch eine Tour musste an diesem Morgen eigentlich nicht … huch, da winkt einer!

Der Geldbeutel ist manchmal doch stärker als man selbst.

Ein etwas plüschig dreinguckender Endvierziger mit Halbglatze bedeutete mir mit einem freundlichen Sammelsurium an Gesten, dass ich ihm doch bitte den Beifahrersitz zurückstellen solle. Gegestet, getan und los ging es:

„In die WTF-wo-soll-die-denn-sein-Straße bitte.“

Meine Gedanken kreisten: Jetzt kommt’s gleich! Charlottenburg, Steglitz, Frohnau, Adlershof …

„Das is hier ganz um’s Eck, fast an der Indira-Gandhi-Str.!“

„Oh, super!“

Ungelogen, die Tour lag also direkt auf dem Heimweg. Da nimmt man ein paar Euro doch gerne noch mit. Zu arg viel Kommunikation war der Mensch nicht mehr fähig – obwohl nüchtern – er hat sich nur gefreut, dass wir uns „hier draußen“ getroffen hätten und ließ sich gleich an der Hauptstraße absetzen. Kurz war gar kein Ausdruck für die Tour, gerade einmal 5,20 € sind zusammengekommen. Als ich ihm diese Summe verkündete, wich der plüschige Blick kurz einer tiefen Sorgenfalte, ich stelle mir so den Blick eines Duracel-Häschens vor, wenn es merkt, dass die Batterie trotz allem nicht endlos Saft gibt. Ihm schien der Preis aber entweder zu niedrig oder zu krumm, keine Ahnung. Jedenfalls zückte er mit leichtem Unbehagen einen Fuffi.

Am Schichtende hab ich mit sowas ja mal gar kein Problem. Aber wie üblich folgte das Schönste erst noch:

„Machste zehne!“

Nach Teltow am Herrentag

Und als ich so an der Ampel stand, drehte er sich um und sah mein Taxi. Er stieg ein und fragte freudig:

„Ater, was geeeeeeeeeht?“

„Das selbe könnte ich dich fragen …“

„Fahr mich mal nach Teltow.“

„Das Teltow bei Potsdam?“

„Nee, fahr hier geradeaus!“

Deswegen fragt man ja. Er war knackig dabei wie ein Rudel frisch zubereitete Vollkorntoastbrösel und verstrickte sich bei seiner Angabe mehr und mehr in Widersprüche. Ich hab ihm klargemacht, dass ich mich im Umland aber sowas von keinen Fatz auskenne und so genau wie möglich informiert zu werden gedenke. Das Navi spuckte nämlich undankbarerweise nur das Teltow bei Potsdam aus. Allerdings war ich ja gerne bereit, ihn irgendwohin zu bringen, wo die Dörfer ähnlich heißen. Teltau vielleicht oder Deltow – was weiß ich schon? So ganz lupenrein war seine Aussprache auch nicht mehr …

„Aber es liegt sicher nördlich von Berlin?“

fragte ich ihn, da wir gerade die Greifswalder Straße hochgefahren sind.

„Ja Mann! Boah ey!“

„Haste mir vielleicht einen Nachbarort?“

„Ruhlsdorf!“

„Na dann geb ich das doch mal ein …“

Und siehe da: Mir ward umgehend ein U-Turn empfohlen. Also doch das (südwestlich von Berlin gelegene) Teltow bei Potsdam! In dem Moment war mir der Umweg, den wir bisher genommen hatten (Hin- und Rückweg gut je zwei Kilometer) egal. Er raffte offensichtlich gar nix mehr und ich bin nunmal nicht für alles verantwortlich. Ich war ja schon froh, dass wir vor Bernau auf diesen Fehler gekommen sind.

Ich hab mich mit ihm in deeskalierendem Smalltalk geübt und nebenbei ein paar Grundsätzlichkeiten herauszufinden versucht:

„Und, Geld haste genug dabei für die Fahrt? Oder sollen wir vorher noch an einer Bank anhalten?“

„Geld? Logo!“

„Naja, nach dem Feiern tauchen einige hier blank im Taxi auf, deswegen frag ich ja …“

„Kommt ja auch drauf an, was Du haben willst …“

„Lass mich rechnen … naja, so 40 € werden es sicher. Aber da ich ja noch nicht genau weiß, wo es hingeht, ziehe ich mal eine Obergrenze bei 50 €.“

„Fuffzsch issokeh!“

Er hielt mehrere Geldscheine zur näheren Betrachtung in der Hand, einer davon war ein Fünfziger. Na also! Tatsächlich beruhte meine Aussage noch auf der Strecke nach Ruhlsdorf, aber das hatte ich jetzt – ungefähr am Potsdamer Platz angekommen – auch vor zu ändern. Da ich ja jetzt wusste, in welches der vielen einen Teltows es gehen sollte, fragte ich nach einem Straßennamen:

„Ja, Teltow halt.“

„Kein Straßenname?“

„Ey, in Teltow gibt’s sowas nicht.“

„Da gibt es keine Straßennamen? Na dann aber sicher Nummern?“

„Nee, aber den Ruhlsdorfer Platz – da muss ich hin!“

Na also. Schwere Geburt mit allerlei Unwahrheiten, aber diese Adresse fand mein Navi umgehend. Noch dazu war die Strecke einen Kilometer kürzer als nach Ruhlsdorf. Alles würde gut werden!

Als wir an der Potsdamer Ecke Bülowstraße waren, öffnete er vorsichtig die Türe. Ich wunderte mich.  Hätte er kotzen müssen, wäre das nur der logischste Verlauf des Abends gewesen, aber es waren erst zwei Kilometer zurückgelegt, seit er meinen Gedanken, er könne vom Alkohol kotzen müssen, vehement und lautstark von sich gewiesen hatte.

„Äh, was machst Du da?“

„Ich steig hier aus, da fährt meine S-Bahn.“

Er guckte mich ungläubig an, als sei das das Selbstverständlichste auf der Welt. Ich hatte allerdings auch noch zwei Asse im Ärmel:

„Warte mal besser kurz: Erstens ist das hier eine U-Bahn und keine S-Bahn und zudem würde ich doch darum bitten, dass Du die Fahrt bis hierhin trotzdem bezahlst. Ich halte gerne hier an der Ecke, dann können wir zweiteres klären. Eine S-Bahn allerdings musst Du dir dann selbst organisieren.“

„Äh, na dann bring mich zur S-Bahn!“

„Also nicht mehr nach Teltow?“

„Nee Mann, das ist zu teuer!“

„Meinetwegen, mach ich gerne, ich sollte es halt nur wissen! Die nächste S-Bahn-Station, die mir einfällt, wäre die an der Yorckstraße …“

„Dann bring mich dahin!“

Ok -.-

Um die Länge der Fahrt ging es mir nicht. Ich hatte meinen Umsatz gemacht in dieser Schicht und die Aussicht, aus Teltow bis nach Lichtenberg heimzufahren, reizte mich kein bisschen. Aber wirklich sinnig war das dennoch nicht. Nicht in seinem Zustand. Egal, der Kunde ist König! Ich fuhr ihn kurz um die zwei Ecken und hielt am S-Bahn-Eingang der Station Yorckstraße.

„So, da wären wir. Das macht 19,40 €.“ (Umweg und so …)

Er reichte mir einen Zwanziger:

„19,40? Zwanzig!“

Ich steckte das Geld ein und warte. Er meint:

„Äh, krieg ich jetzt mein Geld?“

„Was? Ach das … sorry! Wenn die Leute Zwanzig sagen, dann meinen sie in der Regel, dass sie das als Trinkgeld …“

„Ja, aber bei zwanzig wären das …“

Ich merkte ihm das Grübeln an und reiche im 60 Cent.

„Sechzig!“

„Ja, hier.“

Man beachte meine Gutmütigkeit, das wäre schließlich ohnehin ein schlechtes Trinkgeld gewesen …

„Na dann noch einen guten Heimweg!“

„Ja, toll! Ich weiß ja nicht mal, wo ich hier bin …“

Sprach’s, machte die Tür zu und stand in der Gegend rum. Breit wie ein Frosch unter der Dampfwalze! Ich hab mich dann dennoch vom Acker gemacht. Wahrscheinlich hat er eine Viertelstunde später ein anderes Taxi angehalten.

Dass all das so kommen könnte, hätte mir früher bewusst sein können. Kleiner Rpückblick: Vor einer halben Stunde etwa fuhr ich über die Alexanderstraße an den Alexanderplatz heran. Ich beschleunigte etwas, um die grüne Ampel noch zu erwischen, da bemerkte ich den über die Fahrbahn schlurfenden Troll, den ich ohne weiteres über den Haufen geheizt hätte. Ich bremste, hupte aber auch. Einerseits natürlich aus Verärgerung darüber, dass ich jetzt warten müsste – andererseits aber auch verkehrsgerecht, um ihn auf die Gefahr hinzuweisen.
Er schlurfte weiter über die Straße und zeigte mir geistesabwesend den Stinkefinger. Als er die Ampel überquert hatte, blieb er mit dem Gesicht von mir abgewandt stehen. Für einen Moment dachte ich: Bevor der hier reinkommt, schließ ich das Auto ab. Jemand, der mir den Stinkefinger zeigt, hat eigentlich jedes Anrecht auf eine Beförderung verwirkt. Aber sollte ich wirklich? Oder nicht?

Und als ich so an der Ampel stand, drehte er sich um und sah mein Taxi …

Eilig und redselig

… und dann war da die junge Frau, die mich am Brandenburger Tor für eine Kurzstrecke heranwinkte. Das Auto sei kaputt, sie müsse dringend zum Hauptbahnhof, eigentlich sei sie ja rechtzeitig mit dem Bus, der aber – natürlich, hätte sie ja ahnen können – ausgerechnet heute wegen irgendwas nicht bis direkt und überhaupt: Ist es schon 23 Uhr???

Ich glaube es war ungefähr am Kanzleramt, als sie das erste Mal Luft holte.

Und während mir die Blicke sämtlicher Polizisten im Regierungsviertel folgten, weil ich mit quietschenden Reifen hinter der schweizer Botschaft verschwand, fand meine Kundin dann auch ein paar entspannende Worte: Sie musste gar keinen Zug erwischen, sondern holte nur jemanden ab. Meine Güte, und dafür so ein Aufstand? Wie bitte ist die Gute drauf, wenn es mal wirklich eilig ist?

Eine Minute vor der geplanten Zeit waren wir vor Ort. Würde mich nicht wundern, wenn der Zug noch ein Weilchen gebraucht hätte …