Sie haben es gesagt!

Wirklich! Als sie eingestiegen sind, haben sie so genuschelt, dass dabei eindeutig rauskam:

„We’re terrorists.“

Da das – auch wenn es Berlin ist – eher ungewöhnlich gewesen wäre, hab ich die beiden Mädels einfach wie normale Touristinnen behandelt. 🙂

Die Wege meiner Kunden mal wieder …

Man muss ja nicht immer den kürzesten Weg nehmen. Aber bei 4 Kilometern Umweg staune sogar ich immer noch ziemlich:


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Und ja: Es ist schon angenehm, das Adlergestell langzudüsen, wo stellenweise 70 km/h erlaubt sind. Bei vier Kilometern spart man aber nicht einmal mehr Zeit. Egal: Die Kunden sind die Könige und ich kann einen Fünfer mehr auch immer brauchen …

Ach, Ortskenntnis!

Meine Ortskenntnis ist ja nun sicher nicht die beste. Nicht schlecht dafür, dass ich erst sechs Jahre in Berlin lebe, für einen Taxifahrer dank meiner geringen Arbeitszeiten und meinem routinierten Griff zum Navi aber wohl auch nicht besonders. Im Vergleich zu so manchen Kunden jedoch …

Aber gut, die Situation war folgende: Ich war soweit „satt“. Ich hatte das Geld zusammen, das ich eigentlich einfahren wollte; und das sorgt bei mir dann schnell für Lust auf Feierabend. Dem Glücksspiel Taxifahren aber zugetan, mache ich die Fackel meist nicht aus, sondern nehme dann noch die Leute mit, die mich ranwinken.

In jenem Moment habe ich mich bereits recht sicher gefühlt. Ich hatte das belebte Friedrichshain hinter mir gelassen und folgte nun der Möllendorffsstraße in Richtung Norden. Nicht, dass Winker hier so selten wären an einem Samstagmorgen um vier Uhr – aber wo wollen die Leute schon hin. Nach Lichtenberg, Weißensee, Hohenschönhausen – vielleicht auch ein Stück zurück nach Friedrichshain. Alles soweit ok für mich, der ich nach Marzahn musste (ich konnte das Auto mit heim nehmen). Kleinvieh im Osten. Im „schlimmsten Fall“ bis weit raus, nach Ahrensfelde oder Hellersdorf. Aber das wäre immer noch näher an Zuhause gewesen …

Und dann steigt mir ein Typ ins Auto und möchte zur Beusselstraße. Das ist geradewegs nach Westen. Kann man sich hier auf der Karte anschauen. War für meine Feierabendpläne zwar unschön, auf der anderen Seite waren es mal schnell 20 € ohne Wartezeit. So lange ich nicht übermüdet bin, freue ich mich da dann doch.

Mein Fahrgast war eigentlich ein ganz lieber Kerl, leicht angetüddelt, aber bei weitem nicht das Schlimmste, was einem um die Uhrzeit vors Auto laufen kann. Er beschwerte sich ein wenig, dass ich ihm einen Preis von über 20 € ansagte, am Ende jedoch mussten wir ohnehin noch einmal wenden, weil er in der Zwischenzeit vergessen hatte, dass er nur noch einen Zehner dabei hatte und noch zur Bank musste. Ging also auch nicht ums letzte Ersparte. Bemerkenswert war jedoch, wie sehr er darauf beharrte, dass 20 € (am Ende dann sogar 22) zu viel seien und er damit gerechnet hatte, weniger zu zahlen. Schließlich wäre er ja bereits eine halbe Stunde (laut späteren Aussagen auch 20 Minuten oder eine Stunde) gelaufen, bis ich als erstes Taxi endlich gehalten hätte …

„Wo waren Sie denn vorher?“

„Na, inner Kneipe.“

„Wo genau?“

„Na hier, inner … wie heißt die Straße? Die Warschauer!“

Ähm ja. Herzlichen Glückwunsch! Hier kann man sich mal anschauen, wie weit er in welche Richtung gelaufen war …

Da war ich jetzt nicht wirklich schuld daran, dass die Fahrt über 20 € gekostet hat. 🙂

Übertreiber

Kleiner Dialog von der Rückbank …

„Eines muss man Litauen lassen: Sie haben angeblich die älteste Sprache Europas.“

„Und ganz Europa spricht litauisch …“

„Nee, Quatsch. Aber Litauisch soll die unverfälschteste indogermanische Sprache sein.“

„Jetzt reicht’s aber mal hier. Indogermanische Sprache dich selbst!“

„Was denn?“

„Ich hab echt nix dagegen, dass Du die FAZ liest, aber ‚indogermanische Sprache‘ auf’m Heimweg vom Club ist echt mal einfach ein krasser Übertreiber!“

Knast

Ich rede während der Arbeit viel mit Menschen. Bei meiner Zweitbeschäftigung schreibe ich. In meiner Freizeit lese ich nahezu ununterbrochen in allen nur erdenklichen Quellen. Ich denke, ich kann behaupten, dass ich die deutsche Sprache recht gut kenne. Nicht von der Struktur – da bin ich sogar eine ausgesprochene Null – aber vom Alltagsgebrauch her. Und man kriegt ja viel lustiges mit. Gerade, wenn man es viel mit Touristen zu tun hat, die die Sprache nicht so gut kennen. Oder gar mit Dialektsprechern. Das ist ein unfassbarer Quell der Freude und ich vergreife mich auch gerne mal an Formulierungen, die ich aufschnappe.

Manchmal aber weiß man wirklich nicht, was man davon halten soll. Mein erster Winker heute Nacht beispielsweise sagte immer wieder folgendes:

„Ich hab so Knast.“

Wirklich, ohne jeden Zweifel, er hat das auch ungefähr drölfzig mal in klarer Aussprache wiederholt. Dementsprechend war es auch nicht schwer, herauszufinden, was er genau meinte. Nämlich Hunger. Einen besonders schlimmen Hunger offenbar. Kennt jemand von Euch die Formulierung oder weiß, woher sie kommt? Wollte ich mal interessehalber fragen.

Also ich kenne „Knast“ nur als Begriff für Gefängnis. Dass man da irgendwelche Herleitungen für Hunger hinkriegen kann, ist mir klar. Aber ich hab’s wirklich noch nie in meinem Leben gehört. Nicht unter österreichischen Möchtegern-Gangstern und auch nicht unter Hamburger Polizeischulabsolventen. Eine der wichtigsten Quellen allerdings fehlt mir auch: Ich sehe nicht fern. Also: Hat jemand eine Ahnung?

Absicht, immerhin.

Der gestrige Abend war eigentlich komplett vom Fotoshooting für den Stern bestimmt. Das war ok, so hatte ich mir das auch gedacht. Und es war insofern in Ordnung, als dass ich mir die normale Taxi-Wartezeit als Verdienstausfall anrechnen konnte. Da sind schnell mal 45 € zusammengekommen, für mich wahrscheinlich mehr Geld als für die anderen Beteiligten.

Nein, im Ernst: Für ein Fotoshooting hat es Spaß gemacht, schon alleine weil Peter Rigaud ein unglaublich sympathischer Mensch ist. Sein Portfolio könnt Ihr hier sehen, ich kann nur hoffen, dass er aus den Fotos mit mir auch nur halbwegs sowas brauchbares rausziehen kann. Ich hab mich wie üblich auf den Vorschaubildern nicht sehr gemocht, aber da vertraue ich einfach mal dem Profi.

Danach ging’s zu meiner Lieblingshalte am Ostbahnhof, wo ich wider Erwarten keine bekannten Gesichter gesehen hab. Na, tolle Wurst! Da kommste gut gelaunt von einem Termin, von dem man den Kollegen angeberisch was vorschwärmen könnte und dann ist keiner da. 😉
Ich hab also gewartet. Und gewartet. In Wirklichkeit war es nur eine Dreiviertelstunde, aber so ohne Kollegen und noch ein bisschen euphorisch kam mir die Zeit sehr lange vor. Dann stand mein Fahrgast vor mir und bedankte sich gleich mal herzlich dafür, dass ich ihm den Koffer eingeladen habe. So viel Empathie kriegt man leider auch nicht immer entgegengebracht.

(Kurzer Einschub: Ich erwarte da gar nix, das Einladen von Gepäck ist etwas, das wir sogar laut Taxiordnung erledigen müssen. Aber ein paar nette Worte sind immer schön, auch wenn man nur seine Pflicht erfüllt.)

„Wo soll’s denn nun hingehen?“

fragte ich, während ich ihm schnell den Beifahrersitz zurückschob. Sein ebenso wie meiner nicht gerade zierlich geratener Körper rutschte aufs Sitzleder und sein Mund meinte, er müsse nach Dahlwitz. Keine drei Sätze später war klar, dass er ins Hotel Hoppegarten Berlin wollte. Was mich immer skeptisch werden lässt. Ich will dem Hotel nicht das „Berlin“ im Namen madig machen, aber meiner Erfahrung nach landen da meist junge Touris, die von günstigen Preisen geködert vor Ort etwas irritiert feststellen, dass es von dort aus „nach Berlin“ – also ins Zentrum – noch mehr als nur ein ganzes Stückchen ist.

So war es dieses Mal Gott sei Dank nicht! Mein Kunde war ein ehemals in Berlin lebender, kundiger Besucher, der ohnehin außerhalb zu tun hatte. Und nicht das erste Mal dort übernachtete. Sowas hebt die Laune gleich ungemein, denn normalerweise fangen die Fahrten zu diesem Hotel für mich eher mit einer bestürzten Nachfrage an, ob ich das mit den 25 € Fahrtkosten auch ernst meinen würde. Mein jetztiger Fahrgast aber erfreute mich mit Ortskenntnis, bester Laune und einer Gesprächsbereitschaft, die ihresgleichen suchte. Wir haben uns die ganze Fahrt über unterhalten über Berlin, die Ost-West-Geschichte, seine und meine Zeit in der Stadt. Die Fahrt verging wie im Fluge und es war deutlich angenehmer als mit irgendwelchen Touris, die schon vier Kilometer vor der Stadtgrenze glauben, ich würde sie übers Ohr hauen. Eine der klassischen Touren, die ich zwar eigentlich liebe, die für GNIT aber nur wenig hergeben. Das einzig Außerplanmäßige war tatsächlich, dass er sich dieses Hotel freiwillig ausgesucht hatte …

Danach bin ich dann direkt heimgefahren. Keine Lust, nochmal zu warten, genug Umsatz für meinen „halben Donnerstag“ und eine Menge Gedanken im Kopf zur erwartbaren Reaktion anderer Medien auf mein Stern-Interview, dass nun wohl bald mal veröffentlicht werden wird.

Das hat zugegebenermaßen nicht viel mit dem Taxi-Alltag da draußen zu tun. Das ist nun schon wirklich ein etwas speziellerer Schichtverlauf, der so hauptsächlich mir passiert. Und das ist toll und besser als Langeweile. 🙂

Nun der zum Datum passende Teil: Wir haben den ersten November und Ihr habt gestern entweder Kindern Süßigkeiten geschenkt oder Euch gegenseitig mit gruseligen Klamotten erschreckt. Ich war arbeiten. Und das vor allem, weil ich das Geld brauche. Trotz Stern-Interview und toller Dahlwitz-Fahrten ist das alles immer irgendwie am unteren Rand des Möglichen. Ich halte GNIT so werbe- und nervfrei wie möglich, aber die ganze Schreiberei kostet Zeit. Deswegen möchte ich hier den zweifellos überwiegend guten Seelen unter meinen Lesern so kurz vor meinem Geburtstag am 12.11. nochmal nahelegen, mir vielleicht etwas von meiner Wunschliste zu schenken.
Ebenso gut, dafür mit keinen Zusatzkosten verbunden, wäre die Option, die diesjährigen Weihnachtsgeschenke für die eigene Familie über meinen Amazon-Ref-Link zu kaufen. Ich weiß, ich bitte nicht als einziger darum, aber mit Sicherheit als der Netteste.
Oder der Ärmste, je nachdem, wo Ihr so lest. 😉

Das ist auch kein Gemecker, denn Ihr wart bislang wirklich verdammt gut zu mir. Leser wie Euch wünschen sich sicher die meisten Blogger. Aber ja, ich bin noch nicht so weit, dass ich auf diese Bitte ganz verzichten könnte. Hab Euch aber lieb, egal wie Ihr euch entscheidet. 🙂

Gute Tage

Dass ich mich über das gute Trinkgeld der beiden Russen so gefreut habe, ist denke ich verständlich. Es ist wirklich selten, dass die Menschen so viel Trinkgeld geben. Allerdings trifft das auf den vergangenen Sonntag gar nicht zu. Am Ende der nur halben Schicht sollte das gerade einmal das dritthöchste Trinkgeld bei 5 Fahrten gewesen sein. Und damit quasi unterdurchschnittlich.

Platz 1 war eine Lesertour. Das macht sie für mich nicht schlechter, sondern im Gegenteil besser – aber es verfälscht die Statistik natürlich ganz ordentlich, wenn ich jemanden mitnehme, der mir entweder noch fürs Bloggen danken will oder sich zumindest im Vorfeld schon total viele Gedanken übers Taxifahren und die Umstände des Taxifahrers gemacht hat. Ich schreibe das hier ja nicht zum Spaß, in Wirklichkeit ist das hier natürlich nur Teil einer Gehirnwäsche, die vom Taxigewerbe initiiert wurde. 😉

OK, weg vom Offensichtlichen.

Angefangen hatte der gute Lauf schon zu Beginn. Eine Fahrt ins Berghain, ganz lässig Abends um 7 Uhr. Was man in Berlin halt so macht. Wir führten eine nicht viel über Smalltalk hinausgehende Unterhaltung. Wie lange wird gefeiert, wie lange arbeiten Sie, wie läuft das Geschäft? So weit, so gut, aber auch nur eine Tour wie zig andere. Gleich von der Straße weg, 5 Minuten nach Losfahrt, in die „richtige“ Richtung, alles gut. Aber dass er dann die aufgelaufenen 9,80 € – ebenso wie eine Stunde später die Russen – mit glatten 15 beglich, war beeindruckend.

Wenn man trotz eines Nichtgebers am Ende pro Tour etwas über 5 € bekommen hat, dann geht man auch als Taxifahrer mal zufrieden nach Hause. 🙂