Nich‘ anners

Manchmal fragt man sich ja, was für einen Satz ein Betrunkener eigentlich so im Kopf hatte, bevor er einem vorlegt, was er noch aussprechen kann. Ich freute mich derletzt über einen bestimmten Fahrgast, der mir für seine Tour von 8,80 € einen Schein hinhielt und sagte:

„Tschuljung, hab’s nich‘ anners!“

Ich erwartete einen Fünfziger, den ich zu der Zeit aber locker hätte wechseln können. Stattdessen fand ich in meiner Hand einen Zehner vor.

„Weisse, stimmso!“

Äh!? Und was war jetzt das Problem?

Falscher Fuffziger

Falschgeld ist natürlich ein Problem für uns Taxifahrer. Man ist ja doch ein bisschen beschränkt in seinen Möglichkeiten, Zeug mitzunehmen und zudem haben es ja sowieso immer alle Beteiligten irgendwie eilig. Arg viel mehr als ein flüchtiger Blick bleibt da kaum.

Auf der anderen Seite ist ein Taxi natürlich nur dann zum Loswerden von Falschgeld sinnvoll, wenn man viel Wechselgeld bekommt. Die Dienstleistung selbst ist ja eher flüchtig, somit gehe ich davon aus, dass die Produzenten von Blüten besseres zu tun haben, als umsonst Taxi zu fahren. Also ist Vorsicht bei Großgeld angesagt. Aber große Scheine sind sowieso auch aus anderen Gründen kritisch betrachtet.

Nun hab ich beim Lebensmitteldealer meiner Wahl festgestellt, dass ich auch bei Kleingeld etwas besser aufpassen sollte. Dort wollte ich nämlich – wirklich unabsichtlich – unter anderem mit dieser Münze bezahlen, die ich aus meinem Portemonnaie herausgeangelt hatte:

Falscher Fuffziger, Quelle: Sash

Da man das Geld zu Recht nicht angenommen hat – schon alleine weil der Wert etwa 20 Cent statt der von mir vermuteten 2 € beträgt – muss ich wohl 2 € als Minus beim Trinkgeld verbuchen. Aber ich hab nicht einmal den Hauch einer Ahnung, von welchem Fahrgast in den letzten Wochen ich da beschissen wurde…

Ich werde es überleben 😉

Bestes Trinkgeld ever?

Leider nein. Allerdings wäre es das gewesen, wenn der Kunde sich nicht versprochen hätte:

„So, und dann wären wir bei genau 15 €.“

„Machen sie bitte sechzig.“

Ich hätte es ja gerne gemacht, aber leider meinte er natürlich sechzehn… 🙁

In letzter Zeit hatte ich allerdings mal wieder einige komische Trinkgeldgeber. Ich hatte die „Machen-sie-11,80-€“-Frau, die wie immer genau einen Euro gegeben hat. Dann hatte ich einen ganz sonderbaren Typen, der sich nicht entscheiden konnte:

„Machen sie 16. Ach nein, sie können auch 16,50 € machen. Ist aber blöd mit dem Wechselgeld. Machen sie gleich 17. Aber 16 wäre schon auch ok, oder? Ach jetzt rede ich hier rum, machen sie 17 oder irgendwas in der Art…“

Ein paar trinkgeldlose Fahrten hatte ich natürlich auch, insbesondere die Flughafentour für 29,80 € war hart. Der Rekord dagegen liegt bei 7,40 € von einer Vorzeigerentnerin, die ich von einer Tagesreise heimgefahren habe.

Alles in allem hat es aber gepasst, die üblichen 10% sind es am Ende geworden…

Ey!

Mit dem Wechselgeld hatte ich eigentlich noch nie ernsthafte Probleme. Ob das daran liegt, dass ich im Kopfrechnen halbwegs fit bin oder meine Kundschaft unter akuter Ehrlichkeit leidet: Ich weiss es nicht. Seit meiner ersten Woche befolge ich eisern den Rat einer Kundin aus der Gastronomie, nie das Geld der Kunden einzustecken, bevor sie das Rückgeld erhalten haben. Damit erübrigen sich die „Ich hab dir aber’n Zwanni gegeben“-Geschichten, die ja einige durchaus als Masche durchziehen sollen.

Und komischerweise hat sich auch nie jemand übers Rückgeld an sich beschwert. Denn die oben genannte Sicherheit im Kopfrechnen ist die Aussage eines überheblichen Abiturienten, dessen Mathenote bei einem Punkt lag. Genau genommen habe ich diesen Punkt im Übrigen erhalten, da just bei meinem Jahrgang eine Textaufgabe in der Prüfung enthalten war, die man eins zu eins aus der erlaubten Formelsammlung abschreiben konnte. Aber gut, genug von mir!

Neulich war ein Kunde dann tatsächlich mal beim Bezahlen fast in Rage geraten.

Die Fahrt kostete 20,20 € und der Kunde reichte mir erstmal einen Zehner. Dann legte er einen Euro nach, reichte noch einen weiteren und grinste mich in seiner Trunkenheit selig an:

„Hier haste noch’n Euro uffe Hand…“

Ich hab meine Hand weiter aufgehalten. Fand ich auch gar nicht so verwunderlich, hatte er doch offensichtlich vergessen, mir einen Zehner zu geben. Zumindest fehlten zum eigentlichen Fahrtpreis noch 8,40 €.
Ich hab ihn fragend angesehen. Nur kurz – bevor ich was sagen konnte. Da hatte er aber schon seine Augen zusammengekniffen und weit ausgeholt:

„Ey Meister! Ick hab dir hier schon ’n Euro uff de Hand jejehm!“

Man hat richtig gemerkt, wie er ausholen wollte zur großen Rede über die unerhörten Taxifahrer, die sich nicht mit dem Trinkgeld zufrieden geben wollen.

Da hab ich ihn dann erlöst 🙂

„Dafür will ich mich auch bedanken, aber einen Zehner bräuchte ich trotzdem noch…“

Seine Reaktion war immerhin süß:

„Ach Meister! Wenn dit alles is! Ick denk hier sonstwat…“

Donald und das Gift

So, das Wochenende bietet erfahrungsgemäß wenig Zeit zum Bloggen – aber eine Fahrt vom Freitag muss ich dringend noch unter die Leute bringen. Ich hatte eine frühmorgendliche Ostbahnhof-Kurzstrecke für nicht ganz 6 € zur Warschauer Straße hinter mir. Da hab ich dann beschlossen, mal einen Blick in die Revaler zu werfen.

Das hätte ich mir vielleicht besser erspart. Wenn man morgens als Taxifahrer durch die Revaler Straße in Friedrichshain gurkt, dann kann man einiges erwarten. Eine bunte Mischung an Partygängern aus verschiedenen Clubs watschelt über die Straße, und insbesondere der Beleuchtung wegen ist es eine der Straßen, wo ich die erlaubten 50 km/h eigentlich nie ausreize.

Ich war also auf der Suche nach irgendeinem verstrahlten Pärchen, das heim nach Kreuzberg wollte. So in etwa stellte ich mir die Fahrt vor. Die Nacht war bis dato fantastisch gelaufen, dank etlicher Leute auf der Straße wollte ich gar keine lange Tour in einen Außenbezirk, sondern möglichst eine 10€-Tour, die mich nur 10 Minuten kostet, um dann gleich weiterzumachen, wo ich dann lande.

Statt feierwütiger Clubgänger erspähten meine Augen Donald Rumsfeld. Ich nehme zwar an, er war es nicht wirklich, aber er sah so aus. Von den Haaren über die Brille bis zum Körperbau sah er diesem nicht sehr sympathischen Amerikaner sehr ähnlich, er trug einen Trenchcoat und stand so bekloppt auf der Straße, dass ich es kaum beschreiben kann. Nicht nur, dass er mittig die Fahrbahn versperrte, er stand auch mit ausgebreiteten Armen, jedoch stark zu seiner Rechten geneigt, einfach recht reglos im Weg.

Zunächst wollte ich vorsichtig vorbeifahren, doch er versuchte mir den Weg zu versperren. Nicht, dass ich das sonderlich toll fand, aber ich hab dennoch mal das Fenster an der Beifahrerseite runtergelassen und abgewartet, was er zu sagen hatte. Und was er zu sagen hatte, hätte irritierender kaum sein können. Insbesondere in Kombination mit dem Wie!

Während er die Arme weiterhin ausgebreitet ließ, beugte er sich seitlich herunter und nuschelte aus einem Mundwinkel mit sonst fast starrem Gesicht:

„Brings‘ mich Krankenhaus? Gift!“

„Wie bitte?“

„Brings‘ du mich Krankenhaus. Gift!“

„Wie, Gift?“

„Jemand hat mich vergiftet!“

Na heilige Scheiße. Wat machste nu?

„Äh… welches Krankenhaus denn?“

„Is egal, bring mich nur ins Krankenhaus! Irgendeins!“

Etwas überfordert bin ich die Optionen durchgegangen. Notarzt wäre vielleicht nicht unsinnig gewesen, aber mir fielen auf Anhieb 3 Krankenhäuser in 10 Minuten Umkreis ein. Also bei optimistischer Auslegung der Verkehrsregeln. Ich hab mich für das Klinikum im Friedrichshain entschieden, weil es am günstigsten zu erreichen war, und ich da zudem schon mal an der Rettunsstelle war, und die nicht erst hätte suchen müssen.

Donald kraxelte ins Auto, ziemlich steif, die Arme nach wie vor mehr oder minder ausgebreitet. Ging aber erstaunlich gut. Sah halt völlig bekloppt aus. Ich war mir ziemlich sicher, dass er einfach betrunken ist und vielleicht einen Hexenschuß in Kombination mit Paranoia hat – also nix wirklich ernstes. Aber man weiss ja nie. Während den etwa 3 Minuten, die ich von der Revaler bis zur Mühsamstraße etwa gebraucht habe…

(Hier dürfen die Tagfahrer ein bisschen weinen)

…hab ich versucht, ein paar nähere Infos aus ihm herauszubekommen. Wo er war, wer ihn vergiftet hat, was ihm eigentlich fehlt. Die Antworten waren weitgehend wertlos. Vielleicht war er ja doch wenigstens Politiker. Er war was trinken. Wo, weiss er nicht, ebensowenig wer ihn vergiftet habe. Er könne sich nicht mehr bewegen. Ins Krankenhaus. Schnell!

Irgendwann meinte er dann noch, ihm sei schlecht. In meinem Kopf spukten Gedanken umher, wie es aussehen muss, wenn der Kerl mit erhobenen Armen messiasgleich neben der Straße beginnt, sich von seinem Essen zu verabschieden. Ich konnte den Gedanken allerdings bei weitem nicht ausreichend genießen.

Da sackte er plötzlich mit einem Stöhnen in sich zusammen und fragte, wo wir wären und wo wir hinfahren.

„Äh, wir sind auf der Petersburger. Ich biege jetzt da vorne an der Landsberger links ab und dann sind wir gleich am Krankenhaus.“

„Fahr mich mal zur S-Bahn!“

„Wie jetzt? Kein Krankenhaus?“

„Nee, lass mal. Geht schon wieder.“

„Geht schon wieder? Ich dachte, sie wurden vergiftet!“

„Ja, vielleicht. Aber geht schon wieder. Ich hab ja schon oft zu viel, aber sowas… wow!“

„Ja… wow…“

Ich hab ihn dann auf vermehrtes Drängen hin zum S-Bahnhof Landsberger Allee gebracht. Dort angekommen hatte ich 7,60 € auf der Uhr und der Kerl war eigentlich immer noch ziemlich verstrahlt. Aber wahrscheinlich waren es eben doch nur 3 Bier zu viel. Naja, vielleicht 4.

„Wat krissn?“

„7,60 €.“

„Ok.“

Er kramte in seinem Geldbeutel und förderte einen Fünfer zu Tage. Er begutachtete ihn und meinte:

„Zu wenig.“

Da war was Wahres dran. Er nestelte weiter in seinem heiligen Lederbeutel, öffnete das Kleingeldfach und sagte:

„Auch zu wenig.“

Dann sank er grinsend in sich zusammen. Da er erst einmal keine Anstalten machte, diesen Zustand zu ändern, fragte ich ihn, was nun sei. Plötzlich strahlte er übers ganze Gesicht, so als hätte er irgendwo im Hinterland geheime Massenvernichtungswaffen gefunden und verkündete:

„Haha! Jetz‘ kommt die Schummelkasse!“

Er öffnete das „Geheimfach“ an seinem Portemonnaie und sah mich mit herunterhängenden Mundwinkeln an:

„Auch leer…“

Na meine Fresse! Ist ja klar! Ich scheine die Bekloppten ja mal wieder anzuziehen. Eine Minute später war nicht nur meine Geduld zu Ende, sondern er hatte auch noch mehr oder minder glaubhaft versichert, dass auf der Bank nix zu holen sei. Also was tun?

Entweder ich hole die Cops, und in einer Dreiviertelstunde bin ich hier weg. Dann krieg ich irgendwann meine 2,50 € überwiesen und wir sind alle genervt. Oder…

„Na komm, hau ab!“

„Ehrlich?“

„Pass mal auf: Ich mach den Job, um Geld zu verdienen. Und wenn ich das von dir nicht krieg: Die da vorne am Hotel sehen aus, als könnten sie ein Taxi brauchen. Ich hab jetzt keinen Bock auf großen Stress, also haste mal Glück gehabt. Begeistert bin ich nicht, aber du versaust mir meinen Umsatz mehr, wenn wir jetzt um die Zwofuffzich einen Aufstand machen. Also hau ab!“

2,50 € für eine gute Geschichte. Nicht schön, normalerweise gibt es die umsonst. Aber entweder ich zapfe meine 27 € Trinkgeld für den Quatsch an oder ich lass mir die Kohle als Fehlfahrt gutschreiben. Ist ja kein Weltuntergang. Da ich nach der Tour aber noch mal zackige 50 € Umsatz in den letzten eineinviertel Stunden gemacht habe, sollte auch Cheffe mir diese Nachsicht verzeihen können 😉

Es kann so einfach sein…

Wenn es immer so laufen würde, bräuchten wir uns nicht dauernd Diskussionen in den Kommentaren über das Thema liefern:

Bereits kurz nach dem Start in die Schicht hat sie mich an der Warschauer Straße rausgewunken. Eine Kurzstrecke, kein sonderlich kompliziertes Ziel, und binnen Sekunden waren wir am Reden über dies und das. Eine nette Tour zum Schichtbeginn, könnte immer so laufen. Gut, sollten der Länge wegen dann immer so zwischen 30 und 50 Touren täglich sein 😉

Als wir ankamen, fragte sie mich:

„Sagen sie, könnten sie einen 50er wechseln?“

Irgendwas ist ja immer.

„Ja, könnte ich.“

„Also wenn es ihnen lieber wäre, dann würde ich kurz in die Bar wechseln gehen.“

„Es wäre mir tatsächlich lieber, es ist meine erste Fahrt. Aber nur, wenn es keine Umstände macht.“

„Kein Problem, ich lass ihnen meine Einkäufe als Pfand da!“

So, dieses Mal hatte ich Glück und musste nicht wechseln, das nächste Mal ist es vielleicht wieder ein Kunde. Es kann so einfach sein, wenn man mal ehrlich ist…

Maximum

Derletzt war das Thema Wechselgeld hier ja schon Grund, bzw. teilweise auch nur Aufhänger für eine Diskussion. Die will ich zumindest im Auto ja gar nicht aufkommen lassen. Allenfalls eine Nachfrage, ob es nicht doch etwas kleiner geht, bringe ich an – und es ist mir erst einmal passiert bisher, dass ich zu wenig Wechselgeld hatte, und es dann tatsächlich schwierig wurde. Glücklicherweise kein Problem, aber tatsächlich über die Grenze des Unverschämten hinaus war dann neulich folgendes:

„So, hat ja prima gereicht mit der Kurzstrecke. Dann hätte ich gerne 4 €.“

„Ja hier, machste fünf, dann is‘ einfacher mit Wechseln.“

Ein Hunni. Na da kommt es auf den einen Euro ja auch wirklich an… 🙁