Prima Anfang

Und ich unterhalte mich angesichts des Verkehrschaos auf der Mühlenstr. noch mit einem Kollegen darüber, dass wir jetzt bitte nicht eine Tour vom Ostbahnhof zur O2-World bekommen. Mein Kollege fuhr alsbald nach Hastenichgesehen und ich stand dann da als erster.

Meine Kunden waren total panisch und wollten keinesfalls den Konzertbeginn verpassen, wo sie doch nun sooo spät dran waren…

Ich hab die Fahrt natürlich nicht abgelehnt. Ich habe nur versucht, in den Raum zu werfen, dass es unter Umständen zu Fuß sogar schneller sein könnte, da man als Fußgänger doch wesentlich weniger dazu neigt, sich schon auf einer mehrspurigen Straße zu stauen. Aber um sicher zu gehen, wollten sie mit mir mit. So denn! Nach exakt 4,00 € auf der Uhr habe ich sie an der Einfahrt des Parkplatzes rausgelassen, weil sie davon ausgegangen sind, jetzt zu Fuß doch schneller zu sein. Als hätte ich es geahnt.

Aber gut, ich war nur 500 Meter von meinem Lieblingsbahnhof entfernt. Also ein neuer Versuch! Und siehe da, keine 5 Minuten und ein heilloses Durcheinander später hatte ich wieder eine Kundin im Auto. Ich gebe zu, es wäre jetzt ein netter Gag gewesen, wenn sie auch zur O2-World gemusst hätte. Aber die Realität hat noch was besseres auf Lager:

Das Radialsystem! Liegt Luftlinie sogar nur 300 Meter vom Bahnhof weg!

Dank ungünstiger Wendemöglichkeit bin ich hierbei aber sogar auf 4,60 € gekommen. Ab da habe ich dann einfach beschlossen, dass mich ein paar Leute ranwinken. Was soll ich sagen? 9 Stunden, 183,30 €… war also mal wieder nur der Auftakt komisch 🙂

Schlüsselkinder

Dass die Samstagsschicht verdammt gut war, habe ich in den letzten beiden Einträgen bereits geschrieben und sogar Zahlen genannt. Nur unzureichend beschreibt es allerdings den Dusel der letzten Stunde der Schicht. Ich habe hochzufrieden nach dem Einfahren von rund 250 € beschlossen, ich nehme noch eine kurze Tour mit, um dann vielleicht über dem Silvesterumsatz zu liegen. Es war 6.30 Uhr, eine halbe Stunde lang hatte ich das Auto offiziell noch und ich habe es gerade gewaschen und getankt.

Am Ostbahnhof stieg mir dann nach wenigen Minuten tatsächlich eine Frau zu. Der Anfang war vielversprechend:

„Ist leider nicht wirklich weit…“

Na also, so wünsche ich mir das.

„Nach Köpenick in den…“

Nicht weit? Ich merke hier gerne noch mal an, dass die durchschnittliche Tour in Berlin zwischen 11 und 12 € bringt, und damit runde 5 km lang ist. Köpenick bedeutet runde 25 €…

Ich hab kurz überlegen müssen. Klar, alle Kollegen hätten sich gefreut, wenn ich ihnen die Tour geschenkt hätte, aber ich finde es eigentlich nicht nett, Kunden weiterzureichen, weil es einem nicht passt. Zudem hallte mir im Kopf, dass mein Tagfahrer mal gesagt hat, er fange Sonntags sowieso frühestens 8.30 Uhr an. Und naja… es war zwar kalt, aber er kommt  mit dem Auto zur Übergabe. Will heissen: Wenn er 10 Minuten warten muss, dann wird er mich deswegen auch nicht hassen. Also auf nach Köpenick!

Die Fahrt war unspektakulär und geprägt durch das Redebedürfnis meines Fahrgastes. Sie kam aus dem Skiurlaub und hatte einige nette Anekdoten zu erzählen, wie beispielsweise die, dass sie sich mal „versehentlich“ bei einem Mountainbike-Extreme-Race angemeldet hat, und das dann auch durchgezogen hat, weil sie „nun eh schon da war“. Ist jetzt aber eine stark vereinfachte Version…

Naja, schließlich machte ich mich wieder auf den Rückweg und hoffte, das Auto so gegen 7.20 Uhr abstellen zu können. An der langen Brücke dann: Winker. Ich hab mit mir gerungen, aber immerhin war die Fahrtrichtung stadteinwärts, also wie schlimm sollte es kommen?

„Nach Altglienicke, bzw. Schönefeld…“

OK, ich werde mich meinem Ziel also eher spiralförmig annähern. Zwei Partygänger auf dem Heimweg, beide eigentlich recht nüchtern. Das könnte allerdings auch daran gelegen haben, dass sie bereits seit mindestens einer halben Stunde zu Fuß unterwegs waren und auf ein vorbeifahrendes Taxi gehofft haben. Auch diese Fahrt verlief ganz reibungslos und toll, allerdings kam die Wende ca. 200 Meter vor dem Ziel:

„Wie, du hast deinen Schlüssel nicht dabei?“

„Ja nee, im Ernst…“

Also durfte ich wenden, und die beiden wieder nach Köpenick fahren. Nix war es mit Spirale. Ich komme wohl einfach nicht mehr an. Schließlich wollten sie danach wieder nach Altglienicke…

Bemerkenswert übrigens folgendes Dialog-Kleinod:

„Och, das war jetzt aber auch wieder… ne, Häschen?“

„Wie, warum bin ich denn jetzt…?“

„Ey, na klar bist du Häschen!“

Unterwegs haben sie dann beschlossen, dass Häschen die Dame bereits wieder fahrtüchtig ist, und meine Dienste nur bis zu ihrem Auto (wo der Schlüssel sich so oder so befand) benötigt werden. Sonderlich wehgetan hat das auch nicht, obwohl ich mich natürlich gefreut hätte, die 300 € Umsatz zu knacken. Um die Fahrtüchtigkeit schien es ja auch nicht so schlecht bestellt zu sein, sodass ich nicht interveniert habe – was sowieso immer nach Geschäftemacherei aussieht.

Und wie bereits geschrieben habe ich dann nach 12 Stunden mit 297 € das Auto um 8 Uhr abgestellt. Mein Tagfahrer war noch nicht mal da, es gibt also nichts, was ich zu bereuen hätte 🙂

Das kratzt am Selbstbewusstsein

Die Kunden haben die freie Fahrzeugwahl. Das ist eine in meinen Augen sinnvolle Regelung in der Taxiordnung, die für eine gewisse Kundenfreundlichkeit garantiert. Schließlich kann man so spätestens nachdem sich der gewünschte Fahrer als Depp geoutet hat, ein anderes Taxi nehmen. Oder man kann sich für sein sauer verdientes Geld den Luxus einer Fahrt im Mercedes statt im Dacia gönnen, bzw. auch mal würdigen, wenn Fahrer ihr Auto gut in Schuss halten.

Gut, es gibt aus unserer Sicht auch Nachteile. Klar. Kunden wählen das Auto oft aus Unwissenheit oder vermeintlichem Wissen nach kuriosen Maßstäben. Und natürlich ist es nicht schön, wenn man wegen eines hässlichen Pickels auf der Stirn als erster in der Reihe ständig übergangen wird.

Aber im Großen und Ganzen ermutigt es uns Fahrer, den Kunden was zu bieten. Ob das nun ein ordentliches Auto, ein gepflegtes Erscheinungsbild unser selbst oder das Präparieren für bestimmte Klientel bedeutet: Unser Ding!

Neulich hatte ich allerdings den wirklich fiesen Fall, dass ich in einer schlechten Nacht mehrfach übergangen wurde. Das passiert öfter, aber so auffällig war es noch nie.

Ich bin gerade nach zwei Stunden erfolglosen Wartens vom Ostbahnhof weggefahren. Keine Züge mehr, zu viele Kollegen da und sowieso nichts los. Bitter. Nach ein paar Minuten Herumgurken vor diversen Kneipen habe ich mich ans Matrix gestellt. Vor mir 2 Mercedes. Nach ein paar Minuten fährt ein Kollege aus unserem Betrieb – auch mit einem Mercedes – hinter mir ran. Kurz darauf löst sich aus dem Club eine „große“ Traube Menschen und ich freue mich, da ich das einzige Großraumtaxi bin, und man damit durchaus recht gute Chancen vor dem Matrix hat, als erster wegzukommen. Pustekuchen!

Alle 3 Daimler sind besetzt weggefahren und ich stand weiter da. Aber gut, alles nicht so wild. Dass aber mein Kollege nach einer Viertelstunde wieder hinter mir landete, und das nächste Mal wieder vor mir weg war, DAS hat echt wehgetan 😉

Vielleicht liegt es ja doch am Dachschild…

Dicke Hupen!

Ich bin kein Autofahrer, der sonderlich impulsiv reagiert. OK, als Ausnahme sei genannt, dass ich zu Metal sicher 5% schneller unterwegs bin als zu HipHop-Musik. Aber das war es schon!

Ich vermeide es, in psychischen Extremsituationen zu fahren, und so albern das klingt, so gut finde ich das auch prinzipiell. Aber nun das…

Die Schicht hat bescheiden angefangen, nach der zweiten 5€-Tour zuckelte ich durch den Boxhagener Kiez und kam an eine Ampel. Sie zeigte Grün, und bei dieser Ampel habe ich das Gefühl, sie zeigt immer Grün, wenn ich komme – obwohl es eine Nebenstraße ist. Nun stand an der – grünen – Ampel ein BMW. Und er blieb stehen. Die Insassen starrten soweit ich sehen konnte nach vorne, und so standen sie da. Friedlich, unspektakulär und dem Sash im Weg.

Ich näherte mich langsam – so wie es sich für eine 30er-Zone gehört und wartete auf ein Losfahren des Autos. Nix. In aller Regel hab ich höchstes Verständnis dafür, wenn Leute gerade dringend was suchen oder nach hastigen Annäherungen noch Körperteile sortieren müssen. Diese Gelassenheit ist wohl Nachtfahrern zu Eigen, da eine Ampelphase hier in der Regel auch nur für ein Auto reichen muss. Nachdem ich aber inzwischen hinter dem Wagen zum Stehen gekommen bin, und die Insassen allen Anscheins nach immer noch das übersichtlichste Nichts aller Zeiten zelebrierten, wollte ich nur noch eins:

Sie daran erinnern, dass das ein Fahrt- und kein Standweg ist: Dicke Hupen!

Und jetzt tut das Ding nicht! Ich will einmal im Jahr hupen, und dann tut die Hupe nicht! Wie beschissen kann eine Schicht denn bitte anfangen? 😉

Ich meine, ich kann offensichtlich mit dem Verlust der Hupe besser leben als mit dem der Bremsen – aber mir war nicht einmal bewusst, dass sowas wie eine Hupe tatsächlich kaputtgehen kann…

Ich hab dann – was irgendwie peinlich wirkt, aber sehr sozial ist – die Lichthupe genommen. So hat er es noch bei Gelb rübergeschafft, und ich… naja, immerhin hatte ich freie Sicht auf die Kreuzung.

Nachtrag:
Als ich diesen Eintrag geschrieben habe, ist mir aufgefallen, dass ich meinem Tagfahrer gar nicht Bescheid gesagt habe deswegen und hab ihn angerufen. Und das Fazit: Irgendwie ist unser Auto wie Windows…

„Det hat der öfter. Det is nach’n Neustart, da jeht det wieder!“

Irgendwas ist doch immer…

Ich kann mich über den gestrigen Abend nicht wirklich beschweren. Trotz meiner gelegentlich aufkommenden Müdigkeit bin ich weitestgehend fit bis 6 Uhr morgens unterwegs gewesen, und wenn ich dann auch noch meinem schlauen Buch entnehmen kann, dass ich über 200 € Umsatz gemacht habe, dann sollte man das doch als guten Tag abtun können…

Mache ich auch!

Es war eine wahnsinnig angenehme Schicht mit eigentlich ausschließlich netten Kunden. Eigentlich schon fast wieder zu nett, denn denkwürdige Geschichten lassen sich der Schicht echt nicht entlocken. Die Kunden waren freundlich und höflich, die Gespräche nett und es ist nicht einmal eine Tour von der Länge her aufgefallen. Von Kurzstrecke bis 18,20 € war alles dabei. Gut, zufällig haben sich am frühen Abend 5 Fahrer unserer Firma direkt hintereinander am Ostbahnhof getroffen – aber das war quasi schon das Highlight!

Nun mecker ich aber im Subtext (sowie auch in der Überschrift) immer noch. Was ist los?

Mein Rucksack ist weg! „Geklaut“ will ich nicht einmal schreiben, denn es könnte auch ein Versehen beim Gepäckausladen gewesen sein. Ich hab’s schlicht nicht mitbekommen – obwohl ich eigentlich immer mit am Kofferraum bin, wenn Kunden ausladen. Naja, jedenfalls hab ich beim Waschen des Wagens schonmal ein paar Sachen einpacken wollen, und dann war das Ding nicht mehr da…

Aber, um der Sache einen versöhnlichen Schluss zu geben: Es war geradezu das quadrierte Nichts darin. Ich wünsche mir ja fast, dass ihn jemand geklaut hat: Ein etwa 5 Jahre altes Asthma-Spray, 3 mit Margarine beschmierte Brötchen und ein bisschen Verpackungsmüll. Das war es. Selbst mein Deo hab ich gestern nicht im Rucksack gelagert. Schade um den Rucksack ist es, aber für meine Zwecke wird es wahrscheinlich ein ziemlich billiger als Ersatz tun, und somit ist der Schaden mehr als nur lächerlich. Naja, irgendwas ist ja immer…

Nach dem Feiertag: Niederschlag!

Es ist nicht einmal so, dass mich der Niederschlag, der in den Niederungen des Niederbarnim niederschlägt, niederschlägt. Sorry, war wohl so eine Art grammatikalischer Schlaganfall.

Der Regen ist nervig, aber meine Laune ist wirklich nicht deswegen mies. Klar, schlechtes Wetter sorgt immer auch für stressigere Arbeitsumstände. Aber dafür auch für mehr Kunden. Nein, der Grund ist ein ganz anderer: Die Kunden heute. Also nicht alle! Nicht einmal die Mehrzahl. Aber immerhin gleich zwei Truppen, die mich im Nachhinein so ankotzen, das glaubt ihr gar nicht.

Das erste waren drei Faschos. Ich kann gar nicht bestreiten, dass sie mir gegenüber nett waren. Warum auch nicht, ich sehe ja ordentlich deutsch aus. Von denen gibt es eigentlich nix besonderes zu berichten – mich hat einfach die Anwesenheit dieser Deppen genervt, und ich suche gerade noch nach einem Projekt, dem ich meine Nazi-Einnahmen spenden kann. Ich hab mir überlegt, dass das wohl eine einfache und vielleicht doch schöne Option ist. Klar, ich könnte solche Fahrten aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen heraus ablehnen. Das darf ich aber nicht, bringt mir also nicht nur Ärger mit den Töffeln selbst, sondern kann richtig ins Geld gehen. Warum also nicht das Geld unauffällig in eine Ecke umleiten, wo es mir lieber ist? Könnt ja in den Kommentaren schreiben, was ihr davon haltet, mit den Einnahmen irgendwelche sozialen Projekte oder so zu sponsoren.

Gut, direkt darauf kam dann aber die zweite Truppe – und bei der bin ich mir recht sicher, dass wir noch voneinander hören werden. War eine Gruppe von 4 Jugendlichen – von denen sich einer offenbar beim Skateboarden das Bein verletzt hat. Er hat den Rest überredet, ein Taxi zu nehmen – und ich stand gerade da. Sie haben gefragt, ob es zur Muskauer mit 7 € reicht, was ich bejahen konnte. Ob wir damit auch bis zum Kotti weiter könnten, fragten sie dann. Ich hab gesagt, dass es so in etwa passen müsste, und daraufhin sind sie gut gelaunt eingestiegen und haben sich bedankt, endlich mal einen netten Taxifahrer zu haben. Soweit kann ich das Standard nennen.

Einer der Kerle hat sich gleich mal unbeliebt gemacht, in dem er drei ernste Aufforderungen gebraucht hat, bis er seine Zigarette wieder ausgemacht hat. Ach ja, wir hatten uns in der Minute davor darüber unterhalten, dass Rauchen leider nicht erlaubt sei, aber man das die paar Meter ja auch gut hinkriegt. In der Muskauer ist der mit dem kaputten Bein dann ausgestiegen. Die anderen wollten nach wie vor zum Kotti, hatten aber plötzlich nur noch 5,40 € – aber das könne ich ja wohl auch machen. Das Ganze ging ein bisschen hin und her, und ich hab klargestellt, dass ich das nicht machen werde. Wir sind uns mit 7 € einig gewesen, das Rückgeld hätten sie selbstverständlich wiederbekommen, wenn es nur 6,60 € geworden wären – also warum das jetzt?

Der Eine fing dann gleich an mit „Ja, er könne das ja verstehen, er würde das als Taxifahrer auch nicht machen, aber eine Ausnahme sei doch sicher drin…

Ich hab dann gesagt, dass sie, wenn sie nur 5,40 € haben, gerne hier aussteigen können – es standen immerhin schon 5,60 € auf der Uhr – dass ich aber keine Lust darauf hätte, dass ich dann am Kotti nur noch 4,50 € kriege, wenn sie sich schon nicht an Abmachungen halten.

Genervt hat sie meine Hartnäckigkeit durchaus, und so war ich etwas erstaunt, als mir der eine von der Rückbank die 5,40 € in die Hand drückte, und meinte: „Naja, was soll’s? Du warst korrekt!“ Daraufhin hat der Rest der Bande das Auto auch verlassen. Nervige Tour, kommt vor, alles halb so wild. Dachte ich.

Wieder am Ostbahnhof habe ich dann – just als ich neue Kundschaft bekam – festgestellt, warum die Jungs so zufrieden ausgestiegen sind. Meine Kamera und mein Handy waren weg! Ich bin die Tour mit den Kunden noch gefahren und hab ihnen mein Problem erläutert – woraufhin sie mir kulanterweise (ich bin ihnen aber auch im Preis entgegengekommen) ihr Handy geliehen haben, um die Cops zu erreichen.

So ist mir ein guter Teil einer lukrativen Wochenendschicht dadurch flöten gegangen, dass ich mich mit der Polizei unterhalten habe, und nach Hause gefahren bin, um Handy und Karte zu sperren, sowie das weitere Vorgehen mit Ozie zu belabern.

Ich hab mir in den letzten 10 Stunden wirklich viele Gedanken zum Thema gemacht – weil es mich selbst ein wenig ärgert, wie sehr es mich ärgert. Ganz im Ernst: Wären das sympathischere Zeitgenossen gewesen, und es wäre nur mein Handy weg, dann hätte ich sicher den Teufel getan, und wegen so einer Lappalie die Cops auf den Plan gerufen. Aber das mit der Kamera nervt mich ungemein mehr. Nicht nur des Preises wegen – die ist ja noch nicht einmal abbezahlt – sondern weil ich sie inzwischen einfach ständig nutze und es einfach nicht einsehe, dass ausgerechnet ein paar Intelligenzbremsen wie die vier Jungs sich jetzt wunder weiss wie clever vorkommen. Wer ist denn bitte so dämlich, und beklaut einen Menschen, der gerade seinen Kumpel direkt vor die Haustüre gebracht hat? Ich weiss, wo er wohnt, wie er aussieht – wie schwer soll es schon werden, den Jungs Ärger zu machen?

Klar, ob ich auch nur eines von den Geräten wiedersehe, weiss ich nicht. Ich gehe eher nicht davon aus. Aber ob sich das gelohnt hat?

Naja, ich bin mal gespannt, wie es weitergeht. Ansonsten haben auch noch ein paar Kleinigkeiten nicht funktioniert, und die schöne Schicht war letztlich eben auch nur mittelprächtig dank des Zeitverlustes.

Ja, an dieser Stelle würde ich gerne ein paar Fotos des Einkaufs zeigen, aber das hat sich vorerst wohl erledigt…

Fühle den Rhytmus

Innere Uhren sind reichlich blöd!
Die wollen einfach nicht einsehen, dass man auch mal Nachtschicht arbeitet. Nun aber mal in Ruhe:
Ich bin eigentlich schon immer ein Gegner davon gewesen, seinen Tagesablauf nach einer Arbeit richten zu müssen. Mein Verständnis vom Sinn von Arbeit kommt da nur bedingt mit. Ich bin nämlich der Überzeugung, dass man nicht für seine Arbeit lebt, sondern eine Arbeit annimmt, um sich das eigentliche Leben finanzieren zu können. Nun habe ich mit der Aufnahme meiner Arbeit als Taxifahrer so etwas ähnliches wie einen inneren Konflikt, weil die Arbeit seitdem meinen Tag ganz enorm bestimmt. Im Gegenzug dazu mag ich den Job aber auch wahnsinnig, und er ist mir die geforderte Zeit wert, ja er stellt tatsächlich einen Anteil meines Lebens.
Die innere Uhr ist damit aber nur bedingt einverstanden. Ja, ich habe den ersten Monat noch „zu unregelmäßig“ gearbeitet, die Gewöhnung ist sicher noch nicht ganz da – aber es ist schon erschreckend zu sehen, wie schnell ich wieder bei einem normalen Tag-Nacht-Rhytmus gelandet bin. Obwohl Silvester aufgrund des Feier-Maximums um 0.00 Uhr eigentlich das perfekte Nachtschichtler-Fest ist, bin ich früh ins Bett gefallen und hab mal wieder zu kurz geschlafen. Das Ergebnis war: Ich habe den ersten Januar bereits um 11.39 Uhr begonnen und war Abends um Mitternacht totmüde. Das ist ein paar Stunden zuviel vom besten Rhytmus entfernt. Naja, jetzt habe ich so eine Art Mittagsschlaf gehalten und damit sollte es recht gut funktionieren, aber es ist schon seltsam. Aber grundsätzlich bin ich froh, dass ich keine wechselnden Schichten habe, sondern wenigstens bei der Nacht bleiben kann. Ob sich langfristige Veränderungen einstellen – man hört ja so allerhand über die Gemütsveränderungen, wenn man kaum Tageslicht abbekommt – das werde ich sehen. Ich denke, die ersten Monate ist man vor so etwas noch gefeit.
Vielleicht wird sich der ein oder andere wundern, dass ich mich so ausgiebig mit dem Thema beschäftige. Das hat aber auch einen guten Grund: Fast jede Nacht sehe ich Kollegen, die um 5 Uhr morgens am Taxistand kaum mehr durchs Hupen der Kollegen oder durch Fahrgäste geweckt werden können. Da ich meine Tätigkeit als Fahrer ernst nehme, und mir der Gefahr von 10 Stunden Fahren in Dunkelheit bewusst bin, glaube ich eben, dass ich am besten wirklich ausgeschlafen in eine Nacht starten sollte. Zugegeben, das „Früher Schlußmachen“ im Zweifelsfall gehört natürlich auch dazu!
So, und nun sitze ich eine Weile nach einem ausgiebigen „Mittagsschlaf“ um kurz vor 5 Uhr am PC und freue mich doch in erster Linie darauf, heute zu arbeiten. Ich habe mir für den Januar recht harte Ziele gesetzt, und jetzt will ich mal sehen, ob ich die auch schon im zweiten Monat umsetzen kann. Aber am meisten wünsche ich mir natürlich nette Fahrgäste – denn kein guter Rhytmus und keine guten Einnahmen können das Arbeiten so sehr versüßen wie die Leute im Auto!