Preiskämpfe am Taxistand

Ein kleines Sorry an den Kollegen, dessen Fahrt ich vorhin übernommen habe, wäre wohl angebracht. Ja, ich hab die Tour vom Ostbahnhof nach Erkner für 45 € gemacht – aber ich find’s ok.

Ich hatte mich zusammen mit einem Kollegen aus meiner Firma noch darüber gewundert, was in dem Taxi vor mir wohl vorging. Die dort eingestiegene Kundin saß schon seit drei Minuten im Auto und selbiges ist nicht losgefahren.

„Ist vielleicht was komplizierteres …“,

meinte ich noch. Und dann stieg sie aus und kam zu mir. Ich hatte durchaus Sorge, dass es irgendein ernstes Problem gab, aber es war nur, dass der Kollege für die Fahrt 70 € haben wollte. Nun, nach außerhalb sind die Preise frei vereinbar und ich wusste, dass 45 € kein Problem wären. Zumindest für mich nicht. Ich weiß nämlich auch, dass einige Chefs da draußen wohl ziemlich streng auf den Schnitt schauen und zwei Euro pro Kilometer geradezu vorschreiben. Wie bei so vielen Dingen geht meine Firma uns Fahrern mit sowas nicht auf die Nerven. Natürlich kann ich nicht mal eben für einen Zwanni nach Hamburg gurken – aber so lange ich (mehr oder weniger) am Monatsende auf einen Euro pro Kilometer komme, fragt niemand nach, ob ich für eine Fahrt einen Fünfer „zu wenig“ genommen hab.

Ich hab die Fahrt also angetreten, meinen Umsatz für die Schicht damit komplettiert, mit einer netten und absolut unproblematischen Kundin eine halbe Stunde Zeit verbracht und am Ende einen Fünfer Trinkgeld einstecken dürfen. Ich bin zufrieden. 🙂

Dass das dumm gelaufen ist für den Kollegen, tut mir leid. Ehrlich. Und ich will hier auch keine Werbung für Niedrigstpreise machen. Ich hab selbst oft genug Fahrten abgelehnt, die sich für mich selbst zwar gelohnt hätten, die ich aber meinen Chefs nicht zumuten hätte können. Und mehr zu verlangen ist ja auch legal. Hätte die Kundin mir 70 € geboten, hätte ich ihr sicher nicht gesagt, dass weniger auch reicht. Und ich ärgere mich heute noch über den Deppen, der beim Innungsfunk den Kurs gehalten und damit angegeben hat, dass er auch für 130 € nach Leipzig fahren würde, weil er ja sonst „in der ganzen Schicht nicht so viel verdienen“ würde. Dem Kunden entgegenkommen ist das eine, sich oder die Firma ruinieren das andere. Mein Schnitt stimmt am Monats- und damit meist auch am Tagesende – im Rahmen dessen allerdings freue ich mich trotzdem gerne über Touren wie die heutige. 😀

Perfekter Start

Die vergangene Nacht war laut einigen Kollegen eher so mittel. Insbesondere für einen Freitag. Aber ja: verlängertes Wochenende, Feiertag etc. pp. Wer feiert schon vier Tage am Stück? Natürlich ist das ein Ausnahmewochenende – und das nicht unbedingt positiv im Taxifahrer-Sinn. Ich jedoch hatte ausnahmsweise mal nicht die Arschkarte gezogen, sondern fast schon unverschämtes Glück. Und das begann mit der ersten Tour schon.

Der Fahrgast stand keine drei Kilometer nach meinem Start in die Schicht an der Haltestelle Landsberger Allee/Rhinstraße. Eine weite Leerfahrt in die Stadt blieb mir damit erspart.

Ich hätte ihn fast übersehen, denn seine Ambitionen zu winken hielten sich in Grenzen. Nach einem kurzen Zurücksetzen um ein paar Meter fanden wir dann aber doch zueinander. Sein Fahrtziel lag in Baumschulenweg. Wow! Ich schätzte ziemlich korrekt ein, dass es sich um eine gute 20€-Tour handeln würde – sowas nimmt man gerne mal auf dem Hinweg zur Arbeit mit. 🙂

Mit dem Mann ins Gespräch zu kommen war schwierig, also ließ ich es nach zwei Minuten sein. Ich hoffte, er wäre nicht verstimmt, das ist ja immer so schlecht einzuschätzen, wenn man nicht miteinander redet. Ein paar Kilometer weiter stellte ich allerdings fest, dass er eingeschlafen war. So gesehen also kein Problem: Wer müde ist, spricht halt wenig.

Der Kunde verharrte zusammengesunken die ganze Fahrt über und gab nach meinem Hinweis, dass wir gleich da seien, nur ganz am Ende ein paar Anweisungen, wo ich zu halten hätte. Die Uhr zeigte 21,60 € an und der Kilometerschnitt war grandios. Perfekt wurde dieser Start dann aber durchs Bezahlen:

„Hier bitte. Ich danke ihnen!“,

verkündete er. Das war nicht so ganz eindeutig, also schob ich fragend nach:

„Oh, äh, danke?“

„Ist gut so. Gute Nacht.“

Und so hab ich die 30 € dann eingesteckt …

Wellenlängen und Einheiten

Ich hab’s nicht so mit der „High Society“. Da gibt’s sicher nette Menschen wie überall sonst auch, aber ich hab bisher keinen Grund gefunden, mich privat oder als Taxifahrer auf irgendwo in deren Kreisen zu bewegen. Am Ende gibt’s doch nur Knatsch, weil ich „nur“ Opel fahre. Entsprechend skeptisch war ich, als ich heute Nacht hinter dem SonyCenter zwischen den geparkten schwarzen Maybachs und Pheatons rangewunken wurde. Aber natürlich hab ich mich über Kundschaft gefreut.

Diese Kundschaft bestand aus einem zusammengezählt 150 Jahre alten Paar, dessen Abendgarderobe mich schätzungsweise 2 Jahre Vollzeit-Arbeit gekostet hätte. Statt aber streng die Rostflecken am Türschweller der 72 zu bemängeln, hüpften die beiden fast schon ins Auto und gaben gutgelaunt das Hilton als Fahrtziel an. So denn! Hätte eine Kurzstrecke werden können, aber ich hab mir schon gedacht, dass Nachfragen nicht nötig sein würde.

Das Eis war schnell gebrochen, als die Dame mir irgendwas von „Rosenstraße“ sagte und ich verdutzt nachfragte, ob sie wirklich das Hilton meinten oder gar ein anderes als das von mir angedachte. Sie lachte über ihr schlechtes Deutsch, ich erklärte ironisch, dass ich natürlich gerne eine Stadtrundfahrt machen würde … wie sowas halt passiert. Auf der kurzen Strecke scherzten die beiden über die Kleinwagen der Polizei in Berlin und es war wohl sowas wie eine Seniorenzote, als der Mann erklärte, ich solle heute pünktlich Feierabend machen, um zu Hause nett zu meiner Freundin zu sein – weil doch Tag der Einheit wäre.

Es war tatsächlich meine letzte Tour und sie hat Spaß gemacht, muss ich ja zugeben. Am Ende bin ich zum Bezahlen tatsächlich schnell aufgesprungen, um dem Herrn die Türe zu öffnen. Natürlich nicht, um mich einzuschleimen:

„Vielen Dank, junger Mann. Sehr guter Service.“

„Vielleicht auch. Aber eigentlich ist auf dieser Seite die Kindersicherung drin und ich wollte verhindern, dass Sie das persönlich nehmen.“

Wenn man einmal auf der richtigen Wellenlänge ist, geht alles. 🙂

Hobbies in der Praxis

„Dann wären wir bei 11,80 €.“

„Nein. Dann wären wir bei 15 €. Geben Sie mir bitte Kleingeld zurück?“

„Gerne. Heute hab ich genug davon.“

„Davon kann man nie genug haben. Ich sammle den Scheiß.“

OK.

Fürs nächste Mal: bei nur 4 € Rückgeld müsste man gar nicht erst extra nach Münzen fragen … 😉

Ähnlichkeiten

Ich mache ja keinen Hehl draus, dass ich nicht alle Straßen kenne, also hab ich bei meiner Kundin auch schnell gesagt, dass mir der Bleckmannweg leider nichts sagen würde. Wer will, kann ihn gerne mal in die Kartensoftware seiner Wahl eingeben. Festzustellen gibt es aus Sicht des Taxifahrers eigentlich nur, dass es sich um einen für Autos nicht befahrbaren Weg handelt, an dem kaum mehr als 4 Häuser stehen – und der nicht einmal an eine irgendwie relevante Straße angrenzt. Aber er liegt im Herzen von Lichtenberg, keine 200 Meter vom Rathaus weg, muss man auch zugeben.

In dem Fall hat die Kundin meine Nichtkenntnis ohne schiefen Blick zur Kenntnis genommen und trocken bemerkt:

„Ey, ich bin Juristin. Glaubst Du, ich kenne jeden Paragraphen?“

🙂

Neu

Wie schon beim Fünfer ging es auch beim Zehner schnell: der erste neue Schein war binnen weniger Arbeitsstunden im Portemonnaie:

Geld (Symbolfoto), Quelle: Portemonnaie

Geld (Symbolfoto), Quelle: Portemonnaie

Ob er wie Monopoly-Geld aussieht oder nicht … ach, der Fünfer kam uns auch komisch vor. Und der Euro an sich erst. Von der letzten Generation der D-Mark ganz zu schweigen! Mal ehrlich: klar sehen sie komisch aus, aber das gehört bei Neuerungen nunmal dazu. Spannend heute war also nicht das Aussehen des Scheins. Noch nicht einmal die Fahrt, bei der ich ihn bekommen habe. Spannend war der wirklich erste neue Zehner, den ich gesehen habe.

Das war bei der ersten Tour heute nacht und der Kunde hat ihn mir mit Absicht nicht gegeben, sondern nur gezeigt. Wie einen Schatz. Ich hab ihm vorsichtig nahebringen wollen, dass er das Ding nicht ewig behüten muss und wir bald alle genug von den Teilen hätten. Seine Antwort war erstaunlich ehrlich:

„Ach, keine Sorge! Den hab ich – sagen wir: morgen früh! – doch eh schon verjuxt.“

Vertrauen

„Ich muss kurz hoch, Geld holen. Kann ich ihnen meine Tasche dalassen, oder hauen Sie dann mit der ab?“

Zugegeben: Alleine dass sie in Erwägung gezogen hat, ich würde auf diese Frage ehrlich antworten, ist schon schmeichelhaft. Ich hab sie beruhigt; hab gesagt, dass ich selbst aussteigen würde und die Tasche nicht einmal ansehen, alles kein Thema. Und sie hat mir geglaubt. „Das mit dem Pfand“ ist eben schwierig. Aber auch dieses Mal hatte ich das wichtigste vergessen zu sagen. Ich hab das dann nachgeholt, als sie nach einer Minute wieder da war:

„Wenn Sie nur ungerne ein Pfand dalassen: wir haben eine Konzessionsnummer! Die ist hier hinten in der Heckscheibe und muss von innen und außen sichtbar sein. Die ist maximal vierstellig und damit einfacher zu merken als ein Kennzeichen. Darüber können Sie im Falle eines Falles das Taxi – und damit den Fahrer – zweifelsfrei ermitteln lassen. Schön, dass Sie mir auch so vertraut haben, aber Sie haben als Kundin selbst in diesem Fall noch eine Kontrollmöglichkeit.“