Wie Bombe (1)

Als ich am Freitag wieder ins Cockpit zurückgekehrt bin, war ich noch nicht so ganz überzeugt von meinem Versprechen, schnell blogbare Fahrgäste zu finden. Ich bin vielleicht nicht schlecht darin, Kleinigkeiten aufzupumpen, aber die ersten 3 Kunden haben einen schalen Nachgeschmack von Nichts mit Wasser hinterlassen.

Für die Schicht und für mich als Taxifahrer waren sie super. Schnell ein paar Euro verdient, keine Probleme, alles bestens. Für mich als Blogger war es indes eine Katastrophe. Das Glück kam dann jedoch schon um 22 Uhr etwa angetorkelt. Ich war an der Rücke gerademal sechster oder siebter Fahrer, eigentlich hatte ich also sogar noch mit etwas Wartezeit gerechnet. Aber da stand er dann – oder versuchte zu stehen. Er war ein junger Mann, eingekleidet in einen knallroten Trainingsanzug, vom Zustand her leicht mitgenommen. Auf jeden zweiten Vorwärtsschritt folgte einer rückwärts und so wie er schon nach Brockenlachen aussah, dachte ich mir:

„Na komm, den packste ein. Nur so zum Bloggen!“

Mit einem Geräusch, das entfernt an ein „Pff“ erinnerte, sank er auf den Beifahrersitz und ich begrüßte in standesgemäß:

„Guten Abend aber auch. Na, war auch schon ein Bier zu viel, oder?“

„N-N-Neeeee!“

protestierte er mit starkem russischen Akzent und erging sich in Unverständnis darüber, dass ihn andere Fahrer nicht mitnehmen wollten. Eine grobe Adresse hatte er auch noch parat, dann ging es auch schon los. Ziel sollte eine nicht so genau benannte „Firma“ in einem Lichtenberger Gewerbegebiet sein, immerhin grob eingegrenzt auf eine Kreuzung, die mir was sagte. Allerdings wollte er unbedingt noch Bier kaufen und brauchte dazu einen Imbiss. Für eine clevere Idee hielt ich es nicht bei seinem Zustand, aber besser als die folgende war es dann doch noch:

„Trinkst du mit! Kriegst du von mir!“

Ihm das auszureden war nicht leicht:

„Hey, ich kann während der Arbeit nix trinken!“

„Ach, is egal!“

„Nein, das ist nicht egal.“

„Machst du Woodka! Lemon! Merkt Polizei nix!“

„Und wenn doch? Nix da. Mein Schein ist mir wichtig!“

„Machstu kommstu! Nullzwei! Merkt niiiix!“

„Ja, und ich muss 0,0 Promille haben, Ende der Diskussion.“

„Sonst ist der Schein, also nicht Führerschein…?“

„Ja genau. Mein P-Schein! Der ist dann weg. Hier ist übrigens ein Imbiss!“

Ich hab den Wagen an der Frankfurter Allee vor einem Imbiss gestoppt, er wollte allerdings nicht aussteigen, bevor ich ihm sage, was ich trinke. Da hat er sich nicht von abbringen lassen. Also hab ich ihm vorgeschlagen, er könne mir ja eine Cola mitbringen. Reichlich ungelenk hat er sich aus dem Auto geschält und ist unsteten Schrittes zum Imbiss gewankt. Während ich mir eine Zigarette angezündet habe, hat er mir noch zugerufen:

„Cholla! OK, kriegst du Cholla! Machst du dir keine Sorgen. Ich bin nicht betrinken. Trunken! Nicht!“

5 Minuten, halbe Strecke – und schon hab ich eine Auszeit gebraucht. 🙂

Den Rest der Tour gibt es morgen. Verzeiht mir, aber so viele Stories hab ich noch nicht gesammelt. Und der reicht für zwei…

Die Rettung schlechthin

Manche Touren müsste man sich ausdenken, wenn es sie nicht gäbe. Macht man auch manchmal. Wenn ein Monat so richtig beschissen läuft, träume ich auch gerne mal von der Tour „Nach Hamburg und zurück“. Das wäre in meinen Augen so ziemlich die optimale Tour. Ziemlich das Maximum, was man ohne großen Tank-Stress unterwegs mit meinem Erdgas-Opel hinbekommt, noch dazu ohne Leerkilometer und in einer Schicht locker schaffbar. Die Wahrscheinlichkeit natürlich, dass ich tatsächlich ausgerechnet in einem schlechten Monat (oder überhaupt mal) eine Tour nach Hamburg und zurück bekomme, geht natürlich gegen Null. Ist halt ein schöner Traum, der einem so manche miese Stunde versüßt.

Im Kleinen gibt es sowas natürlich auch für jede Schicht. Jeder noch so miese Tag lässt sich durch eine Tour nach Frankfurt/Oder noch erträglich bis hammermäßig machen und wenn ich mal ausnahmsweise am Bahnhof Zoo stehe, finde ich auch die Idee reizvoll, 2 Kunden in Spandau und Marzahn abzuliefern, um dann gleich Feierabend zu machen. Dass es eigentlich immer anders läuft, braucht man kaum zu erwähnen. Meist kommt es dann eher so, dass man für sein Umsatzziel noch 12,20 € braucht und eine Tour für 9,80 € bekommt…

Jetzt am Wochenende hatte ich allerdings wirklich mal beinahe unverschämtes Glück. Der Freitag zog sich und zog sich und zog sich.  Das einzig Positive in der ganzen Zeit war die Tour mit Jo. Was mein Taxameter dabei zusammenzählte, war für Montags gerade mal gut genug. Unfassbar miserable 115 € hatte ich auf der Uhr, als ich mich um kurz vor 5 Uhr morgens, 2 Stunden vor der Übergabe des Autos, genervt an den Ostbahnhof gestellt habe. Ich stand an dritter und damit letzter Stelle und plötzlich standen zwei Mädels neben mir am Auto. Die Frage kam mir vor wie ein schlechter Scherz:

„Sagen sie, was würde es kosten, wenn wir erst nach Hellersdorf und dann nach Potsdam fahren?“

Für die Nichtberliner sei hier gesagt, dass Hellersdorf vom Ostbahnhof aus rund 10 Kilometer in östliche, Potsdam hingegen 30 Kilometer in südwestliche Richtung liegt. Also insgesamt locker 50 Kilometer Fahrt, allerdings ohne ewig weit aus der Stadt rauszumüssen. Doof wie ich bin, hab ich natürlich nicht einfach gesagt, dass es 100 € Festpreis sind, sondern angemerkt, dass diese Tour vielleicht mit 2 Taxen doch sinnvoller wäre. Meine spätere grobe Schätzung von 80 bis 90 € sollte sich als gar nicht so schlecht erweisen, ich weiß allerdings immer noch nicht, wieso man so etwas als Fahrgast macht.
Die beiden haben kurz einen Hunni von der Bank geholt und ich hab derweil Blut und Wasser geschwitzt, ob sie es sich nicht nochmal überlegen. Tatsächlich hatten die beiden eher Sorge, die Tour wäre unangenehm für mich (Wieso bitte?) und waren sogar noch ausgesprochen dankbar fürs Mitnehmen, wenngleich meine Kollegen mich wahrscheinlich vor Neid umgebracht hätten, wenn sie gewusst hätten, wohin es gehen soll 🙂

Wäre das Geld nicht trotz dieser Menge ein begrenzender Faktor gewesen, hätte ich sogar über den Ring fahren sollen – ich schätze mal, das wären nochmal 20 Euro mehr geworden…

Die Tour hat letztlich trotzdem über eine Stunde gedauert und exakt 86,80 € eingebracht. Auf einem Weg, der ein guter Kompromiss zwischen schnellster und kürzester Route war. Meine Fahrgästin hat die Zeit genutzt und geredet und geredet. Ich bin – obwohl selbst in Gesprächen ein sehr quasseliger Typ – kaum zu Wort gekommen. Als wir die letzten paar Kilometer über die Avus antraten, ist sie erschöpft eingeschlafen.

Mit 10% Trinkgeld bin ich dann spätestmöglich, aber mit akzeptablem Umsatz auf den letzten Drücker in den Feierabend gegurkt. Es ist selten, dass alles auf einmal passt. An diesem Morgen war es ausnahmsweise mal so.

Chillout

Anrufe sind ja grundsätzlich eine Plage. Sie kommen stets zur Unzeit. Ob man nun gerade den Schlaf der Gerechten schläft oder sich in in unterschiedlicher Gruppengröße der unchristlichen Fleischeslust hingibt – es gibt kaum angenehmes Telefonklingeln. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Da der Anruf der staatlichen Lotteriegesellschaft ausbleibt, in dem sie mir sagen, dass sie für mich ein Los gekauft haben und dies den Jackpot geknackt hat, war es in diesem Fall ein Anruf von Jo.

Jo ist neben Torsten einer der sympatischsten Menschen, die ich „aus dem Internet“ kenne, und insofern ist ein Anruf von ihm eigentlich immer eine nette Geschichte. Mal abgesehen davon, dass er mich hauptsächlich anruft, damit ich ihn im Rahmen meines Jobs von A nach B bringe. Außerdem kann ich mich immer über die zweideutige Aussage meiner Meldung am Telefon freuen, da ich bei seinem Anruf immer einfach „Jo“ sage. Ob er das als seinen Namen oder als „Ja?“ interpretiert, hab ich ihn noch nie gefragt 🙂

Am letzten Freitag ist es mir nicht schwergefallen, den Ostbahnhof hinter mir zu lassen, wenngleich eine Anfahrt bis Reinickendorf etwas ist, das ich meinem Chef besser verschweigen sollte 🙂

Dort wartete Jo im besten Wissen, dass es auch mal dauern kann, bis das Taxi kommt und hat noch den ein oder anderen Krug geleert, bis ich die Ecke der vor der Chillout Bar als Parkplatz zweckentfremdet habe. Ein guter Freund nannte das selbe vor meiner früheren Wohnung mal „Punkrock-Parkplatz“, Hugo und Elvira würden das „Parken im Kreuzungsbereich“ nennen.

Aber es war Nacht und es war in Berlin-Reinickendorf. Ich bin schon größere Risiken eingegangen…

Jo befand sich in lustiger Runde, und da es so oder so ein mieser Tag war, hab ich letztlich eine Cola bestellt und mich als Blogger vorstellen lassen. Selten genug, dass einem das Prestige bringt, also habe ich es genossen 🙂

Aus der zweiten Fahrt diesen Abend aus der Bar ist zwar leider nichts geworden, aber tatsächlich habe ich Jo kurz darauf in den Wedding gebracht, was abermals eine unterhaltsame Fahrt war. Zur Krönung ist mir bei der gemeinsamen Zigarette (Wenn ich jetzt „Zigarette danach“ schreibe, klingt es irgendwie seltsam, oder?) auch noch der nächste Fahrgast vors Auto gelaufen. Die Tour verblogge ich sicher auch irgendwann, aber das hat noch Zeit.

War auf jeden Fall abermals ein nettes Treffen mit Jo, und da dieser gerne etwas Traffic auf seiner Seite hätte, dürft ihr gerne all eure DDOS-Tools auf seine Seite richten seinen Blog ansehen und nette Kommentare hinterlassen.

Wechseltour

Ich äußere mich ja gerne positiv über meine Fahrgäste und die Touren mit ihnen. Das ist nicht einmal blödes Rumgeschleime. Die Fahrten bringen mir Geld und was meinen persönlichen Alltag angeht, bin ich nunmal Optimist. Wenn jemand mir Geld bringt und auch noch nett ist, dann freue ich mich eben drüber.

Der ein oder andere Kollege sieht lieber die Kleinigkeiten, die ihm einen erhöhten Blutdruck bescheren. Ich esse halt etwas mehr, um meinen Arzt zu beschäftigen. Jeder so, wie er will und kann… 😉

Aber manche Touren sind eben einfach schön. Das müssen gar nicht die ausgefallensten Fahrten sein. Meist sind es eher  die normaleren Touren, auf denen man sich einfach nett unterhält. So hatte ich neulich eine Junge Frau aus meiner alten Heimat, die mir am Ostbahnhof ins Auto hüpfte und quasi ans Ende Kreuzbergs wollte. Während der Fahrt hat sie dann erzählt, dass sie nun mit Freunden, die sie besucht, im Fritz-Club wäre. Ursprünglich wollten sie wohl woanders hin, und nun ärgerten sie ihre Klamotten. Sie hatte sich extra schick und ausgehfertig gemacht und nun sind sie in einen Club gegangen, in dem auch HipHop gespielt wird.

„Ey bitte, wie soll ich zu meiner Musik abgehen in den hohen Schuhen?“

Meine Sympathie hatte sie da eigentlich schon längst, aber das war ein weiterer Punkt. Ich meine: Fritz-Club? Naja. Aber wenigstens nicht bescheuert. Jetzt jedenfalls wollte sie kurz zu ihrer Unterkunft, um dort die Klamotten zu wechseln.

„Es is einfach bekloppt und anstrengend, da immer zu versuchen, die schärfste Schnitte im Raum zu sein…“

Zunächst war die angegebene Hausnummer nicht richtig, sodass wir einen mittelprächtigen Umweg zu meinen Gunsten fuhren. Als Pfand ließ sie völlig gechillt ihre letzten mitgenommenen 50 Euro im Wagen liegen („Reicht des?“). Nach 5 Minuten bezahlter Wartezeit kam sie dann wieder und mir wären ja fast die Augen rausgefallen. Aus der aufgebrezelten Tussi ist ein echt nettes Mädel geworden. High-Heels gegen Sneakers getauscht, enge Jeans gegen Cargo-Shorts und das figurbetonende Top wich einem T-Shirt. Meine Erinnerung mag mich trügen, aber ich glaube, selbst die Frisur war nun zumindest von einem Haargummi befreit.

Ich mag eine selten geteilte Vorstellung von Attraktivität haben, aber für mich zumindest sah sie doppelt so gut aus wie zuvor. Zumindest authentischer.

Wie schon die Hinfahrt verlief auch die Fahrt zum Club zurück mit einem angeregten Gespräch über dies und das. Sicher, die Tour war auch schön, weil sie mich für 22 € direkt von meinem Lieblingsbahnhof direkt zu meinem Lieblingsbahnhof geführt hat. Aber das, was den Job manchmal so angenehm macht, ist das Treffen mit interessanten Leuten und genau das Gefühl hatte ich nach Ende der Fahrt. Es gab nicht mal Trinkgeld, aber das einzige Problem war für mich daran, dass ich den anwesenden Kollegen irgendwie schlecht erklären konnte, was an der Fahrt nun so toll war.

Aber klar, die Kollegen stehen auch eher auf enge Tops…

Well, puh!

Die absolut schönsten Momente beim Taxifahren sind für mich die letzten paar Kilometer einer Schicht. Wenn ich meine Ziele so Pi mal Daumen erreicht habe (oder aber abzusehen ist, dass ich sie ohnehin nicht mehr schaffe…), dann reinige ich das Auto und tanke schon mal, um dann auf dem Weg zum Abstellplatz noch einzusammeln, wer mir vors Auto läuft. Gerade am Wochenende – wenn viel los ist – kann auch die Fahrt zur Tanke schon mal durch mehrere Winker unterbrochen werden und es ist immer wieder spannend, wie weit man es schafft. An einem ganz guten Tag vor einer Weile hat mich jemand direkt an der Einfahrt zur Tanke abgewunken – da fängt man plötzlich an, ans Schicksal zu glauben 🙂

Als ich vergangenes Wochenende morgens bereits alles hinter mir hatte, alle Umsatzziele erreicht, das Auto sauber und vollgetankt, war ich also mal wieder auf dem Weg gen Heimat. Auf einem eher ungewöhnlichen Weg, denn ich hatte bereits einen Winker nach der Tanke. Am S-Bahnhof Frankfurter Allee wurde ich abermals herangewunken. Na prima! Super Tag!

Nun watschelte ein Mann Mitte dreissig um mein Auto und ließ sich erleichtert auf den Beifahrersitz fallen. Mit ihm schwappte eine Fahne ins Auto, die derart gehaltvoll war, dass ich keinen Zweifel daran hatte, mein Auto würde fahren können, wenn er einmal in den Tank pustet.

„Wo darf’s hingehen?“

„Well, puh!“

Aha. Engländer.

„OK Guy, where to go?“

„See, I need to go to my hostel.“

„Great. Which one?“

„This is the problem. I don’t know!“

„Well, puh!“

Man muss ihm mal zugute halten, dass ihm das auch unangenehm war. Er hat panisch in seinen Taschen nach seinem Kärtchen gesucht und dabei nicht nur erstaunliche Mengen Bargeld, sondern auch einen in etwa 32 Einzelteile zerfallenen Berlin-Stadtplan zu Tage gefördert. Auf diesem hat er dann auch versucht, das Hostel zu lokalisieren, allerdings fanden sich dort wie auch auf dem ebenfalls stark fragmentierten U-Bahn-Plan ausschließlich Vermerke zu Clubs und Sehenswürdigkeiten.

Ich habe darüber nachgedacht, wie lange ich wohl schon Feierabend gehabt hätte, hätte ich ihn nicht eingeladen, traute mich aber auch nicht, die Uhr anzumachen. Aus genau diesem Grund. Denn wenn er es nicht geschafft hätte, mir irgendeine halbwegs plausible Richtung oder ein Zielgebiet von unter 3 km² Fläche zu nennen, dann hätte ich ihn schlicht und ergreifend stehen lassen müssen. Das Geld in seiner Tasche hätte zwar ohne weiteres für eine fünfstündige Stadtrundfahrt gereicht – aber das hätte ich beim besten Willen schon arbeitszeitmäßig nicht mehr bringen können.

Und es dauerte ungelogen knapp 10 Minuten, bis er sein Kärtchen endlich hatte. Das Oyssee-Hostel in der Grünberger! Also gefühlt hätte mir die Wartezeit definitiv mehr Geld gebracht als die Tour anschließend. Nachdem er passend gezahlt hat und ausgestiegen war, hab ich gründlicher als sonst nach verlorenem Geld gesucht. Vergeblich. Aber immerhin hatte ich dann wirklich Feierabend! 🙂

Einmal im Hemd

Der Anfang war noch ganz klassisch:

„Hey, bringste mich ins Hilton? Gibt doch nur eines, oder?“

„Soweit ich weiss: Ja. Wir reden von dem am Gendarmenmarkt, nehme ich an.“

„Ja, genau. Da muss ich hin.“

Kurz darauf war ihm das aber ziemlich peinlich:

„Oh Mann, da trage ich einmal ein Hemd… und dann fahr ich zum Hilton. Auch noch mit’m Taxi! Nicht, dass du mich für so’n Yuppie hälst. Haste da schon’n Yuppie-Aufschlag reingedrückt?“

„Nee, das gibt die Tarifordnung nicht her…“

„Ach, fänd ich schon gut. Also jetzt nicht bei mir, aber sonst…“

Kleider machen Leute. Oder Sorgen 🙂

 

 

Der lange Arm der Taxi-Innung

Wenn man derzeit aus westlicher Richtung nach Stralau möchte, hat man ein kleines Problem: Die Durchfahrt von der Stralauer Allee auf Alt-Stralau ist gesperrt. Das ist seit etlichen Monaten so und wird noch ein Jahr andauern. Wenn man eher aus südwestlicher Richtung kommt, bleibt einem nur der Umweg übers Ostkreuz. Wenn man das mit dem Taxi macht, klettert die Rechnung ziemlich exakt 2 € höher als man es von eventuellen früheren Fahrten gewöhnt war.

Vom Ostbahnhof hingegen kann man noch ein paar Cent sparen, wenn man die inzwischen neu eröffnete Kynaststraße nutzt und durch den Boxhagener Kiez tingelt. Aber erstens ist das keine große Ersparnis und das will auch keiner. Zumindest Nachts nicht, wo man die Stralauer Allee zügig durchfahren kann.

Bei allen Touren ist die Sperrung irgendwann Thema. Schließlich wissen nicht einmal die Bewohner der ansonsten so idyllischen Halbinsel in Berlins Osten, weswegen diese Unterführung eigentlich genau gesperrt ist.  Ob die Brücke dort abgerissen, restauriert, neugebaut oder lustig bemalt wird: Eine Sperrung von knapp 2 Jahren scheint für jedes eventuelle Vorhaben ein bisschen überzogen zu sein.

Ergo: Es wird viel geflucht. Je nach Laune der Kundschaft hab ich rausgefunden, dass ausgerechnet das Salz-in-die-Wunde-Streuen hier für gute Laune sorgen kann. Wenn das Unverständnis seinen Höhepunkt erreicht hat, werfe ich manchmal einfach dreist ein:

„Tja, ich als Taxifahrer kann mich ja eigentlich gar nicht darüber beschweren…“

Es ist seltsam. Im Normalfall sollte man es ja eher vermeiden, den Kunden aufs Auge zu drücken, dass man sie gerade über Gebühr schröpft. Die Stralauer quittierten mir das bisher immer mit Verbesserung ihrer Laune, einem Lachen und einem guten Trinkgeld. Ein Kunde kam neulich allerdings selbst auf die Idee.
Er war gerade dabei, sich und mich zu fragen, was das denn alles soll und warum da durchgehend gesperrt sein muss und bla Rhabarber Keks! Plötzlich hielt er inne, sah mich an und meinte:

„Vielleicht ist das ja auch eine Initiative der Taxi-Innung…“

Ich würde sagen, der Preis für die bekloppteste Verschwörungstheorie des Jahres geht an meine Kundschaft! 🙂

Was sollte ich darauf antworten. Ich hab folgendes gewählt:

„Mag schon sein. Dann war es aber eine ganz geheime Kommandosache. Schließlich weiss ich auch nix davon.“

Lächeln, Trinkgeld, das Übliche. Der nächste bitte! 🙂