„Was ist denn mit denen los?“

Ich fuhr gemütlich mit meiner Kundin durch Hohenschönhausen. Ihre Wohnung war nicht mehr weit entfernt, da tauchte vor uns auf der Straße eine Gruppe Leute auf. Vier an der Zahl, und sie verteilten sich über die ganze Straßenbreite. Wären sie so stehen geblieben, hätte ich wohl anhalten müssen.

„Was ist den mit denen los? Sind die besoffen?“,

fragte die Kundin.

Da die Gruppe erkennbar auseinanderstob, um Platz zu machen, dennoch mit ausgezogenen Klamotten wild um sich schwenkte, musste ich meine Erfahrung zu Rate ziehen:

„Ich vermute eher, es geht um diese schwierige Aufgabe, freie Taxis von besetzten zu unterscheiden. Sie wissen schon: Unsere beleuchtbaren Dachschilder und so …“

Ein bisschen Ironie muss sein. Die Kundin hat auch gegrinst. Und dann hab ich todernst nachgeschoben:

„Aber ja, betrunken sind die sicher auch.“

Glaubt’s mir oder nicht: Ich mag das mit der Nachtschicht immer noch. 🙂

Na dann!

Wir wollten noch die Freundin des Kunden abholen. Kein Ding. In seinem Wohnviertel dirigierte er mich gekonnt umher und erklärte mir dann:

„Da vorne links ist so eine Einfahrt.“

Ich muss vielleicht dazu sagen, dass ich täglich zu „Einfahrten“ gelotst werde, weil ich dort auf dem Gehweg halten kann und beim Ausladen den fahrenden Verkehr nicht über Gebühr belästige. Irgendwo reinfahren muss ich selten, viele Kunden sorgen sich ja bereits darum, ob ich in einer Sackgasse auch wirklich wenden kann. Entsprechend meiner Erfahrungen hab ich nachgefragt:

„Soll ich da dann gleich wirklich reinfahren?“

„Ähm, ja, sicher doch. Ist auch nicht anrüchig oder so.“

Ah ja. Nicht anrüchige Hofeinfahrten. Wieder was gelernt. 😀

Und schon keine Lust mehr …

Die Zieladresse existierte nur so als grober Plan. Eine U-Bahn-Station. Kann man machen. Sie war mir bekannt, lag ein paar Kilometer weit weg und damit hätte wirklich alles schnuffig sein können. Und der Typ, der mich an der Halte rausgepickt hatte, wirkte auch wie ein netter junger Kerl, nur etwas zu müde zum feiern. Alltag halt.

„Ja Schnucki, wie soll ich denn jetzt noch hier reinpassen?“

„Ehrlich!? Vielleicht gar nicht, weil dein Freund nur was von fünf, nicht von sechs Leuten erzählt hat?“

Also nochmal alle von der Rückbank würfeln. Immerhin lief die Uhr schon. „Oktoberfest“ am Ostbahnhof, was willste erwarten?

Aber gut, man will ja Geld verdienen.

Die offizielle Zielangabe blieb der U-Bahnhof, hinter mir und um mich herum flogen die Adressen allerdings bald nur so umher. Zu Frank, zu Olaf, ein Späti müsse noch sein, in die Franz-Fickdichstraße, alles laut, wichtig, aber natürlich nicht für meine Ohren bestimmt. So musste ich dann noch eine Art Gefahrenbremsung vor dem Späti abliefern, musste unbedingt eine durchgezogene Linie ignorieren und war vor allem deswegen cool, weil ich „kein Scheiß-Türke“ war.

Mein „fetter Bonus“ waren am Ende atemberaubende 1,40 € Trinkgeld und dafür durfte ich anderthalb Minuten im Starkregen stehen, weil die feinen Herren und Damen das mit dem Aussteigen, bei dem ich selbstverständlich behilflich war, kaum noch auf den Plan gekriegt haben. Ih bäh!

Das Wochenende jetzt ist eh schon nicht meins gewesen. Zu wenig Lust, zu viel Müdigkeit, was halt alle paar Monate mal so passiert. Nach dieser Tour aber wollte ich dann wirklich nur noch duschen und mich ins Bett schmeißen. Manchmal ist Dienstleistung auch einfach eklig.

Als Atheist weiß ich nicht, wem ich dafür danken sollte, aber glücklicherweise war die anschließende Winkertour quasi das komplette Gegenteil und ich hab es immerhin noch auf ein paar Euro Umsatz gebracht.

Mir kenned elles. Au Humor.

Drei Rentnerinnen. Einmal nach Lichtenberg ins Hotel. Aufregend wäre nun nicht das Wort der Wahl für die Tour. Lustig war, dass es einmal mehr Schwaben waren, die nicht gemerkt haben, einen weiteren Stuttgarter an Bord zu haben – um so heiterer wurde es nach meinem Outing. Sie haben sich sogar an Humor versucht:

„Aber etz esse mir nix mehr, gell?“

„Ach, so wie Du schwätz’sch, kennd mr moine, mir hädded sonschdwas gfuddert!“

„Noi, wared ja bloß a Brezel ond zwoi Flasche Wasser.“

„Oh. A propos Wasser. I hen mei Flasch … NOI, i hen mei Pfand im Zug g’lasse!“

„Na subber Elvira, na kenned mr ja grad wieder omdrähe, oder wie willsch’n des Wocheende jetzt zahla?“

Made my day! 😀

Offensichtliches

„Und? Jetzt auf dem Weg nach Hause?“

„Äh … ja. Wieso …?“

„Sorry, wollte nicht aufdringlich sein! Dachte mir nur, dass niemand zwei Stühle in den Kofferraum lädt und dann zu einer Party fährt.“

„Ah, ach so, haha! Ja, da haben Sie recht!“

Captain Obvious und so. 🙂

Guter Deal

Gleich zwei Freunde geleiteten meinen Fahrgast vor einem Club zum Taxi. Ich solle ihn in eine Straße nach Britz bringen. Nun gut. Sonderlich fit wirkte er zwar nicht mehr, aber sowas kommt vor. Hätte ohnehin die letzte Tour an dem Abend werden können.

Während mein Fahrgast sich mäßig motiviert angurten ließ, fragte mich Kumpel 1 aus, wie viel das kosten würde. Genauer als „20 bis 25 €) konnte ich die Frage allerdings nicht beantworten, was ihn mit seinen gesammelten 23 € etwas unsicher werden ließ. Der zweite von hinten warf aber ein, dass er ihm ja einen Fuffi mitgegeben habe, etc. pp.
Sie stritten sich also quasi, wer bezahlen dürfte, mein Fahrgast wollte nur pennen und ich endlich rausfinden, wo diese Straße liegt, von der ich nie gehört hatte. Als ob das nicht gereicht hätte, fiel Kumpel 2 dann noch ein äußerst kluger Spruch ein:

„Aber Digger: Wenn – also WENN – es knapp wird hier mit ihm, dann halt bitte an!“

Großartiger Tipp! Und ich hatte das mit dem Kotzen gerade zu verdrängen versucht.

Aber irgendwann waren wir sie los, mein Kunde hatte den Fuffi dabei und guckte leicht grünlich um sich, fiel dabei aber auch schon fast dem Schlafe anheim. Also hab ich ihm kurz vor dem Wegtritt auch nochmal die Regeln erläutert:

„Bierchen zu viel? Kein Ding. Ich halte bei Bedarf sofort an, ist versprochen. Im Gegenzug folgendes von meiner Seite aus: Du versuchst keine Stunts wie unterwegs das Fenster zu öffnen, ok?“

„O … K?“

„Also, schlaf ruhig. Ich bemüh mich, vorsichtig zu fahren. Für den Straßenbelag kann ich nicht garantieren, ansonsten geb ich mein bestes. Und Du kotzt‘ einfach nicht! Deal?“

„Deal!“

Und so haben wir’s durchgezogen. Ich bin etwas langsamer, sanft bremsender und weniger zackig lenkend als sonst gefahren und er hat gepennt. Am Ende waren das 21 €, ich hab 25 bekommen und der Fahrgast … wird in den kommenden Tagen die 0,0 Promille auch wieder erreichen. Alle zufrieden. So muss das. 🙂

Too much informa … ach, wir sind im Taxi, scheiß drauf!

„Na, und? Jetzt den Bus verpasst?“

„Nee, ich … also um ehrlich zu sein: Mein Arsch tut höllisch weh!“

„OK.“

„Ich hab mich heute einfach wundgeschissen, ich kann kaum vernünftig gehen. Sorry, dass ich das so direkt sage.“

„Ach …“

Ich will ehrlich sein: Leute, die mir nach mehr als siebeneinhalb Jahren als Taxifahrer noch einen bisher nie genannten Grund für die Fahrt nennen können, haben erst einmal was gut bei mir. 😉