Guter Abschluss

Schon bei der vorherigen Tour hab ich den Abstellplatz meines Autos beinahe gestreift. Nicht nur die Sehnsucht nach dem Feierabend war groß, auch die Zeit schritt langsam voran. Ebenso die Müdigkeit. Von Pankow zurück nach Lichtenberg, möglichst viel durch kaum bewohntes Gebiet! Noch eine Tour musste an diesem Morgen eigentlich nicht … huch, da winkt einer!

Der Geldbeutel ist manchmal doch stärker als man selbst.

Ein etwas plüschig dreinguckender Endvierziger mit Halbglatze bedeutete mir mit einem freundlichen Sammelsurium an Gesten, dass ich ihm doch bitte den Beifahrersitz zurückstellen solle. Gegestet, getan und los ging es:

„In die WTF-wo-soll-die-denn-sein-Straße bitte.“

Meine Gedanken kreisten: Jetzt kommt’s gleich! Charlottenburg, Steglitz, Frohnau, Adlershof …

„Das is hier ganz um’s Eck, fast an der Indira-Gandhi-Str.!“

„Oh, super!“

Ungelogen, die Tour lag also direkt auf dem Heimweg. Da nimmt man ein paar Euro doch gerne noch mit. Zu arg viel Kommunikation war der Mensch nicht mehr fähig – obwohl nüchtern – er hat sich nur gefreut, dass wir uns „hier draußen“ getroffen hätten und ließ sich gleich an der Hauptstraße absetzen. Kurz war gar kein Ausdruck für die Tour, gerade einmal 5,20 € sind zusammengekommen. Als ich ihm diese Summe verkündete, wich der plüschige Blick kurz einer tiefen Sorgenfalte, ich stelle mir so den Blick eines Duracel-Häschens vor, wenn es merkt, dass die Batterie trotz allem nicht endlos Saft gibt. Ihm schien der Preis aber entweder zu niedrig oder zu krumm, keine Ahnung. Jedenfalls zückte er mit leichtem Unbehagen einen Fuffi.

Am Schichtende hab ich mit sowas ja mal gar kein Problem. Aber wie üblich folgte das Schönste erst noch:

„Machste zehne!“

Sehr spontan

Eigentlich war der Typ spontaner als ihm gut tat. Zunächst entschloss er sich, extrem spontan zu winken. Nun gut. Da ich aber wirklich nichts von Vollbremsungen halte, so lange keine Notlage es erfordert, musste er ein paar Meter zu meinem Taxi laufen. Es hat ihn nicht umgebracht.

Ich war gerade vor 10 Minuten in die Freitagsschicht gestartet, es regnete und war nasskalt, ein Beginn des Abends, der durchaus etwas Aufmunterung durch spontane Winker gebrauchen konnte. Die sollte ich haben.

Mein Fahrgast bedankte sich mit einem ausgeprägten russischen Akzent fürs Anhalten und brachte als erste Angabe für mich nur ein – wiederrum sehr spontan gerufenes – „Hier rechts!“ heraus. Ich hab ihn gefragt, wie weit es ginge, ob er eine Kurzstrecke haben wollte. Ich kann nicht anders, manchmal bin ich einfach zu nett. Und vor allem habe ich keine Lust auf Stress. Denn wenn man erstmal zum Normaltarif losfährt und danach der Wunsch nach einer Kurzstrecke kommt, kann man sich am Ende meist über den Wortlaut der Taxitarifordnung streiten (näheres zur Taxi-Kurzstrecke in Berlin hier) und darüber wie unfair es doch ist, was da drinsteht. Dass ich das Taxameter nicht mitten während der Fahrt umstellen kann, gerät da schnell unter den Tisch und am Ende hat man Zoff ums Geld – und aller Wahrscheinlichkeit nach kein Trinkgeld.

Er bestätigte auch, dass es nur kurz sei und das Kurzstrecke super wäre. Was soll’s? Ein nach 10 Minuten Schicht vom Regen ins Auto getriebener Kunde, der nur ein paar Meter weit will, ist das optimale Kurzstrecken-Anwendungsgebiet. Ich folgte seinen Anweisungen, die aber gerade mal noch zweimal Abbiegen beinhalteten und mich unweit der Frankfurter Allee in eine Sackgasse führten. Dort wollte er zahlen und zückte einen Fünfziger …

Naja. Das bedeutete für mich, entweder umgehend Geld zu wechseln oder den nächsten Kunden gleich beim Einsteigen zu sagen, dass ich auf 50 nicht rausgeben kann. Nicht unbedingt nett. Dabei war der Kerl aber echt ein Netter. Zumindest finanziell:

„Mach 6.“

Und er meinte nicht seinen Rasierer!

Also hab ich nur ganz zaghaft und höflich nachgefragt:

„Sie haben es nicht zufällig kleiner?“

Dass ich dabei am Münzfach herumfingerte, verstand er falsch und meinte:

„Is OK, mach 5.“

Hey, halt mal! Ich frag doch nicht, um mein Trinkgeld zu verringern! Ob ich jetzt 4 € in Klein oder einen 5er als Schein rausgebe, war mir egal. Schlimmer war für mich, dass ich mit den zwei Zehnern und dem einen Zwanni alle meine größeren Scheine und damit einen Großteil meines gesamten Wechselgeldes (direkt nach Schichtbeginn eben) los war. Also wiegelte ich in der Hoffnung, den Euro doch noch zu bekommen, ab:

„Nein, nein! Das ist kein Problem. Ich frag nur, weil …“

„OK, weißt Du machst Du gibs Du mir 40!“

Wow. In Anbetracht dieses Trinkgeldes ist auch Wechseln kein Problem mehr. 6 € Trinkgeld entsprechen dem Wert nach  einer 13€-Tour für mich, da kann man mal ein paar Minuten Zeit investieren. Ich habe allerdings einen Moment überlegt. Insbesondere als er meinte:

„Weißt Du: Gute Laune heute. Jetzt hab ich Minus, aber egal!“

Aber? Richtig: egal. Ich hab ihn nicht gezwungen. Und ich hatte einen echt geilen Schichtbeginn. 150% Trinkgeld sind selbst bei Kurzstrecken nicht häufig!

Zuletzt möchte ich aber noch anmerken, dass selbst sowas gelegentlich sein „muss“. Im Laufe der Nacht kamen wieder viele Nichtgeber zusammen und am Ende hatte ich gerade mal noch recht normale 13% Trinkgeld. Andreas, einer meiner Chefs, hatte schon recht, als er damals zu mir sagte:

„Natürlich läuft es mal beschissen. Manchmal auch richtig gut. Aber am Ende gleicht sich das alles aus.“

Ich hoffe, dass das auch auf den Kerl mit seinem Minus zutrifft 😀

Kuriose Geber

Da bin ich am Berghain mal schön mitten aus der Reihe weggekommen. Fünf Franzosen hatten in meiner 1925 zielsicher ein Großraumtaxi gesehen und ich war froh um die schnelle Tour. Fahrtziel sollte das Kotbusser Tor sein, ich überschlug den Preis inklusive Zuschlag auf etwa 9 €.

Die komplette Fahrt über verbrachten wir mit der Suche nach einem passenden Radiosender, das übliche bei frühmorgendlichen Clubtouren. Mir war zwar vorher klar, dass sich das Gesuche für die dreieinhalb Minuten Fahrt kaum lohnen würde, aber wenn die Kinderchen spielen wollen, sollen sie das doch tun 😉

Ähnlich wie bei Spaniern und Italienern grassieren im Kollegenkreis eine Menge Vorurteile über die Trinkgeldfaulheit von Franzosen. Meiner Erfahrung nach ein bisschen aus der Luft gegriffen, aber diese Truppe machte dem Klischee alle Ehre. 5 Leute und kein Trinkgeld bei 9,30 € Gesamtfahrpreis. Ein bisschen bitter, insbesondere da das eine Tour ist, bei der sich im Vergleich zu den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln eine halbe Stunde Zeit, 500 Meter Fußweg und ein paar Euro gespart haben. Aber gut, man meckert nicht. Ich hab dem Zahlmeister die 70 Cent Rückgeld gegeben und mich ans Umklappen der Rückbank gemacht. Anders kommt der in der letzten Reihe kaum raus – und wenn es schon kein Trinkgeld gibt, wollte ich gleich zweimal nicht einen blinden Passagier für die restliche Nacht haben 😉

Nun aber fielen die Vorurteile fein säuberlich in sich zusammen. Kaum dass ich den letzten Hansel befreit hatte, kramte er in seiner Hosentasche, reichte mir einen Zweier und bedankte sich für die nette Fahrt. Als ich mich dann wieder ins Auto gesetzt habe, sprang einer der anderen an mein Fenster und drückte mir 50 Cent in die Hand mit einem freundlichen Lächeln. Ich hätte an dieser Stelle losfahren wollen, aber die Beifahrertüre stand noch offen. Ich lehnte mich also hinüber, um die Tür zu schließen. Auf dieser Seite des Wagens stand noch der junge Kerl, der mich bezahlt hatte, und offenbar dachte er angestrengt über etwas nach. Dann wandte er sich mir zu und entschuldigte sich für seine Unverschämtheit und gab mir die 70 Cent Wechselgeld zurück. Die Tür hat er dann auch noch zugemacht.

Äh… wow?

Also meiner bescheidenen Meinung nach dürften alle Touren so laufen 😀

Politische Bildung

Eigentlich war es ja eine strunzdumme Idee von mir. Es war nix los auf den Straßen rund um Ostern, die Aussicht auf Winker war also denkbar gering. Zumindest in Friedrichshain. Also bin ich einfach mal spontan die Danziger hoch bis nach Prenzlauer Berg gegurkt. Schön viele Leerkilometer ansammeln. Dort angekommen stellte ich natürlich fest, dass es hier genauso aussieht. Also hab ich mich kurz nach 0 Uhr als einziges Taxi an die Kulturbrauerei gestellt. Sogar auf die legale Halte!

Eine Zigarette und dann mit dem Gefühl abhauen, man hätte es ja versucht. Soweit mein eher wenig geschäftsorientierter Plan.

Aber wie immer kam es anders: Ein dickbäuchiger Rentenanwärter ließ sich in mein Taxi fallen, das umgehend auf der rechten Seite in die Knie ging. Sein kariertes Hemd wölbte sich bedrohlich unter dem grauen Jackett hervor und ich erwartete jeden Moment, dass ein oder zwei Knöpfe dem Druck nicht mehr standhielten und mir entgegenfliegen würden. Sein zerzaustes graues Haar umrahmte das knallrote Gesicht, er hatte zweifelsohne ein bisschen einen im Tee. Er würde gern nach Weißensee.

Kurz darauf begann er ein wenig zu meckern, über die Kneipenlandschaft und dass das ja alles nicht mehr so dolle sei:

„Ich mein, man kann sich nirgends mehr über Politik unterhalten. Da kommense alle an mit: Och nee, der schon wieder mit seiner Politik. Früher haben wir uns nur über Politik unterhalten!“

Insbesondere da ich nicht wusste, wessen Geistes Kind er nun genau ist, hab ich mich auf die Verteilung von Allgemeinplätzen beschränkt. Jaja, auch im Taxi nur Smalltalk… dazu ein bisschen nettes Zureden, dass es durchaus auch andere gibt. Und einen davon glaubte er (nicht ganz zu Unrecht) in mir gefunden zu haben. Er schnitt zunächst für vielleicht zwei Minuten das Thema Rechtsextremismus an, dann aber wanderte das Gespräch witzigerweise auf die Metaebene. Sprich: Anstatt nun die Möglichkeit zu nutzen, mit mir über Politik zu reden, begann er, darüber zu reden, über Politik zu reden.

Im Großen und Ganzen blieb es eine recht politikarme Fahrt, dafür wurde sie aber länger als geplant. Mindestens 2 € haben ihn letzten Endes die Umwege gekostet, die er mir aufzwang, um „noch ein bisschen über Politik zu reden.“

Ein seltsamer, aber netter Vogel, der sich am Ende herzlich bedankte und mir versicherte, er würde ja – wenn man sich nur darauf verlassen könnte, solche Fahrer wie mich zu treffen! – viel lieber den Abend im Taxi verbringen als in der Kneipe. Er gab am Ende auch gute drei Euro Trinkgeld, er meinte es offensichtlich ernst. Ich habe ihm vielmals gedankt, erwidert dass es ein tolles Gespräch war und wollte gerade mein Portemonnaie wegstecken. Da meinte er plötzlich mit einem Grinsen:

„Ha! Jetzt hätte ich ja fast vergessen, dass ich von ihnen noch 50 € verlangen könnte als Gebühr für die politische Bildung.“

Ich hab das Spielchen mitgespielt:

„Da haben Sie natürlich Recht. Bevor wir das ausdiskutieren, möchte ich aber darauf hinweisen, dass ich wortgewandt genug bin, um sie zu überzeugen, dass ICH ihnen diese Gebühr in Rechnung stellen müsste.“

Beidseitiges Lachen und Abgang.

Hab mich selten so nett „über Politik“ unterhalten 🙂

Der Udo…

Ich hab mit Udo Lindenberg nicht viel am Hut. Im Gegensatz zu ihm trage ich ja nicht einmal einen. Aber für die gestrige Schicht könnte ich mich glatt bei ihm bedanken:

Zunächst bekam ich die äußerst großartige Fahrt vom Ostbahnhof zu seinem Konzert in der O2-World. Eine halbe Stunde hatte ich da gewartet – und dann 4,60 €. Das mit dem Dank war allerdings ernst gemeint, denn die beiden Konzertgänger waren äußerst großzügig und vermachten mir gleich einen Zehner – also 5,40 € Trinkgeld. Super Sache und damit absolut in Ordnung.

Die beiden wussten im Gegenzug zu meiner späteren Kundin wenigstens, dass er sich wegen der Echo-Verleihung gewaltig verspätet. Diese Kundin nämlich war stocksauer, weil sie nun vom Konzert nur wenige Minuten mitbekam und dann heim musste, weil ihr Babysitter nicht ewig Zeit hatte. Ich hatte damit zwar ganz schön Frust im Auto, aber immerhin war es mit 15,60 € nicht nur grundsätzlich gut für eine Winkertour, sondern ich durfte aufgrund der besonderen Umstände und „für die angenehme Begleitung“ selbst von einer Dame, die sich hochgradig „verarscht“ gefühlt hat und laut eigener Aussage niemals mehr ein Konzert von ihm besuchen wird, 4,40 € Trinkgeld entgegennehmen.

Den Abschluss bildete dann ein älteres Paar, das extra des Konzertes wegen gekommen – allerdings auch bis zum Schluss geblieben war. Die beiden hatten blendende Laune und spontan beschlossen, noch einen Umweg zum Curry 36 zu machen. Da sie dort gemütlich essen wollten, habe ich mir zwar eine Tour mit Wartezeit entgehen lassen, indem ich sie auf den Taxistand vor dem Laden hingewiesen habe, aber das war einfach im Sinne der Kundschaft eine nette Empfehlung. Und immerhin gab es auch auf die 11,40 € nochmal 1,60 € Aufschlag.

Die Lindenberg-Touren haben mir also während meiner Schicht rund 25% des Umsatzes und fast 50% des Trinkgeldes gebracht. Dafür kann ich ja auch mal Danke sagen, oder? 😉

Ehemalige

Vier Rentner plus Gepäck – eine optimale Auslastung für mein kleines Autochen. Vor allem, wenn man dann noch einen Sash dazu packt. Zwei Adressen galt es anzufahren, keine davon sagte mir etwas. Hmpf. Dachte ich zumindest so bei mir. Die Alten waren deswegen aber keineswegs enttäuscht. Statt dem vollen Servicepaket mit der kommentarlosen Zielanfahrt gab es hier halt nur das kleine Paket mit Koffereinladen, Türaufhalten und Gespräch. Offenbar völlig ausreichend:

„Macht nüscht! Kanns ja nich‘ jede Straße in Berlin kennen!“

Das erste Pärchen war bald ausgeladen, das zweite wollte nach Schöneweide, nicht weit ab von der Adresse der anderen. Just kurz bevor wir die Hütte meiner Chefs passierten, fragte er, wo ich arbeiten würde, wo ich wohne, die üblichen kleinen Smalltalk-Themen. Wir hatten es dann kurz über lange innerstädtische Wege zur Arbeit und so stellten wir fest, dass wir beide mal im Behindertenfahrdienst gearbeitet haben. Zum Ende hin dirigierte er mich in großem Bogen in seine Straße, ich hab mir auf die Lippen gebissen bei dem Umweg.

„Is aba besser so: Kommste jeschickter wieder inne Stadt rinn!“

Ich mag ja so nette Kundschaft, manchmal isses einem dann aber auch etwas peinlich. Mich in Verlegenheit bringen wollte er aber offensichtlich nicht wirklich. Denn die Fahrt endete mit folgendem Dialog:

„Wat kriechste nu?“

„18,80 €.“

„Hier.“

Er reichte mir einen Zwanziger und einen Fünfer. Er bedeutete mit einem Händedruck, dass es so stimmt. Das ist mal ein amtliches Trinkgeld, wie ich es selten bekomme und wie selbst ich es nur selten gebe.

„Weißte, ick bin’n ehemalijer Kollege. Zweenzwanzich Jahre bin ick hier Taxe jefahr’n. Jetz‘ bin ick 78. Und ick find dit jut, wie du dit machst!“

Manche Momente im Taxi fühlen sich wie ein Ritterschlag an – dieser gehörte eindeutig dazu.

Vertrauen…

Ich habe einen Vorteil gegenüber den vielen selbständigen Kollegen im Gewerbe: Kein Papierkram! Ich kriege zwar nur einen Teil des erzielten Umsatzes und finanziere als Arbeitnehmer wie überall auch meine Chefs mit, dafür halten sie mir aber auch eine Menge Stress vom Hals. Was davon besser ist, ist schlicht nicht zu entscheiden, beide Modelle haben Vor- und Nachteile.

Jedenfalls kann ich zum Beispiel bedenkenlos Coupons annehmen.

Verschiedenste Unternehmen und Ämter geben an ihre Mitarbeiter Taxi-Coupons aus, um die Ausgaben letztlich gesammelt überweisen zu können. Das ist an und für sich eine gute Regelung, bei geschäftlichen Fahrten müssen die Beamten und Angestellten nicht immer die Taxikohle auslegen. Für Taxifahrer ist das ein zweischneidiges Schwert: Zunächst einmal haben wir natürlich statt Bargeld oder Geld auf dem Konto einen Gutschein, mit dem man nichts anfangen kann. Und am Ende kostet es Zeit, ihn einzusenden und auf die Überweisung zu warten. Von unklaren Problemfällen, wo eventuell sogar mal nicht bezahlt wird, ganz abgesehen.

Ich als Nachtfahrer hab recht selten Coupon-Fahrten, manchmal monatelang keine einzige. Da kann es dann schon nerven, wegen eines einzelnen Coupons über 7,60 € extra zusätzliche Arbeit zu haben. Meine Chefs im Taxihaus-Berlin hingegen haben mit ihren rund 20 Taxen natürlich ständig solche Zettel und können die routinemäßig und teilweise gebündelt abschicken. Deswegen muss ich am Stand keine Coupon-Fahrten ablehnen. Sehr schön.

So bin ich neulich zu einer Mitarbeiterin des Umweltministeriums gekommen, der ein anderer Fahrer verkündete, er könne die Fahrt nicht annehmen. Sie nahm es gelassen:

„Na, sie fahren ja ein Umwelt-Taxi. Passt sowieso viel besser!“

🙂

Da so viele Coupons von verschiedenen Firmen existieren, muss man beim Ausfüllen aufpassen. Jeder fehlende Stempel, jede fehlende Unterschrift könnte bedeuten, dass er wertlos ist. Die Kunden selbst gehen mit den Dingern jedenfalls ziemlich lässig um. Manche wollen gleich, dass man einen anderen Betrag draufschreibt und somit den Arbeitgeber gleich noch das Trinkgeld mitbezahlen lassen, andere winken gleich ab und überlassen es ganz dem Taxifahrer. Man sollte bei Couponfahrten also auch ein bisschen Moral mitbringen, um die Dinger nicht auszunutzen.

Besagte Frau indes meinte gleich zu mir:

„Ist nicht so, dass ich ihnen nicht vertraue, aber könnten sie bitte den Betrag gleich reinschreiben…“

Na logo. Obwohl es nicht weiter schwer gewesen wäre, aus 7,60 € 17,60 € zu machen – nur mal so nebenbei. Dass ihr Vertrauen allerdings etwas angeschlagen war, verstehe ich gut, denn sie war von ihrer Hausverwalterin angerufen worden, weil es einen Einbruch in ihre Wohnung gegeben haben könnte…

Die Kollegen, die Gutscheine des (vermeintlich geringeren) Trinkgeldes wegen nicht annehmen, kann ich indes auch beruhigen: Sie hat mir zwei Euro in bar obendrauf gelegt und war sonst auch eine sehr angenehme Kundin. Also alles ganz in Ordnung mit diesen grünen Zetteln! Aber gut, die Arbeit mit dem Scheinchen haben schließlich auch meine Chefs. 🙂