Von Zielen und so …

Ach, wie oft fragen mich die Fahrgäste:

„Und, wie lang musste heute noch?“

Dabei ist einer der Gründe für diesen Job bei mir, dass ich nicht „muss“. Wobei das jetzt auch ein bisschen zu locker rüberkommt. Natürlich brauche ich eine gewisse Geldsumme am Monatsende und mein Nebenjob (das hier) wirft nicht gerade Reichtümer ab. Aber am Ende zählt die Kohle auf dem Taxameter immer mehr als meine Stunden. Natürlich nehme ich mir an gut laufenden Wochenendtagen vor, möglichst lange zu fahren, damit ich entsprechend Geld verdiene – meist aber ist das Ziel ein Euro-Betrag. Wenn der überraschend schnell auf der Uhr steht, dann gebe ich das Steuer gerne aus der Hand. Und wenn’s mal gar nicht werden will, erhöhe ich halt mein Ziel für den nächsten Tag oder die nächste Woche.

Ich will nicht sagen, dass das Konzept besser ist, es hat auch seine Schwächen. Aber da sich die Umsätze im Laufe der Zeit zumindest halbwegs abschätzen lassen – nicht für eine Stunde oder einen Tag, aber für die Woche dann doch genau genug – ist es mit ein bisschen Disziplin durchaus drin, die Arbeitszeiten weit flexibler zu halten als viele andere. Da ich es jetzt grundsätzlich eher nicht so mit Disziplin habe, bin ich aber manchmal dann doch hart.

Dieses Wochenende ist ein schönes Beispiel. Ich mache heute und morgen frei. Heute ist ein hoffentlich lustiges Twitter-Treffen in Berlin, und da möchte ich was trinken. Ergo: Danach in die Nacht starten geht nicht. Als Nachtschichtler hätte ich zwar gut Zeit, wenigstens bis Sonntagabend wieder ausgenüchtert und völlig fit und einsatzbereit zu sein, aber ich kenne meine Arbeitslaune, wenn ich am Tag zuvor zu tief ins Glas geschaut habe. Da das Treffen lange geplant war, hab ich das mit meinen Umsätzen auch gemacht und zwei freie Tage vorausgesetzt. Da das letzte Wochenende schon über den Erwartungen lag, hab ich gestern und vorgestern mit eigentlich lächerlichen Zahlen gerechnet. Ich hab sogar extra noch 100 € für nächste Woche mit in den Plan gepackt, damit ich nicht unsinnig für drei Stunden nur rausfahre. Aber am Ende blieb es bei bescheidenen 103 € für die vergangene Schicht. Bescheiden nicht, weil die sich im Taxi grundsätzlich leicht verdienen – sondern, weil es Freitag Abend war. Da muss man glücklicherweise keine 8 oder 9 Stunden für sowas einplanen.

Meine Hoffnung war, so gegen 2 Uhr heimzufahren. Das klappte nicht. Um 2 Uhr fehlten mir noch rund 19 €. 18,80 € um genau zu sein. Dann wurde ich via Twitter angefragt, eine Lesertour, die schon einmal prima geklappt hatte. Gut, keine 18,80 € im Umfang, aber die vorletzte Tour, so viel war sicher …

Nun passieren Dinge. Manchmal lustige, manchmal nervige. Und manchmal beides zusammen. In dem Fall war es eine Ampel. Ich hätte sie umfahren können, daran hab ich aber zu spät gedacht. Und die Kundschaft war ja glücklicherweise auch nicht von der nervigen Sorte. Aber die Ampel wollte nicht grün werden, obwohl sie eh schon ein unnötiger kleiner Umweg war. Verdammte Axt!
Ich bin am Ende bei rot rüber, es schien wirklich ein Defekt zu sein. Naja, nun war die Lage so, dass ich an der Tour sicher 2 bis 3 € mehr verdient habe, als es unter optimalen Umständen der Fall gewesen wäre. Nicht nur das: Ich kam bedrohlich nahe an meine heißersehnten 18,80 € heran. Die Uhr sprang irgendwann auf 18, dann 18,20 € …

Und am Ende drückte ich bei 18,60 € Kasse. Und ich hatte mir SOOO fest vorgenommen, mein Ziel als Untergrenze zu sehen, es also „auf jeden Fall“ zu erreichen. Wenn man diesen psychischen Druck mal aufgebaut hat, treibt er einen zu komischen Dingen. Ein Kollege von mir hat sich mal aus Verzweiflung eine Kurzstrecke auf dem Heimweg reingehauen, die er dann quasi mit sich selbst gefahren ist. Einfach, um endlich den verdammten Hunni vollzukriegen. Obwohl er die damit zu über 50% selbst bezahlt hat, was die Sache völlig ad absurdum geführt hat.
Ich jedenfalls hab auch mit mir gerungen. 20 Cent? Scheiß auf 20 Cent! Die sind natürlich völlig irrelevant. Auf meiner Gehaltsabrechnung werden daraus 9 Cent. Brutto. Und ich verschenke großzügig Kippen an Schnorrer …
Ich hätte die Uhr ja auch „versehentlich“ noch einen Ticken weiterlaufen lassen können. Zack! 20 Cent mehr Umsatz, 20 Cent weniger Trinkgeld, passt schon und sieht in der Statistik richtig aus.

Da ich eh nicht so richtig Lust hatte, hätte ich das fast gemacht. So ein kleiner Selbstbetrug: Ja, ich hab zwar 11 Cent verloren, aber dafür – olé – das Tagesziel erreicht!

Dann hab ich’s gelassen. Ich musste das Auto eh noch waschen und betanken. Und um 3 Uhr an einem Samstag Morgen wird ja wohl irgendwo ein Winker …

Kleiner Spoiler: Ich hab mein Tagesziel noch erreicht. Aber die Tour war zu schön, um sie jetzt hier als kleines Anhängsel an diesen arbeitspsychologischen Exkurs zu pappen. Die gibt es dann morgen. 🙂

„Vorne, nicht hinten …“

Ein kleiner Dankeintrag ist das. Für meinen Namensvetter., „vorne, nicht hinten“.

Ich stand nämlich ziemlich frustriert am Ostbahnhof gestern Abend. Das habe ich meine Follower auf Twitter auch wissen lassen. Und dann trat plötzlich jemand neben mein Auto, obwohl ich erst an dritter Stelle war, und sagte:

„Man sollte nicht bei Twitter nach Umsatz betteln …“

Ähm ja, hm, äh, puh. Was sagt man darauf? Ich hab versucht, der Situation mehr oder weniger mit Grinsen zu begegnen. Wir waren uns nicht fremd, aber meine partielle Gesichtsblindheit kann ein Arsch sein …

Das Ende vom Lied?

„Wir fahren nach Neuenhagen.“

Schicht – also besser: halbe Schicht – gerettet. Danke. 🙂

(Wobei sich natürlich für mich die Frage stellt, was für mich jetzt falsch daran war, bei Twitter zu betteln. 😉 )

Morgen wieder …

Ja, morgen geht’s endlich mal wieder auf Tour! Da ich hier bei GNIT ja immer wenigstens noch ein paar Knochen reingeworfen habe, kam Euch die Auszeit von mir wahrscheinlich gar nicht so lange vor wie mir. Tatsächlich aber sitze ich ja wirklich seit dem 24. August zu Hause. Ich gehöre wirklich nicht zu den Leuten, denen ohne ihre Lohnarbeit die Decke auf den Kopf fällt. Und eigentlich sollte ich mir mehr Pausen gönnen. Aber es ist einfach so, dass ich mich immer recht schnell wieder zurück ans Steuer wünsche. Ich mag den Job nunmal. Nicht nur, weil ich damit meine Miete bezahle. Ich freue mich auf morgen, hoffe auf ein paar nette Leute und darauf, wieder irgendwas neues von Berlin oder von meinen Fahrgästen zu erfahren.

Aber heute ist der letzte „freie“ Tag. Wenn man so will. Wenn man wie ich nebenher etwas freiberufliches wie Schreiben macht, dann kennt man das irgendwann nicht mehr. Die letzte Woche, in der ich nichts für die Öffentlichkeit bestimmtes geschrieben oder dafür Notizen gemacht, recherchiert, Fotos gemacht oder etwas konzipiert habe? Vielleicht 2008. Einzelne 24-Stunden-Abschnitte wohl um meine Hochzeit rum, als ich krank und auf Reisen gleichzeitig war.

Ironie des Schicksals, dass ich jedes Mal, wenn ich mich entspannen will, ans Schreiben denke. 🙂

Ich war die letzten anderthalb Wochen nicht untätig. Mal abgesehen von den Blogs arbeite ich an einer Leseprobe für mein Buch übers Taxifahren. Das hab ich – außerplanmäßig – vorgezogen und es könnte damit jetzt recht flott gehen. Denn die Leseprobe ist für nicht weniger bestimmt als dazu, dass meine Literaturagentur (also quasi, noch fehlt meine Unterschrift.) sie Verlagen vorstellen kann. Wie man sieht: Hinter den Kulissen ist auch viel los …

Ändert aber nix dran, dass ich mich darauf freue, mich morgen endlich wieder hinters Steuer der 1925 zu klemmen. Zwei Tage Kurzurlaub an der Nordseeküste sind diesen Monat auch schon geplant, bis dahin sollten wir mal die 400.000 Kiilometer zusammenkriegen. 🙂

Yeah?

Ähm, nun ja. Ich gebe zu, dass ich ein bisschen enttäuscht bin von der Resonanz auf mein Gewinnspiel zum dritten Geburtstag von GNIT. Schon klar, dass nicht jeder eine Handyhalterung brauchen kann – aber nur eine einzige Rückmeldung ist dann doch weit unter den Erwartungen geblieben. Vor allem, weil ich ja eigentlich vier Gewinne hätte rüberreichen können.

Aber gut. An dieser Stelle wird sich Schattenleben freuen. Ein witziges Foto ist ihm/ihr zwar auch nicht gelungen, aber dafür eine ehrliche Begründung, weswegen er/sie das „Spider Podium“ braucht. Und besser ein glücklicher Gewinner als keiner! 🙂

Ich schicke den Gutscheincode raus, sobald mir getdigital.de ihn zukommen lässt. Dem Team und Schattenleben danke ich auf jeden Fall schon mal. Und ich wünsche viel Spaß beim benutzen der Spinne. 😉

Geburtstag! Gewinnspiel! Yeah!

Geburtstag?

Wir werden alle älter. Ich, Ihr, aber auch GNIT. Drei ganze Jahre ist heute auf den Tag genau die Auskopplung des Taxiblogs aus meinem privaten Blog her. Seitdem war viel los. In erster Linie gab es viel zu lesen (ich halte meinen Schnitt von einem Artikel pro Tag recht gut), ansonsten aber auch eine Menge drumherum. Eine Million Besucher, Nominierung bei den BoBs, Weihnachtsgewinnspiele, Lesertouren, Interviews etc. pp. Krasse Sache jedenfalls!

Also lasset uns andachtsvoll ausrasten, völlig am Rad drehen, Feuerwerke zünden und vielleicht ein kleines Gewinnspiel machen!

Gewinnspiel?

Jepp! Ich hab seit ein paar Wochen eine neue Handyhalterung: Das „Spider Podium“ von getdigital.de. Das ist zwar eher ungewöhnlicher Natur (und Arachnophobiker sollten vielleicht wirklich von einem Erwerb absehen), aber toll. Ganz ehrlich! Auch wenn das alles sehr 2013-spider-emptywackelig aussieht auf den Bildern: Das Teil hält prima, ich vertraue der Spinne mein Handy die ganze Nachtschicht an, und auch wenn es wirkt, als sei es eher locker draufgestellt (was es de facto ist), passiert da nix. Und man kann es für zig unterschiedliche Geräte nutzen oder auch außerhalb des Autos als stylischen Aufsteller während des Ladens oder vielleicht beim Zocken. Oder einfach, um gruselige Athmosphäre in der eigenen Wohnung zu erzeugen (siehe letztes Bild).

Also: Ich persönlich finde das jedenfalls so geil, dass ich doch gleich mal bei oben genanntem Händler meines Vertrauens angefragt habe, ob sie mir da nicht auch ein paar von zur Verfügung stellen würden für 2013-spider-handyein Gewinnspiel. Und das haben die auch gemacht (näheres siehe Disclaimer unten) und deswegen kann ich jetzt vier von den niedlichen Teilchen verlosen.

Dieses Mal will ich es nicht alleine dem Los überlassen, wer gewinnt, deswegen läuft es wie folgt:

Wer eines dieser schnuckeligen Teile gewinnen will, schickt mir entweder ein möglichst witziges Foto, das zeigt, welche Konstruktion (muss keine Handyhalterung sein, seid kreativ!) man mit dem gewonnenen Gadget ersetzen will, oder aber beschreibt möglichst lustig, wieso das Teil benötigt wird (bis max. 500 Zeichen). Beides, Texte und Bilder könnt Ihr mir bis zum 1. September an meine eMail-Adresse sashbeinacht(at)googlemail.com schicken. Betreff: Spinne.

Auslosung!

Die Auslosung unter den hoffentlich milliardenfachen Einsendungen möchte ich wie folgt gestalten:

Das erste „Spider Podium“ gewinnt das Foto, das bei Facebook in einem bestimmten Zeitraum die meisten Likes erhält. Ich poste die zu diesem Zweck selbst über den GNIT-Account, es braucht sich niemand deswegen dort anmelden.2013-spider-spider

Für das zweite werde ich eine Umfrage zu den lustigsten Texten hier bei GNIT durchführen.

Die dritte Handyhalterung wird unter allen Einsendungen per Losentscheid ermittelt.

Zu guter letzt gebe ich das verbliebene „Spider Podium“ meinem persönlichen Favoriten.

Wie ich das genau zeitlich mache, muss ich mir selbst erst noch überlegen. Ich teile das natürlich im Vorfeld hier mit. Nun aber haut in die Tasten oder knipst den zukünftigen Einsatzort eures Spinnchens!

Wichtiges / Anmerkungen / Disclaimer / Kleingedrucktes

Ich hab mit getdigital.de bislang einen sehr netten Austausch gehabt, nicht nur geschäftlich. Ich hab selbst einiges von dem Zeug aus ihrem Laden bei mir in der Wohnung, weswegen ich sehr froh bin, dass ausgerechnet sie die Gewinne zur Verfügung stellen. Sie würden auch den Versand übernehmen, d.h. ich werde den Gewinnern einfach Gutscheincodes für getdigital.de zusenden. Das ist wesentlich schneller und einfacher. Wer damit aus irgendwelchen Gründen ein Problem hat, sollte von einer Teilnahme Abstand nehmen.
Wer mir unter o.g. Betreff eine Mail schickt, erklärt sich einverstanden, dass er alle Rechte an den enthaltenen Fotos oder Texten besitzt und erlaubt mir, sie zum Zwecke der Auslosung zu veröffentlichen.
Da ich Eure eMail-Adressen und Klarnamen selbstverständlich nicht ohne Erlaubnis veröffentlichen will, wäre es praktisch, wenn Ihr mir ein Pseudonym nennt oder mir mitteilt, dass ich euren Vornamen im Zusammenhang mit dem Gewinnspiel veröffentlichen kann.
Wenn ich jemanden bei doppelten Einsendungen oder beim Verwenden von Fremdcontent erwische, werden die Beiträge von der Verlosung ausgeschlossen. Bestechung lohnt sich auch nicht, da ich mehr nehmen würde als das „Spider Podium“ neu kostet. 😉

Fast ein neuer Rekord …

Wenn ich ganz weit, bis fast zu den Anfangstagen meiner Zeit als Taxifahrer zurückgehe, dann komme ich auf ein noch ungünstigeres Weg-Preis-Verhältnis. Ich hab es damals nicht ohne Grund boulevardesk mit „Tarifwahnsinn in Berlin“ überschrieben.

Ähnlich weit sind heute Nacht drei Leute mit ihrer Kohle gekommen. Was aber einen handfesten Grund hat: Berlin.

Einige Clubs waren heute Nacht so extrem gut besucht – mir kommt mein Umsatz richtig lächerlich vor, wenn ich darüber nachdenke. Diese Menschenmassen! Als ich um halb eins heute Nacht vor dem Berghain war, war die Schlange so lang, dass man mit Picknickkörben wahrscheinlich Geld dort hätte verdienen können. Keine Ahnung, ob die Leute inzwischen alle drin sind. Am Sisyphos sah es nicht anders aus, nachdem sie erst mal aufgemacht hatten. Außerdem, und da kommen wir zu meiner Fahrt, am About Blank.

Die Dreiertruppe war schon etwas derangiert, sie waren zuerst im Kater Holzig, danach im Yaam. War offenbar beides nicht so ganz das, was sie suchten. Also hab ich sie um 4 Uhr morgens vom Ostbahnhof zum About Blank fahren sollen. Hab ich natürlich auch gemacht, bin ja schließlich Taxifahrer. Dort angekommen offenbarte sich uns eine Schlange, die bereits bis zur Bushaltestelle am Ostkreuz reichte. Da haben es sich die eigentlich schon recht fertigen Passagiere aber nochmal ziemlich gründlich überlegt, ob sie denn eigentlich wirklich in Feierlaune wären.

Die Antwort war – wenig überraschend: Eigentlich ja schon noch so ein bisschen, aber nochmal eine Stunde anstehen ginge gar nicht. Also sollte ich sie heimbringen. Das Ziel hörte ich gerne: Naumannstraße. Das wären schon vom Ostbahnhof aus irgendwas in Richtung 17 € gewesen, jetzt, nach einer Fahrt völlig entgegengesetzt dieser Richtung, hätte das die längste einer ganzen Serie langer Touren heute werden können.  Richtig: Hätte werden können.

Denn kaum wieder auf der Piste, fanden sie plötzlich, dass so wirklich richtig und ganz in echt nach Hause zu fahren vielleicht auch ein wenig übertrieben sei, nur weil vor dem About Blank eine Schlange war. Immerhin hatten sie noch Stempel vom Kater Holzig, und sooo schlecht war die Musik ja auch nicht.

So kenne ich Berlin: Hier überlegt man sich zwei- oder auch dreimal, ob man um 4 Uhr wirklich schon heim will.

Also ging es doch nicht bis nach Schöneberg, sondern „nur“ zum Kater. Quasi genau dieselbe Strecke wieder zurück. Plus ein paar hundert Meter. Am Ende waren sie knapp über einen Kilometer von ihrem Startpunkt entfernt und auf der Uhr standen 15,00 €. Aus meiner Sicht darf das ruhig immer so laufen, ich freue mich, wenn mein Kilometerschnitt gut wird – oder, wie heute nacht, zumindest besser.

Trinkgeld gab es bei der runden Summe keines mehr, aber was will ausgerechnet ich meckern? 😉

Eile, wo keine sein sollte …

Vorbestellungen. Das sind alle Fahrten, wie ich sie mit Euch gelegentlich ausmache … die sind im Alltagstrubel manchmal schwierig. Also nicht die Fahrten an sich. Ganz im Ernst: Ich freue mich total, dass ich inzwischen so viele Touren mit Lesern hab, denn es ist ist z.B. schon mal eine große Sache, wenn man als Taxifahrer weiß, wann man unkomplizierte Fahrgäste hat. Denkt also nicht, ich wüsste das nicht zu schätzen!

Nun war es am Samstag so, dass ich mal wieder Jo am Telefon hatte. Der rief mich an und fragte an, ob ich eine Stunde später am Lichtpark sein könnte. Ich hab mal vorsichtig zugesagt, aber angedeutet, dass ich vielleicht später komme. Die Stunden davor waren das reinste Silvester, so guten Umsatz hatte ich lange nicht mehr. Für 9 Touren und fast 100 € Umsatz hab ich gerade mal 2:20 Stunden gebraucht. Entsprechend kam ich halt auch nicht einmal für eine Kippe aus dem Wagen, bzw. befürchtete, im nächsten Moment nach Hannover oder so abgewunken zu werden. In der Nacht schien zu diesem Zeitpunkt aus Taxifahrersicht irgendwie alles möglich zu sein. Und ja, da stört so eine Vorbestellung den Flow etwas.

Aber gut, ich bin ungehindert zum Ostbahnhof gekommen, wo ich endlich meine Nikotinsucht befriedigen konnte. Hätte ich mir was wünschen können, hätte ich jetzt eine Tour nach Pankow oder Marzahn bevorzugt: Irgendwas, wo man nachts schnell Land gewinnen kann, aber natürlich mit möglichst maximalem Umsatz. Dass dies die letzte Tour vor der Bestellung sein würde, war klar, deswegen wünschte ich mir, zu der guten Zeit alles rauszuholen, was geht.

War natürlich Fehlanzeige. Eine Fahrt zum A&O-Hostel in der Köpenicker. Eigentlich das einzige Fahrtziel (neben ein paar Privatgebäuden und dem Magdalena), das den Anspruch erheben konnte, noch zwischen Ostbahnhof und Lichtpark zu liegen. 4,80 €. Hmm …

Jetzt hatte ich wie zuvor immer noch eine halbe Stunde Zeit. Na super! Was tun?

Ich hab mich fürs Magdalena entschieden. Dort stand nur ein einziger Kollege, da hatte ich die Hoffnung, schnell noch eine Tour zu bekommen. Was keine schlechte Einschätzung war: Kaum dass ich mich angestellt hatte, stieg mir eine junge Frau ein. Bei mir, nicht bei dem Kollegen vor mir. Ich hatte für einen Moment die Vermutung, es läge am Auto. Der Kollege nämlich fuhr einen Mercedes W124, also mit beinahe garantiertem Mindestalter von 20 Jahren. Tatsächlich war meine Kundin wohl vor allem zu strack, um überhaupt zu bemerken, dass zwei Autos vor dem Club standen.

Das allerdings fiel mir erst später an dem Telefonat auf, das sie führte. Sie sagte mir mit recht klarer Aussprache den Wismarplatz an – immerhin eine der Adressen in Berlin, die nur einmal existieren. Und zwar recht nahe, im Boxhagener Kiez. Nochmal 7 oder 8 € mehr und garantiert pünktlich zurück! Yeah! Herrlich, wenn mal alles läuft wie geplant.

Während der Fahrt hatte ich dann ein wenig Sorge, dass sie sich den Abend in Form aller Getränke nochmal durch den Kopf gehen lässt. In Kurven purzelte sie fast auf meinen Sitz rüber und am Handy führte sie minutenlang ein Gespräch, das ich in einem einzelnen Satz wiedergeben könnte:

„Ey, wenn ihr nicht gleich heimkommt, penne ich schon, weil ich müde bin.“

Das war’s. In der Praxis lief das eher so ab:

„Yo, kommse?“

„Steif! Da penn ich schon.“

„Wann kommse?“

„Nee, bin müde, ich penn gleich.“

„Kommse noch?“

„Echt? Das‘ aber zu spät.“

„Willse nich‘ noch … aber wenn, dann gleich. Bin müde.“

„Wann wärse dann da? Oh nee, da penn ich sicher schon.“

„Kann meine Augen kaum aufhalten, aber was is‘? Kommse noch?“

Ich meine: Immerhin war sie schnell beim Reden, die Fahrt hat ja keine 6 Minuten gedauert …

Am Ziel angekommen freute ich mich: Hach! Noch knapp 20 Minuten, um zum Lichtpark zu fahren, sprich: bei gemütlicher Fahrweise allerhöchstens 10 Minuten Wartezeit. Und immerhin würde es für eine Kippe reichen.

Das inzwischen wirklich übertrieben zerstört wirkende Etwas sah mich aus großen Augen an und meinte:

„Duhu, des‘ jetz‘ kacke und des tut mir auch voll leid und so, aber ich hab wohl kein Geld mehr bei …“

Na holla die Waldfee! Da wurde die Zeit plötzlich wieder eng. Ich hatte keinen Kartenleser, sie kein Geld zu Hause, also was nun? Ich war schon dabei, ihr desillusioniert meine Daten aufzuschreiben und ihre zu verlangen (den Gedanken, sie mit Beschimpfungen vor die Tür zu setzen hatte ich glücklicherweise verdrängt), als die eigentlich ja immer erste Option mir wie Schuppen von den Augen fiel: Bankautomat!

Ich hab sie darüber aufgeklärt, dass ich mir das Wenden, Rumfahren und Warten aber bezahlen lassen würde. Mehr als verdient in dem Fall, ganz ehrlich. Der Automat war zwar keine 50 Meter entfernt, aber in solchen Fälle halte ich DIREKT davor. Ich will mir nämlich besser nicht ausmalen, wie es aussieht, wenn ich betrunkenen Mädels hinterherrennen muss. Nachher wirft mein Hemd noch Falten, die mich dick aussehen lassen …

Ich, total im Stress und ständig auf die Uhr schauend, verpeilte das alles natürlich. Statt das Taxameter wieder zu starten, drückte ich erst einmal auf die Zuschlagstaste (tue ich beides verhältnismäßig selten, da sitzt der Automatismus auch nach über 4 Jahren noch nicht so richtig). Ups. Scheiß Hektik, ehrlich!

Ich hab den Gedanken beiseite gedrängt und es einfach mal so stehen lassen. Dafür hab ich die Uhr vor dem Automaten gestoppt. Ob ihr dortiger Aufenthalt – ich hab Blut und Wasser geschwitzt, ob ihr drei Anläufe für die PIN reichen – jetzt 40 oder 60 Cent gekostet hätte, werde ich nie erfahren. Entweder hat sie 10 Cent zu viel oder 10 zu wenig bezahlt. Hat mich da ganz ehrlich auch nicht mehr gejuckt. Und ich denke, bei solchen Beträgen muss man nicht kleinlich sein. Da komme ich Fahrgästen bisweilen gröber entgegen, ganz ehrlich.

Aber was will man sagen: Es ging alles gut aus. Mit 50 Cent Trinkgeld hat sie zwar nicht gerade Branchenrekorde gebrochen, aber im Grunde konnte ich froh sein. Es gab noch einen Euro oben drauf und rechtzeitig am Lichtpark war ich auch.

Und, was war? Logo: Bestellvirtuose Jo kam mit 10 Minuten Verspätung raus … 🙂