Doppelter Fahrpreis

Peter hat mir folgende Frage zukommen lassen:

Moin Sash,
Mal ne Frage 😀

Bin vorhin mitm Taxi gefahren. die Tour war so 90€, ich gab 100€.
Soweit so bezahlt. Dachte ich. der Fahrer wollte noch mal die selbe summe für
die Rückfahrt haben….
Das ganze endete mit der Polizei und eben Personalienaustausch. Ist sowas normal
oder eher nicht?
ich mein, ich fahre öfters mal längere strecken, aber so etwas passierte mir
heute zum ersten mal.
wäre nett, wenn du mir da mal was aus den „Regeln“ zitieren könntest. Die
Polizei wusste auch nicht so wirklich,
was sie da machen soll 😀

Grüßle,
der Peter

Schöne Fahrt und böses Erwachen… und das mit der Polizei am Ende sollte nicht normal sein 😉

OK, ernsthaft:

Das Zitieren aus den „Regeln“ fällt hier relativ schwer. Die Taxiordnung (zumindest für Berlin) und das PBefG geben für Fahrten aus dem Pflichtfahrgebiet heraus irgendwie nichts konkretes vor. Im §1 der Berliner Taxitarifordnung findet sich aber folgendes Kleinod, das ich für das Kernstück der ganzen Geschichte halte:

(2) Bei Fahrten, deren Ziel außerhalb des Geltungsbereichs der festgesetzten Beförderungsentgelte liegt, hat der Fahrzeugführer den Fahrgast vor Fahrtbeginn darauf hinzuweisen, dass das Beförderungsentgelt für die gesamte Fahrstrecke frei zu vereinbaren ist. Kommt keine Vereinbarung zustande, gelten die für den Pflichtfahrbereich festgesetzten Beförderungsentgelte als vereinbart.

Und so habe ich es auch gelernt. Ich muss den Preis mit dem Fahrgast aushandeln. Tun wir das nicht, und ich fahre nach Taxameter (ich hab das jetzt so verstanden: Das Taxameter hat am Ende 90 € angezeigt), dann gilt selbstverständlich dieser Preis. Und zwar als zu bezahlender Gesamtpreis. Im Falle sehr langer Fahrten (also eher länger als deine) kann es zwar je nach Tarif durchaus sein, dass der doppelte Taxameterpreis eher angemessen wäre. Dass du das aber vor Fahrtantritt wissen musst, ist klar. Normalerweise fährt man eine derart lange Strecke wirklich nicht nach Taxameter, sondern vereinbart einen Festpreis. Der wird dann zwar in der Regel über dem Taxameterpreis liegen (was tatsächlich den Kosten geschuldet ist, die für die Rückfahrt anfallen), aber zum Einen sollte er wohl meist unter dem doppelten Betrag liegen, und zum Anderen ist das selbstverständlich nicht am Ende der Fahrt zu klären, sondern zu Beginn.

Ich kann jetzt nicht hundertprozentig ausschließen, dass irgendeine Taxitarifordnung einen solchen Paragraphen beinhaltet, aber es war in jedem Fall unfair und wahrscheinlich auch nicht rechtens, wenn der Fahrer dich darüber nicht vorher aufgeklärt hat.

Hat irgendwer anders Quellen, die etwas anderes nahelegen?

Versehen…

Mist, Doppelpost!

Hab die Umdatierung vergeigt. Muss jetzt wohl für 2 Tage reichen 😉

Respekt…

…übrigens an den Fahrer oder die Fahrerin des Autos, das in der Heckscheibe folgende fröhliche Botschaft verkündet:

„SCHEIDUNG 2010“

Taxibetrug in New York

Der Taxiblogger hat einen interessanten Artikel in der NZZ verlinkt. Ausgerechnet die beliebten und weltweit bekannten Taxis in New York boten nun Kulisse für einen Betrug. Tausende Taxifahrer haben Kunden innerhalb der Stadt zu einem teureren Umlandtarif befördert.

Eine Weile lang ist das wohl auch gar nicht aufgefallen, da die Tarife sich nicht groß unterscheiden. Wenn man den NZZ-Zahlen glauben will, dann sind durchschnittlich pro Fahrgast 2 $ mehr angefallen. Insbesondere, da New York soweit ich weiss keine freie Wartezeit in Taxen bietet, war das wohl unauffällig.

Nun ja, jetzt kam es raus und ist ein riesiger Skandal. Nicht zu Unrecht, wie ich finde – wobei ich mir sicher bin, dass es im Taxigewerbe auch in New York schlimmeres gibt. Die Fahrer, die mal 50 $ Festpreis für eine 40$-Strecke nehmen, wird es da sicher auch geben, und abgesehen vom Kernbereich von Manhattan werden sicher auch mal Umwege gefahren.

Ja, wie aber der Taxiblogger auch geschrieben hat: SO wäre das hier nicht möglich gewesen.

Wir haben in Berlin ja tatsächlich nur einen einzigen Tarif. Für Tag, Nacht, Feiertags, für Fahrten zum Flughafen, zur Oper und für dreimal im Kreis auch. Die Ausnahme „Kurzstrecke“ ist nur sehr begrenzt anwendbar, der größtmögliche Tarifbetrug neben großzügig manipulierten Taxametern wäre allenfalls möglich, indem man einem Kunden den Kurzstreckentarif verweigert, ohne dass es einen Grund dazu gäbe.

Diesbezüglich ist es sehr praktisch, dass die Taxameter bei uns eventuelle Zuschläge extra ausweisen. Natürlich würde kaum jemand merken, wenn ein Großraumtaxi 8 Cent mehr pro Kilometer kosten würde. Warum da jetzt aber 1,50 € extra stehen, da fragen die Kunden aus Erfahrung oft genug nach…