Antwort vom TVB

In meinem letzten – bei bildblog verlinkten (wow!) – Eintrag habe ich neben dem ganzen Schmu im Artikel bei bild.de auch thematisiert, dass ich mich via Mail an den TVB gewandt habe, um bezüglich des etwas verunglückten Zitates von Boto Töpfer eine Stellungnahme zu bekommen. Die Mail war sehr direkt, und ich hab – gerade als bildblog-Leser – natürlich die Möglichkeit mit eingeschlossen, dass das Zitat falsch sein könnte. Meine Mail sah ungekürzt wie folgt aus:

Guten Abend,

sicher ist ihnen der unschöne Artikel bei bild.de über unsere Branche nicht entgangen.

http://www.bild.de/BILD/regional/berlin/aktuell/2011/01/28/grosser-berliner-taxi-test/branche-in-der-kritik.html

Als Berliner Taxifahrer und zugleich Blogger bin ich immer interessiert an derartigen Meldungen. Interessant an diesem Artikel fand ich die Worte, mit denen Herr Töpfer mit Verweis auf den TVB zitiert wurde:

„Dass keine Fahrt über Umwege gelaufen ist, ist verwunderlich. Denn gerade bei Kurzstrecken haben wir oft Beschwerden von Kunden.“

Dass es diese Beschwerden gibt, weiß ich aus meinem Arbeitsalltag nur zu genau, von einem Branchenverbandssprecher aber ausgerechnet Verwunderung über Ehrlichkeit zu hören, irritiert.
Nun ist die Bild nicht gerade für seriöse Berichterstattung bekannt und ich wollte deswegen anfragen, ob

a) dieses Zitat richtig ist und

b) dieses Zitat so für sich stehen sollte, oder aus einem größeren Zusammenhang gerissen wurde.

Für den Fall, dass dieses Zitat richtig ist, würde ich mich über eine Erklärung freuen, weswegen man einer bekannt reisserisch berichtenden Zeitung so einen negativen Satz vorlegen musste.

Ich wäre erfreut, ihre Antwort in meinem Blog rund ums Taxifahren

http://www.gestern-nacht-im-taxi.de

zitieren zu können.

Vielen Dank im Voraus,

Sascha Bors

Erfreulicherweise erreichte mich heute Nacht noch eine Antwort, und zwar von Herrn Töpfer persönlich. Sie ist sehr ausführlich, mitnichten eine Standardantwort, und am Besten ist es wohl, sie auch hier zu zeigen. Ich wollte sie zunächst ausschnittsweise zitieren, da sie sehr lang ist und z.B. auf das Thema Schwarzarbeit weiter eingeht als es im Zusammenhang mit dem Zitat notwendig wäre. Ich habe aber nun beschlossen, die Mail zunächst unkommentiert stehen zu lassen, damit sich jeder selbst ein Bild davon machen kann, gerne auch öffentlich unter Einbeziehung der Kommentarfunktion. Ich werde Herr Töpfer noch einmal persönlich kontaktieren.

Bitte sehr:

Sehr geehrter Kollege Bors,

vielen Dank für Ihre Mail vom 1.2.2011 an den TVB.

„Dass keine Fahrt über Umwege gelaufen ist, ist verwunderlich. Denn gerade bei Kurzstrecken haben wir oft Beschwerden von Kunden.“ In dieser Äußerung werde ich richtig zitiert.

Das Interview fand unangemeldet am Telefon statt und war von sehr kurzer Dauer. Der Interviewer war verwundert, dass ich das für die Berliner Taxifahrer gute Testergebnis nicht mit Begeisterung quittierte. Daraufhin machte ich die zitierte Äußerung.

Meine Verwunderung richtete sich zunächst auf den Aspekt, ob das Testergebnis vom Interviewer selbst richtig verstanden worden war. Denn ich kannte den Test selbst nicht und musste mich also auf die Interpretation des Interviewers verlassen. Dieser versicherte mir, dass kein Fahrer Umwege gefahren sei. Wie ich später im Testbericht las, ist der „unerfahrene Fahrer“ aber für 29 € von der Sonntagstr. zum SXF gefahren, Kollege Cengiz T. für 31,20 €. Offensichtlich ist dem Interviewer also nicht klar geworden, dass Cengiz einen Umweg von 1,7 km gefahren ist – nicht ganz unerheblich zu Lasten des Kunden. Und auch der „freundliche Fahrer“ ist 1,2 km Umwege gefahren – und das, obwohl der Beste in dieser Dreierrunde sich erstmal in einer Sackgasse verirrt hat und dabei gewiß auch unnötige Strecke verbraucht hat. Ich denke, meine Verwunderung ist hier also angebracht.

Der zweite Aspekt meiner Verwunderung richtete sich auf die Frage, ob das Testergebnis mit drei Fahrten auf sechs verschiedenen Strecken repräsentativ sein kann. Diese Frage richtete ich auch an den Interviewer, der meine Bedenken als unverständlich abtat. Sie haben in Ihrer Stellungnahme zum Taxi-Test sehr gut begründet, dass dieser Test natürlich nicht repräsentativ sein kann und daher wertlos sein muss! Auch hier scheint mir meine Verwunderung gerechtfertigt zu sein.

Ich bin also nicht über die Ehrlichkeit der Taxifahrer verwundert. Die allermeisten sind sicherlich bemüht, auf dem kürzesten Weg wie vorgeschrieben den Fahrgast zu befördern. Ich bin über das Zustandekommen und die Auswertung des Test verwundert, denn leider gibt es zuviele Kollegen, die nicht wie vom Interviewer behauptet den kürzesten Weg fahren – siehe Sonntagstraße – SXF. Das zeigt uns auch der Beschwerdeeingang im TVB, den wir sehr genau auswerten. Fahrten von TXL zum Ku-damm für 35 € sind da keine Seltenheit. Es sind diese Fahrten und diese Kollegen, die uns Taxifahrer in Misskredit bringen. Und beim nächsten Mal fahren wir dann nicht mehr, sondern der nette Neffe mit seinem neuen Auto, mitgesponsort durch die Tante, nimmt uns diese Tour dann weg!

Abschließend noch eine Bemerkung zur Schwarzarbeit, die natürlich bei solchen Tests überhaupt nicht erkannt werden kann. Das haben Sie völlig richtig geschrieben! Mit Schwarzarbeit verbinden die meisten Interviewer das Fahren ohne eingeschalteten Taxameter. Diese Form von Schwarzarbeit ist ja nur ein kleiner Teil des Problems, den die meisten Fahrer auch ablehnen und daher nicht praktizieren.

Das Problem Schwarzarbeit bedeutet ja für alle sauber abrechnenden Taxifahrer und Unternehmer eine unerträgliche Wettbewerbsverzerrung, da hier Steuern und Sozialabgaben von leider viel zu vielen Betrieben kleingerechnet werden. Es ist schon ein Unterschied, ob ein Unternehmer für ein zweischichtig gefahrenes Taxi 700 € jährlich an die Berufsgenossenschaft überweisen muss oder nur 175 €. Während der Ehrliche noch die 525 € einfahren muss, liegt der Verkürzer schon am Strand und genießt den Urlaub. Wohlgemerkt, der Verkürzer hatte die gleiche Lohnsumme wie der Ehrliche! Nur angegeben hat er sie nicht. Rechnet man diese Wettbewerbsverzerrung auf alle Sozialversicherungszweige um und bezieht auch noch alle Arten von Steuern ein, die zu zahlen sind, haben Sie, ich und alle sauber wirtschaftenden Kollegen einen Wettbewerbsnachteil von 5000 – 6000 € im Jahr. Bei mehreren Taxen in einem Betrieb muss man diese Beträge sogar noch multiplizieren.

Obwohl wir also als Taxifahrer alle den gleichen Job machen, spielen alle Beteiligten in zwei unterschiedlichen Ligen, was den Ertrag angeht. Eine unerträgliche Ungerechtigkeit. Diese Art des massiven Betrugs geht Gott sei Dank nicht zu Lasten des Fahrgastes und so wird der Fahrgast auch nicht wegbleiben. Deshalb sollten wir offen im Taxigewerbe über das Problem Wettbewerbsverzerrung reden. Wir im TVB tun dies.

Ich hoffe, ich konnte Ihrer Bitte um Erklärung zum Interview entsprechen. Sie können auch gerne meine Stellungnahme in Ihrem Blog zitieren. Ganz besonders würde ich mich freuen, wenn Sie mich im TVB ansprechen würden, falls Ihnen etwas stinkt. Kritische Kollegen wie Sie sind im TVB immer sehr willkommen!

Mit kollegialen Grüßen

Töpfer


Der große Berliner Taxi-Murks

In den letzten Tagen des kalten Januars 2011 trafen sich die zwei Journalisten Löbker und Schultz. Mir ist nicht bekannt, wie dieses Treffen zustande gekommen ist, das verheerende Ergebnis dieser Zusammenkunft lässt sich jedoch seit einigen Tagen im Netz nachlesen. Im Verlauf ihres Beisammenseins entdeckten sie einen unglaublichen Skandal. Und das nicht irgendwo. Im Taxigewerbe.

Im Taxigewerbe wird betrogen und abgezockt. Eine Wonne für Enthüllungs-Journalisten jeglicher Couleur!

Ausgerechnet der Branchenverband TVB, der Taxi-Verband Berlin, lässt unglaubliches verlauten:

„…dass jeder zweite Euro schwarz verdient wird, Fahrer Stütze vom Amt kassieren, heimlich arbeiten. Absichtliche Umwege nehmen, die Fahrgäste Geld kosten. Trinkgeld nicht versteuert wird.“

Und das in Berlin!

Aber sie beide würden das alles aufdecken, publik machen, die Leute endlich wachrütteln! Und so kam es, dass sie einen perfiden Plan ausheckten. Ein Test! Sie würden einen Test machen. Mit Taxifahrern! Das hatte es bestimmt noch nicht gegeben!

Zunächst trafen sie eine Entscheidung, die so brilliant wie auch einfach ist, dass man sich als Leser fragt, wieso man da nicht selber drauf gekommen ist: Sie würden Taxi fahren. Und zwar oft! Sie würden diese betrügerischen Taxifahrer mit Geld ködern und sie danach vorführen. Hervorragend!

Der Plan nahm irgendwann konkrete Formen an, es sollten 18 Fahrten werden. Nicht mehr und nicht weniger. Die beiden überlegten sich ein paar Fahrtziele und tüftelten an den Stolpersteinen herum. Kurze Strecken mussten unbedingt dabei sein, schließlich ist ja bekannt, dass Taxifahrer bei kurzen Strecken gerne mal schlecht gelaunt sind. Damit das auch wirklich eintrifft, wurden diese Fahrten ausschließlich von Bahnhöfen mit längeren Taxischlangen gefahren. Die Idee war so gut und so underground, dass sie wahrscheinlich in Gedanken Günter Wallraff rehabilitierten.

An dieser Stelle möchte ich mich gerne persönlich beim Axel-Springer-Verlag dafür bedanken, dass sie insgesamt 255,10 € in unser Gewerbe investiert haben.

Beim Rest der Fahrten wurden sie etwas ungeduldig, sie unterteilten sie willkürlich in Nacht- und Normalfahrten, auch wenn es von der Sache her keinen Unterschied machen würde. Eine Strecke musste wahrscheinlich aus Zeitgründen doppelt gefahren werden, aber durch ein bisschen Kreativität bei der Suche nach Straßennamen konnte man das auch unter den Tisch kehren. Insgesamt 285 Minuten verbrachten sie im Taxi. Als sie feststellten, dass das quasi 5 Stunden und damit schon mindestens die Hälfte einer ganzen Schicht für einen Taxifahrer wäre, wussten sie auch, dass das groß war. Ganz groß.

Und sie nannten ihr Werk

Der große Berliner TAXI-Test

Hut ab.

So stelle ich mir jedenfalls die Entstehungsgeschichte des „TAXI-Test“ vor. Und damit kommen wir zum eigentlichen Problem: Der angekündigte große Test ist eine Karikatur seiner selbst. Abgesehen davon, dass wie bei solchen Tests üblich nicht einmal ansatzweise repräsentative Daten erhoben worden sind, ist auch kaum belegt worden, was am Anfang des Textes befürchtet wurde.

Schlimmer noch: Das Machwerk strotzt nur so vor inhaltlichen Fehlern und lässt nicht einmal irgendwelche Kriterien erkennen, nach denen getestet wurde. Im Grunde haben hier zwei Bild-Reporter in meiner Meinung nach ziemlich kargen Sätzen ihre Taxierlebnisse niedergeschrieben.

Schauen wir uns doch mal eben die Fakten an. Eine Zahl, die bei allen Fahrten genannt wird, ist die Strecke. Da stellt man gleich bei der ersten von den 6 Routen fest, dass sie natürlich nicht 1,7 sondern 1,2 Kilometer lang ist. Das hätte im Übrigen ein simpler Abgleich mit dem Berliner Taxitarif ergeben, den man bei einem „TAXI-Test“ ja wohl erwarten kann. Die Krönung ist dann die letzte Strecke zum Flughafen, bei der im Gegenzug mal eben ein Drittel der Strecke irgendwo im Nichts verschwunden ist. Ein Haufen irritierter Taxifahrer überlegt sich inzwischen nämlich, wie man die 20km-Strecke auf 13,8 verkürzen kann.
Dann zeigt ein Foto Herrn Löbker beim Einstieg in ein Taxi am Potsdamer Platz. Wer errät, von welchem großen Berliner Platz keine der genannten Touren gefahren wurde?
Mehr im Argen liegt allerdings bei der 3. „Normalfahrt“ auf der ersten Strecke. Da stehen angeblich 15,50 € auf der Uhr. Das zeugt von einer enormen Unkenntnis des Berliner Tarifs, der ohne Zuschläge seit nunmehr anderthalb Jahren nicht zu einem ungeraden 10ct-Betrag führen kann, da das Taxameter in 20ct-Schritten zählt.

Die inhaltlichen Fehler sind aber nur die Spitze des Eisberges und lassen allenfalls erahnen, mit welcher Sorgfalt hier „getestet“ wurde. Wenn als einzige Kriterien Strecke und Zeit herhalten müssen, sollten wenigstens diese Daten plausibel sein.

Was nun aber das Hauptproblem gewesen sein muss: Auf alle relevanten Fragen lieferten die Fahrten keine Antwort. Auch die Vorwürfe wurden nur unzureichend bestätigt.
Zwei Fahrer haben das Taxameter nicht angeschaltet. Das ist ein schwerer Verstoß, bestätigt aber bei weitem nicht die vermuteten 50% schwarz erwirtschaftetes Geld.
Zwei Meckerer haben sie gefunden, gut.
Ob jemand komplett schwarz arbeitet, konnten sie natürlich nicht mal eben kurz herausfinden, und besonders absurd wird es dann bei den Umwegen:
Einen wirklich bedeutenden Umweg ist anscheinend keiner gefahren, also wird flugs Boto Töpfer vom Taxi-Verband Berlin zitiert, der sich (als vermeintlich einzige Branchenvertretung) auch noch darüber wundert, dass kein Fahrer eine zu lange Strecke gewählt hat. Ich habe am Abend des 1. Februar eine Mail an den TVB geschickt, in der ich die Frage stelle, ob das Zitat in dieser Form korrekt ist.
Zuletzt stellt sich noch die Frage nach dem Versteuern der Trinkgelder. Zum einen müssen zumindest die Angestellten Trinkgelder gar nicht versteuern, zum anderen fehlt im Verlauf des tollen „TAXI-Test“ jeglicher Hinweis darauf, ob die Journalisten überhaupt welches gegeben haben.

Wir haben also eine These vom miesen Taxigewerbe und eine mehr als dürftige Teilbestätigung. Und nun?
Schreiben die Bildlinge einfach mal ein paar Sätze zu den Fahrten. Oftmals wird dabei der Gesprächsinhalt wiedergegeben, wichtige Fakten lassen sich nur bei einzelnen Fahrten erahnen, niemals aber vernünftig vergleichen. Am Besten lässt sich das an der letzten und längsten Fahrt von der Sonntagstraße zum Flughafen Schönefeld verdeutlichen:

„1. Fahrt: Cengiz T. (42) plaudert viel. Er ist seit 18 Jahren in Deutschland, hat in der Türkei Betriebswirtschaft studiert. „Leider wurde der Abschluss hier nicht anerkannt. Mit dem Taxi-Job ernähre ich meine Frau und zwei Töchter.“ Hält das Lenkrad sicher mit beiden Händen. Dauer: 27 Min., Preis: 31,20 Euro.“

Er hat Familie, einen türkischen Abschluss und hält das Lenkrad sicher. Äh, ja.

„2. Fahrt: Der freundliche Fahrer (Foto links, seit 31 Jahren im Job, ohne Navi) nimmt den Koffer in Empfang, legt ihn in den Kofferraum. Dauer: 29 Min., Preis: 30,60 Euro.“

Preis und Fahrtzeit sind also fast identisch, der Fahrer ist freundlich. War Cengiz auch nett und hat beim Gepäck geholfen? Wer weiß? Und ist das fehlende Navi nun gut oder schlecht? Bei einer anderen Fahrt wurde das fehlen eines Navis nämlich bemängelt. Das Foto vom Fahrer existiert übrigens nicht bei bild.de.

„3. Fahrt: Der unerfahrene Fahrer (seit August 2010 im Job) lässt sein Navi aus, fährt zunächst in eine Sackgasse. Sucht dann den richtigen Weg in einem Stadtplan raus. Er telefoniert gleich zweimal über Lautsprecher mit seiner Freundin, die auch noch maulig ist. Immerhin hilft er beim Gepäck. Dauer: 41 Min., Preis: 29 Euro.“

So, hier ist wohl einiges schief gelaufen. Die Fahrt dauert wesentlich länger und – Moment mal! – ist die mit Abstand günstigste der drei. Trotz Verfahren ist der Weg fast 2 Kilometer kürzer als der von Cengiz. Aber wird daraus ein Fazit gezogen? Ist der bessere Preis vielleicht das Gemaule der Freundin wert? Keine Ahnung, denn das sind die letzten Sätze dieses großen Taxi-Tests, er endet mit den Worten „Preis: 29 Euro.“

Es bleiben also durchaus einige Fragen offen nach dem Lesen. Zum Beispiel würde ich gerne wissen, was aus Hijazi M. geworden ist. Der ist die Tour schwarz gefahren, hat die Verkehrsregeln missachtet und schien auch sonst nicht gerade serös zu sein. Wurde hier eine Anzeige erstattet, eine Beschwerde formuliert, oder war das nun alles nur Unterhaltung?

Ich möchte noch anmerken, dass bild.de meiner Meinung nach einmal mehr unterschwellig Stimmung gegen die nicht-deutschen Kollegen machen möchte. Wer die Namen der Fahrer durchliest, stößt auf 9 Namen, davon 7 türkische, einen arabischen und einen ivorischen. Die anderen 9 heißen „Fahrer“, „netter Fahrer“, „Uriger Berliner“ usw.

Das Ergebnis ist klar: Taxifahrer sind schlimm, das Gegenteil beweisen sie nicht wirklich und waren das nicht alles Ausländer?

Im Gegensatz zum großen „TAXI-Test“ möchte ich mit einem Fazit schließen:

Dieses pseudojournalistische Geschwurbel ist nutzloses Füllmaterial für die Seite bild.de, das bezüglich der leider tatsächlich vorhandenen Probleme im Taxigewerbe nichts erklärt, nichts testet und nichts ändern wird.

(Das ganze hab ich überhaupt nur via Klaus gefunden)

Wehrhafter Kollege

Respekt an den Kollegen, der sich gegen einen Räuber zur Wehr gesetzt hat, der meinte, mit einer einfachen Umklammerung kriege man einen Berliner Taxifahrer klein!

Link zur Polizeimeldung

Ich denke mir ja immer wieder, dass unsere Tageskasse keine Gegenwehr wert sei, aber natürlich ist es schön zu lesen, dass ein Kollege gut dabei wegkam. 🙂

Trotzdem wünsche ich ihm natürlich, dass er das nicht noch einmal durchmachen muss und sich bald erholt!

Lebenszeichen

So, eine Woche frei… vorbei!

Heute Abend stürze ich mich wieder ins Getümmel und dann passiert hier auch mal wieder ein bisschen mehr. Taxigeschichten schreiben ohne sie erlebt zu haben, ist dann eben doch nicht so einfach. 🙂

Leider gibt es auch mal wieder einen Überfall zu vermelden. Wenngleich die Fahrerin unverletzt geblieben ist, erschreckt es mich doch ein wenig, dass die Täter zum einen gleich mit Schußwaffe aufgekreuzt sind und zum anderen um 20.30 Uhr zugeschlagen haben.

Link zur Polizeimeldung

Nun gibt es freilich einiges, was ich diesen Dösbaddeln wünschen würde, am allermeisten aber, dass die betreffende Kollegin etwa Arbeitszeiten wie ich hat, und sie gerade mal einen Zehner Umsatz eingefahren hat…

Neujahr, Bestandsaufnahme und Kollegen

Nun gut, das waren sie eigentlich, die erwähnenswerten Fahrten der Silvesterschicht. Eine Menge anderer netter Kunden kam noch dazu, so zum Beispiel die Truppe mit dem Typen, der der Meinung war, jemand hätte ihm Drogen ins Trinken getan und der jeden zweiten Satz mit „Tut mir leid!“ beendet hat.

Aber sogar völlig nüchterne Kunden hat meine Schicht noch bereitgehalten, Leute die am Neujahrstag um 5 Uhr arbeiten mussten. Ich will nicht sarkastisch klingen, aber mit denen hätte ich nicht tauschen wollen.

Der Umsatz war wieder einmal für Silvester nicht gerade bombig, aber immerhin war es die beste Schicht in nun über zwei Jahren für mich. In 9 Stunden hab ich 329,20 € eingefahren, und 47,50 € sind an Trinkgeld zusammengekommen. Den ewigen Rekord von 23 Touren pro Schicht hab ich auch um eine aufstocken können, und dank Ausbleiben von Brandschäden, Glas auf der Straße oder übermäßig nerviger Kundschaft kann ich dem Tag nach wie vor nur gutes aus eigener Erfahrung unterstellen.

Zwei Kollegen möchte ich noch erwähnen.

Zum einen Kollege Rob, der am Neujahrsabend bei mir zuhause auftauchte, und einen meiner Keys dankend in Empfang nahm, weil sein eigener voll war. Wird sicher ein Kuddelmuddel bei der Abrechnung, aber besser, als wenn er gar nicht mehr hätte fahren können. Er hat an Silvester stolze 480 € gemacht, die Schicht allerdings früher begonnen als ich und beendet, indem er mit 3 Bayern um 12 Uhr einen Kaffee getrunken hat. Auch nicht schlecht!

Mein Mitleid gilt Kollege Mohammed, dem bei einem fantastischen Umsatz bereits um 23 Uhr seine Tasche geklaut wurde, in der sich neben einer unbedeutenden Summe an Bargeld all seine Papiere, vom P-Schein bis zu seinen Bankkarten befunden hat. Er durfte den Jahreswechsel dann auf der Polizeiwache verbringen, ehe er frustriert Feierabend gemacht hat. Er wird Silvester wahrscheinlich als beschissenste Schicht in Erinnerung behalten und noch wochen- oder monatelang auf irgendwelchen Ämtern seinem Zeug hinterherrennen. Hodenkrebs und Arschbrand den Schuldigen!

Ja, so war also Silvester 2010, Neujahr 2011. Ich hoffe, ihr habt nur positives erlebt!