Vorhersagen

Insbesondere, dass die Karfreitagsschicht noch gut wird, war nicht von Beginn an abzusehen. Im Gegensatz zu mir haben ohnehin viele Kollegen gejammert, vielleicht war ich ja sogar ein ausgesprochen einsamer Glückspilz. Lustig war das Gespräch, das ich anlässlich dieses Themas mit @chris87de auf Twitter führte:

 

 

 

 

… und dann nahm die Nacht ihren Lauf. Als sie so langsam zu Ende war, stellte ich mich noch einmal an den Ostbahnhof, wo mir nach kurzer Wartezeit bereits drei Kunden einstiegen und einer von ihnen sagte:

„Wir müssten zwei Stops einlegen. Der erste wäre in Friedrichshagen …“

Der erste … und das sind ja bald schon 30 € bis dort. Am Ende musste ich morgens noch einen Tweet raushauen:

 

 

Uber und die Medien …

Gottchen, bei der Geschichte mit der neuen Uber-App „UberPOP“ kommen so langsam auch alle durcheinander, oder?

Ein besonders schönes Beispiel, allerdings kein Einzelfall, ist der aktuelle Artikel im Tagesspiegel. Der wirft 2 Dinge durcheinander: Das eben ergangene Berliner Urteil gegen den Limousinenservice von Uber und die aktuelle ANDERE Dienstleistung von Uber: UberPOP eben. Ein kleines Bisschen richtiger, aber auch ohne die notwendige Unterscheidung schafft es zeit.de

Zum Mitschreiben:

1.

Der Limousinenservice von Uber existiert schon länger und ist vom Prinzip her legal. Gegen ihn wurde seitens eines Berliner Taxiunternehmens vor einiger Zeit „nur“ geklagt, weil sich die Limousinen unberechtigt in der Innenstadt bereithalten, was laut Personenbeförderungsgesetz für Mietwagen (das sind Limousinen im Sinne des Gesetzes) nicht erlaubt ist.

2.

UberPOP ist ein davon unabhängiges Angebot (Ja, auch mit App, aber niemand verbietet einer Firma, zwei Apps zu programmieren!), bei dem Privatpersonen ohne P-Schein Fahrten abwickeln sollen. Dieses Angebot gibt es erst seit Dienstag in Berlin, da gibt es noch kein Urteil. Wohl aber auf diesen Service scheint sich das Urteil in Belgien (engl.) zu beziehen und auf dieses Urteil wiederum bezieht sich die inzwischen vielzitierte Kritik der EU-Kommissarin Neelie Kroes.

——

So, sind jetzt alle Unklarheiten beseitigt?

Das jetztige Berliner Urteil hat eine ganz andere Tragweite als die durch UberPOP aufgeworfenen Fragen. Beim normalen Limousinenservice ging es ausschließlich ums Bereithalten, welches laut Gesetz Taxen vorbehalten ist. Und der Streit ist so alt wie der Unterschied zwischen Mietwagen und Taxen. Es gab bestimmt in jeder Stadt, in der es eine nennenswerte Anzahl an Mietwagen gibt schon ähnliche Streitigkeiten und da darf in meinen Augen auch wesentlich ergebnisoffener diskutiert werden, ob diese Unterteilung jetzt wichtig ist oder nicht.
Es fällt aber natürlich schwer, ausgerechnet bei Uber jetzt milde zu urteilen, wo sie mit UberPOP ziemlich unmissverständlich beweisen, dass sie sich aus Prinzip einfach mal eher nicht an ihnen ungenehme Gesetze halten. Der Einlauf, den sie zu UberPOP bekommen werden, wird nochmal viel mehr knallen als das, was da jetzt im Berliner Landgericht passiert ist.


Nachtrag, 17:43 Uhr: Der Tagesspiegel hat den oben verlinkten Artikel inzwischen geändert.

Fußgängerzone des 17. Juni

Straßensperrungen sind ja so ein Thema für sich. Wie bei fast allen Verkehrsthemen sind die betroffenen Teilnehmer – allen voran die Autofahrer – gerne schnell am Rotieren.

(Vielleicht überträgt sich ja der Impuls der zwangsweise stehenden Räder auf die Fahrer, das sollte man mal untersuchen!)

Natürlich sollte man das ein wenig differenzierter betrachten. Der öffentliche Verkehrsraum ist nicht nur fürs Auto da und bei wichtigen Veranstaltungen ist es zweckmäßig, den Fahrzeugverkehr umzuleiten. Auf der anderen Seite sorgen solche Sperrungen natürlich je nach Art und Häufigkeit des Auftretens auch für eine Verkehrsverschärfung. Im Falle der Straße des 17. Juni, besonders der Abschnitt zwischen dem Brandenburger Tor und dem Großen Stern, ist die Sperrung schon gewaltig. Während auf dem 17. Juni der Verkehr 3-Spurig rollen kann, bieten alle auch nur halbwegs naheliegenden Ausweichrouten nur je eine Spur pro Richtung.

Und tagsüber ist das heftig, wenn dort gesperrt ist. Für mich als Nachtfahrer ist das eigentlich egal. In meinem Straßenverzeichnis existiert der Teil quasi nicht mehr, ich hab mir die John-Foster-Dulles-Allee und die Tiergartenstraße zur Regel, nicht zur Ausnahme gemacht.

Das aber auch nicht freiwillig. Die Straße des 17. Juni soll die meistgesperrte Straße Deutschlands sein, was ich für plausibel halte. An mindestens hundert Tagen im Jahr ist sie gesperrt. Ein Drittel der Zeit, gefühlt viel häufiger. Das ist irgendwo logisch, schließlich ist es wohl das repräsentativste Stück unseres Landes überhaupt. Zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor feiert es sich nicht absolut furchtbar Silvester, sondern man kann sich dort auch mit viel zu kleinen Demonstrationen optisch zum Löffel machen oder als Staatsoberhaupt große Reden schwingen.

Vermeiden lassen wird sich das Interesse, diese Straße für den Autoverkehr stillzulegen, also eher nicht. Dann könnten wir doch aber ein bisschen ehrlicher sein und sie wenigstens umbenennen. „Fußgängerzone des 17. Juni“ würde dem Ganzen doch die Lockerheit verleihen, die man als Autofahrer ja ohnehin braucht, wenn einen der Weg dort durch vorbei führt.

Google Maps

Ich hab ja schon mal ein bisschen über das neue Google Maps gemeckert. Aber jetzt, da ich gerade tonnenweise alte Einträge durchgehe, um nach tollen Sachen fürs Buch zu fahnden, ist mir dann aufgefallen, wie viele der alten Karten bei GNIT durch die Umstellung völlig unbrauchbar geworden sind. 🙁

Fast schon niedlich ist dieses Beispiel. Es war eigentlich eine Fahrt von der Warschauer Str. Ecke Warschauer Platz zum Matrix am Warschauer Platz. Die nun angezeigte Karte dürfte Neuleser wohl etwas verwundern …

Ich mag die Software von Google. Wirklich. Aber das ist doch echt zum Kotzen jetzt.

FAER kommt.

Ich bin erstaunt, wie wenig meine aktuelle Filterbubble zu einer der größten Reformen für Deutschlands Autofahrer bereithält. In rund einem Monat – ab dem ersten Mai 2014 – tritt das neue Fahrerlaubnisregister (FAER) in Kraft und damit werden die teils altbekannten Regeln der „Punkte in Flensburg“ völlig durcheinander geworfen.

Statt 18 Punkten braucht es nur noch 8, um den Lappen loszuwerden – im Gegenzug wurde an der Vergabepraxis und einigen anderen Dingen aber auch deutlich gedreht. So werden jetzt nur noch als „sicherheitsgefährdend“ eingestufte Verstöße dort eingetragen, „Punkteabbauseminare“ sind durchweg freiwillig, bringen aber auch nur noch einen Punkt; und jeder Punkt verjährt für sich alleine, es wird nix mehr aufaddiert.

Um ehrlich zu sein: Ich bin in Detailfragen (wie z.B. der Tilgungsfristen beim Übergang zum neuen System) trotz ein paar Recherchen immer noch etwas unbeleckt. Kunststück, da mich das kaum interessiert. Meine letzten Punkte sind lange verjährt und neue werde ich aller Voraussicht nach erst bekommen, wenn das neue System in Kraft tritt.

Darüber hinaus finde ich die grundsätzlichen Ideen nicht schlecht, die das FAER ausmachen. Sicher, der Mangel an Differenzierung (es gibt eben nur noch 1, 2 oder 3 Punkte pro Verstoß) ist vielleicht weniger toll. Aber die verlängerten Tilgungsfristen im Falle neuer Verstöße ist z.B. in meinen Augen sinnvoll. Und ja: auch wenn die Fristen insgesamt länger sein mögen. Es war schlicht absurd, dass es mir bisher zum Verhängnis hätte werden können, dass 3 Punkte eines Rotlichtverstoßes im Taxi mir 2 Jahre länger an der Backe kleben würden, weil ich anderthalb Jahre nach dem Vorfall mit einem Mietwagen ohne Plakette in einer Umweltzone erwischt worden wäre. Wo da der Zusammenhang besteht, verschloss sich wohl nicht nur mir.

(Rechtsanwalt Tobias Glienke hat ein paar Artikel zum Thema in den letzten Tagen geschrieben)

Fürs Taxifahren an sich ändert sich wohl kaum was. Unsere P-Scheine werden weiterhin nach persönlicher Bewertung der Referatsleiter entzogen oder nicht. Und mein Chef konnte mir auf Nachfrage auch nur bestätigen, dass es da bisher Fälle gab, in denen Fahrer trotz 15 Punkten den Schein behalten oder ihn mit nur 3 Punkten haben abgeben müssen.

Wie eingangs erwähnt: Über alle Aspekte (gerade beim Übergang der Systeme) hab ich auch noch nicht alle Infos gesammelt. Insgesamt aber scheint mir die Reform nicht die dümmste zu sein, da sie allenfalls wirklich hartnäckige Sünder übler trifft als bisher. Aber die Meinungen sind bekanntlich verschieden.

Was ist Euer Standpunkt zur Reform?

Dumme Idee und unnütze Änderung? Oder doch mal was halbwegs cleveres?

Radio die … sechste (?)

Ja, sieh mal einer an! Da werde ich also tatsächlich bald mal wieder im Radio sein. Das freut mich sehr. Dieses Mal hat das allerdings eine fast traurige Bewandtnis, denn Matthias Däuble vom ORF hat mich angefragt, weil ihm so auf die Schnelle kein österreichischer Taxiblogger eingefallen ist – und mir auf Nachfrage ebenfalls nicht.

Was machen die Kollegen südöstlich der Bundesrepublik denn so? Findet sich da niemand, der schreibt? Ich bitte um Handzeichen, falls dieser Fall nochmal eintreten sollte!

Aber gut, bei Österreich geht das mit der Verständigung ja gerade noch so, ich denke also, ich hab das dieses Mal noch ganz gut übernehmen können. Das Interview war sehr angenehm, insbesondere weil ich am Montag nur am Telefon Rede und Antwort stehen musste, so dass ich um unangenehme Pflichten wie das Anlegen passender Bekleidung herumgekommen bin.

Gesendet werden wird das Ganze dann am Sonntag, den 30. März 2014, ab 18.15 Uhr auf Ö1.

Im Internet live mitzuhören auf dieser Seite.

In der Sendung geht es natürlich nicht nur um mich, sondern allgemein um Taxifahrer, wohl mit einem Schwerpunkt auf Österreich. Als Taxiblogger spiele ich da nur eine kleine Rolle und arg viel wird von dem Telefonat wohl auch kaum übrig bleiben, wenn erst mal mein Best-of peinlicher Ähs rausgeschnitten ist. 😉

Wie’s wird, weiß ich im Vorfeld natürlich auch nicht, aber umso mehr darf man gespannt sein. Ich hoffe, ich finde am nächsten Sonntag die Zeit, reinzuhören. Vielleicht ein paar von Euch ja auch. Und falls nicht, soll es auch später noch nachzuhören sein.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Flatternde Nerven

(und anderes)

Moin allerseits! Wer hat heute morgen den GNIT-Eintrag vermisst?

Ihr braucht die Hände nicht zu heben, denn ich bin ohnehin auch in der Runde. Nach einer ziemlich anstrengenden Schicht wollte ich gerne mal eben zur Entspannung drei Blogeinträge runterrocken, aber dann ist mir das Netzteil abgeraucht. Alle Mühe umsonst, der Rechner war nicht anzukriegen. Wie das halt so ist mit Netzteilen, die statt Strom komische Gerüche verbreiten.

Aber nun ist alles gut. Hab einen kleinen Laden gefunden, der mir die Stromversorgungseinheit zu einem angemessenen Preis überlassen hat, anders als z.B. der Saturn vor meiner Haustüre. Aber dazu werde ich später noch was schreiben. Jetzt jedenfalls bin ich happy, dass alles tut und nur etwas besorgt, weil ich noch kaum zum Schlafen gekommen bin. Aber gut, irgendwas ist ja immer …

Nun zur gestrigen Nacht. Manche Dinge passieren auch mir nach fünf Jahren im Taxi noch das erste Mal. Das hier zum Beispiel:

Hat sich für Euch in Schale geworfen: die 72. Quelle: Sash

Hat sich für Euch in Schale geworfen: die 72. Quelle: Sash

Es war windig heute nacht, sehr sogar. Und so kam es, dass plötzlich auf der Leipziger Straße von einer Baustelle dieses Absperrungsband über die Straße geweht wurde, und ich es zielsicher um mein Taxi wickelte und letztlich abriss. Einfach so im Vorbeifahren. Da ich einen Kunden an Bord hatte, der es eilig hatte und ich keine sonderliche Verkehrsgefährdung erkennen konnte, haben wir die restlichen Kilometer bis nach Schöneberg mit runden 10 Metern flatterndem Anhang zurückgelegt.
Zumindest die Ordnungshüter haben schnell mal einen wachsamen Blick aufgelegt, bevor sie vermutlich beschlossen haben, dass das halt auch zu Berlin gehört, wenn ein Taxi offenbar irgendwo durch eine Baustelle gebrettert ist. Oder so. 😉

Der Fahrgast konnte darüber lachen, ich auch – und so hab ich am Ende noch das obige Foto aufgenommen. Zur Beweissicherung. Wenn es sonst niemand tut.

Euch ein schönes Wochenende – und gebt Acht auf Netzteile und Absperrbänder!