Von Richtungen und Falschungen

…oder so.

Das Konzept von Taxen ist ja eigentlich nicht sonderlich kompliziert: Ein Fahrgast bezahlt uns Taxifahrer, um von uns dann dorthingebracht zu werden, wo er will. Aber da Menschen sich das Leben ja gerne besonders schwer machen, werde ich oft genug gefragt, ob das jetzt ok so sei mit der Richtung oder ob ich nicht lieber eine Tour nach xy statt nach z bekommen hätte. Manche gehen ja tatsächlich am Stand soweit, dass sie mir anbieten, ein anderes Taxi zu nehmen – meistens übrigens, wenn sie eine lange Tour in einen Randbezirk haben.

Wenn es ins Umland geht, ist die Frage natürlich berechtigter – und zwar im wahrsten Sinne. Schließlich habe ich dort sogar das Recht, die Fahrt abzulehnen. Aber bei Winkern sind das teilweise hanebüchene Nachfragen. Da wollen die Leute dann vom Kottbusser Tor zur Hermannstraße Ecke Flughafenstraße und fragen, ob mir das nicht zu weit nach außerhalb geht.

Andere sind in die andere Richtung dreist und fahren von Schöneweide nach Köpenick und behaupten, dass sei nicht etwa des Geldes wegen toll, sondern weil sich direkt neben ihrer Waldhütte ein Taxistand befindet – und ich glaube, selbst Funker finden Montag Nachts um drei bessere Halten als verlassene Ecken nahe dem Waldrand.

Wirklich geärgert habe ich mich noch nie über eine Tour, aber sicher wäre ich manchmal – insbesondere um den Feierabend herum – froh, keine Fahrt nach JWD mehr zu kriegen. So einen Fall hatte ich neulich wieder:

Nach der Tour mit dem betrunkenen Spaßvogel, der um ein Haar mein Auto unfreiwillig als Suizidhilfe verwendet hätte, wollte ich eigentlich gleich wieder in die Stadt, zumindest mal so grob wieder in Richtung belebter Gebiete. Da ich aber mein Handy nicht dabeihatte, dachte ich, ich könne ja durchaus auch mal nach meiner besseren Hälfte sehen, wenn ich schon so weit östlich gelandet bin. Allen Überkilometern zum Trotz hab ich mich auf den Weg in die Marzahner Promenade gemacht, nur um festzustellen, dass zu Hause schon alles dunkel und niemand mehr wach war.
Ein wenig frustriert bin ich also die diesmal rund 10 km lange Strecke gen City gegurkt. Dabei hab ich – wieder in Lichtenberg angekommen – auch tatsächlich einen Winker gehabt.

„Wo darf es denn hingehen?“

„Marzahner Promenade 42.“

Ich hab mich an dem Punkt auch beherrschen müssen, nicht Homer Simpson mit einem lauten „Nein!“ zu zitieren 🙂

Aber im Grunde meine ich es ernst: Wir werden dafür bezahlt, dass wir die Fahrgäste dorthin bringen, wo sie hinwollen, nicht dafür, irgendwo hinzufahren, wo wir gerade Lust drauf haben.

10 Kommentare bis “Von Richtungen und Falschungen”

  1. Taxi 123 sagt:

    Wenn Du nur ältere Fahrgäste hast, kennen die das noch von vor ´89 so. Und die jüngeren haben es vielleicht…

  2. MaxR sagt:

    Ist das da, wo auch die berühmte Cindy wohnt?

  3. Wobei, das ist doch mal eine Marktlücke. Eventtaxi. Fahre dorthin, wo der Fahrer hin will. Dafür zahlst du das 5-fache. 🙂 Wäre das nicht eine tolle Sache für dich?

  4. Aro sagt:

    Was hast Du gegen Fahrten an den Waldrand? Stell Dir vor, er will stattdessen in den Wald 🙂

    Und dass es dort Taxihalten gibt, ist doch auch toll. Wenn z.B. der Förster nachts um 2 Uhr nach Hause will, geht er einfach zur Halte Kladow Kirche oder Bahnhof Rahnsdorf. Was glaubste, wie der sich freut, wenn dann dort ein Taxi steht!

  5. anonym sagt:

    @ Taxi 123
    Auch vor ’89 hat der Fahrgast das Fahrtziel bestimmt, nicht der Fahrer. Der wesentliche Unterschied war, daß es da oft mehr Fahrgäste gab als Taxis (was natürlich den Dienstleistungscharakter des Taxifahrerberufes etwas geschwächt hat, zugegeben), und heute ist es umgekehrt, wodurch die Fahrer längere Stillstandszeiten haben.

  6. Sash sagt:

    @MaxR:
    Nee, die wohnt in Schöneberg 😉

    @Der Maskierte:
    Gerne, aber ich fürchte, dann werden meine Standzeiten geringfügig länger…

    @Aro:
    Ja, aber ich glaube, Förster sind keine so große Kundengruppe, dass sich das als Marktlücke für uns ernsthaft lohnt 😀

  7. Kathrin sagt:

    Das nächste Mal klingelst du einfach bei mir durch, dann schmeiß ich dir Plätzchen durchs Fenster runter.

  8. Sash sagt:

    @Kathrin:
    Keine Sorge, ich werde dich nicht nachts wachklingeln – wenn ich doch 500 Meter weiter zu Hause selbst backen kann 😀

  9. Meister Hutgewinde sagt:

    btw.: http://jwd-kassel.de/ 😉

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