Wie lange muss man als Taxifahrer arbeiten? (1)

Diese Frage bekomme ich (selten in den Kommentaren, öfter per Mail) immer wieder, gerade von P-Schein-Aspiranten, gestellt. Bisher konnte ich mich noch nie dazu durchringen, die einzig klare Antwort darauf zu geben:

„Bis zur Rente, und am Besten noch ein Bisschen länger…“

Nein, die Frage bezieht sich natürlich auf die tägliche, wöchentliche, monatliche Arbeitszeit. Ich verstehe die Frage schon sehr gut, denn falls man irgendwoher den Verdienst zu kennen glaubt, ist die nächstwichtige Frage bei einer Lohnarbeit natürlich, wie lange man dafür arbeiten muss.

Nun ist das Taxigewerbe aber leider – zumindest hier in Berlin – sehr arbeitnehmerfreundlich im Bezug auf die Rechte. Da nämlich so gut wie jedes Unternehmen Fahrer sucht, sollte sich immer auch eines finden lassen, das die gewünschten Arbeitszeiten zulässt. Aber da das alles ja noch nicht viel bedeutet, will ich mal eine kleine wöchentliche Serie starten über mich und ein paar Kollegen und unsere Arbeitszeiten. „Kollegen“ ist hier aber nicht so zu verstehen, dass sie alle beim selben Arbeitgeber beschäftigt sind. Das wird man auch merken. Aber ich erzähle hier gerne ewig lange von mir, und dabei bin ich ja nur ein minimaler Ausschnitt aus dem Gewerbe, noch dazu mit einem alles andere als durchschnittlichen Profil. Im Laufe der jetzt fast zweieinhalb Jahre habe ich einige Kollegen kennengelernt und mich mit ihnen natürlich auch über den Job unterhalten. Gefühlt bin ich dabei vom einen Extrem bis zum anderen allen möglichen interessanten Menschen begegnet. Um also mal einen Blick über den Tellerrand zu gewähren, werde ich ab jetzt ein paar Wochen lang Freitags – wenn „normale“ Menschen dem Wochenende entgegenfiebern, etwas über einen Taxifahrer und seine Arbeitszeit schreiben.

Zur ersten Ausgabe fange ich natürlich mit mir selbst an.

Über mein Leben wisst ihr schon einiges. Dank der unregelmäßigen Schlafgewohnheiten meiner besseren Hälfte habe ich schon viele Versuche hinter mir, mal so und mal so zu arbeiten. Zwei Dinge standen dabei natürlich immer fest:

1. Nachts

2. Nicht zu viel

Ja, ich liebe meine Arbeit wirklich, und ich habe einen sehr sehr sehr liberalen Chef. Beziehungsweise gleich zwei davon. Auf die Nachtschicht bin ich zwar gerade mehr oder minder festgenagelt, aber das durchaus freiwillig. Ich will ums Verrecken nicht bei normalem Verkehr durch Berlin schleichen müssen und ich mag meine oftmals verpeilte Kundschaft sehr.

Ich habe in den mehr als zwei Jahren einfach festgestellt, dass ich es schlicht nicht schaffe, mal eben 60 Stunden die Woche runterzureissen. Mir kommen oft (in meinen Augen) wichtige Dinge dazwischen, und so wie ich es jetzt betreibe, kostet mich auch das Schreiben und das Arbeiten an meinen Pages einige Zeit. Geld verdiene ich zwar nach wie vor fast nur im Taxi, aber auf mehr als 36 bis 40 Stunden hab ich es längerfristig pro Woche nie geschafft. Derzeit bin ich fest entschlossen, diese Zeit beizubehalten, und zumindest die 36 Stunden pro Woche runterzurocken – allerdings verteilt auf nur 4 Tage. Derzeit bin ich also nur von Mittwoch bis Samstag unterwegs, dafür von etwa 19 bis 4 Uhr unter der Woche, am Wochenende sind eigentlich nach wie vor 12 Stunden (19 bis 7 Uhr) geplant. Die Ausfälle in Form wichtiger Pausen und anderer Beschäftigungen ergeben dann die normale Arbeitszeit.

Aber das ist seit 2 Monaten so. Ich hab schon eine Menge anderer Modelle probiert und ich hoffe jedes Mal wieder, dass jetzt das Richtige gefunden ist 😉

13 Kommentare bis “Wie lange muss man als Taxifahrer arbeiten? (1)”

  1. SaltyCat sagt:

    ich bin ne ganze Weile bei der 168-Stunden-Woche hängengeblieben – war praktisch, musste nicht so lange über meine Freizeitgestaltung nachdenken. 😉
    Nur meine Werkstatt hat sich im falschen Film gewähnt … „Der nächste 30.000er Ölwechsel, bitte.“ – „Hä, du warst doch erst vor 6 Wochen hier?“ – „Jepp.“

  2. Sash sagt:

    @SaltyCat:
    Aber rund um die Uhr arbeiten sollte irgendwann zu Ermüdungserscheinungen führen, oder?

  3. petra sagt:

    Gibt es eigentlich gesetzliche Regelungen wieviele Stunden ein Taxifahrer maximal arbeiten darf?

    LG Petra

  4. SaltyCat sagt:

    @Sash: Naja, Schlafpausen werden zu Bereitschaftszeiten umgewandelt, dann passts schon … und ’ne halbe Stunde für ’ne Packung Nudeln auf dem Campingaz-Kocher war auch irgendwie noch drin …
    Aber ich will nicht so tun, als wär alles scheisse gewesen. Ohne den Job hätte ich so manches nie gesehen – Monaco z.B. oder die Ukraine …

  5. Aro sagt:

    Ja, die gibt es. In der Personenbeförderung darf man nicht mehr als neun Stunden pro Tag arbeiten. Aber gerade als Taxifahrer kann man das natürlich auch so auslegen, dass die Wartezeiten keine Arbeit sind.

  6. Aro sagt:

    Komme ich dann auch ins Fernsehen?

    Übrigens habe ich den Eindruck, als wenn Deine Blogs seit ein paar Tagen rumspinnen. Sie verweigern immer wieder mal das Scrollen und auch das Schreiben von Kommentaren. Zwar nur sekundenweise, aber trotzdem. Haste vielleicht ein neues schickes Plugin installiert, das dafür verantwortlich ist? Oder ist das nur bei mir so?

  7. Kommentator sagt:

    Ich träum von der 36 Stunden-Woche: 4×9 Stunden arbeiten, halben Tag ausschlafen, dann 2,5 Tage Wochenende – Gewinn!

    @Aro:
    Hier (FF 3.6.15 auf XP, SP3) läuft alles problemlos, rauf und runter, Kommentiererei, gute Texte von Sash 🙂 – eventuell ein „lokales Problem“ (also bei Dir)?

  8. Aro sagt:

    Das mit den guten Texten klappt hier auch 🙂
    Aber an ein lokales Problem glaube ich nicht, weil ich das Problem auf anderen Seiten nicht habe. Andererseits tritt es mit Chrome nicht auf. Ach, keine Ahnung.

  9. Sash sagt:

    @Aro:
    Was weiss ich, ob du ins Fernsehen kommst! 🙂
    Nee, über deine Arbeitszeiten musste schon selbst schreiben, ich kenne genügend andere – und die dann wenigstens schlecht genug, um anonym über sie zu bloggen 😉

    Was die Seite angeht: Ich hab in der Tat hier und da ein paar Sachen rumprobiert, aber so wie ich mein Glück kenne, hängt das mit der Seite bestimmt wieder an Flattr, bzw. vielleicht dem neuen Twitter-Button. Aber ehrlich gesagt, ich hab die Probleme hier bei mir nicht.

  10. Nico sagt:

    @Aro:
    stimmt nicht ganz, Arbeitszeitgesetz sagt: Arbeitszeit = Bereitschaftszeit + Fahrzeit
    und: nur dann mehr als 8 Stunden täglich wenn im mittel die 8 Stunden auf dauer nicht überchritten werden

    Dazu kommt in Bayern noch der Taxitarifvertrag Nr 10 von Verdi:
    Tagsüber maximal 11 Stunden, Nachts maximal 10 Stunden, 22 Tage mindestens arbeit im monat, 8 Tage mindesens Frei im monat, 37 Urlaubstage im Jahr, mindestens 40% Provision, aber nicht weniger als 1610€ Brutto auf 22 Arbeitstage, 10€ Urlaubsgeld zusätzlich zu den weiteren Bezügen, 2€ Feiertagszuschlag/Stunde, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für maximal 6 Wochen und während des Urlaubs.

    Im grunde kann man aber sagen, zumindest in meiner Stadt, zuviele Fahrer, zuviele Taxen, alle wollen gleichzeitig ein Taxi und der Lohn ist verglichen mit Leiharbeit eigentlich ein Witz, und der ist schon existenz bedrohend.
    Wer von 35 Stundenwoche träumt, sollte nicht ins Taxi steigen, da gibts nur arbeitszeit für wenig Lohn.

    Der absolute lacher sind auch manche Taxiunternehmen, die bei der Fahrersuche behaupten, Vollzeit, und dann Teilzeit anmelden, während man doppelte Vollzeit arbeitet.

    Käme der Mindestlohn im Taxigewerbe, gäbe es nur 2 möglichkeiten:
    1. Größtenteils nur noch Selbstfahrer weil man die Löhne nicht bezahlen kann.
    2. Der Tarif steigt ins unermeßliche, was einen Nachfrage einbruch verursacht und damit wiederum zu weniger Umsatz führt und somit zu sinkenden angestellten zahlen.

    Wer überlegt, Taxi zu fahren muß sich über eines im klaren sein:
    Regeln gibt es vorallem auf dem Papier und wenn es keinen Fahrermangel gibt, ist die bezahlung nicht ausreichend oder die Arbeitszeit im illegalen bereich.
    Wenn Taxi, dann nebenbei oder als Unternehmer, anders lohnt es nicht mehr, weder für Unternehmer, noch für den Fahrer.

  11. Sash sagt:

    @Nico:
    Ich stimme Dir grundsätzlich zu, aber ganz das schillernde schwarz deiner Beschreibung hat die Realität glücklicherweise auch nicht überall. Ich könnte meine Teilzeitarbeit z.B. als Selbständiger völlig vergessen, weil ich kein Auto finanzieren könnte und ich komme durchaus in die Regionen, die manches Mal als Mindestlohn vorgeschlagen werden.
    Meine Befürchtung ist allerdings auch, dass im Falle eines Mindestlohnes viele in die Selbständigkeit flüchten werden.

  12. Daniela Schmoll sagt:

    Hallo
    Wir arbeiten eine Woche Montag bis Samstag und die andere Woche Montag bis Freitag mit mindestens 12 Std manchmal auch 13 Std ohne festgelegte Pause.bekommen aber nur 9 Std bezahlt.ist das rechtlich.

  13. Skorpion sagt:

    Ich habe meist Montag dienstags frei seit 3 Wochen zumindest Mittwochs Std. Schicht . Donnerstags frei Samstag 8 Std Sonntag bis zu 13 std das gleicht sich ja eigentlich aus. Aber so d 12std. Schichten erlaubt ?

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