Wie Wundercar die Shareconomy entdeckt

Im uber-gebeutelten Personenbeförderungsgewerbe hat sich einiges bewegt. Wenn man dem Wall Street Journal glauben will, dann hat sich in letzter Zeit – unbemerkt von mir – was getan. Nicht natürlich bei Uber, die verhalten sich nach wie vor wie ein ausbeuterischer Scheißhaufen; dafür aber bei Wundercar. Die sind zwar auf der selben Hype-Welle mitgeschwommen, lassen auch Privatleute Fahrgäste mitnehmen, aber ich hab sie mir aus Gründen nie so zur Brust genommen wie Uber. Ja, natürlich kratzen auch sie an §1 des PbefG und man tut gut daran, sie unter dem Aspekt kritisch zu begleiten.

Aber.

Was in der Uber-Pop-Debatte zwischen all dem aufgewühlten Dreck gerne immer wieder unterging, war, dass das Bohei um die Fahrtenvermittlung von Privat zu Privat nur unter dem Gesichtspunkt wirklich schwierig wird, wo die Fahrt „entgeltlich“ erfolgt. Und an der Definition, das muss man gestehen, kratzt Wundercar spätestens jetzt nur noch ein bisschen.

Das WSJ hat gestern berichtet, dass Wundercar seit dem Eingreifen der Hamburger Behörden die vorgeschlagene „Trinkgeld“-Summe für die Fahrten auf 20 Cent pro Kilometer gesenkt hat und nunmehr als „Betriebskosten“ ausweist. Gut, natürlich ist letzteres bewusst ein Zitat aus dem Gesetz, um der Regelung zu entkommen – aber wenn der Betrag stimmt, dann ist das nicht ernsthaft gelogen. Da für eine Fahrt immer Betriebskosten anfallen und diese mit ziemlicher Sicherheit diese 20 Cent übersteigen, halte ich diese Definition für soweit fair.

Vor Gericht wird sicher noch einmal kritisch beäugt, wer über das Fahrtziel bestimmt, aber wenn ihr mich persönlich und als Taxifahrer fragt, dann ist das so eine der Fragen, über die man diskutieren kann.

Denn ohne die Gewinnerzielungsabsicht des Fahrers durch höchstwahrscheinlich nicht kostendeckende Bezahlung ist die Chance nur minimal, dass dabei ein Gehirnträger eine gewerbsmäßige Personenbeförderung betreiben wird. 😉
Wundercar verbietet den Fahrern, Geld zu verlangen (dass sie das durchsetzen bleibt zu hoffen), somit wird vermutlich tatsächlich oft der vorgeschlagene Betrag – oder bei miesen Fahrten weniger – liegenbleiben.

Und während wir alle noch darüber streiten, warum Taxis gelegentlich teurer als UberPop sind, frage ich nun mal mit dem Modell von Wundercar im Gedächtnis zurück: wieso kostet eigentlich bei Uber etwas, das als total coole neue Shareconomy feilgeboten wird, mindestens fast so viel wie ein Taxi und manchmal sogar ein Vielfaches des Taxipreises?

Und mit dieser viel leiseren und deswegen auch unter meinem Radar gelaufenen Wundercar-Debatte ergeben sich so viele neue Geschichten, es ist mir ein inneres Blumengießen, ehrlich! Denn unter anderem auch dadurch kriegen wir in der Diskussion mal wieder ein bisschen Boden unter den Füßen. Auch wenn ich damit einigen Branchenvertretern ans Bein fahre, weise ich hier noch einmal darauf hin, dass ich noch kein einziges Mal gegen eine Mitfahrzentrale gewettert  habe oder das Car- oder Bikesharing, geschweige denn die Fahrradrikschas oder gar Bus und Bahn angegriffen hab, weil sie Konkurrenz sind. Sonst wäre ich schon vor UberPop am Fluchen gewesen.

(Ich hab ja nicht einmal bei der Einführung von UberBlack anno dazumal, als sie noch an den Erfolg glaubten, gemeckert – sondern zur Ruhe gemahnt.)

Ich will hier keine Werbung für Wundercar machen. Die sind auch neu, auch da gibt es offene Fragen und ebenso wie bei uns bei einer Tariferhöhung oder einer Änderung des PbefG wird man bei ihnen bei Neuerungen hingucken müssen, ob das so jetzt immer noch passt. Und deswegen ist es auch kein böser Affront, dass sich Gerichte mit der App befassen – seit Uber glaubt die Welt hierzulande ja scheinbar, dass sich Gerichte davor noch nie mit irgendwas befasst haben. Dabei ist das auch im Personenbeförderungsgewerbe und angrenzenden Branchen das normalste der Welt in einem Rechtsstaat und nicht das schlechteste Zeichen – auch wenn’s einem persönlich gerade mal nicht passt.

Aber gerade dadurch, dass es sich für Wundercar-Fahrer nicht lohnt, für den dicken Reibach 5 Stunden in der Stadt umherzugurken (was Uber von seinen Fahrern für gewisse Boni bisweilen verlangt und viel über deren Idee des „Teilens“ und den damit einhergehenden Umweltaspekten etc. zeigt), sieht die Sache bei Wundercar ganz entscheidend anders aus. Ehrlich! Ja, vielleicht wird ein Gericht noch eine Trinkgeld-Obergrenze festlegen oder festschreiben, dass die Strecke vom Fahrer vorher festgelegt werden muss. Wird man sehen. Und ggf. im Einzelfall diskutieren oder anfechten, das mag sein.

Aber dann kann ich mir Wundercar prima als Service auf unseren Straßen vorstellen. Denn:

Erklärung für Kunden:
Ich hab’s immer wieder gesagt, vielleicht glaubt es ja jetzt wer: es geht nicht um die Konkurrenz. Oder um starre alte Regeln, die das lässige Teilen verhindern. Es ging immer nur um sinnvolle Spielregeln und allenfalls nebenbei um den Schutz des öffentlichen Nahverkehrs. Regeln müssen sich auch mal ändern, und das haben sie immer schon getan. Deswegen pauschal jedem mit Geld wedelnden Arschloch entgegenzukommen, kann jedoch nicht das Ziel sein, so lange es gesellschaftliche Interessen gibt. Und den gesellschaftlichen Interessen widmet Uber weltweit nicht einen Finger breit Toleranz, sondern bekämpft sie ohne Rücksicht auf Verluste, stets ausschließlich den Anlegern und deren Geldbeuteln verpflichtet. So lange es allerdings nur um eine Erweiterung von Möglichkeiten geht – und im Gegensatz zu gewerblicher Personenbeförderung, nur eine Stufe ausbeuterischer; ist unkommerzielles Ride-Sharing eine Erweiterung im Sinne aller Teilnehmer – geht das in Ordnung. DAS sind die Veränderungen, über die man ergebnisoffen diskutieren kann und die uns am Ende eventuell weiterbringen.

Erklärung für Taxifahrer:
Ich weiß, ich „sollte“ Wundercar jetzt nicht gut finden, stimmt’s?
Zum einen aber tue ich das nur unter den oben genannten Bedingungen. An die Regeln halten gehört dazu. Für all die, die grundsätzlich jedes positive Erwähnen von Konkurrenz irgendwie schlimm finden: spart Euch eure Energie für Uber und ähnliche auf!
Wenn Wundercar das Ridesharing so einsetzt, wie sie es vorhaben, dann sollten wir ihnen Erfolg wünschen. Denn der Trend geht weg vom Privat-PKW und Angebote wie dieses fördern diese Entwicklung. Und allen Unkenrufen zum Trotz ist unser größter Konkurrent auch in 10 Jahren nicht ein übergeschnappter Kalanick sondern die vor jedem Haus stehende Kiste, in die alle bei Bedarf gefühlt umsonst einsteigen.

PS: In Teilen ist dieser recht positive Artikel auch der Tatsache geschuldet, dass ich es nicht mehr gewohnt bin, über Apps zu schreiben, deren CEOs mich nicht persönlich beleidigen und meine Arbeit zumindest unterschwellig als bescheuert bezeichnen. Ich wollte dem im Sinne der Diskussionskultur Rechnung tragen und klarstellen, dass ich Beleidigungen nicht zwingend als Mittel der Wahl sehe, sondern sie nur dort einsetze, wo die soziale Kompetenz meiner Gegenüber mich zu drastischer Ausdrucksweise zwingt um verstanden zu werden.

Der ADAC-Taxi-Test 2014

oder: alles bleibt wie es war

Als wäre es nicht schon unfair, dass zwei Stubenfliegen im Kampfmodus mich vom Schlafen abhalten, hat der ADAC auch mal wieder einen Taxi-Test in Deutschland in Angriff genommen und die Ergebnisse heute veröffentlicht.

Nicht nur bleibt der ADAC sich selbst treu und liefert eine unfassbar grotesk verschachtelte Testauswertung ab – auch die Ergebnisse sind gelinde gesagt erwartbar gewesen. „Über Wohl und Wehe“ entscheide der Fahrer und zwischen einigen spektakulären Verfehlungen ist insgesamt doch auch einiges eigentlich ganz gut. Am Ende sind wir besser als unser Ruf, aber auch der wird wieder fleißig beim Test mitbearbeitet, indem die lustigsten Verfehlungen besonders ausführlich erzählt werden.

Natürlich ist der Test nicht per se unsinnig. Nach wie vor werden dort wichtige Probleme des Gewerbes angesprochen. Und dass der ADAC sich dabei (ebenso wie andere) manchmal methodisch verrennt, macht das Kommentieren ja auch immer wieder aufs Neue lustig.

Ich will’s heute nicht übertreiben, aber neben sinnvollen Forderungen wie mehr Kontrollen werden auch dieses Mal wieder die lustigsten Schlussfolgerungen gezogen wie beispielsweise die Vereinheitlichung der Tarife. Da kann man sich beim ADAC drauf verlassen, das finden die total dufte. Gut, mit etwas Ahnung fragt man sich vielleicht, wie ein Cuxhavener die Taxi-Tarife von München bezahlen will oder wie ein Münchner Taxifahrer von den Tarifen in Cuxhaven leben soll. Aber beim ADAC denkt man halt wie jedes Mal ganz groß.

Daneben sind meine persönlichen Highlights aus allen Kategorien:

  1. Unangefochten auf Platz 1 steht wie immer der Punktabzug für den fehlenden Fahrerausweis in Berlin, der schon bei den letzten paar Tests nicht mehr vorgeschrieben war, den der ADAC aber offenbar sehr mag.
  2. Der Stuttgarter Fahrer, der als Sehenswürdigkeit ein Bordell empfahl. Großartig!
  3. Punktabzüge für nicht erfolgte Restaurantempfehlungen. Wer das nicht versteht, empfehle mir doch mal einen schönen Strand. Aber einen, der mir auch gefällt, bitte!
  4. Der Fahrer in Frankfurt, der während der Fahrt den Fernseher (!) nicht leiser stellen wollte, „weil dann das Bild weggeht“. Kannste Dir nicht ausdenken!

Entsprechend des nur schwer zu interpretierenden Fazits berichten die Medien über den Test auch ungefähr das, was sie gerade eh berichten wollten. Ob jetzt „Bei fast allen Taxifahrten läuft etwas schief“ (SpiegelOnline) oder „Taxifahrten in Deutschland meistens gut“ (FAZ.net).

Da auf negative Berichte schon wieder Uber-Gläubige hämisch Beweise für ihre Thesen sehen und da selbst der ADAC im Test nicht an Verweisen auf neue Anbieter spart: durchsucht mal die amerikanischen Medien und Fahrerforen. Das was hier in Taxis an mangelndem Service übriggeblieben ist (und weswegen wir nach mehr und nicht nach weniger Kontrollen ob der Einhaltung der Regulierungen schreien) – das ist ein Automatismus, der nach ein paar Monaten Hype überall eintritt. Vor allem im Dienstleistungs-, vor allem im Niedriglohnbereich. Wird halt ohne Regeln nur noch lustiger …


Naja, ich jedenfalls danke dem ADAC für die Aufrechterhaltung des Rituals und vergebe ein +.

Der Uber-Uber-Artikel

Die aktuelle Debatte über den Fahrdienst-App-Anbieter Uber ist ein gutes Beispiel dafür, wie Vernunft im Keim erstickt werden kann, wenn die Ressourcen zu ihren Ungunsten ungleich verteilt sind. Und damit ist nicht einmal die gigantische Summe von 18 Mrd US-Dollar gemeint, die Uber angeblich wert sein soll. Obwohl die sicherlich hilfreich ist für die Firma. Denn damit kann sie den Hype am Leben erhalten, der dank PR die einzige wirkliche Stärke in ihrem Kampf ist. Nicht unähnlich einer Sekte, die mit absurden Heilsversprechen durch außerirdische Götter hausieren geht. Eigentlich nur eine App, ein schmuckes Design und viel Lust auf Grenzverletzungen. Im Grunde nichts, was nicht tausende Hinterhof-Schmieden im Koksrausch auch hätten machen können.

Die Anhänger rufen laut, man möge Innovationen nicht verbieten, dabei war Uber nur genau einmal in der Firmengeschichte tatsächlich kreativ: als sie in San Francisco einen Limousinendienst angeboten haben. In einer Stadt mit offenbar unzureichender Taxiflotte haben sie den jungen Hipstern ein neues Spielzeug geboten und haben vermutlich nicht zu Unrecht Erfolg damit gehabt. Die heute so bewunderte Expansion und das „innovative“ Konzept von UberPop sind indes nur ein Schatten ihrerselbst.

In den New Yorker Taximarkt wollte Uber eigentlich mit einer ganz normalen Taxi-App eindringen, wie sie dort GetTaxi einzuführen vorhatte. Statt das in der Eile sinnvoll zu planen, bot Uber die App den Yellow-Cabs an, die noch nie Bestellungen angenommen haben und dies auch nicht vorhatten. Dabei existieren in New York andere Fahrdienste, die so eine App vielleicht hätten gebrauchen können. Aber nicht mit Uber! Sie wollten die Yellow-Cabs und schoben ihr Scheitern auf eine innovationsfeindliche Branche. Sie brachen den Versuch ab und schmissen auch hier einfach ein paar UberBlack-Limousinen auf den Markt, beileibe kein neuartiger Dienst, schon gar nicht in NYC.

Dann stand Lyft kurz davor, eine lohnendere Variante einer Mitfahrzentrale auf den Weg zu bringen. Ubers Programmierer warfen einen offenbar nicht einmal sonderlich guten Abklatsch dieser Idee – vermutlich auch hier weil in Eile zusammengeschrieben – ein paar Wochen vor Lyft raus und nannten es UberX. Woraus in Europa dann UberPop werden sollte.

Natürlich verletzten sie mit einer App, die ungeschulten Fahrern ohne Lizenz oder Ausbildung die Personenbeförderung erlaubt, etliche Gesetze. Sie wurden hier und da verboten und überall wo sie auftauchten, haben sie auch Prozesse am Hals. Selbst die vermeintlichen Erfolge sehen bei gezielter Recherche schnell dünn aus. In NYC z.B. ist UberPop (also UberX) vertreten, allerdings müssen die Fahrer dort inzwischen auch eine Limousinen-Lizenz erwerben. Ein Kompromiss und ganz sicher kein waghalsiges Niederringen einer Branche, geschweige denn eine große Neuerung.

Ubers aggressive Expansionsstrategie brachte sie schnell nach Europa, wo ihre Innovation im Wesentlichen daraus bestand, mit Geldscheinen zu wedeln. Zwar wurden die Sprecher auch hier nicht müde, die Taxibranche zu beschimpfen und „verkrustete“ und „überholte“ Gesetze anzuprangern, wo immer man ein Mikrofon fand, allerdings ist auffällig dabei, dass sie nicht etwa tatsächlich an den vorhandenen Hürden ins Gewerbe gescheitert wären – sie haben es schlicht nie versucht. Die Gesetze in Deutschland sehen Ausnahmen für neue Technologien und Angebote vor. Kein Fall, für den man nicht eine Genehmigung beantragen hätte können. Was Uber aber soweit bekannt nie getan hat. Stattdessen haben sie sämtliche Arbeit in die PR gesteckt und irgendwelche Taxi-Kartelle erfunden, die die Taxifahrer in Deutschland heute noch vergeblich suchen. Aus dem erwartbaren Gegenwind der Branche und der Politik ließ sich dann das tolle Märchen weiterspinnen vom kleinen Startup, das an einer Politik scheitert, die ewiggestrig ist. Sicher hätten sie mit ihren Anträgen scheitern können, aber die Begründungen der Gerichte wären vermutlich inhaltlich zu kompliziert gewesen, um sie einfach in die Legende einzubauen.

Und überhaupt: die Taxifahrer! Während Uber vor geneigtem Publikum gerne verkündet, mit „einem Arschloch namens Taxi“ Krieg zu führen, ist das ein beim zweiten Hinsehen mehr als billiger Trick. Uber hat gar kein Interesse an einem deregulierten Taxigewerbe. Es müsste ihnen gut in den Kram passen, dass Taxen reglementiert sind, weil es Uber die Konkurrenz erleichtert. Wenn Uber in der gewerblichen Personenbeförderung eine Rolle spielen will, dann als Mietwagendienst. Der unterliegt weit weniger strengen Bestimmungen, aber das macht sich schlecht als Feindbild, denn wer kennt denn bitte überhaupt Mietwagen oder hatte in einem solchen mal eine schlechte Erfahrung, die Uber nun für sich verwenden könnte? (Und wie viele davon wären UberBlacks gewesen, mit denen Uber seit Anfang 2013 in Berlin erfolglos ist?)

Taxifahrer kennt jeder – und da das Gewerbe immer schon auch Schattenseiten hatte, hält es als Sündenbock halt gut her.
Was auch auf andere Weise kurios ist, denn Uber kämpft PR-mäßig an vielen, sich widersprechenden Fronten. Zum einen der Krieg gegen Taxis, der Kampf gegen die Taxi- und Mietwagenregulierungen und nicht zuletzt behaupten sie zusätzlich (!), dass sie ja gar nichts mit diesem Gewerbe zu tun haben, weil sie nur eine Art Mitfahrzentrale sind. Was zwar dreist gelogen ist wie vieles andere, aber darauf kommt’s nicht mehr an. Selbst manche Berichte über ihre Einnahmen sind bestenfalls ein wenig unglaubwürdig, wenn man mal ein bisschen nachrechnet.

Eine Mitfahrzentrale ist man, wenn die Fahrer Leute mitnehmen, die sowieso in die selbe Richtung wollen und sich dafür ein wenig Spritgeld zahlen lassen. UberPop verspricht seinen Fahrern ein Einkommen von 100 € am Tag und vermittelt entsprechende Aufträge. Und wenn man sich wie ich als Taxifahrer ein bisschen näher mit dem Thema auskennt, dann weiß man, dass 100 € in der Personenbeförderung ein ansehnlicher Betrag ist, für den man ein ganzes Weilchen arbeiten muss; nix, was man mit 2 oder 3 Fahrten in einer Stunde mal locker nebenbei einfährt.

Aber da ist das nächste Problem: das Wissen. Das ist recht nutzlos, wenn es dem Glauben gegenüber steht. Jeder, der schon mal eine (in welcher Art auch immer) schlechte Taxifahrt hatte, jubelt Uber nun zu und wünscht den Siegeszug jener „innovativen“ App. Wie sich das damit vertragen soll, dass Uber die Qualität im Gewerbe ausgerechnet dadurch verbessern soll, dass die paar qualitätssichernden Regularien abgeschafft werden, interessiert Gläubige nicht. Und meine Meinung als Taxifahrer mit entsprechendem Wissen zählt natürlich ebensowenig, weil ich ja der Feind von Uber und damit per se unglaubwürdig bin. Hier kommen Argumentationsmuster zum Vorschein, die denen von Verschwörungstheoretikern nicht unähnlich sind.

Faktenresistent wird dabei darüber hinweggesehen, dass UberPop – angeblich ja nette Mitfahrzentrale eines kleinen lieben und von Kartellen bedrohten Startups – beileibe nicht billiger ist als ein Taxi. Sicher, hier und da mal 20% – was jedoch nix ist gegen das „Surge Pricing“, das bei hoher Nachfrage die Fahrer auf die Straße locken soll, weil der Preis vervielfacht wird. Vervielfacht, nicht etwa moderat erhöht! Die Frage, wieso knuffiges Ressourcenteilen so viel kosten muss wie professionelle Personenbeförderung, geht im „Armes Uber, böse Taxifahrer!“-Geschrei natürlich unter. Da wird der Raubtierkapitalismus plötzlich zum Schmusetier, weil irgendwann mal einer der letzten Taxifahrer ein Arschloch war. Dass Uber, würden sie alle Gesetze zu Gunsten UberPops einreissen, auch Mitbewerbern Tür und Tor öffnen würde, denen dann wirklich alles scheißegal ist, ist natürlich auch nur eine düstere Dystopie, die ich als Taxifahrer ungerechtfertigt aus Angst um mein Geld in die Welt setze und nicht etwa, weil das zum einen auf jedem komplett deregulierten Markt passiert und ich zum anderen aus mehrjähriger Erfahrung weiß, wie schwer es in diesem Gewerbe ist, irgendwelche qualitätssichernden Regeln auch nur durchzusetzen.

Und als ob das nicht schon ein viel zu langer Text wäre, den kaum jemand bis hierhin durchlesen wollte, ist der wichtigste Punkt noch überhaupt nicht angeschnitten: dass das Kernkonzept von UberPop darin besteht, Menschen auf die Straße zu schicken, die weder ein Gewerbe angemeldet haben, noch bei Uber beschäftigt sind. Die Fahrer werden abgespeist mit einem allem Anschein nach sittenwidrigen Vertrag, der ihnen quasi alle Rechte nimmt, und sind damit nicht einmal Angestellte. Wer es versäumt, oder – was wahrscheinlicher ist – sich absichtlich dagegen entscheidet, ein Gewerbe anzumelden und dort die Gewinne seiner Tätigkeit abzurechnen, arbeitet schwarz. Nicht dunkelgrau oder ein bisschen schwarz – sondern zweifelsfrei.
Und tatsächlich wird aber nicht etwa darüber diskutiert, dass sich da einige im Grunde bedauernswerte Gesellen fremde Leute ins eigene Auto laden, damit oft ihre Versicherung riskieren und am Ende im kargen Niedriglohnbereich (Tja, keine Angestellten, kein Mindestlohn!) Sklaven ohne Rechte spielen, ohne dabei ihr Einkommen zu versteuern oder wenigstens in die Sozialkassen einzuzahlen. Nein, die Profis unter den Gläubigen sagen, dass das „vielleicht schon etwas schlecht“ sei, „aber mit Mindestlohn und Steuern“ wäre es voll dufte. Klar, ein Banküberfall mit Bankkarte statt Pistole und Zugriff nur aufs eigene Konto ist auch voll in Ordnung. Aber bei UberPop ist diese lockere Anbindung das Konzept, darum geht’s hier! Nicht darum, was UberPop vielleicht sein könnte, wenn es anders wäre. Etwas, das überall geächtet und als gesellschaftliches Problem anerkannt ist, wird bei Uber ruck-zuck zu einer leider unterdrückten Innovation erklärt.
Etwas, das vermutlich wirklich nur mit einer Milliarden-Propagandakasse erklärt werden kann.

Natürlich bin ich in meiner Position als Taxifahrer befangen. Man wird mir zumindest immer vorwerfen können, dass es mir eigentlich nur um meine eigene Kohle geht bei der Sache. Nichtsdestotrotz habe ich auch einfach Ahnung vom Geschäft:

Ich weiß, dass es zumindest hier in Berlin kein Taxi-Kartell gibt. Hier bekriegen sich 5 oder 6 Gewerbevertretungen gegenseitig und liegen zudem im Clinch mit dem LABO und dem Gewerbe in den umliegenden Gemeinden. Und in den Gewerbevertretungen sind tausende (ja, tausende – in Berlin alleine!) Unternehmen unterschiedlichster Meinung organisiert.

Ich weiß, dass wir Taxifahrer nie ohne Konkurrenz waren – egal ob seitens der Mietwagen, dem Carsharing, Bus und Bahn, dem Privat-PKW oder am Ende durch uns selbst.

Ich hab schon schwer schlucken müssen, als ich gelesen hab, dass Uber für die Vermittlung 20% Provision kassiert, weil ich weiß, dass man nach so einem Abzug einfach beschissen wenig Geld verdient, so lange man es wenigstens legal meldet. Die anderen Abzüge, die Uber hier und da darüber hinaus einführt, mal gar nicht einberechnet.

Auch über die uns vorgeworfenen festen Preise wüsste ich zu referieren, dass sie zum einen dafür sorgen, dass Taxifahren nicht noch teurer ist als ohnehin. Und noch dazu, dass Uber das gar nicht stören muss, weil sie ja sowieso keine Taxis im Sinne öffentlicher Verkehrsmittel (wie wir es sind) anbieten will und damit natürlich auch nicht der Tarifpflicht nicht unterliegt. Wir sind die, die weiter für 15 € fahren müssen, wenn bei Uber 120 € angesagt sind. Und laut Uber-Kunden sind wir dafür immerhin auch gut genug. Messen mit zweierlei Maß made bei Uber-Fans.

Und mir fallen ebenso für all die Gerüchte über unsere Einnahmen, unsere Auslastung und das, was Uber da reissen könnte, zig Gegenargumente ein, warum genau dieses oder jenes nicht oder nur teilweise stimmt. Einfach weil das seit 5 Jahren als Taxifahrer und Taxiblogger mein Leben ist.

Aber das alles hat ein großes Problem: es beschreibt eine komplizierte rechtliche und gesellschaftliche Situation, die nicht ganz so sexy wie die David-gegen-Goliath-Geschichte ist, die Uber frei erfindet und unter den Gläubigen streut.

Wie bei anderen Religionen scheint es ein Kampf gegen Windmühlen zu sein. Ich kann nur immer wieder sagen, dass man sich selbst informieren sollte, bevor man die einfachste Lösung akzeptiert. Aber das ist halt kompliziert und der große Schwarm der Leute, der weder Zeit noch Lust hat, einen Mythos zu entzaubern, weil es ja immerhin eine Flasche Wasser gratis gibt, schwimmt halt mit im Strom der 18 Milliarden Argumente. Da strampelt man sich mit einem Zehner Stundenlohn ziemlich ab um dagegenzuhalten. Wohl dem, der keine Ahnung hat; denn das ist weit weniger anstrengend …


Nachtrag: Seht Euch die USA an, schaut in die Foren der Fahrer! Lest mal, wie die abgezockt und ignoriert werden! Obwohl Selbstausbeutung via selbständigem Drittjob dort viel akzeptierter ist als hier. Und auch wie die Fahrer dort über Kunden und ihren Service denken. Wo ist das gehypte Kuschel-Startup mit den ach so viel besseren Bedingungen? Zuschläge für hinterlistig konzipierte und beinahe nutzlose Versicherungen, willkürliche Preissenkungen, jetzt dann Miete für ein nur für die App nutzbares Telefon usw. usf. … da bleibt kein lustiges Shareconomie-Märchen am Ende. Die ziehen Geld aus jedem Cent von jedem, der ihnen über den Weg läuft. Moral hingegen kostet Geld, ist also unnötig. Wenn wir Taxifahrer schon Monopole und ein Kartell haben, was baut Uber da gerade auf? Gibt’s dafür schon einen Namen?

Dieses „Normal“

„Wie ist das denn so normal?“

„Normal stell‘ ich mir das ganz locker vor.“

„Ist das normal für Sie?“

Normalität ist etwas seltsames, wenn man sie im Taxi zu ergründen sucht. Insbesondere in einer Berliner Nachtschicht. Natürlich ist Taxifahren in vielen Belangen ein normaler Job. In manchen Dingen ist die Normalität da halt etwas stapazierbarer als jetzt vielleicht die eines Fließbandarbeiters.

Und die Frage wird immer wieder gestellt. Angefangen von den Leuten, die gerade irgend was „total verrücktes“ machen und selbstverständlich absolut NICHT normal sein wollen; bis hin zu jenen, die sich versichern wollen, dass ihre Tour jetzt aber hoffentlich nicht zu sehr aus dem Raster fällt. Ob das jetzt die Länge der Fahrt, die Uhrzeit, die Themen der Gespräche oder das Fahrtziel angeht – überall die Angst oder Hoffnung, normal zu sein.
Aber auch im Gewerbe, beim Bloggen – selbst jetzt bei der unseligen Uber-Diskussion – überall wird erzählt, wie was jetzt „normalerweise“ ist. Und keine Frage: ich verwende den Begriff auch oft. Ist ja normal. 😉

Meistens ist das ja egal, weil es nur ein dahergesagtes Wort für häufig ist. Traurig finde ich halt, wenn sich eine Rentnerin fürchtet, mir die Schicht zu verderben, weil ich sie vom Ostbahnhof mit einem Stapel Gepäck bis nach Mahlsdorf bringen muss. Das passiert zwar viel zu selten, ist aber abgesehen vom überdurchschnittlichen Verdienst eine ganz normale Fahrt für mich. Ebenso wie um 5 Uhr morgens zwei verknallte Kerle vom Berghain zu Tom’s Bar zu fahren eine ganz normale Fahrt ist. Die Auslöser für diesen Eintrag waren zwei Jungs, Anfang dreißig, hackedicht aber lieb. Wegen eines Junggesellenabschieds in Berlin und auf dem Weg in ihr Hotel. Für mich völlig normal, hätte ich den beiden aber nicht sagen dürfen. Für sie war es nämlich der geilste Abend der letzten Jahre.

Trinkgeld ist von 0,00 bis vielleicht 5,00 € völlig normal. Was aber – und da kommen wir der Sache näher – nicht heißt, dass es deswegen uneingeschränkt selbstverständlich ist. Oder für mich kein Grund, mich zu freuen.

Ich glaube, im Dienstleistungsbereich geht die Spanne des „Normalen“ im Vergleich zu vielen anderen Jobs bis weit vom Durchschnittswert weg. Weil Dienstleister eben auf sehr unterschiedliche Kundschaft stoßen und zumindest im Taxi beispielsweise auch unsere Arbeitsweise stark ändern können. Mag die Durchschnittsfahrt im Gewerbe 12 € bringen, wird ein Flughafenfahrer noch Touren für 40 € völlig normal finden, während mein Tagfahrer vielleicht nicht mehr ganz so normal findet, was sich betrunkene Mädels auf dem Heimweg über ihre Freunde erzählen. Ich selbst bekomme schon Probleme, wenn Kunden mich fragen, wie lange ich normal arbeite.

Ich habe einen Facebooktroll, der mich seit Monaten fragt, wie viel man „normal“ im Taxi verdient, wann man „normal“ arbeitet, was einem „normal“ erlaubt ist und nebenbei natürlich, warum ich ihm darauf nach dreimaligem Klarstellen, warum das schwierig ist, nicht mehr antworte.

Deswegen sind die meisten Jobblogs meiner Meinung nach Dienstleistungsblogs. Weil unser „Normal“ manchmal weit in den „Skurril-Bereich“ der Leser reinragt.

Das Ganze hat aber eine weitere Dimension. Nämlich die, dass es genau das ist, was uns Dienstleistern den Job so schwer macht und unsere eigentliche Qualifikation sein sollte: dass wir Dinge irgendwie „normal“ handhaben können, obwohl viele Menschen da draußen das nicht finden. Ich weiß – und bin stolz drauf – dass mich als Dienstleister auszeichnet, dass ich mit betrunkenen Jugendlichen, knausrigen Oberlehrern, wehleidigen Rentnern und streitenden Pärchen umgehen kann. Ohne immer nur das Schlechte zu sehen, ohne die Leute für Dinge verantwortlich zu machen, für die sie nichts können. Und letzten Endes auch ohne daran selbst kaputtzugehen.

Auch das ist ein Grund – und der Hinweis muss immer und immer wieder sein – warum ich mich hier so in diesen an sich lächerlichen Kampf mit Uber stürze, obwohl ich selbst immer öfter lachen muss, wenn ich den Namen höre. Im Taxi- und Mietwagen-, aber auch in jedem anderen Dienstleistungsgewerbe hat man zu kämpfen. Damit, dass nicht alles normal und geregelt ist. Diese Firma – oder zumindest ihr Diplomatiegenie an der Spitze – stuft, was ich und viele Kollegen machen, als überflüssig ein. Weil das ja auch ohne Regeln hobbymäßig für noch weniger Geld erledigt werden könnte. Wie immer an den meist schwammigen und anzweifelbaren Aussagen aus dem Hause Uber ist auch daran zumindest mal so viel richtig, dass man es schlecht als komplett falsch verwerfen kann. Abends an seiner Lieblingsbar die Stammkunden einsacken und heimfahren kann jeder. Seinen Lebensunterhalt mit dem Heimbringen derer zu bestreiten, die in Läden rumliegen, die aus Gründen niemandes Stammkneipen sind, kann halt nicht jeder. Genauso wie beispielsweise nicht jeder in der Lage ist, mir meine Wut über einen unnötigen Internetausfall durch Pfusch an der Hotline zu nehmen und das Problem sachlich und schnell zu lösen.

Normal in der Personenbeförderung jeder Art ist es, auch mal auf Fahrten warten zu müssen. Oder unliebsame, weil schwierige Fahrten für wenig Geld zu machen. Nicht nur, dass niemand einem die nervigen Kunden ewig vom Hals halten kann. Nein, am Ende brauchen wir die auch noch, um unser Geld zusammenzukriegen. Die Belohnung sind dann Fahrten wie diese:

Winker am Mariannenplatz (halbwegs normal). Sechs Leute, die zufällig ein Großraumtaxi angetroffen haben (schon eher glücklich). Meine dritte Winkertour in Folge (Wahnsinn!).
Die Größe der Passagiere passte perfekt zu den komplizierten Platzverhältnissen (sehr selten!) und nach etwas Eisbrechen gelang uns eine flüssige Konversation (normal) in englisch (ebenso normal).
Die Familie kam aus Israel (normal), war allerdings hier, weil die Mutter in der letzten Sitzreihe hier in Berlin geboren war (in der Kombination eher selten) und sie nun mal auf den Spuren der Vergangenheit wandeln und entfernte Verwandte besuchen wollten. Die eine Hälfte der Leute war still (normal), der Vater war nach allen vorbereitenden Gesprächen ein geradezu anstrengender Berlin-Enthusiast, der bei jedem Haus wissen wollte, was da drin ist und dauernd schwer zu beantwortende Fragen stellte wie „Wo kann man hier abends noch weggehen?“ (grenzwertig normal). Am Ende kamen wir auf gute 15,80 € Umsatz (normal), alle waren bester Laune (normal), aber die Mutter gab mir keinen Cent Trinkgeld (bei so einer Tour eher selten). Während mich der Vater beim Zusammenklappen der Zusatz-Sitze weiter mit Fragen löcherte (nicht mehr wirklich normal), kam einer der Söhne an und steckte mir die 4,20 € Wechselgeld zu, bei der die Mutter sich offenbar nicht getraut hatte, sie mir zu geben (normal. Quatsch, war so unerwartet natürlich extrem geil!).

Was lernen wir daraus? Nur weil das Wort „normal“ gefühlte hundert Mal in einem Blogeintrag vorkommt, muss der noch lange nicht normal sein. 😉

Pop ’n‘ Black #Uber

Ozie verdanke ich eine interessante neue Sichtweise, die ich gerne mit allen Kollegen teilen möchte:

Die Grenze verläuft nicht zwischen Uber und den Taxis. Die Grenze verläuft zwischen UberPop und UberBlack!

Immer noch schreiben „die Medien“, dass die Taxifahrer sich gegen „die Konkurrenz aus dem Internet“ wehren. Was nach wie vor Bullshit ist und Uber zugute kommt. Uber geriert sich selbst als „innovativ“ und kämpft gegen böse „Taxi-Kartelle“ an. Und das ist traurigerweise erfolgsversprechend. Selbst die von mir geschätzte Piratenpartei lässt sich mitunter ködern dadurch, dass „Uber aus dem Internet“ ja einfach nur toll sein kann, weil neu und geil und so.

Das ist natürlich Quatsch. Apps hatten wir Taxifahrer schon vorher und teurer als UberPop sind wir nur, weil wir Geld in unsere Ausbildung, unsere Autos und in die Sozialkassen stecken müssen. Und das nicht zuletzt zum Wohle und zur Sicherheit der Kunden.

Es geht ja nicht darum, dass Uber uns Konkurrenz macht. Verdammte Scheiße: im Gegensatz zu Uber wissen wir seit Jahrzehnten, was Konkurrenz durch Mietwagen, Limousinen, Carsharing und co. bedeutet!

Das eigentliche Problem ist, das Uber eine beschissene Firma ist, die mit sicher nicht wenig Frust seit einem Jahr (in Berlin) versucht hat, uns mit UberBlack Konkurrenz zu machen – und es einfach nicht geschafft hat. Uber hat sich daran versucht, einen Limousinendienst zu etablieren und ist damit auf die Schnauze gefallen. So einfach ist das! Und anstatt in Würde den Rückzug anzutreten haben sie beschlossen, es jetzt halt noch mal illegal zu versuchen. Legal konnten sie – o Wunder! – die Taxipreise nicht unterbieten. Also versuchen sie es jetzt, indem sie auf alle Vorschriften scheißen und dazu ein paar Millionen Dollar  rauszuhauen. Für Werbung, um die Fahrer zu alimentieren und um uns Taxifahrer als altmodische Deppen hinzustellen.

Ein Kindergartenkrieg, mit dem sie ihre eigene Firmenphilosophie angreifen. Denn ihre erfolglosen und hochgepriesenen UberBlack-Fahrer sind genauso Opfer der UberPop-Kampagne wie wir Taxifahrer. Die Regeln, die sie mit UberPop einzureissen drohen, sind diejenigen, die den UberBlack-Chauffeuren ihr bescheidenes Auskommen gesichert haben. Aber ist ja egal: Uber bietet ja nur die App an und wer da im Fahrdienst arbeitet, kann ihnen ja egal sein. Umsatz ist Umsatz – und wenn den jetzt UberPop bringt, dann passt das schon.

Ja, ich als Taxifahrer habe es leicht, gegen Uber zu sein. Befangenheit etc.

Aber stellt Euch mal vor, Ihr seid UberBlack-Fahrer. Ausgebildeter Fahrer mit P-Schein und entsprechend ausgestattetem Auto. Alle Kriterien erfüllt, um in Deutschland legal Personenbeförderung anzubieten. Und dann fällt Euch euer eigenes Unternehmen in den Rücken …

Ich meine es ernst: auch wenn Uber der beschissenste Arbeitgeber seit Hitler ist wäre:  die Grenze verläuft nicht zwischen Taxis und Uber. Nicht zwischen App und Kartell. Nicht mal zwischen innovativ und altbacken. Sie verläuft zwischen UberBlack und UberPop!

(Vorhersehbarer) erster Schlag gegen Uber

Laut dem Tagesspigel hat das LABO die App von Uber in Berlin vorerst verboten.

Das ist natürlich alles noch nicht endgültig und Uber wird vermutlich wie in Hamburg auch erst einmal dagegenhalten. Das ist völlig normal und ein Sieg lässt sich daraus noch nicht herleiten. Auch Uber hat die Möglichkeit, den Rechtsweg zu beschreiten und das will nicht einmal ich ihnen verbieten.

Juristische Prozesse brauchen Zeit und das ist ok. Das Gewerbe wird nicht untergehen unterdessen.

Dennoch: schön zu sehen, dass sich in unserem Gewerbe – in dem sonst gerne weggesehen wird – offenbar auch mal was bewegt.

Nachtrag: Und wie erwartet: Sie machen weiter. Auch irgendwie putzig ist Ubers eigene Stellungnahme. Nett geschrieben ist sie ja, aber es ist schon faszinierend, wie viel Text sich ohne ein einziges inhaltliches Argument produzieren lässt.

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Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Trinkgeld. Ja oder nein?

asci hat mir in den Kommentaren eine Frage gestellt, die mir irgendwie schwer fiel zu beantworten. Hab’s gerade dann doch gemacht, aber ich dachte, dass das auch ein spannendes Thema für unterschiedliche Meinungen ist. asci fragte (ich fasse das mal eben mit meinen Worten zusammen):

Zusätzlich zum Taxipreis noch Trinkgeld zu geben, habe ich eigentlich keine Lust. Würde es Dir gefallen, mehr Fahrten zu haben, wenn die dann kein Trinkgeld abwerfen – oder ist das erst recht doof?

Schwer getan habe ich mich damit, weil

a) ich das Trinkgeldsystem in Teilen gut finde

(Die Bevorteilung engagierter Dienstleister. Dass deswegen teils die Löhne niedrig gehalten werden, ist natürlich eine Frechheit – trifft aber weniger aufs Taxigewerbe und mehr auf die Gastronomie zu)

b) ich umsatzbasiert bezahlt werde

(Deswegen kann für mich ein gutes Trinkgeld finanziell gleich bedeutend mit einer Tour sein, was eine allgemeine Aussage schwer macht.)

c) weiß, dass es da kein Schwarz und Weiß gibt

(Man kriegt auch als Arschloch Trinkgeld; für viele ist es schwer, das Geld auch noch aufzubringen etc. pp.)

Wie seht Ihr das?

Meine Sicht als Taxifahrer:
Trinkgeld ist nicht das wichtigste. So lange mir eine Tour Geld bringt, fahre ich sie. Sicher erhoffe ich mir bei 9,00 € auf der Uhr, dass zu dem Zehner ein „Stimmt so!“ kommt, aber ebenso wie ich eigentlich nie genervt bin, dass die 10€-Tour keine 12€-Tour ist, sehe ich den „fehlenden“ Euro Einnahmen nicht als Problem. Was ich aber auch anmerken muss: ich freue mich wahnsinnig über Trinkgeld. Sicher, der Euro läuft irgendwo unter „normal“ und das „Vielen Dank!“ ist natürlich nicht gerade der Ausdruck über einen noch nie dagewesenen Brüller in meinem Leben – aber zwei Euro extra mit einem Hinweis auf die nette Unterhaltung, die angenehme Fahrweise oder so, weiß dann schon zu rühren. Und je nach Umständen graben sich auch Kleinbeträge in die Erinnerung ein. Den Euro, den ich von drei Obdachlosen auf eine 5€-Fahrt bekommen habe, werde ich wohl nicht so bald vergessen.

Meine Sicht als Kunde:
Ich nehme Dienstleistungen nur sehr selten in Anspruch. Das macht es mir leicht, das Trinkgeld einzupreisen. Die Taxi-Fahrt wird 20 bis 22 € kosten? Lege ich halt 25 € raus. Ebenso beim Pizzaservice. Wenn ich mir schon den Luxus gönne, mal Leute Arbeit für mich zu erledigen zu lassen, denen ich naturgemäß nur selten über den Weg laufe, dann ist Geld halt eine schnelle Option, meine Anerkennung auszudrücken. Und wenn ich dann den Rentner vom Pizzaservice an der Tür stehen hab, der mir während eines Halbfinalspiels der Fußball-WM Essen bringt – der Kerl, der die betriebsinterne Auslosung für die Arschlochschicht verloren hat – warum sollte ich da über 2 oder meinetwegen 4 € extra nachdenken?
Ich weiß: andere kommen öfter als ich mit Dienstleistern in Kontakt, da kann das schon teuer werden. Denen kann ich nur nach wie vor raten, sich einfach genau zu überlegen, wem sie warum Trinkgeld geben – und das ggf. anpassen. Bei den einen nach oben, bei den anderen nach unten …

Aber ich bin gespannt auf Eure Meinungen zum Thema. 🙂