Herrentag

Ja, Herrentag. Was für ein Start in die Arbeitswoche. Zumindest rede ich mir das immer wieder ein. Tatsächlich ist der große Reigen besoffener Spaßvögel bisher in jedem Jahr ausgeblieben, also bleibe ich dieses Mal gleich vorsorglich entspannt. Und das ist ja gerade wenn sie kommen ohnehin schon einmal die richtige Grundeinstellung. 🙂

Die hatte glücklicherweise auch die Taxifahrerschaft, die vorgestern Abend, bzw. am gestrigen Morgen Dienst tat, denn Jörn, Jo und meine Wenigkeit (insbesondere die beiden letztgenannten) haben zu dieser Zeit bereits das getan, was heute wahrscheinlich Millionen Männer machen werden: Wir haben zusammengesessen und ein paar Bier durch uns hindurchlaufen lassen. Die mit uns konfrontierten Kollegen fanden uns aber tatsächlich eher lustig als bedrohlich. Gefällt mir persönlich ganz gut, manchmal gucken die Leute ja doch etwas skeptisch, wenn so große Leute wie ich nicht mehr die sicherste Gangart vorweisen können.
Mehr im Gedächtnis als die Momente im Taxi werden aber wahrscheinlich die Töffel bleiben, die Jo binnen dreier Minuten von Konfrontation auf „schönen Abend Euch noch!“ umgepolt hat. Das war großes Kino.

Das aber ist Vergangenheit, heute Abend schwinge ich mich dann wieder selbst hinters Steuer und mache die Hauptstadt durch die Beförderung nicht mehr ganz so zurechnungsfähiger Gesellen ein wenig sicherer. Hoffen wir mal im Hinblick auf Blogartikel das Beste. 🙂

Hey, Adina-Hotels!

Ich weiß, Ihr seid nicht die ersten*, die diesem unsagbar bescheuerten Trend folgen – aber druckt gefälligst einen Hinweis auf eure Karten, von welchem eurer grandiosen Häuser sie sind! Ich hab echt Verständnis für Corporate Identity und vielleicht kriegt Ihr die Teile ja auch billiger, wenn Ihr sie gleich für alle Hotels bestellt. Aber das ist gespart am falschen Ende!

In Berlin habt Ihr drei innerstädtische Standorte und beim Ruf Berlins als Party-Hauptstadt war der französische Töffel in meinem Taxi sicher nicht der einzige, der sich nicht mehr erinnern konnte, wo sein Hotel jetzt genau liegt – also mal abgesehen von der hilfreichen Antwort „Berlin“.

Mir könnte es ja eigentlich egal sein, für mich als Taxifahrer ist das im Zweifelsfall mehr Umsatz, wenn ich eure Läden alle nacheinander abklappern muss. Das Schlimme ist nur, dass die Idee, für drei Hotels die gleichen Karten rauszugeben, so strunzdoof ist, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass man zusätzlich zur Karte auch noch eine gesonderte Adresse mitzunehmen hat. Und das wirkt sich nicht gerade positiv auf die Meinung eurer Kunden aus.

Also falls Ihr euch fragt, wieso der verstrahlte Glatzenträger mit dem schielenden Blick in eurer Niederlassung am Hackeschen Markt beim Auschecken kein Trinkgeld gegeben hat:

Das hat jetzt der Taxifahrer, der eures Ideenreichtums wegen trotz ausreichender Ortskenntnis nach Hotels suchen muss …

*Die Kollegen von Meininger sind da nicht besser …

Gerüche im Taxi

OK, der ein oder andere war vielleicht ein wenig irritiert ob meiner Äußerungen bezüglich Körperausdünstungen im Taxi im letzten Artikel. Mal abgesehen davon, dass eigentlich allen klar sein sollte, dass man auch als Taxifahrer nicht für jeden Furz eine Pause einlegt, möchte ich auch ein wenig die Panik mildern: Bei mir im Taxi riecht es angeblich sehr gut.

Das ist nicht einmal selbstverständlich, ich höre immer wieder Beschwerden diesbezüglich über andere Kollegen und deren Autos. Dabei bin ich ja kein Heiliger, immerhin rauche ich ziemlich viel und komme an warmen Tagen auch gerne mal ins Schwitzen. Scheinbar passt das aber alles, wenn ich vor dem Dienst dusche, Deo benutze und zudem nur vor dem Auto rauche.
Mehr unternehme ich auch nicht.

Leser, die bereits mit mir im Auto saßen, dürfen gerne eine gegenteilige Meinung kundtun, ich bin dennoch zuversichtlich, dass das alles so passt. Denn immerhin habe ich am vergangenen Wochenende ein paar Winker eingeladen, die gerade aus dem Auto eines Kollegen gestiegen waren. Nicht des Geruchs wegen, sondern weil der Wagen wohl einen Defekt hatte und der Kollege die Schicht abbrechen wollte.

„Boah, hier riecht’s gut. Wahnsinn: Schon das zweite Taxi heute – und in beiden riecht es gut!“

Das hört man doch gerne. Ein wenig blöd war höchstens das, was einer der Fahrgäste keine Minute später äußerte:

„Darf man bei Dir rauchen?“

Nee, is klar …

JWD-Warten

Die letzte Woche lief umsatzmäßig irgendwie nicht so richtig. Das ganze Wochenende hab ich durchschnittlich gefühlt eine Stunde auf jede Fahrt gewartet. Realistisch wird’s immer noch eine halbe gewesen sein. Und dann kamen Touren zwischen 4,40 € und 11,20 € dabei raus – also zumindest mal nichts, was die Zeit wieder ausgleicht. So gesehen war ich dann außerordentlich erfreut, dass zwei Mädels eingestiegen sind und vom Ostbahnhof bis nach Tempelhof gebracht werden wollten. Immerhin mal so 15 bis 18 €!

Über die Fahrt gibt es auch gar nicht viel zu sagen, es war die durchschnittlichste Durchschnittstour mit unspektakulärem Smalltalk, mittelprächtigem Trinkgeld und langweiligen Verkehrsbedingungen. Nur solche Touren, dann wäre GNIT tot.

Aber das Leben ist ja bekanntlich eines der tollsten, so bekam ich auf dem Rückweg nach nur wenigen Metern Winker. Vier Jungs um die 25, und obwohl zweifelsfrei angetrunken sehr angenehme Kundschaft. Nicht nur erträglich, sondern sogar nett und im Gegensatz zu vielen Betrunkenen sogar ohne nervige Stammtisch-Niveau-Diskussionen.
Sie fragten mich, ob es ein Problem wäre, wenn wir an drei Adressen halten würden, zumal es – ach wie schlimm! – am Ende sogar bis nach Großbeeren rausgehen würde. Na, holla die Waldfee! Ich war schon verzückt, ohne zu wissen, dass das am Ende tatsächlich eine 30€-Tour werden würde. Schließlich kenne ich mich im Berliner Umland allenfalls ein bisschen besser aus als in London. Was wohl daran liegt, dass ich in London noch gar nicht und im Berliner Umland nur recht selten war.

Einen nach dem anderen hab ich die Jungs in den südlichen Stadtteilen rausgelassen, bis mein Beifahrer letztlich alleine bei mir saß und mir den Weg nach Großbeeren wies. Freiwillig. Ich hätte das Navi ja angeschmissen, aber er wollte mir die Strecke gerne zeigen. Seine gute Laune war leicht getrübt, denn er war rund eine Stunde später unterwegs als erwartet und er fürchtete, dass seine Freundin ihm das nicht so ohne weiteres durchgehen lassen würde …
Das aber war nicht das Einzige. Noch dazu hatte er kein Geld dabei, das würde ich erst bekommen, wenn er sich mit einem Kumpel trifft, der – warum auch immer – im Besitz seiner Bankkarte sei. Aha. Im Gegensatz zu vielen Kollegen finde ich sowas zwar mitunter erstaunlich und komisch, nicht aber schlimm.

Das Ganze verzögerte sich noch, weil der Kumpel uns wohl irgendwie entgegenfuhr, am Ende warteten wir vor der Bank im Ort. Der Heils- und Geldbringer sollte gleich kommen, also lehnte ich mich zurück. Die Uhr stand mittlerweile bei 29 € und ich sah dem Kommenden relaxt entgegen. Noch zwei bis drei Minuten Wartezeit – besser als alles, was zeitgleich in Berlin passierte, da war ich mir sicher. Und dann:

„Willste die Uhr nicht mal ausmachen?“

Trotz dieser über alle Maßen lukrativen Tour bin ich da ein bisschen allergisch. Ich werde nur nach Umsatz bezahlt und in der Zeit, in der ich nicht bezahlt werde, möchte ich machen können, was ich will. Inklusive lauter Musik, rumcruisen oder gepflegt einen Furz in die Sitzpolster drücken. Was ich natürlich nicht mache, wenn Kundschaft anwesend ist.

(Wobei einige insbesondere letzteres durchaus verdient hätten 😉 )

Auf der anderen Seite war er halt bislang auch wirklich nett, eine Minute warten ist eh umsonst und zwei weitere würden ohnehin nur knapp einen Euro bringen. Allerdings, so muss ich auch anmerken: Ein Preis knapp über 30 € wäre schon gut gewesen, schließlich fällt da eine psychologische Barriere beim Trinkgeld. Von 29 rundet es sich eben leicht auf 30 auf, bei 30,80 € dürfte der Durchschnitt wesentlich höher liegen. Aber hatte ich schon erwähnt, dass ich einen netten Fahrgast hatte?

„Und mach Dir mal keinen Kopp. Du kriegst sowieso 35 € von mir. Den Fünfer Trinkgeld kannste gleich haben – und mein Kumpel is‘ in zwei Minuten hier!“

Mir ging’s gut genug, um es auf einen Test ankommen zu lassen. Ich hab die Uhr bei 29,20 € gestoppt, auf die Uhr geschaut und den Fünfer einkassiert. Zwei Minuten später war der Kumpel da, nach einem kurzen Bankbesuch von unter einer Minute auch das Geld. Auch hier natürlich glatte 30 €.

Unter den Umständen kann man natürlich über alles reden. 🙂

Zum Sex überreden …

Nee, mir wäre nicht eingefallen, meine Kundin unangemessen anzubaggern. Ich bin schließlich glücklich verheiratet. Das aber soll der Wirt einer Kneipe getan, nämlich gesagt haben:

„Also wenn Du nicht mit mir schläfst, dann kriegste hier kein Bier!“

Bitte WAS?

Ich weiß, solche sexistischen Entgleisungen sind hierzulande immer noch viel zu verbreitet, aber mein Erstaunen war dennoch recht komplett. Diese Worte stammten nämlich nicht von einer gerade erst volljährigen Gymnasiastin, sondern von einer resoluten Frau, die meiner Schätzung nach ihren sechzigsten Geburtstag schon eine Weile hinter sich hatte.
Vielleicht aber war es in dem Fall auch eine etwas fragwürdige Haltung zur Wahrheit, sie hatte nämlich schon gut einen im Tee und wirkte alles andere als vertrauenserweckend. Dass sie mich überdies hinaus stets nur mit „Schatzi“ anredete, rundete den kuriosen Auftritt nur noch ab.

Eine Kneipe „hier in der Gegend“ wollte sie empfohlen haben, aber alle, die ich auch nur mit Namen kannte, waren ihrer Meinung nach aus verschiedensten Gründen nicht in Ordnung. Puh!

Glücklicherweise spielte sich das Ganze unweit des Boxhagener Kiezes ab, so dass ich immerhin sagen konnte, wir könnten ja mal schauen, ob wir dort was finden.

„Ich will ja nich‘ alleine sein heute. Aber als Begleitung will ich nur meinen Schwips!“

Ich war ehrlich froh, dass sie in ihre Planungen nicht noch den zufällig vorbeifahrenden Taxifahrer mit einbezog. Denn sowas ist mitunter deprimierender als alles andere.

Ich bot eine Kurzstrecke an, worüber sie sich sehr freute. In dem Fall waren mir die vielleicht zwei Euro auch wirklich egal. Wir schlugen uns bis zur ersten Kneipe durch und sie freute sich. Verhalten. Denn:

„Aber nicht, dass das sowas ist, wo man sich freimachen muss …“

Na klar. So ganz alle beieinander hatte sie offenbar wirklich nicht. Ich hab sie nach einem Blick ins Fenster des Lokals (Da waren wirklich keine nackten Menschen, so sehr ich es mir auch gewünscht hätte!) beruhigt und das schien ihr zu reichen:

„Na dann will ich das mal versuchen! Was kriegst Du, Schatzi?“

„Kurzstrecke hat gereicht. Also 4,00 €.“

„Hier haste fünfe. Kannste behalten!“

Das ist doch mal schön. 🙂

„Obwohl, nee …“

Bitte was? Sollte ich das Trinkgeld jetzt wieder rausrücken? Fiese Scheiße ey!

„Ich hab hier doch noch was, Schatzi. Ich weiß doch, Du arbeitest auch hart!“

Und so kullerten dann nochmal 90 Cent in meine Hand.

Nichtsdestotrotz: Ich hab keine Ahnung, ob ich das jetzt als gute oder schlechte Fahrt abspeichern soll …

Das erste Todesopfer

Das erste direkte Todesopfer zumindest. Wie viele ich dank meiner Arbeit schon auf dem Gewissen habe, lässt sich nur schwer ermitteln. Keine Ahnung, ob ein Opel-Mitarbeiter nach dem nervigen Einbau des Armaturenbretts der 1925 Selbstmord begangen hat, oder wie viel die Abgase im Rahmen meiner Personenbeförderung zum ein oder anderen Lungenkrebs in Berlin beigetragen haben. Wie beinahe bei jedem Job ist auch beim Taxifahren nur schwer zu erfassen, auf wie vielfältige Art man seiner Umwelt gerade das Leben versaut oder ggf. beendet.

Heute Nacht hab ich wohl tatsächlich eine Ratte erwischt. Und lustig finde ich das eigentlich nicht, ich kenne Ratten ja auch mehr als intelligente Haustiere, denn als die verrufenen Schädlinge. Vielleicht war es sogar eine sehr sympathische Ratte, die erst kurz zuvor einem Nazi in die Wohnung gekackt hat – immerhin hab ich sie auf der Weitlingstraße erwischt.

Absicht war es also nicht. Ich hab noch gebremst, als sie – gefühlt schneller als ich in der 30er-Zone – auf die Straße gerannt ist. Mit einem Schimmer Hoffnung hab ich gesehen, wie sie dann ängstlich mitten auf der Straße kauerte, denn so konnte ich sie wenigstens zwischen die Räder bekommen.

„Bleib ruhig sitzen, dann ist es in einer Sekunde vorbei und wir setzen danach einfach beide unseren Weg fort …“

Knackknack.

Da ist sie wohl nicht sitzen geblieben. 🙁

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Die Sache mit dem Lesen

So wenig wie heute auf den Straßen von Berlin los war, kann ich nur sagen: O ja, gelesen hab ich heute Nacht viel! Meine Twitter-Timeline, aber auch Sommerhit von Tom Liehr. Nicht komplett, ich bin noch dran – aber wie bislang eigentlich alle Bücher von ihm (Ich verweise hier gerne auf meine Rezension zu Idiotentest) kann ich es jetzt schon guten Gewissens empfehlen.

Lesen will auch jemand anders ab dieser Nacht, nämlich ein Kunde. Aber nicht die Bücher von Tom Liehr – obwohl, zugegeben: DAS weiß ich jetzt nicht sicher. Aber eigentlich ging es um mein Buch.
Das Ganze begann mit der klassischen Frage:

„Hehe, Du klingst wie ein Student. Du studierst doch auch bestimmt, oder?“

Innerlich habe ich mir den Kopf zerbrochen und mir überlegt, wie ein Student wohl so klingen mag, ob das nun ein Kompliment oder ein Angriff war … am Ende musste ich das dann jedoch wie immer verneinen. So ganz locker lassen wollte der junge Mann aber nicht und quetschte mich weiter aus, ob ich denn außer Taxifahren nicht doch noch irgendwas anderes (er hat nicht „richtiges“ gesagt!) machen würde. Also hab ich gespielt kleinlaut gemeint:

„Ja, sicher. Und es ist noch klischeehafter als Studieren. Ich schreibe nebenher.“

Wie alle anderen bisher auch fand er das toll. Dass ich blogge und bereits ein eBook rausgebracht habe, hab ich gerade noch so unterbringen können, ansonsten hat er auf der kurzen Fahrt viel von seinem Kumpel erzählt:

„Der bringt jetzt auch sein erstes Buch raus – wobei mir immer noch rätselhaft ist, wie man ein ganzes Buch vollschreiben kann.“

Verstehe ich. Denke ich mir ja ehrlich gesagt auch immer wieder. Besonders bei Monumentalwerken über 1000 Seiten. Aber gut, er fand das jedenfalls voll dufte und am Ende der Tour verkündete er neben der Tatsache, dass er leider wirklich nicht mehr als die 20 Cent geben könnte, die noch auf den vollen Zehner fehlten, dass er mein Buch lesen würde:

„Auf jeden, Digger!“

Da bin ich ja mal gespannt. Er kennt weder meinen Namen noch den des Buches. Auch nicht den meines Blogs oder sonst irgendwas. Er hat sich nicht einmal die Konzessionsnummer des Taxis notiert oder sich eine Quittung geben lassen …

In seinem Fall war’s sicher nett gemeint und eine Art Entschuldigung dafür, dass es kein größeres Trinkgeld mehr gab. Aber ein bisschen verarscht kommt man sich nach so einer Aussage dann doch vor.

-.-