Zum Sex überreden …

Nee, mir wäre nicht eingefallen, meine Kundin unangemessen anzubaggern. Ich bin schließlich glücklich verheiratet. Das aber soll der Wirt einer Kneipe getan, nämlich gesagt haben:

„Also wenn Du nicht mit mir schläfst, dann kriegste hier kein Bier!“

Bitte WAS?

Ich weiß, solche sexistischen Entgleisungen sind hierzulande immer noch viel zu verbreitet, aber mein Erstaunen war dennoch recht komplett. Diese Worte stammten nämlich nicht von einer gerade erst volljährigen Gymnasiastin, sondern von einer resoluten Frau, die meiner Schätzung nach ihren sechzigsten Geburtstag schon eine Weile hinter sich hatte.
Vielleicht aber war es in dem Fall auch eine etwas fragwürdige Haltung zur Wahrheit, sie hatte nämlich schon gut einen im Tee und wirkte alles andere als vertrauenserweckend. Dass sie mich überdies hinaus stets nur mit „Schatzi“ anredete, rundete den kuriosen Auftritt nur noch ab.

Eine Kneipe „hier in der Gegend“ wollte sie empfohlen haben, aber alle, die ich auch nur mit Namen kannte, waren ihrer Meinung nach aus verschiedensten Gründen nicht in Ordnung. Puh!

Glücklicherweise spielte sich das Ganze unweit des Boxhagener Kiezes ab, so dass ich immerhin sagen konnte, wir könnten ja mal schauen, ob wir dort was finden.

„Ich will ja nich‘ alleine sein heute. Aber als Begleitung will ich nur meinen Schwips!“

Ich war ehrlich froh, dass sie in ihre Planungen nicht noch den zufällig vorbeifahrenden Taxifahrer mit einbezog. Denn sowas ist mitunter deprimierender als alles andere.

Ich bot eine Kurzstrecke an, worüber sie sich sehr freute. In dem Fall waren mir die vielleicht zwei Euro auch wirklich egal. Wir schlugen uns bis zur ersten Kneipe durch und sie freute sich. Verhalten. Denn:

„Aber nicht, dass das sowas ist, wo man sich freimachen muss …“

Na klar. So ganz alle beieinander hatte sie offenbar wirklich nicht. Ich hab sie nach einem Blick ins Fenster des Lokals (Da waren wirklich keine nackten Menschen, so sehr ich es mir auch gewünscht hätte!) beruhigt und das schien ihr zu reichen:

„Na dann will ich das mal versuchen! Was kriegst Du, Schatzi?“

„Kurzstrecke hat gereicht. Also 4,00 €.“

„Hier haste fünfe. Kannste behalten!“

Das ist doch mal schön. 🙂

„Obwohl, nee …“

Bitte was? Sollte ich das Trinkgeld jetzt wieder rausrücken? Fiese Scheiße ey!

„Ich hab hier doch noch was, Schatzi. Ich weiß doch, Du arbeitest auch hart!“

Und so kullerten dann nochmal 90 Cent in meine Hand.

Nichtsdestotrotz: Ich hab keine Ahnung, ob ich das jetzt als gute oder schlechte Fahrt abspeichern soll …

7 Kommentare bis “Zum Sex überreden …”

  1. Ralf sagt:

    Ich denke mal es war eine gute Fahrt:…

    + 47,5 % Trinkgeld
    + eine Story für den Blog
    + keine Verunreinigung durch Alkoholrestausschüttung
    + schnell wieder bereit für den nächsten Nachtschwärmer

    Also in der Grundtendenz klingt das gut. 😉

  2. saltycat sagt:

    mach einen dritten Ordner. gute, schlechte und undefinierbare. schatzi. 😉

  3. werner sagt:

    sex, weapons, drugs, money: dies und nix anderes regiert diese welt.
    lg,werner
    http://www.yaddac.blogspot.com

  4. elder taxidriver sagt:

    Ist ‚ zum Sex überreden‘ das Gleiche wie ‚ zum Jagen tragen‘?

  5. @ werner – und was hat deine schleichwerbung mit alledem zu tun 🙂

  6. Sash sagt:

    @Ralf:
    Stimmt. 🙂

    @saltycat:
    Auch eine Möglichkeit …

    @werner:
    Ich hab nix dagegen, dass Du deinen Blog bewirbst. Aber etwas subtiler und themenspezifischer klappt das in aller Regel besser und provoziert keine doofen Nachfragen. 😉

    @elder taxidriver:
    Ich hab keine Ahnung, aber vielleicht ist es so.

  7. highwayfloh sagt:

    Warum fällt mir da jetzt ganz spontan ein (und mal singe – zwar nicht schön aber laut!):

    NICHT ist so schööön…. wie der Mond von Wanne-Eickel?

    😉

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