Manchmal weiß man nicht so recht, was man von Fahrgästen halten soll. Meiner kam mir zunächst mehr als nur gelegen. Kaum dass ich vom Berghain eine ordentliche Tour bis nach Schöneberg hatte, stand er quasi schon da und winkte. Eigentlich ein unauffälliger Kerl, mittelgroß, blondierte Haare, lässige Kleidung. Auffallend hübsch zwar, das aber wurde durch das Outfit aus ausgebeulten Trainingshosen und locker übergeschmissener Jacke überspielt.
Und besoffen wie ein Rudel Bundeswehrsoldaten.
Dass Deutsch nicht seine Muttersprache zu sein schien, ging komplett unter, da er sich sowieso kaum noch zu artikulieren verstand. Zunächst dachte ich an einen schwedischen Touri, aber dem schien nicht so zu sein:
„Bschein Prostitjute from Mllca!“
Es fällt mir oft leicht, die Sprache angeschlagener Leute irgendwie rüberzubringen, hier geraten wir in den Bereich der völligen Unlesbarkeit, wie man sieht. Und ob ich die ganze Geschichte, die er mir zwischen akuten Anfällen von Halbschlaf unbedingt erzählen musste, richtig verstanden habe, kann ich auch nicht sicher sagen.
Nun, er musste jedenfalls kurz zur Sparkasse am Nollendorfplatz, um Geld für die Fahrt zum Zoo zu holen. Er war angeblich Prostituierter aus Mallorca und nun ein paar Monate in Deutschland, um über die Nicht-Saison auch ordentlich Geld zu verdienen. Er könne mir also prinzipiell schon anbieten, in Naturalien zu zahlen, aber eigentlich habe er Feierabend.
Das hat mich jetzt aus verschiedenen Gründen nur wenig enttäuscht.
Eigentlich wäre er total müde, ließ er mich weiter wissen, und so wirklich gefallen würde ihm Deutschland auch nicht. Aber, jetzt würde er noch eine Runde ficken gehen und morgen würde er eine große Party schmeißen, für die er schon für 80 € beim Netto Käse, Wein und Salami gekauft hätte. Könne ich mir ja mal merken, je nachdem, was ich noch so vorhätte am Wochenende. Die Krönung des Ganzen war, dass er natürlich nicht wirklich zum Zoo wollte, sondern zum Tiergarten am 17. Juni, was unsere Fahrtstrecke (siehe Karte unten) dann etwas unnötig kompliziert gemacht hat. Zum Abschluss hat er mäßig erfolgreich versucht, mich zu umarmen und ist wie ein kleines Kind mit federnden Sprüngen im Gebüsch verschwunden.
Manchmal ist man einfach froh, nicht alles zu verstehen. 0.o
Hier die Route:
PS: Ich hab jetzt mal das „klassische Google Maps“ eingebunden, das neue ist ja eine Bedienungskatastrophe sondergleichen. Kennt jemand eine gute Alternative, falls es irgendwann nur noch die neue Version gibt? Hat OSM einen Routenplaner? Ich hab nix dergleichen gefunden …