Offensichtliches

„Und? Jetzt auf dem Weg nach Hause?“

„Äh … ja. Wieso …?“

„Sorry, wollte nicht aufdringlich sein! Dachte mir nur, dass niemand zwei Stühle in den Kofferraum lädt und dann zu einer Party fährt.“

„Ah, ach so, haha! Ja, da haben Sie recht!“

Captain Obvious und so. 🙂

Guter Deal

Gleich zwei Freunde geleiteten meinen Fahrgast vor einem Club zum Taxi. Ich solle ihn in eine Straße nach Britz bringen. Nun gut. Sonderlich fit wirkte er zwar nicht mehr, aber sowas kommt vor. Hätte ohnehin die letzte Tour an dem Abend werden können.

Während mein Fahrgast sich mäßig motiviert angurten ließ, fragte mich Kumpel 1 aus, wie viel das kosten würde. Genauer als „20 bis 25 €) konnte ich die Frage allerdings nicht beantworten, was ihn mit seinen gesammelten 23 € etwas unsicher werden ließ. Der zweite von hinten warf aber ein, dass er ihm ja einen Fuffi mitgegeben habe, etc. pp.
Sie stritten sich also quasi, wer bezahlen dürfte, mein Fahrgast wollte nur pennen und ich endlich rausfinden, wo diese Straße liegt, von der ich nie gehört hatte. Als ob das nicht gereicht hätte, fiel Kumpel 2 dann noch ein äußerst kluger Spruch ein:

„Aber Digger: Wenn – also WENN – es knapp wird hier mit ihm, dann halt bitte an!“

Großartiger Tipp! Und ich hatte das mit dem Kotzen gerade zu verdrängen versucht.

Aber irgendwann waren wir sie los, mein Kunde hatte den Fuffi dabei und guckte leicht grünlich um sich, fiel dabei aber auch schon fast dem Schlafe anheim. Also hab ich ihm kurz vor dem Wegtritt auch nochmal die Regeln erläutert:

„Bierchen zu viel? Kein Ding. Ich halte bei Bedarf sofort an, ist versprochen. Im Gegenzug folgendes von meiner Seite aus: Du versuchst keine Stunts wie unterwegs das Fenster zu öffnen, ok?“

„O … K?“

„Also, schlaf ruhig. Ich bemüh mich, vorsichtig zu fahren. Für den Straßenbelag kann ich nicht garantieren, ansonsten geb ich mein bestes. Und Du kotzt‘ einfach nicht! Deal?“

„Deal!“

Und so haben wir’s durchgezogen. Ich bin etwas langsamer, sanft bremsender und weniger zackig lenkend als sonst gefahren und er hat gepennt. Am Ende waren das 21 €, ich hab 25 bekommen und der Fahrgast … wird in den kommenden Tagen die 0,0 Promille auch wieder erreichen. Alle zufrieden. So muss das. 🙂

„Na, wenn’s unbedingt sein muss …“

Da steht man nach nur mäßigem Umsatz zu Beginn der Schicht gemütlich auf der letzten Position am Stand …

Also ja, nur der achten, aber der letzten!

Und dann kommt ein Kunde mit bescheidenem Reisegepäck, einem Lächeln auf den Lippen und fragt höflich:

„Ich hätte eine Fahrt nach Fürstenwalde. Ich bräuchte am Ende nur eine Quittung, um mir das Geld von der Bahn zurückzuholen. Hätten Sie Interesse?“

Ach, was man sich nicht alles antut für den ungefähr achtfachen Umsatz einer durchschnittlichen Tour … 😉

Touren, mit denen man anfängt

Der Kollege am Bahnhof jammerte mich gerade noch zu über seine ach so kurze Tour zur Krossener Straße, bevor ich überhaupt eine bezahlte Fahrt zu vermelden hatte.

(Was im Übrigen völlig ok war, das möchte ich hier auch mal erwähnen, weil ich es selten tue: Nur weil das Ablehnen von kurzen Touren verboten ist und ich es unverschämt finde, Kunden wegen solcher Fahrten schlecht zu behandeln: Dass man unter Kollegen mal theatralisch über das Pech an der Halte klagt, ist selbstverständlich kein Ausschluss-Kriterium für gute Taxifahrer, das gehört bei uns wie bei jedem Dienstleistungsjob auch dazu, das mache ich auch.)

Aber gut, der Kollege hatte also gerade zu Ende gejammert, da bekam ich eine Kundin.

„Wir müssen da hinten auf den Baumarkt-Parkplatz.“

OK, da war immerhin schon mal klar, dass es noch weitergehen würde. 😉

Also habe ich frohgemut beim Einladen von ein paar Farbeimern geholfen und wartete gespannt aufs weitere Ziel.

„Wir müssten in die Grünberger.“

Noch vor der Warschauer! Nicht, dass mich das ernstlich geschockt hätte, ich hatte viel eher vor Augen, wie ich dem Kollegen eine halbe Stunde später berichten würde, dass seine Tour ja gar nix gewesen sei und ich mit Zwischenstopp und Gepäckverstauen am Ende nochmal zwei Euro weniger auf der Uhr gehabt hätte.

Aber dann war das dort nur ein weiterer bezahlter Zwischenstopp und am Ende kam die Uhr bei durchschnittlichen 13 € zum Stehen.

Und bei all dem Renovierkrempel, der inzwischen fast den ganzen Kofferraum der 2223 ausgefüllt hat, bleibt einmal mehr anzumerken, dass man Taxis wirklich nicht ausschließen muss, wenn es um den Abtransport von Einkäufen angeht. Klar, gefühlt ist das immer sofort superteuer, aber wenn man sich mal anschaut, was für einen Stress man ohne eigenes Auto z.B. mit dem Anmieten von Mietwagen oder dem Abholen von CarSharing-Autos hat: Wenn es danach nicht gleich durchs halbe Bundesland geht, ist die kleine Preisdifferenz dann manchmal vielleicht doch zu vernachlässigen. So es sie in einem Fall wie dem obigen überhaupt gegeben hat, bei dem es immerhin um einen guten Teil von Renovierungsvorarbeiten ging.

Kleiner Nachteil für mich persönlich: Ich hatte keinen Grund mehr, dem Kollegen was vorzujammern. 😉

Der normale Stress

Eigentlich lasse ich mich ja aus Prinzip nicht stressen. Deswegen mache ich diesen Job ja. Ich muss nicht mehr Straßenbahnen hinterherrennen, um pünktlich zur Arbeit zu kommen, ich bringe die feiernden Leute gemütlich nach Hause, während sie ohnehin in einer anderen Dimension schweben und die Straßen sind frei.

Aber:

Das ist natürlich auch nur der Optimalzustand. Irgendeinen Stress gibt es immer mal. Hier Hektik, dort ein aufdringlicher anderer Verkehrsteilnehmer und nicht zuletzt auch manchmal Kundschaft mit Sonderwünschen oder Auswurfanstalten. Aber im Normalfall verteilt sich das alles auf zig Schichten.

Heute hatte ich so eine „Glückssträhne“, die ihresgleichen gesucht hat. Der eine Winker fischt mich an einer vielbefahrenen Kreuzung ab und hat es eilig, obwohl ich ihmzuliebe auf dem Fußgängerüberweg angehalten hatte und nun eine 270°-Drehung ohne die Gefährdung anderer zu praktizieren hatte. Die nächsten erwischten mich in einer einspurigen Straße ungefähr 10 Sekunden vor dem Ums-Eck-Schießen eines Feuerwehrlöschzuges und gaben als Ziel allen ernstes irgendeine „Da-wo-Onkel-Paul-mal-besoffen-hingeschifft-hat-Straße“ an. Auf meine zackige Nachfrage sagten sie dann, dass das direkt an der Ecke der „Da-hat-sich-im-Jahr-1853-mal-wer-laut-geäußert-Allee“ liegt.

„OK, dann so: Welcher Stadtteil denn überhaupt?“

„Ach so. Na hier ums Eck!“

-.-

Die dritten hatten es ganz eilig und mussten zu genau dem Flughafen, der mir ein legales Wenden erst nach anderthalb Kilometern erlaubt hätte. Bei Feierabendverkehr mitten in der Nacht. Was halt so passiert.

Natürlich: Hat alles geklappt, haben wir hingekriegt, inklusive kürzestem Weg, Freundlichkeit und nur marginaler Beeinträchtigung der Berliner Rettungsdienste. Muss ja. Irgendwie.

An dieser Stelle einmal mehr ein herzliches Danke an all die Kollegen, die den Job tagsüber machen und das sicher zehnmal öfter haben als ich. Ich will nicht tauschen, ehrlich nicht!

Zu viel Spielraum bei der Leine

„U-Bahnhof Leinestraße bitte.“

„Kriegen wir hin.“

Natürlich. Was auch sonst? Ich fahr also los und komme mit dem Fahrgast ins Gespräch. Wir waren am Ostbahnhof gestartet und ich fuhr zielsicher den kürzesten Weg: Schillingbrücke, Adalbertstraße, Kottbusser …

Und während wir gerade herzhaft über Uber diskutierten, zog das Schild „U Schönleinstraße“ an uns vorbei, das ich in Gedanken anvisiert hatte.

„Sorry, ganz kurz: Hatten Sie Leinestraße gesagt? Also … Hermannstraße?“

„Ja, genau.“

Puh!

„Ich hatte irgendwie Schönleinstraße im Kopf.“

„Ach, wenn Sie falsch gefahren wären, hätte ich schon was gesagt.“

Glück im Unglück, dass der kürzeste Weg zu beiden exakt in die gleiche Richtung geht.

Äh …

Große Dinge passieren gerade nicht, obwohl ich brav arbeite. Die Kunden bleiben weitgehend farblos, Smalltalk ist so ziemlich der Tagesinhalt und mein Auto läuft auch einfach so, wie es soll. Da ist man dann höchstens überrascht von sehr sehr kleinen Kleinigkeiten, die aber für sich ja auch schon wieder Volltreffer sein können. So Momente, wo man mehr über Leute erfährt, als man erfahren wollte.

Ich nutze bei späten Fahrten gerne die Floskel „Dann hoffe ich mal, der Wecker klingelt nachher nicht um 6 Uhr!“, um das Gespräch am Laufen zu halten. So unterschiedlich die Antworten sind, so vorhersehbar:

„Nein, leider noch früher.“

„Leider schon.“

„Nein, aber um 8 Uhr.“

„Nee, bis 10 geht schon.“

„Ach was, ich kann ausschlafen!“

Und dann heute das:

„Nein! Wobei: Doch, witzigerweise eigentlich schon. Den hab ich mir mal so eingestellt, jetzt klingelt der immer um 6 Uhr. Ich erschrecke mich dann jedes Mal, merke dann aber, dass ich noch ein, zwei Stunden weiterschlafen kann.“

Bitte WAS? 😀