Kurzstrecke bei Sarah

Mich hat diese liebe Mail erreicht:

Hallo lieber Sash,

Ich lese seit einiger Zeit in deinem Blog mit und finde ihn richtig unterhaltsam.
Ich weis nicht ob du mit meiner kurzen, dürftigen Geschichte was anfangen kannst, aber letztens beschloss auch ich (wenn man schon immer von Taxifahrten liest) mal wieder diesen Dienst in Anspruch zu nehmen.
Bei uns in Linz (Österreich) gibt es keine Kurzstrecke – jedenfalls wollte ich mir nicht die Blöße geben, nach etwas zu fragen was es höchstwarscheinlich nicht gibt – und stieg einfach ein und fuhren los. Als wir dann ein paar Minuten später am Ziel angekommen waren, stellte der Fahrer fest das er ganz vergessen hatte das Taxameter zurückzustellen, denn die 7,90 stammten noch von seiner letzten Fahrt. Mir war dann irgendwie ungut. Er meinte allerdings 4 Euro würden schon ausreichen. Ich fand das ziemlich nett und gab ihm darum 5,- geradeaus.
Letztendlich bin ich, abgesehen vom Trinkgeld, ja doch noch zu so etwas wie einem Kurzstreckentarif gefahren;)

Liebe Grüße,
Sarah

Kurzstrecke ist ein wirklich seltener Tarif bei Taxen. Ich hab zwar mal gerüchteweise gehört, in irgendeiner anderen (deutschen) Stadt gäbe es das auch noch, hab aber nie eine Bestätigung gefunden.

Ansonsten: Tja, da hast Du wohl Glück gehabt. Legal war das zwar in dem Sinne nicht – aber wenigstens kulant gelöst. Ich für meinen Teil finde das in Ordnung. Wobei sich mir die Frage stellt: 7,90 € standen schon auf der Uhr – das ist ja nun nicht eben viel. War das NACH Deiner Fahrt der Endpreis?

Sollte das nämlich so sein, dann hieße das, die Uhr wäre vorher also höchstens für die Hälfte des Betrags (und das mit Wartezeit!) gelaufen – was irgendwie den Verdacht erweckt, dass da irgendwas doch nicht ganz koscher war. Ich wäre mal interessiert an einer (Google?-)Maps-Ansicht der Fahrt in Kombination mit dem Taxitarif …

Araber, Juden und die EM 2012

Oder: „Die Iraner isse besoffen!“

Obwohl ich bei dieser Fußball-EM für mich bisher ungewöhnlich viele Spiele gesehen hab, ist mir das ganze Getue auch dieses Mal wieder auf den Wecker gegangen. Ich unterhalte mich zwar auch als nicht sonderlich fußballinteressierter Mensch mal gerne über ein Ergebnis (ist ja nicht so, dass mich das Wetter – sonst gerne Smalltalk-Thema – rasend begeistern würde!), aber irgendwie hatte man dann doch wie immer das Gefühl, die vorherrschende Logik wäre folgende:

„Ich brülle lauter und beleidige dein Heimatland besser, also gewinnt mein Team – und zwar zurecht!“

Dass nicht einmal die meisten Kollegen irgendeinen Zugang zu meiner Aussage „ist mir eigentlich egal, ob die Deutschen gewinnen“ fanden, versteht sich ja leider fast schon von selbst. Die meisten Leser hingegen werden wissen, dass ich nicht viel von Patriotismus – und noch weniger von Nationalismus – halte. Dass ich Multikulti noch immer nicht für ein Schimpfwort halte, liegt neben vielem anderen auch an meinen Fahrgästen. Viele von euch haben über die Spinner meiner „Alles eins„-Tour gelacht, heute nacht gab es Nachschub.

Erst kurz zuvor hatte ich ein paar Torfköpfe im Auto, die glaubten, dank der EM-Spielberichte aus der BILD könnten sie nun gut informiert über europäische Finanzpolitik reden, da tippelten zwei massige junge Männer mit eher südländischem Aussehen zu meinem Taxi am Ostbahnhof. Ähnlich der Gestalten der oben verlinkten Tour waren sie mir erstmal nicht unbedingt sympathisch, aber das änderte sich schnell. Ich hab klargestellt, dass ich keine Festpreise mache und sie akzeptierten das. Dann jammerten sie zwei- bis dreisprachig über das eben erst beendete EM-Spiel zwischen Spanien und Frankreich. Sie hatten wohl unterschiedliche Wetten plaziert, Heimatstolz trieb offenbar keinen der beiden:

„Ach, sag isch: Hör nicht auf den da hintern! Der ist von Iran!“

„Jaja Mann! Aber den Holzkopf vorne ist Jude!“

„Immer vorsichtig mit Mensche von Iran, sag ich!“

„Geh doch heulen bei wie heißt der? Netanjahu?“

Da hatte ich mir ja gleich das Weltkrisengebiet schlechthin ins Auto gepackt. Super! Im Gegensatz zu ihren oftmals aber doch eher … naja … festgefahrenen Landsleuten nutzten die beiden den ja nicht gerade lächerlichen Konflikt allenfalls zum gegenseitigen Necken. Da könnten sich einige mal ein Scheibchen von abschneiden!

„Alta, bis‘ du morgen Scheißen-England oder Italien?“

„Kein Plan, was wetten?“

„Alta, wirst du so verlieren, weil du morgen England bist!“

„Voll egal, wo ich bin: Deutschland putzt eh weg! Wird Deutschland Aropameister!“

„Haha! Has‘ gehört dem Iraner? Sagt Arabermeister!“

„Hab ich net!“

„Hat gesagt Arabermeister, der alte Araber!“

Daraufhin fingen sie an, die wichtigste Frage all derer zu klären, die bis auf ihre nationale keine sonstige Identität zu haben scheinen: Ob denn „die Araber“ im deutschen Team deutsch seien. Ein Bisschen hatte ich immer noch Sorgen, das könne eklig werden, aber am Ende haben sie sich darauf geeinigt, dass „wer hat Pass und will spiele für Deutschland is Deutsche!“ Und dass sie so wie sie spielen ruhig Arabermeister werden könnten … 😉

Mit der Zeit hatte ich Tränen in den Augen, weil die beiden echt lustig geworden sind. Der Iraner, so wurde mir erzählt, würde nur so dusseliges Deutsch reden, weil er erstmals Alkohol hätte trinken können und der offenbar wirklich aus Israel stammende andere bekam vorgeworfen, dass er ja nun nur für die Italiener sei, weil die wiederum weniger trinken würden als die Engländer, was seit heute – im Namen Allahs! – überhaupt keine gute Idee mehr sei. Oder so.

Die beiden haben einfach eine perfekte Parodie geliefert auf all die unnützen Scharmützel da draußen, auf all die Scheiße, die im Namen von Nationen und Kulturen täglich passiert.

Natürlich, die Welt ist nicht so einfach wie eine Taxifahrt vom Ostbahnhof nach Charlottenburg! Aber verdammt, was würden wir alle gut daran tun, es wenigstens mal auf diesem Weg zu versuchen!

Die berühmten Ausnahmen

Erstmal: Ja, es gibt heute noch einen Eintrag! So wie eigentlich immer – außer an manchen Sonntagen. Ich bin heute Nacht aber leider verhindert gewesen und vorgeschrieben hatte ich nichts. Wer sich für meine Hinderungsgründe interessiert, kann das gerne in meinem Privatblog nachlesen: Irgendwas dramatisches|Witz mit Luft

Kommen wir nun zu etwas ganz anderem:

Dem ein oder anderen falle ich sicher auch mal negativ auf. Ich bin gerade bezüglich des Taxitarifs immer ein vehementer Fürsprecher und lehne Festpreise ab. Auch neulich hatte ich das wieder, da hat mich eine Truppe Jungs gefragt, ob ich irgendwie mies drauf sei, weil ich ihre Anfrage nach einem Festpreis (wie üblich rund 40% unter dem Tarif) einfach gleich ohne Überlegen mit einem glasklaren „Vergesst es!“ abgetan hätte. Aber eigentlich solltet ihr wissen, dass ich deswegen kein blödes bürokratisches Arschloch bin. Ich bin im Gegenteil sogar sehr dafür, dass gesunder Menschenverstand mal über sinnlose Regelungen siegt. Dummerweise trifft das auf die meisten Angebote zum Thema Festpreis nicht zu.

Am selben Abend, etwas später, hab ich kurz am Fritz-Club gehalten. Die Halte am Ostbahnhof war leer, ich hab also auch niemandem eine Fahrt geklaut. Super. Kurz darauf fragte mich ein verschüchterter noch nicht ganz volljähriger Junge nach dem Preis zu einer kleinen Straße im Bezirk Neukölln. Ich hab mein fast allwissendes Navi befragt und die Entfernung betrug rund sieben Kilometer. Pi mal Daumen 14 bis 15 Euro. Der den Tränen nahestehende Jüngling durchforstete seinen Geldbeutel und erzählte mir nebenher, dass er sich das Taxi eigentlich mit zwei Leuten teilen wollte, die jetzt aber während er seine Jacke an der Garderobe ausgelöst hat, einfach schon losgefahren wären und ihn hiergelassen hätten.

Auf 13,50 € hat er es gebracht.

Ich hab ihn mit einem „Kriegen wir hin!“ eingeladen. Er sah keine Möglichkeit, noch irgendwie – via Bank oder so – an Geld zu kommen, aber schon weil es ihm so peinlich war, ging mir das sonstwo vorbei. Um ehrlich zu sein, hatte ich bereits mehr Umsatz als ich erwartet hatte an dem Abend. Die Uhr hab ich einen Kilometer vor dem Ziel ausgemacht, der Dank war riesig und seine Panik darüber, dass ich jetzt seinetwegen was illegales mache, war geradezu lustig 😉

Den Humor scheint auch das Schicksal zu teilen, denn als Belohnung für meine Großzügigkeit bekam ich gleich als er ausgestiegen ist noch eine lohnende Tour nach Lichtenrade – ohne Preisfeilscher, mit gutem Trinkgeld, unspektakulär aber gut! Und so passt das ja dann auch alles wieder. 🙂

Kurzes Gespräch

Ich hab gleich vermutet, dass sie ein bisschen Erfahrung haben. Sie sind zielsicher auf mich als Letzten in der Schlange am Berghain zugekommen um mich zu fragen, was es zur Bossestraße kosten würde.

„Hm, ich schätze 7 €, aber vorsichtshalber schließe ich 8 € mal nicht aus.“

Das sind 2 bis 3 Kilometer und ich würde tatsächlich sagen, dass das ein eigentlich fairer Preis für eine Heimfahrt zu zweit mit eigenem Fahrer ist, wenn es draußen regnet und man müde vom vielen Tanzen ist.

„OK, alles klar. Machste 5?“

„Nö. Ganz sicher nicht.“

Dazu ein entwaffnendes Lächeln. Dass sie gleich abhauen, hatte ich nicht erwartet. Meist entspinnt sich ja am Ende doch noch eine Diskussion. Eine Diskussion im Übrigen, für die ich rhetorisch gut gerüstet bin und die ich folglich immer gewinne.

Ich weiß, dass einige das als unglaublich spießig und unflexibel ansehen. Sind ja „nur 2 €“ …

Aber mal im Ernst: Warum soll ich illegalerweise meinen Stundenlohn von irgendwas zwischen 5 und 9 € einfach mal spontan um einen senken, wenn doch die Kundschaft auch „nur 2 €“ mehr zahlen müsste?

Feilschen wie beim Bäcker

Achtung! Dieser Artikel enthält 5% Bäckervergleiche.

Taxifahren zum Festpreis? Billiger als zum Taxitarif? In dem meisten Städten und Landkreisen in Deutschland ist das illegal. Gemacht wird es trotzdem immer wieder – und zwar mit folgenden total schlüssigen Begründungen. Zur Erklärung sind vergleichbare Anliegen in der Kundenbeziehung zwischen Bäcker und Brotkäufer angefügt. Diese sind im Einzelfall nicht 100%ig identisch, aber wenigstens völlig legal. Eine Möglichkeit, sich das Geld fürs Taxi zusammenzusparen?

Kommen wir zu den Begründungen, warum ich den Kunden teilweise bis zu 50% des Fahrpreises erlassen soll:

1. Du fährst doch eh in die Richtung!
(Das Brot ist doch eh schon gebacken!)

Ja, zugegeben: Es würde mir keine direkten Mehrkosten verursachen, einen Kunden mal so mitzunehmen. Zwei Gegenargumente gibt es dennoch: Zum einen wäre ich dann besetzt und müsste (den Normalpreis be-) zahlende Kundschaft ggf. stehenlassen. Zum anderen bin ich nicht zufällig vor Ort. Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, zu gewissen Zeiten an gewissen Orten zu sein und diese Leistung ist in dem Moment schon erbracht. Das muss nicht immer viel sein, vielleicht bin ich nach dem letzten Kunden nur einmal ums Eck gefahren – aber diese Schwankungen des Arbeitsaufwandes pro Kunden sind normal. Dafür können wir am nächsten Tag 10 Kilometer Anfahrt für eine Fahrt in Kauf nehmen…

2. Aber letzte Woche hab ich das auch gemacht…
(Ich hab letzte Woche in der Bäckerei gegenüber aber Brötchen gefunden, die eigentlich…)

Ob etwas in Ordnung oder machbar ist, richtet sich (manchmal durchaus leider!) nicht danach, was irgendwann irgendwo mal irgendwie geklappt hat. Nur weil ein Kollege das Gesetz bricht, bin ich nicht auch dazu verpflichtet.

3. Fährste halt ohne Uhr. Der Chef merkt das nicht, dann haste sogar mehr davon!
(Back halt ein paar Brötchen nach, dann fällt das nicht auf!)

Vielleicht geht das im Trubel tatsächlich mal unter. Aber das geht einfach nicht dauernd. Vom moralischen Dilemma mal ganz abgesehen: Bei 100 Kilometern mehr oder bei 20 Kilogramm Mehl wird es dann eben doch auffällig. Denn die Kosten entstehen trotzdem, die Einnahmen entgehen uns ebenso in Realität und das Spielchen lässt sich nirgends ewig spielen.

4. Wenn du mich fährst, haste wenigstens was. Mehr verdienste so jetzt auch nicht…
(Den Kuchen kauft doch jetzt niemand mehr, ist schon 14 Uhr. Lieber halber Preis als gar kein Geld!)

Ja, aber wenn es schon so schlecht läuft, dann warte ich doch lieber auf eine richtige Tour, die mir vernünftige Umsätze beschert! Es ist ein Glückspiel für uns, das ist wahr. Aber nicht ohne Grund darf ich eine kurze Fahrt nicht ablehnen, nur weil ich auf eine lange Tour hoffe. Es läuft mal so und mal so – und vor allem: Es weiß keiner. Ja, vielleicht hat man durch so eine Tour wirklich mehr Geld am Ende. Vielleicht aber auch erheblich weniger. Ein Argument ist das nicht wirklich.

5. Aber ich bin doch nur armer Student…
(Aber ich bin doch nur armer Student…)

Ja, traurig. Und nichts gegen eine Erhöhnung des BaFöG, mehr Kindergeld usw. usf. Weswegen ich als armer Taxifahrer jetzt mein Einkommen deswegen schmälern soll, entzieht sich mir. Ich geb gerne was an Bedürftige ab, aber an manchen Stellen kann nicht groß gespart werden. Hey, dafür ist die Monatskarte für die BVG günstiger als meine und vielleicht gibt es beim Bäcker ja doch das Mittagsmenü zum Schülerpreis mit Studentenausweis. Und was zur Hölle machen wir, wenn ich nebenher studieren sollte?

6. Der Abend war schon so teuer, der Eintritt und der Alk – ich hab nur noch 10 Euro!
(Sorry, ich hab beim Metzger und im Supermarkt so viel eingekauft, kann ich die Brötchen billiger haben?)

Nö, zahl mir den Zwanni und zieh‘ es deinem Vermieter von der Miete ab!

7. Wenn du mich nicht für 10 fährst, nehm‘ ich einen anderen!
(Dann geh ich halt zum Bäcker um die Ecke!)

Das ist jetzt sicher nicht schön für uns. Aber mal ehrlich: Da kommt eine Anfrage nach einer Tour für 50 – 75% des Normalpreises. Laut meinem Chef bleiben am Ende des Monats rund 5 – 10 % Gewinn übrig bei einem Taxiunternehmen. Irgendwas sagt mir, dass ich auf den Kollegen kein bisschen neidisch sein sollte…

8. Mach mal billiger, weil wenn ich die Bahn nehme, kostet die auch nur 2,30 €!
(Warum soll ich für ein Käsebrötchen so viel zahlen? Ohne Käse kostet das nur 30 Cent?)

Muss ich das eigentlich ernst nehmen? Aber gut: Wir fahren dann in einer halben Stunde los, solange wartest du draußen. Dann nehmen wir noch diese 5 Typen nach Wannsee mit und ich lasse dich in anderthalb Stunden 1,2 km von deiner Haustüre entfernt raus. Deal? Man muss den Mehrwert einer Taxifahrt nicht schätzen. Ich fahre selbst oft genug Straßenbahn in Berlin. Aber Taxifahren ist ein Gesamtpaket. Da kann man nicht mal eben ein paar Dinge außen vorlassen. Wenn man keinen Fahrer braucht, ist Carsharing oder ein Mietwagen eine Lösung. Scheißt man auf Komfort, tut es ein Fahrrad. Hat man Zeit und ist noch fit, kommt man mit der Bahn fast überall hin. Kurze Strecken kann man laufen und der beste Kumpel trägt einen vielleicht umsonst sogar ein paar Meter. Aber gerade weil es das alles gibt, ist es doch nicht meine Aufgabe als Taxifahrer, alles anders zu machen…

Abschließende Worte

Ich weiß, dass das Gejammer über Festpreise bei vielen Taxikunden auf taube Ohren stößt. Und dass die Bäckervergleiche nicht immer zu 100% passen 😉
Aber es ist für mich als Nachtfahrer wirklich ein ständiges Ärgernis. Keine Nacht, in der ich nicht wenigstens eine Anfrage hätte! Taxifahren ist teuer, ja. Ein Teil der Kosten und ein Teil der Arbeit bleibt für Kunden dabei meist unsichtbar – aber das ist wie in jeder anderen Branche. Der Weizen und ein bisschen Strom für den Ofen lassen ein Brötchen auch keine 50 Cent kosten. Genausowenig wie Benzin für 5 Kilometer und ein Fahrerlohn für 10 Minuten eine Taxifahrt 11 € kosten lassen. Es hat sich eingebürgert, im Taxi zu handeln, ok finde ich das kein bisschen. Wir sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs und unser Tarif wird alle paar Jahre aufs Neue mit der Stadt ausgehandelt. Meines Erachtens nach wird dabei auch mal zu viel draufgeschlagen, aber letztlich sind die jammernden Berichte der Fahrer, die kaum von dem Geld leben können, nicht erfunden. Der Bäcker kann viel freier und spontaner seine Preise anpassen oder Produkte die sich nicht lohnen wieder vom Markt nehmen. Wir können das nicht. Wir dürfen das nicht! Ich darf mir die Preise nicht aussuchen, rein rechtlich nicht einmal die Kundschaft.
Die Tarifbindung ist nicht immer schön – auch für uns Fahrer nicht. Wo es hinführt, wenn man sie nicht beachtet, kann man in Ansätzen auch hier sehen: Natürlich sind es dieselben Fahrer, die einerseits mal für 5 € schwarz ein paar Kilometer weiter fahren und am anderen Ende der Stadt einem Touristen 20 € für eine Zehner-Tour aus der Tasche ziehen! Anders lohnt es sich für die nämlich auch nicht. Ich bevorzuge da lieber faire und transparente Preise für alle – auch wenn das im Einzelfall mal ärgerlich sein kann.

Ausnahmen, lohnende

Auf der Schillingbrücke hielt mich ein junger Mann an und fragte, ob das mit der Kurzstrecke bis zur Kreuzung Andreasstraße / Karl-Marx-Allee reicht. Na klar: Das sind vielleicht 800 Meter, das ist locker drin. Eigentlich wollte ich zum Berghain, aber ein großer Umweg ist das ja nicht mal…

„Super! Ich hab mir extra die 3,50 € zur Seite gelegt…“

Oje. Seit nunmehr zweieinhalb Jahren kostet die Kurzstrecke in Berlin 4,00 €.

Ich hab es ja derletzt geschrieben: Ich bin kein Freund von Festpreisen. In dem Fall war es aber besonders ärgerlich. Nicht nur, dass der Kerl nett war – er hat es einfach verpennt. Auch wenn die Fahrt weit unter der Maximalstrecke von 2 Kilometern liegt, wäre der Normaltarif dennoch noch saftiger gewesen. Unter freundlichen Belehrungen über den „neuen“ Tarif hab ich ihm aber bedeutet, einzusteigen. Abgesehen davon, dass er nicht nach dem neuesten Tarif gegoogelt hat, hat der Kerl ja alles richtig gemacht: Extra Geld zurückgelegt, höflich angefragt und das mit der Kurzstrecke auch noch gleich zu Beginn gesagt. Außerdem war der Kerl verdammt nochmal bereit, 3,50 € für wirklich nur ein paar Meter Fahrtweg zu bezahlen!

Ein schlechtes Gewissen hatte ich dennoch, während ich ihn kurz einfach nur geradeaus zu seinem Ziel gefahren hab. Er hat auch gleich gemeint, ich solle noch vor der Kreuzung stoppen, dann käme ich leichter wieder weg, blabla. Auf der Suche nach solchen Kunden ist man manchmal die ganze Nacht erfolglos.

Ich sollte aber auch diese seltene Regelverletzung nicht bereuen. Als ich ihn nämlich an der Ampel entlassen habe, wurde er umgehend von 3 Typen zugetextet. Ich musste wegen des Rotlichts eh noch warten, also hab ich ihn – und vor allem die Typen – noch beobachtet. Ich konnte mir wirklich besseres vorstellen, als morgens in den Polizeipressemeldungen zu lesen, dass dort jemand überfallen wurde. Aber nein:

Die Typen waren aus Holland und irgendwie streunenderweise auf der Suche nach einem Club. Mein dankbarer Fahrgast hat sie dann davon überzeugt, dass das Berghain direkt ums Eck läge und dabei gleich sein neu erworbenes Wissen angewandt, indem er ihnen vorschlug, einfach für 4 € mit dem Taxi hier zu fahren. Zugegeben: Die Fahrt wäre ohne die Nennung des Kurzstreckentarifs etwas lukrativer gewesen – dann hätte ich sie allerdings wahrscheinlich gar nicht bekommen.

Die Jungs haben mich dann ungläubig gefragt, ob das stimme: Dass ich sie für 4 € zu einem echt geilen Club bringen könnte. Das konnte ich natürlich nur bejahen 😀

Und so steht am Ende ein kleiner Regelverstoß gegen 5 zufriedene Leute. Dafür zahle ich gerne die 50 Cent aus der Kasse, schließlich haben die Holländer alleine mir schon einen Euro Trinkgeld vermacht. Und am Berghain war ich nun auch.

Böser Taxifahrer

„Sag mal, du machst uns ja bestimmt einen Spezialpreis zum Club. Also für 8 € wären wir dabei.“

Mal ganz abgesehen davon, dass ich das ohnehin unerträglich öde und nervig finde, stand die Uhr bei 6,20 €, der Club war noch 3 Kilometer entfernt und es gab da noch eine Kleinigkeit:

„Wisst ihr, ich hab zu Fahrtbeginn ganz vergessen, den Zuschlag für die fünfte Person reinzudrücken. Und wenn ihr mich fragt: Es ist unwahrscheinlich, dass ich mich da am Ende noch dran erinnere…“

„Oh geil, und wie viel… ist 8 € dann ok?“

„…aber bei Festpreisverhandlern mache ich das natürlich trotzdem.“

Sprach’s und drückte…

Gab nur wenig Trinkgeld, aber die 13 € hab ich dafür auch mit besonderer Genugtuung eingestrichen. 🙂

Und nur um es mal klarzustellen: Wozu bitte 40% Fahrpreisermäßigung geben bei einer Truppe, wegen der ich meinen Feierabend um eine halbe Stunde verschoben habe und extra noch die Sitze umgebaut? Bei einer Truppe, die die Hälfte der Fahrt vom anstehenden Clubbesuch schwärmte und davon, dass sie glücklicherweise ja das Geld hätten, die ganze Woche durchzufeiern…

Nee, nee, so nicht. Wer es so provoziert, kriegt meine fiese Seite gerne zu sehen.