Man sieht sich immer zweimal…

Naja, nicht immer!

In kleineren Gemeinden mag das Taxifahren bisweilen auch eine sehr persönliche Note haben, Berlin hingegen ist monströs groß. Auf 3,4 Millionen Einwohner verteilen sich 7000 Taxen, was zwar nicht der schlechteste Schnitt bundesweit ist, aber doch recht zuverlässig dafür sorgt, dass man sich selten zweimal im Taxi begegnet. Aber es passiert. Mir glücklicherweise überwiegend mit netten Personen, und so kam es, dass ich ausgerechnet meine Lieblings-Dienstleisterin einmal mehr im Wagen hatte.

Mit viel Glück (insbesondere auf meiner alzheimerverdächtigen Seite) haben wir uns auch beide wiedererkannt und einmal mehr munter drauflosgeplappert. Dank einer inzwischen viel zu lange andauernden Straßensperrung musste ich zwar eine andere Route nehmen, das hat allerdings nichts ausgemacht.

Zum einen war der Preis nachher exakt derselbe wie letztes Mal, zum anderen hat sie eingestanden, dass ihr Orientierungssinn ohnehin nicht ganz ausreichen würde, um Taxifahrerin zu werden.

Dieses Mal sind wir zwar nicht länger vor ihrer Türe verweilt, dafür ist das Trinkgeld nochmals höher ausgefallen, weil sie mir ihr komplettes Kleingeld, abzüglich ihres Glückscents überlassen hat.

Das nächste Mal frage ich nach ihrem Namen. Oder was machen die Amis normalerweise beim dritten Date? 😉

Schichtende (2)

OK, da stand ich nun vor dem Matrix neben einem großflächigen Kotzfleck an meinem Auto als zwei weitere Mädels mich ansteuerten.

Ich hab ihnen bestätigt, dass ich frei bin und gleich gesagt:

„Bitte auf der anderen Seite einsteigen! Hier nicht!“

„Na, i steig’s hier aan!“

„Nein, das tun sie nicht. Denn hier ist alles voller Kotze!“

Auch wenn die bemitleidenswerte Dame aus der letzten Geschichte mein Auto zwar hervorragend verfehlt hatte, so betraf die Pfütze doch jeden Quadratzentimeter vor der linken Hintertür, von dem aus man die Chance hatte, ins Auto zu gelangen. Erfreulicherweise wurde mir diese barsche Ansage aber nicht übel genommen, und die beiden Neukundinnen stiegen auf der anderen Seite ein.

Zum mehr als eindeutigen Dialekt stellten sie auch umgehend klar, dass sie aus Tirol kommen. Das hat im weiteren Verlauf der Geschichte zwar keine Rolle gespielt, aber sie schienen sehr daran interessiert zu sein, dass man es mitbekommt. Die beiden waren zwar nicht unbedingt voll wie ein Rudel Wehrpflichtiger, aber fast wie die zugehörigen zwei sprichwörtlichen Haubitzen.

Das Hotel, das sie mir nannten, erinnerte mich unangenehm an die Ortskundeprüfung, der dazu hingeschmissene Straßenname dann daran, dass ich inzwischen ja einiges mehr weiß. Also gut, eine Tour nach Charlottenburg, runde 15 bis 17 €. Auch ein schönes Schichtende…

Aber davor müssten sie unbedingt noch was essen. Kennt noch jemand das Wort Fressflash? Ich schon, und so konnte ich sie gut verstehen. Was es sein soll? Döner? McDonalds?

„Nee, Currywurst, weil wir sind *hicks* in Berlin!“

Also wäre Döner auch eine Möglichkeit… 😉 OK, im Ernst: Da bot sich das Curry 36 an, das ja angeblich eine hervorragende Wurst macht und fast exakt auf dem Weg liegt. Also wenn man 500 Meter Umweg nicht als Weltuntergang sieht. Und die beiden Damen taten vieles, das aber nicht.

Als sie sich verbal darüber ausließen, wie viel sie zu verdrücken gedachten, schwirrten mir Bilder von verschmierten Sitzen durch den Kopf, die ich unbedingt loswerden musste.

„So, nu muss ich mal was fragen: Wie machen wir das mit dem Essen genau?“

„Ja einfach rein und möglichst viel!“

„Schon klar, aber… Ich gehöre ja nicht zu den Spielverderbern, die das Essen im Auto verbieten wollen – aber eine Currywurst ist ja nun nicht gerade super um sie hier zu essen!“

„Ach was, wir haben doch – guck dir sie mal im Spiegel an! – wir haben teure Mäntel an. Als ob wir die versauen wollten. Aber wenn du kein‘ Bock hast, dann lass uns da raus und wir suchen uns danach ein anderes Taxi!“

„Ob ihr es glaubt oder nicht: Ich wollte tatsächlich fragen, ob das nicht eine Lösung wäre. Bis ins Hotel mit geschlossener Verpackung schaffen sie es ja sicher nicht mehr…“

„Nein! Das wäre ja voll uncool! Hey, kein Problem, wir essen da im Stehen. Du kriegst auch eine Wurst!“

Einladungen durch Fahrgäste… meist halten sie sowieso nicht Wort, meist kriegt man sie, wenn es nicht passt, oder sie wollen einem gleich mitten in der Schicht Drogen anbieten…

„Nee danke!“

„Hey, ist gar kein Problem, ehrlich. Du kriegst, was du willst!“

Diesen Dialog führten wir in unterschiedlicher Intensität noch ein Weilchen fort. Als wir am Curry 36 angekommen waren, unterbrach die eine sogar das Schreiben einer SMS, um nur nicht zu spät zum Essen zu kommen. Ich hab gesagt, ich würde noch eine Zigarette rauchen und erstmal am Auto bleiben – in der Hoffnung, das mit dem Einladen würde sich erledigen. Ich hab das dann gemacht, kurz mit meiner besseren Hälfte via Chat geklärt, dass ich später komme, und bin dann zum Imbiss vorgelaufen.

Ums Abhauen brauchte ich mir gar keine Sorgen zu machen, denn jegliches Hab und Gut der beiden lag sicher im Auto. Fast schon unverantwortlich von den beiden, mich damit alleine zu lassen.

Während ich mich zielstrebig auf die beiden Damen zubewegt habe, herrschte bei ihnen ein gewisses Zögern vor weil sie mich offensichtlich nicht mehr erkannten, und erst als ich quasi vor dem Tisch stand, meinte die eine zögerlich:

„Taxifahrer?“

„Ja…“

„Hier!!!“

Mir wurde ein Schälchen mit Wurst gereicht und Pommes dazu angeboten. Ich hab mehrfach dankend angenommen und mich gefreut, dass meine bezahlte Arbeit in diesem Moment aus Currywurstessen bestand. Während die eine mir dankte, fiel die andere ins Wort:

„Brauchst nicht zu danken, die Uhr läuft ja weiter!“

Aber es kam gar nicht zu einem Streit oder dergleichen. Die kleinen, aber sehr leckeren Portionen waren bald alle, und so gab es noch eine Runde. Dieses Mal verzichtete ich allerdings. Hier und da hab ich ein paar Pommes genascht, aber dennoch verweigert, noch eine zusätzliche Portion zu bekommen. Gekriegt hätte ich sie zweifelsohne, denn mehrfach hintereinander bestellten die beiden Wurst und Pommes und mir wurde versichert, ich könne alles haben, was ich nur wolle.

Aber ich war zu ehrlich, bzw. auch zu unschlüssig, da ich ja ziemlich genau für den Moment, in dem wir da standen, mit meiner Freundin ausgemacht hatte, Kässpätzle zuzubereiten und zu essen. Und ganz ohne Hunger wollte ich ja auch nicht heimkommen 😉

Die beiden unterhielten sich lautstark über Belanglosigkeiten oder sprachen wildfremde Leute direkt an, sodass unser Tisch von allerlei Augen begutachtet wurde, ja allerseits die Leute kicherten ob unserer obskuren Truppe, und ich mir stets dachte:

„Wenn ihr wüsstet, dass ich die beiden nicht etwa abgeschleppt habe, sondern nur der Taxifahrer bin…“

Irgendwann wurde die letzte Schale Pommes bestellt, und ich sollte die Beiden mit eben jener direkt zum Hotel bringen. Sie haben sich mit dem Balancieren wirklich Mühe gegeben, und sich sowohl die Finger geputzt als auch die Schale mitgenommen. Nicht verhindern konnten sie allerdings, dass ich am Ende 15 Pommes von der Fußmatte schütteln durfte. Aber wie will ich deswegen böse sein bei 7 € Wartezeitkosten, 2,60 € Trinkgeld und einer Currywurst?

Und bis ich dann zu Hause war, hatte ich auch wieder Lust auf Kässpätzle…

Is‘ egal!

Das Matrix. Unendliche Breiten…

Wie so oft ist ein junger Mann an mich herangetreten und hat mich gefragt, wie viel es zum Kolumbus-Hotel (oder wie immer es sich gerade genau nennt) kostet.

„Pi mal Daumen 15 €. Kann aber schon sein, dass es ein bisschen mehr ist.“

„Das is ok. Bringst mich hin?“

Na logo! Es gibt schon grundsätzlich schlechtere Touren als zum Kolumbus, und mein Fahrgast sah sogar noch relativ fit aus.

„Party schon vorbei?“

hab ich ihn gefragt. Ziemlich überrascht lauschte ich ihm, als er erzählte, er wisse, dass es jetzt genug sei und dass er weiss wo seine Grenzen liegen. Ja, Studienfahrt hin oder her, aber irgendwann ist es eben gut, und der Abend wird ja nicht besser, nur weil man am Abend noch kotzt oder nicht mehr heimfindet. Und er fühlt sich nicht mehr so gut, würde sich lieber ins Hotelbett schmeißen und noch ein bisschen lesen.

Wow!

Kenn ich so grob zwar auch von mir, dass ich das Bettchen den letzten Partyeskapaden vorziehe, das hat mich in dem Alter allerdings nicht davor bewahrt, davor schon zu übertreiben 😉

Es war eine angenehme Fahrt, und auch wenn der Typ sicher nicht die Partykanone war, war er mir doch sympathisch. Einer von den Leuten, bei denen man nach 3 Sätzen weiss, dass sie keine Hohlbirnen sind und das Bildung tatsächlich was bringt.

Obwohl ich ihn schön artig auf der kürzesten (und nicht der schnellsten) Route heimgebracht habe, verging die Zeit wie im Flug. Rund 100 Meter vor dem Hotel stellte er fest, dass er sich hier „ja sogar schon wieder“ auskenne, und er quittierte es mit einem ehrlichen und höflichen Danke, dass ich tatsächlich die Hotelvorfahrt genutzt habe, um ihn keine 3 Meter vor der Tür abzusetzen. Viele seiner Altersgenossen bevorzugen ja das Aussteigen 100 m vorher, um die letzten 20 Cent Ersparnis noch durch 6 zu teilen.

„Na und siehste: 14,80 €! Hat sogar noch unter 15 gereicht!“

Sowas sagt man ungern. Ist ja eine blöde Summe für Trinkgeld… aber hey, es war eine wirklich nette Fahrt und sie hat jetzt schon das Gefühl hinterlassen, dass ich jemandem mit meiner Dienstleistung wirklich helfen konnte.

„Is‘ egal!“

meinte er recht gelangweilt, in Gedanken schon im Bett.

„Der Rest ist für dich!“

5,20 € Trinkgeld. Und da will ich noch einmal was hören, dass sich Bildungsausgaben nicht lohnen!

Mal drüber reden…

„Sagen sie, was halten sie eigentlich von Fahrradfahrern, die die Fußgängerüberwege benutzen? Also an der Ampel? Und nicht absteigen?“

„Wenn ich ehrlich sein soll, hab ich mir da bisher gar nicht so viele…“

„Naja, sie sind ja professioneller Taxifahrer, sie haben sicher mit ganz anderen Dingen zu tun. Mich ärgert das immer maßlos. Und ich rege mich da total schnell auf!“

Das war nun wirklich ein ungewöhnlicher Gesprächseinstieg für einen Fahrgast. Die Fahrtstrecke war noch dazu überaus kurz. Eine dieser 6€-Touren vom Ostbahnhof in den Boxhagener Kiez, eine dieser Touren, weswegen ich die Halte sicher nicht als häufigen Anlaufpunkt nutze. Trotz des Einstiegs ist es übrigens nicht in eine Schlammschlacht ausgeartet, und ich hab mit ihm ein kurzes und dennoch inhaltlich brauchbares Gespräch über den Verkehr und die Umgangsformen untereinander geführt.

Mich nerven diese Autofahrer-gegen-Fahrradfahrer-Geschichten nach wie vor ziemlich. Und das, obwohl ich mich auch weit öfter über Fahrradfahrer ärgere als andere Vierrädler. Das Auftauchen von Idioten in der persönlichen Umgebung lässt sich leider nicht am fahrbaren Untersatz erkennen. Genauso wenig wie an der Nationalität oder den Klamotten. Auch ich denke mir zwar oft:

„Na, das passt ja!“

aber glücklicherweise kommt meist schnell genug ein anderer Idiot vorbei, der das Bild wieder gerade rückt. Dank dieser Idioten haben Lobbyvereine wie ADAC und ADFC streitlustiges Publikum, und eine wahrscheinlich zweistellige Millionenanzahl von Menschen in Deutschland verbringt einen guten Teil seines Lebens damit, sich im Straßenverkehr benachteiligt zu fühlen, dagegen anzugehen, und das auch noch für einen relevanten Part des eigenen Lebens zu halten.

So konnte ich dem Fahrgast auch nur sagen, dass es mich eigentlich nicht tangiert, wenn Radfahrer an Ampeln nicht absteigen, um die Fußgängerampeln zu benutzen. Sofern das irgendwie im Einklang mit dem sie umgebenden Verkehr (also auch dem der Fußgänger) steht, bin ich da sicher kein Prinzipienreiter. Allerdings bietet es den Einstieg in die Debatte über einen einzigen, wirklich sehr Radler-typischen Verhaltenspunkt, der auch mir persönlich bitter aufstößt:

Das Rosinenpicken

Radfahren ist in einer Stadt wie Berlin ja eine großartige Alternative im Verkehr. Man steht nicht so im Stau wie mit dem Auto, man ist dennoch zu 100% flexibel und nicht so langsam wie ein Fußgänger. Kein Wunder also, dass wir zum zugegeben ziemlich nervigen Autoverkehr auch wahnsinnig viele Radfahrer haben. Inzwischen beginnt ja selbst die grundsätzlich viel zu lahme Verwaltung, das zu erkennen und sich auf Fahrradfahrer als eigenständige Verkehrsteilnehmergruppe einzustellen. Es gibt immerhin an einigen Stellen schon ein recht gut ausgebautes Radwegenetz, es kommt immer mehr dazu – und inzwischen wird auch schon intensiv diskutiert, es zu verbessern. Ab nächsten Winter muss die BSR auch Radwege räumen und es wird allerorten eine Verlegung der Radwege auf die Straße diskutiert, da das wohl einige Unfallschwerpunkte entschärfen soll. Im Übrigen etwas, dem ich zustimmen kann. Wer gelegentlich von der Warschauer Str. in die Mühlenstr. abbiegt, wird wissen, wie unübersichtlich eine Kreuzung durch einen gesonderten Radweg werden kann, obwohl sie prinzipiell gut einsehbar ist.

Das Problem ist, dass manche Radler die Vorteile ihres Gefährts etwas überbewerten und der Meinung sind, alles was geht, müsse auch erlaubt sein. Je nachdem, ob es dem eigenen Vorankommen dienlich ist, verwenden einige nämlich sowohl Rad-, als auch Fußgänger- und Auto-Verkehrsräume. Zum Teil ist das verständlich, schließlich werden sie tatsächlich von der StVO mal hierhin und mal dorthin abgeschoben, und so kommt wahrscheinlich das Verhalten zustande, dass den meisten Fahrradhassern im Auto bitter aufstösst (obwohl sie es nicht benennen könnten): Diese Radfahrer sind unberechenbar.

Dazu gehört das Rasen über Fußgängerampeln genauso wie etwas, das mich vor ein paar Tagen fast den letzten Rest Nervenkostüm gekostet hätte: Das spontane Wechseln vom Radweg auf die Autospur ohne Notwendigkeit, Umsicht oder Gefahrenbewusstsein. Ich denke ja auch, dass man nicht bei jedem Quatsch pingelig sein sollte, aber bei Gefährdungen hört der Spaß auf. Und bei aller Sympathie für die Einstellung, das Selbsttötung auch zur freien Lebensgestaltung gehört, bin ich auch ein Freund davon, keine zufälligen Verkehrsteilnehmer in diesen manchmal für Außenstehende etwas traumatischen und durchaus auch ekligen Plan miteinzubeziehen.

Ich verstehe die brachliegenden Nerven von Radlern, die auf Hauptverkehrsstraßen nur ganz knapp überholt werden, und ebenso das Angepisstsein, wenn ein Auto auf einem Radweg parkt oder Fußgänger denselben als Flaniermeile missinterpretieren. Woraus sich für einige allerdings das Recht ergibt, betrunken mit einer Bierflasche in der Hand ohne sich umzusehen bei Rot über die Ampel zu fahren und trotz parallel verlaufenden Radwegen den Autofahrern ihre Geschwindigkeit aufzuzwingen, das ist mir indes unverständlich.

Ich hab schon mal irgendwo erwähnt, dass ich gerne auch Regeln hinterfrage und nicht übermäßig obrigkeitshörig bin. Aber ausgerechnet in der wahrscheinlich meistdiskutierten Blattsammlung Deutschlands, der StVO, stehen tatsächlich ein paar Paragraphen, die den Sinn haben, den Schutz der einen Verkehrsteilnehmer vor den anderen zu regeln. In einem dicht bevölkerten Gebiet wie der Berliner Innenstadt ist es eine Meisterleistung, es hinzubekommen, dass sich in die gleiche Richtung Menschen zu Fuß mit 5 km/h, welche auf dem Fahrrad mit 20 km/h und Autofahrer mit 50 km/h bewegen können. Dass auch irgendwer mal entschleunigen oder anhalten muss, um die Kreuzung und Überschneidung dieser Wege zu ermöglichen, das sollte doch jedem klar sein.

Und so etwas in der Art habe ich meinem Kunden auch erzählt. Mit dem dringenden Hinweis, dass ich nichts von pauschalen Vorverurteilungen halte, aber dass es natürlich kritisches Verhalten gibt, an dem ich vor allem diese ständige Egoisten-Perspektive und dieses „Ich will alles sofort und es ist mir doch egal, ob es die anderen stört“ hasse.

Seinen Nerv habe ich damit offenbar getroffen, das Trinkgeld betrug gute 50% vom Fahrpreis. Und trotzdem ist es immer wieder ein nerviges Thema und tagein tagaus ein Kampf mit meiner rechten Hand, die hier und da ausholt, um auf die Hupe zu drücken. Ich hab es bisher dennoch bei etwa 5 mal belassen in den letzten anderthalb Jahren. Ich hab ja auch nix davon, wenn ein erschreckter Radfahrer plötzlich umfällt und meine Spur blockiert 😉

Aha. Interessant.

Manche Kunden sind ja schon eine ganz eigene Marke. Der Mann im dunkelgrauen Anzug, der sich am Ostbahnhof in mein Taxi setzte, wirkte immerhin routiniert.

„Ins Comfort Hotel Lichtenberg bitte.“

Das ist ein Hotel, bei dem ich eigentlich nicht mal überlegen muss. Von fast allen Ecken Berlins ist das Hotel genauso anzufahren wie mein Zuhause, und im Grunde ist das auch noch super simpel: Wenn man erst einmal auf der Landsberger Allee ist, ist alles in Ordnung. Irgendwie hat mich aber die Routine, ein dummer Gedankengang oder was auch immer, fragen lassen:

„Sie meinen das in der Rhinstraße, oder?“

Dann ging es los.

„Ja selbstverständlich. Welches denn sonst? Sie müssen einfach die B1 runterfahren und dann irgendwann links ab. Soll ich ihnen das zeigen?“

„Nein, ich weiß wo das Hotel ist, danke. Und sie sind immer so da hin gefahren?“

„Ja natürlich! Das erste Mal damals mit meinem Navi, inzwischen nehme ich ja eigentlich immer ein Taxi. Wissen sie, ich bin ja jetzt seit 2 Jahren fast einmal monatlich in Berlin…“

„Und sie sind IMMER diesen Weg gefahren?“

„Na klar.“

„Wissen sie was? Dann zeig ich ihnen heute mal den kürzesten.“

Und er fängt noch an zu lachen und meint, ich solle das ruhig versuchen. Wenn ich unter 17 € komme, will er einen Zwanni bezahlen. Ich komme ins Grübeln. 17 € ist ja nicht so viel, und wenn jetzt doch mal einer den richtigen Weg gefahren ist… Aber Quatsch, meist passiere ich die Kreuzung Landsberger Ecke Rhinstr. bei ungefähr 15 € – und von da aus kriege ich keine 80 Cent mehr auf die Uhr.

Er indes achtet nur bedingt auf den Weg. Die FAZ aufgeschlagen, nur gelegentlich aus dem Fenster linsend passiert er im Fond ahnungslos eine Strecke, bei der ich zum Fahren nicht einmal mehr die Augen aufmachen müsste, wenn die anderen Verkehrsteilnehmer nicht wären.

Ich rolle die Hoteleinfahrt hoch und schalte ganz bewusst schwunghaft die Uhr aus und grinse:

„Das macht dann 15,60 €.“

Seine Reaktion war knapp. Ganz trocken, sichtlich ohne emotionale Regung (also auch ohne Groll) meinte er:

„Aha. Interessant. Dann gehört der wohl ihnen.“

Kann ja nicht jeder die kürzeste Strecke so spannend finden wie ich 🙂
Aber das mit den Wetten sollte ich eindeutig öfter machen.

Ehrlichkeit…

„Und dann müssten sie die nächste links ab.“

„Und dann gleich die nächste rechts, oder?“

„Mensch, sie kennen sich ja wirklich gut aus!“

„Ach, ich will ehrlich sein: Ich hab es sicherheitshalber ins Navi eingegeben. So ganz genau hätte ich es nicht mehr gewusst.“

„Haha, na dann!“

Nach dem Bezahlen (mit gutem Trinkgeld) haben sie sich untereinander noch unterhalten:

„Das war jetzt aber mal ein toller Fahrer, oder?“

„Ja, und dass der auch einfach gesagt hat, er hätte es jetzt nicht so genau gewusst…“

„Toller Fahrer, wirklich!“

„Ja, echt toll!“

Wenn man die Ansprüche nur weit genug runterschraubt, bleibt für jeden ein Kompliment übrig. Wie wenn ich über Leute schreibe, die ins Auto kotzen und dann aber „sehr fleißig“ mitputzen.

Tut manchmal einfach gut, sowas. 🙂

I am not a Criminal!

„Would you bring me to the Intercity Hotel?“

Na gut. Vom Frankfurter Tor (also Biermeile) bis zum Ostbahnhof nehme ich an. Warum nicht? Kurze Strecke und gleich wieder hier. Fast so gut wie eine lange. Naja, kurze Nachfrage noch:

„Which one?“

„Oh, see, it is just near to the airport…“

OK, Schönefeld! Super!

„What will it cost?“

„30 €.“

„OK. I have to look, how much money I have. But I have a friend in the hotel and my credit card. I’ll pay you. I am not a Criminal!“

Gut einen im Tee hatte er ja, aber es war ein netter Kerl. Ich hab mir keinen Kopf gemacht. In dem Fall weiss ich sogar vom Hotel, dass die den Taxipreis ggf. mit auf die Rechnung setzen. Also wegen des Geldes hatte ich nun wirklich keine Sorgen.

20 € hat er auch so noch zusammengekramt. Zwei Fünfer und ein Zehner. Die hat er die ganze Fahrt über in der Hand gehalten, sie mir gezeigt, um zu zeigen, dass er mich bezahlen wird, und hin und wieder nachgezählt. Meist kam er beim Zählen auf 20 €, manchmal auch auf 30, wobei ich ihn dann vorsichtshalber korrigiert habe.

Und die Fahrt nach Schönefeld kann ziemlich lange dauern…

„Ill pay you, don’t panic!“

Nein, keine Sorge. Aber er hat auch sonst nicht viel erzählt. Die meiste Zeit wollte er meine inexistente Panik bekämpfen. Nebenbei hab ich eigentlich nur erfahren, dass er aus Norwegen ist, und mit einem Kollegen mal dessen Heimat besucht.

Auch wenn er sich zwischenzeitlich abenteuerliche Lösungen ausdachte, um das mit dem Geld zu klären (Aussteigen auf der Autobahn bei Adlershof beispielsweise), endete das alles mit einem kurzen Anruf bei seinem Kumpel, der dann auch Gewehr bei Fuß am Hotel stand, als wir eintrafen, um mir den letzten Zehner zu überreichen.

Während ich bei einer gemütlichen Zigarette einen kleinen Chat mit Ozie führte, entbrannte um mich herum eine Art norwegische Freudenparty, bei der mir mehrfach versichert wurde, dass die beiden kein bisschen kriminell sind und sich nur freuen, einander zu sehen.

Nicht, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch Zweifel daran hatte, aber irgendwelche Gründe zum schreien und lachen muss es ja geben.