Ehrlichkeit…

„Und dann müssten sie die nächste links ab.“

„Und dann gleich die nächste rechts, oder?“

„Mensch, sie kennen sich ja wirklich gut aus!“

„Ach, ich will ehrlich sein: Ich hab es sicherheitshalber ins Navi eingegeben. So ganz genau hätte ich es nicht mehr gewusst.“

„Haha, na dann!“

Nach dem Bezahlen (mit gutem Trinkgeld) haben sie sich untereinander noch unterhalten:

„Das war jetzt aber mal ein toller Fahrer, oder?“

„Ja, und dass der auch einfach gesagt hat, er hätte es jetzt nicht so genau gewusst…“

„Toller Fahrer, wirklich!“

„Ja, echt toll!“

Wenn man die Ansprüche nur weit genug runterschraubt, bleibt für jeden ein Kompliment übrig. Wie wenn ich über Leute schreibe, die ins Auto kotzen und dann aber „sehr fleißig“ mitputzen.

Tut manchmal einfach gut, sowas. 🙂

8 Kommentare bis “Ehrlichkeit…”

  1. ibaggi sagt:

    Ich habe schon seit langem festgestellt, dass Kunden es positiv aufnehmen, wenn man bei besonderen Fragen lieber mal sagt, dass man es nicht weiß, als dass man sich irgend etwas aus den Fingern saugt. Dann bekomm ich auch meistens eine positive Rückmeldung, weil die Kunden erstaunt sind, dass man es zum einen zugibt, nicht alles wissen zu können und zum anderen, dass man sich kümmert, ihre Frage beantworten zu können.
    Es ist auch schon vorgekommen, dass Kunden meinten, ich käme so kompetent rüber, man würde mir im Prinzip alles glauben, ohne es zu überprüfen, und ich hätte an der einen Stelle auch lügen können, es wäre ihnen ja nicht aufgefallen, aber dass ich dann nachgeschlagen habe, um etwas ehrlich beantworten zu können, das hat sie dann letztendlich überzeugt, ihr Geld bei mir zu lassen.
    Ehrlichkeit wird dann doch mal positiv bemerkt 🙂

    Aber ich hab auch mal eine Frage an Dich: Ich muss ab und an mit dem Taxi fahren, immer die selbe, relativ kurze Strecke. Links rum den Berg och kostet sie 4,90, rechts rum an der anderen Seite des Berges hoch kostet sie 6,50. Den Fahrer, der rechts rum fährt, hab ich mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass er doch bitte links rum fahren möchte, er ignoriert das mit den Worten, da wäre es zu eng. Das stimmt in sofern nicht, da ich selber, viele, viele andere Autofahrer und alle seine Kollegen automatisch die kürzere Strecke nehmen. Außerdem ist es für den entgegenkommenden Verkehr zwar eng, da man, wenn man diesen Berg herunterkommt, bei Gegenverkehr zwischen den parkenden Autos warten muss, aber da ich ja den Berg hoch komme, habe ich Vorfahrt und kann durchfahren, da auch oben dem entgegenkommenden Verkehr angezeigt wird, dass er zwischen die bergrunter parkenden Autos fahren muss und die von unten hoch kommenden Autos Vorfahrt haben.
    Ich gebe grundsätzlich immer ca 10% Trinkgeld, und es soll mir auch nicht auf einen Euro ankommen, aber dieses Verhalten find ich dann doch schon richtig dreist. Beim letzten Mal hab ich dann schon beim Einsteigen gesagt, Bitte nach xy, über die Z-Strasse, und er hat es wieder ignoriert. Ich hab dann gesagt, ich würd es nicht einsehen, ihm mehr zu zahlen, als allen anderen, er bekäme jetzt 5 Euro, was die Strecke sonst kosten würde, und da wurde er richtig pampig, „Zechpreller“ musste ich mich nennen lassen, ich hab dann den Rest doch noch bezahlt, weil ich keinen Bock auf eine Anzeige hatte. Leider ist es das einzige Taxi-Unternehmen hier am Ort und genau deswegen hab ich mich noch nicht beschwert, da ich ja auf die angewiesen bin. Gibt es eigentlich ein Gesetz, das besagt, dass die Fahrer die kürzeste Strecke nehmen sollen? Oder wie kann man diesem Fahrer beikommen?

  2. Aro sagt:

    @ibaggi
    Ja, das gibt es, allerdings sind die Gesetze und Verordnungen vom Bundesland und auch vom Landkreis abhängig. Am besten wendest du dich an das örtliche Ordnungsamt (oder Rathaus), die können dir den richtigen Ansprechpartner nennen.
    Grundsätzlich gilt natürlich, dass der Fahrer kein Recht hat, eine andere Strecke zu fahren, wenn du ihn extra darauf hinweist. Das ist juristisch erstens eine Freiheitsberaubung, außerdem Betrug, wenn die Strecke länger und damit teurer ist. Dabei ist es auch egal, um welchen Betrag es geht.
    Dem Fahrer könntest du darauf hinweisen, dass du dich bei der zuständigen Behörde über ihn beschweren wirst, wenn er die falsche Route nimmt. In Berlin werden solche Beschwerden konsequent geahndet, nach der zweiten berechtigten Beschwerde ist der entsprechende Fahrer normalerweise seinen Schein los. Das wissen sie in der Regel auch, deshalb würde ich diesen Hinweis anbringen, sozusagen als niedrige Eskalationsstufe. 🙂

  3. Der Maskierte sagt:

    Ja, schon erstaunlich, was man mit Ehrlichkeit alles erreichen kann.

    Kleiner Tipp am Rande: „Sehe ich in diesem Kleidungsstück dick aus?“, von einer Frau gefragt, einfach mal korrekt mit „Ja. Aber in dem anderen sieht es auch nicht besser aus!“ beantworten. 😉

  4. Nick sagt:

    Frei nach Kurt Krömer ‚Aber Schatz, du hast doch keinen dicken Po… du hast nen fetten Arsch!‘

  5. Der Maskierte sagt:

    Apropos Ehrlichkeit. Ich wünschte heute, ich könnte zu meinen Kunden absolut ehrlich sein. Denn dann würde ich ihnen als erstes die absolute Mekrbefreiung attestieren und zweitens empfehlen, dass sie künftig besser mit was anderem ihre Brötchen verdienen als mit dem, was sie jetzt tun.

    Aber nein, ich muss freundlich bleiben und diesen Deppen jeden dämlichen Scheiß erklären, den sie mit minimaler zerebraler Eigeninvestition selber hinbekämen.

    Sorry Sash, musste mir mal meinen Frust von der Seele schreiben.

  6. Der Maskierte sagt:

    Und ich bin bereits geistig so ausgelaugt von diesen Intelligenzbestien, dass ich nicht mal mehr Merkbefreiung sauber tippen kann. Geschweige denn, dass der Fehler mir beim zweiten Korrekturlesen aufgefallen wäre.

  7. Nobody sagt:

    @ibaggi Wenn es nur ein Taxiunternehmen gibt, dann kannst du auch mal nett bei dem Unternehmen anrufen und den Chef verlangen. Ruhig auch mit dem Handy während du mit dem Fahrer auf der anderen Seite des Berges fährst. Ich denke der wird sich das auch nicht lange mit dem Fahrer ansehen und der Fahrer wird sicherlich dich dann immer richtig fahren.
    Ansonsten kannst du übrigens auch von deinem Startpunkt das zweite Taxi in der Schlange benutzen. Du braucht ja nicht bei deinem „Lieblingsfahrer“ mit zu fahren.

  8. Sash sagt:

    @ibaggi:
    Ich denke auch, dass das Ordnungsamt oder auch der Chef, wie Nobody so süffisant bemerkte, die richtigen Ansprechpartner sind.
    Denn wenn die andere Strecke befahrbar ist (und das scheint sie zu sein), dann muss – insbesondere auf Wunsch des Fahrgastes – natürlich auch diese gefahren werden. Das nächste Mal würde ich es auf die Anzeige ankommen lassen und ggf. mit einer eigenen darauf antworten.

    @Der Maskierte:
    Ja, manchmal können Kunden auch stressig sein. Ich kenne das ja auch – wobei mir immerhin die wenigsten ihre Inkompetenz in meinem Arbeitsgebiet aufdrücken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: