Stressige Kundschaft

Aro hatte mal wieder besonders bezaubernde Kunden. Wo er die immer wieder herkriegt …

Ich hab scheinbar echt erstaunlich unterdurchschnittlich viele solche Töffel bei mir im Auto. Aber es gibt sie, das weiß ich. Bei der Tour von Aro lohnt es sich zudem, sich mal auf einem Routenplaner anzusehen, was sein Kunde gerne von ihm gehabt hätte und wo Aro langgefahren ist. Ich kann jedenfalls gut verstehen, dass man so blöde Kommentare mal mit einer zackigen Ansage beantwortet. Ist zugegebenermaßen nicht gerade mein Stil, aber manchmal ist es schon traurig, was man sich für vielleicht einen Fünfer (inkl. Trinkgeld, versteht sich) manchmal von Leuten anhören muss, die eine Ahnung haben wie Kühe vom Fliegen*.

Ich versuche solchen Quatsch ja gerne auf die nette Art zu regeln, aber manchmal geht das nicht, da verstehe ich meinen geschätzten Kollegen vollkommen.

*ausgenommen Kühe aus südlichen Bundesstaaten der USA mit Tornado-Erfahrung.

Meldet sich der Waldschrat …

…ähm, der Landrat natürlich. Das soll keine Verunglimpfung sein, ich mag das Wort Waldschrat einfach. 🙂

Naja, was will ein Landrat von mir? Richtig: Geld. Und das zu Recht. In tiefster Nacht im tiefsten Wald wurde ich vor einiger Zeit geblitzdingst. Im beigelegten Brief klingt das natürlich weniger nach Hollywood und mehr nach gemeingefährlicher Straftat, in Anbetracht meines Vergehens konnten sie einen lebenslänglichen Knastaufenthalt aber wohl gerade noch abwenden.

Ich hab es mal wieder geschafft, mich mit genau der richtigen Geschwindigkeit erwischen zu lassen, nämlich abzüglich Toleranz mit 10 km/h zu viel. Dadurch komme ich noch mit 15 € weg, von Punkten oder sonstigem Quatsch ganz zu schweigen.

Auch wenn das jetzt nach ein bisschen wenig Reue klingt: in meiner Rechnung stehen den 15 € immerhin auch 2 Blogartikel und ein aktuelles Foto meines Autos gegenüber – und sowohl Content, als auch Drive-in-Fotografen kosten nunmal Geld.

Aber ihr wolltet sowieso nur das Foto sehen, stimmt’s?

Bitte:

Die 1925: Sauber geblitzt oder biltzsauber. Man weiß es nicht. Quelle: Sash

Bevor jemand jetzt gleich auf dumme Gedanken kommt: Ja, sie haben auch noch eine saubere Aufnahme vom Kennzeichen und ich würde auch sonst nicht im Traum daran denken, so ein harmloses Verwarngeld anzufechten.

Neben mir gibt es ja aber noch die Vollprofis, die ein paar Neuleser vielleicht noch nicht kennen: Die Top-3-Verkehrssünder 2012.

Teu-Heuer

Eigentlich war es ja ein witziges Pärchen, dass ich an der Yorckstraße aufgegriffen habe. Ging nur kurz ums Eck an den Anfang der Bülowstraße. Aber ich hab mich gefreut. Kundschaft cool, ein paar Euro Verdienst und so gesehen passte das alles.

Als wir angekommen waren, wurde mir dann völlig übertrieben abfällig mitgeteilt:

„Boah, also nee-hee! Das is ja mal voll teu-heuer!“

Auf der Uhr standen 5,20 € und gezahlt wurde natürlich passend. Sei es drum. Ich hab mir für meinen Teil gedacht:

„Es hätte da ein Zauberwort gegeben. In eurer Sprache lautet es wohl Ku-hurzstrecke.“

😉

Frauen-Nacht-Taxi

In Stuttgart kannte ich das, da war das (keine Ahnung, ob es das noch gibt) eine Kooperation zwischen der SSB und den Taxen. Da konnte man als Frau nachts ein Taxi beim Bahnfahrer bestellen und die SSB hat für die Fahrt bis ganz nach Hause dann einen Fünfer zugezahlt. Keine schlechte Sache eigentlich, aber hier in Berlin gibt es sowas nicht.

Ich finde das schade auf der einen Seite – es gibt eine Menge benachteiligter Gruppen, denen man hier und da den Zugang zu einem Taxi erleichtern könnte. Auf der anderen Seite ist die Einfachheit unseres Tarifs auch eine seiner Stärken. Und ich kann mir auch besseres vorstellen, als mir im Taxi wegen irgendwelchen Günstig-Tarifen ständig Studentenausweise und Berechtigungskarten zeigen zu lassen.

Und nun hatte ich eine junge Frau im Auto und sie wollte ein Frauen-Nacht-Taxi. Auf meine Aussage hin, dass es sowas hier nicht gibt, ging es dann leider mit dem mir immer noch sehr unangenehmen Handeln weiter. Ob ich denn nicht wenigstens was am Preis machen könnte.

„Oder: was kostet es denn bis zur Jessnerstraße.“

„Ach, vielleicht acht Euro.“

„Kannste da nicht noch was machen?“

„Mal im Ernst: bei acht Euro?“

„Ich hatte echt’n scheiß Tag und will hier nicht ewig rumdiskutieren …“

Ich bin einfach zu gutmütig. Da ich weiß, wie es mit wenig Geld ist. Aber eigentlich hätte ich antworten sollen, dass mein Tag auch beschissen war, ich lieber einen Zehner für die Strecke hätte und ebenso keinen Bock auf Diskussionen. Wäre gelogen gewesen, aber das konnte ich bei ihr auch nicht ausschließen.

Das hätte eine betrübliche Erinnerung an eine abgelehnte Fahrt bleiben können, aber es geschah etwas sehr seltenes:

Ausgerechnet zwei jugendliche Suffköppe retteten die Situation. Sie wollten nur kurz zur Warschauer und kamen mit der jungen Frau überein, dass sie sie mitnehmen könnten. Das war zwar ein Umweg, aber da die Jungs die Fahrt bis zu ihrem Ziel übernehmen wollten, blieb ihr vor allem der mit 3,20 € ja nicht unwesentliche Einstiegspreis erspart.

So zusammengewürfelte Fahrten sind immer schwierig, aber hier hielten sich alle an die Abmachungen. Das war eine der Fahrten, derentwegen ich meine Freude über Gemeinschaftstouren drüben bei meinen Chefs niedergeschrieben habe. Ich hab die beiden Partypeoples bei 6,20 € auf der Uhr entlassen und sie haben 1,80 € obenaufgelegt mit der Bitte, sie doch der jungen Frau zu erlassen. Bei ihr angekommen zeigte das Taxameter glatte 9 €, so dass ich sie gegen Zahlung eines symbolischen Geldstücks heimbringen konnte. Und immerhin war sie so anständig und hat mir einen Zweier gegeben.

Am Ende hat alles gepasst: Die Jungs sind an ihr Ziel gekommen, die junge Frau auch. Ich hab keinen Festpreis machen müssen und verloren hat bei der Sache niemand. Ich bin mir sogar sicher, dass keiner meiner Kollegen eine der beiden Touren hätten haben wollen – eine ganz kurze und eine etwas längere unter Tarif: das sind auch nicht die Fahrten, die ich mir erhoffe, wenn ich mich an den Bahnhof stelle 😉

Schade, dass es nicht immer so läuft. Bei der Einleitung hatte ich echt schlimmstes befürchtet …

Perfekte Momente

Die Nacht verlief gut, klagen konnte ich nicht. Es zeichnete sich bereits ab, dass ich die am Wochenende angestrebten 200 € Umsatz ausnahmsweise mal recht problemlos zusammenkriegen würde. Bislang hatte ich zwar nur die Hälfte, aber es war noch nicht einmal die nullte Stunde verronnen. Mit den vielen Fahrten in den frühen Morgenstunden sollte das kein Problem mehr werden. Die Zeit zwischen 0 und 2 Uhr etwa zieht sich bei mir immer ein bisschen, ich befürchte, meine übliche Kundschaft ist da schon an ihren Zielpunkten, aber noch nicht bereit, heimzufahren. Also hätte ich noch ein bis zwei Stunden rumbringen müssen, bis es wirklich wieder losging.

Auftritt beschnauzbarteter Brillenträger mit Koffer:

„Ich hab hier so einen Gutschein …“

„Von der Bahn?“

„Genau. Nehmen Sie die?“

„Selbstverständlich.“

„Na dann: wollen wir eine schöne Fahrt machen?“

„Gerne doch. Wo soll es denn hingehen?“

„Nach Gosen.“

Meine tote Stunde mit einer 40€-Tour zu füllen, war das beste, was mir passieren konnte. Abgesehen davon gab es sogar die üblichen 10% Trinkgeld. Nein, die 200 waren an dem Abend kein Problem. Gescheitert bin ich erst 50 Cent vor den 250 € 🙂

Arbeitsbeginn und Ende

Vorm Polizeirevier in der Wedekindstraße hat er mich rausgewunken. Ob da nicht irgendwo eine Tanke am Ostbahnhof war und ob wir es mit einem Zehner hin und zurück schaffen würden. Puh, knapp, denke aber mal ja.

„Dann gib Stoff, Alter! Is‘ wirklich eilig! Für jede überfahrene rote Ampel gibt’s einen Bonus!“

„Nur keine Sorge, es gibt keine roten Ampeln auf dem Weg …“

Ich war gerade auf dem Weg zum Ostbahnhof gewesen. Eine letzte Tour noch machen, der Zeiger der Uhr näherte sich der Sechs. Meine Schicht war de facto zu Ende, er war die eine Tour, die ich noch haben wollte. So gesehen hatten wir beide Glück. In gewisser Weise ging es bei ihm auch tatsächlich um jede Minute, denn er sollte bereits mit seinem Transporter auf dem Weg an die südliche Stadtgrenze sein. Und jetzt stand er da und der Tank war leer. Und ich kannte mich in der Gegend ja glücklicherweise bestens aus. Es gibt nämlich tatsächlich auf dem kürzesten Weg zur Tankstelle keine Ampeln – wenn auch nur nachts. Und auch nur, wenn man wirklich Ahnung hat.

Dass die Ampel an der Rüdersdorfer Ecke Franz-Mehring-Platz zu umgehen ist, indem man schon 30 Meter vorher über die Vorfahrt vorm Neuen Deutschland abkürzt, wissen die meisten Taxifahrer, die hin und wieder Kundschaft ins Berghain bringen. Da herrscht nachts geradezu reger Durchgangsverkehr. Die folgende Ampel Ecke An der Ostbahn ist nachts immer aus. Was indes wirklich nur ein paar wenige wissen, ist, dass man seit geraumer Zeit wieder über den kleinen Wurmfortsatz der Straße Am Ostbahnhof von hinten aufs Tankstellengelände der Total-Station fahren kann und sich damit die Ampel an der Holzmarktstraße spart. Eine Anzeige der Route bei Google Maps ist nicht möglich, da die Straßen nicht offiziell existieren auf der Karte …

So lobend hat sich noch nie jemand über meine Ortskenntnis geäußert. 🙂

Am Ende blieb es aber eine Fahrt ohne Bonus – logisch, wo ich keine Ampel überfahren habe … 😉

Nein, im Ernst: der Zehner reichte punktgenau und ich konnte meinem Fahrgast das mit dem fehlenden Trinkgeld kaum übelnehmen, wo er gerade sein Frühstücksgeld in meinem Taxi liegenlassen hat und sich zudem an der Tanke für wahnwitzige 6,99 € einen kleinen Dreiliterkanister kaufen musste, um eine gefühlte Handvoll Sprit zu seinem Geschäftswagen zu transportieren.

Aber wie gesagt: meine Schicht war ohnehin vorbei und ich hab mich gefreut, mal schnell helfen zu können. Und ein Zehner Umsatz ist ein Zehner Umsatz …

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Interessenkonflikt

Pärchen. Im Grunde ist es unverständlich, wieso sich Menschen paarweise zusammenrotten, stets darum bemüht, mit dem Partner in möglichst vielen Punkten uneinig zu sein. Das Pärchen, das zu mir ins Auto gefunden hatte, musste jedenfalls irgendwie ganz großartigen Sex haben oder in finanzieller Weise voneinander profitieren, denn sonst schienen sie nicht sonderlich gut zueinander zu passen. Er ein eher schüchterner Typ mit Zufallsfrisur und Dreitagebart, sie hochgestylt bis zum Level Barbie+ und mit einem Befehlston auf den Lippen, der wahrscheinlich Flugzeuge vom Himmel holen könnte.

Beide für sich waren sie nett zu mir, allerdings machte der junge Mann einen gewaltigen Fehler. Also in ihren Augen schien es zumindest so zu sein. Er fragte mich ein paar Allgemeinplätze, wie es gehe, was das Geschäft so mache – üblicher Smalltalk. Und auf meine Antworten hin erwiderte er, er kenne das, bei ihm sei gerade dies und das.

„Halt die Klappe Schatz, das interessiert keinen!“

Wann immer er sich anschickte, sich mit mir zu unterhalten, funkte seine Holde dazwischen und postulierte, dass er mich mit seinem langweiligen Geseier nerven würde. Was keineswegs der Fall war, ich hatte schon wesentlich unschönere Gespräche im Auto.

Sie suchte nicht wirklich ein Gespräch mit mir, die zwei drei Worte, die wir letztlich doch wechselten, waren allerdings keineswegs von höherer Qualität. Aber immer wieder:

„Naja, da hatte ich ja neulich auch diesen …“

„Boah Schatz, kannst Du das mal lassen, dich mit deinem langweiligen Quark einzumischen! Glaubst Du, das interessiert den Taxifahrer oder mich?“

Sie hat ihn letztlich sogar bei der Verabschiedung von mir unterbrochen und ihn angeschnauzt, er solle nicht immer so viel tratschen. Ich wünsche den beiden, dass sie zu Hause nicht so viel reden müssen wie im Taxi …