Fernbeziehungen

Ich bin ja im Grunde selbst nur in Berlin gelandet, weil eine Fernbeziehung auf Dauer doof gewesen wäre und meine bessere Hälfte zumindest vorerst mal nicht mehr als ein Jahr Stuttgart anberaumt hatte. Mit der Entfernung haben wir noch nie einen Rekord gebrochen, aber es war schon lustig, dass ich dieses Wochenende an einem Abend gleich zwei junge Frauen im Auto hatte, die ebenfalls eine Fernbeziehung hatten.

Mit der ersten bin ich während einer kurzen Tour vom Bahnhof aus ins Gespräch gekommen und das lustige für mich war, dass die Konstellation „Sie in Berlin, er in Tübingen“ doch schon sehr nah an meine Situation von vor – Schluck! – 11 Jahren herankam.

Noch unterhaltsamer war allerdings Fahrgästin Nummer 2, die mich vor dem Yaam rangewunken und sich nach Neukölln chauffieren lassen hat. Abgesehen davon, dass sie eine wirklich Nette mit herzzerreißender Dankbarkeit für uns Taxifahrer als Dienstleister war, war sie in Berlin zu Besuch bei ihrem Freund. Sie selbst wohnte in Marseille. Autsch. Und während ich sie im Gespräch auch etwas für die Entfernung bedauerte, stellte sich heraus, dass es sie beide auch wesentlich schlimmer hätte erwischen können, denn: Kennengelernt hatten sie sich in Brasilien.

Ich bin ehrlich froh, dass wir zwei hier dieses Kapitel hinter uns gelassen haben. Aber genau das lässt mich auch ein bisschen für all die anderen hoffen. Natürlich schaffen’s am Ende nicht alle. Ist bei Beziehungen ja ohnehin so. Aber die Vorstellung, dass eins dieser kleinen Taxigespräche irgendwann vielleicht mal das Thema einer Familienfeier wird … ich mag den Gedanken. 🙂

7 Kommentare bis “Fernbeziehungen”

  1. topas sagt:

    Genauso interessant ist es, wenn man – selbst in Fernbeziehung lebend – Mitfahrer mitnimmt. 400km gemeinsame Strecke sorgten dafür dass man genug Zeit hat um über vieles zu reden. Und gut 1/3 der Mitfahrer war auch wegen Freund/Partner(in) unterwegs. Von „verheiratet, Familie, Kinder“ bis zu frisch verliebt. Wobei erstere die praktischer waren – am Sonntag genügte der Dialog ‚Freitag, Sonntag‘ – ‚Ja‘ um verlässlich Fahrten klar zu machen, während bei zweiteres mehrmals ein ‚komme doch nicht mit, der Ar… hat Schluss gemacht‘ kurzfristig in die Quere kam.
    Missen möchte ich die Zeit jedoch nicht – in den 11 Jahren gab es viele interessante Mitfahrer und Themen. Man könnte nachvollziehen wie du es jeden Tag schaffst Themen für deinen Blog zu finden 🙂

  2. tinchentt sagt:

    Dass werden sie öfter
    Ich selbst fahre oft mit euch
    Wenn ich mal spontan zum Kumpel nach lichterfelde will
    Lustige sowie ernste Gespräche gibt’s immer
    Dass beste war der.Satz eines alt Berliner Taxifahrers der meinte: boah was will der Depp mit seiner schwanzverlängerung? Gemeint war ein Jüngling, der seinen Ferrari nicht steuern konnte, genau an der Kreuzung mollstrasse Otto braun Straße
    Was wir gelacht haben
    Ein traum

  3. Nadine sagt:

    Wie schön 🙂
    Ich habe auch ein Beispiel, aus meiner Familie – meine Schwester aus Essen, er aus einem Dorf östlich von London, kennengelernt in Sydney.
    Seit 1 1/2 Jahren zusammen und er zieht im August zu ihr ins Ruhrgebiet 🙂

    Ganz liebe unbekannte Grüße!
    Nadine

  4. Ulf sagt:

    Ozie schön, dass es gesasht hat und sich zwei gefunden haben, die jetzt zusammen in Berlin Flurfunk betreiben.

  5. Peter sagt:

    Aus Erfahrung: Fernbeziehung auf Zeit ist machbar, aber für mich war es immer wichtig ein festgelegtes Ende zu haben. Zumindest ungefähr. Open End wäre für mich nicht gut machbar, aber mal ein Semester oder ein Zeitjob oder so hatte ich schon öfter und das geht. Ich bin so froh, dass das im Moment nicht mehr so ist….

  6. turtle sagt:

    Ich bin auch seit Jahren in einer glücklichen Fernbeziehung mit einer Amerikanerin.
    Ihr Name ist Katy Perry, ich schreibe ihr täglich viele Emails. Ich bin sehr glücklich mit dieser Fernbeziehung und bin mir sicher, das sie irgendwann auch mal antwortet.

  7. Sash sagt:

    @topas:
    Unabhängig von den Fahrten: Missen möchte ich die Zeit auch nicht. Hat ja auch eine ganz andere Dynamik; z.B. mehr Wiedersehensfreude u. noch mehr Freiheit etc.
    Das gehört zu mir/uns, immer noch. Aber trotzdem: Schön, dass es vorbei ist.

    @Nadine:
    Na, dann wünsche ich viel Glück! Den Umschwung zwischen Nah und Fern schaffen ja auch viele nicht.

    @Ulf:
    Für Jahresrückblicke ist es noch zu früh! 😉

    @Peter:
    So oder so ähnlich haben mir das bisher alle gesagt, die das kennen.

    @turtle:
    Ach, das ist ok. Für sowas gibt es vielleicht kein Happy End, dafür aber eine handfeste Diagnose. Und sowas hat ja auch nicht jeder.

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