Arbeitsbeginn und Ende

Vorm Polizeirevier in der Wedekindstraße hat er mich rausgewunken. Ob da nicht irgendwo eine Tanke am Ostbahnhof war und ob wir es mit einem Zehner hin und zurück schaffen würden. Puh, knapp, denke aber mal ja.

„Dann gib Stoff, Alter! Is‘ wirklich eilig! Für jede überfahrene rote Ampel gibt’s einen Bonus!“

„Nur keine Sorge, es gibt keine roten Ampeln auf dem Weg …“

Ich war gerade auf dem Weg zum Ostbahnhof gewesen. Eine letzte Tour noch machen, der Zeiger der Uhr näherte sich der Sechs. Meine Schicht war de facto zu Ende, er war die eine Tour, die ich noch haben wollte. So gesehen hatten wir beide Glück. In gewisser Weise ging es bei ihm auch tatsächlich um jede Minute, denn er sollte bereits mit seinem Transporter auf dem Weg an die südliche Stadtgrenze sein. Und jetzt stand er da und der Tank war leer. Und ich kannte mich in der Gegend ja glücklicherweise bestens aus. Es gibt nämlich tatsächlich auf dem kürzesten Weg zur Tankstelle keine Ampeln – wenn auch nur nachts. Und auch nur, wenn man wirklich Ahnung hat.

Dass die Ampel an der Rüdersdorfer Ecke Franz-Mehring-Platz zu umgehen ist, indem man schon 30 Meter vorher über die Vorfahrt vorm Neuen Deutschland abkürzt, wissen die meisten Taxifahrer, die hin und wieder Kundschaft ins Berghain bringen. Da herrscht nachts geradezu reger Durchgangsverkehr. Die folgende Ampel Ecke An der Ostbahn ist nachts immer aus. Was indes wirklich nur ein paar wenige wissen, ist, dass man seit geraumer Zeit wieder über den kleinen Wurmfortsatz der Straße Am Ostbahnhof von hinten aufs Tankstellengelände der Total-Station fahren kann und sich damit die Ampel an der Holzmarktstraße spart. Eine Anzeige der Route bei Google Maps ist nicht möglich, da die Straßen nicht offiziell existieren auf der Karte …

So lobend hat sich noch nie jemand über meine Ortskenntnis geäußert. 🙂

Am Ende blieb es aber eine Fahrt ohne Bonus – logisch, wo ich keine Ampel überfahren habe … 😉

Nein, im Ernst: der Zehner reichte punktgenau und ich konnte meinem Fahrgast das mit dem fehlenden Trinkgeld kaum übelnehmen, wo er gerade sein Frühstücksgeld in meinem Taxi liegenlassen hat und sich zudem an der Tanke für wahnwitzige 6,99 € einen kleinen Dreiliterkanister kaufen musste, um eine gefühlte Handvoll Sprit zu seinem Geschäftswagen zu transportieren.

Aber wie gesagt: meine Schicht war ohnehin vorbei und ich hab mich gefreut, mal schnell helfen zu können. Und ein Zehner Umsatz ist ein Zehner Umsatz …

12 Kommentare bis “Arbeitsbeginn und Ende”

  1. Stefan sagt:

    Das mit dem Wurmfortsatz ist eine gute Info. Habe da heute morgen auf dem Weg zur Total gestanden und gegrübelt ob man da durchkommt oder nicht und dann doch den Weg über die Ampel genommen. Danke 😉

  2. hartmut sagt:

    OpenStreetMap kennt zwar die Verbindung Straße/Tankstelle:

    http://tools.geofabrik.de/mc/?mt0=mapnik&mt1=googlemap&lon=13.42917&lat=52.51133&zoom=18

    Routet aber trotzdem andersrum:

    http://osrm.at/1LG

    Vllt. wird es durch den eingetragenen Wendehammer verwirrt …

  3. Petra sagt:

    Die 6,99 € sind die Gebühr in den Topf „Lebenserfahrung“.
    Der hat ab sofort immer einen Kanister dabei, oder er guckt mal ein bisschen besser auf die Tankanzeige.

  4. ednong sagt:

    Boah,
    20 Euro für 3 Liter Sprit. Ich glaub, ich würd die Krise kriegen …

  5. Apotheker-Typ sagt:

    Aber der Anfang ist schön! Als ich gelesen habe „Vorm Polizeirevier… hat er mich rausgewunken. “ dachte ich ja sofort: „Oh, oh. Rote Kelle zum Schichtbeginn, das kann ja was werden…. “ 😉

  6. Sash sagt:

    @Stefan:
    Zeitweilig war da auch zu – aber seit einem halben Jahr oder Jahr fahr ich da immer durch.

    @hartmut:
    Wow, stimmt. Dass man die Route anpassen muss, bin ich gewohnt. Ich hatte bloß bei 2 Schlupflöchern gar nicht erst geguckt – aber OSM hat tatsächlich beide. Sehr geil! 🙂

    @Petra:
    Jepp, so isses. 🙂

    @ednong:
    Ja, saftig. Vor allem, weil er ja trotzdem nochmal zur Tanke musste …

    @Apotheker-Typ:
    Daran hab ich gar nicht gedacht … 🙂

  7. Andrea sagt:

    Mmhm, nur mal so – hättest du ihn schleppen können?

  8. Wahlberliner sagt:

    @Andrea: Mit einem „kleinen“ 1-Tonne-PKW einen Transporter (max. Gesamtgewicht 3,5T, meist ist das Leergewicht bereits an die 2T) schleppen, ist nicht mal so eben. Außer, der Sash hätte die arme 1925 über Gebühr quälen wollen. Und nein, es gibt sicher keine Verpflichtung, als Taxifahrer das eigene Arbeitsgerät auf’s Spiel zu setzen. Die Tour hätte sonst so schnell viel teurer werden können für den armen Fahrer, der das Tanken vergessen hat.

  9. Sash sagt:

    @Andrea:
    Wahlberliner hat es ganz gut ausgedrückt: Das Verhältnis wäre nicht so ganz blendend gewesen. Für die Strecke vielleicht trotzdem machbar – aber ich vermute fast, es wäre von der Taxirechnung am Ende höher gewesen, wenn ich die Uhr angemacht hätte. Das hätte nämlich sicher eine ganze Weile gedauert …

  10. Aro sagt:

    Jepp, der Wurmfortsatz ist schon seit letztem Winter offen – und echt praktisch. Erst recht, wenn man von der Tanke zum OBF will.

  11. Sash sagt:

    @Aro:
    …was insbesondere für mich praktisch ist 😉

  12. hartmut sagt:

    Nette Tankstellen geben in solchen Fällen einen Leihkanister gegen Pfand raus … und sind leider deutlich in der Minderheit …

    (und früher war eh alles viel früher, da war die Zapfsäule noch ein Heiligtum das nur vom Hohepriester … äh Tankwart berührt werden durfte … und die Scheiben mit Weihwasser benetzt hat er oft auch noch …)

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