Perfekte Momente

Die Nacht verlief gut, klagen konnte ich nicht. Es zeichnete sich bereits ab, dass ich die am Wochenende angestrebten 200 € Umsatz ausnahmsweise mal recht problemlos zusammenkriegen würde. Bislang hatte ich zwar nur die Hälfte, aber es war noch nicht einmal die nullte Stunde verronnen. Mit den vielen Fahrten in den frühen Morgenstunden sollte das kein Problem mehr werden. Die Zeit zwischen 0 und 2 Uhr etwa zieht sich bei mir immer ein bisschen, ich befürchte, meine übliche Kundschaft ist da schon an ihren Zielpunkten, aber noch nicht bereit, heimzufahren. Also hätte ich noch ein bis zwei Stunden rumbringen müssen, bis es wirklich wieder losging.

Auftritt beschnauzbarteter Brillenträger mit Koffer:

„Ich hab hier so einen Gutschein …“

„Von der Bahn?“

„Genau. Nehmen Sie die?“

„Selbstverständlich.“

„Na dann: wollen wir eine schöne Fahrt machen?“

„Gerne doch. Wo soll es denn hingehen?“

„Nach Gosen.“

Meine tote Stunde mit einer 40€-Tour zu füllen, war das beste, was mir passieren konnte. Abgesehen davon gab es sogar die üblichen 10% Trinkgeld. Nein, die 200 waren an dem Abend kein Problem. Gescheitert bin ich erst 50 Cent vor den 250 € 🙂

9 Kommentare bis “Perfekte Momente”

  1. Themama sagt:

    Hallo

    Ich lese noch nicht so lange mit, bin quasi Neuleser und freue mich aber immer über deine Geschichten.
    Wenn jetzt jemand so nen Bahngutschein hat, wie bekommst du den dann eingelöst? Oder zählt der Kunde und dieser bekommt dann das Geld von der Bahn?

    Viele Grüsse aus der Schweiz
    Themama

  2. Sash sagt:

    @Themama:
    Das ist ganz einfach: Als Kunde gibt man einfach nach dem (am besten gemeinsamen) Ausfüllen dem Taxifahrer den Gutschein und gut ist. Und der (bzw. wie bei mir der Chef) schickt das dann an die Bahn und bekommt das Geld.
    Man sollte aber vorher nachfragen, denn nicht alle nehmen diese Gutscheine. Gerade für kleinere Fahrten à 10 € ist es ein recht großer Aufwand, den sich manche Selbständige z.B. nicht machen wollen. Aber mein Chef hat eh rund 20 Autos, so ein Sammelbrief lohnt sich dann schon 🙂

    Grüße gleichfalls.

  3. Krüml sagt:

    Zu meinen Anfangszeiten in Berlin habe ich mich mehr als einmal gefragt, wie ich das machen würde, wenn ich zu spät mit der Bahn ankomme und mit dem Taxi nach Gosen wollte – vor allem vom Geld her. Ich glaube ich hätte da manch einen sehr glücklich machen können mit, wenn ich deinen Text richtig interpretiere.
    Tja, „leider“ fuhr dann doch immer die SBahn nach Erkner und mein persönliches Taxi stand bereit. Tut meinem armen AzubiGeldbeutel wahrscheinlich besser.

  4. Sash sagt:

    @Krüml:
    Klar. Ist letztlich halt viel Geld. Deswegen freu ich mich als Fahrer ja auch so drüber 😉

  5. Aro sagt:

    Nicht mal 250 Euro???
    Pah, Anfänger… 😉

  6. Sash sagt:

    @Aro:
    Ich weiß. Aber ich schreibe das ja extra, damit ihr Profis mal wieder was zu lachen habt. 😉

  7. Bernd K. sagt:

    @Sash+Krüml: Muss man Gosen kennen, was gibt’s denn dort?

  8. 7FüUstBtl383 sagt:

    Sash,
    mich interessieren die Details zu dem Bahngutschein. Dazu folgende Geschichte: Ich hatte in der AGA das große Los gezogen ein Mal KzH zu sein und bin nachmittags in den Zug aus Thüringen in Richtung Schleswig-Holstein. In Göttingen war bereits klar, dass ich höchstens noch bis Neumünster kommen würde, aber nicht in meinen 100 km weiter entfernten Zielort. Da die F/GWDL Fahrkarte die von der Bahn bezahlten Taxifahrten nicht mit einschließt, musste ich in Hamburg jemanden mit dem gleichen Zielort suchen, mit Ihm zum Bahnschalter und dort seinen Taxigutschein auf zwei Personen ändern. Somit konnte ich mit dem Taxi mitfahren und wurde sogar bis vor die Haustür kutschiert.

    Folgende Fragen in dem Zusammenhang, sollte ich mit meinem bezahlten Zugticket eine Taxifahrt spendiert bekommen und einen jungen Mann im Fünf-Farb-Flecktarn sehen:

    1.: Ist die Anzahl der Passagiere für die Abrechnung oder den Taxifahrer von irgendeiner Bedeutung, d.h. muss man einen Bahnmitarbeiter bezierzen, den Gutschein erneut und diesmal für zwei Personen auszustellen?

    2.: Sofern der gerettete Mitfahrer nicht direkt in der selben Stadt oder Ortschaft wohnt: Wie weit sie Umwege bei der Abrechnung bemerkbar oder für den Fahrer akzeptierbar?

    3.: Gibt es verschiedene Ausführungen der Bahngutscheine? Eine Bahnmitarbeiterin in Göttingen bemühte sich, schon dort mein Problem zu lösen, stieß aber an die Grenzen des machbaren, weil mein Zielort mehr als 75km hinter dem noch zu erreichenden Bahnhof war.

    Vielen Dank für die Info & Horrido.

  9. Sash sagt:

    @7FüUstBtl383:
    1. Mir ist die Anzahl der Passagiere egal. Allerdings muss natürlich derjenige unterschreiben, für den der Gutschein ausgefüllt wurde. Da unterscheiden sich aber die Gutscheine, was genaues kann ich nicht sagen, aber rein prinzipiell ist mir die Zahl der Personen egal, so lange es keine Großraumfahrt wird – die Zuschläge müsste ich natürlich mit reinnehmen.

    2. Für mich sind die Umwege im Grunde in jeder Länge in Ordnung. Es hängt aber auch davon ab, ob die Bahn bereits festgelegt hat, wo die Tour hingeht. Ich würde mal sagen, bis 5 € ist es sicher unproblematisch, aber vom Ostbahnhof nach Lichtenberg statt 14 € am Ende 55 € aufzuschreiben, weil wir in Spandau einen Stopp hatten – da dürfte sich die Bahn querstellen. Aber letztlich hängt das davon ab, wie genau die das prüfen – und da hab ich keine Ahnung. Soweit ich bisher gehört habe, werden die Gutscheine vor allem abgelehnt, wenn keine Stempel oder keine Unterschrift drauf sind. Den Fall von Dir hatte ich bisher allerdings noch nicht und ich kriege auch von meinen Chefs nicht unbedingt mit, wenn mal ein Gutschein nicht akzeptiert wird.

    3. Wie oben erwähnt: gibt es. Soweit ich weiß, gab es früher einen Unterschied zwischen DB und DB Regio, letztere waren auf 80 € begrenzt – das könnte dein Problem damals gewesen sein. Ich nehme allerdings an, dass die Bahn da interne Regelungen hat bezüglich Verhältnismäßigkeit. Ich sehe mir die Gutscheine jedes Mal gründlich an und sehe dann, was machbar ist. Per se begrenzte hab ich schon eine Weile nicht mehr gesehen, oft ist halt der Zielort vorgegeben.

    Insgesamt vermute ich, dass Du bei der Bahn bei einem gut gelaunten Mitarbeiter aber wesentlich eindeutigere Infos bekommst als bei mir.

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