Kurzstrecke vs. Normaltarif

Nach meinem Artikel mit der „doppelten Kurzstrecke“ neulich kam in den Kommentaren mal wieder die Frage auf, wie und wann sich das rechnerisch lohnen würde, mehrere Kurzstrecken hintereinander zu nehmen. Liebenswerterweise hat Leser TomTom mal fix ein Schaubild erstellt, aus dem das einfach herauszulesen ist:

Kein Treppenwitz, sondern Information. Quelle: TomTom

Ich habe zunächst etwas gestaunt und gedacht, hier wäre sogar die Preisminderung ab Kilometer 7 noch nicht mit einbezogen, das ist allerdings der Grafik geschuldet. Anstatt die Normaltarifslinie zu knicken, ist hier die x-Achse gestaucht, wie mir Apotheker-Typ dann richtigerweise vor die Nase gehalten hat.

Man kann also sehen, dass sich die Kurzstrecke zumindest hypothetisch fast noch lohnt, wenn man sie viermal hintereinander voll ausreizt. Allen Sparenthusiasten muss ich allerdings entgegenhalten, dass sich kein Taxifahrer in Berlin zu diesem Spaß hinreissen lassen würde. Nicht einmal ich – und das will was heißen! Rein theoretisch spricht zwar nichts dagegen, nach dem Aussteigen nochmal zu winken, aber wir lassen uns auch nicht grenzenlos verarschen. Da würde ich ein Winken vielleicht auch mal „spontan übersehen“.

Etwas anderes zeigt das Schaubild allerdings auch sehr gut – und das sollten sich sowohl Kollegen als auch Kunden mal vor Augen halten:

Man spart mit der Kurzstrecke maximal 2,60 €! Im optimalsten Fall. Das ist prozentual bei einer kurzen Fahrt natürlich viel Geld, aber es rechtfertigt rein vom Gesamtwert keinesfalls irgendwelchen Stress. Also deswegen den ganzen Taxistand abklappern, ob vielleicht doch ein Fahrer illegal zu dem Preis fährt – oder als Fahrer fluchen, dass wer eine Kurzstrecke verlangt … nee, ehrlich. Hab ich kein Verständnis für. Und es ist nicht so, dass ich gerade die Möglichkeit hätte, mir mein Geld selbst zu drucken.

Danke für die Hilfe!

Zunächst einmal wollte ich Danke sagen für all die Geburtstagsgrüße und all die Geburtstagsgeschenke, die Ihr mir via Wunschzettel zukommen habt lassen! Vielen vielen Dank! Ich hab mich über alles gefreut und das ein oder andere wird sicher drüben in meinem privaten Blog auch mal gesondert Erwähnung finden! Noch ist nicht einmal alles da, aber das freut umso mehr. 🙂

Auch danken möchte ich den zahlreichen Bestellern bei Amazon, die mir bei einer Bestellung über meinen Link ein kleines Plus auf meinem Konto beschert haben.

Nun aber zum eigentlichen Punkt: Danken würde ich auch denjenigen, die mir eine gute Möglichkeit zeigen, weiterhin meine Fahrten zu tracken. Leser Tim Bergen hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass instamapper seinen Dienst im Dezember einstellen wird und das ist doof für mich. GPS-Tracker gibt es zwar wie Sand am Meer, aber meine Anforderungen scheinen etwas speziell zu sein. Es ist schön, dass viele Tracker – um Läufer zu unterstützen – eine parallele Speicherung der Herzfrequenz erlauben, meist erfüllen sie dann aber einen der folgenden Punkte nicht:

Ich brauche eine App für Android. Kein externer Logger, kein iPhone. Es sollte auf meinem HTC Magic laufen, Ende.

Die App sollte für Autofahrer angemessen nutzbar sein, sprich: mindestens alle 30 Sekunden den Standort widergeben. Freie Einstellung oder engerer Intervall wären mir lieb.

Der Dienst sollte alle Routen speichern, nicht zwischendrin stoppen – oder wenigstens danach am PC eine Verknüpfung erlauben. Ich gedenke, damit lange Schichten (bis zu 12 Stunden) inklusive langer Standzeiten zu loggen. Ohne nebenbei Knöpfchen zu drücken.

Ich will eine Map, die live den Aufenthaltsort, sowie eine Spur meiner Fahrt über eine gewisse Zeit (z.B. eine halbe Stunde, besser mehr) anzeigt und die sich problemlos in einen Blog einbinden lässt. Ohne Anmeldung für die, die die Map sehen wollen.

Die App sollte im Hintergrund laufen können. Unsichtbar muss nicht sein, aber ich möchte nebenher twittern können.

Die Karte sollte interaktiv – also wenigstens ranzoombar – sein (das spricht z.B. gegen Google latitude).

Wenn all das kostenlos ist, wäre es super. Zwei Euro monatlich könnte ich mir vorstellen, aber es ist ein Feature, das wenig genutzt wird und mir so gesehen nur indirekt am Herzen liegt.

Also: Wenn ihr eine App kennt, die das bietet, dann postet in den Kommentaren einen Link! Ich bitte darum, keine „ich hab gehört, dass“ und „xy kann das zwar nicht, ist aber trotzdem besser!“-Einträge zu hinterlassen. Ich will keine Fahrtenflotte managen und keine Radwege erkunden. Ich will nur das, was da oben kursiv steht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ich hab gestern abend vier Stunden lang Apps durchsucht, teilweise installiert und verworfen, mir Gedanken gemacht und und und …

Ich bin nicht weitergekommen. Deswegen jetzt die Bitte um Followerpower! 🙂

Der Lothar

War ein bisschen schade, dass ich keinen Kartenleser dabei hatte. So musste der Vierertrupp am Ende noch an einer Bank Geld abheben. Also „musste“. Die Bank hatte zu, aber wie sich herausstellte, hatten sie für die Taxifahrt noch genügend Geld zur Verfügung. Zwar gerade mal so, inklusive 50 Cent Trinkgeld, aber sie hatten auch an dem Abend nichts mehr vor.

Im Grunde nicht der Erwähnung wert.  Aber sie hatten Lothar dabei. Lothar hieß natürlich nicht wirklich so, aber er hatte einen anderen lustigen und etwas aus der Mode gekommenen Namen mit L, der mich ebenso wie Lothar an einen deutschen Sportler erinnerte, der den Zenit schon leicht überschritten hat. Und über den Zenit zumindest für diesen Abend war Lothar auch. Wir fuhren einen Weg, den ich nicht bis ins letzte Detail gewusst hätte. Die Gegend war mir zwar nicht unbekannt, aber in Wohngebieten scheitert es ja dann meistens an irgendwelchen Einbahnstraßen. Also lotste mich Lothar. Freiwillig. Das Navi lief längst mit, aber es hat ihm Spaß gemacht.

Letztendliches Ziel sollte der Kottbusser Damm sein, dieser Meinung waren eigentlich alle – bis auf Lothar. Der wollte unbedingt noch zum Mehringdamm und war ziemlich davon überzeugt, dass der auf dem Weg liegt,

„also fast halt – jedenfalls nich mit Umweg und so. Geld hab ich eh keins mehr.“

Seine Versuche, mich ums eigentliche Ziel herumzulenken, hab ich locker ignorieren können, zumal dann auch Zwischenrufe seiner Freunde laut wurden. Am Ende stand das Taxi dann vor der Bank und Lothar wartete mit mir im Auto, weil es draußen ja so kalt war.

„Du kanns mich doch bestimmt jetzt zum Mehringdamm mitnehmen, oder?“

„Kann ich gerne, aber …“

„Für umme natürlich.“

„Huch, sieh einer an: geht doch nicht!“

Wenn Cleverness hell leuchten würde, bliebe von Lothar ein Glühwürmchen übrig:

„Äh, was? Wieso’n jetz doch nich?“

Ein kleines Glühwürmchen.

Keine Regel ohne Ausnahme, aber einfach so mal eben drei Kilometer für umme. Entgegen meiner Richtung, ohne Grund? Nee, also echt nicht. Am Ende bei netten Leuten mit Geldsorgen mal 500 Meter überziehen – ok! – aber Lothar wirkte ohnehin so glücklich, als ich ihn abgewiesen habe.

„Na dann müssen wir’s anners machen. Kann ich mit Gras bezahlen?“

„Nein, unter Koks geht nix!“

Ich kann nichts dafür, seine großen Augen waren so lustig. Ich musste das sagen! 😀 Die Richtigstellung hab ich natürlich gleich nachgereicht:

„Mal im Ernst, Junge: ich hab besseres zu tun, als meinen Führerschein mit Drogen zu gefährden. Und wenn es nur der Besitz ist …“

Nach ein oder zwei Wortwechseln machte er das, was alle Verzweifelten machen, die am Fahrpreis was drehen wollen: Er erging sich in Zurechtbiegungen, mit denen der eigene Vorschlag dann ja doch irgendwie vielleicht und überhaupt und sowieso:

„Aber ihr werdet doch eh kaum kontrolliert. Musst es ja nicht direkt bei dir haben, könntest ja auch sagen, dass ein Fahrgast das da hat liegen – hey! Du müsstest nicht mal lügen, Alter! Nicht mal lügen! Also was is?“

Ich klärte mit den anderen inzwischen die Bezahlung ihrer Fahrt, währenddessen hing Lothar noch auf der Rückbank rum und plante weiter:

„Des is sogar super praktisch! Ey, ich könnte dealen und Dich als meinen Taxifahrer einstellen. Und dann könnte ich Dich am Gewinn …“

„Ist gut, geh mal mit deinen Freunden mit …“

Vielleicht hat Lothar es an diesem Abend noch irgendwie geschafft, zum Mehringdamm zu kommen. Er hat sich erst abschütteln lassen, als ich ihm versprochen habe, ihn anzurufen. Dass ich nicht einmal seine Nummer hatte, schien dabei gar nicht so wichtig zu sein. Es geht ja schließlich ums große Ganze. Und darum, dass ich mal „voll krass korrekt“ bin als Taxifahrer. Na denn, gute Nacht Lothar.

Die ganz harten Fälle …

Um ehrlich zu sein: ich war verdammt froh über Winker! Es lief nur suboptimal und da kommt sowas immer gut. Eine Fahrt ohne Warten …

Es war eine größere Gruppe, die vor der Sparkasse an der Ecke Annen/Heinrich-Heine stand und ich wurde einmal mehr Zeuge eines mir in letzter Zeit häufiger auffallenden Phänomens: dass die Leute ihre größten Opfer erstmal vorsorglich verstecken, bevor das Taxi anhält. In dem Fall aber wahrscheinlich eher, weil der Kerl irgendwo rumlag und gar nicht mehr an der Straße stehen konnte.

Na schöne Scheiße!

Ich bin da ganz ehrlich hin- und hergerissen. Nichts gegen Betrunkene, nicht mal was gegen einen Totalabsturz. So lange alles friedlich und sauber bleibt, bin ich da kein Spielverderber. Der allerdings wurde erstmal von einer jungen Frau ins Auto geschubst und wollte offenbar gar nicht mitfahren. Das geht so natürlich nicht! Ich bin kein Gefangenentransport und selbst wenn es der Sicherheit der Personen dient, lasse ich mir sicher nicht die Verantwortung für jemanden aufdrücken, der an der nächsten Ampel dann abhaut.

Mal ganz davon abgesehen, dass dann auch meistens das mit dem Geld nicht klappt.

Nachdem sie nochmal ausgestiegen sind, um das Problem zu klären – ich wollte gerade weiterfahren – einigten sie sich dann doch darauf, dass er Begleitung bekommt. Er ließ sich zu einem kurzen „Sorry!“ herab, von seiner Bekannten bekam ich die Adresse. Puh, gleich mal 5 Kilometer Fahrt – bis weit rein nach Prenzl’berg sollte es gehen.

Die ersten 3000 Meter hab ich ungelogen alle 15 Sekunden nach hinten geschaut, um eventuelle Anzeichen von Kotzeritis und unkontrollierbaren Fluchtimpulsen frühzeitig zu erkennen. Aber nix da. Immer der gleiche glasige Blick, ein leichtes Herumwackeln im Sitz, wirkte alles zwar recht unkontrolliert aber überschaubar. Seit etwa der Hälfte der Fahrt gab er allerdings vermehrt recht vernünftige – wenn auch einsilbige – Antworten ab. Da wusste ich dann wenigstens, welche Sprache er spricht 😉

Und: er wirkte dabei nüchterner als sein Aussehen es je vermuten ließ. Der genervte Blick seiner Bekannten wich mehr und mehr Gutmütigkeit und am Ende der Fahrt hatte ich einfach nur ein leicht verstrahltes, aber innig herumknutschendes Pärchen an Bord, das sich artig bedankte und gutes Trinkgeld gab.

Ich hatte es danach noch mit einem anderen Fahrgast über die Thematik:

Ja, Risiko Nachtschicht. Gibt es, keine Frage. Die unschönen Fälle kennt ihr von hier auch. Aber zum einen sind es vielleicht 70% Fahrten, bei denen ich mir nicht den Hauch irgendeiner Sorge machen muss. Davon ticken ein paar aus oder kotzen. Völlig unvorhersehbar. Von den 30%, die ich als schwierig erachte und bei denen ich angespannt bin um ggf. zu reagieren, laufen letztlich auch 90% allenfalls blogbar, aber ohne Probleme ab. Vom Rest sind es dann ein paar Hansel, bei denen es schwierig wird, die aber entweder nach einer Ansage ruhig sind oder es wenigstens noch peilen, aus dem Auto zu reihern. Im Nachhinein also zumindest erträglich waren. Und nur die, die dann noch übrig sind, sind die, bei denen es quasi mit Ansage schief läuft.

Ergo: würde ich es hier und da nicht mal riskieren, hätte ich mehr „false positives“ als tatsächlichen Ärger. Und meine Befürchtungen vom Beginn, ich hätte jeden Abend Ärger, oder zumindest jeden zweiten, den kann ich mal weit von mir weisen. Insofern passt das schon alles.

Wochenendlaune!

Die hab ich wirklich gerade. Im Arbeitssinne. Ich freu mich auf die Schicht, hoffe allerdings auch, dass es halbwegs gut läuft. Gestern war dank meines versäumten Schlafes leider nicht wirklich ein Staat mit mir zu machen, gerade mal die mir am Wochenende irgendwie minimal erscheinenden 150 € hab ich zusammengekriegt.

Heute soll es mal wieder richtig rocken, hab mir die 10 Stunden von 19 bis 5 Uhr als Minimum gesetzt. Mal sehen, was der Umsatz währenddessen so macht 😉

Weniger in Wochenendlaune wird wohl ein anderer Taxifahrer aus Berlin sein, der gestern einen seiner Fahrgäste an den Rettungsdienst weitergeben musste, da dieser aufgrund einer noch vor der Fahrt stattfindenden Messerstecherei ein bisschen zu viel saftete, um als Durchschnittskunde durchzugehen. Die Story hab ich allerdings bislang bloß bei Springer gefunden – einmal mit dem Verweis darauf, dass der Fahrer dem Fahrgast das Leben rettete, einmal mit der Angabe, dass keine Lebensgefahr bestand unter dem Symbolbild eines Rettungswagens aus Dortmund. Links dazu gibt es wie immer keine, als Dank fürs herzliche Bemühen des Verlags ums Leistungsschutzrecht und für all den anderen Unfug.

So, und für mich geht es gleich wieder auf die Piste!

Wer will, kann mir wie immer ein bisschen nachspionieren, vielleicht setzt aber irgendwann zwischen 4 und 6 Uhr der Akku dann aus. Das packt mein kleines Handychen nämlich selbst mit Zusatzpower nur sehr sehr schwer …

 

Kurzstrecke x 2

Viele Kunden träumen ja davon, mal zwei Kurzstrecken hintereinander zu fahren. Blödsinnigerweise. Ja, es wäre immer noch günstiger als der Normaltarif – allerdings ist es weniger Ersparnis als bei einer Kurzstrecke. Bei dreien hintereinander egalisiert es sich langsam wieder, ab vieren könnte ich das Spiel mitspielen, weil es mir ein Umsatzplus beschert* … 😉

Aber meine Kundschaft hatte sogar Grund zu fragen, denn sie hatten eine Fahrtunterbrechung. Kurz vom Suicide Circus in die Simon-Dach-Str. und nach dem Holen des geliebten aber vergessenen Handys schnell wieder zurück. Hätte von der Strecke vielleicht mit einer Kurzstrecke gereicht, aber Wartezeit is da ja nicht. Ich hab aber gesagt, dass wir – wenn sie sich mit dem Holen beeilen – unter den 8,00 € für zwei Kurzstrecken landen würden.

Und dann standen wir da, das Mädel war das Handy holen und sie kommt und kommt nicht …

Ihr Freund hat sie dann versucht anzurufen, ist aber bei einem Kumpel gelandet, der genauso verpeilt war wie er. Am Ende ist es jedenfalls wider Erwarten noch ziemlich knapp geworden. Aber dann hab ich sie letztlich doch bei 7,80 € entlassen können. Großartig! 20 Cent gespart – immerhin hab ich die als Trinkgeld bekommen. Nicht viel, aber eben besser als null, ne?

Ach ja, warum hatte es eigentlich so lange gedauert. Handy nicht gefunden?

„Nee nee, wusste ja, wo es war. Aber wo ich schon mal im Bad war, hab ich mich gleich nochmal frisch gemacht …“

OK, dafür war es dann wieder recht schnell!

(Hab das jetzt sehr grob überschlagen, vielleicht liege ich um ein paar Cent falsch.)

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Tippeditipp …

Fahrgäste haben alles in allem ein ziemlich komisches Bild von unserem Job. Besonders mag ich als Raucher z.B. die Leute, die ganz überraschend auftauchen und mich dann bitten, doch noch zu Ende zu rauchen. Wenn sie nicht selber eine Kippe in der Hand haben, quittiere ich das immer mit einem Lächeln und sage:

„Nein, steigen Sie bitte ein. Ich rauche ja nur, weil ich keine Kundschaft habe.“

Je nach Taxistand und Zeitpunkt warten wir einfach relativ lange. Viel zu lange. Vor allem viel zu lange, um uns permanent bereitzuhalten. Also nein, wir müssen uns natürlich bereithalten – schon der Taxiordnung wegen – aber natürlich sitzen wir nicht mal eben 45 Minuten in permanenter Alarmbereitschaft da, immer die Finger am Zündschlüssel.

Dass wir im Falle spontanen Kundenbesuchs nicht mal eben 5 Minuten brauchen sollten, weil wir uns noch anziehen müssen, das ist klar und da bin ich auch dafür. Aber dass wir während der Zeit lesen, fernsehen, telefonieren, essen, online gehen, rauchen etc. – das sehe ich irgendwie als selbstverständlich an. Selbst mal kurz die Augen schließen ist kein Weltuntergang – so lange man nicht in Tiefschlaf verfällt, weil man übermüdet ist. Und sicher, man sollte die Umwelt vielleicht nicht ganz aus den Augen verlieren, aber ein Taxifahrer, der sich am Taxistand entspannt, ist mit Sicherheit kein schlechter oder unvernünftiger Kollege. Im Gegenteil, es ist auch eine prima Taktik, um auch lange Schichten fit und motiviert rumzubringen.

Und so saß ich dieses Mal da, hab gelangweilt aus dem Fenster gesehen, als Kundschaft am ersten Wagen vorbeiging und dann zu mir kam. Sie stiegen ein und nannten ein recht lukratives Fahrtziel. Ohne die Kunden jetzt wieder loswerden zu wollen, musste ich nach dem Losfahren aus reiner Neugier trotzdem fragen:

„Was ist mit dem Kollegen? Wollte der nicht?“

„Ach der, der hat da auf seinem Handy getippt.“

Ich war dankbar für die lange Fahrt, aber mal im Ernst: ist es nicht echt ein bisschen zu viel verlangt, dass wir uns kein bisschen ablenken dürfen, um ja keine Fahrt zu verpassen? Und hey, auch an erster Position steht man manchmal eine halbe Stunde – hier in Berlin sogar unbezahlt. Nach einem Klopfen an die Scheibe oder dergleichen sind wir aber in der Regel alle sofort da und arbeitsbereit, also traut euch. 🙂