Lesertour Nummer …

Äh, hat einer von Euch mitgezählt? Nein? Ich auch nicht.

So langsam wird das alles zur Normalität, aber wenn wir mal ehrlich sind, dann ist es schon ein ziemliches Glück für mich, dass ich mir mit meiner Zweittätigkeit Schreiben Kunden für meinen Hauptjob im Taxi angeln kann. 😉

Der Tag der Hammertour mit Christian war für mich eine Art Hattrick: Zunächst kam ein Leser am Bahnhof vorbei und hat sich freundlich vorgestellt, dann kam Christian – und zu guter Letzt, direkt nach der Tour, sehe ich, dass jemand bei Twitter angefragt hat, ob ich ihn von Kreuzberg nach Reinickendorf bringen könnte. Ich vermutete schon, mit der Antwort zu spät dran zu sein, aber es sollte tatsächlich noch klappen. Mir sagte zuerst die Adresse nichts, bei ihm ging der Akku leer – wie das halt im Alltag so ist: Es funktioniert nicht immer reibungslos. 🙂

Am Ende trafen wir uns aber sehr zügig vor einer Bar in der Oranienstraße und hatten eine nette und unterhaltsame Fahrt miteinander. Details sind nicht der Rede wert, ausnahmsweise.

Dass man mich auf vielfältige Weise erreichen kann, sorgt leider hier und da mal dafür, dass es nicht klappt – weil ich es einfach nicht mitkriege. Bei Twitter schaue ich manchmal stundenlang nicht rein, das Handy liegt meist im Wagen, wenn ich mit Kollegen draußen quatsche – und bei myTaxi nehme ich auch nicht alle Touren an, schließlich sind 10 km Anfahrt auch immer ein Risiko (zumal ich dort nicht weiß, ob es wirklich Leser sind). Mal ganz abgesehen davon, dass ich oft auch einfach nicht arbeite, wenn eine Anfrage kommt.

Ich kann es nur immer wieder sagen: Ihr seid so viele und ich bin allein! Und noch dazu bin ich auch bisweilen schlecht organisiert oder zum falschen Zeitpunkt am anderen Ende der Stadt (was der Job halt so mit sich bringt). Seht es also als Glücksfall, mich zu erwischen – und seid nicht sauer, wenn es mal nicht klappen sollte …

PS:

Jetzt freue ich mich erst einmal auf eine Fahrt mit dem Maskierten am Samstag. Das ist eine lange und penibel geplante Tour, bei der ich sogar extra tagsüber unterwegs bin. Das passiert wirklich selten, schließlich gehört da einiges an Planung dazu. In diesem Fall z.B. nimmt sich mein Tagfahrer (der nach wie vor nichts mit dem Blog hier zu tun hat und nur zufällig das selbe Auto fährt) extra einen Tag frei. Für diese Kollegialität dürft ihr ihn ruhig am Taxistand bevorzugen! Aber natürlich geht das auch nur, weil es in diesem Fall auch eine sehr lange Tour sein wird – am Ende ist Taxifahren halt doch auch ein Geschäft, so leid es mir tut.

Aber hey: Alle, die es geschafft haben, mich zu treffen, können behaupten, mehr erreicht zu haben als Joko Winterscheidt. Denn den hab ich immerhin schon abblitzen lassen (obwohl er mich als Person durchaus interessiert hätte).

Herrentag

Ja, Herrentag. Was für ein Start in die Arbeitswoche. Zumindest rede ich mir das immer wieder ein. Tatsächlich ist der große Reigen besoffener Spaßvögel bisher in jedem Jahr ausgeblieben, also bleibe ich dieses Mal gleich vorsorglich entspannt. Und das ist ja gerade wenn sie kommen ohnehin schon einmal die richtige Grundeinstellung. 🙂

Die hatte glücklicherweise auch die Taxifahrerschaft, die vorgestern Abend, bzw. am gestrigen Morgen Dienst tat, denn Jörn, Jo und meine Wenigkeit (insbesondere die beiden letztgenannten) haben zu dieser Zeit bereits das getan, was heute wahrscheinlich Millionen Männer machen werden: Wir haben zusammengesessen und ein paar Bier durch uns hindurchlaufen lassen. Die mit uns konfrontierten Kollegen fanden uns aber tatsächlich eher lustig als bedrohlich. Gefällt mir persönlich ganz gut, manchmal gucken die Leute ja doch etwas skeptisch, wenn so große Leute wie ich nicht mehr die sicherste Gangart vorweisen können.
Mehr im Gedächtnis als die Momente im Taxi werden aber wahrscheinlich die Töffel bleiben, die Jo binnen dreier Minuten von Konfrontation auf „schönen Abend Euch noch!“ umgepolt hat. Das war großes Kino.

Das aber ist Vergangenheit, heute Abend schwinge ich mich dann wieder selbst hinters Steuer und mache die Hauptstadt durch die Beförderung nicht mehr ganz so zurechnungsfähiger Gesellen ein wenig sicherer. Hoffen wir mal im Hinblick auf Blogartikel das Beste. 🙂

Guter Schichtanfang

(der von der nachfolgenden Schicht völlig konterkariert wurde, was uns jetzt aber nicht stören soll)

Hart genug, dass mein Wecker gestern bereits auf 15 Uhr gestellt war. Ich wollte pünktlich im Büro sein. Zum einen mal wieder ein bisschen Geld loswerden, zum anderen hoffentlich endgültig die Computerprobleme lösen. Dann aber schmiss mich ein nicht näher nachvollziehbarer Drang nach Licht bereits gegen 14 Uhr aus dem Bett. Uff! Ich hab mir Mühe gegeben, meine guten Vorsätze für den neuen Monat einzuhalten und bin pünktlich mit dem Klingeln meines Weckers aus dem Haus ge-, ähm … rannt! Mindestens. 😉

OK, ich will ehrlich sein: Ich hab mich ganz gemächlich rausgeschleppt, weil ich selbst noch völlig verzückt war von meiner Entscheidungsfreudigkeit.

Die Computer erwiesen sich vorerst mal als nur begrenzt zickig, was mich in die kuriose Lage brachte, in der Folge tatsächlich einmal zu früh am Abstellplatz des Autos zu landen. Mein Tagfahrer kam aber gleich nach ein paar Minuten. Da ich ausgerechnet den Kollegen, mit dem ich gewissermaßen am engsten zusammenarbeite, ja am wenigsten sehe, haben wir uns erstmal ein wenig verquatscht. Über die Umsätze auf der Straße, die alten und neuen Macken der 1925, was einen halt so umtreibt als Taxifahrer.

Mit ihm sind das glücklicherweise dennoch nicht diese ganz besonderen „Kollegengespräche„.

Er packte langsam sein Zeug, kümmerte sich um den Papierkram – und ich richtete mich im Auto ein. Anschließend beschloss ich, noch auf eine Kippe mit ihm weiterzuquasseln. Wenn schon, denn schon. Gute Entscheidung!

Drei Minuten später standen nämlich zwei Jungs am Auto.

„Sacht mal, macht ihr grad Schichtwechsel oder so?“

„Janz jenau.“

„Können wir dann vielleicht gleich … also mitfahren?“

„Klaro. Muss mich kurz am Taxameter anmelden, dann geht’s los!“

War keine lange Tour. Aber die unerwarteten – und damit wortwörtlich die ohne Wartezeit – sind am Ende dann halt doch die besten. 🙂

Kollegengespräche

Ich muss an dieser Stelle mal aufgreifen, was Aro gestern in seinem Blog thematisiert hat: die Gespräche am Taxistand, die Unterhaltungen mit den Kollegen. Mit Yok hatte ich das Thema auch schon mal, er war da „dank“ ein paar Jahren Erfahrung mehr gleich noch mal ernüchterter.

Ich leide da nämlich durchaus mit den beiden. Zugegeben, unter den Kollegen, mit denen ich mich zu unterhalten pflege, ist Fußball nicht das große Thema. Aber ermüdend ist es dennoch oft. Ich halte gerne die Fahne hoch für uns Kutscher, aber es ist nunmal auch traurige Realität, dass sich am Taxistand nicht unbedingt die geistige Elite trifft. Bei vielen geht das Interesse gar nicht über den Schichtumsatz raus und bei denen, die sich wirklich mal um aktuelle Themen scheren, merkt man viel zu oft schnell, dass sie ihre Bildung aus der Kommentarspalte von bild.de haben. Also ungefähr Grundschulabschluss mit Hauptschulempfehlung.

Natürlich sind da draußen auch andere unterwegs. Fast die gesamte Riege der Taxiblogger fällt aus diesem Raster – und natürlich auch noch einige mehr. Aber ja, man hat mitunter seine Schwierigkeiten, Kollegen zu finden, die nicht völlig offensichtlich rassistisch sind, BZ-Schlagzeilen nacherzählen oder eben Umsätze erfinden, weil sie glauben, mehr Geld würde sie zu was besserem machen. In diesem Gewerbe arbeiten eindeutig weniger clevere Menschen als eigentlich nötig.

Aber das ist, das muss man ehrlich sagen, auch der Tatsache geschuldet, dass wir so schlecht verdienen. Ebenso wie beispielsweise im telefonischen Support sind die Rahmenbedingungen so, dass mitunter Idioten die besten Chancen haben. Folglich kann man leider nicht auf schnelle Besserung hoffen. Und wenn wir ehrlich sind: Selbst die Kundschaft hilft da nur bedingt mit: Auf der einen Seite wird einem Trinkgeld gegeben, obwohl man angeblich betrogen hat (ich find den verdammten Text dazu zum Verlinken nicht mehr!), auf der anderen werden gute Fahrer gemieden, bloß weil sie „ausländisch“ aussehen.

Wie Aro auch bin ich jedenfalls froh, dass ich über andere Kanäle kommunizieren kann, das hilft wirklich! 🙂

Kaum brennt die Kippe …

schon kommt der Bus.

Ich will hier keine Werbung für Zigarettenmarken machen, aber diejenigen unter Euch, die in den Neunzigern schon offenen Auges durch dieses Land marschiert sind, werden sich wahrscheinlich an die Plakate erinnern. Und auch wenn man mal weg geht von den Drogen, man kennt das ja: Kaum hat man sich mal mit einer vermeintlich oder wirklich schlimmen Option abgefunden, ändert sich was. Ein Paradebeispiel für Selbsttäuschung, denn in Wahrheit passiert natürlich ähnlich oft einfach gar nix. Bestätigungsfehler oder Confirmation bias nennt man das in der Psychologie. Aber es macht halt Spaß, sich solche Zusammenhänge einzureden.

Und so bin ich im Nachhinein auch versucht, den gelungenen Abend von Henni und mir der Tatsache geschuldet zu sehen, dass wir uns über den versauten Abend aufgeregt hatten. Und so dolle war’s wirklich nicht. Es ist zwar bekannt, dass die Kuh hinten den Schwanz hebt in den Wochenendschichten, aber wir standen nun beide nach 4 Stunden an einem Freitagabend da und hatten allenfalls 35 € Umsatz in der Tasche. Wir haben beide schon darüber nachgedacht, die Flinte ins Korn zu werfen, uns nach Hause zu trollen. Aber jetzt standen wir schon eine Stunde am Bahnhof – die eine letzte Tour wollten wir dann wenigstens noch machen.

(Natürlich war uns klar, dass wir noch mindestens einen weiteren Anlauf irgendwo wagen würden, aber der Gedanke an einen schnellen Feierabend wirkt ja auch wieder motivierend.)

Plötzlich stand neben Henni ein recht kleiner Mann mit Brille, Hut und einem zwei Nummern zu groß wirkenden Trenchcoat.

„Sagen Sie, was würde es denn bis Eberswalde kosten?“

„Ma‘ nachdenken …“

meinte Henni in einer Coolness, die mir in solchen Situationen oft nicht gegeben ist.

„Also ich hab noch hundert. Wenn das noch für eine Cola und einen Döner reichen würde, dann wär’s schön …“

„Kriejen wir hin.“

Während der Fahrgast einstieg, feixte Henni mir zu, seine Schicht war schon mal wieder auf Vordermann gebracht. 90, vielleicht 95 € sind für eine Tour nach Eberswalde völlig ok. Kein total überteuerter, aber doch ein guter Preis. Irgendwo glaubte ich, eine Uhr die nullte Stunde ankündigen zu hören, dann war auch ich an der Reihe.

„Ich müsste einmal zum Zoo, also da in die Nähe, bisschen weiter. Kantstraße.“

„Komm’n se rin“

(„könn‘ se rausgucken“ hab ich mir noch gedacht.)

Naja, am Ende kamen fast 18 € dabei raus, war eine schweigsame aber angenehme Fahrt. Ich hab danach einen Blick auf’s Taxameter geworfen: Bäh, ich hatte mich bei den paar Kröten auch noch verrechnet: gerade mal 51 € bisher …
Und wenn ich jetzt ehrlich hätte abbrechen wollen, wäre auch noch ein Rückweg durch die halbe Stadt nötig gewesen. Arg weit bin ich mit dem Denken gar nicht gekommen, denn in der Budapester winkte es bereits. Hermannplatz, Neukölln, zu zwei verschiedenen Adressen. Waren auch schnelle 16,80 €. Eine Kurzstrecke in die Sonnenallee und ein paar Winker vom Kottbusser Damm aus später stand ich in Mitte an der Torstraße. Zwei lustige Japaner schälten sich aus den Sitzen, da stand plötzlich ein verlebt aussehender Typ neben mir, ledrige Haut, mit Falten, die man in der Größe sonst für gewöhnlich in zerknautschten Bettdecken findet.

„Bringst ma ins Bötzowviertel?“

Mit den Partygängern von der Warschauer zum Watergate hab ich es dann, ein Uhr dreißig war gerade durch, bereits auf meinen ersten Hunni in der Nacht geschafft. Henni hab ich in der Nacht nicht mehr gesehen. Vielleicht hat er ja tatsächlich Feierabend gemacht. Sein Stundenschnitt dürfte aber deutlich besser ausgefallen sein als vorher. Ich hab mich, frisch motiviert, am Ende noch bis nach 6 Uhr auf der Straße rumgetrieben. So einen guten Lauf hatte ich freilich kein zweites Mal – aber unzufrieden war ich nicht.

Ja, natürlich, es ist wie ich oben geschrieben habe: das passiert selten. Viel zu selten. Und ich weiß das. Es fühlt sich trotzdem nach so einem Abend irgendwie sinnvoll an, an der Halte über den Umsatz zu meckern. Und wer weiß … 😉

Kleine Unfälle …

…halten die Werkstätten bei Laune. Oder so ähnlich. Die Leser, die mir auf Twitter folgen, haben es gestern Abend bereits mitgekriegt: mein Samstag begann mehr oder minder mit einem Schock. Nicht nur, dass ich spät aufgestanden bin, nein, ich bin auch noch aufgestanden, weil mein Tagfahrer angerufen hat. Er hatte einen Unfall.

„Shit, isses schlimm?“

„Naja, ick bin nich‘ schuld.“

Aha.

„Ein paar Risse inner Schürze vorne“ waren das Ergebnis einer unachtsamen Rückwärtsfahrt des Unfallgegners. Wusste ich nun aber erst einmal auch nicht, wie genau ich mir das – vor allem mengenmäßig – vorzustellen hatte. Man kann sagen, dass es offenbar ein guter Treffer war:

„Was guckt dein Taxi so?“ – „Schwieriges Leben. Gespaltene Persönlichkeit.“ Quelle: Sash

Klar, alles nur Plastik. Im Grunde wär der Spaß am Ende genauso teuer, wenn es nur ein Riss wäre. Aber das jetzt – relativ kurz vor ihrer Außerdienststellung – noch mal groß optisch was an der 1925 gemacht werden muss, ist natürlich irgendwie blöd. Aber, nie vergessen: Schlimmer geht immer!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Der Brüller

Wahrscheinlich wird das wieder so was, bei dem ich Gegenwind von Kollegen kriege. Egal.

Man hat als Taxifahrer ja eine Menge Freiheiten. Deswegen mache ich den Job ja beispielsweise so gerne. Das tolle an Freiheiten ist, dass man sich aussuchen kann, ob man sie nutzt. Sonst – kluge Köpfe werden schon drauf gekommen sein – haben sie mit Freiheit nicht mehr viel zu tun.

Eine dieser Freiheiten besteht darin, sich seine Beschäftigung am Taxistand weitgehend auszusuchen. Ganz ohne Einschränkungen geht nichts, so sagt die Berliner Taxiordnung in §4 Abs. 1 folgendes:

Auf einem Taxenstandplatz oder einem als „Nachrückbereich“ ausgewiesenen Taxenstandplatz dürfen nur dienstbereite Taxen stehen. Taxen sind in der Reihenfolge ihrer Ankunft aufzustellen. Jede Lücke ist durch unverzügliches Nachrücken der nachfolgenden Taxen aufzufüllen. Die Taxen müssen fahrbereit und so aufgestellt sein, dass Fahrgäste ungehindert ein- und aussteigen können.

Dienstbereit müssen wir also sein. Das ist natürlich mal wieder ein Begriff, den man als Jurist sicher unterschiedlich bewerten kann. Ich für meinen Teil lege das recht eng aus: ich muss als Taxifahrer in der Lage sein, binnen Sekunden eine Fahrt antreten zu können. Darüber hinaus ist es aber in meinen Augen recht irrelevant, ob ich gerade lese, twittere, dem Funk zuhöre, esse, schreibe, mich mit Kollegen unterhalte oder Origami-Kraniche falte.
Das sollte jetzt nicht unbedingt so laufen, dass man erst einmal sein siebengängiges Menü wieder in Tupperdosen packt, um es anschließend unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschläge im Kofferraum mühselig anzugurten und anschließend das Auto noch einer Grundreinigung zu unterziehen, bis der Fahrgast einsteigen kann.
Aber die Tür entriegeln, einen Sitz umklappen oder ins Auto einsteigen ist meines Erachtens nach völlig normal. Meist muss man ja ohnehin irgendwas für die Kunden tun: Sitz verschieben, Kofferraum aufmachen, erst einmal klären, was sein Anliegen ist … wir fahren ja letztlich keine Fluchtwagen.

Und so stand ich neulich mit zwei Kollegen am Ostbahnhof. Wir waren die drei Fahrer auf den Top-Plätzen. Ralf auf der eins, Udo auf der zwei, ich selbst war dritter. Wir standen vor Udos Mercedes, damit hatte Ralf als erster beispielsweise seine Heckklappe in Reichweite. Wir haben ein bisschen gequatscht, wie immer mit einem Auge auf den Gehweg schielend. Keiner will eine Fahrt verpassen oder unnahbar wirken, ist ja klar.
Aber am Ostbahnhof ist stets viel Publikumsverkehr. Die Leute laufen in alle Richtungen um einen herum und steigen auch am Taxistand gerne auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein. Das Aussortieren von Kundschaft unter den ganzen Passanten kann auch mal schiefgehen. Ist es in dem Fall gar nicht, aber ein Typ ist ohne uns Beachtung zu schenken am Stand vorbeigelaufen und hat dann – durchaus zu unserem Erstaunen direkt hinter mir an der Ecke ein fahrendes Taxi rangewunken. Ich hab etwas die Augen verdreht, weil man jetzt am Stand ja nicht unbedingt Kunden einladen muss, wo andere Kollegen warten – letztlich hab ich dann aber auch gedacht:

„Scheiß drauf. Der wollte wahrscheinlich eine Kurzstrecke, und jetzt isses eh schon passiert.“

Ein Abend wie tausend andere.

Bis dann plötzlich ein „Kollege“ auf der anderen Seite seine Tür geöffnet und Ralf ohne irgendwelche einleitenden Worte angebrüllt hat:

„SAMMAL! WIE WÄR’S VIELLEICHT MAL MIT ARBEITEN, DU VOGEL! DIE SCHEISS-KUNDEN STEIGEN HIER SCHON IN FAHRENDE TAXEN, WEIL DU HIER BLÖD RUMSTEHST! SO EINE SCHEISSE, DU DEPP! DER ERSTE FAHRER MUSS IM TAXI SITZEN!“

Reichlich panne, vor allem in Hinblick darauf, dass der Kerl in rund einem Kilometer Umkreis alle potenziellen Taxikunden abgeschreckt hat. Mal ganz davon abgesehen, dass – selbst wenn man sich über was nicht einig ist – das einfach kein adäquater Gesprächsanfang ist. Ich will hier jetzt nicht mit Knigge und Manieren anfangen, aber das geht einfach nicht. Ich hab in der Situation ein bisschen bewundert, wie locker und schlagfertig Ralf war. Er hat den Kollegen einfach im Satz unterbrochen und gemeint:

„Mach die Tür zu, is kalt hier draußen!“

Hat er dann glücklicherweise auch gemacht. Ich hab den „Kollegen“ zuvor nie gesehen, seitdem auch nicht mehr. Was sehr schön ist.

Und? Eure Meinung?