Kameras in Taxen?

Stephan hat mir einen Link zukommen lassen, dem nach die Mitteldeutsche Zeitung verkündet, Magdeburgs Taxen würden künftig mit Videokameras ausgestattet, der Grund wären häufige Überfälle in letzter Zeit. Stephan fragte, was ich davon halte und ob ich diese Maßnahme angemessen finde.

Das ist schwierig. Sehr schwierig. Kurz zusammengefasst würde ich sagen:

Ich persönlich halte nichts davon, kann aber nachvollziehen, dass die Magdeburger Kollegen sich diese Gedanken machen.

Ich muss bei dieser Frage natürlich ganz deutlich eines voranstellen: Ich selbst bin noch nie überfallen worden und ich maße mir nicht an, über Kollegen zu urteilen, die aufgrund einer solch traumatischen Erfahrung eine derartige Überwachung gutheißen!

Insgesamt bin ich allerdings ein Gegner von Überwachungsmaßnahmen fast jeglicher Art und glaube nicht an eine langfristig gute Bilanz des Ganzen. Natürlich haben Kameras zunächst einmal eine abschreckende Wirkung. Das kann ich selbst als Gegner nicht leugnen – und auch der Taxiblogger hat das ja neulich berichtet, wenn auch eher „indirekt“. Sicher schreckt eine Kamera mal einen Kunden ab, der übles im Schilde führt, die guten Seiten sind also offensichtlich.

Inwischen meldet ebenfalls die MZ, was in anderen Städten davon gehalten, bzw. wie es dort überhaupt gehalten wird mit den Kameras. Das ist natürlich unterschiedlich, die Befürchtungen und Hoffnungen schwanken offenbar zwischen Abschreckung im Positiven auf Räuber und Abschreckung im Negativen auf alle Fahrgäste. Letztere Meinung teile ich nicht mal, bin aber dennoch eher dagegen.

Wir gewöhnen uns doch sowieso schon viel zu sehr an Überwachung an allen Orten! Es mag sein, dass an den überwachten Stellen weniger passiert, was das gesamtgesellschaftlich bedeutet, ist indes gar nicht so sicher. Das Berliner Nahverkehrsnetz beispielsweise ist recht gut überwacht mit Kameras. An Bahnhöfen, in den Zügen usw. Was fällt euch zu den Berliner Bahnen an Schlagzeilen der letzten Jahre ein? „Berliner Straßenbahn sicherste der Welt!“? War das eine Headline der Boulevardpresse? Oder sonst einer Zeitung? Natürlich nicht. Und den Grund kann ich kostenlos dazu liefern:

Absolute Sicherheit gibt es nicht!

Im Einzelnen – also auch für uns Taxifahrer – ist das erstmal gar kein unlogischer Schritt: Autos überwachen, mit Kamera, GPS, Funk, dazu stillen und lauten Alarm etc. Wer weiss, vielleicht sorgt das für sicherere Taxen. Aber zum einen werden wir dann plötzlich 100% unserer Arbeitszeit überwacht und das Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen: Vielleicht verwenden unsere Chefs dann die Aufnahmen irgendwann, um zu überwachen, ob wir das Rauchverbot einhalten, vielleicht stellen wir aber auch selbst die lustigsten Fahrgastvideos mal ins Netz, am besten mit GPS-Tag und Namen.

Zum Anderen können wir dann aber auch nicht dagegen sein, wenn sich die Kloputzer aus den Bahnhofstoiletten melden und sagen, dass es bei ihnen oft zu Gewalttaten kommt. Also machen sie das nächst logische: Kameras, Alarmanlagen…

Das kann nicht ernsthaft die Lösung sein!

Sie ist einfach und vergleichsweise billig, das muss man zugeben. Aber Überwachung verlagert Kriminalität nur. Was machen denn die Taxiräuber, wenn sie in Zukunft mal wieder einen Hunni brauchen? Handtaschen klauen, in Wohnungen einbrechen… es ist doch kein einziges Problem gelöst damit.

Sicher darf man mal auf die Probleme hinweisen, die wir ja tatsächlich mit Überfällen haben. Natürlich sind wir als Einzelpersonen verwundbar und wir führen Geld mit uns. Auf der anderen Seite haben wir jetzt schon Alarmsysteme vorgeschrieben und unsere Geldbestände sind wahnsinnig niedrig. Wenn da draussen Menschen rumrennen, die überhaupt auf die Idee kommen, einen schweren bewaffneten Raubüberfall zu begehen, um maximal ein paar hundert Euro zu erbeuten, dann können wir doch nicht einfach die ganze Welt mit Kameras zupflastern wegen solcher Spinner. Oder verbarrikadieren: Im zweiten verlinkten MZ-Artikel wird bereits wieder nach der Panzerglasscheibe im Taxi gefragt – eine Einrichtung, die es hier in Deutschland schon gab und gegen die letzten Endes die Taxifahrer protestiert haben!

Spätestens seit Nine-Eleven sind wir dabei, uns immer und überall überwachen zu lassen und gleichzeitig zu jammern, dass es ja „immer schlimmer“ wird mit der Kriminalität. Vielleicht sollte man irgendwann mal zugeben, dass das eine Sackgasse ist.

Ich bin der Meinung, dass man das Geld besser in Fortbildungen und dergleichen investiert. Es mag nur ein Teil der Überfälle sein, der sich durch Psychologie vermeiden lässt, aber es ist auch nur ein Teil, bei dem Kameras das leisten. Im einen Fall haben wir bessere Taxifahrer, im anderen, nun ja, ein paar Kameras mehr…

Vor allem hilft einem eine Kamera am Ende bei einem tatsächlichen Überfall gar nicht. Denn im Grunde geht es ja letztlich nicht drum, ob die Täter erwischt werden, oder ob man seine paar Kröten wiedersieht. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ein Räuber am Ende auch noch das Auto demoliert, um die Aufnahme zu löschen, oder es gar klaut, was weiss ich… dann verzichte ich gleich nochmal lieber darauf.

40 Kommentare bis “Kameras in Taxen?”

  1. […] gestern-nacht-im-taxi.de/wordpress/2011/12/14/kameras-in-taxen/ […]

  2. STK sagt:

    Also so blöd ist die Idee gar nicht. Aber es sollte so ähnlich laufen wie bei den Blackboxen im Flugzeug. Eine Endlosaufnahme die sich ständig überschreibt und nicht vom Fahrer bzw. Taxiunternehmer eingesehen bzw. kopiert werden kann ( also auch keine lustigen Videos oder Raucherüberwachung). Falls es zum Überfall kommt, hat die Polizei alleine Zugang zu den Daten und kann den Täter/Täterin ermitteln.
    Klar geht mir das mit dem Überwachungsstaat auch auf den Keks und Verbrechen wird durch Kameras nicht verhindert aber vieleicht aufgeklärt ( siehe U-Bahn Prügler )und der/die Täter/Täterin einer gerechten Strafe zugeführt. Ausserdem kann man einem Täter der nicht gefasst wird auch nicht sozialisieren. Also es gibt immer für und wieder für eine Kameraüberwachung.

    mfg
    STK

  3. Sash sagt:

    @STK:
    Das Dumme ist, dass diese technischen Beschränkungen auch wieder alle fehleranfällig sein werden.
    Und – aber das hat nichts mit dem Taxiartikel zu tun – ich habe meine Zweifel, dass Menschen durch Freiheitsentzug (re)sozialisiert werden.

  4. Max sagt:

    Was spricht denn gegen Panzerglas? Kameras würde ich strikt ablehnen, aber ich frage mich bei jeder Meldung über einen erneuten Taxiraub, warum die Fahrer nicht in Sicherheitskabinen geschützt werden. Gelddurchreiche ähnlich gesichert wie bei der Bank. Warum ein Fahrer da dagegen sein sollte, erschließt sich mir wirklich nicht? Danke für die Aufklärung 🙂

  5. Eine Kamera im Auto würde vielleicht den einen oder anderen Überfall im Fahrzeug verhindern. Aber wie Du auch schon selber geschrieben hast, dann verlagert sich die Kriminalität halt.
    Im Grunde reicht es ja zu wissen, wo Du Dein Auto abstellst. Dann haut Dir halt so ein bescheuerter Knilch auf die Mütze wenn Du von der Schicht zurück kommst und mit dem Geld das Auto (und damit den überwachten Raum) verlassen hast.
    Damit nimmt er Dir dann auch den Maximalbetrag ab, falls Du nicht schon mal im Laufe der Nacht das Geld irgendwo zwischendeponiert hast.
    Also auch keine 100 % Lösung …

  6. fastdäne sagt:

    Moin,moin,
    ich bin der Meinung, Kameras verhindern nur in seltenen Fällen Straftaten oder Attentate. Vielleicht ist es anschließend etwas leichter, die Täter zu ermitteln. Generell sorgt aber schon seit 1000 Jahren jede neue Abwehrtechnik dafür, dass neue Angriffstechniken entwickelt wurden.
    Die fast totale Videoüberwchung in London hat die Anschläge in den Bussen nicht verhindert.
    Die Idee, Fahrer für Extremsituationen psychologisch zu schulen ist sicherlich deutlich effektiver.
    Gruß Frank

  7. Knut sagt:

    Ja, Überwachung verlagert Kriminalität auch. Aber eben nicht nur. Sie erhöht auch die Aufklärungsrate. Gefasste und verurteilte Verbrecher senken die Kriminalität definitiv.

  8. DerKeks sagt:

    Hi, zum Thema Sicherheit und die daraus entstehenden, mit heißer Nadel gestrickten „Musterlösungen“ könnte ich ganze Bücher füllen. Dass wir auf dem Weg zum Überwachungsstaat sind will ich garnicht behaupten aber je häufiger von der Politik nach Kameras und flächendeckender Komplettüberwachung geschrieben wird, desto weniger regen wir uns darüber auf. In ein paar Jahren wird garnicht mehr gefragt, von einem auf den anderen Tag hängen die Kameras einfach da.
    Wie viel das bringt sieht man in den bereits erwähnten Videos der U Bahn Schlägereien. Und wer ein Taxi aufbricht um sich das Wechselgeld einzusacken wird sicher nicht noch freundliche in die Kamera lächeln um ein brauchbares Bild von sich zu hinterlassen. (Bei Fahrgästen die eine Weile im Sichtbereich der Kamera sitzen ist das natürlich etwas anderes – und selbst da ist nicht ausgeschlossen dass die sich einfach einen toten Winkel suchen oder sich die Mütze tief ins Gesicht ziehen) Solche Überswachungsideen gingen bisher IMMER nach hinten los. Oben genannte Beispiele gibts ja mehr als genug, ohne solche Videos wäre YouTube vermulich nur halb so groß.
    Was mich ärgert ist, wie offensichtlich die eigentlichen Gründe sind, bzw. wie offensichtlich gehauchelt die vorgeschobenen Gründe sind, so eine Überwachung einzuführen. Wer im Affekt oder geplant Randale machen, oder Geld klauen will wird nicht vorher kurz innehalten um nachzudenken „hm wenn ich dem jetzt auf die Mütze gebe und mir das Kleingeld klaue, für das sich der Aufwand eh nicht lohnt könnte ich aufgenommen werden und dann kann man mich ja noch leicher überführen – shit ich lass das wohl mal besser“

    Ich bin grundsätzlich nicht gegen mehr Sicherheit aber ich finde es traurig, dass wir hier langsam auf amerikanische Verhälltnisse zusteuern und bei jeder neuen Idee die Widerspruch allgemein leiser wird weil die Leute müde werden für die Freiheiten die wir hier geniessen einzustehen, immer und immer wieder.

  9. Nathan sagt:

    Irgendwann wird rauskommen, dass Gewalt in deutschen Haushalten immer mehr zunimmt. Werdet ihr dann etwa auch Kameras in euren Wohnungen (insbesondere im Schlaf- und Badezimmer) installieren mit dem scheinheiligen Argument, dass die Täter schneller gefasst werden?

    Überwachungskameras implizieren die Androhung von Gewalt (Gefängnisstrafe, etc). Und Gewalt hilft nicht gegen Gewalt. Reaktionäres Verhalten bringt nichts außer ausgefeiltere Methoden seitens der Täter, was letztlich zu einem Teufelskreis führt.

    Hat sich Kriminalität etwa verringert, seit hierzulande immer mehr überwacht wird? Nein. Im Gegenteil, es wird „ja immer schlimmer“, wie überall gejammert wird. Wenn es stimmt, dass Kriminalität zunimmt, seit immer mehr überwacht wird, gibt es überhaupt kein stichhaltiges Argument, dass die Überwachung ansatzweise etwas positives bewirkt.

    Übrigens: Was bringt ein aufgeklärter Taxiraub dem Fahrer? Nichts außer evtl. befriedigte Rachegefühle, die absolut irrational sind. Der Fahrer hatte so oder so den Schock seines Lebens.

  10. vanessa sagt:

    Auf den ersten Blick scheint eine Überwachung erst mal sinnvoll und hilfreich. Wirkt abschreckend, Täter können identifiziert werden, man fühlt sich vermeintlich sicherer.

    Betrachtet man das aber näher, ergeben sich meiner Meinung nach mehr Nach- als Vorteile. Ständige Überwachung ist einfach Mist. Man fühlt sich ständig auf die Finger geschaut. Die Maßnahme steht auch in keinem Verhältnis: mal angenommen, dass bei 1000 Fahrten 1 Überfall passiert (nur ein Beispiel), so werden trotzdem auch die anderen 999 unschuldigen Bürger gefilmt und pauschal als potientielle Täter abgestempelt. 999 Menschen müssen das über sich ergehen lassen, damit 1 EVENTUELL gefasst wird. Im Grunde lässt sich das auch mit der Kopierschutzdebatte vergleichen: der ehrliche Kunde ist der Gelackmeierte. Er selbst hat nichts davon, gefilmt zu werden, außer die Nachteile.

    Wie auch schon gesagt wurde, wird die Kriminalität nicht verhindert, sondern nur verlagert. Dann wird eben nicht mehr der Taxifahrer überfallen, sondern die Überfälle werden an Plätzen verübt, die nicht überwacht werden. Somit ist das Problem als solches zwar nicht gelöst, aber die Strippenzieher werden sich dennoch auf die Schulter klopfen: „Wir haben ja was gemacht!!“. Egal, ob es taugt oder nicht.

    Es hat da mal eine wunderbare Folge bei den Simpsons gegeben. Ganz Springfield wurde mit Kameras überwacht. Bart oder Homer hat dann ausgetestet, bis wohin die Blickwinkel der Kameras reichen und so einen kleinen Bereich ausgemacht, der im toten Winkel ist – dort haben sich dann alle versammelt, um das zu machen, was sonst nirgends mehr möglich bzw. verboten war.

    Wenn man noch mal einen Schritt weiter geht und sich Länder anschaut, die die Todesstrafe haben, so stellt man fest, dass hier trotzdem noch munter gemordet wird und selbst die Todesstrafe die Täter nicht vom kriminellen Handeln abhält.

    Ich möchte das nicht. Es ist schön, wenn Taten aufgedeckt und Täter ermittelt werden, aber die Maßnahmen dringen zu weit ins persönliche Umfeld ein, engen unbescholtene Bürger zu sehr ein. Der Gegenwert einer generellen Überwachung ist einfach zu gering. Wenn die Kontrolle sich erst mal etabliert hat, werden nach und nach weitere Bereiche folgen. Bis dann – ganz krass ausgedrückt – jeder Mensch in jedem Zimmer des Hauses/der Wohnung div. Kameras installiert bekommt. Alles zur Prävention, selbstverständlich!

    Eine 100%ige Sicherheit gab es nicht, gibt es nicht und wird es auch nie geben. Als Fazit kann man nur folgendes zitieren: „Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

  11. Mariha sagt:

    @Max: Eine Panzerglasscheibe würde das Fahrzeug sehr viel teurer in der Anschaffung machen, es schwerer machen, dadurch sehr viel mehr Sprit verbrauchen. Große Fahrer könnten den Sitz nicht mehr richtig einstellen, da ja die Scheibe das irgendwo einschränkt, außerdem könnten nur noch drei Personen befördert werden. Wenn ich mir bsw. drei Jungs vorstelle, die mir absolut außer meiner Kontrolle den Fahrgastraum versauen, qualmen, den Himmel mit Edding beschmieren – ohne dass ich es hören könnte – kotzen oder sich absprechen zu türmen ohne zahlen usw. werde ich auch grade ein wenig sauer. Infolge dieser Faktoren würde die Fahrt um die Ecke nicht mehr fünf sondern zwölf Euro kosten. In Teilen Amerikas gibt es diese Scheiben und trotzdem ist dort die Überfallrate sehr viel höher.

    Was ich allerdings gut fände, wäre quasi eine Schale um den Fahrersitz, vielleciht hinten mit Griff (viele ältere Gästen ziehen beim einsteigen an der Fahrerkopfstützenstange oder halten sich dran fest) und vorne links ein Haken, damit der Fahrer bsw. bei Regen seine Jacke einfach abhängen kann und nicht die ganze Zeit anhaben muss. Diese Schale sollte mit dem Fahrersitz mitgehen sodass nicht unnötig Platz verschwendet wird, ganz links im Innenraum beginnen und mit dem Fahrersitz rechts abschließen. So kann niemand den Fahrer von hinten begrabbeln, würgen, ihm ein Messer an den Hals halten, dem Fahrer die Jacke klauen oder sonstwie viel zu weit in den persönlichen Bereich des Fahrers vordringen. Ich persönlich finde es nämlich sehr unangenehm, wenn mir die Leute auf die Pelle rücken, an meinem Sitz zerren, die Hand auf meinem Sitz ablegen oder mich versuchen anzufassen.

    @NAthan: Öhm, was bringt es, einen Mörder oder Vergewaltiger zu ermitteln? Es gab durchaus schon Überfälle die genau das zur Folge hatten! Du sagst: „Oh, Pech gehabt, mal wieder überfallen, tja müssen Sie halt mit leben, den Schock haben Sie sowieso, ist doch jetzt auch scheissegal ob Sie dem Täter morgen wieder gegenübersitzen und er Ihnen frech ins Gesicht grinst“. Rachegefühle die absolut irrational sind, tss, lass dich mal morgen in deinem Hausflur überfallen, es macht dir ja nichts aus, stets in Angst leben zu müssen.

  12. blubb sagt:

    Wäre es vielleicht eine Lösung, wenn sich die Kamera (z.B. am/im Innenspiegel) erst einschaltet, wenn der Fahrer den stillen Alarm betätigt hat? Dann könnte man Überfalltäter vielleicht tatsächlich besser dingfest machen und man schützt gleichzeitig die Rechte von normalen Fahrgästen, auch gibt es dann keine Gefahr, dass jemand auf die Idee eines öffentlichen „Prangers“ für Zechpreller kommt.

  13. Sash sagt:

    @all:
    Erstmal wow! Ich hatte mit einer eher kontroversen Diskussion gerechnet bei dem Thema. Schön, dass wir uns weitgehend einig sind 😀

    @Max:
    Das ist ähnlich wie mit den Kameras: Sich wegen einem Idioten die Atmosphäre bei 5000 Fahrten versauen? Dann ist man noch mehr „nur der Fahrer“, „der da vorne“ etc. Und das waren tatsächlich die Gründe, weswegen sie wieder abgeschafft wurde. Allerdings sind auch die Argumente von Mariha großartig und überdenkenswert!

    @blubb:
    Ich muss zugeben, dass mir das wesentlich eher zusagen würde. Keine schlechte Idee!

  14. MsTaxi sagt:

    Für blubbs Idee könnte ich mich auch stark erwärmen, für eine Panzerglasscheibe/ -kabine nicht. Ich bin kein Tier im Käfig, und so käme ich mir da zweifelsohne vor.

    Das Risiko, überfallen zu werden, hat natürlich auch mit unserer vergleichsweise hilflosen Position im Taxi zu tun. Schnell weglaufen iss nich, richtigen Wirkungsgrad entfaltet eine Gegenwehr kaum, und über unsere Verdienstspannen herrschen auch utopische Vorstellungen, die teilweise durch die Medien noch gestützt werden. Da hilft nur (geschultes) Einfühlungsvermögen zur Risikominimierung. Als meine Scheffin neulich mal fragte, ob ich Pfefferspray mit ins Auto nehmen wolle, hab ich abgelehnt, halte ich für sinnlos und selbstgefährdend.

    Am allerschlimmsten aber finde ich, dass unsere BG uns im worst case dann hinterher nicht mal automatisch das Angebot psychologischer Krisenintervention macht, da sind andere Organisationen schon weiter. Schließlich ist nachgewiesen, dass nach einem Überfall das Auftreten einer posttraumatischen Belastungsstörung bei kurzfristig eintretender Hilfe deutlich geringer ist.

  15. Mariha sagt:

    Bei uns wird ein stiller Alarm sofort in der Zentrale angezeigt die dann postwendend Hilfe organisiert, solang man in der Panik des Überfalles überhaupt an den Knopf kommt.

    Ms Taxi: der Verband bietet zumindest schonmal präventive Broschüren an, die man sich auch kostenlos runterladen kann: http://bzp.org/Content/RUND_UMS_TAXI/Ueberfallsicherheit/index.php?Z_highmain=5&Z_highsub=5&Z_highsubsub=0. Ansonsten denke ich, dass man sich im Notfall auch an die Taxistiftung wenden kann? Zum Glück stand ich niemals vor diesem Problem.

    Bei uns ist es übrigens so, dass einige Fahrer in solchen Überfallsituationen unvorsichtig gehandelt haben und mit ein wenig mehr Umsicht der Situation hätten komplett aus dem Weg gehen können. Ich behaupte mal, dass in fast allen Taxibetrieben ( Zumindest in kleineren Städten ) wenig Wert auf Schulung gelegt wird und deshalb einfachste Sicherheitsmaßnahmen – insbesondere von neuen Fahrern – gar nicht beachtet werden können. So muss sich der Fahrer mehr oder minder selbst informieren und lernt eben auf der Straße und was er so von den Kollegen am Stand aufschnappt.

  16. Die Haube um den Fahrersitz herum gab es auch schon, nannte sich umgangssprachlich „Schwedenhaube“ und wird im Taxi-Eintrag bei Wikipedia auch erwähnt. Hat sich aus den genannten Gründen nicht durchgesetzt. Und ich fände es auch ätzend, genauso wie eine Trennscheibe.

  17. MsTaxi sagt:

    @Mariha

    Ich stand auch nicht vor dem Problem und würde mir Zweifelsfalle auch selbst etwas organisieren können an Hilfe, aber streng genommen ist ein Überfall bzw. dessen Folgen ein Arbeitsunfall, fällt somit unter BG-Belange und würde m.E. auch Schulungsangebote durch eben diese BG notwendig machen. Da kämen dann viele Arbeitgeber auf die Füße, wenn solche Zwänge dahinter stehen.

  18. Aro sagt:

    Früher gab es auch kein Panzerglas, sondern eine Trennscheibe aus normalem Glas. Die konnte sogar zur Seite geschoben werden, auch von hinten. Diese Scheiben wurden irgendwann aus Sicherheitsgründen, aufgrund der Verletzungsgefahr bei Unfällen.

    Außerdem würde eine Panzerglasscheibe auch nur was nützen, wenn sie auch den Beifahrersitz abgrenzen würde. Aber dann könnte ich als klaustrophobisch veranlagtes Wesen nicht mehr Taxi fahren. Und es würde mir auch keinen Spaß mehr machen, weil ich ja nicht mehr mit den Fahrgäste reden könnte.

  19. Aro sagt:

    „aus Sicherheitsgründen verboten“, sollte das heißen.

  20. Ralf sagt:

    Vielleicht sollte man sich mal eher Gedanken über das „Bargeldlose Taxi“ machen. Sicherlich fehlt da ein riesen Haufen an Technik und es wird immer welche Geben die Aber sagen. Ich denke jedoch das Bezahltechniken via Handy oder einer Art Geldkarte mehr Probleme lösen als nur mangelnde Sicherheit.

  21. Bargeldlose Bezahlung? Die Pflicht, ein problemlos überwachbares und längst massiv Überwachtes Zahlungsverfahren in den Händen von Wirtschaftsunternehmen nutzen zu müssen?

    Ähem, DAS würde bei mir deutlich mehr Unbehagen erzeugen als eine Kamera!

  22. Ralf sagt:

    @Torsten: Kann man bargeldloses Bezahlen NICHT überwachen? Wobei sich dann die Frage stellt, was du mit „überwachen“ in diesen Zusammenhang meinst. Klar gab es mal Ansätze Geld von einer EC-Karte (mit Chip) direkt auf die andere zu transferieren. Aber wo ist der Unterschied ob man dir die Geldbörse klaut oder die EC-Karte (und anschließend auch noch die PIN-Nummer aus dir raus prügelt).

    Unsere LKW werden derzeit auf Telematik umgerüstet. Bedeutet für mich: Im gesamten Konzern gibt es die Möglichkeit am PC jederzeit (!!) zu sehen ob sich mein LKW gerade bewegt, wo er steht/fährt, wie schnell ich fahre, was ich geladen habe, wie viel Restlenkzeit ich noch habe, ob ich noch Pause machen muss usw. usf.
    Habe ich ein Problem damit? Nö. Entweder man kann es am PC sehen oder die rufen mich an und fragen nach. Klar kann ich denen am Telefon was vorlügen. Aber dank digitalen Fahrtenschreiben könnten sie es spätestens bei meiner Rückkehr kontrollieren. Und selbst ohne digitalen Fahrtenschreiber würde es ausreichen wenn mir jemand inkognito hinter her fährt und einfach nachschaut ob ich ehrlich bin oder nicht.
    Hat mich bisher jemand kontrolliert? Nein. Weil ich keinen Anlass gegeben habe das man mich kontrollieren müsste. Für mich stellt die „Fernüberwachung“ erst einmal einen Vorteil dar. Denn ich muss denen am Telefon nicht erklären was ich gerade mache, wo ich bin und wie lange ich noch fahren kann.

    Ich habe also kein Problem mit der „lückenlosen Überwachung“. Bei den Kameras sehe ich es genauso wie Sash. Keine Kamera der Welt hält einen Junkie auf Entzug davon ab sich das nötige Bargeld notfalls mit Gewalt zu holen. Aber von einer „totalen Überwachung“ zu sprechen weil irgendjemand am PC sehen kann wo sich mein LKW gerade aufhält, halte ich für Quatsch. Jeder Bürojob ist da besser „überwacht“, im Zweifelsfall sitzen da 4 oder 5 Leute die dich den ganzen Tag über genauenstens beobachten und sich Notizen machen.

    Wo ist also dein Problem mit der „Überwachung“ im Zusammenhang mit bargeldloser Zahlung? Stört sie dich bei deinen Schwarzfahrten? Hast du Angst man könnte eine Auswertung anstellen wann du wie viel Umsatz gemacht hast? Meinst du jemand führt eine Statistik über deine Umsätze? Vielleicht das Finanzamt, dass dich dann heimlich kontrolliert? Hast du Angst vor Banken? Hortest du dein Geld in der Matratze?

  23. Ruhig, Ralf. Ich bin derjenige, der unter strengen Bedingungen eine Kamera im Taxi akzeptieren würde!

    Und mein Kommentar bezog sich auf die Diskrepanz „Ich will keine Kameraüberwachung“ und dem Lösungsvorschlag „Ich geb lieber Finanzamt, CIA und einem ganzen Arsch voll beteiligter Unternehmen exakte Zahlungsverkehrspuren zur Auswertung“. Teufel und Belzebub…

    Es geht niemand was an, von welchem Puff Du letzte Nacht nach Hause gefahren bist. Und das soll dann zwangsweise bargeldlos und damit problemlos verknüpf- und auswertbar bezahlt werden MÜSSEN?

    Dabei hab ich deutlich mehr Bauchschmerzen als mit Kameras im Taxi, die nur im Falle einer schweren Straftat ausgelesen werden können.

    Und ja, das kaum vorhandene Geld liegt im Falle eines Falles bei der Bank. Und ich nutze Kartenzahlung immer dann, wenn es mir völlig egal ist, wer daraus seine Schlüsse zieht. Aber es gibt eben auch Fälle, in denen ich definitiv kein Plastik vorzeigen will.

    Meine Umsätze protolliert übrigens das Taxameter. Personenbezogen auf mich als Fahrer. Es lässt aus gutem Grund, obwohl sowohl mein Chef als auch das Finanzamt dort Einblick haben, keine Rückschlüsse darauf zu, wer von wo nach wo gefahren ist. Und das ist auch gut so.

  24. Ralf sagt:

    Torsten, glaubst du nicht du übertreibst ein wenig? Ich zahle fast nur noch mit Karte, zumindest dort wo es möglich ist. Mag ja sein das es niemanden angeht von welchen Puff aus der Fahrgast nach Hause gefahren ist. Aber erst im Puff mit Karte zahlen und auf der Abrechnung „Club Tai Massage“ drauf stehen haben und dann das Taxi aus Anonymitätsgründen bar bezahlen? Wie soll man denn aus der Abbuchung auf Abfahrts- und Zielort schließen?
    Ich glaube auch nicht das sich das Finanzamt oder gar die CIA (*kopfschüttel*) für die Kartenzahlungen eines Durchschnittsbürgers interessiert. Da müssen wir doch mal mit den Füßen auf dem Teppich bleiben.

    Daneben gibt es auch noch andere Möglichkeiten Geld zu überweisen. Nehmen wir mal ganz klassisch den Verrechnungsscheck (als Vordruck mit den Daten des Taxiunternehmens). Wäre im Taxi vielleicht etwas unhandlich den erst auszufüllen, wäre aber eine Möglichkeit.
    Dann gibt es die Möglichkeit via Handy zu bezahlen. Du hast ein Guthaben und kannst von den Guthaben via SMS oder App bezahlen.
    Die Geldkarte ist ebenso anonym. Das Guthaben befindet sich auf der Geldkarte, ist also bereits abgebucht.

    Das einzige größere Problem das ich sehe, ist ein fehlender Standard. Bisher konnte sich noch nichts durchsetzen um Kleinbeträge bargeldlos zu bezahlen. Hier müsste man zusehen das man nicht zu viele verschiedene Geräte benötigt. Vielleicht ein Universalgerät für Kartenzahlung (EC, Geldkarte, Kreditkarte) und Handy-Zahlung.

  25. Knut sagt:

    Diese ganze Diskussion ist voll von abstrakten Ängsten und wenig Konkretem.

    Anstatt allgemein gegen Kameras zu wettern und den totalen Überwachungsstaat an die Wand zu malen, sollte man sich doch einfach mal die Praxis anschauen. So sind zum Beispiel alle Bahnhöfe in Großstädten bereits videoüberwacht. Fühlt sich dort jemand von euch beobachtet oder gar als „potentieller Täter abgestempelt“? Wohl kaum.

    Es ist ja auch nicht so, dass hinter den Kameras Menschen sitzen, die alles kontrollieren. Da läuft einfach ein Endlosband, das permanent überschrieben wird. Das wird sich nur angeschaut, wenn vor der Kamera ein Verbrechen geschieht. Natürlich könnte man dann auch auf so einem Band drauf sein, aber glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass sich der Polizeibeamte dann den Teil rausschneidet, wo man in der Nase bohrt und das dann auf YouTube stellt?

    Auch andere Argumente sind merkwürdig. Da wird hier gesagt, das Verbrechen verlagert sich nur. Sorry, aber mir ist nicht bekannt, dass es seit der Kameraüberwachung weniger Banküberfälle gegeben hätte oder weniger Leute in U-Bahnhöfen zusammengetreten werden. Das einzige, was sich bei Kameraüberwachung ändert ist, dass die cleveren Verbrecher ihre Taxen an den Waldrand bestellen und mit einer Skimaske ins Auto steigen. Die blöden und spontanen Verbrecher können aber in Zukunft besser verfolgt werden, da es einen CamShot (nicht CumShot ;-)) von ihrem Gesicht gibt.

    Und das Taxifahrer ein BestOf ihrer trotteligen Kundschaft bei YouTube einstellen lässt sich sehr simpel verhindern, indem man die Technik einfach verplompt und die Auswertung damit der Polizei vorbehalten bleibt.

  26. highwayfloh sagt:

    Servus,

    hab mir jetzt nicht alle Kommentare durchgelesen, aber ich würde das als Taxifahrer so sehen:

    GPS-Tracking durch die eigene Firma (evtl. zusätzlich über die Taxizentrale) + stiller Alarm über versteckten Fußschalter (welcher dann ein live-GPS-Tracking auslöst).

    Vorteil: Kein ständiges Bewegungsprofil, wie es mit Maut etc. bei uns LKW-Fahrern schon gang und gäbe ist…

    Als „Kunde“:

    Kamera = Datenschutzverstoß

  27. niisama sagt:

    @knut: Doch, ich fühle mich in Bahnhöfen, Kaufhäusern und auf Plätzen mit Kameras beobachtet. Studien zeigen, dass die Menschen sogar ihr Verhalten in der öffentlichkeit deshalb ändern. Die Kriminalität geht dagegen nicht zurück. Dafür plant die EU ja jetzt Computersysteme verdächtiges Verhalten präventiv erkennen zu lassen und dann einzugreifen. Die dystopische Zukunft ist schon da.

    Und zur Kartenzahlung: Die CIA interessiert sich wahrscheinlich nicht für meine Ausgaben. Aber den Privatfirmen, die die Abrechnung erledigen, vertraue ich im Gegensatz zu meiner Sparkasse nicht. Die werten die Daten definitiv personenbezogen aus, um z. B. zu entscheiden, ob ich per PIN oder Unterschrift zahlen darf. Und ich traue ihnen auch zhu, solche Daten zu Scoring-Zwecken zu verkaufen. Darauf verzichte ich dankend und zahle bar.

  28. Knut sagt:

    Kannst du diese Studien auch benennen?

    Und warum fühlst du dich beobachtet, obwohl dich niemand beobachtet? Nochmal: da sitzt niemand hinter der Kamera und beobachtet, sondern es werden sich ständig überschreibende 24h-Aufnahmen gemacht. Lediglich in hochwertigen Kaufhäusern sitzt da noch ein Sicherheitsmann vor Monitoren.

  29. Ralf sagt:

    @knut: In London sitzen schon Beamte vor den Monitoren. Aber da sitzen halt 2 Beamte vor 24 Monitoren. Und die haben sicherlich besseres zu tun als wahllos Leuten in den Ausschnitt zu gucken. Ansonsten stimme ich dir zu. Es sind abstrakte Ängste vor unbekannten, neuen Techniken. Vor 100 Jahren sind die Leute in den Graben gesprungen wenn ein Automobil vorbei kam. Heute juckt es keinen mehr. Also reine Gewöhnungssache.

    Wie Paranoid die ganze Sache ist sehe ich an so Sätzen wie „Der Sparkasse vertraue ich, privaten Unternehmen nicht“. Als würde ausgerechnet die Sparkasse kein Scoring machen. Die sind mitunter die schlimmsten der ganzen Brüder.
    Aber was juckts mich? Sollen sie scoren bis ihnen der Kugelschreiber an den Fingern fest wächst. Wenn ich solche Ängste mit mir rumschleppen würde, müsste ich in einer Höhle im Wald wohnen. Warum ist noch keiner auf die Idee gekommen das die ISP (Internet Service Provider) heimlich die Webseiten auswerten die ich besuche um mir angepasste Werbung zu präsentieren? „Dieser Login wird ihnen von Doktor Marvin Monroe präsentiert. Der Arzt den Paranoiker vertrauen…“

    @highwayfloh: Im Taxi herrscht Hausrecht. Wenn du da mit „Datenschutz“ kommst, darfst du auch nicht mehr ins Kaufhaus.

  30. Sash sagt:

    @Ralf und Knut:
    Ich sehe da durchaus mehr als diffiuse Ängste vor einer neuen Technik. Zum einen ist die Technik nicht so neu, dass sie mir nicht von Kindertagen an bekannt wäre, zum anderen besteht – auch wenn niemand 24 Stunden vor Monitor x sitzt – dennoch auch eine reale Chance, gezielt beobachtet zu werden. Inzwischen ist man ja auch schon recht weit mit automatischer Gesichtserkennung. Dass zudem vorhandene Technik nur zu gerne über Bedarf hinaus von beispielsweise auch der Polizei genutzt wird, ist ebenfalls nicht neu – da reichen 2 Monate lesen im lawblog, um das zu merken.
    Ein kleines Bisschen lese ich da immer wieder das alte „wenn man nichts gemacht hat…“-Argument raus. Ich stimme euch in einem Punkt zu: Ich hab mich auch daran gewöhnt, am Bahnhof, in der Fußgängerzone und im Kaufhaus gefilmt zu werden. Aber ich glaube nicht, dass es deswegen eine gute Entwicklung ist.
    Und gerade so Dinge wie Scoring können sackfies werden und zweifelsohne Unbeteiligte nachteilig treffen. Ich krieg auch nicht den günstigsten Kredit bei der Sparkasse – einfach weil ich freiwillig in eine Gegend gezogen bin, die nicht den besten Ruf hat.
    Sicher, wahrscheinlich treffen eine solche Sachen nur selten negativ. Aber das heisst weder, dass es zwingend nie passiert, noch dass man das wegen fadenscheiniger Gründe hinnehmen müsste. Ich berichte beispielsweise auch verdammt gerne und viel aus meinem Privatleben. Aber ich kann euch versichern, dass man sich trotzdem selten so widerlich und hilflos fühlt, wie wenn die Polizei in der eigenen Unterwäscheschublade wühlt – und dass ich das niemandem wünsche, auch wenn es wahrscheinlich in vielen Punkten überzeugend wäre 😉

  31. Ich denke einfach, daß wir da noch einen qualitativen Unterschied machen sollten zu einer „Blackbox“ im Kofferraum, die nur von autorisierten Personen im Falle sehr eng gefasster, schwerer Straftaten geöffnet wird. Oder Kameras, die ständig ausgewertet werden können und werden. Natürlich sitzt auch im Supermarkt oft jemand da und sieht zufällig oder geziehlt auf die Monitore (siehe Shopblogger.de). Und das „nur“, weil dort auch geklaut wird und man verdächtige Personen gerne im Auge behalten würde. Früher waren es einseitig durchsichtige Spiegel zum Büro.

    Und zur CIA (ja, Extremfall und durchaus auch eine polemische Antwort auf Ralfs Polemik): ein paarmal in der gleichen Handyfunkzelle wie Terrorverdächtige. Ein falsch notiertes Kennzeichen von Zeugen. Und Dein Konto wird selbstverständlich von denen durchleuchtet.

  32. Ralf sagt:

    @Sash: Weil es Unfälle gibt, lehnen wir jetzt Autos ab? Ich hatte schon mal einen Unfall. Böse Sache das, diese Autos.
    Jede Technik KANN missbraucht werden. Und man kann sich fast sicher sein, dass sie auch eines Tages missbraucht wird. Nur ist es ein Unterschied ob man die Sache nüchtern und sachlich betrachtet oder ob man lediglich den Missbrauch dokumentiert. Im letzteren Fall entsteht natürlich ein sehr negatives Bild das dann auf die gesamte Technik übertragen wird.
    Unter den 82 Millionen Bundesbürgern wirst du immer irgend einen finden der mal negative Erfahrungen gemacht hat. Das liegt nun einmal in der Natur der Dinge. Würde ich die Summe aller Negativberichte als Maßstab nehmen, dürfte ich gar nichts mehr. Nicht einmal mehr aufstehen, ich könnte schließlich hinfallen. Aber hinlegen ist auch eine blöde Idee. Täglich sterben tausende Menschen im Bett. Vielleicht sollten wir Betten verbieten?

    Das wirklich schlimme an den Diskussionen ist die Ahnungslosigkeit mit der so mancher versucht mitzureden. Für gewöhnlich arbeiten in den Taxen Kameras die die letzten 5-10 Minuten aufnehmen und dann sofort wieder überspielen. Erst wenn ein Alarm ausgelöst wird, wird eine längere Aufzeichnung ausgelöst. Viele Ängste könnte man also ausräumen wenn man ab und an auch mal über die Technik an sich sprechen würde anstatt immer nur auf Missbrauchsfälle hinzuweisen und die Ängste zu schüren.

    Ich halte Kameras in Taxen weiterhin nicht für Sinnvoll, da sie nicht den Grund für die Überfälle aus der Welt schaffen. Meine Logik sagt mir: Kein Bargeld, kein Überfall (ausgenommen jemand will dich vergewaltigen oder dir das Taxi klauen).

  33. Deine letzten Worte sind schon zwei sehr starke Argumente pro Abschreckung (gerne auch durch Kameraattrappen).

  34. Sash sagt:

    @Ralf:
    Ich bin wirklich kein Mensch, der grundlos Panik verbreiten will. Und ich hab mich schon von einigen Dingen gelöst, die mir prinzipiell ganz gut in mein Weltbild gepasst hätten, bei denen ich am Ende allerdings die Sinnlosigkeit meiner Gegenargumente anerkennen musste. Betten müssen wir nicht verbieten, weil sie an sich nicht die Todesursache sind, und Autos bieten den großen Vorteil, individuell in großem Umfang mobil zu sein. Und obgleich ich eine weitreichende Einschränkung des automobilen Verkehrs für sinnvoll halten würde, würde ich sie niemals ganz abschaffen wollen.

    Du hast natürlich Recht: Jede Technik hat ein Missbrauchspotenzial. Das sehe ich genauso und ich habe es auch entsprechend sachlich gemeint, als ich geschrieben habe: Es gibt keine absolute Sicherheit. Das bezieht sich auf beide Seiten des Problems.
    Was mir bei den Kameras fehlt, ist der Nachweis ihrer Nützlichkeit. Denn wenn dieser ausbleibt, dann kann ich mich durchaus an den Gegenargumenten abarbeiten. Das Problem ist die äußerst komplexe Wirkungsweise von Kameras in ihrer Form als rein abschreckende Maßnahme. Die auf der einen Seite erwünschenswerte Abschreckung auf potenzielle Räuber ist zugleich in gewissem Maße ein Hemmnis für unbedarfte Passagiere und den Fahrer. Und die von dir beklagte Ahnungslosigkeit mag in Diskussionen nervig sein – im Alltag aber Bestandteil der Maßnahme. Wer weiß, wie er die Kameras überwinden / manipulieren etc. kann, wird auch nicht mehr abgeschreckt.

    Wie schon erwähnt: Mich selbst kannste mit einer Kamera nicht groß schocken. Ich bin eigentlich zu langweilig und zu brav, im Zweifelsfall gut informiert und eine Überwachung durch meine Chefs wäre mir bei meinen Chefs herzlich egal bis willkommen.
    Warum ich so strikt dagegenrede, ist, weil es gerade in Punkto Überwachung seit Jahren wirklich nur noch in die eine Richtung geht und am Ende natürlich alles mit einem „Na komm, hier und da gibt es das eh schon, also reg dich nicht auf!“ abgetan wird. Und das ist meiner Meinung nach ein sehr gefährlicher Trend.

  35. duisburger sagt:

    Lieber Sash,

    nur zur Info, auch in Bremen ist das längst Thema und ist heute auch Gegenstand der Lokalpresse:

    http://tinyurl.com/chszodo

    Liebe Grüße

    der duisburger, der nicht aus Duisburg kommt…

  36. T sagt:

    Heute im Weser-Kurier (Bremen):
    http://www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/503264/Video-Taxis-schrecken-Raeuber-ab.html

    „Davor hatten wir etwa einen Überfall pro Woche auf unsere Fahrer. So waren es vier in drei Jahren“.

  37. […] Ich hatte vor einiger Zeit schon einmal über die Debatte zu Kameras in Taxen geschrieben. Die Diskussion ist hier im Berliner Taxigewerbe neu entfacht worden, nachdem in letzter Zeit ein – offenbar inzwischen dingfest gemachter – Serientäter mehrere Fahrer überfallen und im Anschluss die Taxen noch für eine kurze Flucht genutzt hat. […]

  38. […] Seit gestern drehen die Zeitungen mal wieder durch. Eine neue Debatte über Videokameras in Taxen. Abgesehen davon, dass in Bremen anscheinend die Taxi-Überfälle nach der Einführung von Kameras zurückgegangen sind, hat sich nix wichtiges ergeben. Folglich verweise ich zu diesem Thema auch nur auf den alten Artikel “Kameras in Taxen?“. […]

  39. Susane sagt:

    Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Weiter so!

  40. Sash sagt:

    @Susane:
    Danke für diesen späten und netten Kommentar. 🙂

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