Die MB-Braut

Ihr wisst, dass ich sehr tolerant bin. Ich weiß, dass ich selber meine Macken hab, folglich gestehe ich sie auch anderen zu. Und da ist mein Auto so ein Fall für sich. Denn schon rein aus Gewohnheit mag ich meinen kleinen Opel. Es ist zwar nicht mehr die 1925, aber es fühlt sich immer noch so an. Aber so sehr ich die Kiste mag, so sehr weiß ich auch um die Schwächen Bescheid. Als ob das das beste Auto der Welt wäre! So ein Quatsch!

Das beste Auto ist immer subjektiv.

Und ja, ich bin es wirklich mehr als nur gewöhnt, dass Leute sich extra eine E-Klasse aus der Taxischlange rauspicken. Und das ist wirklich ok. Ich freue mich zwar immer, mal 5 Minuten früher eine Fahrt zu kriegen, aber die krieg ich dann vielleicht als Großraumtaxi oder als sympathischer Typ. Und mal eben nicht. Passiert.

Ein bisschen geistig auf Abstand gegangen bin ich aber tatsächlich, als am Wochenende eine wasserstoffblonde und outfitmäßig die 80er-Jahre voll treffende Frau am Taxistand des Ostbahnhofs folgendes rumkrakehlte:

„So! Und jetzt suchen wir uns’n Schnuffi mit Mercedes! Wenn ich meine verfickte Kohle schon’n Assi in’n Hals schmeißen muss, dann aber bitte auch mit Sitzheizung und nich‘ irjend so’n Billigheimer!“

Das sind so die Momente, da würde ich mir den Stern von der Haube selbst abbrechen, wenn ich einen hätte.

Nun war das kein Ding. Ich war vierter, vor mir stand ein Prius, davor ein Mercedes – und die Pole-Position hütete ein weiterer Opelfahrer. Die wirklich unangenehm laute Dame mit ihren zwei gemischtgeschlechtlichen Anhängseln ist also zielsicher zum Zweiten und hat ihm dieses und/oder jenes ins Ohr gebrüllt. Ich hab’s ignoriert und überhört. War ja nicht meine Baustelle. Anstatt nun mitzufahren, hat die holde Schönheit nun aber die Türe zugeknallt und ist mit den anderen zum McDonald’s rein. Na jut.

Das Leben lief weiter, die ersten beiden Taxen verließen den Stand, plötzlich war die Gruppe wieder da. Und kein Mercedes mehr.

„Was’n jetzt Phase? Hat Schnucki sich klammheimlich verpisst, oder wat?“

trällerte das Blond durch die Gegend. Ich will da nicht zu viel reininterpretieren, aber ich kenne das. Vor Selbstbewusstsein strotzend befiehlt der ein oder andere Kunde gerne mal, dass wir ja nur kurz auf ihn warten müssten, um diese/jene, mindestens aber beste von allen Touren zu bekommen. Natürlich oft genug mit einer Zieladdresse, die keine fünf Kilometer entfernt liegt. Solche einseitigen Ansagen stoßen nur leider selten auf Gehör, schon alleine weil wir am Stand nix verdienen. Sicher, mit laufener Uhr warten Taxifahrer gerne auch mal länger. Aber ansonsten sind wir eben für alle Kunden frei, so ist das halt.

Aber gut. „Schnucki“ mit dem Mercedes war nun also weg. Egal. Ganz offensichtlich.

„Na los, dann nehmen wir halt die Gurke hier!“

sprach meine neue Lieblingsschreckschraube und deutete auf den Prius vor mir.

„Und jetzt verhandeln wir erstmal!“

Wer weiß, vielleicht waren das alles nur blöde Sprüche und die Fahrt war am Ende völlig ok. Ich aber war in dem Moment heilfroh, dass mein Kollege sie nicht abgelehnt hat und mir das Ganze damit erspart blieb!

Resolute Leser

Ich hatte ja schon viele lustige Touren, darunter auch viele lange. Als mich in Prenzl’berg ein Anruf ereilte, ob ich vielleicht gerade Zeit hätte, vom Bahnhof Friedrichstraße nach Falkensee zu fahren, freute ich mich dennoch ungemein. Dankbarer Gruß an entsprechenden Leser an dieser Stelle! 🙂

Was jedoch für mich auch neu war, war die erste Ansage:

„So, jetzt erstmal zum Hauptbahnhof. Da hol‘ ich mir’n Taxigutschein!“

Die Bahn hatte mal wieder Mist gebaut, soweit nichts neues. Dass das mit dem Gutschein so gut klappte, hat mich dennoch überrascht. Aber mein eigentlich recht gut gelaunter Kunde gab zu, diesbezüglich Profi zu sein. Und zwar mit allem, was dazugehört. Am Hauptbahnhof fragte er gleich noch:

„Soll ich besser gleich einen Teil zahlen – für den Fall, dass die mich festnehmen?“

Ich habe verzichtet. Und am Ende war es mit Wartezeit eine fast glatte 50€-Tour. Ich beschwere mich über gar nichts – aber ich selbst bin ja ohnehin nicht wirklich der Typ, der gerne irgendwo Stress macht. 🙂

Sammeln ist was feines …

Moin allerseits!

Ich hoffe, Ihr habt die letzten Tage auch ohne GNIT gut rumgebracht. Ich nicht wirklich. Wenn ich mal wirklich nicht mehr schreiben kann, dann liegt wirklich einiges im Argen. Tut es auch jetzt noch, gesund würde ich mich nicht nennen. Andererseits hab ich die Hoffnung, dass ich mich morgen vielleicht wieder auf die Piste wagen kann. Es wird immerhin von Tag zu Tag besser und man wird ja mal optimistisch sein dürfen.

A prospos optimistisch:

Das war ich auch bei einer Truppe französischer Jugendlicher. Also … „Jugendliche“. Alt genug zum Trinken waren sie offenbar, was sie auch schon reichlich hinter sich hatten, als sie mir am Berghain vors Auto watschelten. Sie sind sicher nicht des Alkoholpegels wegen abgewiesen worden, aber ihre Unterhaltungen waren doch schon etwas lauter. Glücklicherweise nicht, weil sie gefrustet waren oder so. Nein, dass sie nicht reingekommen sind in den Club, das hat sie nicht schockiert, aber weitergehen sollte es natürlich trotzdem. Wie das sei mit dem „Tresor“, ob das arg weit wäre und wie viel das mit 5 Personen kosten würde, fragten sie nach einer ziemlich aufgeregten Gackerrunde. Ich entgegnete, dass das wohl etwas über 8 € werden würden, was – wie zu erwarten war – dazu führte, dass ich sie in Sekundenbruchteilen im Auto hatte. Auch nachdem wir losgefahren waren, wurde ich noch einmal ungläubig gefragt, ob ich das mit dem Preis ernst meinen würde.

Tja, was willste sagen? So ist der Tarif und der Tresor liegt nur knapp 2 Kilometer entfernt. Aber klar, für mich sind die Taxipreise natürlich weit weniger eine Überraschung als für Touristen auf der Durchreise. Am Tresor angekommen kam dann, weswegen ich eingangs behauptete, optimistisch zu sein: Sie fingen an, nach Kleingeld zu graben. Das mit dem Wechselgeld ist ja immer mal wieder Thema, in dieser Nacht hat es mich auf die verhältnismäßig hinterhältige Art erwischt: Bei den Münzen.

Im Gegensatz zu den Scheinen hab ich bei den Münzen keinen Überblick, wie viel ich genau dabei habe. Da lasse ich mich gerne mal wochenlang treiben und es gleicht sich wirklich erstaunlich gut aus. Sicher, ich bin nicht der Überlebenskünstler unter den Münzbesitzern, manche Kollegen schaffen es wirklich, mit 4 Münzen im Geldbeutel rumzufahren. Pi mal Daumen würde ich vermuten, dass ich zwanzig Euro dabei habe. Das ist zwar mehr als man gemeinhin braucht – mehr als 4,90 € pro Tour benötigt man ja nicht, so lange man entsprechend Scheine hat. Aber manchmal kriegt man drei Touren hintereinander und gibt bei jeder Münzen raus. Und so war es an jenem Abend. Hier 2 €, da 2,50 €. Selbst für die Tour zu 13,80 € kurz davor bekam ich 16 €. Schön, nicht die üblichen 15 € zu bekommen, bedeutet aber eben gleich 4 € weniger Münzbestand.

Um es kurz zu machen: Hartgeldmäßig ging ich auf dem Zahnfleisch und die Jungs wühlten in ihren Portemonnaies nach den 8,30 €, die auf der Uhr standen. Sehr schnell kullerten zwei Zweier in die Hand meines Beifahrers. Dann hier noch 50 Cent, da ein Schwall Kleingeld. Das Ganze zog sich erstaunlich lange und wurde nicht eben dadurch erleichtert, dass z.B. der strubbelige Geselle hinter mir zwar eine Münze zu 2 € hinzugab, aber unbedingt Rückgeld haben wollte – schließlich wäre sein Anteil ja geringer.

Ich hab mich bewusst rausgehalten. Sollten sie doch erst einmal sammeln. Besser als dass jeder bei mir seinen Anteil zahlt. Das hab ich auch schon gemacht, das ist allerdings wirklich verheerend fürs Münzfach. Nie wieder!

Mein Beifahrer war nun, kaum 3 Minuten nach Beginn der ganzen Aktion, im Besitz einer ganzen Hand voller Münzen. Überwiegend kleinere, aber soweit ich das sehen konnte, immerhin kaum Rotgeld. Yeah! Während ich mich innerlich freute, dass das mit dem Ausgleich ja irgendwie wirklich immer klappt, zählt der Spaßvogel den Haufen durch und kommt auf 7,80 €. Respekt.
Und dann reicht mir einer von der Rückbank einen Zwanni und steckt im Gegenzug den Berg an Kleingeld ein. Tip gab es auch nicht, also hatte ich wieder 1,70 € weniger.

Also bin ich schnell zweimal ums Eck zu meiner Tanke und hab einen Kaffee geordert. Ein paar Cent in die Kasse der Mitarbeiter im Gegenzug für die Bitte, mir auf 10 € klein rauszugeben. Es geht ja immer irgendwie. Unnötig zu erzählen, dass der Ausgleich auch so gekommen wäre: Drei Mädels ließen bei einer Fahrt in den Wedding ganze 8,50 € an Kleingeld im Wagen. Außerdem hab ich im Laufe der Schicht noch 1,30 € gefunden. Irgendwie klappt es doch immer.

So, und jetzt drückt mir bitte die Daumen, dass ich morgen wieder so fit bin, dass man es als arbeitsfähig durchgehen lassen kann. Genügend Kleingeld hab ich jedenfalls … 😉

Sash, 31, Lotse

Ich kam gerade von der Autobahn. Quasi. Eigentlich bin ich nur von der Pasewalker Straße aus rüber auf die Prenzlauer gewechselt. Da nimmt man noch ein paar Meter Autobahn mit, eine Ecke, die einen in der Ortskundeprüfung den letzten Nerv kostet. Vor allem in die andere Richtung.

Aber gut, ich kam von der Leser-Tour und mir fehlten noch 20 Cent auf der Uhr, um ins – zumindest in meinen Augen: wohlverdiente – Wochenende zu kommen. Plötzlich gab mir der Wagen hinter mir Lichthupe. Oder war es eine Bodenunebenheit, die mich in den Fokus seiner Scheinwerfer rücken ließ? Sowas passiert ständig, aber ich bin da immer etwas nervös, weil ich so tatsächlich schon mal eine Tour bekommen habe. Das kann man hier nachlesen.

Ich fuhr also etwas langsamer und der Wagen setzte zum Überholen an. Ich dachte an vieles, z.B. auch daran, dass sie mich auf was aufmerksam machen wollten. Ich gebe auf der Straße auch hier und da mal Leuten ein Signal, damit sie z.B. das Licht einschalten. Vielleicht war ja bei mir das Rücklicht kaputt. Man weiß ja nie …

Ich ließ den Wagen überholen und sah hinüber. Ein schwarzer Kombi mit drei ziemlich grobschlächtigen Gesellen drin. Der Beifahrer hatte das Fenster runtergekurbelt und winkte mich rechts ran. Mein Gedanke war folgender: „Fuck, die Bullen! Ich bin nach der Autobahn sicher noch zu schnell gewesen …“
Wäre ja ein klassischer Einsatzort für eine Zivilstreife. Aber dann hätten sie doch die Kelle …

Wir haben also beide angehalten und einer der Typen ist wie ich ausgestiegen. Anstatt mich nun auf ungebührliches Benehmen hinzuweisen, fragte er mich, ob ich ihnen sagen könnte, wo die Storkower Straße sei. Nun, ähm, ja, schon irgendwie. In ein paar Kilometern links ab …
Bevor ich den Gedanken zu Ende bringen konnte, schlug er aber selbst vor:

„Would you bring us there? We pay!“

Eine Lotsenfahrt also. Immer gerne, auch wenn im Konvoi fahren nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen im Straßenverkehr gehört. Außerdem ist Vorkasse da geradezu Pflicht. Es kommt ja so schon gelegentlich (seltener als ich dachte) vor, dass Leute ohne Bezahlung abhauen. Aber wenn sie auch gleich noch in einem anderen Auto sitzen, ist mir die Gefahr dann doch zu groß. Für Verfolgungsjagden bin ich wohl inzwischen zu erwachsen. Traurig, aber wahr.

Das aber sollte kein Problem sein. Einer der Typen bot sich an, in meinem Auto mitzufahren und teilte mir dann mit, dass sie zum Generator Hostel wollten. Super Tour, über 10 €. Und wenn man eh nur noch 20 Cent braucht …
Ebenfalls von meinem Beifahrer erfuhr ich indirekt, warum die Fahrzeugbesatzung irgendwie nach 50 Jahren Knast aussah: Sie waren Kickboxer und zu einem Kampf angereist. Aus Dänemark.
Nun funktionierten ihre Handys im fremden Deutschland halt nicht und sie waren ohne Navigation aufgeschmissen. Sie hatten wohl schon mehrere Versuche, die Straße zu treffen, hinter sich und waren müde. Verdammt müde. Aber clever, dabei an ein Taxi zu denken! Lotsenfahrten sind ja – zumindest hierzulande – nicht gerade das häufigste Einsatzgebiet von uns. Und werden es sicher auch nie mehr werden dank Navis.

Ich hab die müden Fighter dann ohne Probleme in ein paar Minuten zu ihrem Ziel gebracht. Dort haben sie dann leider noch lernen müssen, dass 200€-Scheine fürs Taxi in Berlin echt eine Nummer zu groß sind, aber da waren sie schon dankbar und lieb und sahen weit nicht mehr so gefährlich aus wie bei unserer ersten Begegnung. Am Ende haben sie die 12,20 € in klein zusammengekriegt. Und ich hab Feierabend gemacht. 🙂

„Vorne, nicht hinten …“

Ein kleiner Dankeintrag ist das. Für meinen Namensvetter., „vorne, nicht hinten“.

Ich stand nämlich ziemlich frustriert am Ostbahnhof gestern Abend. Das habe ich meine Follower auf Twitter auch wissen lassen. Und dann trat plötzlich jemand neben mein Auto, obwohl ich erst an dritter Stelle war, und sagte:

„Man sollte nicht bei Twitter nach Umsatz betteln …“

Ähm ja, hm, äh, puh. Was sagt man darauf? Ich hab versucht, der Situation mehr oder weniger mit Grinsen zu begegnen. Wir waren uns nicht fremd, aber meine partielle Gesichtsblindheit kann ein Arsch sein …

Das Ende vom Lied?

„Wir fahren nach Neuenhagen.“

Schicht – also besser: halbe Schicht – gerettet. Danke. 🙂

(Wobei sich natürlich für mich die Frage stellt, was für mich jetzt falsch daran war, bei Twitter zu betteln. 😉 )

Gut gelauntes Wagnis

„Sie werden mich gleich hassen.“

meinte die junge Frau gleich zum Einstieg. Nicht gerade eine der gängigen Begrüßungsfloskeln. Also fragte ich nach, wie so ich sie hassen sollte.

„Ich muss nämlich gar nicht weit.“

„Ach so. Na das ist ja kein Problem!“

Ich hab gleich mal instinktiv eine Kurzstrecke gedrückt, auch wenn es eigentlich an den Kunden ist, das anzusagen. Ich mach’s auch seltener als früher, aber ich hab’s gemacht. Ein paar hundert Meter nach Schichtbeginn bereits Kundschaft zu kriegen, stimmt ja auch mich versöhnlich. 🙂

Es war wirklich keine weite Strecke, mit Normalpreis wären wir vielleicht knapp über einem Fünfer gelandet. Am Ziel sage ich dann, dass ich ausnahmsweise mal zu ihren Gunsten eine Kurzstrecke gedrückt hätte und es somit jetzt genau 4 € wären. Sie drückt mir einen Fünfer in die Hand und bedeutet mir, das Restgeld zu behalten.

„Das war sowieso mein letztes Bargeld.“

„Dann war das aber knapp kalkuliert …“ (vor allem ,ohne „Kurzstrecke“ zu sagen 0.o)

„Ja, aber was soll’s!? Kartenzahlung wäre ja auch noch gegangen.“

„Äh, nein. Ich hab keinen Kartenleser.“

„Na dann war’s ja umso mehr Glück …“

meint sie fröhlich und springt grinsend aus dem Wagen.

Ich stimme ja zu: Glück gehabt, alles ok. Aber wer wäre nachher der herzlose Arsch gewesen, wenn wir wegen einem Euro einen kostenpflichtigen Umweg zu einer Bank hätten nehmen müssen? Ich hab da so eine Vermutung – und die gefällt mir nicht.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Hunni Nummer 1

So langsam sind wir durch mit den Geschichten, die zur Entgegennahme von drei Hundertern am letzten Freitag geführt haben. Nur einer fehlt noch: der erste. Angefangen hat es wie die absolute Durchschnittstour an dem Abend. Da die S-Bahn zwischen Ostbahnhof und Ostkreuz ausgefallen war, sollte das genau mein Weg sein. Zu Hilfe kam mir ein Telefongespräch, das mein wenig auffälliger Fahrgast umgehend führte. Seine Frau oder Freundin erzählte ihm irgendwas von weiteren Schwierigkeiten ab Ostkreuz. Ich hab gehofft und gehofft, schließlich gab es auch einen Ersatzverkehr nach Erkner. Wenn er die Strecke jetzt mit dem Taxi fahren sollte … na, holla die Waldfee!

„Sagen Sie, was würde das denn kosten, wenn wir nach Erkner fahren?“

„So 40 bis 50 €. Nach Außerhalb ist Verhandlungssache, ich würde da aber gerne nach Uhr fahren.“

Und er nahm an. Yes!

Meine Freude war wirklich groß, das brauche ich Euch vermutlich nicht erklären. Mal eben 40 € sofort statt 9 €, ich hab schon wegen weniger Geld Blogeinträge geschrieben. 😉

Aber das sollte es nicht gewesen sein. Kaum zwei Minuten später folgte eine weitere Frage:

„Sagen Sie, kennen Sie Fürstenwalde?“

„Kennen? Naja. Ich war zweimal dort. Also ich weiß grob, wo’s ist.“

„Was würde es mich kosten, wenn wir dahin fahren?“

„Dann kommen wir in den dreistelligen Bereich. Hundert Euro fix.“

„Wenn Sie 80 machen, fahren wir hin.“

Das war alles andere als ein Superdeal. Wenn wir realistisch einfach mal den Schnitt betrachten, dann sind 80 € für 70 km (die Strecke über die Autobahn) eigentlich nicht drin. Das wäre allenfalls sinnvoll, wenn ich auf dem Rückweg gleich in Rahnsdorf Kundschaft gehabt hätte. Wovon nicht auszugehen war, da ich ebenfalls über die Autobahn zurückfahren wollte.

Aber ich hab angenommen. Ich hätte es wohl nicht getan, hätte er mich am Stand gleich gefragt. Aber nun saß er schon im Auto, ich wusste schon, dass es eine angenehme Fahrt werden würde. Außerdem hatte er klargestellt, dass es die Fahrt sonst gar nicht geben würde. Die beste Begründung für mein Einlenken hat er allerdings unbewusst ein paar Minuten später auf der Autobahn gegeben:

„Ich pendel seit 11 Jahren und das ist das erste Mal, dass ich Taxi fahre …“

Da hab ich keinen Dauerkunden mit Billigpreisen geködert, sondern aus einer einmaligen Fahrt nochmal ein Plus von 40 € rausgeholt. Das ist ok.

Für mich im Übrigen sowieso. Bei dem Thema laufen zwei Argumentationslinien durcheinander. Für mich als Fahrer hätten sich auch 60 € noch gelohnt. Denn die Fahrt hat mich keine zwei Stunden inkl. Rückfahrt gekostet. Und 30 € Stundenumsatz sind außerhalb Silvesters einfach hammergut, selbst an Tagen mit Bahnausfällen. Weniger lohnend war das vor allem für meine Chefs, weil die nun pro gefahrenem Kilometer einfach verdammt wenig Geld bekommen haben. Ein paar Rechenschritte überspringend sehe ich im Ergebnis für die Tour nur rund 25 ct/km für sie zur Verfügung, um das Auto zu unterhalten und (kleiner Scherz bei der Zahl) Gewinn fürs Unternehmen zu erwirtschaften, während es sonst eher 40 bis 45 ct sein dürften. Dauerhaft solche Fahrten und ich wäre arbeitslos. Aber, und das ist das Schöne daran: Als Ausnahme kann man das mal machen und sich über das Plus im eigenen Portemonnaie freuen. Deswegen bin ich froh, die Chefs zu haben, die ich habe. 🙂

Ach ja, um zur Fahrt zurückzukommen: Die wurde mir dann mit den „eisernen Reserven“ des Fahrgastes gezahlt, die er für Notfälle dabei hatte. Das Stadium, immer einen Hunni als Notfallgeld im Portemonnaie zu haben, möchte ich ja auch gerne mal erreichen. Was ich dann allerdings im Gegensatz zu meinem Fahrgast machen würde, ist Trinkgeld geben …