Taxifahrer, Spätis und das Gesetz

Nun soll es also keine Veränderung des Ladenschlussgesetzes geben, den Berliner Spätis soll es nicht erlaubt werden, Sonntags zu öffnen. Wie man an der gestrigen Reaktion in den Medien gemerkt hat, bietet das durchaus Stoff für Diskussionen – und diese werden auch geführt. Ich hab das Thema öfter mal nebenbei angeschnitten, gerade neulich wieder in den Kommentaren, aber ich möchte jetzt auch mal hier mit dem Klöppel vor der großen Glocke stehend dazu etwas sagen.

Ich finde die Einschränkung des Ladenschlusses schon seit jeher bescheuert, wirklich auf die Palme aber bringen mich regelmäßig die Argumente der Gegner. Wer sich nicht gleich als geistgläubiger Religionsanhänger outet, wuselt mit Argumenten zur Ausbeutung der armen Beschäftigten durch die Diskussion. Beidem fehlt ein wichtiger Bezug: Der zur Realität. Zumindest zu einem Teil davon.

Die christliche Tradition der Sonntagsruhe hat es zu Verfassungsrang gebracht, ein Artefakt der Menschheitsgeschichte, das einmal mehr klarmacht, dass man mit Formulierungen vorsichtig sein sollte, da sie sich von Nachgeborenen mitunter idiotisch auslegen lassen. Der Traum eines arbeitsfreien Sonntags ist seit über 100 Jahren ausgeträumt und das mit gutem Grund: Es nützt der Gesellschaft und dem einzelnen. Sicher brauchen wir alle mal eine Auszeit, de facto sichert uns die allerdings schon das Arbeitnehmerschutzgesetz – über dessen Einhaltung man sich mal eher Gedanken machen sollte als über eher dogmatische als sinnvolle Öffnungszeiten.

Man kann von der Schnelllebigkeit der Welt halten was man will, gewisse Vorteile der schrittweisen Aufweichung des arbeitsfreien Sonntags wissen wir alle zu schätzen. Ob es die wirklich lebensrettenden Einsätze von Ärzten, Polizisten oder Feuerwehrleuten sind oder doch nur die Möglichkeit, abends bei Bedarf an der Tanke noch Knabberzeug zu kaufen. Und ich als Taxifahrer in der Nachtschicht sehe mich bei der Frage durchaus auch auf dem Prüfstand:

Ist meine Arbeit unnötig?

Im Grunde ja, zumindest hier in Berlin. Das ÖPNV-Netz ist gut erschlossen und mit ein paar Abstrichen auch nachts absolut brauchbar. Jeder kommt überall hin um jede Uhrzeit. Klar, man muss warten, Zeit einplanen und am Ende ein bisschen laufen – aber für die, die das nicht können, gibt es ja noch Rettungswagen und Behindertentransporte.

Aber ich bin nicht der einzige. Clubs haben am Wochenende auf, Restaurants, Bars – die ganze Gastronomie. Fiele das weg, würde Berlin ebenso belächelt, wie wenn es keine Hotels mit 24-Stunden-Rezeption bieten würde. Darüber hinaus werden tatsächlich auch Busse und Bahnen von Menschen gelenkt. Sogar nachts. Auch am Sonntag.

Mir liegt nicht viel an Schwarz-Weiß-Denken – es ist also ok, darüber nachzudenken, ob es nicht Ausnahmen geben könnte. Aber warum ausgerechnet der Einzelhandel? Während Schichtarbeit in Fabriken erlaubt ist, jede Menge Dienstleistungen rund um die Uhr, ja 24/7, angeboten werden, muss ausgerechnet der Einzelhandel gezähmt werden? Wieso? Beziehungsweise: Wieso sollen Sonntags Bäckereien geöffnet bleiben, nicht aber wenn sie nebenbei Zigaretten verkaufen? Wieso darf ich Sonntag früh nach der Arbeit zwar Blumen kaufen, nicht jedoch Zwiebeln? Und was ist eigentlich mit eingepflanzten Zwiebeln?

Dass ich morgens um 5 Uhr Menschen in den Puff fahre, ist gesellschaftlich akzeptiert – aber dass ich mir um 7 Uhr ein Feierabendbier bei einem Späti hole, widerspricht den christlichen Traditionen? Hier im atheistisch geprägten Ost-Berlin? Hat dieses Land noch alle Latten am Zaun?

Und nein: Ich vergesse und übersehe die armen Beschäftigten in den Supermärkten und Spätis nicht. Die müssen laut Gesetz zum einen einen finanziellen Ausgleich bekommen, zum anderen sind für eine ausbeuterische Unterdrückung noch ganz andere Faktoren entscheidend als nur die Arbeitszeit. Dass die Bezahlung auch Mittags um 12 Uhr scheiße ist, wird gekonnt ignoriert und dagegen scheint auch die Kirche nichts zu haben (was kein Wunder ist, schließlich speisen eine Menge kirchlicher und kirchennaher Vereine und Organisationen ihre Mitarbeiter ebenso mit Hungerlöhnen ab).

Das Problem – so es überhaupt eines gibt – liegt wirklich nicht an der Tageszeit. Ich arbeite nachts und ich liebe es. Ich arbeite auch gerne am Sonntag und an Weihnachten und ich bin da sicher nicht alleine. Es gibt allenfalls kleine Mankos. Zum einen bin ich eingeschränkter in meinen Einkaufszeiten, zum anderen läuten diese verschissenen Kirchenglocken immer während meiner Schlafenszeit. Wenn es nach mir geht, sollte man daran was ändern …

57 Kommentare bis “Taxifahrer, Spätis und das Gesetz”

  1. fastdäne sagt:

    Moin, moin Sash
    deine Betrachtungen zur Sonntagsöffnung haben mich nachdenklich gemacht. Wie du schon sagst, ist es in vielen Bereichen völlig normal (geworden), dass Sonntags gearbeitet wird. Hier gibt es nun aber Bereiche, wo es zum Wohle der Gesellschaft unumgänglich ist, dass Dienst getan wird. (Notärzte, Pflege, Bus u. Bahn, Taxis usw.)
    Bei vielen anderen dient die Sonntagsarbeit aber der Optimierung von Fließbandarbeit oder anderen Produktionsprozessen.
    Selbst bei Tankstellen kann man darüber nachdenken, ob den in jeder Ecke ein 24Std-Dienst erforderlich ist. Hier geht es nicht um das Wohl der Kunden, es geht nur nur nur um eine Gewinnmaximierung!
    Ich finde es wichtig, dass sehr genau geprüft wird, wer am Sonntag Umsatz machen will. Meine neuen Jeans kann ich ohne Probleme zu normalen Zeiten kaufen, das klappte auch zu Zeiten von Nachtschichten auf dem Taxi.
    Der gemeinsame frei Sonntag diente als Ankerpunkt des geamten Familielebens. Dies zum einen in der Kernfamilie es geht aber auch um Besuche in weiteren Familienkreisen. Wie soll das klappen, wenn der eine am Dienstag frei hat, der nächste am Freitag usw. ?
    Auch diese Argumente decken nur einen kleinen Teil der Thematik ab. Ich habe nicht die perfekte Lösung, totale Liberalisierung kanns aber nicht sein.
    Gruß aus dem Norden
    Frank

  2. fastdäne sagt:

    Hallo Sash
    habe da oben ein PS vergessen

    Kirchenglocken am Sonntagmorgen habe ich damals auch verflucht! Der Glockenturm stand nur ein paar hundert Meter entfernt! 🙂

  3. der Schwob sagt:

    Das sehe ich genauso…wenn man schon am maulen ist, dass die ArbeitnehmerInnen aushebeutet werden sollte man daran mit mndestlohn reagieren…aber das würde geld kosten. Ausserdem sind wir doch mal realistisch…im späti/tankstelle sind manche dinge teurer…doch auch auf dem teureren preis sind 19% Märchensteuer…also sollte sich keiner besxhweren das läden auch zu unchristlichen zeiteb öffnen und der bevölkerung den konsum eermöglichen

  4. Nietnagel sagt:

    Naja, das Kirchenargument finde ich auch dämlich. Sollen die blöden Pfaffen bleiben, wo der Pfeffer wächst. Gerade in nicht religiös-gläubigen Gegenden ist das überhaupt nicht nachvollziehbar.
    Das Argument mit den Arbeitszeiten für Arbeitnehmer finde ich da schon besser. Gerade im Niedriglohnbereich in der Gastronomie oder im sonstigen Dienstleistungsgewerbe sind die Arbeitnehmer gerade nicht in einer Position um höhere Löhne für Wochenend- und Nachtarbeit durchzusetzen. Die Realität und die Gesetzeslage gehen da halt gerne aneinander vorbei. Der Blogautor bekommt doch für seine Nachtarbeit auch nicht mehr Geld als der Tagschichtfahrer, oder? Und ist es wirklich nötig am Sonntag bei Aldi oder Lidl einkaufen zu gehen? Kann man das wirklich nicht an den anderen 6 Tagen schaffen, wo viele Einzelhändler mittlerweile von 7 – 22 Uhr auf haben? Ich will das nicht glauben.

  5. breakpoint sagt:

    Grundsätzliche Zustimmung!
    Ich habe auch kein Problem damit, am Sonntag zu arbeiten. Dann bleibt mir mehr freie Zeit unter der Woche (die ich dann z.B. zum Einkaufen nutzen kann – am Sonntag geht das ja nicht).

    Die Ladenöffnungszeiten sieht man in anderen Ländern viel lockerer.

  6. Thomas sagt:

    Die vorgetragenen Argumente sind nachvollziehbar und eine Diskussion wert. Es ist allerdings schade, dass viele Leute beim Thema Kirche alle Hemmungen fallen lassen. „Verschissene Glocken“, „Pfaffen dahin wo der Pfeffer wächst“… Und mit Verlaub: Wer eine Wohnung „ein paar hundert Meter“ neben einem Glockenturm bezieht, der weiß eigentlich, worauf er sich einläßt.

  7. Thomas sagt:

    Ich finde es gut, wenn es einen wöchentlichen Ruhetag gibt. Das der halt christlich begründet ist, geht mir ziemlich am Arsch vorbei. Selbstständige Einzelhändler dürfen sich wegen mir auch gerne hinter Ihre eigene Kasse stellen und verkaufen, aber wenigstens Arbeitnehmer sollten im Prinzip zumindest in den Berufen, in denen die Sonntagsarbeit noch nicht üblich ist, auch bestmöglich davor geschützt werden.

    Ich freue mich jedenfalls auf Sonntage, an denen ich zwar hin und wieder ein bisschen selbstständig vor mich hinprogrammiere, aber zumindest keine Kunden anrufen oder der Postbote klingelt.

  8. scf sagt:

    Ich schliesse mich Thomas da an – irgendwie wirkt es entspannend, wenn an einem Tag der Woche der Penny nebenan mal zu hat und die Stadt ruhig wird (zumindest in der kleinen Großstadt, in der ich gerade lebe ist letzteres der Fall. Man merkt den Sonntag). Früher war ich eigentlich auch pro Sonntagsöffnung von Läden und allem, aber je mehr Erfahrung ich selbst mit Wochenendarbeit im näheren Familienkreis gesammelt habe, umso mehr tendiere ich zum freien Sonntag. Und ja, auch aus Eigennutz, eben weils mir gefällt, dass So vieles ruhiger ist.

    Was bei der „die anderen arbeiten auch“-Argumentation für mich bisher unter den Tisch gefallen ist, ist dass diejenigen, die zB in Bus und Bahn oder an den Tankstellen arbeiten, wußten, dass sie vermutlich Sonntags arbeiten müssen. Die Leute im Einzelhandel haben ihren Beruf vermutlich auch mit dem Hintergedanken gewählt, Sonntags eben frei zu haben, außer an vielleicht ein, zwei Sonderaktionen pro Jahr plus vielleicht der gelegentlichen Inventur. Es ist in meinen Augen utopisch, dass sich die VerkäuferInnen dann aussuchen können, ob sie Sonntags arbeiten oder nicht, sobald das kippt, wär vermutlich auch der Zwang da, genau wie in der Pflege oder sonstwo. Klar, man kann damit argumentieren, dass sich sowas halt verändert und ich sehs auch ein, dass ein Umbruch immer damit zusammenhängt, dass sich viele Leute erstmal in einer ungeplanten Situation wiederfinden, aber ich denke eben schon, dass man damit denjenigen mit Familie echt ins Fleisch schneidet. Es kommt ja auch noch hinzu, dass dann optimalerweise Kitas und Krippen oder Horte auch Sonntags auf haben müssten, damit alleinerziehende Eltern ihre Kinder dort unterbringen können, wenn sie arbeiten müssen (gerade im Einzelhandel arbeiten viele alleinerziehende Mütter). Für Eltern wär so eine Regelung generell Gift, denn viel Zeit bleibt mit den Kindern unter der Woche ja auch nicht.

    Ich bin da glaube ich so familienfixiert, weil ich es, seit meine Mutter in der Betreuung von Dementen arbeitet (und entsprechend so eingesetzt und schichtmässig herumgeschoben wird wie die normale Pflege auch), in zwei Jahren zweimal geschafft habe, sie so besuchen zu fahren, dass wir da beide gleichzeitig frei hatten (und sonst lohnt es sich kaum, ist halt ne halbe weltreise). Und ich hatte neben dem Studium „nur“ einen Samstagsjob, sie dafür dann eben oft Sonntags und variabel..ich kann mir vorstellen, dass es so dann halt einfach für ne noch größere Bevölkerungsgruppe laufen würde und das fänd ich einfach unschön.

  9. Pagaban sagt:

    Sach mal, was ist denn heut‘ mit Dir Los?

    Ich kann mich noch sehr gut an Zeiten errinnern, da waren die Geschäfte bis 18:00 Uhr geöffnet. Ist zwar schon lange her, ging aber wunderbar (ja, das waren auch die Zeiten, in denen wir alle ohne einen mobilen Handfernsprecher leben konnten). Ich mochte und mag eigentlich immer noch die etwas ruhigere sonntägliche Stimmung auf den Strassen. Es ist halt nicht so viel los, weil viele einfach nichts zu tun haben.
    Ich weiß nicht was daran toll sein soll den einzig verbliebenen „Ruhetag“ zu hektisieren.
    Ganz im Gengenteil. Ich würde mir wünschen, die Arbeiten am Sonntag auf ein absolutes Mindestmaß zu reduzieren.

    Es ist sehr interessant mitanzusehen, was die ganzen Lobbygruppen der Arbeitgeber und Profitgeier mit einem Gehirn anstellen können, dass nur ca. 12 Jahre später enstanden ist als das Meinige.

    Nix für ungut Sash, Du hattest halt nicht die Möglichkeit Deinen Geburtstermin vorzuverlegen

  10. Lutz sagt:

    Ich freue mich darüber, das ich am Sonntag arbeiten kann und dann einen „normalen“ Tag in der Woche frei habe.
    Wenn ich Sonntags frei hätte, wäre das für mich ein toter Tag, da ich da z.B. eben nicht einkaufen gehen kann.

    Wenn jemand das nicht schafft, einen Familientag in der Woche zu organisieren, dann halte ich das eher ein Zeichen dafür, das die betreffenden Personen einfach ziemlich mies im organisieren sind.
    Wir haben da seit vielen Jahren (zwei unterschiedliche Schicht-Systeme und zwei Kinder, die in unterschiedlichen Bundesländern .- also auch mit unterschiedlichen Ferien) keinerlei Probleme.

  11. Lutz sagt:

    da fehlt ein „zur Schule gehen“. Grmbl…

    Ich bin Baujahr ’70, kenne die Zeit des 18 Uhr Ladenschlußes also noch sehr gut. Und ich habe ich schon damals gehasst.
    Das war für mich immer so sinnvoll wie ein Klumpfuß.

  12. /me sagt:

    Hallo,

    das Ladenschlußgesetz halte ich auch für völlig überzogen. Da passieren dann so merkwürdige Dinge, dass jemand in der Kirche (so Leute gibts – wenn ich auch nicht dazugehöre) den Lebensmitteleinzelhändler anspricht, dass sie/er Brot/Mehl/Zucker/sonstwas braucht. Der Kramer nimmt nach der Kirche seinen Schlüssel geht in den Laden, verkauft das Produkt und sperrt wieder zu. Irgend ein Paragraphenheini bekommt das mit und zeigt das an.

    Und ja, die Lebensmitteleinzelhändler haben meist von 8 oder 9 bis 12 und von 14-18 Uhr offen, samstags 8-12, ganz von selbst. Es gibt wahnsinnig viele Händler, die ihre Öffnungszeiten auf 8-10 Stunden pro Tag und samstags halbtags einschränken, obwohl bei uns 6 Tage die Woche bis 20 Uhr drin wäre.

    Das Ladenschlußgesetz ist überflüssig wie ein Kropf, was aber auf jeden Fall erforderlich ist, ist eine zuverlässige Regelung, dass Tagesrandzeiten, Nachtschichten und Wochenenden mit Aufschlägen von 50-150% zu bezahlen sind, oder besser: das 1,5-2,5-fache in Arbeitszeit wert sind (ala wer sonntags eine Schicht macht, hat dafür zwei Schichten unter der Woche frei). Denn dann wird da nur aufgemacht, wenn es was bringt, und die Mitarbeiter haben auch was davon.

  13. Michael sagt:

    Volle Zustimmung zu dem Artikel, Sash.

    Ich finde es ein ums andere Mal amuesant, mit welchen Argumenten fuer die Aufrechterhaltung eines Verbots argumentiert wird. Schaut euch doch mal in anderen Laendern um, da geht die Welt auch nicht unter, wenn Laeden an 7 Tagen die Woche oder rund um die Uhr offen haben. Als seinerzeit der lange Donnerstag eingefuehrt wurde (bis 18:30!) hatte man den Eindruck, es stuende der Untergang des christlichen Abendlandes bevor – heute nehmen wir es als gegeben hin.

    ich will aber mal ein auf ein paar der anderen Kommentaroren eingehen:
    Pagaban: ja, ich kann mcih auch noch dran erinnern, als nur bis 18:00 Uhr und Samstag nur bis 13:00 Uhr offen war. Interessant ist auch, dass es mal ne Zeit gab in Deutschland, wo das gar nicht geregelt war. Und ich denke nicht, dass damals jemand am Sonntag nichts verkauft hat, wenn ein Kunde an seine Ladentuer klopfte. Uebrigens, es ist tatsaechlich sehr interessant, in welchen Jahren es Aenderungen an den Ladenschluss-Zeiten gab – am laengsten Bestand hatte uebrigens die Regelung, die im Jahr ’38 in Gesetzesform gegossen wurde: weitgehend naemlich bis in die ’80er Jahre.

    scf: ja, Sonntags ist es ruhig. Ausser du wohnst an nem Touristenort, der so in 1,2h Fahrzeit von ner Grossstadt aus zu erreichen ist. Da ist dann die Hoelle los. Wie kann man es denn argumentieren, dass die Restaurants und die Infrastruktur dort ggf. am Sonntag noch extra ‚hochgefahren‘ wird?

    fastdaene: Gewinnmaximierung ist doch das was Wirtschaftsbetriebe machen sollen, oder? Oder mal anders rum ausgedrueckt: wenn es sich nicht rechnen wuerde, dass da offen ist, dann machen die Betriebe doch von selbst zu. Keiner wuerde in unrentablen Zeiten Personal bezahlen.

    Thomas: was sind denn Berufe, in denen Sonntagsarbeit ueblich ist? Nehmen wir da jetzt unseren aktuellen Stand? Oder den vor 10, 20, 50, 100 Jahren? Vor 30 Jahren wars noch nicht ueblich, dass es 24/7 Fernsehprogramm gibt, da gabs vielleicht ein Vormittagsprogramm, mit Wiederholungen vom Vortag, dann Testbild, Nachmittags gings dann um 4 oder 5 wieder los und um Mitternacht war Sendeschluss (naja, damals war vielleicht die Qualitaet besser, aber das ist ein anderes Thema). Der normale Dorfpolizist hat vor 50 Jahren auch nicht in 3 Schichten abwechselnd Dienst geschoben, gut aber dafuer wusste man wo er wohnt und hat ihn bei Bedarf ausm Bett geholt. Das es am Montag morgen ne frisch gedruckte Zeitung gibt (telweise im eigenen Briefkasten), ist auch nur der Tatsache geschuldet, dass da ne Menge Leute am Sonntag und in der Nacht gearbeitet haben – vor 100 Jahren gabs das noch nicht.

    Aber stellt euch doch wirklich mal die Frage: warum sollen bestimmte Berufsgruppen nur ‚geregelt‘ also, von Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr arbeiten, bei anderen aber nehmen wir es einfach so hin, dass ihre Produkte bzw. Dienstleistungen immer oder vielleicht auch gerade in den arbeitsfreien Zeiten der ‚geregelt arbeitenden‘ angeboten werden?

  14. fastdäne sagt:

    @ Thomas,
    sorry, das mit dem Kirchenturm war wohl missverständlich. Klar habe ich „geflucht“, die Wohnung war eben nicht wirklich Nachtschicht tauglich Ich wollte aber nix gegen Gottesdienst etc gesagt haben, ich bin durchaus aus Überzeugung Kirchenmitglied.
    Zum Thema allgemein: ich finde der Blick ins Ausland hilft nicht wirlich. Wir haben hier eben immer noch eine Gesellschaft, in der viel privates Leben am Wochenende stattfindet. Dazu gehört eben auch am Samstag feiern zu können und am nächsten TAg auszuschlafen.
    Die Öffnungen in Badeorten halte ich auch nicht für gelungen. Warum muss ein Badegast im Urlaub tun können, was er im Alltag nicht kann? Gerade im Urlaub ist doch Zeit fürs Shoppen in der Woche. Gastronomie in den Orten muss natürlich sein.

  15. ja Sash, du bringt es auf den Punkt – Uneingeschränkte Zustimmung!

  16. Hannes sagt:

    @fastdäne

    Sorry, aber du widersprichst dir da gerade selber. Warum muß Gastronomie an Urlaubsorten auch am Sonntag sein?
    Jedenfalls mehr als sonstwo.
    Gerade im Urlaub braucht man doch nach deinem Standpunkt besonders Ruhe. Und das ist doch durch volle und laute Gastronomie nicht mehr wirklich gewährleistet….
    Naja, bei Fanatiker kann man nichts anderes erwarten.

  17. opatios sagt:

    @Hannes:
    Gastronomie an Urlaubsorten muss deswegen sein, weil die Urlauber für gewöhnlich ihre Küche von daheim nicht mitgenommen haben, aber auch am Sonntag „richtig“ essen wollen und sich nicht mit am Samstag gekauftem Brot, Dauerwurst und Äpfeln begnügen wollen. Bei Dir mag das vielleicht anders sein, doch schließe bitte nicht von Dir auf andere.

    Sicher, es gibt viele Einrichtungen, die am Sonntag nicht unbedingt geöffnet sein MÜSSEN, es kann sich ja bestimmt so gut wie jeder darauf einstellen… doch die Frage ist, wo liegt die Grenze? Die ist fließend, und das schon seit Jahren.

    Mal beschränkt auf Einzelhandel: Sonntags dürfen schon seit Jahren Betriebe öffnen, die „Reisebedarf“ an Verkehrsknotenpunkten anbieten, auch die Tankstellenshops zählen dazu. Die Tankstellen haben damit angefangen, ihr Sortiment massiv auszuweiten: Alles, was die Leute unterwegs so kaufen und mitnehmen wollen, ist auf einmal „Reisebedarf“, bis hin zu hochpreisigen Spirituosen, Filmen auf DVD und Grillkohle. Ein bekannter Discounter eröffnete eine Filiale in einem Bahnhofsgebäude und durfte damit auch sonntags öffnen- ohne starke Einschnitte im Sortiment soweit ich weiss. Und da der Mensch ein fühlendes Wesen ist, fühlt er gelegentlich auch „Neid“ und sagt „was der da kann und darf, das muss ich auch können und dürfen“ und schon sind wir mitten in der Debatte…

  18. Klaus sagt:

    @Michael:
    Aber stellt euch doch wirklich mal die Frage: warum sollen bestimmte Berufsgruppen nur ‘geregelt’ also, von Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr arbeiten, bei anderen aber nehmen wir es einfach so hin, dass ihre Produkte bzw. Dienstleistungen immer oder vielleicht auch gerade in den arbeitsfreien Zeiten der ‘geregelt arbeitenden’ angeboten werden?
    Weil man als Arbeitnehmer die Wahl hat. Wurde auch schon angeführt.
    Gastronomie wird von den Leuten vorwiegend genutzt, wenn sie frei haben. Dann haben sie Zeit dazu. Wenn du dort arbeitest, weisst du das sicherlich.
    Vielen Leuten, mir auch, ist es aber einfach wichtig einen ruhigen Pol in der Woche zu haben. Einen freien Tag, wo man etwas mit Freunden oder der Familie machen kann (weil die großteils auch frei haben!). Wo die Kinder nicht in der Betreuung sind, sondern den ganzen Tag bei den Eltern.
    Sicherlich kann man auch ohne Leben. Schön, dass Lutz mit seiner Situation so gut klarkommt. Aber es gäbe dann sicherlich auch Fälle, wo das nicht so einfach möglich ist. Und das nicht unbedingt nur aus Doofheit oder mangelndem Organisationstalent.
    Und die Alleinerziehenden halte ich auch für ein sehr gutes Beispiel.

    Ob es dazu explizite Verbote geben muss, weiß ich nicht. Vielleicht reicht ein Modell mit gesetzlich geregelter deutlich höherer Vergütung für Nicht-Werktags 7 – 20 Uhr. Ich befürchte allerdings auch, dass mit dem fehlenden Verbot schnell die vieles einreisst und dann Zwänge entstehen.

  19. Laura sagt:

    Seh ich das richtig, geht es nur um die Spätis? Bei uns in NRW sind die immer auf, glaube ich. Aber die heißen ja auch Büdchen oder Trinkhalle;-)
    Und ich finde das super. Und ich glaube auch, einige der Studenten, die da oft arbeiten. Natürlich sind es oft schlecht bezahlte Nebenjobs, aber man kann sie halt nebenbei gut machen.
    Ich bin jetzt erst in Bawü gewesen (da gibt es das quasi nicht) und nun in Kanada. Hier haben die Geschäft ALLE sonntags auf. Nimmt dem Sonntag das ungestört faul sein können und hat für mich keine Vorteile. Aber man sollte es einfach freistellen und nicht reglementieren, zB unter einer gewissen Shopgröße oder so…

  20. Sash sagt:

    @fastdäne:
    Ich will auch nicht bestreiten, dass ein Ruhesonntag Vorteile hätte. Aber die Frage, was zum Wohle der Gesellschaft nötig ist, ist auch immer Ansichtssache. Tankstellen würden sicher viele als unnötig ansehen, andere als unverzichtbar. Und sobald etwas unverzichtbar ist, ist plötzlich auch egal, wie die Arbeitsbedingungen sind. Nachdenken kann man gerne über alles, die Argumente beim Einzelhandel sind jedoch meist an den Haaren herbeigezogen.

    @Nietnagel:
    Die Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit sind gesetzlich festgelegt. Und selbstverständlich bekomme ich die auch – wobei das bei mir mehr auf eine Steuererleichterung als auf einen höheren Lohn rausläuft. Aber am Ende hab ich für die selbe Arbeit mehr Geld in der Tasche. Und ja, man kann einkaufen. Könnten wir auch alle nur am Mo/Di 0-13 Uhr machen. Trotzdem werden an den restlichen Tagen andere Menschen arbeiten. Wo bleibt die Gerechtigkeit? Was macht den Einzelhandel so besonders?

    @Thomas (1):
    Weil Religion bekloppt ist. Ganz einfach.

    @Thomas (2):
    Warum muss der Gemüsehändler geschützt werden, der Blumenverkäufer aber nicht?

    @scf:
    Das ist ein nachvollziehbares Argument mit den Familien. Sicher. Aber hunderttausenden Leuten muten wir diese Problematik jetzt schon zu, für diejenigen verschärft sich die Situation dadurch, dass z.B. Läden nicht geöffnet haben. Wie sieht denn der Familiensonntag aus, wenn der Vater Taxifahrer und die Mutter Krankenschwester ist? Die freuen sich sicher, dass sie am Sonntag ihr Kind nicht in die Kita bringen können und nicht einkaufen dürfen …

    @/me:
    Richtig. Ich würde mir beispielsweise wünschen, dass der Kaiser’s hier schon um 5 oder 6 Uhr aufmacht. Macht er aber nicht, weil es sich nicht lohnt. Und von Erzählungen weiß ich, dass die verkaufsoffenen Sonntage nicht die unbeliebtesten Schichten sind.

    @Michael:
    *sign* 🙂

    @Klaus:
    Auch Dir nochmal: Die Aufschläge gibt es doch, das ist längst geregelt. Und den ruhigen Pol in der Woche müssen sich viele Menschen irgendwie an irgendeinem Tag organisieren. Von den Leuten, die jetzt bereits zu „unmöglichen“ Zeiten arbeiten, hab ich noch nie die Beschwerde gehört, dass die Läden an ihren freien Tagen offen hätten.

  21. puck of pook's hill sagt:

    das ausmass an intoleranz und agressivität sobald irgendwie religion in’s spiel gezogen werden kann, ist abstossend!
    auch die menschendwürde ist produkt des christentums (ich brauche jetzt keine dümmliche diskussion darüber!), aber das geschrei wäre gross, wenn die deswegen für obsolet erklrät und aus dem gg gewünscht würde.

    dass der sonntag ursprünglich religiös begründet zum „tag der seelischen erhebung und arbeitsruhe“ wurde, ist daher vollkommen irrelevant.
    faktum ist, dass der sonntagsschutz verfassungsrang geniesst und die kirchen, aus welchem grund auch immer und längst nicht als einzige, darauf pochen, dass die verfassung nichtmal eben für irrelevant erklärt werden kann, nur weil’s gerade unbequem ist.

    diejenigen, die ihre argumentation für die sonntagsfreigabe zuallererst oder prominent mit kirchen- und religionsbashing verbinden, habe idr argumentativ wenig zu bieten und paradieren lediglich ihre intoleranz.

    aber jemandem, der einfach nur „Weil Religion bekloppt ist. Ganz einfach“ von sich gibt, wenn er auf seine aggressivität und intoleranz angesprochen wird, ist wohl kaum an einer echten diskussion interessiert, sondern sucht bestätigung seines standpunktes.
    oder, um im duktus zu bleiben: „ein linker halt“

    über sinnhaftigkeit der öffnungszeiten ist damit nichts gesagt (aber das wolltest du auch gar nicht wissen)

  22. Sash sagt:

    @puck of pook’s hill:
    Naja, im Gegensatz zu Dir hab ich einen Blogeintrag dazu geschrieben und mich dabei keineswegs nur auf die Kirche bezogen. Und nein, bei Religion brauche ich wirklich keine Diskussion – und die Gläubigen offenbar auch nicht. Also wozu?
    Mal eben kurz die Verfassung aus den Angeln heben ist sicher nicht mein Interesse, aber eine Klärung, ob dieses Gesetz noch zu Recht dort steht, wäre vielleicht trotzdem mal angebracht. Bei allem Respekt für die deutsche Verfassung: Sie hat auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und es hat sich einiges geändert in der Zeit.
    Über diesen Halbsatz hinaus bleibt dein angepisster Kommentar aber erfrischend argumentfrei. War mir eine Freude, Dir auf den Schlips zu treten.

  23. Hannes sagt:

    @opatios
    Entweder hast du nicht richtig gelesen, oder schlicht es nicht verstanden….

    @fuck of pooh ach ne, pook of puuuh äh.. ach egal.
    Die Menschenwürde ist definitiv nicht Produkt des Christentums – denn dann würde es die in vielen Teilen der Welt nicht geben. Und das ist schlicht Blödsinnn.
    Und Fakt ist auch, das es ein ziemlich unhaltbarer Zustand ist, das ein solche religiös begründetes Verbot noch immer in der Verfassung steht. Ja, eine Verfassungsänderung wäre mehr als angebracht.

  24. Nania sagt:

    Meine Mutter ist Krankenschwester bei einem ambulanten Pflegedienst und musste daher, als sie noch in der Pflege und nicht im Büro war, regelmäßig an Wochenenden und Feiertage arbeiten.
    Das ist nicht schön für eine Familie, weil man dann nämlich nur alle zwei Wochen wirklich mal ein-zwei Tage Zeit hat, etwas mit der ganzen Familie zu machen.
    Dazu kommt, dass die Person, die arbeitet, an den Wochenenden genauso gestresst nach Hause kommt, wie an jedem anderen Tag auch. Und das gibt nicht das Gefühl von „Wochenende“. Wir waren froh, als meine Mutter ins Büro ging und wir endlich die Wochenden zu viert verbringen konnten. Leider waren meine Schwester und ich schon so alt, dass wir nur noch wenig wirklich mit „allen vieren“ gemacht haben.

    Für Leute ohne Kinder ist das noch organisierbar, aber in Zeiten, in denen Kinder ihre Eltern außerhalb der Schule und des Kindergartens immer kürzer sehen (zu meiner Schulzeit war die Ganztagsbetreuung nur für ganz wenige Schüler und nur bis max. vier Uhr, im Kindergarten war um drei Uhr Schluss), finde ich ein gemeinsames Wochenende, wie es viele Familien haben, doch wichtig.

    Dazu muss man sagen, dass es zwar viele Berufe gibt, in denen Sonntags gearbeitet wird (der Pfarrer/Priester tut das übrigens auch), aber in vielen eben auch nicht. Wenn ich meinen Traumberuf irgendwann verwirkliche, dann weiß ich auch, dass ich am Wochenende, insbesondere am Sonntag ab und an mal arbeiten muss – je nach Arbeitsplatz auch regelmäßiger.
    Aber darauf kann ich mich einstellen und mein Leben in die Richtung wenden. Wenn ich Lehrer werde, gehe ich davon aus, dass ich Samstags und Sonntags nicht arbeiten muss und die Ferien zum Wegfahren nutzen muss. Wenn ich Krankenschwester werden wollen würde, dann würde ich mich damit arrangieren, dass ich sehr früh aufstehen muss, Früh- und Spätdienst haben kann und teils auch an Wochenenden und Feiertagen arbeiten muss.
    Wenn ich in die Gastronomie gehe, muss ich mir vorher überlegen, dass die Abende lang werden können, viele Betriebe aber auch erst gegen Mittag öffnen.

    Dazu kommt, dass natürlich auch in den Berufen, in denen Sonntags gearbeitet wird, nicht alle arbeiten. Das gilt für Krankenschwestern genauso, wie für Busfahrer.

  25. Laura sagt:

    PS: Ich sehe Religion als einen der ersten Versuche, Dinge zu erklären und zu regeln. Aber das war vor tausenden Jahren und jeder sollte so anpassungsfähig sein, seine Religion auf heute zu beziehen – wenn ich also dazu stehe, getauft zu sein, bedeutet das noch lange nicht, dass ich 2000 Jahre alten Regeln folge. Und ich denke, in einer Zeit, in er es tausende verschiedene Berufe gibt, sollte man den finden können, bei dem einem auch die Arbeitszeit passt.
    Religion ist für vieles die Grundlage gewesen, aber man sollte damit nichts mehr begründen können – auch und vor allem keine Gesetze. Jeder soll glauben dürfen, was er will, aber andere nicht damit belästigen. Und die Kirche hat de facto noch etwas zu viel Mitsprache bei uns, finde ich auch…
    Das Beste am Blogeintrag ist doch, was er für Gedanken und Diskussionen anregt:-D

  26. Blogolade sagt:

    Nur auf die Schnelle (ohne die anderen Kommentare gelesen zu haben) ein Beispiel: ich habe seit je her im Einzelhandel gejobbt. Ich hab da gute Erfahrungen, ich mache das gerne. ABER ich kann nicht wieder einsteigen. Nicht weil ich nicht will sondern weil ich den Arbeitgebern zu unflexibel bin. Die Arbeitgeber verlangen von mir eine Verfügbarkeit von 6 bis 22 Uhr (der kommastrichmarkt) oder von 7 bis 21 Uhr (discounter) und das sechs Tage die Woche. Manchmal auch Sonntags wenn verkaufsoffen ist oder zu tun ist. Die fragen nicht „wie kannst du, wir teilen dich entsprechend ein“ sondern die sagen „so musst du und wenn du das nicht kannst, dann kannst du hier nicht arbeiten“ Peng.
    Hätten wir nun noch weitere Öffnungszeiten, wäre Sonntags grundsätzlich offen, dann würde auch das verlangt werden. Alleinerziehende Mütter die womöglich niemanden haben, der die Kinder zu Unzeiten betreut, haben keine Chance mehr im Einzelhandel.
    Früher^^ als ich anfing, waren die Chefs nett. Da haben die Mütter im Einzelhandel vormittags gearbeitet und nachmittags waren Schüler(innen) da. Eine win-win-Situation. Heute sieht man sogar kaum noch Schüler an den Kassen. Die müssen ja schließlich morgens in die Schule.
    Die Discounter bezahlen dabei noch halbwegs fair. Die Läden in denen ich war, waren eher Ausbeuter. Ich habe für 5,50 die Stunde morgens um halb 6 angefangen und eine 8 Stundenschicht geschoben. Pausen wurden ständig unterbrochen, wenn ich auf 5 Minuten am Stück kam, war das viel. Mein bester Verdienst im Einzelhandel als Schülerin waren 6,13€ GAR NIX mit finanziellem Ausgleich für Sonntagsarbeit oder sonstwas. Das ist vielleicht ein Werbeversprechen aber sonst nix. Nur die Angestellten in diesen Läden wehren sich nicht denn sie sind ersetzbar.

    Ich finds ganz ok, Sonntags nicht einkaufen zu können. Ich hab doch 6 Tage pro Woche in denen ich von früh morgens bis spät abends einkaufen kann. Und im Notfall fahre ich an den nächsten Bahnhof, wenn der etwas größer ist, hat der auch einen Supermarkt oder mindestens eine Drogerie inkl Lebensmittelauswahl drinnen, die dann offen hat.

    Vor allem finde ich es gut, wenn wir einen Tag in der Woche haben, der sich von den anderen unterscheidet. Wie würde das Leben laufen, wenn jeder Tag gleich wäre? Wenn man kein Wochenende mehr hätte, wo man sich drauf freuen kann? Klar, wenn man wochenends arbeitet, sieht man das etwas anders. Mein Göttergatte arbeitet auch an fast jedem Wochenende (+ wochentags) aber dennoch würde er nicht befürworten, dass Sonntags alle Geschäfte auf haben. Auch ich arbeite Sonntags kurz, aber ich freue mich auch danach darauf, den Rest des Tages was mit den Kindern zu machen ohne den Alltagsstress.

  27. Blogolade sagt:

    PS.: religiös ist keiner von uns
    PPS.: bitte nicht steinigen, ich hab die vorherige Diskussion nicht gelesen

    *und weg* 😉

  28. […] sash! 0 Tweet Autor: Will Datum: Donnerstag, 13. September 2012 Trackback: Trackback-URL […]

  29. Dummkopf sagt:

    soll die kirche doch erstmal mit gutem beispiel vorangehen und den pfarrern sonntags frei geben. das waere von den wasserpredigenden weintrinkern aber wohl zuviel verlangt.

  30. Bernd K. sagt:

    Hier geht ja ganz schön die Post ab und ich sehe mit Erstaunen wie der sonst so friedliche Sash bei diesem Thema zum HB-Männchen wird. Von mir steht noch eine Antwort aus den Kommentaren von neulich aus.
    Auch interessant was Wiki dazu unter „Geschichte“ schreibt: http://de.wikipedia.org/wiki/Laden%C3%B6ffnungszeit

    Im wesentlichen teile ich die Meinungen von fastdäne, opatios, Klaus, Nania und Blogolade.
    Grundsätzlich sollte gelten, so wenig Schicht-/Nacht-/Sonntagsarbeit wie möglich. (Die Blumengeschäfte würde ich sonntags auch zu lassen.) Aber es sollte auch jeder dann arbeiten können, wann er will. (Ich sehe den Widerspruch!) Aber auch jenseits des Einzelhandels ist es nicht so, dass überall nachts/sonntags gearbeitet werden darf. Wo dies in der Industrie fer Fall ist, geht es meist um eine bessere Auslastung der teuren Investitionen und neben dem Ziel der Gewinnmaximierung zumindest auch formell um eine Sicherung von Arbeitsplätzen und Standort.

    Zu dem „nicht verhungern“: Polemisch formuliert (unser geschätzter Blogger und die sachlichen Kommentatoren mögen sich nicht persönlich angesprochen fühlen) finde ich es unfair wenn sich für eine große Berufsgruppe wie die Einzelhandelsbeschäftigten die Arbeitsbedingungen (= -zeiten) ohne Not verschlechtern sollen, nur weil ein offenbar wachsender Teil der hiesigen Bürger es nicht mehr gebacken kriegt, seine notwendigen Einkäufe irgendwann während mind. 12 Stunden an 6 Tagen in der Woche zu erledigen.

    Wenn mich des nachts oder sonntags die Lust auf ein Bier oder eine Tafel Schokolade überkommt und ich habe nix daheim, hab ich halt Pech gehabt und lass es, oder geh zur nächsten Tanke oder besorge mir die nächsten Tage einen Vorrat.

    Den Nachtschichtlern sei ihr „Mittagseinkauf“ gegönnt. Im übrigen, wenn ich mir deine hier angegebenen Arbeitszeiten freitags und samstags ansehe, könntest du deine Freizeit (6-20 Uhr) theoretisch zu 100 % zum einkaufen nutzen, denn zu diesen Zeiten ist die Öffnung im ganzen Land erlaubt. Die Spätis oder im Westen die Trinkhallen als Kleinstbetriebe würde ich eher als erhaltenswerte regionale Besonderheit sehen.

  31. leserin sagt:

    wann hat man allgemein in der gesellschaft eigentlich je rücksicht genommen auf menschen die so wie sash lieber nachtaktiv sind? bei mir ist das schon seit kindesalter so dass ich mich nie an das frühe aufstehen für die schule gewöhnen konnte beispielsweise, und ständig unter absoluter erschöpfung litt. bis heute ist mir das geblieben, da hilft kein „umgewöhnen“, nachts bin ich WACH. und für mich gab es auch keine andere möglichkeit als mich anzupassen. das muss man schon bedenken, immer gibt es irgendwo leute die natürlich nicht damit klarkommen. ich kann mich diesem gesamten artikel nur anschließen.

  32. leserin sagt:

    mir fällt außerdem auf, dass diejenigen die gegen freie öffnungszeiten sind, sehr mit sich selbst argumentieren.
    „Wenn mich des nachts oder sonntags die Lust auf ein Bier oder eine Tafel Schokolade überkommt und ich habe nix daheim, hab ich halt Pech gehabt und lass es, oder geh zur nächsten Tanke oder besorge mir die nächsten Tage einen Vorrat.“

    das zum beispiel. was hat das mit anderen menschen zu tun die andere bedürfnisse haben und völlig anders SIND?

  33. Aro sagt:

    Es würde mir schon reichen, wenn die ganzen Pfaffen sonntags nicht arbeiten würden.

  34. Sash sagt:

    @Laura:
    Da hast Du Recht. Und das tut der Artikel offensichtlich 🙂

    @Blogolade:
    Ich kenne die Bedingungen im Einzelhandel und ich will sie nicht gutheißen. Ich glaube auch nicht, dass das aus meinem Artikel oder meinen Kommentaren rauszulesen ist. Im Gegenteil: Ich finde es pervers, wie in diesem Bereich (wie ja auch in den meisten anderen Niedriglohnsektoren) mit den Menschen umgegangen wird. Und man sollte diese natürlich nicht unterstützen oder gar fördern.
    An und für sich haben aber Lohndrückereien, Ausbeutung und unfaire Behandlung genau gar nichts mit den Öffnungszeiten zu tun. Sieht man ja gut daran, dass es all die Scheiße schon gibt. Das Wochenende und die Nacht werden aber einfach so zu untauglichen und unerträglichen Zeiten erklärt, was schlicht nicht auf alle zutrifft. Siehe z.B. den Kommentar von leserin. Die Chefs sind und bleiben die gleichen Arschlöcher und die sind in dem Fall ja wohl das Problem.

    @Dummkopf:
    Wahrscheinlich 😉

    @Bernd K.:
    Ach, ich bin immer noch friedlich 🙂
    Deiner Argumentation kann ich aber immer noch nicht viel abgewinnen. Das Leben einer großen Bevölkerungsschicht soll sich nicht ohne Not verschlechtern. OK, das können wohl alle unterschreiben.
    1. Warum ist das zwingend eine Verschlechterung: Die teilweise Angleichung und Überschneidung von Tag und Nacht, Woche und Wochenende sorgt vielfach für eine Verbesserung und tut es seit langem schon. Eine einfache kategorische Verurteilung der Nacht als schlecht und unnormal macht das nicht besser und belastet umgekehrt, die die dort genötigt sind zu arbeiten.
    2. Bitte hör mal mit dem „nicht gebacken kriegen“ auf. Du postulierst für die armen Einzelhändler eine späte Schicht zu unüberwindbaren Problemen und auf der anderen Seite sollen sich mal alle nicht so haben? Das ist widersprüchlich.

    @leserin:
    Es sind einfach nicht genug Leute, das wird es sein. Außerdem „war es ja schon immer so“ 🙁

  35. milana_bonita sagt:

    Der beste Kommentar zum Problem, den ich kenne. Gut gebrüllt, Löwe!

  36. Knut sagt:

    Man sollte Bedenken, dass die Diskussion hier natürlich verzerrt ist. Wir sind in einem Taxi-Fahrer-Blog, einem Ort also wo sich überdurchschnittlich viele Leute tummeln, die sich ihre Arbeitszeit seit jeher frei einteilen. Da braucht man nicht erwarten, auf überdurchschnittliche Freude für staatliche Reglementierungen zu stoßen.

  37. fastdäne sagt:

    Moin, moin
    ich hatte gerade eine Phantasie, wie es bei totaler Liberalisierung aussehen könnte, wenn jeder Betrieb und jede Institution seine freien Tage nach eigenem Gusto setzen könnte:
    Kindergarte A hat Montags und Donnerstag geschlossen; Schule B. am Freitag und Dienstag. Papa hat Mittwoch und Sonntag frei, Mama am Samstag und Montag. Familienleben? Wird wahrscheinlich unmöglich sein!
    Ähnliches Chaos dann bei Arztpraxen, Behörden usw. Das sieht für mich eher nach Chaos aus Oder ist hier eher gemeint, dass alle und alles 24 Stunden geöffnet hat und dies 7 Tage in der Woche?
    Ich will das nicht, ich feue mich auf freie Wochenden mit luxuriösen 2,5 freien Tagen, was übrigens heißt, dass sich die üblichen Stunden an den anderen Tagen eben ballen.

  38. Der Olli sagt:

    Moin allerseits, meiner Meinung nach ist eine Ausdehnung der ladenöffnungszeiten unnötig. Was kann man sonntags kaufen, was es am Samstag nicht gibt ? Auch der Verkauf von Lebensmittel, nach 20 Uhr an der Tankstelle, muss weiterhin möglich sein. Ich habe heute in der Zeitung gelesen, das der Fahrradfahrer an der tanke, in Zukunft nach 20 Uhr kein Wasser mehr bekommt und er sich eben aus dem Wisch – Wasch-eimer bedienen muss. Der autofahrer aber weiterhin einkaufen darf. Schwachsinn! Soll die Tankstelle eine Konkurrenz gegenüber dem Supermarkt sein ? Wohl eher nicht. Ich arbeite als Dienstleister und freue mich am Sonntag “ meine“ Kirchenglocken zu hören, denn dann ist Sonntag und ich muss / darf nicht arbeiten. Gruß vom Olli ….. der seit 18 Jahren fast immer eine 6-Tage Woche hat und auf den siebten Tag gerne verzichtet.

  39. impetrare sagt:

    Eine Frage an die Sonntagsruhe-Verteidiger:
    Nutzt ihr So Restaurants, den Zoo, Kinos, Verkaufsstände(Eis, Getränke), das Freibad, die Disko, den Bäcker, Züge, Flugzeuge, Taxen, Hotels, Tankstellen, Hotlines (die Liste it belibig verlängerbar)?
    Wenn ja so denkt mal über das Wort „ambivalent“ nach.

  40. leserin sagt:

    aber die sind ja nicht so arm wie die händler im LEH, impetrare. ;D
    muss dazu sagen, ich persönlich nutze interessanterweise eigentlich keines dieser angebote und bin trotzdem gegen diesen sonntagszwangsschutz. menschen werden immer individueller und je mehr darauf rücksicht genommen wird desto leichter wird die gesellschaft auch funktionieren.
    und sicherlich ist der LEH sehr beschissen, die veträge, die überstunden, die bedingungen, die einsätze, etc ABER das kann kein dauerzustand sein, damit will ich sagen, es kann nicht sein dass der sonntag DESHALB gestrichen wird, die bedingungen müssen verbessert werden und dann kann auch mit der öffnungszeit anders umgegangen werden. utopisch, ich weiß, aber für mich darf das kein bestehender grund bleiben.

  41. Jens sagt:

    @Sash:
    Der Taxifahrer und die Krankenschwester, die in deinem Beispiel sonntags arbeiten müssen, sollten zumindest kein Problem damit haben, am Sonntag nicht einkaufen zu dürfen, denn sie werden ja an einem anderen Tag frei haben, an dem die Geschäfte offen sind. So gesehen sind sie beim Einkaufen sogar besser dran als der Durchschnittsbürger, bei dem immer an einem seiner freien Tage auch die Geschäfte zu sind. Die geschlossenen Kitas sind allerdings tatsächlich Mist.

    Ansonsten bin ich ein Freund der Büdchen-Kultur in Köln. (Büdchen sind die Kölner Variante der Spätis.) Die dürfen an jedem Tag des Jahres auf haben (m.W. sogar nonstop, wenn sie wollen), und niemand im erzkatholischen Köln ist je auf die Idee gekommen, das könne die Sonn- oder Feiertagsruhe beeinträchtigen. Insofern wundert es mich, dass das deutlich weniger religiöse Berlin da so ein Problem draus macht.

    Supermärkte offen zu haben, fände ich nicht gut: Es ist m.E. gut fürs gesellschaftliche Leben (Kneipen, Volksfeste,Fußballspiele, etc.), wenn es Tage gibt, an denen der Großteil der Leute frei hat, von daher würde ich versuchen, die Ausnahmen so gering wie möglich zu halten.

  42. Sash sagt:

    @fastdäne:
    Sicher könnte das ein Chaos sein – vermute ich aber nicht mal. Der Trend geht doch eher zum 24/7. Und – gerade im Einzelhandel – natürlich auch hin zu lukrativen Zeiten. Soweit ich weiß, spricht z.B. nix dagegen, schon vor 7 Uhr aufzumachen. Macht der Kaiser’s hier vor der Türe auch nicht, wahrscheinlich aus Gründen.
    Im Übrigen muss ja nicht alles gleich total extrem und überall gleichzeitig sein. Aber es gibt Menschen, die sonntags einkaufen wollen, welche die Sonntags ihren Laden öffnen wollen und das dürfen sie nicht. Um mehr geht es erstmal nicht.
    Sicher, ich würde mich freuen, wenn mein Arzt am WE offen hätte – versuch mal für Freitag Abend und Samstag eine Krankschreibung zu kriegen. Die Unlust, wegen einer Magenverstimmung zur Notaufnahme im KH zu fahren, statt ums Eck zum Hausarzt zu gehen, kostet mich jedes Jahr ein bisschen Geld. Aber gut, sicher braucht mein Arzt mal Pause – und die macht er halt am Besten Sa/So. Da kann ich schon mit leben.

    @Der Olli:
    Dein Argument ist: „Ich will nicht!“ Und das ist besser als das „Ich will aber.“ von einem Späti-Verkäufer?

    @leserin:
    So sehe ich das auch. Es klingt utopisch, ja. Aber es ist doch auch zum Kotzen. Offenbar sind hunderttausende Leute in beschissenen Betrieben beschäftigt und anstatt dieses Übel zu thematisieren, wird das als Schutzbehauptung verwendet. So wie es aussieht, SIND diese Arbeitsbedingungen beschissen und bessern wird sich nur was, wenn man das angeht! Das ist nicht schön und nicht für den einzelnen machbar, besser wird durch weiter eingeschränkte Öffnungszeiten aber auch nichts.

    @Jens:
    Teilweise hast Du recht. Das Beispiel bezog sich allerdings vor allem auf die Kindererziehung, die in einem anderen Kommentar angesprochen wurde. Und es ist ja eine persönliche Einstellungssache, ob man lieber an freien oder an Arbeitstagen einkaufen geht. Nach Feierabend noch kurz dies und das holen würde mich persönlich mehr freuen als an freien Tagen. Aber wie gesagt – das ist eine persönliche Einstellung und da findet man keinen gemeinsamen Nenner – das wurde hier schon zu oft als Argumenteimitation verwendet.
    Ich weiß auch, dass das gesellschaftliche Leben an Wochenenden ein anderes ist – und ich finde das im Übrigen auch schön. Aber wir haben Mitglieder der Gesellschaft (und so wenige sind das ja nicht), die da nicht dran teilhaben können wegen ihrer Arbeit. Und zwar keineswegs nur die allerwichtigsten Notdienste. Dass es sowas gibt, scheint also akzeptiert zu sein. Was genau schützt dann den Einzelshandel so besonders?

  43. Jens sagt:

    @Sash:
    Einkaufen kurz nach der Arbeit können Sonntagsarbeiter ja an den restlichen Tagen der Woche – sie werden ja i.d.R. Auch an einigen der Werktage arbeiten. Falls man also nicht nach jeder einzelnen Schicht einkaufen muss/will , she ich da keine so große Benachteiligung.

    Was die Sonderstellung der nicht arbeitenden Supermarktkassierer angeht: Das kommt darauf an, was man als Normalfall definieren mag. Meine persönliche Meinung ist ja, dass dias Geschäftsleben am Sonntag gerne runtergefahren werden darf, insofern müsste eher bei denen, die arbeiten, gefragt werden, was deren Jobs so besonders macht, dass sie weiterlaufen müssen. Deswegen finde ich, dass offene Spätis da ein vernünftiger Kompromiss sind, um eine Grundversorgung zu haben und möglichst weige Leute um ihr Wochenende zu bringen und ihnen die Nachteile der Sonntagsarbeit (z.B. eben keine Kitas) aufzubürden.

    Wenn man natürlich als Arbeitnehmer die Möglichkeit der Sonntagsarbeit eher begrüßt, weil sie einem mehr Flexibilität bringt, sieht die Sache ganz anders aus – dann müsste man sich fragen, wieso dem Großteil des Einzelhandels diese Möglchkeit verwehrt wird. Aber den Standpunkt teile ich als Freund eines möglichst freien Tages eben nicht. Ist halt auch Ansichtssache.

  44. Sash sagt:

    @Jens:
    Das stimmt schon.
    Und natürlich ist das keine sonstwie dramatische Benachteiligung. Haben wir bisher ja auch hinbekommen. Mich stört auch wirklich nicht, dass wir hier z.B. von unterschiedlichen Normalfällen ausgehen – das ist ok: Muss ja nicht jeder der gleichen Meinung sein. Ich mag nur das auch hier in den Kommentaren öfter vorgekommene Messen mit zweierlei Maß nicht. Es wird allzu oft mit Nachteilen für Verkäufer argumentiert, die man bei anderen im Gegenzug als lächerliches Klein-Klein abtut.
    Im Übrigen bin ich dank Supermarkt vor der Haustüre jemand, der im Schnitt öfter als einmal täglich einkauft. Abends alles fürs Abendessen und während man kocht, das was man noch vergessen hat … 😉
    Mir würde es also tatsächlich gefallen, wäre immer offen.

  45. Nur so nebenbei: Unsere örtlichen Kirchenglocken läuten auch nachts. Jede halbe Stunde. Was ich übrigens nett finde. (Bezüglich der Meinung zu den Öffnungszeiten bin ich übrigens voll bei Dir.)

  46. Lifthrael sagt:

    Mein Kommentar kommt ein wenig spät und ich habe mir die vorangegangenen auch nicht durchgelesen… Möchte aber auch gerne meinen Senf zu deinem Eintrag abgeben.

    Ich sehe die ganze Sache im Großen und Ganzen genau wie du.
    Ich arbeite in einem kleinen Café, das zu einem genauso kleinen Kino gehört. Wir haben jeden Tag geöffnet, am Wochenende sogar länger als innerhalb der Woche. Bis vor einem 3/4 Jahr habe ich dort in der Frühschicht am Sonntag gearbeitet. Für etwas mehr als drei Jahre. Und was soll ich sagen? Es hat mich nicht umgebracht! Ich fand es sogar ganz nett, weil immer mehr los war als in der Spätschicht oder während der Woche. Man hat 7 1/2 Stunden fast ununterbrochen etwas zu tun und die Zeit vergeht so auch deutlich schneller, als wenn ich in der Woche darauf warte, dass eine Stunde vor Filmbeginn ein paar Leute kommen, um dann den Laden so schnell wie möglich zu schließen, damit man dem Chef nicht mehr auf der Tasche liegt, als der kleine Laden an Umsatz abwirft…
    Ok, ich konnte samstags abends nicht lange feiern gehen und musste zu relativ moderaten Zeiten ins Bett. Aber ich bin eh keine Partymaus und herrje… Es gibt einfach weitaus schlimmeres.
    Man kann also sagen, mir hat es eigentlich Spaß gemacht diese Schicht zu schieben. Zumal ich dann eben auch andere Tage in der Woche frei hatte. Ich brauch nicht zwingend das Wochenende um zu entspannen oder mir mal Zeit für mich zu nehmen. Das kann ich genauso gut an einem Mittwoch, wenn ich da keine Vorlesungen oder sowas habe.

    Ich musste dann doch eben vor ca einem 3/4 Jahr die Schicht wechseln und sitze jetzt auf der Frühschicht am Samstag. Ebenfalls völlig ok. Und dadurch saß ich auch letztes Jahr an Heiligabend UND Silvester auf der Arbeit. Beides auch kein Beinbruch. Wobei ich da verstehen kann, wenn Eltern (etc) nicht unbedingt arbeiten wollen… Aber im Prinzip findet sich auch an solchen Tagen immer jemand, dem es nichts ausmacht an Feiertagen zu arbeiten.

    Von daher… Ich verstehe das Gejammer auch nicht. Bzw, soll doch jeder selber entscheiden, ob er sein Geschäft an einem Sonntag öffnen möchte. Und jeder Arbeitnehmer kann dann auch entscheiden, ob er dann dort arbeiten möchte. Schlechter bezahlt wird man eben nicht. Eventuell bekommt man dafür sogar noch eine Zulage.
    Ich möchte auf jeden Fall nicht meine Wochenendschicht abgeben müssen.

  47. Lifthrael sagt:

    Oh, Argument, was Herr Freund noch angebracht hat, was ich auch unterschreibe, auf das man dann allerdings gesondert achten muss…
    Es geht natürlich dann nicht, dass mit der gleichen Anzahl angestellten einfach die zusätzlichen Schichten abgerissen werden. Zum Thema Ausbeutung.
    Es müsste dann schon zusätzliches Personal eingestellt werden, damit auch jeder auf eine moderate Arbeitszeit kommt und genug freie Zeit für sich hat.
    So.

  48. judi sagt:

    Ich arbeite jetzt seit über 20 Jahren regelmäßig (d.h. an mehr als 80 % aller Wochenenden und an nahezu allen Feiertagen) sonn- und feiertags. Erst in der Altenpflege, jetzt im „Freizeitbereich“. Bis auf die notwendige Versorgung meiner „Diensttiere“ wäre meine Arbeit wochenends verzichtbar – Reitunterricht ist nicht so lebensnotwendig, das man ihn nicht auch unter der Woche nehmen könnte 🙂
    Ich arbeite gerne sonntags, habe nichts gegen Feiertagsarbeit und habe auch keine Probleme damit, das die zusätzliche Entlohnung sehr übersichtlich ausfällt.
    Und grundsätzlich ist es mir völlig wurscht ob die Läden sonntags zu oder offen sind.Mir persönlich reicht es so wie es ist. Aber mir persönlich würden auch anderthalb Stunden pro Woche reichen, länger kaufe ich insgesamt sicher nicht ein, insofern wäre es doof, sich da nur an mir zu orientieren :-)))
    So tendiere ich eigentlich auch zu „jeder wie er mag“. Was Büdchen (so heißen die Dinger im Ruhrgebiet, wo ich aufgewachsen bin) oder Tankstellen betrifft sowieso.
    Beim normalen Einzelhandel sehe ich das etwas differenzierter. Da macht einer auf (und in dem Moment lohnt es sich für den einen dann auch), die anderen ziehen nach und irgendwann haben alle geöffnet. Nicht weil es sich rechnet, sondern nur damit die Kundschaft nicht zur Konkurrenz abwandert. Von Freiwilligkeit keine Spur. Und da stelle ich dann schon die Frage, wofür eigentlich. Es wird erwiesenermaßen auf die Woche gesehen nicht MEHR eingekauft, egal ob sonntags offen oder zu ist – es gibt also nicht mehr Umsatz, mit dem man begründen könnte das das Ganze sich lohnt. Warum also dann aufmachen?
    Und die Büdchen würden nebenbei bemerkt endgültig aussterben – kein Mensch kauft mehr sein Bier „anne Bude“ wenn der Discounter nebenan geöffnet hat…

    Was die Unterschiede zwischen „nötiger“ und „unnötiger“ Arbeit betrifft – die sehe ich nicht. Klar gibt es Jobs die immer gemacht werden MÜSSEN, gar keine Frage. Aber nur, weil etwas nicht überlebenswichtig ist heißt es ja nicht, das es gleich sinnlos ist. Alles was Freizeitgestaltung betrifft ist unnötig, wir könnten schließlich alle zuhause ein Buch lesen oder Mau-Mau spielen ohne Schaden zu nehmen. Aber ein Besuch im Zoo, ein Essen im Restaurant, ein Nachmittag im Fußballstadion, ein Kinoabend, ein Museumsbesuch (Liste beliebeig erweiterbar) sind halt schön, steigern die Lebensqualität etc.. Und sie sichern Berufe von denen Menschen leben, die das nicht könnten wenn wir unsere Freizeit daheim auf dem Sofa verbrächten ;-). Lebensmittel und Kleidung MÜSSEN wir aber alle irgendwann mal einkaufen – die Stellen im Einzelhandel sind also auch ohne Sonntagsarbeit sicher 😉

  49. Zeddi sagt:

    Also ich denke das Argument „dann machen alle Supermärkte / Discounter auch am Sonntag auf“ ist quatsch. Wir haben hier (Stadt mit 500000 Einwohnern mit einem bekannten Supermarktsblogger) obwohl es erlaubt ist nur fats keine Supermärkte die (ausser Sonntags) 24/6 Tage die Woche aufhaben. Hinzu kommen noch _ein paar_ Supermärkte die bis 22 Uhr oder bis 24. Uhr aufhaben. Das Gros macht, trotz Ladenschlussgesetz, um 20 Uhr, 20:30 oder 21 Uhr dicht. Warum? Weil es sich vermutlich für die „normalen“ Supermärkte sich nicht lohnt.
    Ich halte es somit für wahrscheinlich, das in unserer Stadt nur sehr sehr wenige Supermärkte überhaupt den Sonntag öffen würden, und selbst das … vermutlich … sagen wir mal nur von 8.00 bis 18.00 Uhr. Somit betrifft das vill. 10-30 Arbeitnehmer überhaupt. Und ich denke, so viele Menschen werden sich auch finden die gerade _kein_ Problem haben Sonntags zu arbeiten. Villeicht weil sie z.B. unter der Woche einem Job mit „Geregelten“ Arbeitszeiten nachgehen, was aber u.U. nicht mehr zum leben reicht. Oder Schüler/Studenten. Oder …

    Das Argument das dann aufeinmal „alle dämme“ brechen und so ziemlich jedes Geschäft völlig willkürlich öffnet kann ich so auch nicht nachvollziehen. In vielen Bereichen wäre dies bereits möglich, ohne das es sonderlich intensiv genutzt wird. In vielen „Klassischen“ Berufen wird z.B. auch Samstags nicht gearbeitet, obwohl Kundschaft da wäre und es rechtlich möglich ist, oder es exisitiert nur eine schmale Notdienst-Besetzung. Was ich mir noch evtl. vorstellen könnte das einige Geschäfte im Service-Bereich (PC-Reparatur, Autowäsche e.t.c.) evtl. noch in einigen Regionen zus. Sonntags geöffnet sind – was ich aber auch nicht als Problematisch betrachte. Aber seien wir mal ehrlich – öffnungszeiten am Wochenende oder in der Nacht müssen sich auch irgendwie Wirtschaftlich rentieren – und das ist halt nur gegeben wenn ausreichend Kundschaft interresse hat.

    Was ich völlig nachempfinden kann dagegen ist der Unmut vieler über geringe Löhne, zwang gerade im Niedriglohnsektor auch an für einen persönlich unglücklichen Arbeitszeiten zu Arbeiten, Ausbeutung gerade der MA in Supermärkten, keine Rücksichtnahme auf Arbeitnehmer.

    Aber dies sind alles eben gerade keine Probleme des Ladenschlussgesetzes und der Verbot der öffnung der Arbeitgeber, und trifft in sehr vielen Berufen bereits sehr viele Menschen. Dagegen könnte man etwas machen – aber bei der letzten Wahl hat sich die Mehrheit der Wahlfähigen Deutschen sich _explizit_ für Parteien entschieden (CDU/CSU/FDP) die gerade in dem Bereich NICHT für Arbeitnehmerinterressen, MIndestlohn u.s.w. stehen und noch nie gestanden haben. Die anderen Parteien sind in vielen Bereichen nicht besser, aber die sagen zumindest nicht alle von Vorneherein das Arbeitnehmer gefälligst zu einem Hungerlohn zu jeder Zeit und an jedem Ort zu Arbeiten hätten.

  50. Sash sagt:

    @judi:
    Dass der Umsatz mehr oder weniger der Gleiche ist, stimmt natürlich. Sicher wären die Stellen auch ohne Sonntagsarbeit. Aber der ein oder andere Unternehmer erhofft sich hier halt ein größeres Kuchenstück.

    @Zeddi:
    Guter Aspekt, der bisher noch gar nicht wirklich in der Debatte aufgetaucht ist.

  51. Marko sagt:

    Das ganze ist doch wieder mal übertrieben genau geregelt: In Berlin dürfen am Sonntag im Bahnhof keine Schuhe und Bekleidung verkauft werden, da kein Reisebedarf. Dafür aber verkaufen die Supermärkte am Sonntag das komplette Sortiment, egal ob Reisebedarf oder nicht. In Hamburg hingegen ist es erlaubt, am Sonntag im Bahnhof Schuhe und Bekleidung zu kaufen. Der Lidl im Altonaer Bahnhof muss dafür das Sortiment einschränken: An Sonntagen keine Einkaufswagen (nur Körbe), kein Frischfleisch, keine Großpackungen Eis und keine Aktionsartikel usw. In Bayern wiederrum dürfen Tankstellen innerhalb der Ladenschlußzeiten nur an Autofahrer und nicht an Fußgänger oder Radfahrer verkaufen… Problem ist der aus der Weimarer Verfassung übernommene Sonntagsschutz im Grundgesetz. Das Bundesverfassungsgericht entschied ja auch anlässlich der verkaufsoffenen Sonntage, dass eine Ladenöffnung nur ausnahmsweise erlaubt ist, nicht mehrere Sonntage hintereinander und dann auch als Grund für die Ladenöffnung ein Ereignis (z. B. Jahrmarkt) sein muss, das alleine ohne die Öffnung der Geschäfte schon genug Leute anlockt.

    In Berlin gibt es ja zum Glück Abhilfe: zahlreiche Supermärkte in Bahnhöfen, 8 stadtweite verkaufsoffene Sonntage und 2, die von den Geschäften frei gewählt werden können. Und somit im Jahr mehr als 15 Sonntage, an denen irgendwo ein Einkaufszentrum auf hat. Vom verkaufsoffenen Sonntagen in Brandenburg mal ganz zu schweigen. Oder gleich nach Polen: dort dürfen die Geschäften jeden Tag rund um die Uhr öffnen. Dort sollte auch ein Ladenschluß für den Sonntag eingeführt werden, der im katholischen (!) Polen jedoch auf Proteste stieß. Außer an polnischen Feiertagen ist dort somit ein Einkauf an jedem Sonntag möglich.

    Aber auch in Deutschland kann an fast jedem Sonntag irgendwo eingekauft werden. Ich stelle für eine Homepage die verkaufsoffenen Sonntage bundesweit zusammen und es werden von Jahr zu Jahr mehr Termine. Zur Zeit ca. 11000 Termine im Jahr… wer sich also auskennt, kann also recht problemlos am Sonntag fast alles einkaufen.

  52. @Marko: Würdest Du uns vielleicht verraten, wo man diese Wunderhomepage findet?

  53. Marko sagt:

    Unter http://www.oeffnungszeitenbuch.de. Dem Betreiber schicke ich wöchentlich meine neuen Daten. Gibt zum Thema verkaufsoffene Sonntage zahlreiche Seiten im Netz, allerdings haben diese bis auf das Öffnungszeitenbuch nur ca. 3000 – 4000 Termine, während es dort ca. 10000 Termine im Jahr sind.

  54. Bernd K. sagt:

    @Marko: Da gibt’s aber noch Verbesserungsmöglichkeiten. Ich hab eben einen Weihnachtsmarkt von 2011 als „geöffnet“ gefunden, der definitiv seit letztem Weihnachten geschlossen ist.

  55. Sascha sagt:

    @Judi: Dein Punkt mit dem gleichbleibenden Umsatz ist meines Erachtens auch der Grund, wieso eine Erweiterung/Abschaffung der erlaubten Öffnungszeiten nicht unbedingt im Sinne von „uns Verbrauchern“ ist. Denn bei gleichbleibendem Umsatz müssen aus wirtschaftlicher Sicht folglich auch die Personalkosten gleich bleiben. Also haben wir dann im Durchschnitt logischerweise weniger Personal vor Ort und damit muss dann ggf. auch ‚mal der Metzger den Fisch verkaufen weil „ist ja auch Frischtheke“. Und wenn der Kunde dann eine Fachfrage hat, kommt die Antwort „tut mir leid, der Kollege ist schon weg, weil er gestern Abend (oder am Sonntag) bis 23 Uhr arbeiten musste“.

  56. Sash sagt:

    @Sascha:
    Dein Argument ist gut, wirklich. Ich will’s also nicht schlechtreden. Aber man könnte es ebenso umkehren: Je mehr nachts gearbeitet wird, desto mehr Arbeitsplätze – ergo: mehr Umsatz auch beim Einzelnen. Inwiefern das aufgeht, ist natürlich die Frage. Hier sind ganz sicher einige Branchen besser dran als andere – und der Einzelfall ist sicher viel vom Umfeld abhängig. Aber von der Grundargumentation geht es auch so rum, denn umgekehrt trifft dein Argument ja durchaus auch im Einzelnen nicht zwingend zu. Unser Kaiser’s hier z.B. hat als einziger Supermarkt bis 24 Uhr offen. Der hat dadurch mit ziemlicher Sicherheit sein normales Einzugsgebiet erweitert.

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