Notiz 3

„Rauchst Du?“

„Ja.“

„Dann nimm mal ’ne Kippe als Trinkgeld.“

„Ach lass, das passt schon …“

„Nee, nimm!“

Ja, ich rauche. Und ja, ich rauche auch viel. Wobei beim Rauchen ja eigentlich alles über Null zu viel ist.
Aber abgesehen davon: Ich lehne Kippen als Trinkgeld immer ab. Ich rauche lieber meine eigenen, Sucht hin oder her.

Aber klar, lieb gemeint war es sicher.

Notiz 2

Auch sehr schön: Man nimmt eine Truppe junger Schotten als Winker fast direkt nach der letzten Tour auf. Sie wollen zwar nur rund anderthalb Kilometer weit, dennoch keine Kurzstrecke. Am Ende fallen unschottische 1,80 € Trinkgeld auf nur 5,20 € Fahrpreis an. Und im Weggehen hört man noch ein Gespräch von zweien mit:

„Hey, the driver was a nice guy.“

„Yeah, really nice.“

„Berlin guys are really great, I love the city. You gave him a tip?“

„Of course …“

„I love Germany.“

Nicht verwechseln Du sollst

… die Straßen in Berlin.

Die Freitagsschicht war ja sehr ertragreich. Hauptsächlich durch zwei Umlandsfahrten – aber nicht nur. Von einer der sicher bald erwähnten Touren befand ich mich gerade auf dem Rückweg. Der Gastank war kurz davor, schlappzumachen. Kilometer hatte ich schon mehr verballert als Euro eingenommen, eine Nebenwirkungen langer Fahrten nach außerhalb; da reichen die 18 kg auch mal nicht ganz eine Schicht lang. Also knapp gereicht hätte es sicher, aber man will ja nicht mit leergelutschtem Tank dastehen, falls noch eine weitere Tour anfallen sollte.

Da ich aus dem tiefsten Südosten kam, bin ich an die Tanke am Blockdammweg rangefahren. Da tanke ich nur selten, meist liegt das nicht so wirklich auf dem Weg. Aber es ist günstiger als in der Innenstadt, da hat das mit dem leeren Tank jetzt gut gepasst.

Während ich ein bisschen mit den Augen rollte, weil das Tanken von Erdgas immer so lange dauert, betraten 4 weitere Protagonisten die Szenerie. Dem Outfit nach HipHopper, aber schon ziemlich müde. Sie liefen zum Tankstellenshop, aber die Türe war zu. Das Konzept Nachtschalter kannten sie offenbar nicht, also schlappten sie entmutigt zu mir. Als sich einer der Jungs ein Herz fasste und mich ansprach, glaubte ich, meinen Ohren nicht zu trauen:

„Sag mal, wo ist hier denn der Havanna-Club?“

Das hat mich erst einmal ein wenig überfordert, denn DAS Havanna konnten sie schlecht meinen. Das liegt in Schöneberg. Unweit unserer Position – in Schöneweide hingegen gibt es noch eine Bar mit dem Namen. Auf der anderen Seite: Nach „Ausgehen in Schöneweide“ sahen die auch nicht wirklich aus.

„Meint ihr das Havanna, den bekannten Club?“

„Ja, schon. Was läuft da so?“

„Soweit ich das irgendwie sagen kann, eher Latin und so …“

„Ja, genau Mann!“

„Ähm … das ist am anderen Ende der Stadt. Hauptstraße in Schöneberg.“

„Aber das ist doch hier die Hauptstraße …“

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Da waren die Jungs schon mal mindestens 3 Kilometer lang die Hauptstraße in Rummelsburg runtergelaufen. Nach eigenem Bekunden sogar mehrmals auf und wieder ab. An der Ecke Blockdammweg heißt sie sogar schon eine Weile nicht mehr Hauptstraße. Und der von ihnen gesuchte Club machte ohne sie schon mal Party, knappe 10 Kilometer Luftlinie entfernt. Kannste Dir nicht ausdenken, sowas!

Aber klar: Touris aus Augsburg, leicht verloren in der großen Stadt und nun fertig mit der Welt. Also fragten sie, was es mit dem Taxi kosten würde. Ich hab mein Navi angeschmissen und ihnen gesagt, dass das deutlich über 20 € wären. Am Ende sind wir sogar über die Autobahn, ein bisschen Umweg, aber deutlich schneller.

„Hauptsache sitzen!“

Darauf etwa beschränkte sich der Anspruch der Jungs. Ach so, das mit dem Nachtschalter hab ich ihnen davor auch noch erklärt. Somit konnten sie sich auf der Fahrt bereits mit Getränken und Gummibärchen ein wenig stärken. Manchmal sind wir Taxifahrer aber auch wirklich die Rettung in jeglicher Hinsicht. Hat in dem Fall 27,80 € und 2,20 € Trinkgeld gekostet. Sollte für einen geretteten Partyabend für 4 Leute ein halbwegs guter Tarif sein. 🙂

Das war übrigens einer der Hunnis an diesem Abend.

Change? Help!

Über die vergangene Nacht kann mich sowas von doppelt und dreifach nicht beklagen. Der Umsatz war jenseits von gut und böse. Vor allem natürlich, weil mal wieder jede Menge Bahnen nicht gefahren sind. Normalerweise wäre das ein prima Timing gewesen, dass das Auto wieder wegen quietschender Bremsen rumjammert. Aber: Nix! Als wäre nie was gewesen. Außer gelegentlich mal ganz leise …

Wie gesagt: Über den Umsatz meckern ist nicht drin. Mein Stundenlohn war sehr deutlich zweistellig, wovon ich sonst ja auch allenfalls träumen kann. Mal so ganz knapp klappt das. Aber nur am Wochenende. Und leider nur selten. Was hingegen nicht so wirklich gut geklappt hat, war die Sache mit der passenden Bezahlung seitens der Fahrgäste:

Aller guten Dinge sind drei? Offenbar. Quelle: Sash

Aller guten Dinge sind drei? Offenbar. Quelle: Sash

Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, dann habe ich bislang in fast fünf Jahren Taxifahren genau sieben Hunderter entgegengenommen. Davon drei Stück heute Nacht. Glücklicherweise kamen die alle zu Zeitpunkten, zu denen das Wechseln möglich war. Das hätte auch völlig schiefgehen können – wie das bei Hunnis wohl meistens der Fall ist im Taxi. Das war jetzt heute ausnahmsweise mal in Ordnung, zur Gewohnheit sollte das besser bei niemandem werden. Wir haben oft genug mit Fünfzigern schon Probleme, wenn sie gehäuft auftreten.

Und zwar wirklich. Dank der drei Scheinchen da oben hab ich tatsächlich nicht mehr genug Wechselgeld für die kommende Schicht und muss einen davon zwingend irgendwie kleinmachen heute. Darauf würde ich auch gerne verzichten. Aber die Bahn fällt immer noch aus – das Spektakel von heute Nacht könnte sich eventuell wiederholen …

Im Übrigen: Nein, ich habe nicht 300 € eingefahren, sondern deutlich weniger. Aber ich hätte es wahrscheinlich bis in die Morgenstunden schaffen können. Was viel heißt.

Trinkgeldfreundliche Beträge

Auf runde Beträge will ich am Ende einer Tour eigentlich nie kommen. Irgendwie ist die Befürchtung groß, dass das die Leute veranlasst, doch mal kein Trinkgeld zu geben. Denn die gibt es ja. Vielleicht 10% der Fahrten haben am Ende bei mir in meinen Aufzeichnungen eine leere Stelle beim Trinkgeld stehen. Und wenn es doch welches gibt, ist es dann nicht fast schon automatisch genau ein Euro? Nicht, dass ein Euro grundsätzlich ein schlechtes Trinkgeld wäre – aber hätte der Fahrgast in diesem Moment nicht vielleicht eher 1,30 € gegeben, wenn die Uhr 20 Cent mehr angezeigt hätte?

Um ehrlich zu sein: Ich hab keine Ahnung. Ich kann mal meine Daten durchsehen und versuchen, eine Statistik zu erstellen. Aber ebenso wie die natürlich am Ende nicht repräsentativ sein wird, lässt sich das schlechte Gefühl bei 10,00 € auf der Uhr wohl nicht mit Gegenargumenten verscheuchen.

Umso mehr freute ich mich, dass mir eine Frau aus einer Gruppe ziemlich zivilisierter Partygänger am Wochenende bei oben genannten 10 € gleich einen Zweier mit den beruhigenden Worten „Stimmt so!“ in die Hand gedrückt hat. Noch besser war allerdings, dass ihre Kumpels im Anschluss wie aufgescheuchte Hühner durcheinandergackerten, man möge mir gefälligst Trinkgeld geben – und zwar ein richtiges. Und unter richtig verstanden sie, ich hab’s nachgezählt, offenbar noch einmal 2,64 €.

46% Tip sollten eigentlich Grund genug sein, meine Sorgen zu vergessen. 🙂

Ganz ruhig …

Auch ich ärgere mich ja gelegentlich ein wenig über Fahrgäste, bzw. kommentiere ihr Verhalten etwas boshaft. Und ja, das ein oder andere Mal nerven Dinge. Warum ich dennoch nicht die ganze Zeit gestresst durch die Gegend fahre, wäre da eine adäquate Frage, sofern mein Gemütszustand eine Rolle spielen sollte. Und? Weil die meisten das nicht böse meinen. Weil viele Dinge auch einfach nur deswegen nerven, weil sie wiederholt auftreten.

Die klassischen Preisfeilschereien zum Beispiel: Es ist doch eigentlich relativ verständlich, dass jemand nach einem Preisnachlass fragt. Hatte ich heute Nacht erst wieder. Die Fahrt sollte ungefähr 8 € kosten, mir wurden bei 5,50 € auf der Uhr 7,50 € Festpreis angeboten. Nervig ist nur, dass es relativ viele sind und zudem natürlich auch noch einige dabei sind, die sich aus grenzdebilem Halbwissen eine Berechtigung für einen Nachlass herleiten.

Dass Leute bei einer Kurzstrecke Stopps einlegen wollen … das kann schon mal passieren. Wenn man z.B. eine Kurzstrecke startet, dann merkt, dass man was vergessen hat und seine Pläne ändert. Dumm für mich, da ich das Taxameter nicht umstellen kann, aber ok. Ist mir ebenfalls heute Nacht passiert. Nervig isses nur dann, wenn Leute – am Besten noch gegen besseres Wissen – behaupten, das wäre normal und so vorgesehen.

Anfragen, ob man im Taxi rauchen darf. So lange da draußen haufenweise Taxifahrer rumgurken, die die Kippe im Mundwinkel hängen haben, kann ich die Frage als Raucher gut nachvollziehen. Hatte ich heute Nacht auch erst wieder. Störend wird’s eigentlich erst dadurch, dass sich manche Leute nicht mal für 5 Minuten am Riemen reißen können oder versuchen, ihre Fluppen angezündet mit ins Auto schleppen, weil sie einen für blöd halten.

Touren, bei denen all das passiert … seien wir ehrlich, da braucht man wahrscheinlich wirklich die Eselsgeduld von mir. Denn ja: all das ist mir heute nacht erst passiert. Bei einer einzigen Tour. Statt auf die Finger klopfen gab’s ein paar Witze, fiese Sprüche und den Hinweis, dass sie nicht sonderlich originell sind. Das Fazit war genau wie bei Ärger eine weitgehend ordnungsgemäße Fahrt* in einem rauchfreien Auto, die mit schallend lachenden Fahrgästen** und immerhin rund 17% Trinkgeld endete.

Deswegen: In der Ruhe liegt die Kraft. 🙂

* Den Halt während der Kurzstrecke gab es, aber er blieb verdächtig nahe an einer Minute, so dass das Ergebnis passen sollte
** Zu sagen, man solle das mit der Kindersicherung links nicht persönlich nehmen, klappt immer! Fast alle müssen schmunzeln, ich schwör’s!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Rekordverdächtig

Aufschieben, auch Prokrastination (lateinisch procrastinatio ‚Vertagung‘, Zusammensetzung aus pro ‚für‘ und cras ‚morgen‘), Erledigungsblockade, Aufschiebeverhalten, Erregungsaufschiebung oder Handlungsaufschub ist das Verhalten, als notwendig aber auch als unangenehm empfundene Arbeiten immer wieder zu verschieben, anstatt sie zu erledigen.

– Wikipedia über Prokrastination

Ich denke, jeder schiebt mal Aufgaben vor sich her. Die einen öfter, die anderen seltener; die einen hier und da mal ein paar Tage, die anderen Monate. Und dann gibt es den Sash, der auch mal drei Jahre schafft.

Kein Witz!

Am 30. September  wird es drei Jahre her sein, dass mich zwei etwas sorglose Kerle nicht bezahlen wollten und konnten. Seitdem war ich im Besitz von 127 brasilianischen Reais. Das war mehr als genug Geld für die 20€-Tour und den Denkzettel hatten die beiden durchaus verdient. Ganz so leicht wie US-Dollars wird man Reais hier allerdings nicht los. Meine Banken nehmen sie allesamt nicht an, allenfalls an Wechselstuben konnte ich mein Glück versuchen. Das hab ich relativ schnell aufgegeben. Zu meinen Arbeitszeiten haben nur wenige Stellen überhaupt mal offen gehabt und privat laufe ich meist auch nicht tagsüber, noch seltener aber überhaupt in den Touristen-Ecken von Berlin herum. Ergo: Ich hab die Kohle zwar immer im Geldbeutel gehabt, aber immer im vielleicht entscheidenden Moment nicht daran gedacht oder was anderes zu tun gehabt.

Und nun, beim Aufbruch zu meinem Kurzurlaub, stand ich wegen eines S-Bahn-Ausfalls plötzlich am Alex vor der offenen Wechselstube und natte noch Zeit. Und siehe da:

Tada! Quelle: Sash

Tada! Quelle: Sash

Nun ja. Es ist bei weitem nicht so viel geworden, wie ich einst erwartet hatte, was ich auf der anderen Seite aber auch bereits erwartet hatte. Also so in etwa. Gute Konditionen sucht man bei so Buden vergeblich, darüber hinaus hat der Real in den letzten drei Jahren auch fast ein Drittel an Wert verloren gegenüber dem Euro – was man z.B. hier (wenn man die Grafik auf 3-Jahres-Ansicht stellt) ganz gut sehen kann. Ist ja nicht so, dass Prokrastination nicht auch ihren Preis hätte. 😉

Aber gut, es sind immer noch knappe 60% Trinkgeld auf die Tour gewesen, da will ich mal nicht jammern. Und dass ich mir zu viel Stress mit der Sache gemacht hätte, fällt jetzt auch schwer zu behaupten …