Nicht alltäglich …

Natürlich hat man nach 5 Jahren im Taxi bezüglich des Trinkgeldes zum Beispiel schon einiges gesehen. Die Rekorde zu toppen, wird im Laufe der Zeit immer schwerer. Aber man darf mal nicht vergessen, dass man als Taxifahrer immer im Niedriglohnsektor unterwegs ist und einen ein paar Euro mehr an Ort und Stelle schon mal außer Fassung bringen können. Dementsprechend hab ich auch etwas sparsam geguckt, als ich die sechs Norweger und Norwegerinnen aus dem Auto gelassen hab und der Koordinator des Bezahlvorgangs für die 17,40 € einfach mal spontan 5 € von jedem verlangte.

Mehr aber noch, als er sie bekam, sie mir gab und anschließend meinte, dass das so stimmen würde.

O.0

Aber gut, gefällt mir. 🙂

Überraschende Ansprache

Manchmal kommt man irgendwie auf ein uraltes Thema ohne das gewollt zu haben. So bei der jungen Dame, die mich in Friedrichshain herangewunken hatte und zunächst ein unklares Fahrtziel angab. Am Alex irgendwo. Daraus wurde dann nach einem Telefonat ein typisch kauderwel’sches

„Da direkt am Alex wo die Moll- zur Torstraße wird, Ecke Keibelstraße an der Bushaltestelle!“

Herrlich. Das ist so ziemlich genau das, was einem beim Lernen auf die Taxiprüfung aberzogen wird. Natürlich ist halbwegs klar, was sie meinte. Aber Keibel- Ecke Mollstraße ist 100 Meter weg von der Kreuzung, an der die Moll- zur Torstraße wird. Die Bushaltestelle liegt dazwischen und der Alex liegt mindestens zwei Häuserblocks weg.
Kleinigkeiten. Aber da ich unsicher war, an welcher Kreuzung ich sie rauslassen sollte, hab ich ein wenig vor mich hingemurmelt, dass ich jetzt mal gleich auf die Mollstraße fahre und sie ggf. auf der anderen Straßenseite rauslasse – um nicht unnötigerweise einmal um den Block zu fahren:

„Ich fahr‘ dann gleich hier lang. Ecke Keibel sollte zwar eher auf der Südseite sein, aber eine Bushaltestelle gibt es auf der anderen Seite ja auch. Und wenn se sagen, dass se an der Bushaltestelle sind …“

„UI! ICH WERDE GESIEZT!?“

Wie man auf Themen kommt, wirklich. 🙂

Nun musste ich aber leider zurückrudern. Also zumindest, wenn ich ehrlich bleiben wollte. Denn eigentlich hatte ich es bis dato ganz gut vermieden, mich zu entscheiden. Kein Du, kein Sie. Sie war Kundin, aber jünger, vielleicht jedoch auch in einer höheren Position – kannste ja nicht wissen, wer sich durch was auf die Füße getreten fühlt … ein nettes „Und? Party fängt erst an?“ reicht doch. 🙂
Und so gesehen war das – nach 5 Jahren Training – natürlich auch kein Ausrutscher:

„Nix gegen’s Duzen. Aber ausgerechnet jetzt hab ich eigentlich mit „Sie“ die nicht näher bekannten Leute am Telefon gemeint …“

Aber: 300 Meter vor dem Ziel, alle Ampeln waren grün und am Ende waren wir bei Du. Denke, das passt. 😀

Geschrieben hab ich über das Thema lange nix mehr, das letzte Mal war – Trommelwirbel! – im Jahre 2009. Manche Sachen verdrängt man halt im Alltag. Aber wer sich jetzt fragt:

„Und, wie isses jetzt mit dem Duzen und Siezen im Taxi?“

Hier ist der Eintrag: SuDie die Zweite. Und ich kann den noch heute weitgehend unterschreiben. Nur bei den Kollegen bin ich inzwischen völlig normal bei „ey Kollege“, wie es das geheime Protokoll des Taxikartells so vorschreibt. 😉

Zitat der Woche

Ich muss einleitend ein wenig erklären, worum es geht. Am vergangenen Wochenende war in Berlin die Hölle los und an fast allen Clubs war die Schlange lang. Teilweise sehr lang. Ich selbst verstehe ja ehrlich gesagt auch nicht, weswegen man anderthalb Stunden mit Anstehen rumbringen muss, um eine Party zu feiern – aber für Besucher angesagter Clubs ist das wohl Teil ihres Lifestyles.

Die Truppe, die ich im Auto hatte, hab ich am Sisyphos eingesammelt, von wo sie offenbar wegen der zu langen Schlange geflohen waren. Eine bunte Gesellschaft, in verschiedenfarbige Gewänder gehüllt, eine Frau und vier Männer. Dazu teilweise englischsprachig. Hier und da hörte ich Beschwerden, dass das mit dem Schlangestehen ja soooo doof sei und ob es nicht einen Club gäbe, der gut wäre und keine Schlange hätte. Ansonsten sei Heimfahren eben das Gebot der Stunde.

Und dann sagte die einzige Frau in der Runde folgenden Satz:

„Guys, sorry, I try to be honest: you wanna go out in Berlin? Then grow some fucking balls!“

🙂

Monstertour

Winkertouren sind immer toll, weil man nicht auf sie wartet. Wobei das nur teilweise wahr ist. Manchmal fährt man als Taxifahrer ja auch ganz gezielt Umwege, weil man auf der Route hofft, noch jemanden zum Mitnehmen zu finden. Die optimale Fahrt ist also eigentlich eine Winkertour, für die man nicht weit gefahren ist.

Bei dieser Fahrt galt das wohl. Denn gefahren bin ich ungefähr 25 Meter. Ich hatte nach dem ganzen Papierkram noch direkt auf dem Parkplatz Winker. So lobt man sich das! 🙂

Noch besser wäre es gewesen, wäre bei dem jungen Pärchen das Geld nicht knapp gewesen, denn sie fragten mich allen Ernstes, wie viel es bis zum ZOB kosten würde. Bei der Tour wären fast 30 € aufgelaufen, ganz grob jetzt. Davon haben sie dann jedoch lieber Abstand genommen und sich nur zur nächsten S-Bahn bringen lassen. In dem Fall zum Bahnhof Landsberger Allee, von wo aus sie die Ringbahn zu nehmen gedachten. So blieben für mich nur 6,60 € plus 40 ct Trinkgeld. Aber das ist ok, hätte sonst ja sogar eine Kurzstrecke werden können.

Das titelgebende Monster war übrigens der eine Koffer, in dem sie offenbar beide lebten der das Gepäck beider beherbergte. Sie haben ihn selbst so betitelt. Hat mich gewichtsmäßig fast ein wenig an den schwersten aber lukrativsten Koffer ever erinnert. Nur muss ich über das Monster jetzt ohne Prosecco hinwegkommen. Aber das sollte gehen. 😉

Eine seltene Assoziation

Nette Tour gehabt, 5 Leute an Bord, alles recht lustig eigentlich. Dann kommen wir am Club ihrer Wahl an, wo sich gleich ein weiterer Fahrgast bereithält. Er sieht zu, wie die drei von der Rückbank das Auto verlassen, dann ich und mein Beifahrer …

Als ich dann die Bank vorschiebe, um den letzten verbleibenden Kunden in der hintersten Ecke des Autos zu entlassen, sieht der Neue erschrocken in die Runde und fragt:

„Ist das ein Clowns-Auto?“

Was er wohl gefragt hätte, wenn wir tatsächlich noch das Fahrrad des einen Mitreisenden reinbekommen hätten?

Aber da hatte selbst die 72 nicht den Hauch einer Chance. 🙂

3 word language

Fahrgäste unter sich:

„And you are from Spain?“

„Italy.“

„Oh! Italy! Your German sounds so good …“

„I just said 3 words …“

„Yeah, but those 3 words were fantastic!“

Ich hab leider schon zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung mehr gehabt, welche drei Worte das waren. Ein gewisses Kauderwelsch hat im Fond die ganze Zeit geherrscht. 🙂

Reicht! Los geht’s!

Besonders die dritte Fahrt nach dem Flitzer im gestrigen Artikel hat mich schnell wieder aufgebaut. Ich war im Wedding – etwas außerhalb der akuten Partyzone – gelandet und hab mich vorsichtig eher in Richtung Prenzlauer Berg orientiert. Eben gerade nicht in die Stadt zu kommen, war mein Plan.

Nun, der ging dann auch besonders ausführlich auf, denn die drei Jungs, die ich fast verpasst hätte, weil zwischen mir und ihnen eigentlich ein Lieferwagen stand und … ach, egal. Ganz kurz:

„Hennigsdorf? Bringste uns dahin?“

„Sicher.“

„Was kost’n det? Reicht’n Fuffi?“

„Sicher.“

Ich war mir ziemlich sicher, dass dreißig reichen sollten, aber wir haben die Fahrt so oder so auf Uhr gemacht. Und? Dreißig wäre zu knapp gewesen und dank einer Fahrt noch ein Dorf weiter standen dann am Ende unglaublich gut zum 50er passende 47,40 € im Innenspiegel. Da ich natürlich leer zurück musste und nur einmal Trinkgeld bekam, wären in der selben Zeit drei kurze Touren in der Stadt sicher lukrativer gewesen. Aber irgendwie freut man sich dann halt doch, wenn man so einen Haufen Geld gleich mal sicher hat.

Und wenn’s heute abend wieder auf die Piste geht, wird mir der Ausfall vom Sonntag endgültig egal sein. 🙂