Uber, Taxi-Demos und all das

So wie es aussieht, wird es am 11.6.2014 eine Taxi-Demonstration gegen Uber in Berlin und anderswo geben. Ein gemeinschaftliches Aufbegehren der Taxifahrer in verschiedenen Ländern. Die Infos dazu sind noch dünn, aber das ist im Grunde auch egal. Ich weise auf die Demo zwar gerne hin, aber ich schreibe das hier nicht deswegen, sondern weil ich in letzter Zeit öfter mal kritische Kommentare über die Gegenwehr der Taxler gelesen habe.

Da ist von Taxi-Kartellen die Rede, davon, dass wir ein Monopol schützen wollen und altbacken und technophob wären und einer revolutionären App wie UberPOP den Zugang zum Markt verweigern wollten. Nun ja.

Hey, ich bin ein kritischer Mensch und setze mich selbst als Taxifahrer mit dem Gewerbe entsprechend auseinander. Was also ist dran?

Eine gewisse Technophobie würde ich dem Gewerbe gerne unterstellen, schließlich ist es mit dem Internet und den Apps noch nicht richtig warm geworden. ABER: Wie überall betrifft das nur einen Teil, das Taxigewerbe ist wahnsinnig differenziert. Ich schätze z.B., unter den MyTaxi-App-Usern über 40 Jahren ist der Anteil der Taxifahrer überproportional hoch. Wenn es Geld bringt, machen Taxifahrer vieles. Schon alleine, weil wir bisher nur wenig Geld haben. Wie weit es solche Einstellungen in die höheren Strukturen des Gewerbes schaffen, ist aber wieder eine ganz andere Frage.

Ob Taxifahrer gegen revolutionäre Änderungen sind? Nun ja, da sind wir wohl ähnlich gespalten wie der Rest der Republik.

Mein wichtigster Einwand richtet sich gegen die Monopol- und Kartell-Vorwürfe. Denn das sind schwierige Fragen, die viele Menschen in ihrer Gesamtheit nicht wirklich nachvollziehen können und vielleicht deswegen falsch einschätzen. Ja, wir Taxifahrer wehren uns gegen die Angriffe von Uber und ja, wir verlangen in diesem Rahmen, dass man Sondergesetze beibehält, die es unseretwegen gibt. Und selbst ich, der ich wirklich kein Freund von übereifrigem Protektionismus bin, kann da mitgehen.

Warum?

Mir geht es weniger um meinen Geldbeutel als um Fairness. Und einen entscheidenden Part, den Uber und sicher viele andere vergessen: Wir Taxifahrer sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Ich weiß, für manchen da draußen ist Taxifahren eine Luxusdienstleistung. Für mich gewissermaßen auch. Ich fahre normalerweise mit der Bahn zur Arbeit. Aber wir schließen tatsächlich die letzte Mobilitätslücke in diesem Land. Wir sind auch da, wenn keine Bahnen fahren. Wir sind die letzte Rettung, wenn nichts mehr geht. Taxifahren ist nicht nur die bequemere und luxuriösere Variante, in Berlin von einem Club besoffen nach Hause zu fahren, weil man keinen Bock auf Warten hat. Taxifahren ist auch, gehbehinderten Rentnern auf dem Land eine Möglichkeit zu geben, vom Arzt nach Hause zu kommen, wenn die nächste Haltestelle mehrere Kilometer entfernt liegt.
Um das zu gewährleisten, werden uns Pflichten auferlegt. Jede Menge. Unsere Autos müssen Spezifikationen erfüllen, die Fahrer müssen Prüfungen bestehen, wir müssen eine gewisse Dienstzeit einhalten, wir dürfen unsere Preise nicht frei bestimmen. Im Gegenzug erhalten wir staatliche Unterstützung: es gibt Taxihalteplätze auf der Straße, wir müssen nur 7% Mehrwertsteuer erheben, sowas eben. Damit sich das Ganze rechnet, sind wir nebenbei auch Anlaufstelle für Touristen, Betrunkene, Verirrte und Besserverdienende.

Dass Limousinen uns letztgenannte Kundschaft abspenstig machen wollen, ist prinzipiell ok. Wenn sie ein Angebot haben, das die Kunden schätzen, dann gönne ich ihnen das. Ich bedauere ja selbst, dass im Taxigewerbe viel zu wenig auf die Qualität geachtet wird. Wenn sich enttäuschte Kunden andere Dienste suchen, ist das ihr gutes Recht.

Das Problem an Angeboten wie UberPOP ist also wirklich nicht, dass sie uns Kundschaft abspenstig machen. Damit müssen auch wir leben und gegebenenfalls einfach besser werden als die Konkurrenz. Das Problem ist, dass sie – gegen geltendes Recht – Fahrer ohne P-Schein einsetzen. Während wir Taxifahrer uns einer harten Prüfung bezüglich der Ortskunde stellen müssen, können sich das die Uber-Fahrer sparen. Und sparen ist das richtige Wort, denn: Ausbildungen kosten Geld. Und während Uber im Falle eines Engpasses die Preise erhöhen kann, können wir Taxifahrer das nicht. UberPOP-Fahrer dürfen Kunden ablehnen, wir nicht.

Ich weiß, in Berlin klingt das lächerlich, hier sind so viele Taxen unterwegs, man kann sich Engpässe kaum vorstellen. Aber wo bleibt die Mobilität, wenn wir einem Rentner mitteilen würden, dass seine Fahrt heute statt 10,20 € eher 56,40 € kosten würde? Einfach, weil am anderen Ende der Stadt eine Messe ist.
Taxifahren ist nicht billig. Kann es leider nicht sein, denn auch wir Fahrer müssen von irgendwas leben und es ist teuer, sich einen eigenen Angestellten mit einem teuren Gerät zu mieten, sorry. Aber wir halten die Preise dadurch halbwegs im Zaum, dass wir gute Standplätze haben, wenig Steuern zahlen und hier und da auch mal eine lukrative Touristenfahrt haben. Deswegen wird das Taxigewerbe geschützt: damit es für die dort arbeitenden Menschen drin ist, zu festen und fast schon vorhersagbaren Preisen Menschen befördern zu können, auch wenn es sich im Einzelfall mal nicht wirklich lohnt.

(Es ist wirklich ein schwieriger Balanceakt, die Zahl der Taxen hoch genug zu halten, um auch in Sondersituationen den Ansturm zu meistern und andererseits in schwachen Zeiten trotzdem genug Geld für die Fahrer einnehmen zu können.)

Es gibt Platz für Mitbewerber. Der ist durch diese Einschränkungen natürlich begrenzt, aber mit begrenzten Ressourcen haben wir alle zu kämpfen. In vielen Städten gibt es z.B. Mietwagen (meist bekannt als „Minicars“), die diese Lücke besetzen. Und eben Limousinenservices wie Uber ja eigentlich auch einer ist. Die Frechheit der Macher von UberPOP ist nicht, dass sie (teilweise – also wenn es passt) bessere Preise anbieten. Sondern dass sie sich gerne die zahlungskräftigen Kunden rauspicken, sich illegal über Beschränkungen hinwegsetzen und damit das bislang halbwegs funktionierende Modell zerschießen.

Um ehrlich zu sein: Ja, vielleicht ist UberPOP in diesem oder jenem Moment für die Kunden interessanter, da billiger. Und wir müssen alle auf unser Geld achten, nicht wahr? Aber denkt daran, womit es erkauft ist. Ich könnte als Taxifahrer auch mal hier und da einwilligen, einen Festpreis von 12 € vom Ostbahnhof zum Flughafen Tegel zu machen – aber halt nur, wenn ich von Tegel aus dann die Touristen um einen Zehner prelle. Legal kann ich das nicht machen, da die Berlin-Heimkehrer zum gewohnten Preis gefahren werden müssen – und so sehr ich stellenweise über die beschränkte Flexibilität fluche, so ist es doch auch gut, dass man als Kunde vorher einschätzen kann, was es kostet.

Mal ganz davon abgesehen, dass man sich mal überlegen sollte, wie die Uber-Fahrer bezahlt werden. Im Gegensatz zum Taxi werden 19 statt 7% Mehrwertsteuer fällig. Im Gegensatz zu z.B. MyTaxi fallen 20% Provision an statt maximal 15. Rentabel wird das erst dadurch, dass eben allerlei Auflagen, mit denen wir Taxifahrer zu kämpfen haben, nicht erfüllt werden. Und das, man kann es nicht oft genug wiederholen, illegal. Von den UberPOP-Fahrern wird noch nicht einmal eine Gewerbeanmeldung verlangt.

Natürlich sind wir Taxifahrer nicht der Nabel der Welt, nicht unfehlbar und unersetzlich. Aber ich versuche das jetzt mal mit wenigen Worten zusammenzufassen:

Ein internationales Multimillionen-Dollar-Unternehmen steigt in die deutsche Personenbeförderung ein. In ein Gewerbe, in dem tausende Einzel- und Kleinunternehmen mit Mühe und Not Geld unter dem angedachten Mindestlohn einfahren. Um das lukrativ überhaupt leisten zu können, verzichtet es auf sage und schreibe alles, was machbar ist. Da die Fahrer keinen P-Schein brauchen und kein Gewerbe, fördern sie gleichermaßen Schwarzarbeit wie mangelnden Versicherungsschutz von Fahrern und Fahrgästen. Die umfangreichen Ausbildungen oder die pingeligen Anforderungen an die Fahrzeuge ignoriert man gleich mit. Kostet ja alles Geld. Am Ende bieten sie eine 20€-Taxifahrt für 3 € weniger an. Wenn ihnen das passt. Können auch mal 50 € mehr sein, ist aber ganz selten, versprochen!

Und dann stellen die sich in den Medien als arme von Taxi-Kartellen bedrohte schützenswerte Innovationsbude hin?

Einmal jährlich TÜV, einmal jährlich Taxameter eichen lassen – überhaupt ein Taxameter kaufen!, Geld für Alarmanlagen, Dachschilder etc. pp. Ein halbes Jahr lernen auf die Ortskundeprüfung, ggf. die Schulung bei der IHK, mancherorts Geld für eine Konzession, das Einhalten von Arbeitszeiten, das Bezahlen von Steuern etc. pp …
Sicher, das alles wegzulassen, um am Ende 3 € billiger zu sein: das ist wirklich innovativ. Schätze aber, das wird bei den Richtern nicht das Wort der Wahl sein …

Das Personenbeförderungsgesetz, gegen das das Unternehmen jetzt wettert, ist in erster Linie ein Verbraucherschutz. Damit nicht jeder Depp mit jedem Auto gewerblich Personen befördern darf. Gleichermaßen sind die Hürden dort zumindest mal so niedrig, dass immer noch über Taxifahrer geschimpft wird und es unzählige Mitbewerber in Deutschland gibt, die – ob mit Minicars oder Limousinen – auch ihre Nische gefunden haben. Und wir Taxifahrer im Speziellen haben gegen ein paar zusätzliche Pflichten auch ein paar Sonderrechte, damit wir eine Versorgung garantieren können.
Die Regelungen mögen nicht perfekt sein, nicht ohne Grund wird auch bei uns im Gewerbe viel gemeckert. Aber es ist doch wohl nachzuvollziehen, dass wir uns nicht gefallen lassen, wenn die von Uber mit Dollarscheinen wedeln und behaupten, für sie würden die Regeln nicht gelten.

An dieser Stelle verlinke ich gerne den offenen Brief von Richard Leipold – jenem Unternehmer, der gegen Uber – allerdings den Limousinendienst, nicht UberPOP – eine einstweilige Verfügung (in dem Fall wegen dem illegalen Bereithalten der Autos) erwirkt hat. Ein – Respekt dafür! – wirklich sinnvoller und unpolemischer, fast schon sachlicher und konstruktiver Beitrag zur Debatte: Offener Brief von Richard Leipold

Ja, sicher: dem Taxigewerbe an sich geht es natürlich durchaus auch ums Geld. Es ist schwierig genug, in dem Gewerbe sein Auskommen zu haben und selbstverständlich ist auch das ein Grund, sich zu wehren, wenn andere mit unfairen Methoden den Markt kaputt noch kaputter machen. Schlimm genug, dass man die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen nicht in den Griff bekommt – aber da verhallt unser Rufen nach dem Eingreifen der Politik ja auch seit Jahren. Wer glaubt, hier sei irgendein Kartell an der Macht, der sollte sich mal den Kampf der Gewerbevertretungen untereinander und den ständigen Clinch mit dem LABO reinziehen …

Zu guter Letzt:

Liebe Leute von Uber,

Taxen im Preis unter-, in der Qualität aber überbieten. Und dabei noch mehr Geld rausholen. Das ist ein echt hehres Ziel, Respekt! Aber seid Ihr wirklich so bescheuert, dass Ihr glaubt, wir hätten noch nie in den letzten 100 Jahren versucht, besser, billiger und lukrativer zu werden? Was glaubt Ihr wohl, warum wir’s nicht geschafft haben?
Das ist kein Vertrauen in die eigene Innovation mehr, das ist dumm und naiv.

71 Stunden

Das für Navis bekannte Unternehmen TomTom hat – wenn man diesem Artikel der Berliner Zeitung Glauben schenkt – einen Stau-Index herausgegeben, der die in der Überschrift genannten 71 Stunden als die Zeit angibt, die Berliner Pendler pro Jahr im Stau verbringen. Uff.

Nun ist ja genau das einer der Punkte, weswegen ich den am Tage fahrenden Kollegen so viel Respekt entgegenbringe. Denn wenn Pendler bei 30 Minuten Fahrtweg 71 Stunden im Stau stehen, wird für ganztägig arbeitende Taxifahrer eine Zeit herauskommen, die sich besser in Wochen messen lässt.

Als einwohnerreichste Stadt, Hauptstadt noch dazu, liegt Berlin natürlich beim Verkehr auch im oberen Bereich. Aber – und das zeigt mir, dass mein Gefühl nicht ganz falsch liegt – noch schlimmer sieht es in Hamburg und meiner Heimatstadt Stuttgart aus. Während ich über Hamburg nicht viel weiß, wundert mich das bei Stuttgart nicht. Ich empfand Berlin autoverkehrsmäßig immer schon als sehr großzügig dimensioniert, besonders hier im Osten.

Was ich an dem als Studie betitelten Index erstaunlich finde, ist die Aussage, dass Berliner etwa ein Drittel mehr Zeit einplanen müssten. Im Vergleich zu was? Ich kann sicher sagen, dass es im Vergleich zum Nachtverkehr wesentlich mehr ist. Denn nachts fährt es sich hier abgesehen von wenigen Ausnahmen (wenn in der O2-World z.B. ein Konzert endet) fast schon wie auf dem Land. Wenn Ihr wollt, zähle ich gerne mal mit, an wie vielen Ampeln ich während einer Schicht eine zweite Grünphase abwarten muss. (Spoiler: Ich glaube, der Wert liegt bei höchstens 1)

Aber laut dem Artikel gibt es auch Hoffnung: in Berlin geht die Verkehrsbelastung zurück. Und ich persönlich glaube dabei auch nicht an einen Zufall. Immer weniger junge Menschen machen einen Führerschein, noch weniger schaffen sich ein Auto an. Letzteres ist sicher auch eine Reaktion auf die Car-Sharing-Angebote; ersteres zeigt zudem, wie gut der öffentliche Nahverkehr hier trotz aller Skandale am Ende doch ist – und ja, der schließt auch Taxen mit ein.

Trotz Einwohnerzahl und Hauptstadtbonus nur Platz 3 in Deutschland. Dazu eine rückläufige Tendenz. Ich als Nichtbetroffener spreche das vielleicht leichtfertig aus, aber ich glaube, dass das eigentlich ein gutes Zeichen für diese Stadt ist.

Neuer Trend

Was mir in letzter Zeit immer öfter auffällt, ist die Antwort

„Ach, nicht dafür!“,

wenn ich mich fürs Trinkgeld bedanke. Natürlich hab ich das hier und da schon mal gehört, aber in letzter Zeit hab ich das teilweise zweimal am Tag. Ist der Spruch in letzter Zeit irgendwo prominent in den Medien gewesen oder hab ich sonst irgendwas verpasst? 🙂

Liebe Sparkasse,

ich müsste Euch eigentlich ja dankbar sein. Meine letzte Tour ist vier Euro lukrativer als geplant geworden, weil Ihr inzwischen weitgehend flächendeckend nachts Eure Filialen abschließt und ich mit meinen Kunden noch eine Runde zu einer anderen Bank drehen musste. Aber ich bin nicht dankbar.
Mal abgesehen davon, dass auch ich Kunde bei Euch bin – noch dazu einer, der dazu neigt, zu seltsamen Zeiten zur Bank zu gehen – ich finde es auch per se ein Unding.
Worum geht es Euch? Vandalismus? Oder einfach nur um die armen Obdachlosen, die mal eine Nacht in einem eurer Vorräume Schutz vor der Kälte suchen?

Habt Ihr nicht ohnehin jemanden, der morgens vor der Filialöffnung mal durchputzt? Und würde sich nicht sogar in Einzelfällen Wachpersonal finanzieren lassen von den zusätzlichen Transaktionen – zumal in einer Stadt mit viel Nachtleben wie Berlin?

Vor ein paar Jahren noch habt Ihr nachts das Online-Banking geschlossen (WTF?), ich hatte eigentlich die Hoffnung, Ihr hättet es danach halbwegs geschnallt.

Ich als Taxifahrer werde künftig Touristen keine eurer Filialen mehr nahelegen. Ich hab nämlich weder Zeit noch Lust, herauszufinden, welche davon wann warum offen haben oder nicht. Dann kassieren eben die anderen die teils abenteuerlichen Abbuchungsgebühren. Und ich verdiene mein Geld dann halt mit den weiteren Wegen. Unterm Strich seid es also Ihr, die ihr an Image bei den eigenen und an Geld bei fremden Kunden verliert. Hoffe ich zumindest.

Mit, nun ja, Grüßen halt.

Sascha Bors

Autonome Autos

Thorsten, langjähriger Leser hier, hat mir vor ein paar Tagen einen Link zu einer Meldung bei heise.de gegeben, die sich mit autonomen, also eigenständig fahrenden, Autos beschäftigt. Damit verbunden war eine eher allgemeine Frage nach meiner Meinung und Einschätzung dazu.

Nun. Ich bin natürlich weder Experte für die dort eingesetzte Technik, noch Hellseher. Aber dass das Thema in der Zukunft eine große Rolle spielen wird, scheint klar zu sein. Die Versuche in die Richtung laufen ja schon seit spätestens den 90er-Jahren und ich erinnere mich daran, dass ich schon beim Lernen auf den P-Schein darüber nachgedacht habe, wie lange es Taxifahrer wohl überhaupt noch geben wird.

Ich sehe bei der Sache drei wesentliche Probleme:

1. Die Technik

2. Das Autofahren als persönliche Freiheit

3. Die gesetzlichen Fragen

1. Die Technik

Wie weit die Technik ist, das kann ich nicht sagen. Man hört so viel widersprüchliches, mehr als dass ein komplett alleine fahrendes Auto noch nicht endgültig marktreif ist, lässt sich wohl kaum sagen. Aber technisch ist es nur eine Frage der Zeit. Denn immerhin ist klar: alle Grundlagen dafür existieren. Im Grunde muss alles was da ist lediglich schneller, sicherer, genauer und preiswerter werden. Zumal die meisten Techniken sowieso auch für andere Bereiche entwickelt werden und man da gar nicht nur auf das Engagement bei der Entwicklung der Autos angewiesen ist. Ob die Technik noch 5 oder 35 Jahre braucht, um wirklich besser als menschliche Fahrer zu sein, weiß ich nicht. Aber der Punkt wird kommen. Vor 50 Jahren war auch schwer vorstellbar, dass es einmal Landkarten geben wird, die uns binnen weniger Sekunden die schnellste Strecke zwischen zwei hunderte Kilometer auseinanderliegenden Punkten nennen und uns Anweisungen geben, wohin wir fahren sollen.

2. Das Autofahren als persönliche Freiheit

Hier können wir gleich mit der Vorstellungskraft weiter machen. Für viele ist es heute sicherlich noch undenkbar, das Steuer aus der Hand zu geben. Das Auto ist Fortbewegungsmittel und Statussymbol zugleich und ein nicht unbedeutender Anteil der Fahrer bildet sich ganz schön was auf die eigenen Fähigkeiten am Steuer ein. Aber auch hier: das ist noch nicht lange so und es besteht überhaupt kein Grund, davon auszugehen, dass das ewig so bleiben wird. Wozu es indes führen wird: sollten sich autonome Autos irgendwo durchsetzen, dann tatsächlich eher im Carsharing-/Mietwagen-/Taxi-Bereich. Autos, die man rein zweckmäßig nutzt oder wenn man eigentlich gar keine Zeit zum Fahren hat. Ganz davon abgesehen, dass Fahrer natürlich Geld kosten und – eine entsprechend bessere Technik vorausgesetzt – ein Risiko sind. So sehr ich mich als Taxifahrer über die netten Gespräche mit der Kundschaft freue – am Ende fahren die Fahrgäste, um ans Ziel zu kommen, nicht wegen meiner Person.

3. Die rechtliche Seite

Das ist ein schwieriger Punkt. Wie sich das entwickeln wird, ist schwer abzusehen. Auch hier wird – wie bei den meisten technischen Revolutionen – die Gesetzgebung der gesellschaftlichen Entwicklung hinterherhinken und sie entsprechend ausbremsen können. Selbstfahrende Autos sind noch nirgends vorgesehen und es gibt natürlich eine Menge Fallstricke auf dem Weg. Wer haftet für selbst entscheidende Maschinen? Was, wenn sie gehackt werden?
Ich erwarte ehrlich gesagt nicht, dass Deutschland da Vorreiter sein wird. Die Sicherheit wird hier großgeschrieben, da wird es andere Länder geben, die weniger zu verlieren haben. Aber auch dann wird es – vermute ich – eine Frage der Zeit sein. Denn sobald das Konzept irgendwo funktioniert, wird man es erfahren. Vielleicht sind es am Ende ja die Lobbyisten aus der Versicherungsbranche, die den Umschwung bringen. Wäre immerhin mal was neues … 🙂

Mein persönliches Fazit

Ich bin sicher, dass autonome Fahrzeuge irgendwann den Straßenverkehr wie wir ihn kennen, ersetzen oder zumindest dominieren werden. Und ich vermute weiterhin, dass es zu allererst Branchen wie das Taxigewerbe treffen wird. Wann das allerdings passiert – und ob es dann so plötzlich gehen wird, wie Brad Templeton im Heise-Artikel sagt – weiß ich nicht. Ich bange nicht wirklich um meinen Job deswegen, aber ich würde wetten, dass sich die Frage nach einer Beschäftigung als Fahrer in der Generation der jetzt geborenen Kinder nicht mehr stellen wird.

Wird das gut oder schlecht sein?

Ich habe keine Ahnung! War die Erfindung des Autos gut oder schlecht? Mir fehlt allen Ernstes die Vorstellungskraft, um mir diese Welt auszumalen. Aber wir – oder unsere Kinder – werden da reinwachsen. Wir haben es auch geschafft, binnen weniger Jahre damit umzugehen, plötzlich Geräte mit dem kompletten Weltwissen in der Hosentasche mit uns herumzutragen. Und was machen wir? Wir schicken Videos von süßen Kätzchen damit umher. Wer hätte das erahnen können? Und vielleicht fahren die autonomen Kisten dereinst wenigstens weniger Kätzchen über den Haufen.

Alle Infos zu FAER

Nun ist es so weit: Ab morgen tritt das neue Fahreignungsregister FAER auf den Plan und ersetzt das liebgewonnene Verkehrszentralregister VZR in Flensburg.

Wer sich noch nicht über die neuen Regelungen Gedanken gemacht hat, kann hier bei bussgeldkatalog.org alle Infos bekommen.

Gefunden hab ich den Link im immer lesenswerten lawblog.

Tanzt gut in den Mai – und beehrt das FAER nicht gleich mit Neuzugängen! 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Arbeitsmoral auf der Probe

Gestern hat es mich nicht wirklich vor die Türe gezogen. Das Wetter war zwar traumhaft, aber am Ende war es genau das, was ich befürchtet hatte: Der letzte Wochentag der Osterferien – nicht gerade bekannt für gute Geschäfte im Taxi. Und was mir die Kollegen so berichteten … da war ich ganz schnell wieder weg von der Straße. Und ich war mit 9,40 € Umsatz auf 2 Stunden nicht das schlimmste, was in dieser Woche im Berliner Taxigewerbe passiert ist, das kann ich Euch sagen.

Deswegen sollte ich es jetzt am Wochenende besser nicht so schleifen lassen. Ein paar Euro brauche ich dann nämlich schon noch, um auf mein Soll zu kommen. Und nun habe ich dieses Wochenende auch noch sturmfrei … da ist mein innerer Schweinehund leider gerne besonders aktiv.

Also wenn ihr schon immer mal beim Feiern am Wochenende jemanden rumscheuchen wolltet, dann erinnert mich bei Twitter oder Facebook daran, dass ich arbeiten muss. Statt Gemecker nehme ich aber natürlich auch Touren an. 😉