71 Stunden

Das für Navis bekannte Unternehmen TomTom hat – wenn man diesem Artikel der Berliner Zeitung Glauben schenkt – einen Stau-Index herausgegeben, der die in der Überschrift genannten 71 Stunden als die Zeit angibt, die Berliner Pendler pro Jahr im Stau verbringen. Uff.

Nun ist ja genau das einer der Punkte, weswegen ich den am Tage fahrenden Kollegen so viel Respekt entgegenbringe. Denn wenn Pendler bei 30 Minuten Fahrtweg 71 Stunden im Stau stehen, wird für ganztägig arbeitende Taxifahrer eine Zeit herauskommen, die sich besser in Wochen messen lässt.

Als einwohnerreichste Stadt, Hauptstadt noch dazu, liegt Berlin natürlich beim Verkehr auch im oberen Bereich. Aber – und das zeigt mir, dass mein Gefühl nicht ganz falsch liegt – noch schlimmer sieht es in Hamburg und meiner Heimatstadt Stuttgart aus. Während ich über Hamburg nicht viel weiß, wundert mich das bei Stuttgart nicht. Ich empfand Berlin autoverkehrsmäßig immer schon als sehr großzügig dimensioniert, besonders hier im Osten.

Was ich an dem als Studie betitelten Index erstaunlich finde, ist die Aussage, dass Berliner etwa ein Drittel mehr Zeit einplanen müssten. Im Vergleich zu was? Ich kann sicher sagen, dass es im Vergleich zum Nachtverkehr wesentlich mehr ist. Denn nachts fährt es sich hier abgesehen von wenigen Ausnahmen (wenn in der O2-World z.B. ein Konzert endet) fast schon wie auf dem Land. Wenn Ihr wollt, zähle ich gerne mal mit, an wie vielen Ampeln ich während einer Schicht eine zweite Grünphase abwarten muss. (Spoiler: Ich glaube, der Wert liegt bei höchstens 1)

Aber laut dem Artikel gibt es auch Hoffnung: in Berlin geht die Verkehrsbelastung zurück. Und ich persönlich glaube dabei auch nicht an einen Zufall. Immer weniger junge Menschen machen einen Führerschein, noch weniger schaffen sich ein Auto an. Letzteres ist sicher auch eine Reaktion auf die Car-Sharing-Angebote; ersteres zeigt zudem, wie gut der öffentliche Nahverkehr hier trotz aller Skandale am Ende doch ist – und ja, der schließt auch Taxen mit ein.

Trotz Einwohnerzahl und Hauptstadtbonus nur Platz 3 in Deutschland. Dazu eine rückläufige Tendenz. Ich als Nichtbetroffener spreche das vielleicht leichtfertig aus, aber ich glaube, dass das eigentlich ein gutes Zeichen für diese Stadt ist.

35 Kommentare bis “71 Stunden”

  1. Daniel sagt:

    Ich glaube der Hauptgrund ist daß es einfach immer wenige junge Menschen gibt die einen Führerschein machen könnten?
    Die Carsharing Angebote sind für junge Leute die sich (noch) kein eigenes Auto leisten können sicher eine tolle Sache.
    Dennoch würde ich (und damit bin ich sicher in keiner Minderheit) auf keinen Fall auf ein eigenes Auto verzichten wollen. Nahverkehrausbau ist aber wichtig – aber genauso eine funktionierendes Straßennetz.
    Im Fall Berlin würde das mindestens eine Ringschließung der A100 bedeuten – in Stuttgart eine Nord-Ost Umfahrung und eine Filderauffahrt. Beides wird aber von links-grünen Politikern seit Jahrzehnten verhindert… die hätten am liebsten alle würden nur noch mit dem Fahrrad fahren 🙂

  2. Johannes sagt:

    Richtig, Fahrradfahren ist eine ernstzunehmende, weil schöne und gesunde Alternative! Ich habe dazu zufällig gerade gestern diese alte Doku über das Fahrradfahren in Berlin bei YouTube gefunden: http://www.youtube.com/watch?v=oXd4NNvNjHY 😉

  3. Knut sagt:

    Ringschließung der A100? Autobahnneubau in der Stadt bei sinkenden Autoverkehrszahlen? Wo ist da die Logik?

  4. Daniel sagt:

    Die A100 ist (wenn Wikipedia nicht lügt) die in Deutschland am stärksten frequentierte Autobahn. Wo, wenn nicht dort ist ein Ausbau noch mehr gerechtfertigt? Deutlich sinkende Zahlen sind eine Wunschvorstellung von grün-linken Politikern die allen ihre Ideologie aufzwingen wollen.

    Wobei ich durchaus auch für Ausbau und Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und Carsharing bin – aber vernünftigen Ausbau der Straßen an den Stellen an denen es nötig ist gehört auch zu einem vernünftigen Verkehrskonzept.
    Von einem Ring in Berlin würden sicherlich mehr Einwohner ent- als belastet. Aber soweit ich mitbekommen habe werden bis 2022 ja lediglich 2 weitere Abschnitte realisiert, der Rest steht in den Sternen.
    Mal als Beispiel (bei Google Maps rausgesucht), ich will von Tempelhof nach Pankow. Sicher keine Strecke die man locker mit dem Fahrrad fährt. Bei ausgebauten Ring, ging das Ratzfatz. Ohne Ring muß man quer durch die Stadt mit zig Wohnstraßen, Ampeln, etc. Abgesehen vom unnützen im Stau stehen ist damit weder den Anwohnern noch der Umwelt geholfen.

    In zweiten von Sash genannten Beispiel Stuttgart ist es noch schlimmer – da existiert eine Umfahrung gar nicht. Der Landesregierung fällt aber auch nicht mehr als als die Staus durch die Stadt (in denen Leute stehen die weder aus Stuttgart kommen noch nach Stuttgart reinfahren, einfach nur weil es keine Umfahrung gibt) noch zu verschlimmern durch unsinnige Tempolimits (Tempo 50 auf einer dreispurig breit ausgebauten Straße, Tempo 30-40 im Gespräch). Nur geholfen hats bisher nicht – weder Staus noch Feinstaubbelastung gingen zurück.

    Aber statt sich um ernsthafte Alternativen zu bemühen ist es natürlich einfacher sich zurückzulehnen und zu sagen „Irgendwann werden es schon weniger Autos“.

  5. elder taxidriver sagt:

    Singapur

  6. Christian sagt:

    In Hamburg ist der Verkehr u.a. deshalb schwierig, weil man von Nord nach Süd und umgekehrt nur über die Elbbrücken oder durch den Elbtunnel kommt. Und beide müssen aufgrund ihres Alters und des hohen Verkehrsaufkommens regelmäßig gewartet werden. Der ÖPNV funktioniert dort aber ähnlich gut wie in Berlin, jedenfalls fahre ich wann immer es geht nach Hamburg nicht mit dem Auto hinein. Von den astronomischen Parkgebühren in der City ganz zu schweigen.

    Wenn ich in Berlin leben und arbeiten würde, hätte ich wahrscheinlich auch kein Auto. Auf dem Land und in mittelgroßen Städten hat man aber keine Wahl, und wenn man wie ich beruflich zu unmöglichen Zeiten an irgendwelchen Amtsgerichten in der Pampa aufschlagen muss, kommt man ohne eigenes Fahrzeug auch nicht weit. Für 100%-Touren in Berlin komme ich aber immer wieder gern auf Deinen Service zurück. 🙂

  7. Matthias sagt:

    Wenn man nach den Gründen für die verminderte Anzahl von Autos und Führerscheinen fragt, bekommt man in der Regel ideologisch geprägte Antworten. Und weil Umfragen meist durch die Politik und grün-linke Unis lanciert werden, erhält man entsprechende Antworten.

    Car-Sharing finde ich bedingt interessant. Also erst mal suchen, wo ein Auto steht, und 1-10 Minuten hinlaufen… wenn es ein Wocheneinkauf ist, kann man das ja machen, aber öfter? Außerdem, ich habe nachgeschaut, gehört mein Wohnort nicht zum Geschäftsgebiet. Pech gehabt, fällt raus.

    Öffentlicher Nahverkehr? Dauert selbst am Tage üblicherweise doppelt so lange, nachts bis zu 7x so lang (ja, gemessen). Davon ausgenommen sind besondere Verkehrssituationen, die durch den ÖPNV verursacht wurden: Die meisten langen Staus, bei denen ich persönlich betroffen bin, werden durch Sanierungsarbeiten von Schienenwegen verursacht.

    Und bisher habe ich noch keine öffentlichen Hinweise darauf gefunden, dass den jungen Leuten, selbst wenn sie das Glück haben, eine bezahlte Anstellung zu finden, das Autofahren schlicht zu teuer ist.
    Einkommenssteuer, Miete, GEZ, MwSt, GasWasserScheißeStrommitökozulage, Soli, Rente, Sozialversicherung, Krankenversicherung, wie soll man dann noch mit 1300 Brutto KFZ-Steuer, Haftpflicht, Mineralölsteuer, Steuerzahlersteuer, Ökosteuer, Sonderumlage, demnächst Maut bezahlen… und da ist noch kein einziger Cent für’s eigentliche Auto mit drin? Selbst ein normales kleines Auto schlägt schon mit 20000 zu Buche, plus Benzin, Werkstatt, Wartung.

    Ich glaube, es gäbe sehr viele Leute, die gerne auf die Bereicherung in U- und S-Bahnen verzichten würden, aber es einfach finanziell nicht packen.

    Dass es in gerade in Berlin auch viele Ideologen gibt, will ich gar nicht bestreiten, aber die Diskussion ist doch arg einseitig.

  8. Kaffchris sagt:

    Hui, Verzicht auf Auto. Gut, so jung bin ich nu auch nich mehr, aber bei mir hats schlicht und ergreifend Kostengründe. Fahrzeug samt Unterhalt (wird ja gern vergessen), da komm ich selbst bei den astronomisch hohen ÖPNV-Gebühren in München mit den Öffentlichen besser weg. Ich muss ja immer kichern, wenn ich dann in der Arbeit sitze und ewig lang fast allein dort rumhocke, weil der Rest mal wieder im Stau steckt. Verspätungen im ÖPNV? Gab bisher in 8 Jahren genau zwei größere, also mehr als 10 Minuten. Davon eine wegen nem Besoffenen der ins Gleisbett fiel. Dazu ist der ÖPNV doch recht gut ausgebaut, so dass ich ein Auto so gut wie nie brauche.
    Und den ganzen Winter über freu ich mich ja schon drauf, wenn das Wetter wieder dazu taugt, sich aufs Rad zu schwingen. Der Unterschied von der Fahrzeit zwischen Fahrrad und Auto (ohne Stau) wäre übrigens absolut zu vernachlässigen ^^
    (Fahrtweg übrigens Wohnung->Arbeitsstelle: 9,5km, also ne gute halbe Stunde mitm Rad)
    Aber vermutlich bin ich ideologisch verblendet *kicher*

  9. Sash sagt:

    @all:
    Belastbare Zahlen hab ich dazu nicht, aber gefühlt spielt das Auto bei jungen Leuten wirklich weniger eine Rolle als früher. Natürlich bekomme ich da als Taxifahrer eine verzerrte Sicht, aber auch im privaten Umfeld kenne ich inzwischen einige, die entweder keinen Führerschein machen, sich zumindest kein Auto kaufen – oder sogar ihr Auto abschaffen. Die Motive sind natürlich völlig verschieden, und natürlich klappt das bisher – wie Christian ja auch schreibt – nur in den Großstädten.
    Warum der Trend sich nicht fortsetzen sollte, wüsste ich allerdings auch nicht. Seit nunmehr Jahrzehnten wird nicht mehr vorrangig für den Autoverkehr gebaut und zum Privatwagen gibt es immer mehr Alternativen. Sicher keine für alle perfekte, aber die Entwicklung ist auch erst am Anfang.

  10. Krüml sagt:

    Was ich zu den genannten Zahlen echt frech fand, war ein Kommentar des (wunderbar seriösen) Berliner Kuriers dazu, dass die Fahrradfahrer „Schuld“ an der ganzen Sache seien, weil ja immer mehr Straßen verschmälert werden, um Fahrradwee zu machen. Ich muss zugeben, dass ich mit SChöneweide nicht wirklich in der Innenstadt (gott bewahre) wohne, aber die Aussage find ich einfach nur dämlich, wenn ich tag täglich an Autos die auf der Fahrbahn – und dem Radweg – parken vorbeifahre oder über den gefühlt holprigsten Radweg der Welt entlang fahren muss (Adlergestell in Richtung aus der Stadt raus… megamäh).
    Ich gebe zu, dass ich kein Autofahrer bin, und in Berlin denke, dass es auch irgendwie ohne geht (auch wenn man sich von Sash dann mal nachts um halb neun auf Arbeit abholen lassen muss, weil man sonst nicht heim kommt). Es ist im Prinzip jedem das seine wie er wo fährt, aber dann irgendwo den Anderen die schuld zu geben ist kackedreist.

    und ich weiß gar nicht mehr wo ich angefangen habe und was ich sagen wollte… ich bin einfach still 😀

  11. Roichi sagt:

    Als Jemand, der zufällig was mit Verkehr studiert, finde ich die hiesigen Autofanatiker einfach nur noch lustig.
    Die Autogerechte Stadt ist ein Mythos der 50er Jahre.
    Damals schon Blödsinn und heute noch mehr.
    Aber immer schön dran glauben. Dann wird es vielleicht wie in Hamburg. Das ist das nämlich dicht dran. Oder wie in LA, bzw. ähnlichen amerikanischen Städten.
    Das Konzept ging damals schon an jeglicher Lebenswirklichkeit vorbei und heute erst recht. Genauso wie sinnlose der Autobahnbau in Städten. Der A100 Ring gehört auch dazu.

    Ein Grund für den sinkenden Autoverkehr ist übrigens, dass die Menschen immer mehr im Mittelpunkt des Verkehrs stehen.
    Dazu zählen steigende Zahlen von Wegen zu Fuß, oder mit dem Rad. Ebenso wie guter Nahverkehr. Das Auto hat zwar auch seinen Platz, aber es wird irgendwann eben nur noch einen kleinen Teil des Verkehrs ausmachen.
    Nur die Stadt betrachtet. Auf dem Land ist die Verteilung anders.

    Übrigens ein schöner Artikel von jemandem, der auch etwas davon versteht:
    http://www.berliner-zeitung.de/verkehr/verkehrsplaner-burkhard-horn-so-wird-der-berliner-verkehr-geplant,10809298,27310170.html

  12. Luci sagt:

    Was mich angeht, spare ich auf meinem Arbeitsweg mit dem Auto gegenüber dem ÖPNV morgens fast 1 Stunde (30 Minuten vs. knapp 1,5 Std) , Nachmittags ca. 30 Minuten. Ja, ich zahle für Benzin zwischen 200 und 250 € im Monat, die BVG-Karte würde mich 70 € kosten. Aber für mich persönlich ist der Aufpreis jeden Cent wert, und solange mein Konto diesen Aufpreis mitmacht, mache ich ihn auch mit.

    Solange es die diversen Nadelöhre in Berlin gibt, wird es Staus geben, das ist leider so. Aber immerhin wird mein Gefühl bestätigt, dass Hamburg noch schlimmer ist, als Berlin.

  13. Matthias sagt:

    @Luci: Wie wagst du es, etwas von Zeitersparnis zu erzählen? Wie uns Roichi, der „irgendwas mit Verkehr“ studiert (irgendwas mit Medien war wohl schon voll?) klargemacht hat, geht das an deiner Lebenswirklichkeit vorbei!

  14. Sash sagt:

    @Matthias:
    Benimm‘ Dich nicht wie ein Kleinkind. -.-

  15. Matthias sagt:

    Sorry, aber wenn mir irgendwer der irgendwas mit irgendwas studiert erklären will, wie meine Lebenswirklichkeit und die zigtausend anderer Menschen aussieht, kann ich nicht an mich halten 😉

  16. Sash sagt:

    @Matthias:
    Das ist ja irgendwie nachvollziehbar. Schwieriger wird’s bei der Frage, wo Roichi das getan hat.

  17. Matthias sagt:

    Zum Beispiel: „Das Konzept ging damals schon an jeglicher Lebenswirklichkeit vorbei und heute erst recht. Genauso wie sinnlose der Autobahnbau in Städten. Der A100 Ring gehört auch dazu.“

    Jeglicher = aller = auch meiner, oder etwa nicht?
    Ich nutze die A100 ständig und wenn mir einer erzählen will, die A100 sei sinnlos, kann ich demjenigen nur den Vogel zeigen. Und so jemand will die Verkehrswege der Zukunft planen? Die A100 ist die meistbefahrene „Straße“ Deutschlands und entlastet den Berliner Stadtverkehr wie keine andere. Ich wohne bei Rudow und komme über diese in 19-21 Minuten zu meiner Freundin an der FU in Dahlem (Bus M11 oder Auto Innenstadt: 1 Stunde bei vermutlich 3x so viel Spritverbrauch, 50x so viel Feinstaubemissionen wegen Bremsen usw.).

    Das Problem ist, dass man deutlich merkt, dass seit Jahrzehnten vor allem Leute wie Roichi das Sagen haben. Mit der Kompetenzverteilung in Verkehrsfragen tut sich Deutschland wirklich nicht hervor, siehe BER.

  18. Sash sagt:

    @Matthias:
    Die autogerechte Stadt hat sich aber wirklich als unsinnige Lösung erwiesen sie ist genau das, was Roichi geschrieben hat:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Autogerechte_Stadt
    Und „jegliche Lebensrealität“ bedeutet meines Erachtens nach im Zusammenhang mit der autogerechten Stadt als aufgegebenes Konzept die Lebensrealität der Gesellschaft an sich; was aber zugegebenermaßen nicht eineindeutig formuliert war.
    Dass Ihr/wir hier unterschiedlicher Meinung sind, ist aber natürlich nicht zu übersehen. Denn auch ich glaube daran, dass der beste Weg, die Straßen gut befahrbar zu halten, eine Förderung der Alternativen zum Auto ist. Einhergehend mit deren Ausbau, nicht dem der Straßen.

  19. Aro sagt:

    @ Daniel
    „Die A100 ist … die in Deutschland am stärksten frequentierte Autobahn. Wo, wenn nicht dort ist ein Ausbau noch mehr gerechtfertigt?“
    Das ist Quark. Ausbau heißt in diesem Fall Verlängerung rein in die Stadt. Derzeit nach Treptow, in einem zweiten Schritt nach Friedrichshain. Neue Autobahnen in der Stadt entlasten aber nicht, sondern ziehen weiteren Verkehr an. Das ist keine „Ideologie von grün-linken Politikern“ (was für eine bekloppter Begriff!), sondern hier in Berlin täglich nachprüfbar. Trotz sinkender Zahl von Autos in der Stadt, wurde die Stadtautobahn mit jedem Ausbau immer voller. Erst nach Adlershof, dann nach Schönefeld. Mir graut schon davor, wie es nach der Eröffnung des nächsten Teilstücks wird.

  20. Andy sagt:

    @Knut, natürlich brwucht es auch weiterhin Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, selbst wenn die ÖkoFaschisten in Zukunft mit Propaganda und Gedrehe an der Kostenschraube immer mehr Menschen aufs Fahrrad nötigen.

    Wo gurken die Radler denn heute so rum? Aufm Bürgersteig ist gefährlich und verboten, auf der Strasse, die ursprünglich für Autos gestrickt wurde und dann hier und da um ein paar für alle Beteiligten hochgefährliche Radlerstreifen kastriert wurden.

    Auch für den Radler ist es gut wenn es ausreichend exklusiv für Autos gebaute Umgehungen gibt, um den Innenstadtverkehrsinfarkt etwas zu entlasten. Und der Autofahrer freut sich nicht dauernd grenzdebile Radler die noch nie von der Stvo gehört haben über den Haufen zu fahren. Stossstangen lackieren ist teuer.

    Zynismus beiseite, beides hat seine Berechtigung, und wir haben immer noch ein mehr oder weniger freies Land hier. Die Biotope von KFZ und Radler müssen sicherer getrennt werden, Ringautobahnen sind ein Schritt. Radlern den Unterschied zwischen Rot und Grün beizubringen ein weiterer.

  21. Nietsgua Bokaj sagt:

    Ich mag weder die Touri-Busse, die tagtäglich alle Umleitungsstraßen (andere gibt es ja kaum mehr) in Mitte blockieren, noch die LKWs, die die A100 verstopfen. Trotzdem braucht die Stadt beides – denn sie stehen für Wirtschaft und Tourismus. Nur vom Neubauten verhindern und gleichzeitig niedrige Mieten forden kann Berlin ja nicht leben. Und wenn durch den Ausbau von Autobahnen und andere Infrastrukturprojekte das Wachstum angekurbelt wird, dann ist das nur ein Grund mehr dafür, den Autobahnring bis zur Landsberger Allee hochzuziehen… (dahinter wirds dann unrealistisch). Da mag man sich in Friedrichshain und in SO36 noch so sehr dagegen sträuben. Aber Realitätsverweigerung hat in der dortigen Blase ja sowieso Methode. Da glaubt man ja auch den selbst angefertigten Statistiken, die besagen, der Verkehr in Berlin würde weniger werden.

  22. Aro sagt:

    @ Nietsgua Bokaj
    Berlin kann mit niedrigen Mieten durchaus leben. Höchstens diejenigen nicht, die den Hals nicht voll kriegen und deshalb hier das rote Schreckgespenst an die Wand malen. Bzw. ihre Jünger, deren arme FDP immer weiter abkackt. Vielleicht ja auch gerade deshalb, weil sie die Autobahn ohne Rücksicht auf die dort lebenden Bürger quer durch die Stadt schlagen will. Nicht nur bis zur Landsberger, sondern sogar noch durch den Prenzlauer Berg.
    Eine lebenswerte Stadt kann durchaus auf noch mehr Verkehr verzichten. Und auch auf diejenigen, die diese Stadt als Beute betrachten, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung.
    Was die „selbst angefertigten Statistiken“ betrifft, kann ich Sie beruhigen: Ich habe sie nicht angefertigt, das war der Berliner Senat. Und der bin ich nicht.

  23. Roichi sagt:

    Eigentlich hatte ich ja schon einen reichlich polemischen Kommentar im Kopf. Ich versuche es dann aber doch nochmal sachlich.

    @ Andy

    Radfahrstreifen mögen für jemanden, der der „autogerechten Stadt“ nachhängt ein Graus sein und dazu noch völlig unverständlich, Sicher sind sie dennoch.
    Sie sind die sicherste Möglichkeit des Radverkehrs, die bisher gefunden wurde.
    Warum ist das so?
    Ganz einfach. Der Radfahrer hat seinen eigenen Verkehrsraum, wird aber dennoch vom Autofahrer gesehen.
    Der eigene Verkehrsraum schützt vor Konfliktsituationen, wie zu dichtem Überholen. Das würde auch ein Bürgersteigradweg leisten können. Nicht aber die Sichtbarkeit.
    Denn die Aufmerksamkeit als Autofahrer ist auf der Straße, nicht auf dem Bürgersteig. Erst recht nicht, wenn dazwischen noch andere Autos parken. So kommt dann ein Radfahrer an einer Kreuzung überraschend oder wird gleich gar nicht gesehen.
    Der Radfahrstreifen auf der Fahrbahn ist im Blickfeld des Autofahrers, womit dieser einen Radfahrer wahrnehmen kann, lange bevor eine Kreuzung kommt. Und an der Kreuzung ist der Radfahrer im Bewusstsein bereits vorhanden.
    Dabei gehe ich natürlich von regelkonformem Verhalten aus. Nicht etwa zugeparkten Radfahrstreifen. Oder dass diese mal eben als zusätzliche Spur für Autos genutzt werden.

    Weiterhin bietet der Radfahrstreifen eine besser Qualität der Fahrbahn, was gerade der Förderung des Radverkehrs und dem Schutz der Fußgänger zugute kommt. Es lässt sich bequemer und auch schneller fahren, als auf holprigen Bürgersteigradwegen.
    Es laufen keine Fußgänger darauf herum, und es wird auch nicht auf dem Gehweg gefahren.

    Schlussendlich ist der Radfahrstreifen eine Reaktion auf die Veränderung der Verkehrsverteilung. Das Auto wird immer weniger genutzt und entsprechend muss es Flächen abgeben.
    Das Rad wird mehr genutzt und gewinnt Flächen dazu.

    Und jetzt noch zu einigen wirklich wunderschönen Zitaten:
    „Und der Autofahrer freut sich nicht dauernd grenzdebile Radler die noch nie von der Stvo gehört haben über den Haufen zu fahren. Stossstangen lackieren ist teuer.“

    Schulterblick ist auch was tolles. Und die Stoßstange ist mir egal, wenn ich über die Motorhaube fliege.
    Bezahl mal die Gesundheit eines umgefahrenen Radfahrers.

    „Die Biotope von KFZ und Radler müssen sicherer getrennt werden, Ringautobahnen sind ein Schritt. Radlern den Unterschied zwischen Rot und Grün beizubringen ein weiterer.“

    Und Verkehrsplanung abseits vom Stammtisch würde vielleicht auch helfen.
    Jenseits des Traums der „autogerechten Stadt“.

    @ Matthias

    Wie, mehr kommt nicht?
    Mag ja sein, das deine Lebenswirklichkeit fünfzig Jahre zurückliegt.
    Guck dich mal um in Berlin, dann siehst du die aktuelle, die mit deiner nicht viel zu tun hat.

    Du darfst übrigens gerne nachsehen, welcher Studiengang in Berlin mit Verkehr zu tun hat. Steht sogar im Namen.
    Aber hey, was wissen schon die studierten Wasserköpfe mit ihren Untersuchungen und Studien?
    Der Stammtisch ist allemal schlauer.

    Jetzt bin ich zum Ende hin doch noch polemisch geworden.
    Sorry Sash.
    Aber wenn man sich in der Materie auskennt, ist es manchmal nicht einfach.

  24. Matthias sagt:

    Studiert? Ich dachte studierend? Vermutlich 21 Jahre alt aber gemeint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben… obwohl, vermutlich schon 31 und fast im ebensovielten Semester. Mehr als die Stammtischreferenz, die schon in den 80ern out war, hast du auch nicht zu bieten. Bin beeindruckt. Nicht.

  25. Zia sagt:

    Ich werde vermutlich nie diejenigen verstehen, die immerfort einen Ausbau des „Stadtrings A100“ fordern. Vielleicht ist es euch noch nicht aufgefallen, aber Berlin HAT einen Stadtring – die A10! So Ringautobahnen haben nämlich normalerweise den Zweck den Verkehr AUS der Stadt zu ziehen und nicht hinein!! Dass das bei einer größeren Stadt wie Berlin halt auch größere Dimensionen annimmt ist ja wohl klar. Der Ausbau der A100 zieht der Verkehr aber IN die Stadt. Abgesehen davon ist ja der Begriff „Autobahn“ für diese Straße auch wenig angebracht…
    Zum Thema Radfahren kann ich nur sagen (auch wenn ich selbst nicht praktizierender Berlin-Radler bin 😉 ), dass viele meiner ehemaligen Kollegen Tempelhof-Pankow-vergleichbare Strecken zur Arbeit zurücklegen. Obwohl sie sich locker ein KFZ leisten könnten. Und dass viele meiner Freunde keinen Führerschein haben, einfach weil sie keine Veranlassung dazu sehen dafür ein heiden Geld auszugeben… Und nein, ich bin kein links-grüner Öko 😛

  26. Aro sagt:

    @ Zia
    Ach, wenn Du wüsstest: Der damalige Gauleiter Goebbels hat auch noch einen weiteren Autobahnring planen lassen, so zwischen Innenstadt und erweiterten Außenbezirken. In Lichterfelde wurde ein Stückchen davon zur Probe gebaut. Das gibt es heute noch und heißt Platz des 4. Juli.
    Ja, ja, die Nazis und die Autobahn…

  27. Sash sagt:

    @Roichi und Matthias:
    Könntet Ihr’s bitte beide wieder ohne persönlich angreifend zu werden versuchen?

  28. Nietsgua Bokaj sagt:

    Fakt ist: Berlin erlebt ein Bevölkerungswachstum. Eine Folge dessen ist, dass der Verkehr – gerade in der Innenstadt – zunimmt. Und das betrifft den Fahrrad- wie den motorisierten Verkehr. Dass manche nicht kapieren, dass dafür – wo es möglich ist – auch neue Verkehrswege erschlossen werden müssen, kapier ich wiederum nicht. Ja, natürlich wird dadurch der Gesamtverkehr weiter zunehmen (in geringerem Maße tut er das aber auch ohne Ausbau), sich aber eben auch besser verteilen. Außerdem kommen durch bessere Verkehrsanbindungen wie bspw. eine A100 bis zur Frankfurter Allee auch wahrscheinlicher mehr Wirtschaft und damit mehr Geld ins klamme Berlin. Aber ich weiß schon… am Schlesi mag man keine Unternehmen, zumindest nicht solche mit Geld.
    Eine weitere Folge des Bevölkerungswachstums ist, dass Wohnraum – ebenfalls möglichst in City-Nähe – begehrter und damit teurer wird. Man kann also eben nicht gleichzeitig niedrige Mieten für bestehende Wohnungen fordern und neue Wohnungen (für jeden Geldbeutel) verhindern. Obwohl… genau das macht ein guter Teil der Berliner ja. So absurd und widersprüchlich es auch ist. Blasendenken eben. Keine Veränderung nie nicht! Stillstand! Touris in Kreuzberg sind scheiße. Werbung an Hauswänden ist scheiße. Autobahnausbau ist scheiße.

  29. Roichi sagt:

    @Nietsgua Bokaj

    Man kann das auch wesentlich differenzierter betrachten. Muss man aber nicht.

    @ Sash

    Ich werde es versuchen.
    Und daher erstmal die Antwort von Matthias ignorieren.

  30. Nietsgua Bokaj sagt:

    Oder weniger. So wie du, Roichi. Aber danke fürs Gespräch.

  31. Luci sagt:

    @ Zia
    „Vielleicht ist es euch noch nicht aufgefallen, aber Berlin HAT einen Stadtring – die A10!“

    Äh… mit Verlaub… Aber wenn ich mir aussuchen kann, ob ich 1,5 Std. ohne Stau – mit Stau/Berufsverkehr entsprechend mehr – über den Stadtring fahre (und je nachdem ob ich komplett A10 oder zwischendurch Bundesstraße nutze) zwischen 95 und 120 km EINE Strecke fahre, oder durch die Stadt gurke – Autobahn hin oder her – und das pro Strecke je nach Umfahrung der A100 auf irgendwas zwischen 30 und 40 km kommt… Dann zieht mich niemand aus dem Stadtverkehr. Mich muss der Stadtverkehr (oder eben die Stadtautobahn) so lange ertragen, bis der ÖPNV für mich eine zeitlich ernstnehmbare Alternative bietet. Flexibilität und die Bereitschaft, auch weitere Strecken zum Arbeitsort zurück zu legen, werden von Berufstätigen bzw. Arbeitssuchenden erwartet. Dass ich aber neben ca. 9 Stunden im Büro nicht noch 3 weitere damit verbringen möchte, mich zwischen Arbeitsplatz und Heimat zu bewegen (beides innerhalb Berlins), scheint für manch einen ein anstößiges Anliegen „meinerseits“ zu sein.
    Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass das Netz gerade für Radfahrer besser ausgebaut werden muss, damit es weniger Reibungspunkte gibt. Ich sehe auf meinem Weg genug Straßen, auf denen die Radstreifen zugeparkt werden und die Radler ständig in den fließenden Autoverkehr einschwenken müssen, was meiner Meinung nach wesentlich gefährlicher ist, als Radfahrer, die einfach so einen Fahrstreifen mitnutzen, aber immerhin geradeausfahren können. Wie viele Beinaheunfälle man tagtäglich durch vermeidbare Situationen miterleben kann, wenn mein einmal quer durch Berlin fährt, ist schon beeindruckend. Ein bisschen mehr Tolleranz und im Zweifelsfall achso böse Kontrollen bei Falschparken auf Fahrradstreifen wären ja ein Anfang, aber da muss noch wesentlich mehr passieren.
    Ein Grund, weshalb ich kurze Strecken eher laufe, als mein Rad aus dem Keller zu holen, ist tatsächlich, dass ICH mich nicht als Radfahrer auf die Straße trauen würde und auf dem Gehweg ja nicht fahren darf.

  32. Luci sagt:

    Begrifflichkeiten… meinte natürlich nicht den Stadtring sondern den Berliner Ring… Eben die A10 😉

  33. Zia sagt:

    @ Luci: Nein, eben! Ein Stadtring, also der Berliner Ring, hat in meinen Augen den Sinn, dass nicht mehr Leute als nötig durch die Stadt kutschen. Stichwort Transitland Germany. Vielleicht auch noch Außenbezirke zu verbinden… Aber wie du schon schreibst nimmt kein Schwein die Mehrkilometer in Kauf, wenn ne Autobahn (und sei sie noch so verstaut) quer durch die Stadt läuft. Plus natürlich aller Berliner, die glauben damit drei, vier Minuten einsparen zu können…

  34. Schütteltier sagt:

    Der gute alte Dauerstau hat eine tühpische, grundlegende Ursache:
    die Berliner Unfähigkeit.
    Auf der 100 ist Stau weil da gebaut wird. Ok, Umleitung ist ausgeschildert. Auf der Umleitung wird…man glaubt es nicht…ebenfalls eine Baustelle als Engstelle eingerichtet. Toll. Sowas nennt man „be berlin“.

  35. Jens aus Tiflis sagt:

    ähm, wenn ich von Dresden in Richtung Hamburg oder Rostock will, ist die A100/A113 der kürzeste und wenn nicht gerade in der Rush hour, sogar der schnellste Weg für mich. Über die Frankfurter Seite ist der Weg zu lang und auf der Potsdamer Seite wurde die letzten Jahre immer ziemlich viel gebaut.

    Um den Transitverkehr rauszuhalten, würde ich die A100 auf Bundesstraße zurückstufen, kombiniert mit durchgehend Tempo 80 und im Gegenzug den Berliner Ring komplett 6-spurig ausbauen und freigeben, dann müsste es klappen. 😉

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