Bisher am weitesten verschätzt

hat sich ein Kunde neulich.

Manchmal hab ich so Leute im Auto, die irgendwie ein komisches Bild von Taxifahrern haben müssen. Sie sind verwundert, dass ich mich vernünftig artikulieren kann und glauben dann ziemlich schnell, dass ich ja eigentlich kein „richtiger“ Taxifahrer sei.

Was ein „richtiger“ Taxifahrer ist, darüber lässt sich sicher streiten. Aber hey, ich hab mir die Mühe gemacht, die Ortskundeprüfung für Berlin zu machen, kann mich an diesen Aufwand gut erinnern und fahre gerne Leute von A nach B. Selbst wenn ich inzwischen nicht mehr Vollzeit für meine Chefs arbeite, glaube ich durchaus ein „richtiger“ Taxifahrer zu sein. Und, bei allem Schreiben nebenher: auch darauf bin ich stolz!
Es ist zwar „nur“ eine Dienstleistung im Niedriglohnsektor, aber wenn man den Job gut machen will, dann fordert er einen auch.

Doch schon des Alters wegen ist die Frage danach, ob ich nebenher studiere, immer noch oft Thema im Auto. Ich antworte inzwischen mit einem Augenzwinkern und sage, dass es noch viel klischeehafter sei und ich nebenher schreibe …

Student grundsätzlich ist also eine häufige Zuordnung. Nun aber das:

„Wow! Jurastudium abgebrochen oder noch dabei!?“

Dabei haben die beiden Fahrgäste angefangen und mich nach meiner Meinung zu UberPOP gefragt. Da kommt man ohne juristische Fachtermini nicht aus, sorry … 😉

Für mich persönlich kann ich das inzwischen als Wertschätzung akzeptieren und würdigen. Aber wenn ich mich im Kollegenkreis so umsehe: Im Gegensatz zu mir haben die meisten anderen tatsächlich eine Ausbildung oder ein Studium  und meistens ein bisschen Berufserfahrung in ganz anderen Branchen hinter sich. Unterschätzt uns Taxler bloß nicht! 😀

PS: Zumindest in Berlin ist Taxifahrer wirklich kein üblicher Studentenjob mehr. Und zwar – Überraschung! – weil die Anforderungen (Ortskundeprüfung) so hoch sind, dass sich der Aufwand für zwei oder drei Semester kaum lohnt, da man sich mitunter ein halbes bis ganzes Jahr nur auf den Job vorbereiten muss.

8 Kommentare bis “Bisher am weitesten verschätzt”

  1. Holger sagt:

    Kenne ich….
    „Du bist doch bestimmt Student…BWL, oder?“ (Stimmt natürlich nur halb. Student = ja, BWL = nein).

    Sagt man ja gibt es oft Stress. Bloß kein Öko-Outfit beim Arbeiten tragen (Wollpulli oder so).
    Ich habe dann, je nach Fahrgast behauptet, ich sei Elektriker. Warum ich dann Taxi fahren würde?
    Ich hätte Familie und bräuchte ein bisschen mehr Geld…
    Ende aller Diskussionen *g*

  2. ichso sagt:

    “ Im Gegensatz zu mir haben die meisten anderen tatsächlich eine Ausbildung oder ein Studium und meistens ein bisschen Berufserfahrung in ganz anderen Branchen hinter sich.“

    und waren darin so erfolgreich, dass sie dann Taxifahrer geworden sind.

    “ Unterschätzt uns Taxler bloß nicht!“

    Niemals!
    😉

  3. elder taxidriver sagt:

    Es gibt auch Polizisten die nebenbei Taxe fahren.
    Ich bin mal an einem Sonntagmorgen volles Rohr durch die Bundesallee-Tunnel gefahren und mich überholt ein Zivil-PKW mit Polizist in Uniform drin, der mir mit der Faust droht. Stellte sich heraus, das war ein Kollege aus dem gleichen Taxibetrieb, den ich in der Uniform nicht erkannt hatte.

    Aber das mit- der- Faust-drohen habe ich mir gemerkt. War aber jetzt kein Tipp.

  4. elder taxidriver sagt:

    Die Bandbreite der Taxifahrer-Individualitäten so groß, dass sie auch phantasievolle Leute nicht fassen können.

    Es sei denn, sie hätten Beispiele davon aus erster Hand erfahren, sei es im Gespräch mit den Taxifahrern selbst oder mit Chefs von großen Taxibetrieben. Einer hat ein Haus in Südamerika und kommt jeweils für paar Monate nach Berlin zum Taxifahren, einer dito Haus an der Ostsee kommt auch immer mal her zum arbeiten. Einer fliegt aus dem Staat Washington ein, einer hat einen kleinen geisteswissenschaftlichen Verlag hat promoviert und fährt Taxi dazu: Weil seine Bücher so anspruchsvoll sind, dass sie eben nur ein kleiner Kreis von Kulturträgern überhaupt verstehen kann und kauft. Ich finde diese Lebenswege erfolgreich. Und w i e die dann jeweils Taxefahren, wie lang stundenmässig und wie clever, das würde jetzt den Rahmen hier völlig aber völlig sprengen.

  5. ErNuWieder sagt:

    @ elder taxidriver
    Diese Sorte Polizisten lieb ich ja ganz besonders. Die Aktion ist ja noch vergleichsweise harmlos, aber selbst dann wenn das witzig gemeint gewesen sein sollte, finde ich es absolut unangemessen. Leider ist aber unangemessenes Verhalten von Polizisten an der Tagesordnung.

    Ein Beispiel: Eines Nachts (ca. 1 Uhr) wurde mein alkoholisierter Sohn (damals 18 Jahre alt) von zwei Polizeibeamten nach Hause gebracht – es gab wohl Stress mit anderen Jugendlichen.
    Soweit, so gut. Statt jedoch zu läuten, haben die Herren ihm den Schlüßel aus der Hand genommen und sind vor ihm bis in unser Wohnzimmer hereingestürzt, in dem meine Frau und ich in lässiger und spärlicher Freizeitkleidung auf dem Sofa lagen.
    Nachdem ich die beiden Beamten freundlich aber bestimmt in den Flur zurück gebeten hatte, wurde ich dann gefragt was ich gegen die Polizei hätte!? WTF! Und dabei soll man dann ganz ruhig und freundlich bleiben!

  6. elder taxidriver sagt:

    Sorry, aber ich wollte hier jetzt nicht das Polizeithema aufreißen, darüber kann man nicht nur besonders hier in Berlin täglich in der Zeitung lesen. Übrigens ist der Polizeipräsident in Berlin, fährt immer mit dem Rad zur arbeit, ein ganz vernünftiger Mann.
    ( Ich möchte seinen Job nicht haben)

    Das mit der Faust-drohen, da hatte ich einen Schreck bekommen, aber es war ein Jux und es bleibt ein Jux und es ist zwanzig Jahre her. Und : Ich finde es, selbstkritisch , was meine Fahrweise angeht, leider immer noch irgendwie angemessen, denn meine rasante Fahrweise war echt unangemessen viiiel zu schnell.

    Das mit dem Sohn war sicher nicht comme il faut. Nicht vom Sohn , erstens, und nicht von der Polizei, zweitens. Die wollten ihm sicher nur helfen, denn bis der den Schlüssel ins Loch gekriegt hätte: Soviel Zeit hatten sie wohl nicht. Und vielleicht haben sie nicht darangedacht bei dem Stress, dass da noch wer wohnt. Dann lieber Taxifahrer als Polizist, kann ich da nur sagen. IMmerhin war das nach-Hause-bringen ein Gratisdienst von der Polizei. Finde ich sehr freundlich. Andere landen in der Ausnüchterungszelle.

  7. elder taxidriver sagt:

    Man muss zur Verdeutlichung vielleicht noch sagen:
    Das mit der Faust drohen war ja sozusagen unter Freunden, oder unter Kollegen, denn ich hatte ihn mit Uniform in seinem Privat-PKW zwar nicht erkannt, wohl aber er mich, weil wusste wie er die Taxen unseres gemeinsamen Betriebes kannte, oder vielleicht die Nummernschilder kannte.

  8. elder taxidriver sagt:

    Pop Stolizei

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